Seltsame Blüten der Internetkultur (1): Free (Goldberg’s) Willy!

Das Internet ist ein Medium, in dem es möglich ist selbst die alltäglichsten Dinge plötzlich als etwas ganz Neues, Abgefahrenes und Mediales zu verkaufen. Anscheinend funktioniert die Transferleistung (die schon mehrere dot.com-Blasen ermöglicht hat) immer wieder: wenn etwas im richtigen Leben stattfindet, ist es langweilig, kaum geschieht es über das (Trommelwirbel)….INTERNET (staun) ist es plötzlich irgendwie verwandelt und groovy, selbst wenn es…EXAKT DASSELBE IST!!!

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Der neue Hype um das Goldberg-Projekt der Pianistin (und Gewichtheberin!) Kimiko Ishizaka ist der beste Beweis dafür. „Setting Bach Free“ heißt es da auf der (nicht mehr aktiven, da das Projekt schon erfolgreich unterstützt wurde) Kickstarter-Seite, und in einem dieser typischen Verkaufsvideos wird einem erklärt, dass man die „Goldberg-Variationen“ von Bach jetzt endlich für alle Menschen verfügbar machen müsste, und dass das doch etwas ganz Tolles und Unterstützenswertes sei. Und natürlich gibt es da auch schon wieder den typischen Unterton, der auch so unangenehm bei den Copyright-Diskussionen z.B. der Piratenpartei auffällt: Musiker (in diesem Falle die bisher nicht wahnsinnig aufgefallene Pianistin Ishizaka) degradieren sich freiwillig zu Almosen erbettelnden Straßenmusikern in der Meinung, dass sei irgendwie modern. Und verzichten freiwillig auf CD-Einnahmen, da von diesen ja „ohnehin heute keiner mehr leben könnte“. Damit haben sie zwar recht, aber ist es eine Lösung des Problems sich ein Schild umzuhängen auf dem drauf steht „Ich bin umsonst“?

Und jetzt analysieren wir mal, was da eigentlich bei Kickstarter beworben wird. Ok, Musescore ist ein Open-Source-Notensatzprogramm, das sicherlich für manche eine Alternative zu Sibelius, Finale und Konsorten sein kann, geschenkt. Und schön, da hat nun also einer die „Goldberg-Variationen“ da eingetippt und man kann da alle möglichen tollen Sachen damit machen, z.B. die Noten lesen und gleichzeitig ein youtube-Video dazu anschauen. Wow – das hätte ich nicht gedacht, dass man das kann! Unglaublich – aber moment Mal, geht das nicht ohnehin an jedem PC oder Mac? Muss ich dazu nicht einfach nur 2 Fenster nebeneinander öffnen und kann beides gleichzeitig tun, wenn ich das denn unbedingt will? Und nebenher könnte ich auch noch eine CD hören und die Börsenkurse kontrollieren, kein Problem. Aber die geheimnisvolle Macht des Internethypes verkauft mir das als….ETWAS BAHNBRECHEND NEUES!!! SO ETWAS HABEN SIE NOCH NIE GESEHEN!!!

Und nun zu Bach…hätte man das neue Thomaner-Stück von Henze auf diese Weise frei verfügbar gemacht, hätte es sich zwar um einen illegalen aber wenigstens irgendwie revolutionären und radikalen Akt gehandelt, über den man diskutieren könnte bevor die Rechtsanwälte von Chester Music kommen. Aber – come on – Bach??? Mal abgesehen davon, dass Bach ohnehin schon seit hunderten von Jahren open source ist und absolut jeder Mensch auf diesem Planeten seine eigene Ausgabe der Goldberg-Variationen beliebig drucken und vertreiben darf (und natürlich die Musik auch Uri Caine-mäßig variieren darf, ohne dass ihm irgend welche nervigen Bach-Erben oder Verlage dazwischen funken)…ist es denn wirklich so schwer, an die Goldberg-Variationen zu kommen, verdammt noch mal? Ich nehme mal an, hunderttausende öffentliche Bibliotheken der Welt besitzen jeweils mehrere Bach-Gesamtausgaben, wahrscheinlich auch die öffentliche Bücherei von Käffern wie Paris (TX). Und selbst wenn nicht, Musik von Bach gehört so ziemlich zum billigsten, was man an Noten kaufen kann, und da man ohnehin ein fortgeschrittener Pianist/Cembalist sein muss, um die Stücke überhaupt spielen zu können, die lokale Musikschule/das lokale Konservatorium/die lokale Universität wird bestimmt mehrere Bach-Gesamtausgaben rumstehen haben, die sie gerne an Schüler/Studenten verleihen.

Und wenn ich etwas über die Hintergründe der Variationen erfahren will, aber zu arm bin, um mir für ein paar Euro ein Buch dazu zu kaufen (oder es umsonst in der öffentlichen Bibliothek zu leihen), brauche ich nur auf die hervorragende Wikipedia-Seite zu den Stücken gehen (ganz ohne Kickstarter-Unterstützung entstanden), auf der ich in 25 Sprachen (darunter auch z.B. katalanisch) darüber freundlich belehrt werde. Und wenn ich auf youtube „Bach“ und „Goldberg-Variationen“ eingebe, könnte ich ganze Tage damit verbringen, mir Videos mit der kompletten Musik anzuhören, darunter natürlich auch viele eigentlich geschützte Aufnahmen von wesentlich besseren Pianisten als Frau Ishizaka, die die Goldberg-Variationen ungefähr so stinklangweilig spielt wie weiland Keith Jarrett das wohltemperierte Klavier. Letzteres kostet allerdings nach wie vor etwas (bei ECM).

All dies ist also möglich, ohne Probleme, aber irgendwie wurden 406 Deppen davon überzeugt, 23.748,-USD dafür zu bezahlen, dass etwas, was ohnehin schon umsonst war, jetzt plötzlich (erneuter Trommelwirbel)…UMSONST ist. Aber natürlich irgendwie umsonster, weil eben Internet, neue Medien usw.. Oder war es vielleicht doch eigentlich vor allem eine Werbeaktion für Musescore und Frau Ishizaka? Die dann vielleicht auch mal irgendwann Geld verdienen wollen? (wenn im Internet irgendwo „umsonst steht“, sollte es eigentlich immer ehrlicherweise „NOCH umsonst, bis wir damit Geld verdienen wollen“ heißen). Und was ist eigentlich so schlimm daran, jemanden dafür zu bezahlen, dass er etwas für mich aufführt?

Shakespeare ist auch open source – der Text seiner gesammelten Werke ist for free im Internet zu finden, dennoch finden wir es alle (zu Recht) in Ordnung, wenn wir einem Theaterschauspieler, der diese schwierigen Texte auswendig gelernt und wochenlang mit einem kettenrauchenden und cholerischen Regisseur geprobt hat, dafür Geld zahlen, nämlich dann, wenn wir eine Theaterkarte kaufen. Was ist daran verwerflich? Ist Shakespeare nicht dennoch absolut in der Welt, für jeden verfügbar, in keiner Weise ein Geheimtipp, Teil unseres Weltkulturerbes? Genauso wie Bach? Es hat ja einen Sinn, dass auch das strengste Copyright irgendwann verfällt, irgendwann laufen auch im Schloß von Versailles die Massen herum und nichts ist auf ewig nur einer kleineren Schicht vorbehalten.

Ich bin schon jetzt in froher Erwartung der nächste Kickstarter-Kampagnen, die mir Wasser oder die Luft zum Atmen neu verkaufen wollen.

Es wird kommen, glaubt mir.

Moritz Eggert

Eine der vielen liebevoll und sorgfältig edierten Ausgaben der "Goldberg"-Variationen, die man quasi überall auf der Welt finden kann (und für deren Erwerb man deutlich weniger Geld braucht, als die Internetflatrate kostet)

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15 Antworten

  1. Sicherlich „muss“ dieses Projekt nicht sein…
    Aber angeblich haben am ersten Tag gleichzeitig 15.000 Menschen die freie Musescore Goldberg-Ausgabe angesehen. Und in drei Tagen haben 300.000 Leute die Aufnahme online gehört. Darunter – wenn man den Machern glauben darf – auch sehr viele, die sonst nie auf die Idee kämen, sich irgendwo den Henle Urtext zu holen (auch wenn die Zugangsbarrieren fast nicht existent sind).. Wenn davon auch nur 1.000 deswegen irgendwann mal in ein Konzert der Goldbergs gehen, dann ist das doch ein lohnendes Projekt. Ich kenne jedenfalls sonst kaum Initiativen im Klassikbereich, die so viel Aufmerksamkeit von außerhalb unseres Ghettos ziehen – da kann ja nichts dagegen sprechen, auch wenn die Rhetorik nervt.
    Die Kickstarter Kohle kam wohl hauptsächlich aus der Open Source Community. Kann ja nicht schaden, wenn die sich ihre eigene Aufnahme beschaffen. Man kann sich ja trotzdem seinen Glenn Gould oder Henle Urtext kaufen. Verstehe die Aufregung nicht ganz..

  2. Sie scheinen dem Gratis-Aspekt unseres Projekts sehr kritisch gegenüberzustehen. Was mir an Ihrem Artikel fehlt ist eine Besprechung des Libre-Gedankens. In Open Source kann man oft eine Ablenkung durch den Gratis-Aspekt feststellen, die das wichtige Libre-Konzept in den Schatten stellt.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Gratis_versus_libre

  3. Philip sagt:

    Echt, warum diese Aufregung? Unglaublich wie Sie, Herr Eggert, über CreativeCommons-Musiker („Musiker degradieren sich freiwillig zu Almosen erbettelnden Straßenmusikern“) und über Crowdfunding finanzierte Musik-Projekte („406 Deppen“) herziehen. Es geht bei dem Projekt u.a. auch um sinnvolle Remix-Möglichkeiten, von denen Sie kein Wort schreiben, neue Musiker-Fan-Beziehungen, neue Finanzierungsmodelle, neue Musikhörer suchen & finden und natürlich auch virale Werbung. Die ganze CreativeCommons-Idee halten Sie Ihren Argumenten nach für unnötig und beschweren sich über die „Umsonstkultur“ des Internets und die Deppen, die ein aus ihrer Sicht nach unterstützenswertes Projekt mitfinanzieren. „Exakt dasselbe“ sind derartige Projekte eben nicht…
    Differenziertere Beiträge zur Debatte wären hilfreich oder wollen Sie einfach provozieren?

    @Steven Walter: Interessantes Bild mit dem Ghetto.

  4. In Open Source kann man oft eine Ablenkung durch den Gratis-Aspekt feststellen, die das wichtige Libre-Konzept in den Schatten stellt.

    Es geht bei dem Projekt u.a. auch um sinnvolle Remix-Möglichkeiten

    Ich glaube wegen Sätzen wie solcher ist es durchaus berechtigt, nach dem Sinn von Aktionen wie „Free Goldberg“ zu fragen – wie in des Kaisers Neue Kleider werden einem hier seltsam verschwurbelte Floskeln als neue Wahrheiten verkauft, und da soll man dann auch noch Geld für spenden. Darf man da „Nein, danke“ sagen?

    Man darf.

    Gegen Open Source und Crowd Funding habe ich übrigens gar nichts, und schreibe das auch nirgends. Mit Creative Commons habe ich gewisse Probleme, aber es ist unter bestimmten Umständen diskussionswürdig und teilweise sinnvoll.

    „Free Goldberg“ aber ist einfach nur eine kaum verschleierte Self-Marketing-Aktion, die die Musikgeschichte und vor allemn Bach aber gottseidank auch noch überleben wird.

  5. Stefan Drees sagt:

    Meiner Meinung nach handelt es sich bei dem gesamten Projekt um eine bewusste Irreführung. Sowohl Aufnahmen als auch Partiturversionen finden sich unter Creative Commons im Internet (siehe Werner-Icking Music Archive: http://icking-music-archive.org für eine nach wissenschaftlichem Standard erstellte Ausgabe) und IMSLP (Aufnahme). Der gesamte Einführungstext ist im Grunde eine Farce und dient, da muss ich Moritz Eggert unbedingt zustimmen, der Selbstvermarktung einer Musikerin, die von interpretatorischer Seite lediglich eine mittelmäßige Leistung vorzeigt. Beste Grüße, Stefan Drees

  6. Klaus sagt:

    Was kann die Pianistin dafür, dass die Medin über sie berichten? Der Vorwurf der Selbstvermarktung ist billig. Wahrscheinlich ist diese Einspielung musikalisch nichts besonderes, aber der Ansatz der dabei von Grund auf verfolgt wird ist relativ neu (nicht, dass jemand eine Einspielung umsonst ins Netz stellt, sondern dass er sich um eine professionelle Aufnahme kümmert (Crowdfunding), und dass das Ergebnis dann auch „offiziell“ (CC) freigibt), wahrscheinlich berichten die Medien deshalb darüber. Man muss sich eher mal fragen, warum das im Bad Blog so eine Aggression auf sich zieht.

  7. Philip sagt:

    @Moritz Eggert: Natürlich darf man „Nein, danke“ sagen. Dass das Projekt natürlich auch Werbung für die Pianistin ist, stellt ja keiner in Frage. Das ist doch auch völlig legitim.
    Aber wenn Sie behaupten, dass nun etwas, was es eh schon umsonst gab, jetzt noch umsonster wird, dann muss man doch insofern widersprechen, als dass Ishizakas Aufnahme zuvor und mit dieser Creative Commons Zero-Lizenz ohne dieses Projekt noch nicht gab. Natürlich kann man sich über die Güte der Interpretation unterhalten, aber wieso müssen Sie dann gleich mit Bezeichnungen für einfältige Menschen kommen? Wie @Steven Walter doch schon sagte, kann doch jeder entscheiden, was er bei Crowdfunding unterstützenswert findet, ohne gleich als Depp bezeichnet zu werden.

    Ich finde, man kann es einfach begrüßenswert finden, dass solche Projekte die Öffentlichkeit auf Creative Commons, Crowdfunding und den Libre-Gedanken aufmerksam machen und dass so viele Menschen dies und die künstlerische Leistung unterstützenswert finden und damit ihren Weg zu Bach finden wie andere über Henle und Glenn Gould.

    Dazu eine Frage: Wann sind CC-Lizenzen Ihrer Meinung nach „diskussionswürdig und teilweise sinnvoll“ und nicht für „erbettelnde Straßenmusiker“?

  8. @Philip: bei allem was mit dem Verwalten und Verfügbarmachen von Informationen zu tun hat, finde ich Creative Commons eine gute Sache, zum Beispiel bei wikipedia. Wenn Künstler und kreative Kräfte wiederum ihre Arbeiten ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen, unterminieren sie genau das System, von dem sie eigentlich leben wollen. In der gesamten Geschichte der Menschheit spielt fairer Tauschhandel eine Rolle, das gilt für die Brötchen vom Bäcker ebenso wie für kreative Leistungen. Wenn ich es fair finde, dass der Bäcker Geld kriegt (was auch so ist), muss ich auf jeden Fall auch die faire Vergütung von Künstlern unterstützen.

    Ich finde übrigens schon, das ich mich darüber lustig machen darf, wenn Menschen Geld dafür ausgeben, dass eine unbedeutende Pianistin Promotion für ein fragwürdiges Projekt bekommt, eigentlich sollte sie ihre Promotion selber zahlen und nicht andere Leute darum anbetteln. Ich darf auch auf die Straße gehen und mein Geld in die Luft schmeißen, verboten ist das nicht, aber darüber lachen darf man dann auch…

  9. Klaus sagt:

    Was kann die Pianistin dafür, dass die Medien über sie berichten? Der Vorwurf der Selbstvermarktung ist billig. Wahrscheinlich ist diese Einspielung musikalisch nichts besonderes, aber der Ansatz der dabei von Grund auf verfolgt wird ist relativ neu (nicht, dass jemand eine Einspielung umsonst ins Netz stellt, sondern dass er sich um eine professionelle Aufnahme kümmert (Crowdfunding), und dass das Ergebnis dann auch “offiziell” (CC) freigibt), wahrscheinlich berichten die Medien deshalb darüber. Man muss sich eher mal fragen, warum das im Bad Blog so eine Aggression auf sich zieht.

  10. Philip sagt:

    @Moritz Eggert: Da habe ich eine deutlich positivere Sicht auf Creative Commons für Musiker als Sie. Meiner Meinung ermöglichen Sie einen freieren Umgang mit Musik als es nach heutigem Urheberrecht möglich ist. Lawrence Lessig beschreibt die Gegensätze zwischen Read-Write-Society einerseits und Erlaubniskultur andererseits in seinem Buch „Free Culture“. Dass das derzeitige Urheberrecht mit der Digitalisierung Probleme hat, kann wohl keiner abstreiten. Und an diesem Punkt setzen CC-Lizenzen doch gerade an. Sie liefern einen Blick darauf, wie „Fairness“ im Urheberrecht in Zukunft aussehen könnte. Ein verbreitetes Missverständnis dabei ist oft, dass Musiker, die unter CC-Lizenzen veröffentlichen, nicht an Einkommen interessiert wären. Ein Blick auf C3S (http://www.c-3-s.eu/) zeigt, dass sich bereits eine Verwertungsgesellschaft für CC-Lizenzen auf europäischer Ebene abzeichnet. Das kann man sehr wohl als „Unterminieren des Systems“ bezeichnen und als Aufbau einer GEMA-Alternative, es zeigt aber einen vielversprechenden Weg auf, wie in Zukunft faire Vergütung von Produzenten bei fairen Lizenzen für Kon- und Prosumenten kultureller Güter aussehen kann.

    Wie sieht der faire Tauschhandel in Ihrem „System“, von dem die Künstler eigentlich leben wollen, aus?

  11. Schau mal an, was für Unsinn dem Publikum aktuell von den Medien beigebracht wird. Dieses Video stammt von der Classical:NEXT Messe in München von vor einer Woche.

    „hier ist im Prinzip nur legal was Geld kostet“ (Anfang 1:20)

    Wir waren auf der selben Messe, ein paar Meter weiter im Hintergrund. Über „kostenlos und trotzdem legal“ wollte man an dem Tag nicht reden.

  12. @Robert Douglass: wenn ihr das, für das classical:next steht so doof findet, warum seid ihr dann dort (ich nehme an wie immer umsonst) aufgetreten?

    @Philip: Kritik ist keine „Aggression“.
    „Was kann die Pianistin dafür, dass die Medien…?“ schreibst Du….natürlich kann sie sehr viel dafür, denn natürlich will sie ganz dezidiert (und ihr Lebensgefährte), dass die Medien über sie berichten mit dieser Aktion. Deswegen tritt sie ja auch bei der classical:next auf, einer Messe für CD-Labels, die davon leben müssen, dass sie Musik legal verkaufen und produzieren.

    Gegen den Wunsch nach Promotion ist übrigens nicht das Geringste einzuwenden.
    Nur dagegen, dass andere dafür zahlen, und das Ganze als „Befreiungsaktion“ für etwas vermarktet wird, was gar nicht befreit werden muss.

  13. Ein Blick auf C3S (http://www.c-3-s.eu/) zeigt, dass sich bereits eine Verwertungsgesellschaft für CC-Lizenzen auf europäischer Ebene abzeichnet. Das kann man sehr wohl als “Unterminieren des Systems” bezeichnen und als Aufbau einer GEMA-Alternative, es zeigt aber einen vielversprechenden Weg auf, wie in Zukunft faire Vergütung von Produzenten bei fairen Lizenzen für Kon- und Prosumenten kultureller Güter aussehen kann.

    Als ich mir diese Webseite anschaute, musste ich schon schmunzeln – Creative Commons, aber dann bitte doch irgendwie Geld dafür, aber bitte nicht über die GEMA, weil die ist ja angeblich „böse“.
    Was will man denn bei C3S anderes als die GEMA? Die GEMA ist ja nicht irgendeine anonymer geldscheffelnder Konzern, sondern nichts weiter als ein Verein (!), der alles eingenommene Geld an die Urheber verteilt, von Urhebern für Urheber also, die Idee ist genau die selbe wie bei C3S! Warum soll ich das, was es schon gibt und funktioniert (GEMA) durch etwas anderes ersetzen, was das selbe will, sich aber letztlich künstlich schwach macht (wie C3S – die GEMA setzt sich im Vergleich wesentlich stärker für die Urheberbelange ein, also zum Beispiel auch gegen youtube und google etc., das sehe ich bei C3S jetzt nicht, da wird einfach nur „fair“ geschrieben, aber ist es „fair“ zu schweigen, wenn andere an der kreativen Arbeit mitverdienen, die dies eigentlich gar nicht sollten?)

    Dass das Urheberrecht im Moment nicht up-to-date mit der digitalen Wirklichkeit ist – da stimme ich Dir übrigens vollkommen zu, ich wäre der letzte, der das verneint. Mit „Alles ist umsonst“ kommt man dem aber nicht bei…

  14. Philip sagt:

    Das hat überhaupt nichts mit plumper „GEMA ist böse“-Attitüde zu tun. Die Verantwortlichen hinter C3S haben versucht, mit der GEMA in Richtung CC zu kooperieren. Das hat die GEMA aber abgelehnt (andere Verwerungsgesellschaften geben den Musikern zumindest die Möglichkeit, auch über CC zu veröffentlichen). Wenn die GEMA u.a. in solchen Punkten etwas offener wäre, bräuchte man über alternative Verwertungsgesellschaften natürlich gar nicht reden.
    In „unserer Situation“ dürfte eine GEMA-Alternative (keiner spricht von Ersatz…) aber für notwendige Bewegung im Markt sorgen. Darüber, wie C3S letztlich wirkt und agiert, würde ich mir an deiner Stelle noch kein Urteil erlauben (Scheinst ja noch nicht so lange in der C3S-Materie drin zu sein…). Das muss man erstmal abwarten, wenn sich die beiden Gesellschaften dann in vielen Belangen einigen müssen. Die Formeln „CC + C3S = schwach“ und „GEMA = stark“ kann man sich deshalb sparen.

    Was C3S anderes möchte als die GEMA, müsste eigentlich klar sein, sonst empfehle ich meinen Artikel zu lesen: http://freiekulturundmusik.wordpress.com/2012/05/16/c3s-die-cultural-commons-collecting-society-als-alternative-zur-gema/

    Ich muss mich weiter fragen, für „welche Künstler und kreative Kräfte“ du sich in welchem zukunftweisenden „System“ mit der bereits gut funktionierenden GEMA einsetzt. Dass Einkommens- und Verwertungsmodelle in der Musikbranche in Zukunft äußerst diversifiziert sein werden, müsste doch klar sein, oder?