Online-Mahnmal für die bald verblichene E-Musik – eine düstere Vorahnung!

„Kommst Du, oh Wanderer zu den Iden des April von Berlin ins Land gezogen,
künde denen, die dort nicht waren, nein nicht nur denen, sondern ganzen der Welt dieses:

Einst nannte man mich Kunstmusik, doch dem Einfachen geschuldet machte man mich zu E-
Musik, ernst, als sei mir Freude, Leben und Kraft von Anbeginn nicht zuteil gewesen.

Fröhlich und ernst zugleich, experimentell, elektronisch, neu und klassisch, alt und vorauseilend,
das werde ich in Bälde gewesen sein, mal langsam geschrieben, mal nächtens herausgefiebert.

Man liebte mich um meinerseits, sagte Kunst für Kunst wie mitten im Leben, in der Politik,
immer schwier’ger wurde es, als nicht ich allein, sondern mein Nutzen zum Massstab wurde.

Den einen lieb, viel zu vielen viel zu teuer, doch von Treuen geschätzt und gefördert,
sahen die einen mir des Lebens Elixier, die anderen nur der Ödnis Gefilde.

Nun dräuen mir düstre Gedanken, ahne ich, wie mich mancher vorwegnahm, mein Ende nah‘,
mag mein Ertrag für meine Schöpfer niedrig sein, ist er anderen noch nicht zu klein!

Was textet zu Allerweltsgedudel, was findet abgenutzte Klänge für’s Zaubernudelholz,
Beide nagen seit vielen Tagen an meinem Fuß, an den Kragen sie mir wollen,

Dis, das oder dos Tal könnten sie heißen, Klub der Zusammengesetzten in Englisch sie wohl sich nennen,
mit mir in Gemeinschaft seit Jahrzehnten sie sitzen, schnitzen mir nun die letzte Leibesfrucht heraus.

Wie zwei Krähen drücken sie mir den letzten Hauch nun aus, um ihre Gier unersättlich zu nähren,
bin ich dann raus, tot, aus ihrem Kreis, hacken sie sich, man zähle nicht bis zwei, ihre Augen gegenseitig aus.

Bevor zu Ende nun mein langes Leben, war ich es nicht einst, die diese Gemeinschaft erbaute,
schreib‘ ich träge, modisch alt, mein eig’nes Epitaph – das werden sie mir nicht nehmen!

Auch wird es immer Menschen geben, die nicht nach Werbung, Geld, nein, nach Höh’rem streben!
Doch meuchelt man jetzt einen Teil ihres Lebens, streicht man ihren Kleinertrag hinfort, macht ihn denen gleich, die Geld atmen, aber nicht in Kunst echt leben.

Meine Zeit ist nun abgelaufen, selbst manches meiner Kinder anbiedernd mein Ende wünschte.
Bin ich weg, seid Ihr allein – macht was draus, besser oder besser nichts?

Aus, vorbei, zu Ende, labt Euch an meinem Fett. Schnell vertilgt, werdet Ihr daran ersticken,
bis ins letzte Glied sei Euer Geschreibe und Geklingel verflucht, denn Ihr wisst es nicht – für Euch ist meine Kunst Eures Endes Gift!

Auf meine Besten – Krieg den Textern, den Werber-Amusen, Verfall ihren Palästen.
Fehl ich Euch als kleiner Drache, grässlich in meinem Namen, meine Kinder, Eure Rache!“

Anmerkung: dies mag manchen Mit-Autoren wieder langweilen. Nun denn. Eines ist klar – wie schon die letzten Jahre die E-Wertung der GEMA angegriffen worden war, was in letzter Sekunde abgeschmettert wurde, werden wohl die hier genannten Protagonisten dies per Gerichtsbeschluss kippen lassen. Aus mit der Autonomie der Autoren! Im April in Berlin – eine Chance für alle Jen- und Diesseitigen unter uns? Vielleicht schon zu spät… Fordert das Ende von Grenzen, dann nehmt aber auch nur noch weniger als ein Zehntel Eurer Einnahmen hin. Und wie die Uhren so ticken, wird auch ein Fonds Neue Musik, eine Existenz als Neue-Musik-DJ dies wett machen. Nun kommen die englischen Verhältnisse, wo es nur noch Crowdfunding im dreistelligen Rahmen gibt, noch mehr Selbstausbeutung, wohingegen unsere bisher reich entlohnt ist, Abhängigkeit von Privaten. Kein Austritt, nein, ein Arschtritt durch andere Sparten der GEMA. Mozart machte was daraus. Doch wer ist schon dieser unter uns? Einfach nur: Aus, Ende, Gelände!

Alexander Strauch.
Alexander Strauch
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1 Reaktion

  1. Passt, was ich hier lösen musste: 5 x 8 = 40. Die LINKS stehenden Zahlen werden demnächst wohl Tantieme für ein unter mehreren Wochen/Monaten komponiertes Kammermusik-Werk z.B. (Solo bis Trio) sein.

    Dass indes auf, Alexander, Deine bewusst wohl übertriebenen „Schwanengesänge“ weder hier noch auf Fb. Leute von uns reagieren, das macht einem Sorgen…

    Resignation oder Ruhe/ Sammeln vor dem letzten Sturm….?

    P.S.: Selbst WENN es so kommt: Auch Gerichtsbeschlüsse sind nichts für die Ewigkeit und können/müssen zu gegebener Zeit angefochten werden.

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