Logos Is The Word

Wie Kollege Martin Hufner neulich richtig in der NMZ-Printausgabe schrieb: Man sieht vor lauter Petitionen die einzelne Petition schon nicht mehr, die schiere, alles überwältigende Masse macht es unmöglich, einen Überblick zu bekommen. Hinzu kommt, dass sich im Internet alles und jede/r wichtig macht – darunter leiden dann die Initiativen, die wirklich Hilfe verdienen.

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So zum Beispiel die Logos Foundation in Ghent, Belgien, die gerade in einer Onlinepetition um Hilfe ruft, da ihr sämtliche Fördermittel gekürzt werden sollen.
Über Logos könnte ich sehr viel erzählen – vor vielen Jahren lernte ich den stets Pfeife rauchenden Godfried Willem Raes und seine Gefährtin Moniek Darge in Neufundland beim Sound Symposium kennen, woraus eine wunderbare Künstlerfreundschaft entstand. Godfried und Moniek sind Komponisten, Erfinder, Kuratoren, Bastler, Künstler, Performer, Musiker, Autoren, politische Aktivisten, Lehrer, Programmierer und wahrscheinlich habe ich hier jetzt noch ca. 100 Berufe ausgelassen. Legendär ihre Nacktperformances als Duo, bei denen sie durch ihre Bewegungen faszinierende Klänge erzeugen, ungeheuerlich die Puppenroboter von Moniek Darge, die aus einem (guten) Horrorfilm entsprungen scheinen. A propos Roboter: Das M&M (Man and Machine) Roboterorchester, das aus mehreren skurrilen und weltweit einzigartigen Robotern besteht, die zusammen musizieren (am liebsten Tangos) ist auch eine wunderbare Erfindung der beiden.

Wer je einmal in Belgien ist, dem sei ein Besuch des von beiden selbstgebauten LOGOS Tetraeder Konzertsaal empfohlen – aus Mangel an Aufführungsorten bauten die beiden einfach ihr eigenes Haus in einen Konzertsaal um, mitten in einem Wohnviertel von Ghent! Das ganze Haus ist von oben bis unten voll mit Robotern, Computern, skurrilen Musikinstrumenten, Kunstwerken, und Moniek und Godfried sind stolze Kuratoren die ihr wundersames Reich gerne präsentieren und vorführen.
Auch die Website der LOGOS-Foundation ist eine Fundgrube – alle der hunderte von Konzerten der Vergangenheit sind sorgfältig dokumentiert und viele, viele Bilder geben einen Eindruck vom Zauberreich von Darge und Raes, die ein bisschen das für die Neue Musik sind, was die „Factory“ von Andy Warhol für die moderne Kunst in New York war…nur netter!

Was beide besonders auszeichnet, ist ihre große Kollegialität und ihr Einsatz für die Musik des 21. Jahrhunderts. Ein ganz wichtiger Teil der Arbeit des LOGOS Tetraeder sind die jährlich 50 Konzerte (also 1 Konzert pro Woche), in denen Gastmusiker aus der ganzen Welt experimentelle, amüsante, verrückte und erstaunliche Programme spielen. Wer je dort gespielt hat weiß, dass Moniek und Godfried großartige Gastgeber sind, die auch mal eigenes Geld hinzustecken, wenn die Förderung des belgischen Staates nicht mehr ausreicht, um die Konzerte zu finanzieren. Und genau diese Förderung ist nun gefährdet: Zum ersten Mal in der Geschichte der LOGOS Foundation ist die Förderung der nächsten 5 Jahre unsicher. Wenn diese aber ausfällt, gehen uns nicht nur 250 Konzerte in Europa verloren, sondern auch Aufführungsmöglichkeiten und der Austausch mit einer der sympathischsten und verrücktesten Neue-Musik-Organisationen, die es in der ganzen Welt gibt.

Daher bitte ich euch – schließt euch den vielen prominenten Stimmen in dieser Onlinepetition an, die den Erhalt der LOGOS-Arbeit fordern, es lohnt sich!

Moritz Eggert

Eindeutig kein Roboterballett

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1 Antwort

  1. Lieber Moritz,

    ja, das ist auch ein Aufruf mehr. Absolut – aus meiner Sicht – erwähnenswert. Es bleibt jedoch immer unsere eigene Sichtweise. Das Internet gibt mehreren Menschen die Chance „Masse“, Vorschläge, Petitionen einzureichen und vielleicht gibt es auch Menschen die damit überfordert sind.
    Ich zitiere noch einmal Martin Hufner: „Man sieht vor lauter Petitionen die einzelne Petition schon nicht mehr, die schiere, alles überwältigende Masse macht es unmöglich, einen Überblick zu bekommen. Hinzu kommt, dass sich im Internet alles und jede/r wichtig macht – darunter leiden dann die Initiativen, die wirklich Hilfe verdienen“.
    Das klingt für mich ein wenig von oben herab. Und wer kann immer entscheiden – wer wirklich Hilfe verdient.

    Herzliche Grüße,
    Theo