Born after reading (Abenteuer im ZKM, Teil 4)

Schon den dritten Tag hintereinander lernen wir den Text. Das Schema ist immer das Gleiche: morgens Proben im Vortragssaal, bei offener Tür, dabei ist stets unsicher, ob Weibel dazu kommt oder nicht. Ich soll schon mal das Jackett anziehen, das die Kostümbildnerin für mich auserkoren hat, und in dem ich aussehe wie eine Presswurst (was nicht wirklich an dem eigentlich schicken Jackett liegt, sondern natürlich an mir). Eigentlich brauche ich ja Größe 56, aber die gab’s wohl irgendwie nicht mehr bei H&M, also probiert man, ob es auch 54 tut. Es tut es wohl nicht, denn man entscheidet spontan, den Etat um die 120,-EUR aufzustocken, die das grössere Jackett kostet.

Werbung

Mittags dann Kantinenessen bei LBS – dort sieht es exakt so aus wie bei Strombergs Kantine, vielleicht ist Stromberg hier sogar gedreht worden? Zum zweiten Mal versuche ich, den am ersten Tag erworbenen Kantinenbon anzubringen, aber wieder will ihn irgendwie keiner. Ich esse also schwarz und denke mir, dass es nicht das schlesteste ist, dass die LBS auf diese Weise ihren Kalorien bei mir ein Zuhause gibt. Dort haben sie Zukunft, höhö….

Am Nachmittag geht es dann wieder in medias res mit dem iphone-Tisch. Inzwischen gibt es schon einige interessante Trommelsounds für meine Schamanenperformance (die ich wohl am Anfang der Konferenz aufführen soll), leider werden sie gleich wieder abgeschaltet, weil es doch noch nicht so ganz funktioniert. Das Medientheater ist in völlige Dunkelheit gehüllt und Peter Weibel übernimmt spontan die Rolle des Conferenciers, der die Konferenz eröffnet.

Peter Weibel verliest den Monolog des „Conferenciers“

So langsam beginnen wir zu – wie es so schön im Theaterjargon heisst – zu „spielen“, und so langsam macht es auch Spass. Wir platzieren Objekte auf dem Tisch, aus denen sich Bilder ergiessen. Nun sind aber plötzlich die Erfinder vom ZKM nicht zufrieden: Die Projektion ist wohl zu klein, die Pultkamera falsch platziert, etc.. Es gibt also noch viel zu tun. Netterweise bekommen wir eine Tüte mit Material vom ZKM als Geschenk. Man entlässt uns in die große leere Vorhalle, in der eine Medienskulptur ominös vor sich hinglimmt und -glummert.

Das was einst auf dem Papier als "Belebung des Raumes" angedacht war, versetzt später Menschen in seltsam melancholische Stimmungen, vor allem spät am Abend

Das was einst auf dem Papier als "Belebung des Raumes" angedacht war, versetzt später Menschen in seltsam melancholische Stimmungen, vor allem spät am Abend

Es ist Mittwoch. Gleich spielt Schalke gegen Bayern.
Moritz Eggert

Author profile
Werbung

1 Antwort