Stichwörter: Klassik

3

Alt vs. Neu Teil 2: Das Restaurantgleichnis

Wie wir sehen: es geht also nicht um gut gegen schlecht, auch nicht um alt gegen neu, sondern allein um gesunde Vielfalt, wider den Inzest des Klassikeinheitsbreis, in den Küchen wie in den Konzertsälen. Wer die Vielfalt der Musik aber dauerhaft einschränkt, das andere oder neue beharrlich ausblendet, handelt genauso wie jemand der behauptet, dass es nicht sinnvoll wäre, ein anderes als ein gutbürgerliches Restaurant aufzusuchen, da ja dort einmal 99% der Menschen gegessen haben (weil sie nichts anderes kannten).

10

Old vs. new – oder der Friedhof der Kuschelklassik

Ich stelle mir das so vor: die Anhänger der „großen Alten“ stehen auf verlassenen Friedhöfen herum (zum Beispiel unsere klassischen Konzertsäle) und halten Zwiesprache mit den Grüften der Genies. Die Genies aber sind schon lange tot, und können nie antworten, da sie ihre Antworten schon gegeben haben. Zwischen den Grabsteinen huschen grell geschminkte, widerliche Leichenfresser herum, die die schon abgenagten Knochen der Genies immer wieder neu einkleiden, so dass sie fast lebendig scheinen. Aber nur fast. Diese fiesen Ghouls heißen zum Beispiel David Garrett oder André Rieu, und ihr debiles ewiges Grinsen verschwindet nie, wie das der Cheshire-Katze.

Die Zukunft ist grau. Grauhaarig. Ein Interview. 4

Die Zukunft ist grau. Grauhaarig. Ein Interview.

Die langsame Überalterung des Konzertpublikums wurde zum ersten Mal Anfang des letzten Jahrhunderts von Paul Hindemith wahrgenommen. Seitdem sind die damaligen Grauhaarigen weggestorben und wurden sukzessive bis heute durch noch ältere Grauhaarige ersetzt. Inzwischen sind auch schon die Musiker auf der Bühne vornehmlich grauhaarig (zum Beispiel ich).

0

Kein Klassik-Publikum ohne Experimente – bitte mehr lebende Komponisten in Euren Programmen!

Der klassisch-romantischen Konzertkultur mit soften Einsprengseln an zeitgenössischer Schonkost geht es in der Akzeptanz durch knapp 90% unserer Bevölkerung eigentlich ganz gut, so eine Umfrage der Hamburger Körber-Stiftung, um nicht ganz uneigennützig die eigene Vermittlungsbedeutung herauszukehren – genug problematisch im immer unübersichtlicher werdenden Musikvermittlungsmarkt. Kein Grund zur Sorge? Etliche der...

Jugend startet – ein Aufruf. 1

Jugend startet – ein Aufruf.

Wenn es über irgendetwas in dieser Welt letztlich keine Diskussion geben darf, dann ist es die Bedeutung des Nachwuchses. Ob das nun bedeuten muss, dass schon Embryonen mit dem Gesamtwerk von Beethoven beschallt werden müssen, sei dahingestellt. Dass aber jede Initiative für die Verbesserung der musikalischen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sinnvoll ist, darüber besteht kein Zweifel.

Verhältnismäßig klassische neue Musik 0

Verhältnismäßig klassische neue Musik

Wenn man in einem Opernhaus jahrzehntelang nur Opern des 18. und 19. Jahrhunderts spielt, dann erscheinen Berg und Janacek als Neue Musik. „Ich will mehr zeitgenössische Opern. Als erste Etappe bringen wir mehr Stücke aus dem 20. Jahrhundert, zum Beispiel Wozzeck, der schon lange nicht mehr gespielt wurde.“ (Dominique Meyer)...

Breitenwirksame Klassik 0

Breitenwirksame Klassik

„Klassik war nie so breitenwirksam“. Wer die Überschrift nur im Vorübergehen liest, gerät ins Stocken. Stimmt denn das? War Klassik tatsächlich noch nie so breitenwirksam? Wie heute? Aber die Enttäuschung folgt auf dem Fuße. Das Zitat des Intendanten des Lucerne Festivals, Michael Haefliger – der im Übrigen nun unter die...

Zuchtgarnelen mit Kräutersalat. Oder: Klassik braucht Neue Musik 0

Zuchtgarnelen mit Kräutersalat. Oder: Klassik braucht Neue Musik

Das Eis ist dünn. Wenn man selbst als Produzent, Veranstalter oder irgendwie dramaturgisch damit befasst ist, Programme zu gestalten, sollte man sich öffentlich schön zurückhalten, über Programme anderer Veranstalter etwas zu sagen. Aber hier soll auch nicht das Programm, sondern eine Äußerung des neuen Intendanten der Alten Oper Frankfurt, Stephan...