Gema Gema Gema Gema, Gema Chamäleon…you come and go, you come and go-o-o-o!

Es ist soweit, die GEMA-Woche beginnt, heute mit Treffen des DKV (läuft in diesen Minuten) und danach die außerordentliche Mitgliederversammlung mit der Möglichkeit zur Wahl von 64 voll stimmberechtigten Delegierten für die ordentliche Versammlung. Kollege Strauch ist schon in Berlin und berichtet, ich selber reise morgen an (zum ersten Mal erlebe ich die von vielen E-Mitgliedern kritisierte Tatsache, dass die Versammlung immer zeitgleich mit den Hochschulprüfungen stattfindet).

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Wie Alexander in seinem letzten Artikel richtig bemerkte, wurde man im Westen als junger Komponist nur von wenigen Furchtlosen auf die Existenz des DKV (Deutscher Komponistenverband) aufmerksam gemacht. Meine Lehrer Claus Kühnl und Hans-Ulrich Engelmann taten es, ich erzähle es auch meinen Schülern. Und Dir habe ich es auch erzählt, aber Du hast nicht auf mich gehört, Alexander!

Zuerst kannte man immer nur das „Verbrecheralbum“, das erst grüne, dann blaue „Verzeichnis der Komponisten im Deutschen Komponistenverband“, in dem es die skurrilste Ansammlung von Biografien diesseits des Äquators zu bewundern gab, hanebüchene oder zum Schreien komische Stücktitel sowie abgefahrene Fotos – keine Party kam ohne das Hervorholen dieses kegendären Wälzers aus, der allein schon einen eigenen Blogartikel wert ist. Inzwischen ist dieses Verzeichnis in eine Onlinedatenbank übergegangen, was zwar heute mehr Sinn macht, aber nicht mehr so unterhaltsam ist. Eventuell müsste man mal eine Serie mit Highlights aus dem alten Wälzer machen….

Später wusste ich den DKV zuerst als kompetenten Berater in Rechtsfragen zu schätzen, dann lernte man zunehmend nette und engagierte Kollegen darin kennen, die einem über die Jahre ans Herz wuchsen. Jede Bundeslandsektion hat ihren eigenen Charme – im Westen sind oft die U-Komponisten am aktivsten, im Osten eher die E-Komponisten. Aber das ist eigentlich nicht von Belang, denn das Schöne am DKV ist, dass hier U und E zusammenkommen und (was nicht immer gelingt, aber zumindest ideell als wichtig empfunden wird) an einem Strang ziehen. Ein echter Berufsverband also, und ein Ort der Begegnung zwischen sehr unterschiedlichen Weisen, Musik zu machen und von Musik zu leben. Komponisten halten sich zwar für eine eher eifersüchtige, selbstsüchtige und „schwierige“ Bande, aber im Gegensatz zu den noch eifersüchtigeren, selbstsüchtigeren und schwierigeren Schriftstellern zum Beispiel sind sie eigentlich manchmal erstaunlich kollegial.

Als ehemaliges Vorstandsmitglied des DKV leite ich also gerne die offiziellen Infos zur GEMA-Versammlung weiter, die die Fachgruppe E-Musik des DKV freundlicherweise für die Kollegen zusammengestellt hat.
Für Kurzentschlossene, die entweder in Berlin sind oder noch anreisen möchten, hier der Text:

Ab 13.00 Uhr findet (…) die ordentliche Mitgliederversammlung des DKV in der Kantine der GEMA-Generaldirektion statt.

Bisher haben sich folgende Mitglieder gemeldet, die als Delegierte der angeschlossenen und außerordentlichen Mitglieder für die Mitgliederversammlung der GEMA kandidieren wollen:

Diemer, Christian (Leipzig)

Giesen, Malte (Berlin, Mitglied im Klangbüro e.V. und Mitbegründer des Stuttgarter Festivals „Neue Töne Open“)

Kram, Christian FP (Leipzig, Vorsitzender des Sächsischen Musikbundes e.V.)

Krüger, Thomas Nathan (Stuttgart, Vorstandsmitglied bei via nova – zeitgenössische Musik in Thüringen e.V., Assistent im Studio Neue Musik der Stuttgarter Musikhochschule)

Schick, Tobias (Dresden, stellv. Vorsitzender des DKV Landesverband Sachsen)

Sindichakis, Eva (München, stellv. Vorsitzende des DKV-Landesverband Bayern, Leitungsteam FEM)

Wiegand, Mario (Weimar, stellv. Vorsitzender des DKV-Landesverband Thüringen, GEMA-Delegierter im Wertungsausschuss E-Musik, Leitungsteam FEM)

Wir bitten alle, die es ermöglichen können, die Versammlung der angeschlossenen und außerordentlichen Mitglieder am 25.06. um 17 Uhr zu besuchen, diese Kandidaten zu unterstützen und hoffen auf eine kräftige Vertretung in der ordentlichen Versammlung an den folgenden Tagen.

In diesem Jahr wird zudem der Aufsichtsrat der GEMA neu gewählt. Bisher sind mit Prof. Enjott Schneider (Aufsichtsratsvorsitzender) und Prof. Lothar Voigtländer zwei E-Komponisten im Aufsichtsrat. Beide werden wieder kandidieren. Dazu kam bisher als Stellvertreter Prof. Wolfgang Rihm. Er wird nicht wieder kandidieren. Verschiedene Kollegen wurden angesprochen, ob sie als Stellvertreter kandidieren möchten. Helmut Zapf erklärte sich dazu bereit. Wir bitten alle diese Kollegen zu unterstützen, damit auch in der Zukunft im Aufsichtsrat unsere Interessen mit Nachdruck vertreten werden. Es ist immer möglich, dass sich noch weitere Kandidaten melden.

Natürlich muss jeder selbst entscheiden, ob er zur GEMA-Versammlung kommt oder nicht. Wir müssen uns aber auch bewusst machen, dass wir uns später nicht beschweren dürfen, wenn die E-Musik in der GEMA immer weniger eine Rolle spielt. Es muss uns nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft und langfristig gelingen, die Beteiligung der E-Komponisten an der GEMA-Versammlung wie auch an den Versammlungen des Deutschen Komponistenverbandes zu erhöhen, um unsere Interessen jetzt und in der Zukunft mit der notwendigen Nachhaltigkeit artikulieren zu
können. Diese Verantwortung wird uns niemand abnehmen. Bitte sprecht auch Kollegen an, die nicht Mitglied bei uns sind. Verschiedene Hochschulprofessoren sind Mitglieder unserer Fachgruppe. Bitte redet mit Euren Studenten, informiert sie über ihre Zukunft nach dem Studium.

Die Tagesordnung für die ordentliche GEMA-Versammlung ist mit 122 Seiten sehr umfangreich. Wir möchten im Folgenden nun nicht alle Anträge detailliert durchgehen und wir möchten Euch noch weniger vorschreiben, wie Ihr bitte abstimmen möchtet. Die Erläuterungen zu den Anträgen in der Tagesordnung sind klar. Außerdem bieten die Versammlungen der Fachgruppe, des DKV und natürlich der GEMA umfangreiche Möglichkeiten zur eigenständigen Meinungsbildung. Es geht nicht mehr nur um diese „2-Tage-GEMA-Versammlung“, sondern die Situation und die Zukunft unseres Berufsstandes schlechthin (Stichworte Urheberrecht, Auftragslage, Förderpolitik etc.). Deshalb ist die Anwesenheit, das Zuhören, das Diskutieren und das Abstimmen für uns alle existenziell. Wer seine Stimme nicht erhebt und abgibt, wird auch nicht gehört.

Die Tagesordnung enthält eine Reihe von Anträgen, die zu diskutieren sind und die vielleicht auch Denkanstöße für künftige Anträge geben, da sie noch nicht ausgereift sind. Wir werden auf unserer Versammlung am 25. kurz die Anträge durchgehen. An dieser Stelle möchten wir nur folgende hervorheben.

VI. Neuregelung der Live-U-Abrechnung
Antrag 28
An dieser Neuregelung wurde lange gearbeitet. Es ersetzt das bisherige sehr umstrittene PRO-Verfahren. Die Neuregelung vereinfacht das System deutlich und stärkt insbesondere die „kleineren“ Mitglieder. Die Annahme dieses Antrags ist zu empfehlen.
VII. Reform der Rundfunkverteilung: Koeffizienten usw.

Anträge 29 a/b/c
Die drei unterschiedlichen Anträge offenbaren die Brisanz einer langjährigen kontroversen Diskussion innerhalb der Berufsgruppe der Komponisten. Ihr habt über den DKV hierzu 2 Statements erhalten, von der DEFKOM (DKV-Fachgruppe der Filmkomponisten) und vom Composers Club. Wir gehen davon aus, dass Ihr durch das Lesen dieser Statements und die weiteren Diskussionen dazu in Berlin zu einer eigenständigen Abstimmungsentscheidung findet und mit dazu beitragt, diese seit Jahren geführte Auseinandersetzung, die durchaus auch auf uns Auswirkungen haben kann, kollegial zu beenden.
IX. Anträge zur Geschäftsordnung für das Wertungsverfahren E
Leider erst ganz am Ende der Tagesordnung kommen die Anträge, die uns direkt betreffen, das bedeutet, dass wir bis zum Ende der Versammlung ausharren müssen.

Antrag 47 ist sehr zu begrüßen und klärt die Rechtsnachfolge langjähriger Lebensgefährten.

Antrag 48
Hier soll die Befristung der bewährten Praxis aufgehoben werden. Es ist sehr zu hoffen, dass der Antrag in diesem Jahr endlich angenommen wird, während er im vergangenen Jahr am Einspruch der Kurie der Textdichter scheiterte. Die Annahme dieses Antrags ist zu empfehlen.
Die Annahme der Anträge 49 und 50 ist zu empfehlen. Antrag 49 sieht Schutzmechanismen vor, um Geschäftsmodellen im Bereich der Sparte KI die Beteiligung am E-Wertungsverfahren zu erschweren. In 50 wird der Dreijahresdurchschnitt im Rundfunk für die Erlangung von Wertungs-Punkten von 150 Euro auf 100 Euro abgesenkt. Wie wir alle wissen, wird es immer schwieriger, ein
Rundfunkaufkommen zu erhalten. Die Absenkung dieser Hürde zur Erlangung von Wertungspunkten kommt uns sehr entgegen.

Zum Ende noch zwei allgemeine Hinweise.

Stimmübertragung ist generell nicht möglich. Man muss persönlich anwesend sein, um abzustimmen.

Die GEMA-Versammlung findet am Dienstag, den 26.06. und am Mittwoch, den 27.06. statt. Entgegen einiger Meinungen sind an beiden Tagen wichtige Entscheidungen zu den Anträgen zu fällen – sowohl in den kurieninternen Abstimmungen am Dienstag als auch am diskussionsreichen Mittwoch, der mittlerweile vermehrt zur Neuabstimmung verschiedener Anträge genutzt wird, da erfahrungsgemäß viele Mitglieder bereits den Heimweg angetreten haben. Diesem berechneten Lobbyismus ist Einhalt zu gebieten und gerade deshalb ist eure Anwesenheit an beiden Tagen so enorm wichtig.

Bis bald in Berlin

das Leitungsteam der Fachgruppe E-Musik (FEM) im DKV

Erdmann, Hildebrandt, Hoyer, Krüger, Lang, Strauch, Sindichakis, Voigtländer, Wiegand, Wolf

Bitte das Mitgliederforum zum Gedankenaustausch nutzen !
Internetpräsenz des Deutschen Komponistenverbandes (DKV) www.komponistenverband.de

So sähe Boy George heute aus, wenn man ihn mit photoshop älter machen würde. Moment mal....das IST Boy George!

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