Immer, wenn ich nicht da bin, ist es schön

Ich habe keine Zeit. Meine liebsten Menschen haben Geburtstag, ich habe viel zu tun, muss komponieren, Radio machen, an meiner Diss. schreiben. Muss = will. Also, ich bin nicht in Darmstadt, das steht fest. Darmstadt 2010 scheint wirklich anders, scheint wirklich endlich wieder gut zu werden. Könnte jedenfalls so sein. Allein das schöne Gespräch – Hahn und Polzer, siehe den Beitrag unter diesem – deutet darauf hin. Donaueschingen 2008 war wohl auch großartig. Und wer war nicht da?

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Kinder, alles eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Irgendwann werde ich hohe Summen kassieren. Dafür, dass ich irgendwo nicht teilnehme.

Denn dann ist es immer schön.

Viel Spaß in Darmstadt, ihr Trottel!

Ihr

Trottel

Author profile

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet er als Moderator und Dramaturg. Er ist Künstlerischer Leiter der Astronomie-Musik-Reihe "Himmlische Partituren" im Zeiss-Großplanetarium Berlin, arbeitet von Berlin aus für das Brucknerhaus Linz, schreibt Programmtexte für zahlreiche Orchester (Wiener Philharmoniker, New York Philharmonic), macht Konzerteinführungen in der Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie und anderswo. Außerdem ist er Bad-Blog-Autor der ersten Stunde und arbeitet als Kurator für die Musikstreaming-App IDAGIO.

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4 Antworten

  1. querstand sagt:

    dumme gedanken, zuviel rest-whiskey, zuviel tour de france eurosport-beschallung:
    „ferienkurse = nachhilfeunterricht für die, die immer noch nicht kapiert haben, dass der hase im pfeffer liegt!“
    was ist ein darmstadthase? natürlich nicht die dortigen alten hasen! fällt mir nix weiter ein, grille heut‘ lieber lammfilets…
    immerhin spricht man zum absacker in südhessen über „open space“, wobei ich dabei frz. akzent bevorzuge: oppen sbäis-ö, espace ouvert.
    hier in bayern setzt ab 12 uhr nachts das grosse outing ein: nicht, wer ruzicka kennt, wer kreidler schon mal küsste, wer pintscher zwickte. nö, viel öder: „ich habe letzten sonntag mit ja gestimmt“, also die rauchverbotsdebatte.
    und keine friedenspfeife mehr drinnen,
    statt biergarten nur noch friergarten…
    wie sind eigentl. die stücke des open space – wen interessiert schon die „kuratiertfrage“, die klingklongklang-antwort bitte…
    wäre dann doch gerne dort, fühle mich aber chancenlos als ü35, bin durch brotjob gebunden: verlagert doch darmstadt hierher, dann kommen im august vielmehr bajuwaren und haben interessantes zu sagen. aber niemand mag uns, wir lieben nur strauss…
    so aber nur rauch-outings oder openspacelala…
    oder gesangsstunden sponsored by mini…

  2. Schließe mich Arnos Kommentar an. Dasselbe bei mir: bin auch nicht in Darmstadt, da keine Zeit. Komponieren-Müssen und Wollen gehen bei mir ebenso Hand in Hand. Drum braucht es hier im Blog gelegentlich schnelle Tippfinger, viel schnelle Assoziationen, weil ich mich gleich wieder der Arbeit widmen muss (=will)[und nicht mehr so elaborierte „Weltverbesserungsbeiträge“ oder Verschwörungstheorien …“ schreiben will, die ohnehin ungehört bleiben und letztlich nur von der Arbeit ab halten…]

    Aber wäre wirklich gespannt gewesen auf Darmstadt 2010 (immerhin doch weniger eine Henze-Verklärung und bzgl. unserer Szene viel offener und um Vielfalt, Unbekannteres, Un-angepasstes bemühter als „Kulturhauptstadt 2010“ mit seinen A40-Mainstream-Partys bei „Currywuast“ und Ruhrpott-Heimeligkeit, deklariert von prominentesten ehem. Rundfunkanstalten-Chefs/Medienchefs als „Kultur“..). Drum hab ich mir auch einen Hitzschlag (nicht nur den) auf der A40 letztes Wochenende gleich erspart. Oder war das gerade mein Fehler? Sollte ich auch Akkordeon spielen lernen und einen Profi-Grillkurs belegen, mir meine abgewetzte Gitarre schnappen, paar Freunde, die Tante, die Oma zusammen trommeln und auf der A40 Wurst grillend „Schland oh Schland“ singen o.ä.? DANN kommt man wenigstens auch mal ins Fernsehen! Ja, dann gehört man zu unserer „Kultur“ man IST in dem Moment „Kultur“, man IST Kulturhauptstadt, Teil des Massenevents, wird für Sekundenbruchteile von ALLEN gesehen und „geliebt“…

    Aber zurück zu Darmstadt: Ja, trotz oder gerade wegen meines skeptischen Beitrags, den ich hier vor Wochen bloggte, wäre ich gespannt gewesen. Denn der Beitrag bezog sich ja eher auf die Website zu Darmstadt und bisherige relativ gemischte (aber keineswegs nur negative!) Erfahrungen.

    @“Brot und spiele“ nochmal: Wenn ich das Wort „Tour de France“ (z.B.)schon höre (Übertragungen und Medienaufmerksamkeit sollte man diesem letztlich Pharmaindustrie-Werbe-„Event“ (wer kreiert gerade die modernsten am wenigsten nachweisbaren Dopingmittel?) restlos entziehen!), dann denke ich nur noch an verbotene Substanzen, Schummelei, Kopfnüsse (sieht echt lustig aus beim Radeln – „Vive le tour“). Ja das ist schon wie DOPING fürs Komponieren. Da braucht unsereiner keinen Whiskey und keine echt verbotenen Substanzen mehr.

    @ Thema Geliebtwerden/Darmstadt nochmal: Kopf hoch, Ihr Bayuvaren! Dann werdet Ihr halt nicht von jedem geliebt. Strauss ist halt auch keine Avantgarde…, das müsst ihr schon zugeben, oder? Oder, naja, wenigstens „Walzer“-oder „Prater“-Avandgarde? Volksvergnüngungs-Avangarde…?

    Oder: Sieh es mal so, Alexander:
    Ferneyhough oder Rihm bei Obaz´dem, Brezn und a Moaß im Englischen Garten? Will/kann man sich das ernsthaft vor stellen? Beklatscht und bejohlt von tausenden Partygästen und begeisterten Teenees, Menschen aller Generationen. Wenn dort bei „Waldis Darmstadt-Club“ z.B. deren zuvor am Abend gespieltes Werk fachmännisch von Matze Knoop analysiert und in Waldi-Manier nach besprochen würde?(und wen von den prominenten oder aufstrebenden Neue Musik-Musikwissenschaftlern könnte Matze wohl am besten parodieren?). Oder man stelle sich vor: wenn in Darmstadt 2010 schon jetzt bekannt gegeben würde: die immer selben Neue Musik LÖWen machen doch noch bis 2012, 2014, 20.. weiter und vollenden ihr Lebenswerk zum Wohle des Neue Musik-Fußvolkes und der jubelnden Zaungäste (ob nun Ü 30 oder Ü35, Ü40, Ü42 oder Ü50+…), dann löst das in unseren Kreisen vielleicht nicht solche Jubelstürme oder Erleichterungs-Seufzer aus wie in unserer ach so geliebten sog. Breiten-„Kultur“… Oder doch…?

  3. querstand sagt:

    @ erik: tour de france=tour de farce=tour de force; von alldem hat sie partiell irgendetwas. was geht v.a. unter? die langzeit-performance! es gibt kaum solch exorbitante dauersendungen wie beim radsport oder tennisausnahmeereignissen. kühn behaupte ich aber nun: diese sendung des tour ist die längste variation auf stockhausen, nur ohne musiker. es ist eine dauervariation auf das HELIKOPTERQUARTETT, nur eben ohne streicher. das ist der grund, warum ich daran hängen bleibe. kein wunder, seitdem der partyvolkgeneraldoper, der mann, welcher taurin mit himbeergeschmack versetzte, am salzburger airport stockhausen in die luft gehen ließ… dazu die merkwürdigen radsportreligiösen am wegesrand, jubelnd, trötend, spiessrutengassenbildend als geräuschkulisse sowie die in ihrer banalität vorabenserienähnlichen krimielemente der dopingstory. irgendwie das richtige leben. warum sollten gesperrte radler nicht wieder auferstehen, wenn z.b. im bayern radlerüberfahrende politiker sogar bahnaufsichtsratsmitglieder werden können im rahmen ihrer tour de farce? für uns eine tortur. ganz ehrlich, ich blieb schlaftrunken auf eurosport hängen und döste wohlig bei der gleichbleibenden stumpfsinnsgeräuschkulisse…

    thema „l’amore di compositore“: ihr im nordosten braucht wohl mehr holzhammerhumor als wir angeblich so faden passt-scho-bayern: ja, fad ist es hierzulande selbst auf grillpartys: die stecken einfach zu oft bei dem thema rauchverbot fest. wenn man da über musik oder neue musik reden will, geht’s am ende nur um das für und wider des rauchens für sänger, da ist dann die mär von giuseppe di stefanos hinterbühnenzigarren das geistreichste, was man da hervorbringen kann. zu rihms foto auf den seiten der karlsruher musikhochschule kommt man erst gar nicht (da hat er rheinkapitänsmässig eine pfeife zwischen den backen!), man ergeht sich in mutmassungen zu sebastian frankenbergers friseur (der langhaarige ödp-mann, triumphans…). die fantasie reicht ja nicht mal für biennalöse oder badbloggerische remeniszenzen, das geht grad nur in kühlen altbauten! wie schön wäre dagegen ein argumentativ auf der stelle tretendes diskussionsründchen aus darmstadt mitzuerleben… es fesselt mich allerdings tatsächlich mein brotjob sowie das allgemeine bayerische ferienfestspielphänomen: da die augustferien sehr spät liegen, bleibt einem da nur freizeit für salzburg, irgendwelche ferienkurse in südhessen, gar wagnersbeste in nordbayern sind eigentlich unerreichbar. und aufgrund von ausbildungsmassnahmen bin ich derzeit an die schulzeiten gebunden.

    in 2 jahren vielleicht? da bin ich dann schon 40! und ehrlich gesagt, wenn sich alles mal wieder auf u35 konzentriert, dann frage ich mich, warum braucht es eigentlich diese ferienkurse, wenn man als hypothetisch 80 jahre alt werdender die meiste zeit seines restlebens davon ausgeschlossen ist? was soll das überhaupt, mit u35? geht es da um sponsorenvorgaben, die v.a. nachwuchsförderung und weniger neue musik-förderung betreiben? so geht es doch einem immer öfter: man darf nix mehr erwachsenes schreiben, muss sich als 50-jähriger noch youngster schimpfen, statt stücken für gestandene musiker nur zeugs für kids und studenten zusammenzimmern – so gern ich das wirklich mache, aber irgendwie geht einem dieses nachwuchsgedöhns an allen ecken schon auf den sender, auch wenn diese sparten wirklich ein problem haben werden, wenn nichts für die bildung der jungen getan wird!

    dazu kommt aber noch was anderes: in zeiten der gründung darmstadts, der ferienkurse, konnte man tatsächlich das neueste nur dort tanken – auch mit den unerfreulichkeiten, dass dort frankenbergers friseur als dodekaphonist herausgegangen wäre und wundersam simple tabellen- und scherenmusik (die im kopf) schreiben würde.

    heute lernt man doch mehr oder weniger sämtliche schreibarten an den landläufigen musikhochschulen. da dienen ferienkurse v.a. dem primaterhalt alter hasen und sind ein scherenschnittpodium für noch unbeschnittene junge komponistInnen, die aber auch nur eine chance haben, wenn sie mit vitamin b antreten – das wird auch heuer nicht anders sein. und ehrlich gesagt: gut, dass die jetzt auch mal grisey und partch entdecken, aber sind da selbst die br-sinfoniker schon nicht weiter?

    und noch mehr stammtisch: rihm und ferneyhough würde man sehr wohl gerne hier im biergarten treffen wollen. da zumindest der erstere mitglied der akademie der schönen künste ist, träfe man ihn wohl eher bei den berühmten kalbsfleischpflanzl im spatenhaus an – wobei ich nicht über rihms speisevorlieben reden kann… aber ein augustdarmstadt in münchen, das fände ich wirklich grossartig!

    aber wer weiss, vielleicht traue ich mich 2012 nach darmstadt, dann aus den klauen der bvs befreit! allerdings trage ich ja faz-beglaubigt seit 1996 den gerhard-r.-koch-stempel als darmstadtfeind, den ich damals auch gab. nur, bevor jetzt andere dann schon meinen ausschluss planen: ich denke, dass jeder komponist mit 40 interessanter ist, als die u35-leute, die ja mehrheitlich gar u30 sind! da sind die zwar nette wirrköpfe, haben verrückte ideen, manches schon präsentabel. mit 30/40 aber ändert sich doch nochmals was, ob sie nun schon bekannt sind oder noch darben (eigentl. darben ja alle…). man ist dann zwar nicht mehr so „formbar“, also prof.-hörig, interessanter aber allemals. so finde auch ich mich heute interessanter, finde selbst darmstadt wichtiger denn als jungspund. da muss einfach mehr generationenoffenheit her. aber darmstadt wiederholt eben nun als alte diva all die fehler, die die nachwuchsbetonte politik der letzten 10 jahre der kultur verordnete…

  4. @querstand:

    thema “l’amore di compositore”: ihr im nordosten braucht wohl mehr holzhammerhumor als wir angeblich so faden passt-scho-bayern: ja, fad ist es hierzulande selbst auf grillpartys: die stecken einfach zu oft bei dem thema rauchverbot fest.

    Mit NordOSTEN liegst Du nicht ganz richtig. Denn das Rheinland bzw. Ruhrgebiet und Kulturhauptstadt 2010 sind/ist ja nordwestlich des Weiswurstäquators. Aber halt: wenn man Bayern sich einmal um den ganzen Globus stülpen
    könnte, nach Osten und einmal wieder herum, ja dann stimmt´s.

    Hier also im NordWESTEN ist alles überschattet von der LOVEPARADE-Desaster und -Tragödie. Teilweise feiernde Raver, während andere sterben, zu Tode getrampelt werden. Grimassenschneiden, Johlen und Weiterfeiern von Leuten in Fernsehkameras, obwohl sie tw. schon wussten, was los war. Unfassbar! Debnkwürdig eigentlich, dass hier im Blog keiner drüber schreibt. Aber ich denke, das ist entweder aus verständlichem Respekt vor den Opfern und/oder weil vielleicht das ja nicht so sehr „unser“ Thema ist (Techno, Massenkult, Massenevents etc.).

    Also dann doch lieber Darmstadt? Bzw. Alexander:
    TRAU DICH HIN, in die Höhle der „Neue Musik“-Löwen
    und der kulturpolitisch gewollten Jungspund-Förderer.
    Denn Ihr „alten“ oder Midlife-Bajuvaren habt es doch manchmal mit den Löwen, oder? Oder mit LÖW? Oder: hin zu die Sechz´ger? Oder: Löwenbräu? Und apropos Stammtisch, Twitter und Co.: hier regnet´s.