Et tu, Brandenburg

Brandenburger Symphoniker

Auch du, Brandenburg….

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Wieder einmal ist eine regionale Kulturinstitution bedroht – diesmal die wunderbaren Brandenburger Symphoniker, die sich gerade in den letzten Jahren unter ihrem Leiter Michael Helmrath mit innovativen Projekten und einem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Musik einen Namen gemacht haben. Sehr zu loben sind sie auch für einen schon mehrfach durchgeführten Orchesterkompositionswettbewerb, bei dem auch schon aufgeführte Stücke eingereicht werden können und Komponisten über 40 teilnehmen dürfen (von dieser Sorte gibt es nicht viele Wettbewerbe).
Man ist ja fast schon wie gelähmt von diesen im Wochentakt eintreffenden Hilferufen dieser Art, aber es ist meine Pflicht, euch auf die Rettungsaktion hinzuweisen. Der Vorschlag, Solisten für Konzerte zukünftig allein aus dem Orchester zu rekrutieren (ohne zusätzliches Solistenhonorar natürlich) zeigt die komplette Idiotie und Verrohung unserer momentanen Kulturpolitik.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde und Kollegen,

möglicherweise haben Sie es bereits der Presse entnommen oder es durch die Buschtrommeln gehört: nach dem Brandenburger Theater sind nun auch die Brandenburger Symphoniker und ihr Chefdirigent von den Einsparplänen der örtlichen Politik betroffen.

Die Brandenburger Symphoniker befinden sich als „C-Orchester“ in der deutschen Orchesterlandschaft auf einem der letzten Plätze, spielen aber in einer hörbar höheren Liga – sie haben das Odeur der Provinz seit geraumer Zeit abgelegt und können ihrem Publikum abwechslungsreiche Konzerte auf erstaunlich hohem Niveau bieten.

Nun aber soll der Etat für die notwendigen Orchesteraushilfen, auf welche die Symphoniker aufgrund ihrer extrem kleinen Streicherbesetzung angewiesen sind, ebenso heruntergefahren werden wie der Etat für Solisten – hier wurde auch der von keinerlei Sachkenntnis getrübte Vorschlag gemacht, durch den Einsatz von Musikern aus den Reihen des Orchesters künftig auf Solisten weitgehend verzichten zu können. Die Vielfalt des Angebots, das uns bislang auszeichnete, und das großen Anteil an der Vervierfachung der Besucherzahlen in den letzten zehn Jahren hat, ginge somit verloren. Werke mit Mundharmonika, Balalaika, Steptanz, Kastagnetten, Zigeunergeige, Jazzklarinette, indischer Geige, Theremin oder Blockflöte wären dann ebensowenig in den Konzerten vertreten wie Klavierkonzerte oder Werke mit Gesang, von der virtuosen, großen Solo-Literatur, die auch von guten Orchestermusikern kaum adäquat wiederzugeben wäre, ganz abgesehen.
Derzeit sollen keine Stellen neu besetzt werden; der Geschäftsführer will keine Solisten- und Dirigentenverträge für die nächste Spielzeit unterschreiben.

Zwingende Folge der rigiden Einsparungen wäre der Rückfall in die Provinzialität mit dem Ergebnis, daß man um so leichter den Klangkörper im Ganzen zur Disposition stellen kann. Ein Orchestermitglied sprach zutreffend von einer drohenden „Verhalberstädterung“ der Brandenburger Symphoniker.

Die Stadtspitze strebt an, den Vertrag mit mir zum Sommer 2011 zu beenden, was von den meisten Betroffenen so verstanden wird, daß man sich ein leichteres Spiel bei der Verkleinerung, Marginalisierung oder gar Abschaffung der Symphoniker erhofft, wenn man erst einmal den an dem Erfolg maßgeblich beteiligten Kopf der Institution beseitigt. Ich möchte mich an den Spekulationen über die Beweggründe nicht beteiligen, wohl aber mein Befremden darüber ausdrücken, daß man es nicht für notwendig erachtet hat, mit mir vertragliche oder inhaltliche Perspektiven zu besprechen, sondern vielmehr kommentarlos ein formalisiertes Verfahren zur Beendigung meines Vertrages in Gang gesetzt hat.
Die positive Entwicklung der Brandenburger Symphoniker (in der überregionalen Presse war gar von einem „Wunder“ zu lesen) habe ich natürlich nicht alleine bewerkstelligt: die Musikerinnen und Musiker haben durch ihr hingebungsvolles Engagement einen unschätzbaren Beitrag geleistet. Weder sie, noch ich, noch die vielen treuen Besucherinnen und Besucher, die auf „ihr Orchester“ und „ihren GMD“ stolz sind, haben es verdient, daß mit den Symphonikern eine der erfreulichsten Brandenburger Einrichtungen und mit ihrem GMD ein erfolgreicher und beliebter Künstler und Orchestererzieher in Frage gestellt werden sollen.

Die Pläne der Stadtverwaltung haben hierorts zu heftigen, teils wütenden Reaktionen und Solidaritätsbekundungen geführt.

Wenn Sie, wie viele Menschen hier in Brandenburg an der Havel, dem Niedergang der Brandenburger Symphoniker entgegenwirken wollen, so bitte ich Sie herzlich, Ihre Meinung zu Orchester und Chefdirigent kundzutun: am besten in einer kurzen Email: an die Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel, Frau Dr. Dietlind Tiemann, in Kopie auch an die örtliche Zeitung („Märkische Allgemeine“) – oder umgekehrt. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie meine Emailadresse als „CC“ einsetzen könnten, damit ich prüfen kann, ob Ihre Schreiben hinreichend zur Kenntnis genommen werden.
Gerne können Sie mir auch direkt ein paar Zeilen schreiben, wobei ich Sie herzlich bitte, mir mitzuteilen, ob ich Ihre Schreiben verwenden und aus ihnen zitieren darf. Ich werde nichts ohne Ihr Einverständnis weitergeben.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Email an interessierte und engagierte Kolleginnen und Kollegen weiterleiteten.

Hier die Emailadressen:

Märkische Allgmeine:
brandenburg-stadt@MAZonline.de

Dr. Dietlind Tiemann, Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel:
oberbuergermeisterin@stadt-brandenburg.de

Michael Helmrath:
michael@helmrath.de

Bitte beachten Sie den Anhang.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Helmrath

Email: michael@helmrath.de
Homepage: www.helmrath.de

Wie so oft ist überregionale Kritik an den Sparplänen immer das effektivste Mittel, also beteiligt euch bitte!

Euer
Moritz Eggert

24 Antworten

  1. Benjamin Schweitzer sagt:

    Es juckt mich, dazu eine (möglicherweise naive) Frage zu stellen.

    Herr Helmrath schreibt:

    „von der virtuosen, großen Solo-Literatur, die auch von guten Orchestermusikern kaum adäquat wiederzugeben wäre, ganz abgesehen.“

    Ich habe noch nie einem Probespiel für eine Orchesterstelle beigewohnt. Aus Stellenanzeigen und von zahlreichen Berichten darüber weiß ich jedoch, daß dort, normalerweise in der ersten Runde, von allen Kandidaten gefordert wird, eines der großen Solokonzerte für ihr Instrument zu spielen.

    Ich vermute, daß kein Bewerber, der diese Aufgabe nicht auf höchstem Niveau absolviert, überhaupt in die nächste Runde kommt oder gar eine der wenigen und umkämpften Orchesterstellen erhält.

    Theoretisch müßte also ein Geiger, der bei den Brandenburgern – und sei es auch an einem der hinteren Pulte – spielt, (mit einer gewissen Vorbereitungszeit fürs „Aufpolieren“) ein Brahms-, Tschaikowsky- oder Beethoven-Konzert spielen können. Dieses hohe Niveau ist es ja gerade, das die Qualität unserer professionellen Orchesterlandschaft und -Tradition ausmacht.

    Ich verstehe vollkommen, daß die aktuelle Situation für das Orchester in Brandenburg ein großes Ärgernis ist, und das insbesondere, als die Sparwut hier einen der besonders kreativen unter den vielen kleineren Klangkörpern in Deutschland bedroht. Und natürlich ist es ein Unding, wenn ein solcher Vorschlag aus der Politik kommt und dahinter keine künstlerische Motivation steht.

    Aber wäre es nicht gerade eine Idee, mal eine Spielzeit nur mit Solisten aus dem Orchester zu absolvieren? Das könnte Publikum und Politik deutlich zeigen, welches Können in einem C-Orchester in der sogenannten „Provinz“ steckt und noch eine engere Bindung an das Orchester bewirken (und sicher auch überregionale Aufmerksamkeit).

    Auf Klavierkonzerte müßte man dann in der Tat verzichten. Nun – nichts gegen Klavierkonzerte an sich, aber davon werden in unseren Symphoniekonzerten viele gespielt (und meist sind es immer dieselben). Warum sollten sich nicht stattdessen Konzertmeister, Stimmführer und Solobläser mal einiger unbekannterer (vielleicht gar: zeitgenössischer) Werke annehmen, für die sich die Damen & Herren der reisenden Solistenkategorie oft zu fein sind? Man muß ja nicht gleich mit einem der standardmäßigen „Kracher“ antreten, die viele Abonnenten dutzendfach zuhause im CD-Regal stehen haben.

    Wie gesagt: eine spontane Idee, und vielleicht hier nicht ganz im richtigen Zusammenhang geäußert. Aber als Mitglied der Brandenburger Symphoniker würde ich mich schon ein bißchen am Kopf kratzen, wenn mein eigener Dirigent öffentlich behauptet, ich könnte große Sololiteratur nicht adäquat spielen. Da würde ich ihm gern das Gegenteil beweisen wollen.

  2. eggy sagt:

    @Benjamin:
    Es kommt ja durchaus vor, dass Solisten aus dem Orchester auch mal ein Solokonzert übernehmen, gerade aus den von Dir genannten, richtigen Gründen. Das ist eigentlich bei allen Orchestern so. Helmrath hat eher ein Problem damit, dass dann NUR noch so etwas möglich ist (und auch ein Solist aus dem Orchester hat ein Extrahonorar verdient, wenn er ein schweres Solokonzert zusätzlich zu seinem normalen Dienst zum Besten gibt – das scheinen die Politiker dort nicht ganz verstanden zu haben).

    Ebenso wie ein Orchester es anstrebt, auch zu gastieren und „herumzukommen“, erwartet auch ein Publikum, dass ihm nicht nur lokale Größen sondern auch interessante Gäste präsentiert werden. Das ist auch niveau- (wie publikums-)steigernd – ein Orchester, das ständig im „eigenen Saft“ köchelt, nie Gastdirigenten, nie Gastmusiker verpflichtet, wird nicht unbedingt besser sondern eher bequemer und nachlässiger werden.

    Um ein Dir liegendes Beispiel zu nennen: Kein Profifußballverein überlebt heute, wenn er nur Spieler aus der Region verpflichtet, dazu ist die internationale Konkurrenz zu groß, bei Opernhäusern und Orchestern funktioniert das ähnlich. Nichstdestotrotz ist natürlich auch die lokale Förderung sehr wichtig, aber auch die ist nur halb so viel wert, wenn sie sich nicht auch an überregionalen Talenten messen kann, das beginnt schon bei Jugend Musiziert…

    Moritz Eggert

  3. Benjamin Schweitzer sagt:

    Ja, schon klar, das ist kein Modell, das in erster Linie zum Geldsparen geeignet wäre (das habe ich ja auch nicht behauptet), jedenfalls und zumal nicht bei einem kleinen Orchester: das müßte ja nicht nur einen Soloaufschlag zahlen, sondern außerdem auch in vielen Fällen eine Aushilfe für den Musiker, der stellvertretend für den Solisten den Orchesterdienst übernimmt.—

    Was den von dir angesprochenen „Austausch“-Aspekt angeht, kann ich dir nur zum Teil folgen (und nicht nur deshalb, weil Barcelona mit seinem Jugendinternat erfolgreicher ist als viele Söldnertruppen ;-).

    Ich kann mir schwer vorstellen, wie ein Gastsolist, der 2 Tage vor dem Konzert kommt und gleich danach wieder weg ist, große Auswirkungen auf die künstlerische Entwicklung eines Orchesters haben soll. Und auf die Orchesterstellen selbst bewerben sich ja heutzutage hervorragende Leute aus aller Herren Länder und jeder Ecke Deutschlands, da ist nicht mehr viel mit dem „eigenen Saft“ (selbst in Dresden nicht) – zumal nicht in einer Stadt, in der es vor Ort gar keine professionelle Musikausbildung gibt, also quasi nur „Zugezogene“ in das Orchester kommen.

    Bei Gastdirigenten mag das schon wieder ein anderes Thema sein. Da ist ja häufig eher die Situation „je größer das Orchester, desto seltener dirigert der Chef“ – und umgekehrt.

    Auch bei der Frage nach der Publikumswirksamkeit von Solisten bin ich ein bißchen gespalten. Die ganz großen Nummern wird man in Brandenburg schon jetzt nicht hören, weil deren Honorare exorbitant sind. Das halte ich allerdings nur bedingt für einen Verlust, weil ich für dieses über(s)teuerte Solistenkarussel null Sympathien hege.
    Dafür gastieren dort sicher oft jüngere, hervorragende Leute und/oder solche für die ein Soloauftritt mit Orchester noch etwas bedeutet, für das sie sich richtig ins Zeug legen. Wenn durch eine politische Entscheidung wie die hier zur Debatte stehende solch ein Podium für diese Klientel wegfiele – das wäre wirklich ein Verlust.

    Macht es für das Publikum aber wirklich inhaltlich einen großen Unterschied, ob ein weniger bekannter Solist von anderswoher auftritt (der vielleicht selbst auch „“nur““ Konzertmeister eines anderen Orchesters ist) oder ein bekanntes Gesicht aus dem eigenen Orchester? Vielleicht ist es da eher die aus der Tradition gewachsene und zur Kultur des Konzertlebens gehörende Idee vom Solisten als einer exzeptionellen, quasi circensischen und also auch zwingend „aus der Fremde“ stammenden Gestalt, die den Ausschlag gibt?

    Fraglos etwas ganz anderes ist es, wenn man nicht über das klassisch-romantische Standardrepertoire redet, sondern über Stücke, die nur spezialisierte Leute (auf speziellen Instrumenten) spielen können. Darauf hat Herr Helmrath in seinem Schreiben ja eindrucksvoll hingewiesen.

    Am Schluß wird eine solche Kürzung also wohl nicht den Kanon von Beethoven bis Rachmaninoff treffen, sondern alles, was programmatisch phantasievoller darüber hinausgeht. Dann hätte wieder mal eine Stadt um den Preis einer Einsparung von einem vergleichsweise mickrigen Betrag einen Haufen ideelle Werte in den Sand gesetzt.

  4. Birgit Schöller sagt:

    „…von der virtuosen, großen Solo-Literatur, die auch von guten Orchestermusikern kaum adäquat wiederzugeben wäre…“

    …sehr beschämend, wenn der eigene Chefdirigent von seinen Musikern solch eine Meinung hat. Einerseits behauptet Herr Helmrath, das sein Orchester „in einer hörbar höheren Liga“ spielt (trotz C-Orchester), andererseits behauptet er öffentlich, dass seine Musiker nicht adäquat große Sololiteratur spielen können.

  5. Martin Voss sagt:

    Endlich nimmt sich jemand mal dem Thema“Orchestermusiker als Solisten“ an! Welchen Status hat denn ein Orchestermusiker gegenüber dem eines Solisten? Das Problem liegt meiner Meinung nach viel tiefer. Hatte früher jedes Orchester gleich eine Vielzahl von Kammermusikensembles, vom Streichquartett über das Holzbläserquintett bis hin zum Oktett, findet man diese Kammermusikgruppen heute nur noch vereinzelt vor. Grund hierfür mag eine Vorliebe der Konzertveranstalter sein, nur noch die großen Namen zu engagieren. Diese Entwicklung ist mehr als bedauerlich!!!

    Natürlich ist ein Orchestermusiker, welcher vielleicht schon seit Jahren seinen Dienst in einem Sinfonie- oder Opernorchester verrichtet, in eine andere Richtung spezialisiert, als ein Musiker, welcher nur als Solist auf der Bühne steht. Bei dem Orchestermusiker steht das gemeinsame Musizieren sowie das aufeinander Hören und die oft häufigen Fehler des Dirigenten ausgleichen mehr im Vordergrund als bei einem Solisten, welcher sich eher als Einzelkämpfer sieht.

    Aber, sind das nun wirklich zwei unüberbrückbare Gegensätze welche nicht zu überwinden sind, oder liegt hier nicht eine riesige Chance. Treten nicht immer wieder Solisten von Weltrang in den Vordergrund, welche im Normalfall ihres Berufslebens eher im Hintergrund zu Hause sind. Ein Beispiel von vielen sei hier mit Albrecht Mayer, Oboist bei den Berliner Philharmonikern genannt. Um so ein Talent, wie das des Albrecht Mayer zu entdecken, bedarf es aber eines Chefdirigenten, welcher die Fähigkeit besitzt, diese Musiker – Solisten in den eigenen Reihen zu erkennen.

    Ein Dirigent, welcher von vornherein seinen Musikern dieses Talent abspricht, scheint mir dafür allerdings mehr als ungeeignet zu sein!

  6. querstand sagt:

    @ Schöller, Voss: Es ist schon was Schönes dran, mal die KonzertmeisterInnen auch konzertierend zu erleben. Zudem ist es wunderbar, wenn die Orchestermusiker auch Kammermusik zusammen pflegen. Wenn ich die Seiten der Brandenburger so ansehe, scheinen sie dies auch immer wieder zu tun. Nur müsste so was noch viel öfters stattfinden, und das muss auch bezahlt werden…

    Generell dürfen Sie beide aber nicht die Kleinheit der Brandenburger die Besetzung betreffend übersehen! Wenn dann auch die Streichersubstituten fehlen werden, gäbe es nur noch 3 Bässe, 4 Celli, 5 Violen, 6 Zweite, 9 Erste. Sobald ein Cellokonzert über Haydngrösse erklänge, hätten wir wieder den Saloneffekt. Das wird aber wohl keiner wollen… selbst Laienorchester pflegen da grösser zu sein oder sind eben gepflegte Laienorchester, die eben nicht mehr erreichen können, als sie aufbringen. Bei einem Profiorchester muss der Anspruch aber etwas anders gelagert sein, da muss das Klangbild absolut stimmen.

    Und zu guter Letzt: jeder Orchestermusiker muss eine gewisse Anzahl Solokonzerte beherrschen, dabei v.a. schwere Stellen beherrschen, eine Individualität zeigen, die aber auch wieder zur „Masse“ Orchester – so klein die auch sei – passt. Dazu kommen die ellenlangen Orchesterstellen, die er und sie landauf und- ab üben müssen und jederzeit abrufbereit halten müssen. So zeigt sich da doch eine ganz andere Gewichtung als bei ausgesprochenen Solisten, die ob nun berühmt und teuer oder solide und jung und bezahlbar eben das Repertoire ganz anders lernen müssen als der Orchestersolist. Hier geht es nicht nur um Erfüllung eines Vorspielkanons auf höchstem, auch durchaus konzertant präsentierbaren Level. Hier geht es um ein scharfes Bild höchst subtiler und eigener Lesart, die auch mal so gar nicht zu einem Orchester passen darf, wenn sie schlüssig ist. Ein solcher Mensch hätte kaum Chancen als Orchestermitglied. Das will dieses Wesen aber auch gar nicht! Und Orchestermusiker sind bei weitem was anderes als immer gescheiterte Solisten! Da sollte man dann wirklich lieber Orchester schliessen, wenn es Nervenheilanstalten sein sollen – für die Musiker. Nein, Orchestermusiker zu sein ist eine ganz andere Entscheidung und ist eine wunderbare Sache, auch wenn der Alltag das manchmal zudeckt. Und: Orchestersoli selbst gibt es ja zuhauf, die aber wieder eine ganz andere Klanglichkeit als Solo erfordern als ein Solokonzertsolo. Man denke allein an Strausssche 1. Geigen Soli, die mit dem Tutti der 2. Geigen gekoppelt werden. Eine enorme Klangwirkung, aber niemals ein Solokonzert – ich denke da an Heldenleben, wo der gesamte Geigensolopart dennoch ein Solopart des Konzertmeisters der 1. Geigen ist. So finden Sie das Repertoire früher und später. Und das meint Herr Helmrath mit Eignung für Orchester und Eignung für Solo. Solo heisst eben nicht nur Solo, sondern erfüllt kompositorisch wie beruflich ganz unterschiedliche Felder und erfordert unterschiedliche Charaktere, ohne den einen über den anderen zu heben.

  7. Frank Walter sagt:

    Vielleicht könnte man den Gedanken von Herrn Helmrath sogar noch weiter führen!! Es gibt doch immer wieder Dirigenten, welche aus der Gruppe der Orchestermusiker kommen. Ein Nikolaus Harnoncourt hat jahrelang als Cellist seine Brötchen verdient, der großartige Karl Heinz Steffens (GMD und künstlerischer Direktor des Opernhauses Halle, sowie GMDs der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz) war Klarinettist bei den Berliner Philharmonikern, Hermann Bäumer (GMD in Osnabrück) Posaunist, und so gibt es bestimmt noch manch anderen bekannten oder weniger bekannten Dirigenten, welcher den Weg vom Orchestermusiker zum Dirigentenpult gefunden hat. Verwunderlich ist es aber schon, dass es eher die Ausnahmen sind.

    In jedem Unternehmen – und ein Orchester in seiner Struktur ist doch eigentlich nichts anderes – sind meistens die besten Leiter diejenigen, welche den Betrieb am genausten kennen und sich von ganz unten nach ganz oben gearbeitet haben. Jemand, der jahrelang beobachtet, dürfte am besten über Verbesserungsvorschläge, Abläufe, usw. bescheid wissen. Natürlich gehört zum Dirigieren auch ein technisches Handwerk – aber mal ehrlich, auch viele der großen Dirigenten lassen nur noch im Ansatz den Taktschlag erkennen und konzentrieren sich überwiegend auf das Große-Ganze, indem sie versuchen eine musikalische Linie zu zeigen. Sollte man nun nicht wirklich noch einen Schritt weiter gehen, und interessierten Orchestermusikern die Möglichkeit geben, sich auch als Dirigent zu versuchen. Ich bin sicher, dass so mehr als ein großes Talent entdeckt wird!!!

    Schon immer waren es ja doch vor allem wirtschaftliche Notlagen, welche zu revolutionären Neuerungen geführt haben. Heute weltweit führende Unternehmen wurden oft als letzter Versuch eines Gescheiterten gegründet. Wer beispielsweise heute den Namen Richard Branson, dem Besitzer von VirginAir, hört, denkt automatisch an einen Mann, welcher vom Erfolg und Geld verfolgt wurde. Das es sich bei Richard Branson um einen Legastheniker handelt, der nach großen schulischen Probleme und nicht enden wollenden wirtschaftlicher Misserfolgen irgendwann einmal seine Chance erhielt, wissen die meisten Menschen ja überhaupt nicht. Und was in der freien Wirtschaft funktioniert, sollte doch auch im Orchesterbetrieb möglich sein.

    Vielleicht ist man ja irgendwann einmal Herrn Helmrath dankbar, dass durch seine, aus der Not heraus geborene Initiative, die Möglichkeit entstanden ist, zukünftigen großen Star-Dirigenten (oder meinetwegen auch weltweit gefragte Instrumental Solisten) den Weg an die Spitze geebnet zu haben.

  8. Anne sagt:

    Sorry.. aber war dieser Helmrath nicht selber einmal Orchestermusiker hier in München. Ich meine, daß er über viele Jahre Oboe bei den Symphonikern spielte und sich nebenbei zum Dirigenten „qualifizierte“. Ich verstehe wirklich nicht, wieso dann dieser Quereinsteiger-Dirigent, bezüglich der Entwicklungsmöglichkeiten von Orchestermusikern, solchen Quatsch von sich gibt.

  9. Stephan Z. sagt:

    „Quereinsteiger-Dirigenten“? Also ich halte ja von diesen Quereinsteiger-Dirigenten überhaupt nichts. Sicher gibt es unter den vielen Orchestermusikern ein paar wenige, welche auch dirigieren könn(t)en, aber nach den hier aufgezählten Namen erschöpft es sich doch auch schon. Die wenigen Quereinsteiger-Dirigenten, welche es in die erste Reihe der Dirigentenzunft schaffen stehen einer riesengroßen Zahl dirigierender Musiker gegenüber, deren Stern nach kurzem hellen Aufleuchten in der Bedeutungslosigkeit verblassen.

    Dirigieren ist eine Kunst und ein Handwerk, welches man über Jahre hin erlernen muss und welches man sich nicht so einfach mal abschauen kann um dann mit ein paar Dirigierstunden in den Berufsalltag als Chefdirigent zu starten. Wirklich gute Dirigenten, welche es zu Ruhm und Ehre gebracht haben, müssen einen steinigen Weg gehen, welcher sie als Repetitoren und Kappelmeister an kleinen Theatern oft über Jahrzehnte hinhält, um dann irgendwann einmal den Schritt ans Dirigierpult oder gar an die Spitze eines Orchesters zu wagen. Bei diesen Dirigenten spürt man dann aber auch den musikalischen Hintergrund.

    Eine gute OP-Schwester ist ja auch trotz jahrelangem Zuschauens nicht irgendwann einfach ein Chirurg. Sie kann sicher in Notfällen großes leisten, doch im Krankenhausalltag gehört eben doch noch etwas mehr dazu. —„Schuster bleib bei deinem Leisten“

  10. querstand sagt:

    Meine Herrschaften! Ich denke, Sie verwechseln Äpfel mit Birnen:

    a) wie ich schon ausführte, würden die Brandenburger Symphoniker an den Rand eines Salonorchesters kommen, wenn z.B. aus den Bratschen und Celli Solisten für ein Konzert kämen. Das ginge nur, wenn es die Substituten (Aushilfen!) noch gäbe, die aber auch verschwinden sollen. Die Orchestermusiker sind garantiert in der Lage, auch als Solistne hervorragend was zu leisten. Unter den befürchteten Bedingungen aber wird dies schlicht nicht möglich sein. Die Orchestersolisten müssten dann ja als Solisten entlohnt werden, eigentlich dann auch so hoch, wie die bisherigen Gäste. Sie sehen, daß klemmt und knirscht im ganzen Getriebe. Es geht hier um die Grundexistenz eines sowieso schon minmal besetzten Klangkörpers.

    Und der verlockende Vorschlag der Verwaltung an die Solisten, jetzt im Zeitalter des Geldmangels plötzlich vermehrt als Solisten und möglichst kostenneutral zu spielen, ist nichts anderes, als einen Keil zwischen Dirigent und Klangkörper zu treiben. Wie gesagt, Herr Helmrath wird nicht an dem Können seiner Leute zweifeln. Angesichts der dann grössten Kleinheit der Besetzung sind diese Vorschläge der Verwaltung die falschen!

    Zudem, ein Orchester, auch ein kleines, benötigt einen Etat für Gäste, für Solisten wie Dirigenten und auch Sänger, die dann auch wegfielen. Dies gehört selbst zu Grundausstattung von Laienorcherstern. Wenn Sie mal einen Blick auf die Konzerte der Brandenburger werfen würden, könnten Sie auch sehen, dass die Solisten meist nicht zu den teuersten des Zirkus gehören dürften, dennoch von Relevanz sind, wie z.B. der Pianist Amir Katz, der international unterwegs doch auch noch nach Brandeburg sich wagt.

    Und Sie reagieren hier mit Borniertheit und Ignoranz, total am Kern des Problems vorbei. Wie ein Dirigent zu diesem wird ist hier erstmal drittrangig. Und was soll das Getöse von Harnoncourt, Berliner Philharmonikern, etc.? Hier geht es in einem ausblutenden Bundesland und ausblutenden Kommunen um die Grundversorgung und nicht irgendwelchen Hochkulturdetailkram. Ich weiß ja Ihre Berufe nicht. Ich nehme mal an, daß Sie Musiker oder Akademiker sind. Sie können es sich noch leisten, mit Ihrer Sozialisation im letzten Jahrhundert hier jetzt über Laufbahnen von Etablierten zu brambassieren. Sollten Sie oder noch besser aber Ihre hoffentlich hochgebildeten Kinder angesichts des Schweisses Ihres Broterwerbs in der brandenburgischen Provinz landen, werden Sie ausser Ihren schönen Erinnerungen an Salzburg und die Berliner Philharmoniker hier nichts mehr in Realität vorfinden, da endgültig wegrationalisiert.

    Ja, Sie liegen richtig. Herr Helmrath war früher Oboist bei den Philharmonikern in München und dirigierte immer wieder. Und warum soll ein Instrumentalist nicht Dirigent werden können? Das Zusehen der grossen Maestri von vorne ist da nicht die schlechteste Schule. Gerade als Bläser wissen Sie dann um so mehr, wie Einsätze sein müssen, damit die Musik schwingt. Da braucht es nicht die Korrepetitorenochsentour, so ehrenwert die ist. Gerade aber aus diesem angeblich qualifizierteren Bereich gibt es Beispiele von gruseligen Kapellmeistern, die jede noch so leichte Operette verhackstückelten. Und: die dirigierenden Instrumentalisten haben doch zumeist sogar Dirigieren studiert. Dass da der Graben der Oper oder die Konzertbühne im Orchester mehr lockt als die Sklavenarbeit des ewig treuen Korrepetitoren, ich würde dann auch so wählen. Und Dirigieren, also das Leiten einer Aufführung samt Proben mit Arm-auf-ab-Bewegungen ist als solches meilenweit vom Klavierspiel der Korrepetitoren entfernt. Gut, als Klavierknecht studiert man ausführlich spielend die Partitur, als Oboist oder Cellist oder Klarinettist oder selbst Sänger oder Komponist studiert man sie auch am Klavier, aber eben auch mit den eigenen Mitteln der Urprofession: ob in den Fingern, in den Lippen oder in der Kehle oder im Hirn- Hauptsache, Sie können überhaupt mit den Organen Ihres Leibes die geschriebene Musik sich vorstellen und umsetzen. Sie sind als Nicht-Kapellmeister sogar freier. Aber dies ist Alles hier unwesentlich.

    Wenn die Orchestermusiker die billigen Solisten sein sollen – gut, dann spenden Sie doch persönlich pro Monat 500€ nach Brandenburg, damit diese dann auch immerwährend als Solisten bezahlt werden können. Aber ich denke, daß Ihre Spende erstmal dazu genutzt wird, um die Sozialversorgung in der Stadt an der Havel zu sichern, die Kultur käme dann zuletzt. Deshalb heißt es jetzt: wehret den Anfängen und öffnet Eure vertranten Hochkulturgroßstadtäuglein und träumt hier nicht sinnlose, jetzt unwichtige Dinge. Am Ende werden die Brandenburger den Dirigenten auch noch abschaffen. Ih wo, Kämmerer, Oberbürgermeisterin, Mehrheitsfraktion und der letzte, nicht zu kündigende Orchesterwart werden ihren Katzenjammer konzertant aufführen. Und dann wird kein symphonischer eigener Ton mehr in Brandenburg erschallen. Was für eine Schande für die ehemalige erste Huldigungsstadt und Namensgeberin Brandenburgs! Und was für ein Dilemma, was für einen Blödsinn hier aus den Händen der Menschen Schöller, Voss, Anne, Walter und Z. entfliessen. Statt das Sie sinnvoll die Position von Dirigent und bedrohtem Orchester stützen, feilen Sie an deren Ästen. Und viele Feilen sind auch eine Säge. Und auf diesem Ast der Hochkultur sitzen Sie so stolz. Es mögen nach München nur Späne von der Havel herüberfliegen. Aber hütet Euch, wenn diese Glut auch hier zündet, wenn hier ein neuer Oberbürgermeister vorschlägt, nicht nur das gute alte Konservatorium mit der Hochschule zu fusionieren, nein, der vakante Sessel Thielemanns wird dann mit der Dirigierklasse besetzt… Und am Ende sollen die Mitarbeiter der Securityfirmen für Pollini einspringen, für 6,50 € die Stunde…

  11. Tritonus sagt:

    Den oder anderen Kommentar kann man wirklich nur mit Humor ertragen. Ich empfehle, sich einmal die Programme einiger Orchester anzusehen, wie viele Orchestermusiker dort solistisch auftreten – und mit welchem Repertoire. Spitzenorchester wie die Berliner Philharmoniker, in denen lauter Solisten sitzen, kann man in dieser Hinsicht nicht mir einem C-Orchester wie den Brandenburger Sinfonikern vergleichen. Fragt doch einmal einen Konzertmeister eines B- oder C-Orchesters, ob er Lust hat, das Brahms-, Tschaikowsky oder Wieniawskikonzert zu spielen. Sollte er die Anfrage nicht als Verarschung auffassen und handgreiflich werden, würde er sie wohl höflich zurückweisen. Selbst wenn er bisweilen schon mal Bach oder Mendelssohn gespielt hat, weiß er als Fachmann doch allzu gut, wie hoch die Trauben bei den „großen“ Violinkonzerten hängen und daß man bei dem normalen Orchesterdienst – vor allem nach mehreren Jahren der Tätigkeit – nicht mehr für solche Riesenaufgaben in Form ist. Dazu könnt Ihr übrigens mal jeden beliebigen Konzertmeister (oder Solocellisten, oder Solobratscher, oder Soloklarinettisten usw…) fragen, auch in großen und mittleren Orchestern. Die werden das mit Sicherheit bestätigen.
    Natürlich spielen Musiker aus dem Orchester immer wieder auch als Solisten: so gut wie überall, auch in Brandenburg (ich habe mir die Programme der letzten drei Jahre mal angesehen), aber eben nicht ausschließlich und nicht mit der ganz großen Literatur.
    Ärgerlich an der ganzen Sache ist ja, daß sich ahnungslose Menschen nicht nur in Blogs zu Wort melden, sondern in politischer Funktion ihre absurden Vorstellungen durchsetzen wollen.
    Der Tarifvertrag für Musiker sieht übrigens vor, daß Musiker in anderen Gruppen aushelfen, sollte dort Bedarf bestehen. Ist das noch ansatzweise nachvollziehbar, wenn ein erster Geiger in der Gruppe der zweiten Geigen eingesetzt werden soll, falls dort jemand krank wird, bekommt die Sache einen echt satirischen Zug, wenn die Orchesterleitung von einem Schlagzeuger verlangt, er solle wegen der Erkrankung eines Bratschers für ihn an der Viola einspringen, oder einen Soloflötisten verpflichtet, Trompete zu spielen. Der Gesetzestext erlaubt solchen Unsinn – aber natürlich sind die Verantwortlichen nicht so blöde, das zu erzwingen.
    Also ist Augenmaß gefragt, und genau das wäre auch in der Frage „Musiker als Solisten“ angebracht: mit den richtigen Musikern und dem richtigen Repertoire klappt’s, mit den falschen Musikern und dem falschen Repertoire nicht: so einfach ist das! Wer aber der richtige Musiker und das richtige Repertoire ist, können nur die Fachleute beurteilen (Dirigent, Musiker, evtl. Intendant), und nicht die Politiker.
    So sollten sie nichts fordern, was entweder gar nicht oder unter Preisgabe des künstlerischen Niveaus zu erreichen ist.

  12. Brunhilde Stöckel sagt:

    Meine Güte, soviel dummes Zeug auf einmal liest man wirklich selten. Herr Querstand, ich bin zwar kein Musiker, Akademiker oder einer, der von Ihnen beschriebenen üblen Kapelmeisterdirigenten, dennoch kann ich die Kritik am Aufruf des Maestro Helmrath sehr gut nachvollziehen. Ich bin sehr musikinteressiert und höre fast täglich Klassikradio. Meine Enkel spielen spielen beide ein Musikinstrument (Akkordeon und Gitarre). Ich würde mich freuen, wenn sie später einmal in einem Orchester spielen könnten…

  13. querstand sagt:

    @ Tritonus: Bravo, vollkommen d’accord!

    @ Fr. Stöckel: Schön, daß Ihre Enkel wenigstens überhaupt Musizieren. Als versierte Radiohörerin dürfte Ihnen aufgefallen sein, daß Gitarre und Akkordeon weniger im klassischen Orchester anzutreffen sind. Also Solisten natürlich schon. Höchstwahrscheinlich werden Sie mehrfach das Concierto d’Aranjuez auf Ihrer Klassikkommerzwelle für Gitarre und Orchester gehört haben. Da spielt der Gitarrist aber mehr MIT als IM Orchester, als Solist eben. Nun, da werden nach den Plänen der Exekutive der Stadt Brandenburg kaum Konzerte mit den Instrumenten Ihrer Enkel stattfinden. Aber vielleicht ermöglicht die Initiative JEKI zumindest noch ein Engagement an der Kreismusikschule.

    Ausserdem halte ich Kapellmeister eigentlich für ehrenhaft, schrieb ich ja auch. Nur die Reduzierung der dirigentischen Kompetenz auf die damit verbundene Ochesntour durch die Opernhäuser als unbedingtes Kriterium für schlagende Qualität kritisierte ich. Und dass es eben durchaus auch hängengebliebende Schlagmeister gibt, die gerade als Kapellmeister mehr Exekutieren als Interpretieren, das ist dann „übel“.

    Und ich kann’s nicht lassen: Hr. Helmrath sprach in seinem Aufruf von „der virtuosen, großen Solo-Literatur, die auch von guten Orchestermusikern kaum adäquat wiederzugeben wäre (…)“. Also Tschaikowsky, Szymanowski, Prokofieff z.B. bei den Geigenkonzerten. Wenn ein „normaler“ Orchestermusiker die mit seinem Orchester spielt, dann will ich ihn aber auch als Solist bezahlt wissen. Das wird ja nach den Plänen der Havelstadt nicht möglich sein. Ausserdem: ja, jeder Orchestermusiker muss gängige Solokonzerte für die Erlangung einer Stelle im Repertoire haben. Er muss sie perfekt musizieren, auch durchaus eine eigene Note in Darstellung der musikalischen Verläufe zeigen. Dann ist aber auch wieder gut. Inzwischen müssen auch Bewerber bei C-Orchestern unglaublich gute Leistungen vollführen, die sie auch für B-, ja sogar A-Orchester zulassen würden. Nur, um überhaupt eingeladen zu werden, müssen Sie auch wieder Referenzen nachweisen, die auch hervorragende Musiker nicht immer vorweisen können. So bleibt denen die B und C Garde. Oder die Selbständigkeit. Dennoch sind sie dann nicht unbedingt die Solisten, die die ganz grosse Literatur meistern. Da haben auch Konzertmeister von A-Orchestern sich mit reinen Solisten, diese nicht immer erreichbar, zu messen.

    Hat hier eigentlich auch mal jemand bedacht, daß ein musikalischer Leiter, wie Herr Helmrath, im Sinne seines o.g. Zitat zurecht sagte, auch die Fürsorgepflicht hat, vor einem Übermaß an Selbstausbeutung zu bewahren, zu schützen? Das hat er genau damit getan. Und wie Tritonus ja mit viel Recherche herausfand, spielten in Brandenburg auch schon immer eigene Solisten Konzerte, die wohl angemessen waren. Es gibt aber Grenzen, die einzuhalten sind. Und v.a. auch von der Verwaltung: wenn man ein Orchester hat, dann muß diesem Betrieb auch ermöglicht werden, vollkommen betriebsüblich Solisten, Dirigiergäste und Aushilfen generell akquirieren zu können. Natürlich kann man da bis zu einem gewissen Masse befristet in geldlosen Zeiten verlangen, daß da auch vertretbar gespart wird. Dazu müsste die Verwaltung allerdings mit der Leitung reden, was wohl derzeit nicht geschieht.

    Wenn wir also von „Betrieb“ sprechen: im Prinzip ist das mit dem Totalverlust von Externen in und vor dem Orchester mit dem „Betrieb“ der Wasserversorgung – kommunale Pflichtauzfgabe hoch 1000 – zu vergleichen. Was hilft es, wenn die Gemeinde zwar das Wasser liefern, aber beschließt, keine Rohre mehr zu benutzen, sondern die BürgerInnen im Rahmen von Hand- und Spanndiensten dieses sich beim Rathausbrunnen direkt abholen müssen, da der Unterhalt so viel Geld verschlingen würde? Wie gesagt, es ist eine kommunale Pflichtaufgabe und würde erst zuletzt, nach dem Brandschutz, geopfert werden. Aber vielleicht ist es in mancher Gemeinde ja schon bald so weit. Nur: wehret den Anfängen! Und dazu gehört der Erhalt der Brandenburger Symphoniker zu vertretbaren Konditionen AUCH für die Kunst. Sie hier reden aber dem Untergang Tür und Tor, da anscheinend selbst die Lesekompetenz neben der Musikkompetenz proportional zum Kulturabbau auch bei den älteren, noch zu Glanzzeiten ausgebildeten Liebhabern abzunehmen scheint… Und zuletzt: Frau Stöckel, Sie sind glaube ich gar nicht diese selbst, sondern präsentieren dermassen konstruierte Unkenntnis aus den angeblichen klassischen Orchesterinstrumenten Gitarre und Akkordeon, daß ich mich nur totlachen kann… Nun haben Sie aber mal wieder eine viel zu lange Antwort meinerseits erhalten, wer immer Sie auch seien… ;-)))

  14. Helmut sagt:

    Die Brandenburger werden schon Ihre Gründe haben, warum sie einen anderen Dirigenten lieber haben wollen. Ist es denn so schlimm, wenn Helmrath seine Oboe wieder auspackt und zurück nach München geht? Wenn er wirklich so toll ist, wie er schreibt, dann könnten sich doch die Münchner sehr darüber freuen.

  15. querstand sagt:

    @ Helmut, Brunhilde und Co: Was sind denn Ihre Gründe? Bis jetzt beherrschen diese ja nicht gerade Ihre Argumentation? Oder verbirgt sich hinter all diesen Namenlosen die Kulturstasi der Stadt Brandenburg? Dann nennen Sie doch mal Argumente, die sich nachvollziehen lassen. Oder sind Sie allesamt einfach nur daran interessiert, keine Neue Musik mehr hören zu müssen, nur noch den Hohenfriedberger Marsch oder Melodikaorchester? Tja, dann spenden Sie doch an Klassikradio, damit man dort mal Bildungssequenzen für Frau Stöcklein sendet, um definitiv den Unterschied zwischen einem klassischen Orchester und einem Akkordeonorchester zu begreifen. Noch besser: schalten Sie Klassikradio ab und widmen Sie sich lieber DLR, DLF und rbb. Vielleicht können Sie ja sogar BR Klassik empfangen… Also, wo sind Ihre Argumente? Oder setzt es da oberhalb der Gürtellinie aus?

  16. Hannelore Meißner sagt:

    Jetzt muß ich mich nun doch einmal zu dem Thema „Quereinsteiger-Dirigenten“ äußern. 
    Es ist wirklich mehr als traurig, dass unser Christian Thielemann München nun schon so bald verläßt. Ist es ihm doch gelungen, was vorher kein Dirigent der Münchener Philharmoniker geschafft hat, den verstaubten Klang, welcher an dem Orchester klebte quasi über Nacht und im Handstreich weg zu zaubern. Was für ein Künstler!!! Jedes Konzert unter seiner Leitung ist ein Erlebnis! Sieht man sich seine Biografie bei Wikipedia an, so scheint doch auch gerade die fundierte Ausbildung der Schlüssel zu seinem Erfolg zu sein! (Wikipedia: …Thielemann begann seine Karriere mit neunzehn Jahren als Korrepetitor an der Deutschen Oper Berlin und gleichzeitig als Assistent von Herbert von Karajan in Berlin. 1985 wurde er Erster Kapellmeister an der Düsseldorfer Rheinoper und wechselte 1988 als Generalmusikdirektor nach Nürnberg …) – Bedarf es da noch einer Erklärung?

  17. trippundtrapp sagt:

    jesas wird selbst noch dat badblog mit thielemann vollgespamt? ist faz etwa nicht genug?

  18. eggy sagt:

    Unsere Internetanalysten von der NMZ haben gerade herausgefunden, dass es sich bei Hannelore Meißner in Wirklichkeit um eine gewisse „Julia Spinola“ handelt. Ist die hier bekannt?

  19. querstand sagt:

    @ eggy:
    Ich hoffe, dass die „Internetanalysten“ die Administratoren sind, welche hier die Emails überprüfen können. Wer war dann Frau Stöckel oder Helmut und all die Anderen?

    Frau Julia Spinola ist ja eine gewisse Musikredakteurin der FAZ, die dort ständig über Thielemann schreibt. Wenn es die nun wäre, welche mit „wikipedia“ hier argumentiert, dann bestätigt sich die hier etablierende „Laienkonstruktion“: die bloggen hier gar nicht wirklich, sondern irgendwelche Kulturredaktions- und Kulturverwaltungshiwis geben sich super harmlos hinter Pseudonymen. Entweder um den Badblog zu desavouieren oder die Bloggenden?! Danke Frau Spinola, das habe ich schon selbst gemacht, indem ich hier einfach teilnehme…

    Nun, da ich in Ihrer FAZ, statt in wikipedia, Ihre Biografie fand, dass Sie in der Villa Massimo Jury sitzen, können alle hier jemals bloggenden Komponisten eine Romreise nur noch als Tannhäuserstatisten erleben…

    Aber anscheinend verstehst Du, Moritz, unter „Internetanalysten“ nur so Leute wie trippundtrapp, der hier mal richtige Auspizien vollführte? Wenn sich aber nun bewahrheiten sollte, dass es doch die Administratoren sind, dann war es wohl nucht die hypothetische Frau Spinola, sondern die Echte!!!! Ja, l’Julia sog I, sackraditzzement nomoi. Und da sind wir schon beim seligen Everding, um dem Meißner-Spinola-Laien-Konstrukt-Monster zu entgegnen: „learning by doing“ war sein Hauptmotto für die Theaterakademie. Wenn Sie hier Karrierestationen des Herrn Th. auflisten, dann sind das nicht reine Qualifizierungsstationen, sondern überhaupt an grossen Häusern ein Orchester leiten zu dürfen, ist reines „learning by doing“. Manche mache was daraus, manche bleiben Kapellmeister, sogar die Mehrheit. Ergo: die Theaterochsentour ist kein Garant für den Dirigenten, ein „Maestro“ zu werden. Es ist allerdings eine Möglichkeit, vom mit Schlagwissen ausgestatteten Klaviersklaven zum kapellmeisterlichen Sklaventreiber zu werden oder eben auch Dirigent, da man alle Tricks und Fehler der höhergestellten Kollegen verfolgen kann.

    Als Oboist können Sie das aber in der Orchesterpraxis genauso, als dilettierender Komponist, der dirigiert, können Sie das ebenfalls. Was wäre sonst z.B. mit Boulez? Es geht immer um die Gelegenheiten, wo man sich entfalten kann, wo man sich was abgucken kann. Und das könnte man sogar als reiner Konzertbesucher. Sobald Sie das wo ausprobieren, betreiben Sie learning by doing. Und, wie gesagt, auch diese Quereinsteiger hatten Alle mal Dirigierunterricht und drückten sich schlau um das Korrepetitorendasein. Dies von mir so gescholtenen Leute sind tatsächlich Wunderwerke des Betriebs, die oftmals Alles zum klingen bringen, was selbst der Dirigent nicht aus Partitur und peinlicherweise nicht mal dem Klavierauszug abgewinnen kann. D.h., letztlich kommt es immer auf die generelle, persönliche Musikalität an. Die haben wenige Dirigenten und Gott sei Dank viele Musiker, die den rein schlagtechnisch ausgebildeten beim Dirigieren eines Orchester im Klang helfen. Und wenn diese musikalischen Musiker nun selbst dirigieren, kann das mehr nutzen als schaden. Und auch die gescholtenen reinen Schläger, die damit nicht mal was aussagen können, machen es dann eben via Probe mit Worten.

    Wie gesagt, ich glaube an die reinen magischen, ewigen Korrepetitoren, ich glaube aber nicht an die Dirigiermonster, die angeblich ohne Probe für eine Elektra einspringen können. Gut, das sind dann wohl rar gesäte Klaviersklavenzauberer. Der richtige Dirigent, wie er das auch wurde, erarbeitet immer das gute Ergebnis in den Proben, egal was für einen Schlag er hat. Mit dem richtigen Hau in Geist und Seele hat eigentlich jeder musikalische Mensch die Chance, ein Dirigent zu werden. Was verdammt nochmal war dann eigentlich „musikalisch“? Diskutiert lieber darüber. Und das kann man dann genauso wie das Thema Quereinsteiger endlos weiterschwurbeln.

    Zur Erinnerung: es geht hier um den Erhalt der Brandenburger Symphoniker auf dem Auftrittsniveau, was sie jetzt haben. V.a., dass Gelder für Gäste und Aushilfen, ja genauso Gäste wie Solisten, erhalten bleiben, professionelles Augenmass beim Streichkonzert der Politik herrscht, statt dieses oberbürgermeisterliche Amusengehabe…

    Und dass Sie, Fra Spinola, dies hier nicht aufgreifen, sondern über das langweilige Thielemann-Hin-und-Her schreiben, um laienhaft getarnt das dröge Originalgenie zu pflegen, das ist der wahre Skandal! Dieses ganze Gewese um die „Grossen“, nun, wenn sie mal alle 3 Jahre mal wirklich was Grosses leisten, dann sollte man dies berichten. Ansonsten sind auch all diese Beethovenzyklen reines Repertoiregestochere, genauso öde wie politischer Alltag. Das „Besondere“ gelingt auch diesen „Maestri“ selten. Schauen Sie mal lieber in die Provinz, in das „Lokale“, und da am Besten täglich und kümmern sich dort um tägliche Anwesenheit. Diese Präsenz ist aber in all Ihren Blättern ja in den letzten 15 Jahren massiv marginalisiert worden. Dafür wird um so mehr Hochkulturweihrauch verschwendet, genauso öde, wie chinesische Lokalnachrichten aufgrund ihrer Exotik wichtiger wurden, als das Musiksterben hierzulande. Darüber wird erst geredet, wenn es fast schon zu spät ist.

    Und da, Frau Spinola, geben Sie sich als Lieschen Müller aus, um dann beim Brand in Brandenburg über Thielemann zu reden! Das ist der Skandal!!! So fordere ich: outen Sie sich und tun Sie Buße, in dem Sie die nächsten 12 Monat einmal exklusiv aus Brandenburg berichten und lieber über das Engagement dort schreiben als über den Großkram! Retten Sie sich selbst und retten Sie die Kleinen. Denn wenn es die nicht mehr gibt, wird es auch kein „Opernmuseum“ mehr geben. Wenn die musikalisch-kulturelle Breite fehlen wird, sterben auch die musealen, hochgejubelten Häuser und Orchester. Denn die enorm teuren Leuchttürme sind dann nicht mehr Höhepunkte im Kulturalltag, sondern Geldvernichter, die die Kleinen sozialdarwinistisch überlebten. Dann fehlen aber die Energielieferanten. Und die sollten Sie J E T Z T beobachten und mitretten. Tun Sie das nicht, Shame on You und raus aus der Massimo-Kommission!!

  20. eggy sagt:

    Lieber querstand, Dein Ausbruch in allen Ehren, aber das mit der „Vermutung Spinola“ war als Witz gemeint, tut mir leid, war vielleicht nicht überdeutlich.
    Gegen Frau Spinola ist übrigens persönlich nichts einzuwenden, sie ist eine sehr nette und auch kompetente Person, ihre Mitwirkung im bundesweiten Chor der Thielemann-Clacqeure (und auch gegen Thielemann habe ich rein fachlich wirklich nichts) ist allerdings durchaus zu geißeln, sowie auch ihre gefühlten 10 Thielemann-Artikel in der FAZ jede Woche.
    Echte Bewunderung ist eine Sache, politisch intendierter Hype eine andere, und das kann man bei ihr nicht immer auseinanderhalten, leider…
    Aber selbstverständlich soll hier niemandem verboten werden, einen bestimmten Künstler (SOGAR FAZIL SAY WENN ES DENN SEIN MUSS, ÄCHZ!!!) toll zu finden. Warum denn auch nicht.
    Ich persönlich finde zum Beispiel P. Ruzicka toll, weil es ihm gelungen ist, den 3-Punkte-Neue-Musiktiteln in der Neuen Musik noch eins draufzusetzen mit dem Titel seines neuesten Stückes:
    „…Zurücknehmen…“
    Drei Punkte hinten UND vorne, also doppelte Unsicherheit, und dann noch die Zurücknahme im Titel – das soll erst einmal einer nachmachen, oder?
    Und wer führt dieses Stück bald urauf? Na? Wer wohl?
    Christian Thielemann, jawoll!

  21. querstand sagt:

    Lieber Moritz, schade, dass es doch nicht so zu sein scheint, wie ich es mir vorstellte! Also sorry und Entschuldigung Frau Spinola. Aber da sieht man mal, was passiert, wenn die Hochkultur mit Hr. Thielemann und Hr. Ruzicka so unglaublich aufgeblasen wird und am anderen Ende sich keiner dieser Aufblaser für die Brandenburger interessiert. Eben meist erst, wenn sie dort schon halbtot sind. Andererseits sieht man auch, wozu diese Laberei über Quereinsteiger und Helmrath-mag-nicht-seine-Musiker-als-Solisten führt der anonymen Blogger führt.

    Ich vermute hinter diesen „Laien“ allmählich doch so eine Art Profitum, die uns hier an der Nase herumführen wollen. Das ist hier auch nicht wahnsinnig neu… In der Argumentlosigkeit aber doch beschämend.

    Und doch bestürzt es mich dann von Dir nochmals gefühlt und von mir selbst bestätigt durch eigenes Lesen festzustellen, wie sich Frau Spinola auf den Thielemann stürzt mit den x-Artikeln. Warum feiern die Feuilletons nur noch das Rauschende? Bestätigen sich darin selbst, indem sie das von ihnen toll Angekündigte dann danach noch toller finden und manchmal auch janz doll untoll. Eine Tollwut im Hype. Fernab davon darbt die großstadtferne Musikszene unbeachtet ihr Dasein und man lässt sie mild-traurig blickend ins Gras beissen, derweil die grossen Häuser noch stehen.

    In München wogte ja vor einiger Zeit und vor den Dirigentenschmarrn die Frage nach einem besseren Konzertsaal. Da legte sich das ganze Onkel Joe-Kaiser-Feuilleton ins Zeug, sah man gierig den Gasteig als Ruine und die Marstallruine als neuen Kultur-Super-De-Meuron-Himmelblau-Allianz-BMW-Welt-Konzertsaal, nach dem Motto: nach FC Bayern, BMW nun endlich der BR. Nun schweigt man, freut sich auf den altbewährten Alt-Münchner Maazel und beschwört den glückvollen Massel, den man nu g’habt hätt‘! So also eine Ruine weniger. Der Stadtkämmerer fügte diese Woche in einer Randbemerkung an, dass man die Verbesserung des Gasteig nun doch aufschieben müsse. Kein Geld im Säckel! WO bleibt DA die Münchner Sommer-2009-Aufregerei? Gut, die Maazel-Anstellung übertüncht das gerade. Was sind das aber Alles für Finanzabenteuer? Wann schliesst man dem Ruzicka seine Biennale? Höchstwahrscheinlich wird man nach dessen Abdankung dann den 90-Jährigen Dorn oder Mortier zum Nachfolger ernennen, die kennt man ja dann auch so gut wie Maazel oder eben aus der Nachbarstadt Salzburg. Da war doch der Ruzicka auch schon mal?!? Die Münchner betreiben selbst ihren Import immer provinzieller. Und klagen auf so hohem Niveau. Und träumen von Luxusobjekten, wie unbezahlbaren Konzertsälen. Vergessen manche hier, dass nicht vor 2 Jahren das kleine Rundfunkorchester weggeschrumpft werden sollte? Wurden nicht schon die Münchener Sinfoniker (alt Graunke) in Frage gestellt? Ist das Münchener Kammerorchester nicht so klein geschrumpft worden, daß die sich nicht mal mehr Notenwarte leisten können – die machen alles selbst und spielen dabei noch ganz hervorragend? Dass wir da bei den horrenden Kosten für den neuen S-Bahn-Tunnel, neuen Marstall, neuen Gasteig und teuersten Interimdirigenten aller Zeiten nicht bald in die Röhre gucken.

    Zwar wird die freie Theaterszene hier in München noch immer öffentlich besser bezahlt als die der grösseren Hansestadt Hamburg (hier im Durchschnitt 20 bis 30 Tausend Euro pro Produktion, dort nur 14 Tausend!!), die düsteren Wolken sind aber auch hier nicht unbekannt. Es trifft eben immer zuerst die Kleinen. D.h., dass dann eben Festivals wie ADEvantgarde, Klangaktionen oder Ensembles wie pianopossibile oder zeitsprung daran glauben müssen, bevor dann die Philharmoniker verstaatlicht werden oder mit dem BR fusioniert… In Wuppertal gibt es bald kein Schauspielhaus mehr, Brandenburg hat die Oper schon eingestampft, nun also bald auch das Orchester.

    Und dazu schweigen Frau Spinola und Onkel Joe-Kaiser und Konsorten in ihren Grossstadtblättern! Es wird mit Augen-zu-und-durch im Hochfeuilleton weitergemacht, bis auf wenig Ausflüge zu den Künstlern am Tropf, nachdem sie eingeliefert worden sind statt eben bevor. So bleibt trotz meines Irrtums doch ein Skandalon. Und eigenltich kann man den Kulturstaatsminister nur bedauern, nichts niveauvolleres unter seinen Massimo-Jurikandidaten gefunden zu haben als ein einfaches Aufblättern der FAZ. Das kann ja doch irgendwie jeder bzw. wenn gewisse Hochkulturvertreter mal oben sind, dann wird ihnen jeder Ehrenposten nachgeworfen. Und die regen sich dann nur über Thielemann auf, statt an das wichtige Unten zu denken. Um wieviel schwieriger ist es dann z.B. für jemand für Michael Helmrath in der Stadt Brandenburg solche Leute zu gewinnen. Und ihm gelingt es ja! Und dazu gehört 100 mal mehr, als mal schnell die Musikredaktion der FAZ anzurufen. Ich bleibe also dabei: tun Sie Busse, Frau Spinola und berichten Sie exklusiv aus Brandenburg. Ansonsten weisen Sie doch Hr. Neumann auf das Aufblättern auch anderer Presseorgane hin!

  22. hmay sagt:

    Lieber Herr Alexander Strauch (alias „querstand“ )! Ihre Erörterungen haben wirklich einen hohen Unterhaltungswert. Der kleine Witz von Herrn Eggert (alias „eggi“) war ja nun wirklich deutlich zu erkennen. Ich erlaube mir ihre Gedanken an Frau Spinola weiter zu leiten, damit auch sie ihren Spaß daran hat.

    Übrigens verbirgt sich hinter alias „Helmut„ in Wirklichkeit der Kaiser von China!

  23. querstand sagt:

    @ hmay
    Ist ja schön, dass Sie mit Leichen reden können! Solange wie uns die Kaiser des Reichs der Mitte schon verlassen haben. Ha, aber da haben wir es schon wieder! In Ihrem Hochkulturüberschwang genügt Ihnen nicht ein einfacher „Edeler von“ oder „Baron“. Nein, der Kaiser von China. Oder fällt Ihnen nichts Besseres ein? „Kaiser von China“ ist so naheliegend in der deutschsprachigen Hirnrinde wie „spanische Dörfer“. Ich bevorzuge allerdings „Bahnhof“! Tja, Eggys Witz kann man als solchen werten. Wenn allerdings so Anonymlinge wie Sie hier bloggen, irgendein Hans May oder so ähnlich, und sich dahinter dann doch mehr verbergen könnte, wird auch so mancher Witz mal doch zum puren Ernst. Vergessen Sie nicht Frau Spinola an die ihr exklusive Berichterstattung von der Front der Brandenburger Symphoniker zu erinnern. Herr Thielemann ist nun bestens versorgt, Herr Maazel ebenfalls, neue Gesichter werden hoffentlich in 4 Jahren relevant, Wuppertal morgen mit der Menschenkette gerettet, der Gasteig und der Marstall sind auch vertagt. So hätte Frau Spinola nun doch genügend Zeit für Brandenburg. Einmal eine Woche nichts als Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg,Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg, Brandenburg!!

    Höchstwahrscheinlich wird aber mal wieder der xy-Preis für Barenboim bedacht, der Kampf Frau Mutters mit der Gasteigdecke (J. Kaiser mal wieder in der gestrigen SZ) gelobt, noch leisere Töne in einem leisen Stück entdeckt. Und wo bleibt Brandenburg? Aber das scheint ja weder Sie, Herr May, noch andere zu interessieren. Und welche Leiche antwortet jetzt darauf?

  24. phahn sagt:

    peh: in baden-württemberg weiß man noch nicht so recht, wie man finanznot schreibt, in der faz weiß man dafür nicht, wie man baden-württemberg schreibt. macht aber nichts, denn sie haben sich mal an moritz ein beispiel genommen und haben immerhin von ihren regionalkorrespondenten einen „krisenbericht“ erstellen lassen.
    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E76747B5D43E442359EC659C962A0D14B~ATpl~Ecommon~SMed.html