Einer der Guten – Nachruf auf Peter Hanser-Strecker

Peter Hanser-Strecker. Foto: © Schott Music
Werbung

Nachruf Peter Hanser-Strecker

Werbung

Mit Peter Hanser-Strecker verlieren wir eine der ganz großen Persönlichkeiten unseres Musiklebens und als Rechtenachfolger von Werner Egk auch ein Mitglied unseres Verbands. Wer Peter kannte, weiß, dass man diese Größe auch ganz wörtlich bei ihm erleben konnte (dank seiner stets beeindruckenden und immer eleganten Erscheinung). Seine menschliche Größe übertraf seine physische aber noch um ein Vielfaches.

Kaum jemand hat so viele künstlerische Lebenswege berührt (fördernd und unterstützend) und sich so bedingungslos für die Sache der Musik eingesetzt wie er. Mit seinen vielen, vielen Ehrenämtern und seinen verantwortlichen Tätigkeiten in zahllosen Stiftungen und Verbänden (allen voran der GEMA) könnte man mehrere Seiten füllen, und selbst dann wäre diese Liste sicherlich unvollständig. Als bedeutender Verleger führte er den Schott-Verlag in die Moderne, war für die Verpflichtung zahlreicher wichtiger Autorinnen und Autoren verantwortlich und verstand es wie kaum ein anderer, das Geschäft international auszuweiten, auch durch seine exzellenten Kontakte in alle Welt (die er als leidenschaftlich Reisender stets gerne pflegte). In den letzten Jahren sorgte er auch für einen sanften Übergang des Verlags in neue Verantwortung, etwas, das ihm sicherlich nicht leicht gefallen ist.

Er selbst stand nie als ausübender Musiker im Mittelpunkt (auch wenn dies durchaus mal eine Möglichkeit gewesen sein muss). Dennoch war er jemand, der die Musik sehr liebte, sich von Konzerten ehrlich begeistern ließ und leidenschaftlich den Kontakt zu Künstlern pflegte. Insofern war er immer eine Art Renaissance-Mensch, niemals sich auf Lorbeeren ausruhend und immer wieder neue Anregungen und Herausforderungen suchend.

Für mich persönlich war Peter Hanser-Strecker einer der Menschen, mit dem man immer sprechen konnte und der immer leidenschaftlich Anteil an aktuellen Entwicklungen des Musikmarkts nahm. Als noch sehr junger Komponist holte er mich in den Schott-Verlag, veröffentlichte meine ersten CDs und unterstütze mich. Dass ich Schott dann verließ (was nicht im Geringsten etwas mit ihm zu tun hatte) hat er mir nie übel genommen und stets den Kontakt mit mir gehalten. Ich habe ihm für meine persönliche Laufbahn daher unendlich viel zu verdanken – er war bis zuletzt für mich ein wichtiger Mentor, Ratgeber und vor allem sehr guter Freund, den man bei jeder Gelegenheit gerne sah und herzlich begrüßte. Und dem man immer zuhörte, da er immer etwas zu sagen hatte.

Wer ihn näher kannte weiß, dass sein Blick auf die Musikwelt oft von großen Sorgen geprägt war. In gewisser Weise war er immer ein Zweckpessimist mit optimistischem Herz – in langen Telefongesprächen diskutierte er gerne und leidenschaftlich die aktuellen Krisen, tat aber dann stets alles, um diese zu verhindern. Als einer der ersten erkannte er, dass die Solidargemeinschaft innerhalb der GEMA instrumentalisiert werden könnte und sah drohende Gefahren der Vereinnahmung durch Geschäftsinteressen. Mit dem von ihm gegründeten Verein „Pro Klassik“ (dem ich viele Jahre angehörte) einte er Verleger und Komponierende und versuchte diese besser zu informieren und in größerer Zahl auf die Mitgliederversammlungen zu locken.

Viele seine düsteren Prognosen von damals sind leider wahr geworden – gerade im letzten Jahr habe ich daher angesichts der aktuellen Entwicklungen in der GEMA oft mit ihm gesprochen, wobei er stets seine Verzweiflung darüber äußerte, dass die Ignoranz gegenüber kulturellen Werten in der Gesellschaft zunehmend anwächst. Das wollte er bis zuletzt ändern – auf meinem Telefon ist noch eine Voicemail in der er mich bat, ihn über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten und den Kampf nicht aufzugeben. Diesen Wunsch werde ich ernst nehmen, so wie ich mir auch wünsche, dass sein Geist, seine Noblesse und sein unermüdlicher Einsatz nicht vergessen und uns noch viele Jahre inspirieren werden.

Mach’s gut, lieber Peter, Du warst einer der besonders Guten. Nicht nur im DKV werden wir Dich stets in herzlicher Erinnerung behalten.

 

Moritz Eggert

Liste(n) auswählen:
Unsere Newsletter informieren Sie über Neuigkeiten im Badblog Of Musick. Informationen zum Anmeldeverfahren, Versanddienstleister, statistischer Auswertung und Widerruf finden Sie in unserer Datenschutzbestimmungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert