Auf dem Weg zu DKV und GEMA 2

Berlin Tegel. Die Frisur sitzt immer noch nicht. Von wegen arm und sexy sei die Stadt! Um dem Chaos und Bus fahren zu entkommen, ins Taxi gestiegen. Die Fahrer müssen bei diesem Zug, S- & U-Bahn fernen Flughafen gerade einen riesigen Reibach machen. Wie zum Hohn lief ein angeblich musikfreies Inforadio. Natürlich schepperte doch irgendwann ein Jingle. Möge ein Filmkomponist der Autor sein, sonst geht’s wieder an die Werbeleut.
Muss zugeben, dass ich nur sonntags und montags in Berlin sein kann. Immerhin konnte ich einen Kollegen zur Kandidatur als Delegierter ausserordentlicher GEMA-Mitglieder in der ordentlichen Versammlung überreden. Was man so hört, haben sich ein paar Junge E-Komponisten dank Thomas N. Krueger überzeugen lassen den Sprung ins Haifischbecken zu wagen. Wären die doch ordentliche Mitglieder! Von denen werden wieder viele mit Abwesenheit glänzen. Nur wie ich schon mal schrieb: Wenn sich die Werbefraktion mit ihren Busladungen durchsetzen sollte und im Wertungsverfahren ihrer Musik in weiteren Strecken als bisher Tantiemen zu erhalten, wird die E-Musik bis zu 10 Mio. Euro weniger Geld im Verteilungsplan ausschütten können. Also: all Ihr Berliner, Hamburger und Mittel-& Norddeutschen, die Ihr E Komponisten und ordentliche Mitglieder der GEMA seid, lasst Euch blicken!!

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Noch was: traf abends bereits einige Kollegen der Fachgruppe E Musik im Komponistenverband. Wir sprachen, wie wir als Studenten auf den DKV stiessen. Die Ostkollegen wurden diretissima durch ihre Mentoren auf die Anliegen aufmerksam gemacht. Ich Wessi trat ein, da z.B. Bose und Rihm damals im Komponistenverzeichnis standen und ich als Kind gewerkschaftlich organisierter Eltern dies als selbstverständlich ansah, es denen darin gleich zu tun. Meine Lehrer machten mich aber nicht persönlich auf den DKV aufmerksam . Es waren die Filmkollegen, die wohl viel eher von ihren Lehrern auf den DKV aufmerksam gemacht werden. Warum machen dies unsere dozierenden E Grössen nicht mit ihren Schülern? Oder sind Kollegialität, Rechtsberatung und Austausch jenseits von Aufführungsgelegenheiten so unwichtig? Würde man Konzerte wie der dtkv machen, stünden die Kollegen Schlange… So aber wie sie jetzt mau engagiert sind, stehen wir bald als Anfänger wie Rentner bei Tafeln an, wenn wir nicht zwischenzeitlich akademische Soldempfänger werden sollten!

Wie gesagt: 10 Mio. € weniger im Verteilungsplan für die E Musik bedeutet jährlich den Verlust von fünf Münchner Musiktheaterbiennalen…
Also auf zum Elfmeterschiessen in Berlin. Es droht obendrein am GEMA Tagungsort eine vom Deutschen Hotel- und Gasstättenverband lancierte Demo gegen die neuen Diskothekentarife an. Per FB werden 5000 Demonstranten erwartet. Mal sehen. Wäre aber nett, wenn die mal das kompositorische Prekariat zu Gesicht bekämen. Nun zum Gastronomieboykott aufzurufen wäre schon dämlich. Aber schon interessant, wie sich die Leut‘ von Menschenausbeutern wie all den nur Minijobber oder auf Trinkgeldbasis bezahlenden Dissenbetreibern instrumentalisieren lassen. Aber Google macht’s mit seiner CC Lizenzenspendenpraxis schon vor. Wo gegen wir Komponisten kämpfen, ist also weniger Volkes wahre Stimme als gegen bestorganisierte Lobbys, die den Prekären jedes und alles als befreienden, aber nur deren letztes Geld aufsaugenden Lifestyle einreden. Dafür geht man dann demonstrieren!

Seht mal in unser EU Ausland! Dort wo man bereits vor Youtube einknickte, wie in GB, sind die nun anstehenden GEMA Diskothekentarife gang und gäbe. Aber hier will man sich lieber im prekären Jammer einrichten und führen lassen, als selbst aktiv die Lebensumstände zu verbessern, wie das Gegenteil der Verschlechterung der Musikerbezahlung. Aber wie sagen einfache Piratenmitglieder: Sollen Komponisten und Musiker wie Strassenmusikanten darben. Also ein Leben wie die armen Bulgaren an unseren Bahnhöfen, nur damit Filesharer, Werbekomponisten und Dissenbetreiber noch reicher werden? Gute Nacht!

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