Dosenschlagen in New York – Beginn eines neuen Reiseblogs

Da ja nun schon seit einiger Zeit das von Patrick Hahn in New York aufgenommene Bad Boy Entertainment – Bild unseren Blog ziert, dachte ich mir, es sei an der Zeit, wieder diese schöne Stadt zu besuchen.
(Anmerkung an Patrick: Wo genau hast Du das Gebäude gefunden? Man sollte ein paar neue Bilder davon machen….)

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Gerade sitze ich im Financial Center Marriott Hotel, das Hotel mit dem schönsten Blick auf Ground Zero in ganz New York (siehe Bild). Unten in der Lobby hängt Reklame für Hochzeitsreisen. Ich frage mich, ob Frischvermählte hier in diesem Hotel Ihre Flitterwochen feiern um dann Arm in Arm verträumt vom 31. Stock (in dem ich mich gerade befinde) auf die Trümmer des World Trade Centers hinabschauen. Ist das die neue Romantik?

"Weißt Du noch, Liebling...?"

"Weißt Du noch, Liebling...?"

Wie auch immer – der Flug ersparte mir die heute wohl recht schwachen Gruppenspiele der WM und bescherte mir ein erstaunliches Interview mit Claus Peymann im Air Berlin-Magazin. Kann es sein, dass prominente Künstler inzwischen ihre offenherzigsten Interviews Flugmagazinen anvertrauen, vielleicht in der irrigen Meinung diese lese niemand?
Auf jeden Fall sagt Peymann hier Sätze wie „Das Berliner Publikum ist wie eine Hure. Das kriegt man sofort.“ oder „Heute sind die Ruhrfestspiele ein glanzloses Allerweltsfestival geworden“.
Vielleicht gibt es irgendeinen geheimen Effekt, der einen dazu veranlasst, Flugmagazinen immer die Wahrheit zu sagen (ebenso wie dies für amerikanische Generäle gegenüber „Rolling Stone“ gilt), insofern empfehle ich dringend ein Interview mit Pierre Boulez, der war ja viel zu lieb in letzter Zeit…

Ich bin hier musikalisch unterwegs – übermorgen spiele ich beim „Bang on a Can“-Marathon , ein Stück von Michiel Mensingh (zusammen mit dem charmanten Damenquartett QNG) sowie eigene Hämmerklavierwerke. Da es sich bei dieser Veranstaltung um eine Art Pflichttermin der New Yorker Downtown-Szene handelt, wird sicherlich einiges Interessantes zu berichten sein. Kurz danach geht es dann nach St. John’s, Neufundland, wo ich 10 Tage beim Sound Symposium verbringen werden, einem eigenwilligen Musikfestival „ohne Grenzen“. Dort werde ich Klavier spielen und ein Open Air Event gestalten, aber vor allem werde ich sehr viel seltsame Musik hören und hoffentlich Zeit haben, darüber zu schreiben.

Bis bald also, jetzt gehe ich erst mal pennen!

Zitat eines Reisenden hinter mir in der Schlange bei der Immigration: „Früher in die DDR einzureisen war einfacher!“

Moritz Eggert

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5 Antworten

  1. querstand sagt:

    @ eggy – hier der Link des Sitzes von Bad Boy Entertainment. Wünsche allseits viel Erfolg und Spaß, grüsse good old Bettendorf, knacke die Dosen und hau‘ fein in die Tasten. Wen gäbe es eigentlich sonst noch dort zu grüssen?

  2. querstand sagt:

    @ all Und ganz eigennützig: lohnt eigentlich ein Besuch an der Montclair State University im Lande New Jersey, 20 Meilen von einem deutschen Lieblinsexilstudienort, nämlich der Columbia Universität in NYC.

    Dort befindet sich doch das Harry Partch Information Center. Ich amüsiere mich doch immer wieder ein wenig, wie meine lieben deutschen Kollegen und Kolleginnen französischen Spektralismus bei Tristan Murail studierten (wie C.C. Bettendorf, Oliver Schneller, etc.), überhaupt viele Europäer europäische Neue Musik (falls man das mal so lax determinieren darf) bei europäischen Dozenten in den Staaten studieren (was garantiert an der guten Bezahlung für die dortigen Professoren liegt und den Jungen einen PhD als „Dr. mus.“ ermöglichen soll, eigentlich ganz einfach durch Analyse eines Fremdwerks und Eigenwerks samt dessen Komposition -äh, war z.B. das einfache in Diplom in Frankfurt nicht zu den gleichen Bedingungen zu ergattern, von haarspalterischen Unterschieden abgesehen?) und von der eigentlichen US-amerikanischen Musik, sofern sie in jenen Uni-Hochburgen dann auch nicht Czernowin-, Murail-, Ferneyhough- und Hajdu-geprägt oder soft-dodekaphon ist, eigentlich gar keine Kenntnis „vor Ort“ sich verschaffen?

    Was also ist mit Besuchen jener Herrschaften im Partch-Center, bei dessen noch lebenden Mitspielern, bei dem erst verstorbenen Merce Cunningham oder steinalten Pianistinnen Cages, bei Menschen, die mit Feldman zu tun hatten, mit dem hier zur Bundespräsidentenwahlverwechslungsalternative ausgerufenen Christian Wolff?

    Oder sind europäische Schüler bei europäischen Dozenten in den USA nicht so etwas wie des Kaisers neue Kleider für eine Karriere hierzulande?

    Oder sollten wir Alle unsere Koffer packen und an eine US-Wald- und Wiesenuni emigrieren, um statt Bildungsgutscheinen mit Krankenversicherung einen Job ohne KV, RV, PV zu fristen, der aber mit unserer kompositorischen Ausbildung zu tun hat?

    Wir als die Avantgarde der Akademiker, die gar überhaupt nicht mehr von ihrem studierten Beruf durchgehend weit über Sozialhilfeniveau leben können?

    Die Zukunft viel mehr Studierter als heute noch denkbar hier in der FR.

    Also schnell mit Air-Berlin nach NYC und dort ins Bildungswüstenexil!

    Äh, wer gibt mir das nötige Grossgeld für die Columbia?

  3. querstand sagt:

    @ eggy, all: Bad Boy Entertainent Worldwide – wer ist das eigentlich? Wohl ein Hauptlabel des HipHop, wie Wikipedia verkündet, samt Alt-Hipperrappadingens Puff Daddy. Was sagt uns das? Lieber Moritz, lieber Herr Hahn alle Berichte nun bitte so abgemixt und gereimt wie „Blumentopf“ von der WM in Südafrika. Herr Lücker brachte da ja schon einige Innovationen bzgl. Tsangaris und einiger Konzerte in Krapfen-City (Berlin!). Nur der Reim, die Geschwindigkeit des Vortrags und die Bassline samt Beat müssten noch dem Bad Boy Entertainment angepasst werden! Dann wird es keine Westend- oder Lichtenbergrapoper mehr geben, dann hippt und hoppt Bunnyhill im Hasenbergl ganz darm- und donaueschstädtisch… Hier nur Vuvuzelas in A und B, Stunden vor dem Showdown England/Deutschland! Und: hopp Schwyz fehlte wohl Hipp als Hauptsponsor…

  4. querstand sagt:

    @ all: Vuvuzelas in A: eigentlich sind die hiesigen doch in B gestimmt! Ha, da geht den Fans die Luft aus! Es wird wieder leise. Oder ist das nur kräftesparen, um dann nach einem Sieg über Threelions nach H (deutsches H!) zu modulieren? Eggert bei Bang on the Can, hier nur Dosenbier…

  5. peh sagt:

    schön zu hören, dass du gut gelandet bist, moritz!
    „bad boy entertainment worldwirde“ sollte sich hinter folgendem google-maps link offenbaren:
    http://tinyurl.com/269dlyo
    fotos am liebsten mit den „bad girls“ des qng, die zu grüßen ich dich bitte!
    eine gute zeit in nyc wünscht
    patrick