Die zweite Moderne schlägt zurück (Abenteuer im ZKM, Teil 10)

Gerne berichte ich euch von unseren weiteren großen musikalischen Fortschritten an diesem schönen Dienstag.
Das Ganze begann erst mal mit einem ziemlichen Knaller: Demichelis vertändelt in der ersten Minute leichtsinnig den Ball und fault Rooney ungeschickt. Der fackelt beim folgenden Freistoss (nicht von ihm selber ausgeführt) nicht lange und hämmert das Ding nach schöner abgefälscher Vorgabe, die ihm direkt in den Lauf fliegt, in die linke Ecke, während Demichelis kurz hinter ihm einfach am Boden liegen bleibt.
Das demoralisiert natürlich. Doch das ZKM bereitet ungeachtet dessen eine riesige Pressekonferenz vor, über die auch die NMZ online berichtet, dabei aber den Namen des Münchener Komponisten Klaus Schedl leider nicht erwähnend, also sei es hier getan.
Weibel legt erst einmal eine Steilvorlage für Peter Ruzicka hin – es handele sich hier um ein Projekt, dass etwas „völlig Neues“ darstellt, und dem „wichtigsten internationel Musikfestival“, der Münchener Biennale, zur Ehre gereichen würde. Ruzicka lässt nicht lange auf sich warten, nimmt Anlauf und definiert erneut die „Zweite Moderne“, die hier vielleicht zum ersten Mal Wirklichkeit wird, nachdem sie ja in Karlsruhe quasi erfunden worden sei!
Bayern macht Druck, aber es ist schwer, gegen ein sehr tief stehendes Man U. Doch so schlecht wie Marcel Reif sie macht, spielen sie nicht. Marcel Reif würde den Bayern sogar noch dann zu große Zaghaftigkeit attestieren, wenn sie 10:0 gegen Barca führen würden. Gerade Ribery hat große Momente, ebenso Olic, wogegen Lahm ein bißchen schwächelt. Fast alle Angriffe von Bayern gehen über links, wo die Verteidigung von Man U spürbare Schwächen hat. Doch zuerst einmal rühren die Engländer Beton an, das macht das Durchkommen schwer. Kein Hoffnungsschimmer, vorerst.
Ludger Brümmer nimmt sich den Ball und bestätigt den Neuheitscharakter der Musik: „Diese Musik ist so neu, dass die Sänger sie gar nicht richtig singen können“. Phil Minton grölt daraufhin zornig, schnappt sich den Ball und es wird noch einmal gefährlich vor dem Bayerntor.
Doch erst ist einmal Halbzeit – man schnappt sich ein Sektglas und bewegt sich gen Medientheater, wo der Schamane (meine Wenigkeit) jetzt dazu aufgerufen ist, seine iphone-Tisch-Performance abzuliefern (was gottseidank auch ganz gut klappt – meine Freunde von der ZKM-Technik sind ebenso erleichtert wie ich).
Das Ganze wird dann nochmal für die Kameras von Arte wiederholt.
Die zweite Halbzeit beginnt sehr stark für Bayern – anscheinend hat die Ansprache von van Gaal gewirkt. Deutlich noch mehr Spielkontrolle, Rooney wird erfolgreich durch Badstuber und Demichelis neutralisiert und es gibt auch die eine oder andere attraktive Torszene. Aber immer noch kein Durchkommen.
Wir finden uns ein zur Schauspielprobe: Schneller muss alles werden, flüssiger, sonst schlafen die Leute bei unserer Darbietung ein. Da müssen wir an uns arbeiten, aber nur einer von uns (Jochen Strodthoff) ist wirklich Schauspieler.
Gottseidank stören uns keine Journalisten bei der Probe – die haben das ZKM schlagartig verlassen, nachdem ihnen einige letzte psychedelische Lichtprojektionen vorgeführt wurden. Aber es sind noch ein paar Schnittchen vom Büffet übrig
Dann, in der 77. Minute das Wunder: Ribery hämmert den Ball zentral durch die Abwehrmauer von Man U, ausgerechnet Rooney fälscht den Ball ab und befördert ihn an am ansonsten hervorragend haltenden Van Der Sar vorbei ins Tor. 1:1!
Dieses Tor ist das Resultat eines konsequenten Anstürmens auf das englische Tor. Doch jetzt kommt Man U wieder. Zum zweiten Mal finden wir uns auf der „Showtreppe“ ein, diesmal um den Schlussteil zu proben. Es klappt überhaupt nicht, die Musik ist einfach zu neu für uns. Heinz Friedl gruppiert uns um ein Keyboard herum, wir singen den Schlussteil mehrmals, solange bis es besser wird. Oder auch nicht. Eine endgültige Entscheidung wird morgen getroffen werden. LATTE! Das wär’s noch gewesen, dieser Schuss hätte Bayern den Todesstoss geben können.
Zwei Minuten Nachspielzeit – inzwischen spielt Gomez für Müller. Unglaubliches spielt sich im englischen Strafraum ab. Gomez dringt durch die Mitte vor, wirft sich hin, will die Schwalbe machen, doch wie ein Wunder rollt der Ball direkt danch Olic vor die Füsse. Der spielt ein wunderbares Solo aus, verwirrt gleich zwei englische Verteidiger und auch van der Saar. IN DER ZWEITEN MINUTE DER NACHSPIELZEIT MACHT ER DAS TOR! BAYERN GEWINNT! WAHNSINN!!!!!
Olic reisst sich das Hemd vom Leib. Der Schiedsrichter zeigt ihm Gelb, Olic gibt ihm lachend die Hand.

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Er weiß, das jetzt, in diesem Moment, die zweite Moderne begonnen hat.

Noch zwei Tage.

Moritz Eggert

Van Gaal - schon ein schlauer Hundling!

Van Gaal - schon ein schlauer Hundling!

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1 Antwort

  1. peh sagt:

    wie sind wir gespannt auf das rückspiel…