Kein Ende in Sicht: Bizarre Sichtweisen auf die Umfrage sexuelle Belästigung der Musikhochschule München im Haushalt Dr. Mauser

Was heute ein wenig unterging in der Berichterstattung von BR, AZ, Bild und nmz, ist eine Stellungnahme des Haushalts Dr. Mauser zu der Umfrage.

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Warum eigentlich von dieser Seite? Wer Bild liest, kann zumindest mehr mutmassen. Wie vor ein paar Wochen mir hat nun wohl jemand Bild die Umfrageergebnisse zugespielt. Dazu interviewt Bild einen der Rechtsanwälte von Dr. Mauser, Anwalt Philipp Müller der Kanzlei Stevens-Betz-Müller-Zenger. Wie zuletzt Prof. Dr. Redmann, Präsident der Musikhochschule, hebt er handwerkliche Fehler der Umfrage hervor, v.a. die fehlende zeitliche Eingrenzung, dass es rein subjektive Angaben seien, dass die Verhältnisse normal seien – wie z.B. 34 Grapschereien, 17 aufgedrängte Küsse, 9 entblösste Genitalien, 8 erzwungene sexuelle Handlungen – , dass ein solcher Fragebogen in Unternehmen zu ähnlichen oder deutlicheren Ergebnissen führe. Wie, ein handwerklich mangelhafter Katalog mit deutlicheren Ergebnissen? Lassen wir das so stehen.

Was Herr Müller nicht versteht: eine Musikhochschule ist kein x-beliebiges Unternehmen. Denn ausser Chefs arbeiten die meisten Beschäftigten ja heute in Zweier- oder Mehrpersonenbüros. Im Unterschied dazu haben wir an Musikhochschulen vordergründig Einzelunterricht, Leitungen und viele Professoren mit Einzelbüros, so dass es mehr Gefährdungspotential gibt, dazu Unterrichtssituationen oder ganz allgemein Musikausübungsmomente, wo man sich körperlich und nur zu zweit viel näher kommt als in der normalen Aussenwelt.

Der Haushalt Dr. Mauser, konkreter die Ehefrau von Dr. Mauser weiß neben vielen Dingen auf ihrer Facebook-Seite von Details der Umfrage zu berichten. Auch bei ihr geht es um handwerkliche Mängel, wie sie ähnlich der Amtsnachfolger Prof. Dr. Redmann sowie der o.g. Anwalt von dessen Amtsvorgänger, besagter Dr. Mauser, hervorheben. Es sei soviel gesagt: zu Beginn der Umfrage geht unter Frage 2 hervor, dass es sich um Studierende (2/3) und Beschäftigte (1/3) handelte. Ganz klar: keine Gäste oder dergleichen. Es bleibt auch nicht offen, ob sie Übergriffe selbst erlebten, sahen oder von Dritten hörten oder eben gar nichts erlebten, nein, die vier Kategorien wurden überall abgefragt. Nur zwischen Studierenden und Beschäftigten wurde hierbei nicht unterschieden. Es sei zudem erinnert, dass ziemlich zuletzt in Frage 21 dann die Verhältnisse der übergriffigen Situationen insgesamt abgefragt wurden, wobei davon eben ca. 70% angaben das als zwischen Beschäftigten und Studierenden stattfindend zu verbuchen, 30% nur unter Studierenden, 14% von Beschäftigten zu Beschäftigten und 17% von Vorgesetzten und Beschäftigten. Ja, wer rechnen kann, vielleicht so falsch wie hier der Haushalt Dr. Mauser: das sind 131%. Und in Frage 20 mit überwältigender Teilnahme von 759 Personen haben ca. 38% angegeben, ohne Hinweis auf Zeitraum oder wie geartet hochschulangehörig sie sind anklicken zu können, selbst oder beobachtend einmalig, mehrmalig oder häufig Übergriffe erlebt zu haben. Das steht wie Hammurabis Gesetze in Stein gemeisselt. Darauf selbst ging bisher keiner ein, dass knapp 40% die Musikhochschule nicht als den Schutzraum erlebten, von dem sie so gerne räsonniert, wenn nichts konkreteres gesagt werden soll.

Zurück zu den bizarren, falschen 131%, die durch die Möglichkeit der Mehrfachankreuzung/-beantwortung, wenn man in mehreren Rollen aktiv war über die Jahre oder eben Vorfälle in verschiedenen Beziehungsmöglichkeiten der hochschulangehörigen Akteure, möglich waren: Das deutet daraufhin, dass Personen mehrere Funktionen innerhalb ihres individuellen Zeitrahmens an der Hochschule hier angaben, da der Zeitrahmen ja nicht begrenzt war. Die These des Haushalts Dr. Mauser ist nun, dass Alumni teilnahmen, die in den 60er und 70er Jahren an der Musikhochschule studierten. So sehr ich tatsächlich begrüsst hätte, auch meine 90er Jahre z.B. miteinzubeziehen, was aber nicht geschah, keiner mich oder damalige Kommilotonen zur Teilnahme aufforderte, die zur Zeit der Umfrage im Herbst 2016 wie ich keine Hochschulangehörigen waren, zeigt dies eines: Personen, die in den 70er, 80er Jahren, ja in den 60ern, Studierende des Hauses waren, sind heute Dozierende und sahen endlich die Chance, umfassend über ihre komplexe Biografie und erlebte, beobachtete oder vernommene Übergriffe Zeugnis abzulegen. Und diese Zeugenschaft soll wohl wieder unterminiert werden.

Aber ehrlich gesagt: dieses Unterminieren ist Bullshit-Bingo, Persilistan, Weißwaschichwas! Denn nur mit Musikhochschulaccount konnte man laut Info von Teilnehmenden online und anonymisiert teilnehmen. Dank den bayerischen Volkshelden von BR-Klassik und der endlich aufräumenden Vernunft im Staatsministerium für Kunst und Wissenschaft wissen wir: im Zuge der Umfrage ergab sich nach den verurteilten Fällen von Dr. Mauser (noch in Revision), des vom Unterrichten suspendierten und angeklagten H.-J. v. Bose, noch nicht im Prozess befindlich, nun ein Dritter Fall mit bisher der Öffentlichkeit noch unbekannten Täter(n) und Opfer(n). Zudem scheint ein schwerer Amtsmissbrauch ebenfalls im Umfeld der Umfrage ans Licht gekommen zu sein. Die Umfrage ist eben doch toxischer als sie vom Haushalt des alten und vom neuen Präsidenten selbst dargestellt wird.

Was mich hier zutiefst beunruhigt, ja, ängstigt: wenn der Haushalt Dr. Mauser sagt, dass ihm interne Papiere der Musikhochschule vorlägen, aus denen sich das Alter von Personen ablesen liesse, also wie die Alumni der 60er/70er Jahre, dann liegen ihm nicht nur die 7 Seiten der Umfrageergebnisse vor und die bizarre Falschableitung der vielleicht mutmaßlich eingeschleusten Alumni geschah hier nicht. Nein, dann könnte ihm konkreteres Material vorliegen, ggf. sogar mutmasslich ausgefüllte Umfragebögen oder was auch immer. Nur, wie konnte der ehemalige Präsident daran kommen, der angeblich Hausverbot hat? Zugang zum Material hatte nur der Auswertungsausschuss, dem neben dem jetzigen Präsidenten nicht viele Personen angehörten? Es wäre zu fragen, ob es denkbar wäre, dass aus diesem Kreise genaueres Material an Mauser floss als es mir oder der Bild zugespielt wurde? Wer hat aus diesem Kreise Kontakt zu Mauser? Von der Veröffentlichung allein der Umfrageergebnissezusammenfassung wurde laut Redmann im BR Interview ja abgeraten, obwohl das alles anonymisiert erhobene Daten sind. Wenn allerdings tatsächlich von jemand Schindluder mit konkreten Material getrieben worden sein sollte, dann wäre das ein Grund, dieses Unwesen treibende Wesen aus der Arcisstr. 12 zu kicken. Wie gesagt: wenn der Haushalt Dr. Mauser sagt, ihm sei die Altersstruktur einsehbar, dann hat da jemand ein gewaltiges Erklärungsproblem.

Zu fragen ist zudem: wenn es nun Ermittlungen einmal wegen sexueller Belästigung und andererseits in einem anderen Fall wegen Machtmissbrauchs gibt, war das der eigentliche Grund, die Umfrage keinenfalls zu veröffentlichen? Wer SZ im April 2016 las, vernahm, dass im Mai 2015 Anzeige gegen Mauser erstattet wurde und dass ein Jahr darauf der Prozess losging, nach einem Schreiben an die Mitarbeiter des Mozarteums der Klarname Dr. Mausers mutmasslich aufgrund dieses potentiell 600 Personen umfassenden Verteilers in der Presse Österreichs offenbart wurde. Wenn die Umfrage nun 2016 noch stattfand, hätte längst über sie einiges gesagt werden können, wenn man die genannte Zeitspanne von 1 Jahr für Ermittlungen ansetzt, denn konkret zu einem zu ermittelnden Falle hätte man nie was sagen müssen, ja, der Täter wäre höchstwahrscheinlich doch schon nach 1-1,5 Jahren vernommen worden. Wenn es also eine geistige Verknüpfung Umfrage/Ermittlungen gibt, um zur Umfrage zu schweigen, liegt da ein Denkfehler oder Angst oder erstickende statt Bewegung ermöglichende Rechtsberatung vor.

Die nmz befragte übrigens die Musikhochschule auch zu den BR-Klassik-News und dem neuen Fall: es ist jeder, auch Alumni, aufgefordert, die bekannten Stellen bei Wissen um Vorfälle auch in der Vergangenheit zu kontaktieren. Zugleich soll den Ermittlungen ein Schutzraum gegeben werden, so dass man nichts weiter sagen könne. Ok, z.T. Neue, das Vergangene mit einbeziehende Töne. Wenn allerdings mehr als nur zusammengefasste Umfrageergebnisse an Dr. Mauser gelangten, dann liegt da etwas gewaltig im Argen und kein Bezug auf Datenschutz oder sonstige angesäuerte Invektive sind noch glaubhaft. Nach dieser sehr unschönen Analyse kann man nur glauben wollen und beten: hoffentlich arbeiten Teile der Musikhochschule und Dr. Mauser jetzt nicht zusammen. Das würde auf gemeinsame Interessen schliessen lassen können, etwas zu verschleiern oder zu rächen, was jene hoffentlich nur verschwörungstheoretisch existierenden Teile der Hochschule und Dr. Mauser verbinden würde. Nur zur Erinnerung: der weibliche Teil des Haushalts Dr. Mauser wurde letzte Wochen zweimal vor Gericht wegen Verleumdung belangt, s. hier AZ im Zivilverfahren und Verpflichtung, falsche Behauptungen zu unterlassen, s. hier SZ ein Opfer des ersten Prozesses und die Musikhochschule vs. Fr. Mauser mit Verurteilung in Form einer Verwarnung mit Strafvorbehalt und Handytippen sowie hier in der FAZ, wo Patrick Bahners sich mit Verständnisproblemen zwischen eigenem Verhalten und dessen gerichtlichen Folgen des Haushalts Dr. Mauser insgesamt im letzen Verfahren des Gatten und nun dem der Gattin befasst. So betrachtet ist die hier zugrunde gelegte Entäusserung vielleicht genauso toxisch wie das Geheimhalten der Umfrageergebnisse durch die Musikhochschule für diese selbst, was ihr nun mitunter wohl auch die Untersuchungskommission jenseits all der Verlautbarungen dazu mutmasslich bescherte.

Alexander Strauch.
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