Gegen das Verschwinden

Dies ist keine Petition. Dies ist keine Unterschriftenliste. Dies ist kein Aufruf zu Spenden oder ähnlichem.
In Berlin gibt es eine wunderbare kleine aber wöchentliche (!) Konzertreihe mit dem Namen „Unerhörte Musik“, die jeder von uns kennt, weil es sie schon sehr lange gibt, wir fast alle dort schon einmal Aufführungen hatten oder aufgetreten sind, wir fast alle schon einmal im Publikum saßen.
Diese Reihe beschreibt sich selber mit den folgenden Worten:

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Die Unerhörte Musik ist die einzige wöchentliche Konzertreihe für Neue Musik in Deutschland.

Mit ihrer einzigartigen Struktur ist sie nicht nur fester Bestandteil des Berliner Musiklebens, sondern genießt als erste Adresse für das aktuelle Musikschaffen einen hervorragenden Ruf über die Grenzen der Stadt und Deutschlands hinaus.

Die Reihe wurde 1989 auf Initiative von Rainer Rubbert und Martin Daske gegründet und wird seither mit Mitteln des Berliner Kultursenates gefördert.

Jeden Dienstag spielen Solisten und Ensembles im gelassenen Ambiente des BKA-Theaters zeitgenössische Programme mit Schwerpunkt auf der Musik des ausgehenden 20. und des 21. Jahrhunderts.
In den über 1000 Konzerten haben mittlerweile weit mehr als 1200 Uraufführungen stattgefunden.

Obwohl in erster Linie ein Podium für die in Berlin lebenden professionellen Musiker, gastieren in der „Unerhörten Musik“ auch namhafte Ensembles aus dem In- und Ausland, wobei die auswärtigen Künstler angehalten sind, auch Werke Berliner Komponisten in ihren Konzerten vorzustellen. Neben den auf Neue Musik spezialisierten Interpreten, bietet sie auch bekannten Solisten die Gelegenheit, Programme realisieren zu können, für die der etablierte Konzertbetrieb keinen Platz bietet.

Seit fünf Jahren steht den künstlerischen Leitern Rainer Rubbert und Martin Daske – beide selbst renommierte Komponisten – ein Beirat zur Seite, dem z.Zt. die Sängerin und Performerin Natalia Pschenitschnikova, der Komponist Sebastian Elikowski-Winkler und die Komponistin Charlotte Seither angehören.

So ist die Reihe für die gesamte Berliner Neue Musik Szene zur Schnittstelle geworden: für Interpreten, Komponisten, neu in Berlin lebende Musiker und das musikinteressierte Publikum gleichermaßen.

Ich schreibe dies deswegen, weil vielleicht jetzt ein ganz guter Moment wäre, jemandem in Berlin einen Brief zu schreiben. Keinen Drohbrief oder anklagende Worte, einfach nur, was eure Verbindung zu „Unerhörte Musik“ ist und was diese Konzertreihe für ein Juwel für eine Stadt wie Berlin ist. Ein paar Zeilen genügen, und zwar an:
Der Regierende Bürgermeister von Berlin
Herrn Staatssekretär Tim Renner
Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten
Brunnenstr. 188
10119 Berlin

Einfach mal so. Schreibt etwas. Ich denke, es könnte im Moment nicht schaden.
Euer
Moritz Eggert

5 Antworten

  1. Lieber Moritz Eggert! Ja, schön geschrieben, diese Anregung zum Brief-Schreiben.
    Mein offener Brief an Herrn Renner ist schon raus und nachlesen kann man ihn hier:
    http://gakuzan2004.wordpress.com/
    Viele Grüße – C. René Hirschfeld

  2. Ich kann Moritz nur beipflichten, wir sollen uns zu Wort melden. Ich habe dies bereits getan. Danke Moritz für die Unterstützung. Sidney C

  3. Ein interessanter Blick in die Jury-Aufstellung für die letzten Jahre(http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-kultur/kulturfoerderung/musik/jury-beirat/jurys_e_musik_neu.pdf?start&ts=1389864030&file=jurys_e_musik_neu.pdf): waren bis zum Förderjahr 2014 immer wieder auch als Kontrollfaktoren Leute aus der Szene in den Juries mit Aussenstehenden als anderer Kontrollfaktor, damit es nicht zu nett zueinander wird, sind 2015 bis x nun zwei zwar in Berlin Verwurzelte, aber doch nicht mitten in der Szene stehende vertreten. Laut jener Aufstellung wären sie übrigens die einzigen Beiden, der Rest des Fünfergremiums ist mit N.N. versehen: DMR und HR Mitglied/-arbeiter Stefan Fricke und Kulturmanagerin, Produktions-/PR-Frau Julia Gerlach. So beide nicht zurückgetreten sind angesichts all dieser Verschiebungen: Sie tragen mit Verantwortung für den Untergang von Unerhörter Musik!

    Was ein wenig auf der Seite der Unerhörten Musik noch Fragen aufwirft: es ist da die Rede von einem anderen Projekt, welches die Förderung anstelle der Konzertreihe bekommen soll. Welches Projekt, wer ist das?

    Zu guter Letzt: so sinnvoll im Einzelfall diese Briefaktion ist, lässt sie aber die weiteren Nicht-Geförderten wie Ensemble Kaldeidoskop und Zeitgenössische Oper ausser Acht, ebenso wichtige Bausteine der Berliner Musikszene. Haben sich Klangkunst, improvisierte Musik und Musikelektronik schon gegen das Musicboard zusammengetan, sind die Veranstalter/Komponisten/Ensembles zwar in der Initiative Neue Musik vertreten, aber zumindest für uns Externe augenscheinlich lange noch nicht so in Front zusammen gegen die Senats- und Juryentscheidungen positioniert. Die INM verteilt ja v.a. Mittel, weshalb sie ggf. das nicht ganz so geeignete Forum wäre. Aber irgendwie ist es mir zu wenig, nur Briefe zu schreiben oder den recht uninformativen Dümling-Artikel zum momentane Stand zu teilen: da werden nur Komponisten namentlich genannt, Ensembles, etc. pauschal erwähnt. Was der eigentliche Streichkonzertgrund ist, bleibt verborgen, sei es technisch oder ästhetisch. Wann veröffentlicht die Kulturverwaltung endlich die Statements der Jury für 2015 wie es bereits zum Theater erfolgte? Und wie kann eine zweiköpfige statt einer eigentlich fünfköpfigen Jury, wie die Aufstellung suggeriert, so über Jahre weitreichende Entscheidungen treffen? Das ist Berliner Klüngel. Die angemessene Vertretung und Kontrolle der Szene selbst aber wäre dies nicht. Shame on you!
    A.S.

  4. Mein Brief ist abgeschickt; ich habe auch den Appell an viele Kollegen und Freunde/Neue Musik-Interessenten weiter geleitet. Egal was war und wie es kam, ob/inwiefern nun „Berliner Klüngel“ o.ä. mit im Spiel war oder nicht…: Das spielt eigentlich primär KEINE ROLLE, in dem Sinne dass man auf die Zukunft projiziert sagen kann/muss: Es lässt sich JEDE (unsensible) Fehlentscheidung immer noch korrigieren und Lösungen finden, vor allem wenn der Senat es WILL. Dazu gehört auch der Wille zur Transparenz aller Beteiligten!: wie/warum kam es zu der Nicht-Mehr-Förderung von „unerhörte musik“ und wie wurde dies begründet? Fest steht für mich: „unerhörte musik“ MUSS weiter gehen nach 2015 und darf nicht kaputt gespart werden.

  1. 15. Juli 2014

    […] das neue Musicboard kaum noch Mittel erhalten würde. Moritz berichtete erst vorgestern von der Konzertreihe Unerhörte Musik, vielleicht kann unser Berliner Badblog-Büro auch zu den folgenden Fällen etwas […]