An die Mitglieder des DKV – Abschied und Mahnung

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Liebe Kolleginnen und Kollegen, Liebe Mitglieder des DKV,

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Viele Menschen haben eine Scheu davor, Kritik zu üben oder unangenehme Dinge auszusprechen, meistens aus Angst vor persönlichen Konsequenzen oder auch aus Opportunismus heraus.

Der, der unangenehme Dinge ausspricht, macht sich meistens unbeliebt, und das nicht nur bei denen, die von der Kritik betroffen sind. In diesem Spannungsfeld stand meine Präsidentschaft beim DKV spätestens nach dem ersten Scheitern der sogenannten „Kulturförderungsreform“ der GEMA.

Als die Reform zuerst 2024 angekündigt wurde, hatte ich als Präsident lange eine abwartende und neutrale Position, weil ich es immer wichtig finde, neuen Ideen eine Chance zu geben. Spätestens Ende 2024 wurde mir aber nach vielen Gesprächen mit allen Beteiligten immer klarer, dass der aktuelle GEMA-Aufsichtsrat nicht mit offenen Karten spielt, und die Reform eigentlich nur eine Vorbereitung grundsätzlicher Umwälzungen in der Verteilung der GEMA darstellt. Diese würden nicht mehr die Interessen der Mehrheit repräsentieren, sondern sich dem Druck von Konzernen und Großverdienern beugen.

Ich kann diese Pläne aus Verantwortung unseren Mitgliedern gegenüber (U wie E) nicht gutheißen, weil sie die Verteilung nach oben anstatt nach unten verschieben würden. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, auch durch den Druck durch KI-Musik. Ebenso konnte ich als Präsident nicht gutheißen, dass hier die einstige Solidargemeinschaft der GEMA aufgegeben wurde und Genres bewusst gegeneinander ausgespielt werden. Die E-Musik bekommt nur einen winzigen Anteil der GEMA-Einnahmen, ihre Großverdiener kommen noch nicht einmal ansatzweise an die in U heran. Es wird aber dennoch versucht, die E-Musik als „zu reich“ und „zu akademisch“ zu diskreditieren und Eifersucht zu wecken, was gefährlich nahe an den Entwicklungen in der Welt ist, die uns alle Sorgen machen.

Was an der Reform problematisch war – dazu habe ich mich ausführlich geäußert, und das nicht nur in „lustigen Videos“, sondern in vielen Interviews und detaillierten Artikeln, gemeinsam mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen. Die Reform ist daher 2025 im ersten Anlauf gescheitert, und ich bin stolz darauf, dass ich dazu einen Beitrag leisten konnte.

Nun steht im Mai 2026 die neue Reform an, und es sollte inzwischen allen klar geworden sein, dass die GEMA – trotz der Kritik der Kompositions- und Verlegerkurie im letzten Jahr – im Großen und Ganzen denselben Weg eingeschlagen hat, ohne auf die viele konstruktive Kritik zu hören, um die sich zahllose unserer Mitglieder in den E- wie U-Foren zur Reform bemüht haben. Nicht nur dies ist ein Grund, bei der Abstimmung über die neue Reform noch wachsamer zu sein als im letzten Jahr.

Ich halte den GEMA-Aufsichtsrat in seiner jetzigen Zusammensetzung für den schlechtesten und eigennützigsten Aufsichtsrat in der Geschichte der GEMA. Ich halte es für äußerst gefährlich, wenn er in dieser Form und mit denselben Protagonisten im nächsten Jahr wiedergewählt werden sollte. Im Verlauf meiner Recherchen über die Entscheidungsprozesse der GEMA wurde mir immer klarer, dass der Fehler auch teilweise im System liegt und es eigentlich ein Wunder wäre, wenn beim Aufsichtsrat nie Eigeninteressen oder von der Öffentlichkeit verborgene Deals eine Rolle spielen würden. Dass diese oftmals entscheidenden Absprachen in Hotelbars und nicht bei öffentlichen Sitzungen passieren (was Aufsichtsratsmitglieder mir immer wieder fast stolz erzählt haben), ist Anlass zur Besorgnis, kein Zeugnis einer besonderen Befähigung. Die GEMA bräuchte dringend wieder mehr Transparenz, um Korruption und Bestechlichkeit einzudämmen, die in wirtschaftlichen Konstellationen stets eine Gefahr sind.

Ich stehe daher den hohen Bezahlungen für die Ämter der GEMA – darunter auch der Mitgliedschaft im Aufsichtsrat – sehr kritisch gegenüber, da sie auch eine Art Geschäftsmodell darstellen können. Leidtragende dieser Entwicklung sind die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GEMA, die in der letzten Zeit ihre Jobs verloren haben, was wiederum in den eskalierenden Problemen bei der Abrechnung resultiert.

Ebenso wachsam sollte man gegenüber der Tatsache sein, dass die aktuelle GEMA-Leitung diesmal den Versuch unternommen hat, ihre Lobbyarbeit auf die eigentlich freien Musikverbände unseres Landes auszudehnen. Verbände, denen unsere Kulturlandschaft ein Anliegen sein sollte – nicht die undurchsichtigen Interessen, die der aktuelle Aufsichtsrat in all seiner Intransparenz repräsentiert. Der DKV – den ich immer als freien und unabhängigen Berufsverband verstanden habe, mit freundlichem aber eben auch nicht komplett unkritischen Verhältnis zur GEMA – ist hierbei zu einem Schlachtfeld geworden.

Das ist die Wurzel des Konflikts, in dessen unfreiwilligem Mittelpunkt ich das vergangene Jahr stand. Allzu sorglos hat man bei der Zusammensetzung unseres DKV-Vorstands übersehen, dass die Doppelung von Ämtern in einer Diskussion wie der um die Reform eine hochproblematische Konstellation ist.

Seit dem Scheitern der Reform hat sich jede Vorstandssitzung des DKV in ein Minenfeld verwandelt. Unverhohlen wurden darin die Interessen derjenigen durchgesetzt, die auch im Aufsichtsrat der GEMA sitzen, namentlich Ralf Weigand als Aufsichtsratsvorsitzender und Micki Meuser als Aufsichtsratsmitglied. Hierbei wurden sie vor allem von Hans Ströer unterstützt. Charlotte Seither wiederum ist dezidiert auszunehmen – sie musste den GEMA-Aufsichtsrat verlassen, da dieser per Eigendekret keine anderen Positionen mehr duldet, was ich als zutiefst undemokratisch empfinde. Warum sie hierüber nicht offen spricht, sollte uns allen zu denken geben, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es vollkommen freiwillig ist.

Diese Vorstandssitzungen als Präsident zu leiten, hat mich viel Zeit und Nerven gekostet. Ich fand es unerträglich mitzuerleben, wie der DKV instrumentalisiert wurde, Kritik an der Reform unterdrückt wurde und mir Maulkörbe erteilt wurden. Ich hätte mich in den letzten Zeiten gerne immer wieder frei an euch als unsere Mitglieder gewendet, es wurde mir nicht erlaubt. Auch jetzt muss ich einen anderen Weg wählen, als eine Rundmail an alle Mitglieder – denn das ist mir schlicht und einfach nicht mehr möglich, obwohl ich nach wie vor Präsident bin. Jedes meiner Worte würde zensiert und auf Linie getrimmt werden. Ich kann euch als freiheitsliebender Mensch nicht zumuten, so einen Murks zu lesen.

Die andauernden Rücktrittsforderungen an mich sind kein Geheimnis, ebenso nicht die leider teilweise erfolgreichen Aufforderungen durch zum Beispiel die DEFKOM oder VERSO an unsere Mitglieder, unseren Verband zu verlassen, was großen finanziellen Schaden hinterlassen hat.

Mir ist vollkommen klar, dass diese Maßnahmen alle nur dazu dienen sollen, unseren Verband als freies Diskussionsforum über die Reform zu lähmen und zu spalten, vor allem die Kommunikation zwischen U und E sollte empfindlich gestört werden. Mir ist ebenso bewusst, dass von den oben genannten Aufsichtsratsmitgliedern der GEMA bei uns im Vorstand jegliches Engagement für den DKV nur noch geheuchelt wird. Ich sehe für sie keine Zukunft mehr bei den anstehenden Neuwahlen, da diejenigen, die sie noch wählen würden, schon längst den DKV verlassen haben. Allein deswegen stand für mich ein Rücktritt nie in Frage – ich hätte den DKV in die Hand von Menschen übergeben, die uns geschadet haben und die uns auch in ihrer Rolle als GEMA-Aufsichtsräte in Zukunft schaden werden, wenn wir uns nicht dagegen wehren.

Ich habe mich kein einziges Mal in meinem Leben als Funktionär verstanden oder die Anhäufung von Posten angestrebt. Ich habe den DKV damals aus einem tiefen Verantwortungsgefühl und auf mehrfaches Bitten hin in einer schwierigen Zeit (Corona) übernommen, aus Verpflichtung euch als Kolleginnen und Kollegen gegenüber, denen ich nun schon seit mehr als 42 Jahren in diesem Verband im besten Sinne des Wortes verbunden bin. Bei all meinem Handeln in der letzten Zeit wart nur ihr meine Priorität, nie meine eigene Person. Ohne diese Motivation hätte ich dieses unbezahlte Ehrenamt (ich habe all die Jahre keinen einzigen Cent vom DKV eingefordert) nicht ausüben können.

Doch nun hat – nach der Mail an alle Mitglieder vorgestern – der „Kindergarten“ des DKV-Vorstands einen neuen Tiefpunkt erreicht, den ich nicht mehr mitgehen möchte, allein schon aus Selbstschutz heraus. Anscheinend wurde eine ganze Vorstandssitzung damit verschwendet, irgendwelchen privaten (!) Facebook-Kommentaren von mir hinterherzuschnüffeln und einen künstlichen Skandal daraus zu stricken. Eure Zeit wurde vergeudet mit einer Mail, die nur ein weiterer Baustein einer Strategie ist, die uns alle spalten und gegeneinander ausspielen soll.

Ich will mich hier gar nicht verteidigen – wer die Vorstandsprotokolle der letzten Sitzungen liest, kann selbst entscheiden, ob das, was ich in diesen privaten Äußerungen gesagt habe, unwahr ist, oder nicht. Ich bin auf jeden Fall niemand, der Lügen verbreitet oder Dinge gezielt falsch darstellt, das überlasse ich anderen.

Dass bei dieser Mail auch geschätzte Kolleginnen und Kollegen mit unterschrieben haben, für die ich hier seit Jahren unter vollem Einsatz kämpfe, hat mir aber gezeigt, dass ich nun sehr genau überlegen muss, wie ich meine zeitlichen Ressourcen in Zukunft einsetzen will. Wenn einem auf diese Weise vollkommen sinnlos in den Rücken gefallen wird, muss eine Form von Selbstschutz einsetzen. Dieser Punkt ist jetzt bei mir erreicht.

Ein Rücktritt von mir als Präsidenten macht so kurz vor der Neuwahl keinen Sinn mehr, aber ich erkläre hiermit, dass ich bis zur in zwei Monaten anstehenden Neuwahl keinerlei Arbeit für den DKV mehr ausführen werde. Ich behalte mein Amt aber nominell inne. Für eine Wiederwahl stehe ich nicht zur Verfügung.

Im Mai hoffe ich dann auf die Neuwahl und einen kompletten Neubeginn des DKV-Vorstands, denn dieser tut dringend not. Ich kann nur empfehlen, dass wir als Berufsverband unsere Unabhängigkeit bewahren und uns nicht instrumentalisieren lassen. Eine Wiederwahl von Personen, die direkt für den Austritt von hunderten unserer Mitglieder verantwortlich sind, wäre unerträglich.

Die Verantwortung müssen nun Andere übernehmen. Meine Unterstützung werden sie haben, wenn sie unbeirrbar und vor allem angstfrei zu den Prinzipien der Kollegialität stehen, die mir in den vergangenen Jahren immer das Wichtigste waren. Nach wie vor habe ich die Hoffnung, dass die GEMA sich besinnt und neu aufstellt, denn selbstverständlich glaube ich an ihre Prinzipien und unterstütze ihren grundsätzlichen Sinn.

Ich bedanke mich hiermit ausdrücklich bei den vielen Personen, die mir im DKV in den vergangenen Jahren zur Seite standen. Ich bedanke mich auch all bei denen, die mir hinter den Kulissen immer wieder Mut gemacht und mich unterstützt haben. Ich werde das euch nicht vergessen.

Bleibt mutig, bleibt laut, bleibt unbestechlich. Dann haben wir eine Chance.

Damit verabschiedet sich

Euer

Präsi

Moritz Eggert

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