Pierre, Morty, Luigi & Co. – Schätze von einst erneut ausgegraben

In den sozialen Netzwerken sorgt derzeit eine Bewegung von ambitionierten Musikliebhabern für Aufsehen, die auf der Suche nach vergriffenen Veröffentlichungen der Schallplattenindustrie etliche Archive, private Dachböden und Flohmärkte durchforstet. Aus dieser Recherchearbeit kommen nun besonders erlesene Fundstücke zeitgenössischer Musik – LPs erneut ans Tageslicht:

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Bildschirmfoto mit Auszügen aus der Sammlung (Quelle: FB, die Autoren möchten anonym bleiben)

 

Superstars und One-Hit-Wonder

Die Sammlung umfasst beispielsweise Ohrenschmeichler wie den 68er Sommerhit „Stimmung – bringe brange bring“ von Karlheinz, „Al gran sole carico d‘amore“ von Luigi, dem Kuschelbarden aus Venedig und Pierres unverwechselbares „Le bel aujourd’hui“.

In einem Chat verriet mir Olaf R.*, Initiator der Musikliebhaber-Bewegung: „Nachdem ich auf ein äußerst rares Exemplar der Eurovision Song Contest – Edition von Morty‘s Single „Bratsche meines Lebens – the Viola in my life“ stieß, wusste ich: Es lohnt sich weiterzusuchen!“ Und sein unermüdliches Engagement gegen das Vergessen einstiger Superhits wurde belohnt. Er erhielt in kürzester Zeit tatkräftige Unterstützung aus der Social Media – Community, ohne deren Hilfe es sicherlich nicht möglich gewesen wäre, auch die im Folgenden genannten Singles ausfindig zu machen:

Es tauchte ein gut erhaltenes Exemplar der LP „Lieder von einer Insel“ auf, Songs die Hans Werner als Begründer der Gütersloher Italo-Pop-Bewegung über Nacht weltweit zum Star machten.
Ebenso fand man ein Exemplar der 1983 in nur geringer Auflage erschienenen Single „Glaubst du an die Unsterblichkeit der Seele“ des frankokanadischen One-Hit-Wonders Claude.

 

Stil-Ikonen und Evergreens

Dass die Recherche stilübergreifend angelegt ist, zeigt auch die Entdeckung der Platte „Ungarischer Rock“ des transsylvanischen Weltenbummlers György. Lange war eine auf diesem Album vertretene Heavy – Metal – Hymne nur mündlich überliefert. Dieser Fund stellt nicht nur für Musikwissenschaftler des ugrischen Sprachraums eine unermessliche Bereicherung dar! Als Reaktion darauf jubelte die Online-Community: „Jaj, az király!“ (dt. „Ah, der König!“). Aus dem osteuropäischen Kulturkreis ebenso aufgetaucht ist Gyuris Hit-Single „Blumen die Menschen“, ein Ferienhit längst über die Grenzen des Banats hinaus.

Auch Evergreens wie „10 Märsche um den Sieg zu verfehlen“ von Mauricio, unserem argentinisch-deutschen Gewinner der Herzen und „Im Richtigen, Im Falschen – Es kann nur einen geben“ von Teddie, dem Handkäs‘-Hero vom Main konnten auf verstaubten Dachböden entdeckt werden. Zu den jüngsten Fundstücken gehören Bernd Alois‘ Greatest Hits – LP „Rheinische Kirmestänze“ und Helmuts legendäres Album mit deutschen Volksliedern.

Die Musikliebhaber-Bewegung erstreckt sich mittlerweile über die deutschen Grenzen hinaus bis in die Schweiz. Ausmaß und Wert ihrer LP-Sammlung sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar. Nach weiteren vergriffen geglaubten Schätzen wird weiterhin gesucht. Olaf R.* hofft darauf, künftig auch eine Institution für die Bewegung zu gewinnen, mit deren Hilfe die LPs zur Langzeiterhaltung archiviert werden können.

Wir dürfen gespannt sein, welche Kreolen der Neuen Musik morgen ausgegraben werden.

 

 

(*Name von der Redaktion geändert)

Julia Mihály. Foto: © Ela Mergels
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Julia Mihály definiert sich als composer-performer, sprengt mit Freude alle Schubladen, in die man sie stecken möchte, arbeitet gelegentlich als Radioautorin und engagiert sich im Vorstand der DEGEM.

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Julia Mihály

Julia Mihály definiert sich als composer-performer, sprengt mit Freude alle Schubladen, in die man sie stecken möchte, arbeitet gelegentlich als Radioautorin und engagiert sich im Vorstand der DEGEM.

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