Das Volk der Arlutumbaba – Eine kleine Einführung

Der Wald. Von unten. Foto: Hufner
Der Wald. Von unten. Foto: Hufner

Im Südwesten Ugandas lebt das Volk der Arlutumbaba. Das Volk der Arlutumbaba gendert nicht. Man sagt also nicht: »Arlutumbaba*ierinnen« oder Ähnliches. Man sagt einfach: »Arlutumbaba«. Meint man eine Frau, dann wird diese ehrenvoll als »Arlutumbaba« angesprochen. Das Gleiche bei einem Mann (genau gleich ehrenvoll): »Arlutumbaba«. Für die Fortpflanzung, ein Thema, das sehr liberal, aber dennoch seriös gehandhabt wird (um niemanden zu verletzen), unterscheidet man nach den jeweiligen Vornamen (denn Nachnamen gibt es im Volke der Arlutumbaba gar nicht). Ansonsten sucht sich jeder Arlutumbaba das Geschlecht, mit dem man bei Stammesfesten und Ähnlichem auftritt, selbst aus.

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Die Geschichte der Arlutumbaba reicht, so belegen Quellen, bis zu 20.000 Jahre zurück. Eine Verschriftlichung von Phänomenen aus Naturwissenschaft und Kultur hat nur sehr partiell stattgefunden. Man pflegt hier die orale Wiedergabe an die Jüngsten des Stammes, die eine umfangreiche – und dabei undogmatische, größtenteils selbstgewählte – Ausbildung genießen. So verhält es sich auch mit der Musik: Jeder junge Arlutumbaba wählt selbst aus, wie viel Musik erlernt, erstellt und praktiziert wird. (Die Quote der Musikschaffenden liegt witzigerweise bei nahezu 100 Prozent). Aufgeschrieben hat man bisher die Musik der Arlutumbaba kaum. Dabei ist die Musik dieses Volkes mit uralten Wurzeln sehr besonders.

Denn die Melodien und Gesänge der Arlutumbaba basieren ausschließlich auf Oktaven. Die Musik ist bei den Arlutumbaba die wichtigste Kunst. Jeden Tag trifft man sich, singt – in der Gruppe oder einzeln (je nach persönlicher Befindlichkeit; niemanden wird irgendetwas aufoktroyiert). Und man singt, richtig: in Oktaven. Sowohl beim Parallelgesang (dem »But‘ammmben«) als auch beim Einzelgesang (dem »Ind‘bammmben«; die Apostroph-Zeichen stehen hier für einen mittelhellen Zungenschnalzlaut).

Dieses Jahr möchte ich regelmäßig über die Musik der Arlutumbaba berichten. Denn die Arlutumbaba sind mir wichtig.

Arno Lücker wuchs in der Nähe von Hannover auf, studierte Musikwissenschaft und Philosophie in Hannover, Freiburg - und Berlin, wo er seit 2003 lebt. Er arbeitet als Autor (2020 erschien sein Buch »op. 111 – Beethovens letzte Klaviersonate Takt für Takt«, 2023 sein Buch »250 Komponistinnen«), Moderator, Dramaturg, Pianist, Komponist und Musik-Satiriker. Seit 2004 erscheinen regelmäßig Beiträge von ihm in der TITANIC. Arno Lücker ist Bad-Blog-Autor der ersten Stunde, Fan von Hannover 96 und den Toronto Blue Jays.

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