Die Radiowoche vom 28.03.22–03.04.2022

Im Radio. Foto: Hufner
Im Radio. Foto: Hufner

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 13. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr.

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Inhalt


mo – 28.03.2022


21:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Musik-Panorama: Neue Produktionen aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal – réBELLES

Lieder von Honegger, Weill, Messiaen, Strauss, Rihm, Boulanger u.a. Josefine Göhmannn, Sopran; Mario Häring, Klavier. Aufnahmen vom Dezember 2020 und Mai 2021 im Deutschlandfunk Kammermusiksaal, Köln Am Mikrofon: Jonas Zerweck

Josefine Göhmann betrachtet ihr Debütalbum als eine Art Mutmacher. Sie wünscht sich, dass Frauen stärker und öfter ihre Stimme erheben. Vier Frauenfiguren präsentiert sie durch die ausgewählten Lieder. Diese vier präg(t)en die Sängerin persönlich, bilden zugleich grundsätzliche Typen, wie Frauen gesellschaftlich gesehen werden. Es beginnt mit der Jungfrau Maria. In den Liedern reflektiert Göhmann ihre Rolle in der jüngeren Kulturgeschichte. Daran schließen sich eher archetypisch die Meerjungfrau und Heldin an. Alle drei fließen auf dem Album in der literarischen Figur Ofelia zusammen. Begleitet wird Göhmann auf der CD von ihrem langjährigen Liedpianisten Mario Häring.

23:03 – 24:00 | Ö1
Klangforum gewährt Perspektiven auf Polnisches – Polish Perspectives. Klangforum Wien spielt Neue Musik aus Polen

Polen hat einerseits eine lange Tradition der experimentellen Musik – nicht zuletzt Dank des bedeutenden Festivals Warschauer Herbst, das 1956 gegründet worden ist und eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Musik hinterm (damaligen) Eisernen Vorhang gespielt hat. Noch immer steht die polnische Musikszene für ein forschendes Voranschreiten. Das Klangforum Wien stellte am 16. Februar 2022 im Wiener Konzerthaus unter der Leitung von Patrick Hahn Neue Musik aus Polen vor – in Kooperation mit dem Adam Mickiewicz Institut. Zu hören waren Werke von Marcin Stańczyk, Aleksandra Gryka, Wojciech Błażejczyk und Cezary Duchnowski. Motto des Konzertes: Polish Perspectives. Unter demselben Titel ist zudem eine 4-CD-Box des Klangforum Wien mit Musik aus Polen erschienen. Gestaltung: Andreas Maurer

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: Jazztoday

3×4 aus Köln: Henning Sieverts präsentiert drei aktuelle Quartett-Produktionen aus der Domstadt: mit der Posaunistin Shannon Barnett, mit dem Trompeter Matthias Bergmann und mit dem Sitar-Virtuosen Hindol Deb.


di – 29.03.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Das Ritual des Lebens – Der Komponist und Schlagzeuger Michael Ranta

Von Egbert Hiller. Als bedeutender Interpret der Avantgarde schlug er schöpferisch ungewöhnliche Wege ein. Im April dieses Jahres wird Michael Ranta 80 Jahre alt.

1942 in Minnesota geboren, brach Michael Ranta im wahrsten Sinne des Wortes zu einer musikalischen Weltreise auf. Als Schlagzeuger und Komponist lebte und wirkte er in den USA, zeitweise in Japan und Taiwan und seit vielen Jahren überwiegend in Deutschland. 1969 war er der Solist der Uraufführung von Helmut Lachenmanns „Air“ – Musik für großes Orchester und Schlagzeug-Solo in Frankfurt. Auch in seiner eigenen Musik spielt das Schlagzeug eine herausragende Rolle. Immer wieder wandte sich Michael Ranta meditativen, spirituellen und rituellen Dimensionen zu. Ein Höhepunkt in dieser Richtung ist „Yuen Shan“ für vier Schlagzeuger und Tonband von 2005. Der Untertitel lautet „The Ritual of Life“/“Das Ritual des Lebens“ – und die vier Teile des Werks reflektieren Entwicklungsstufen im menschlichen Leben.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Komponistinnen

Konstantia Gourzi: „Anájikon, The Angel in the blue garden“, op. 61 (Minguet Quartett); Isabel Mundry: „Liaison“ (Sofija Molchanova, Klarinette; Georgios Panagiotidis, Violine; Anna Khubashvili, Violoncello; Minas Koutsambasopoulos, Klavier); Sofia Gubaidulina: „Garten von Freuden und Traurigkeiten“ (Kornelia Brandkamp, Flöte; Antoine Tamestit, Viola; Nabila Chajai, Harfe); Helga Pogatschar: „Underground Surround“ (Reinhilde Gamper, Leopold Hurt, Martin Mallaun, Zither); Viera JanárÄeková: „Spievanky, spievanky“ (Eva Šušková, Sopran; Andrea Mosorjaková, Flöte); Dorothee Eberhardt: Streichquartett Nr. 3 (ÉxQuartet)

19:15 bis 20:00 | Deutschlandfunk
Das Feature: Die Heimkehr – Der Weg der Sinti-Familie Reinhardt von Auschwitz nach Köln

Von Alexa Hennings. Regie: Anna Panknin. Produktion: Deutschlandfunk 2022. Wenn der Krieg zu Ende ist, treffen wir uns in Köln, darauf hatte Karl Josef Reinhardt alle eingeschworen. 1940 wurde der Musiker mit seiner Familie und 1.000 anderen Sinti und Roma aus Köln in Richtung Osten deportiert.

Nur sechs seiner zwölf Kinder überlebten die Konzentrationslager. Mit ihnen und anderen Sinti machte sich Karl Josef Reinhardt, Bruder der Jazz-Legende Django Reinhardt, 1945 auf den Heimweg von Auschwitz nach Köln. Sein Enkel, der Kölner Musiker Markus Reinhardt, hat diesen Weg und die Geschichten seiner Verwandten erforscht. Er plant, mit einem der traditionellen Wagen den Weg von Auschwitz nach Köln zurückzulegen. Unterwegs soll es Konzerte, Lesungen und Gespräche geben. Wir wollen etwas von uns erzählen, es soll nicht nur über uns geredet und geurteilt werden, sagt Reinhardt. Dazu gehört für ihn auch, dass die Gesellschaft akzeptiert, dass er Zigeuner genannt werden will. Er ist stolz auf diesen Begriff.

20:05 bis 21:00 | SWR 2
SWR2 Jazz Session: Triebfedern – Frauen, die Jazz in Deutschland beflügelt haben (4/5) – Christa Gugeler (Tontechnikerin)

Von Franziska Buhre und Julia Neupert. Jazz in Deutschland – das ist eine Geschichte, die ihre Geschichten oft vergisst. Wir erzählen sie in dieser Porträtreihe, die Geschichten von Frauen, die hierzulande den Erfolg des Jazz mitgestaltet haben. So wie die Tontechnikerin Christa Gugeler. Sie baute Ende der 1960er-Jahre das heute unter Denkmalschutz stehende Tonstudio der „Musik Produktion Schwarzwald“ mit auf und wirkte an einigen bedeutenden Aufnahmen des legendären MPS-Plattenlabels mit.

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
Jazz Live: Jazzfest Berlin 2021 – Fesselnde Formen

Das Vijay Iyer Trio. Aufnahme vom 4.11.2021 aus dem Pierre-Boulez-Saal, Berlin. Am Mikrofon: Sophie Emilie Beha. Kurz vor Beginn seines Konzerts beim 58. Jazzfest Berlin sagt Vijay Iyer den leisen und bemerkenswerten Satz: Er werde „es nie wieder für selbstverständlich nehmen”, in einem Konzertsaal vor anwesendem Publikum spielen zu können. Dem nachhaltigen Gefühl von Lähmung in der Pandemie stellte der viel gepriesene New Yorker Pianist mit seinem Trio kraftvolle, ausdruckstarke Klänge entgegen. Das Programm orientiert sich am Album „Uneasy“, das 2021 als eine der besten Jazzplatten des Jahres gefeiert wurde. Die Musik darauf bezieht sich explizit nicht nur auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie, sondern auch auf politisch stürmische Zeiten in den USA – und trotzdem birgt sie immer wieder auch lichte, poetische Momente.

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Neue Tonträger

Vorgestellt und diskutiert von Lydia Jeschke, Michael Rebhahn, Leonie Reineke und Martina Seeber. Die Redaktion Neue Musik des SWR präsentiert und diskutiert aktuelle Aufnahmen mit zeitgenössischer Musik.

22:03 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Feature: Russische Dämonen – Warum der Kreml Dostojewski feiert

Von Manuel Gogos; Regie: Hannah Georgi. Mit: Markus Scheumann, Robert Dölle, Nikolaus Benda, Janina Sachau. Ton und Technik: Rike Wiebelitz und Matthias Fischenich. Produktion: WDR 2018. Länge: 54’00

Der amerikanische Diplomat Henry Kissinger nannte den russischen Präsidenten Wladimir Putin einen „Charakter aus einem Dostojewski-Roman“. Auch der Kreml bedient sich des Schriftstellers als nationale Ikone. Ist Dostojewski aktueller denn je?

2021 wurde in Russland der 200. Geburtstag des Schriftstellers Fjodor Michailowitsch Dostojewski gefeiert. Schon 2018 hat der russische Präsident Wladimir Putin persönlich zur Vorbereitung der Geburtstagsfeier ein Festkomitee berufen. Welches Interesse könnte der russische Präsident haben, Dostojewski zu einem nationalen „Säulenheiligen“ zu verklären?

Dostojewski ist nicht nur der große Romanautor und Schöpfer des „Idioten“ oder der „Dämonen“; Dostojewski war auch Journalist und Publizist. Verfechter eines russischen Imperialismus. Lässt sich Dostojewski gegen die Instrumentalisierung durch Putins Machtelite verteidigen? Und wer verteidigt die Polyphonie von Dostojewskis Werken gegen Dostojewski selbst?

Manuel Gogos, 1970 in Gummersbach geboren, hat in Literaturwissenschaft promoviert und arbeitet als freier Autor Er schreibt Feature und dreht Filme. Von 2002−2005 war er im Rahmen des durch die Kulturstiftung des Bundes initiierten Projektes Migration für das Domid (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland) tätig. Seit 2005 firmiert er mit seiner Agentur für Geistige Gastarbeit in Bonn. Als Kurator und kuratorischer Berater ist Manuel Gogos spezialisiert auf die Musealisierung von Migrationsgeschichte. Sein Buch „Das Gedächtnis der Migrationsgesellschaft über die Erinnerungskultur in der Einwanderungsgesellschaft und die Geschichte des Migrationsmuseums in Deutschland“ erscheint im Oktober 2021 im transcript-Verlag, Bielefeld.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Horizonte: Gehaucht, geploppt, geblasen – Die Flöte in der Neuen Musik – Eine Radioreportage mit Karina Erhard

Von Tilman Urbach. Sie ist am Klang interessiert und denkt über dessen Erweiterung nach. Ausgangspunkt sind dabei ihre Flöten. Tore Takemitsus Solostück „Voice“, das sie in ihrem Examen gespielt hat, bezeichnet Karina Erhard als Initialzündung für ihre Liebe zur zeitgenössischen Musik. Darüber hinaus schätzt sie Salvatore Sciarrinos „All’aure en una lontananza“, ein Solostück von 1977, in dem kaum ein ‚normaler’ Flötenton erklingt. Aber Karina Erhard spielt auch Saxophon und nutzt Gitarrenpedale. Sie will Musik neu denken, arbeitet mit zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten zusammen, die ihr Stücke widmen. Und: Karina Erhard improvisiert. In ihrem Studio in München spricht sie mit Tilman Urbach über ihre Projekte, ihre Musik und führt ungewöhnliche Spieltechniken vor, die die Flöte neu erklingen lassen.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
Musik der Gegenwart: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik 2022

„Die Einfachen“ nannte sich im nachrevolutionären Leningrad der 1920er Jahre die queere Subkultur, zu der Arbeiter*innen, Kleinangestellte und Student*innen gehörten. Sergej Newskis „Dokumentaroper“ lässt die Schicksale eines Bauers, einer Studentin und eines Lehrers wiederaufleben. Es entsteht ein dichtes Netz von Beziehungen zwischen den Sänger*innen und den historischen Figuren, als „Hommage an eine faszinierende Generation, die unter extremen Herausforderungen ihrer Zeit versucht, ihre Würde zu bewahren“. Eine Hommage an Marginalisierte und Verfolgte ist auch das neue Werk des amerikanischen Komponisten George Lewis, ein Auftrag der Biennale Venedig, die die Neuen Vocalsolisten für ihre Arbeit 2021 mit dem Silbernen Löwen auszeichnete. Anton Wilhelm Amo gilt als erster bekannter afrodeutscher Philosoph. Seine „Disputatio philosophica continens ideam distinctam eorum quae competunt vel menti vel corpori nostro vivo et organico“ von 1734 wählte Lewis als Textgrundlage für sein Werk, ein komplexes Ineinander verschiedener Sprachen, Field Recordings und live-elektronischer Klangveränderungen. Aufnahme vom 20. Januar 2022 im radialsystem

23:03 – 24:00 | Ö1
Fazil Say in Salzburg – Mitschnitte vom Festival Dialoge Salzburg

Diese „Zeit-Ton“-Ausgabe bringt Aufnahmen des Salzburger Festivals Dialoge von 2019, die bisher noch nicht in Ö1 ausgestrahlt worden sind. Das Österreichische Ensemble für Neue Musik präsentierte im großen Saal der Stiftung Mozarteum unter anderem Werke von Edgar Varèse und Pierre Boulez. Mit der „großen Fazil Say-Nacht“ ging – ebenfalls im Mozarteum – ein ausgedehntes Konzert mit dem türkischen Pianisten und Komponisten über die Bühne. Die Camerata Salzburg unter der Leitung von Nil Venditti spielte unter anderem Fazil Say’s „Gezi Park 3“ op.54, eine Ballade für Mezzosopran, Klavier und Streichorchester, mit der Mezzosopranistin Senem Demircioglu und Fazil Say am Klavier. Teil des Programms war auch das Konzert für Flöte und Orchester op. 76 von Fazil Say, mit Bülent Evcil als Solist. Gestaltung: Philipp Weismann


mi  – 30.03.2022


00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Werner Heider: „Architektur“ (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Péter Eötvös); Hans Kraus-Hübner: „Pattern Virtuoso“ (Radek Szarek, Marimba); Heinrich Hartl: „Wandlungen“, op. 115 (Moravian Philharmonic Orchestra of Olomouc: Toshiyuki Shimada); Walter Zimmermann: „Himmeln“ (Irene Kurka, Sopran); H. E. Erwin Walther: Concerto (Tobias Kaiser, Flöte; Claire Sirjacobs, Oboe; Enrico Toffano, Fagott; Matthew Sadler, Trompete; der/gelbe/klang: Armando Merino); Vivienne Olive: „Text IV“ (Stefan Grasse, Gitarre); Waldram Hollfelder: Variationen über ein Thema von H. L. Haßler (Nürnberger Symphoniker: Günter Neidlinger)

19:00 bis 19:30 | rbbKultur
Feature: Im Spiegel der Nostalgie – Die russischen Jünger des Andrej Tarkowski

Von Mario Bandi. O-Ton: Andrej Arsenjewitsch Tarkowski, Alla Demidowa, Olga Surkowa, Wjatscheslaw Schmyrow, Irma Rausch, Wladimir Martynow. Sprecher*innen: Wolfgang Rüter, Florian Seigerschmidt, Robert Dölle, Susanne Barth, Wieslawa Wesolowska, Doris Plenert, Renate Fuhrmann, Mark Zack. Regie: der Autor. Ton: Angelika Bruchhaus, Wolfgang Rixius. Produktion: DLF/SWR/WDR 2016.

Sieben Spielfilme drehte der russische Regisseur Andrej Tarkowski. Alle sieben sind radikal subjektiv. Ein Affront gegen den strikten Realismusbegriff der sowjetischen Kulturapparatschiks. Nahezu jede Uraufführung führte zu Konflikten und Verboten. Im Rückblick jede Menge Stoff für Verklärungen, mit denen die widerstreitenden russischen Fan-Gemeinden ihrem je unterschiedlichen Tarkowskibild frönen. Es gibt nur wenige Menschen, die ihn gut kannten: Marina, seine Schwester, die den Bruder zur Ikone erklärt, Marianna Tschugunowa, seine Assistentin, die ihr umfangreiches Archiv wie einen geheimen Schatz hütet, die Schauspielerinnen Alla Demidowa und Alissa Freindlich und die Filmwissenschaftlerin Olga Surkowa.

19:30-20:00  | Deutschlandfunk Kultur
Zeitfragen. Feature: Smoke on the water – Ein Rock-Klassiker in den 1970er-Jahren – und heute
Von Ralf Bei der Kellen

21:05 – 22:00 Uhr | SWR2
NOWJazz: Eiserne Disziplin und blühende Fantasie – Die französische Trompeterin Airelle Besson

Von Thomas Loewner. Airelle Besson hat mit der Trompete ein Instrument gewählt, das Musikerinnen und Musikern eine Menge Disziplin abverlangt: Ständiges Üben ist notwendig, um den Ansatz zu trainieren. Letzterer ist die Voraussetzung für einen strahlenden Ton. Inzwischen ist Airelle Besson eine der auffälligsten Stimmen der aktuellen französischen Szene. Mit ihrem Quartett zeigt sie außerdem ihre Qualitäten als Bandleaderin. Sie versteht es nicht nur, die Trompete voller Kraft und Eleganz zu spielen, sondern komponiert auch ausdrucksstarke Musik voll ansteckender Melodien und mit großem Gespür für einen kompakten Band-Sound.

22:00 bis 23:00 | MDR Kultur
Grabbe oder Ein Menetekel

Von Gerhard Pötzsch. Was uns an dem Christian Dietrich Grabbe bis heute fasziniert, ist der künstlerische Widerstreit in seiner dramatischen Dichtung. Wer war dieser Grabbe? Ein erfolgloser Dramatiker, ein um Aufmerksamkeit heischender Trinker oder ein verkanntes Genie?Ausgehend von Grabbes Biographie unternimmt der Schriftsteller Gerhard Pötzsch den Versuch, die Lebensstationen des Dramatikers mit exemplarischen Hinweisen auf sein Werk zu verknüpfen.

Gerhard Pötzsch, 1951 in Leipzig geboren, arbeitete als Elektromonteur und studierte 1982-85 am Leipziger Literaturinstitut. Er veröffentlichte Romane, Hörspiele und Features (u.a. „Wohlan, wer Recht und Freiheit achtet!“ (MDR 2013), „Über sieben Brücken musst Du geh’n“ (MDR 2014), „Der Mumienfund von Riesa“ (MDR 2021). Er lebt als freier Autor in Leipzig.

Regie: Hannelore Solter; Produktion: RF der DDR 1989; Dramaturgin: Beatrix Zeiske

Gerd Grasse: Erzähler; Martin Seifert: Grabbe; Michael Narloch: Stang; Eckhard Bilz: Seeliger; Manuel Soubeyrand: Burgmüller; Matthias Zahlbaum: Rethel; Rainer Büttner: Immermann

23:03 – 24:00 | Ö1
Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen – Zeit-Ton Magazin

Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen ausgesuchte Veranstaltungstipps für die kommenden sieben Tage und die spannendsten Neuveröffentlichungen. Gestaltung: Marie-Therese Rudolph

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: Jazz aus Nürnberg: Special

Der Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei im Gespräch über seine aktuellen Alben „Elephants marching on“ und „Moods“. Moderation und Auswahl: Beate Sampson


do – 31.03.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik

Natalia Solomonoff: „Raunächte“ für Sopran, Flöte, Klarinette, Klavier, Violine, Violoncello und Elektronik (2008-2014). Maria Bulgakowa, Stimme. Ensemble Reflexion K / „Incierto suelo cielo“ für Orchester (2018). WDR Sinfonieorchester, Leitung: Elena Schwarz

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Peter Jona Korn: „Beckmesser-Variationen“, op. 64 (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: David Shallon); Herbert Baumann: Sonatine über finnische Volkslieder (Kurt Kalmus, Oboe; Karl Kolbinger, Fagott; Michael Tröster, Gitarre); Hans Melchior Brugk: Klavierkonzert Es-Dur, op. 50 (Hildegard Stenda, Klavier; Münchner Rundfunkorchester: Dieter Roßberg); Jan Koetsier: Concertino, op. 115 (Oliver Siefert, Stefan Geiger, Uwe Schrodi, Markus Blecher, Posaune; Münchner Rundfunkorchester: Christoph Poppen); Theo Rossmann: Musik für Orchester (Münchner Philharmoniker: Rudolf Alberth)

20:00 bis 22:30 | hr2-kultur
LIVE – Return to Forever: Die hr-Bigband und John Beasley in Frankfurt

„Return to Forever“ ist ein Meilenstein in Sachen Fusion-Jazz. 1972 erschien das erste Album der gleichnamigen Band beim deutschen Label ECM. Kopf des Projekts war der US-amerikanische Jazzpianist und -komponist Chick Corea, der es bis Ende der 1970er Jahre stetig weiterentwickelte. (Übertragung aus dem hr-Sendesaal)

Im Jahr 2008 kam es dann noch einmal zu einer erfolgreichen Reunion: Über zwei Monate tourten Corea und seine Mitmusiker durch die USA und Europa.

Eine Konzertreise, die ihren Höhepunkt in einem viel beachteten Konzert beim renommierten Jazz Festival in Montreux fand. Neben Chick Corea haben Größen wie der Bassist Stanley Clarke oder der Gitarrist Al Di Meola der Band ihren Sound gegeben: ein Fusion-Jazz-Projekt zwischen Latin-Jazz, Soul und Jazzrock. Der US-Amerikaner John Beasley, der mit der hr-Bigband schon Projekte wie „MONKestra“ oder Somis „Petite Afrique“ mit großem Erfolg umgesetzt hat, schreibt die Arrangements und leitet dieses Tribute-Programm.

20:05 bis 21:00 | SWR 2
SWR2 Musikpassagen: Faust – Ein Manifest musikalischer Freiheit

Von Frank Sawatzki. Faust hat Legendenstatus, die Band fegte die alles dominierenden anglo-amerikanischen Rocktraditionen vom Tisch und setzte aus deren Bruchstücken etwas Neues zusammen: Krautrock hieß das später. Zum 50-jährigen Jubiläum erschien jetzt eine Acht-CD-Box mit Aufnahmen von 1971 bis 1974. Das Faust-Abenteuer im Kommunenleben hielt nur vier Jahre vor, dann gingen die Experimentierer auseinander, die Band aber beeinflusste Generationen von Musikern mit ihrem Sound und ihren musikalischen Ideen. Es wurde ein Stück deutsche Musikhistorie geschrieben. Frank Sawatzki hat mit den Gründungsmitgliedern gesprochen.

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
JazzFacts: JazzFacts: Kopfhörer – Gast: Schlagzeuger Leif Berger

Am Mikrofon: Florian Ross und Odilo Clausnitzer. Muss Jazz immer anstrengend sein? Ist Keith Jarrett überschätzt? Wie bitte – Du magst auch Phil Collins? In „Kopfhörer“ treffen Pianist Florian Ross und Redakteur Odilo Clausnitzer auf wechselnde Gäste und hören, untersuchen und streiten über Musik. Die Auswahl bestimmt der Gast – die Gastgeber hören ohne vorherige Informationen. Diesmal dabei: Schlagzeuger Leif Berger. Berger (*1997) bekam mit zwei Jahren sein erstes Schlagzeug – seitdem macht er Musik. 2013 begann er in Köln ein Schlagzeugstudium; inzwischen ist er auch als Komponist, Pianist, Keyboarder, Perkussionist, Bandleader und Dozent aktiv. Er spielte mit internationalen Jazzgrößen wie Norma Winstone und Ben Monder. Zu seinen Hauptprojekten gehört die experimentelle, R&B-inspirierte Band Salomea. Online hat Leif Berger bereits mehrere Soloalben veröffentlicht.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte – Musik der Gegenwart

Ondřej Adámek: „Where are you?“ (Magdalena Kožená, Mezzosopran; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Simon Rattle); Aus Violinkonzert – „Follow me“ (Isabell Faust, Violine; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Peter Rundel)

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: All that Jazz – Duke Jordan – zum 100. Geburtstag des Bebop-Pianisten und Komponisten

Bekannt wurde Duke Jordan als Sideman von Charlie Parker. Berühmter noch als seine Pianistik wurden seine eingängigen Themen, unvergessliche Ohrwürmer des Bop wie „Jordu“ oder „Flight to Jordan“. Moderation und Auswahl: Marcus A. Woelfle

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Art Spirit

Von Martina Seeber. Régis Campo: Art Spirit (2021) für Orchester; Staatsorchester Stuttgart; Leitung: Cornelius Meister

Wer fällt das letzte Urteil über ein Kunstwerk? Nicht die Zeitgenossen, sondern die nächste Generation, schreibt der US-amerikanische Maler Robert Henri in seinem 1923 erschienenen Band „The Art Spirit“. Wenn der französische Komponist Régis Campo ein Jahrhundert später sein fast gleichnamiges Auftragswerk für das Stuttgarter Staatsorchester zu einer Hommage an den eigenwilligen Künstler erklärt, bekennt er sich zu Henris Ideal einer „Einfachheit“. Campo taucht das Einfache in luxuriös leuchtende Farben, spielt mit Licht und Schatten, mit Patterns und Ornamenten.

23:03 – 24:00 | Ö1
Grenzüberwindungen zwischen aktueller und elektronischer Musik: Thanos Chrysakis – Thanos Chrysakis im Zeit-Ton Porträt

Das Schaffen von Thanos Chrysakis oszilliert zwischen elektroakustischer Improvisation und Orchester-Kompositionen, zwischen installativer Klangkunst und zeitgenössischer Musik. Anlässlich seines vor kurzem gefeierten 50. Geburtstags und der Gründung seines Labels Aural Terrains vor 15 Jahren widmet der Zeit-Ton dem Komponisten und Elektronikmusiker ein Porträt.

Thanos Chrysakis wurde in Athen geboren, lebte lange in Großbritannien und seit 2015 wohnt er in Belarus. 2005 wurde er mit dem Preis der „Competition interntationale de Musique Electroacoustiques de Bourges“ ausgezeichnet, seine Arbeiten wurden auf dem International New Music Festival in St Petersburg, dem Fylkingen in Stockholm und im San Francisco New Music Center aufgeführt. Seit 2007 betreibt er das Label Aural Terrains.

Nach einem Schlagzeug-Studium bei Dimitris Tzafestas von der Griechischen Nationaloper machte Chrysakis in London ein Doktorat in Komposition und elektroakustischer Klangkunst. Verbindungen dieser Pole – der Komposition und der Improvisation – sind auf aktuell rund 40 Veröffentlichungen nachzuhören. Seine Arbeiten reichen von Solo-Einspielungen über Duo- und Trio- bis zu Orchester-Formationen. Auffällig ist sein Interesse an den Sounds von Blasinstrumenten und besonders von Bass-Klarinetten, siehe etwa „Music for Violas, Bass Clarinets & Flutes“ (2021), bei dem ein neunköpfiges Ensemble eigene und Stücke von Gérard Grisey interpretierte.

Auf Aural Terrains sind Alben der Elektronikkomponistin Dganit Elyakim oder des Klangkünstlers Kim Cascone herausgekommen. Ende 2021 ist dort das Album „Mountains“ des Saxofonisten Chris Cundy erschienen, das u.a. vom Magazin „The Wire“ in dessen Jahres-Bestenliste für Moderne Komposition aufgenommen wurde.

Im Zeit-Ton Porträt erzählt Thanos Chrysakis über seine Musik und aktuelle Projekte. Im Zeit-Ton am folgenden Abend, Freitag, dem 1. April, präsentiert er zum 15-jährigen Jubiläum seines Labels Musik von Künstler/innen, die auf Aural Terrains veröffentlichen, darunter die Elektronikkomponistin Edith Alonso und der Klarinettist Jason Alder. Gestaltung: Heinrich Deisl


fr – 01.04.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: The Right to Do Nothing/Hak Untuk Malas

Von Riar Rizaldi. Übersetzung ins Deutsche und Textregie: Roman Neumann; Mit: Marina Frenk, Frisna Virginia, Nadia Tirensia, Elaine W. Ho; Musik: Nursalim Yadi Anugerah, Duto Hardono, Bin Idris; Produktion: Deutschlandfunk Kultur / CTM Festival / Goethe-Institut / ORF 2021. Länge: 48’55

„Sonic-fiction“ Hörspiel über migrantische Arbeiter*innen im Hongkong einer nicht näher bestimmten Zukunft. Hier gelten ungewöhnliche Produktivitätsnormen: Bezahlt wird man fürs Schlafen und fürs Nichtstun.

„Um die Jahrtausendwende entstanden in Indonesien zahlreiche gemeinschaftlich organisierte Community-Radios, meistens von Gewerkschaften betrieben. Sie informierten über Arbeitsrecht, verbreiteten revolutionäre Gedanken und Literatur. Dann wechselte der Fokus von der Arbeit auf die Freizeit: Die heutigen Sender liefern den Soundtrack zum entspannten Sonntag.

Vor diesem Hintergrund entwirft der Klangkünstler Riar Rizaldi ein mehrsprachiges Hörspiel. Im Zentrum stehen migrantische Arbeiterinnen und Arbeiter im Hongkong einer nicht näher bestimmten Zukunft. Hier gelten neue Maßstäbe für Produktivität und Untätigkeit: Bezahlt werden die indonesischstämmigen Hausangestellten fürs Schlafen und fürs Nichtstun.

Riar Rizaldi, geboren in Indonesien, lebt und arbeitet als Künstler, Kurator und Amateurforscher in Hongkong. Kunststudium an der Universität Newcastle und an der City University Hong Kong. Seine künstlerischen Arbeiten beschäftigen sich mit Kapital und Technologie, Unterhaltungselektronik, Extraktivismus und Theoriefiktion. Sie wurden unter anderem gezeigt auf dem Locarno Filmfestival, im British Film Institute, dem Internationalen Filmfestival Rotterdam, im NTT InterCommunication Center Tokyo und in der Nationalgalerie von Indonesien.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Tobias PM Schneid: Sechs Bagatellen (Benjamin Engeli, Klavier); Heinz Winbeck: Streichquartett Nr. 1 (Leopold Mozart Quartett); András Hamary: „Five Magic Pieces“ (István Koppányi, Klavier); Stefan Hippe: Streichquartett Nr. 2 (Minguet Quartett); Helmut Bieler: Drei Stücke (Uta Walther, Klavier); Klaus Hinrich Stahmer: „Quasi und Requiem“ (Rainer Wolf, Sprecher; Leopolder-Quartett)

14:05:00 | Ö1
Wolfgang Muthspiel Trio und Alberto Pinton Sestetto Contemporaneo

Ein langes Wochenende im Juni, fünf Bühnen und 30 Konzerte aus unterschiedlichsten Bereichen des Jazz -das ist das seit drei Dekaden bewährte Konzept des Festivals JazzBaltica rund um das Maritim Seehotel im Ostseebadeort Timmendorfer Strand. Seit 2012 hat der schwedische Posaunist Nils Landgren die Festivalleitung inne und 2021 mit dem seit vielen Jahren in Schweden lebenden Saxofonisten, Klarinettisten und Flötisten Alberto Pinton gewissermaßen einen Landsmann mit italienischem Pass für das norddeutsche Festival gewinnen können. Ebenfalls 2021 bei JazzBaltica zu Gast war der österreichische Weltbürger und Stargitarrist Wolfgang Muthspiel. Er spielte am 25. Juni auf der Hauptbühne im Strandpark sowohl akustisch wie auch elektrisch im Trio mit Scott Colley am Bass und Jorge Rossy am Schlagzeug, während fast zeitgleich auf der „MaritimStage“ Alberto Pinton mit seinem Sestetto Contemporaneo begeisterte. In Concert präsentiert die Highlights dieser zwei Konzerte.

15:05 bis 16:00 | SWR 2
SWR2 Feature: Spiel mir das Lied vom Lithium – Von kritischen Rohstoffen, grünen Kapitalisten und Widerstand in Spanien

Von Barbara Eisenmann (Produktion: SWR/Dlf). Die Europäische Kommission hat eine Liste kritischer Rohstoffe erstellt, die man für Energiewende und Digitalisierung braucht. Fieberhaft wird in Europa nach Lagerstätten gesucht, um die Versorgung zu sichern. Einer der Hotspots ist Extremadura im äußersten Westen Spaniens. Dort befinden sich 300 Bergbauvorhaben in verschiedenen Phasen des Genehmigungsverfahrens. – Hören Sie einen akustischen Western mit allem, was dazu gehört: Goldrush, Stampede und High Noon … Der Kampf um Lithium, Nickel und seltene Erden ist voll entbrannt.

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Der Impresario Sergej Diaghilew – Zeremonienmeister der Moderne

Er war kunstbesessen, geistreich und extravagant, äußerst elegant und offen homosexuell. „Einen unverbesserlichen Sinnesmenschen“ hat er sich einmal selbst genannt, und als ihn der spanische König nach seinem Beruf fragte, antwortet er: „Eure Majestät, ich bin wie Ihr, ich arbeite nicht, ich tue nichts, aber dennoch ich bin unentbehrlich“. Sergej Pawlowitsch Diaghilew, Manager und Visionär, legendärer Impresario der „Baletts russes“. Wohl kaum jemand hat den Verlauf der Kunst – und damit auch der Musikgeschichte – so geprägt wie er, ohne selbst ein aktiver Künstler zu sein. Wir verdanken dem Sohn einer russischen Großbürgerfamilie epochale Werke wie Strawinskys „Feuervogel“ oder „Le sacre du printemps“, Jean Cocteau schrieb für ihn, Picasso entwarf in seinem Auftrag Bühnenbilder, und als sich ein tanzender Faun zu Debussys Musik auf offener Ballett-Bühne in einen Sexrausch hineinsteigerte, dann war dieser Tänzer Diaghilews Dauergeliebter Vaslav Nijinsky. Als Anfang des 20. Jahrhundert Europas Musikwelt aus den Fugen gerät, ist der Impresario ein Motor dieser revolutionären Bewegung. „Hätte sich diese Entwicklung ereignet ohne Diaghilev? Ich glaube nicht!“, hat Strawinsky einmal über den Einfluss seines Förderers gesagt. Eine Sendung von Markus Vanhoefer

20:00 bis 22:30 | hr2-kultur
LIVE – Das hr-Sinfonieorchester in der Alten Oper Frankfurt

Die amerikanische Dirigentin Karina Canellakis und Lars Vogt beim hr-Sinfonieorchester mit einem kürzlich wiederentdeckten Strawinsky-Werk, einem Parade-Klavierkonzert Beethovens sowie dem „Konzert für Orchester“ von Bartók.

Lars Vogt, Klavier; Leitung: Karina Canellakis: Strawinsky: Chant funèbre / Beethoven: 3. Klavierkonzert c-Moll op. 37 / Bartók: Konzert für Orchester. (Übertragung aus dem Großen Saal)

„Am Anfang versuche ich, dem Orchester nur zuzuhören. Die ersten zehn, fünfzehn Minuten versuche ich nicht zu sprechen und nur wenig vorzugeben. Es geht um das Kennenlernen. Dirigieren ist zuerst Zuhören.“ – so beschreibt Karina Canellakis die Situation am Pult eines für sie neuen Orchesters. Hier nun wird die in New York geborene Dirigentin beim hr-Sinfonieorchester debütieren, und zwar u.a. mit Béla Bartóks „Konzert für Orchester“ – einem Werk, das als ein echter Prüfstein gilt für jedes Orchester und ebenso für das Miteinander von Orchesterleitung und Musiker*innen. Doch Pult-Debüts ist Karina Canellakis, von Sir Simon Rattle zur Taktstock-Karriere ermuntert, gewohnt – gehört sie doch zu jener Generation von Dirigentinnen, die seit den 2010er Jahren immer regelmäßiger eingeladen werden von den großen US-amerikanischen und europäischen Orchestern. Auch Klavierspielen ist Zuhören, jedenfalls legt dies das so reflektierte, gänzlich uneitle Spiel von Lars Vogt nahe, diesem ganz Großen unter den deutschen Pianisten. Zuhören, in sich hinein hören: „Mich interessieren nur die Komponisten, die meine Seele bewegen“, sagt Lars Vogt, der in diesem hr-Sinfoniekonzert Beethovens drittes Klavierkonzert präsentieren wird.

20:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 Abendkonzert: 100 Jahre Donaueschinger Musiktage / Festival ECLAT 2022

SWR Symphonieorchester – SWR Experimentalstudio. Klangregie: Tim Abramczik, Ori Zilbershtain; Ilya Gringolts (Violine); Leitung: Titus Engel: Paul Hindemith: Kammermusik Nr. 1 op. 24 Nr. 1 für 12 Solo-Instrumente | Igor Strawinsky: Epitaphium für Flöte, Klarinette und Harfe | Cathy Milliken: Piece 43 For Now for Orchestra (UA) | Luigi Nono: Varianti für Violine, Streicher und Holzbläser | Heinz Holliger: Pneuma, Version für kleines Bläserensemble. (Konzert vom 12. November 2021 der Reihe LinieZwei im E-Werk Freiburg)

Composers Slide Quartet; Anna-Maria Hefele (Obertongesang); Geneviève Strosser (Viola): Annette Schmucki: Taumeln für 4 Posaunen (UA) | Anna Maria Hefele: Andesana und Klartraum für Obertongesang | Wolfgang Saus: 4 styles für Obertongesang | Giacinto Scelsi: Manto I-III. (Konzert vom 6. Februar 2022 im Theaterhaus Stuttgart)

Dass ein Musikfestival für Musik der Gegenwart ein 100-jähriges Jubiläum feiert, ist so erstaunlich wie wunderbar. Es erlaubt den Rückblick auf eine Fülle von Stücken, Stilen, Entwicklungen, Besetzungen – gebündelt an einem Ort. Musiker des SWR Symphonieorchesters wagen einen besonderen musikalischen „Schnelldurchlauf“ – von den Anfängen (Hindemith) bis zu unserer Gegenwart (Milliken). Obertongesang und Bratschenklänge ergänzen „taumelnde“ Posaunen im Konzert der SWR2 JetztMusik beim Festival Eclat.

20:05 bis 21:00 | Deutschlandfunk
Das Feature: Donalds Donald – Hasstiraden, Kommandos und Liebesschwüre

Von Hofmann&Lindholm. Regie: die Autoren. Produktion: Deutschlandfunk/WDR/RBB 2018

Das Heizungsrohr von Frau X im zehnten Stock dient dem Nachbarn im neunten als Folterinstrument. Als sie die Lärmbelästigung nach einer Woche nicht mehr ertragen kann, ruft sie vom Balkon: „Du dreckiges Arschloch, du arbeitslose Sau.“ Beim vierten Mal bekommt sie dafür eine Anzeige und versteht die Welt nicht mehr.

Donalds Donald beschäftigt sich mit Projektionen und Protektionen. Hierfür hat das Autorenkollektiv Hofmann&Lindholm Menschen in Deutschland angestiftet, Machtfantasien im Eigenheim zu verhandeln – projiziert auf die suspekte Nachbarschaft. In vertraulichen Vor-Ort-Gesprächen wird das Gegenüber zur Zielscheibe für komplex-verdrehte Hypothesen und Unterstellungen und Haustiere zu stummen Zeugen von Hasstiraden, Kommandos und Liebesschwüren.

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
On Stage: Jens Filser Organic Blues Project

Aufnahme vom 10.5.2020 aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal, Köln. Am Mikrofon: Tim Schauen. Der Solinger Gitarrist Jens Filser hat Jazz-Gitarre studiert und Blues gespielt, er hat u.a. die Bands von Layla Zoe und Tommy Schneller bereichert, er ist beim Jazz-Festival Montreux aufgetreten und hat Alben anderer Künstler produziert. Im Jens Filser Organic Blues Project ergänzt sich sein variables, niemals festgefahrenes, aber stets gefühlvolles, Spiel mit herausragend schönem Ton bestens mit den Klängen der Hammond-Orgel von Dirk Schaadt, dem Schlagzeuger Mickey Neher und dem Gesang der „Wahl-Wuppertalerin” Brenda Boykin. Für diese exklusive Session kam das Quartett während des ersten Lockdowns im Mai 2020 zusammen und improvisierte live on tape: quasi ungeprobt, gefühlvoll gespielt und gut kommunizierend. Chapeau!

22:03 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: Zauber mit Schock – Hommage an den Komponisten Stefan Wolpe

Von Sabine Fringes. „Es war ein Privileg, ihn zu kennen. Als ob man in ein wichtiges Geheimnis eingeweiht wäre“, sagte John Cage einmal über Stefan Wolpe. Stefan Wolpe, 1902 in Berlin geboren, pendelte in den 20er-Jahren zwischen Bauhaus und Dada, verband später Kunstmusik mit Agitprop, Cabaret und Jazz – bis er vor den Nazis fliehen musste. Im amerikanischen Exil inspirierte er die junge Komponistengeneration, darunter Morton Feldman und John Cage. „Überraschung mit Rätsel mischen, Zauber mit Schock, Intelligenz mit Hingabe, Form mit Antiform“, das war die Devise, welcher Wolpe in seinem Schaffen folgte. Er ist einer der großen ungewöhnlichen Geister, die es noch zu entdecken gilt. Eine Hommage anlässlich seines 50. Todestags am 4. April.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
Musik der Kontinente: Aktuelle Stimmen – Made in Israel

Es gibt viel zu entdecken: unter anderem das aktuelle Album der in Berlin lebenden jüdisch israelischen Jazz Sängerin Efrat Alony, neue und alte Songs der berühmten israelischen Sängerin Noa und natürlich Songs von Asaf Avidan, dem derzeit erfolgreichsten israelischen Musiker, dessen hohe Stimmlage an Janis Joplin erinnert.

23:03 – 24:00 | Ö1
Spielräume Nachtausgabe: Legenden des Kabaretts: Gerhard Bronner und Georg Kreisler, Jahrgang 1922

Nur wenige Monate älter als Gerhard Bronner war Georg Kreisler. Beide Jahrgang 1922, beide gebürtige Wiener, der eine wird in Favoriten als Sohn einer Näherin und eines Tapezierers geboren, der andere in eine Anwaltsfamilie aus Wien-Neubau. Beide mussten als Juden vor den Nazis in die Emigration fliehen und überlebten den Holocaust, beide waren unendlich begabt und vielseitig als Texter, Sänger, Komponisten, Autoren, Kabarettisten. Beide wurden zu Legenden der Wiener Kabarettszene der Nachkriegsjahre.

Zuerst befreundet, dann verfeindet, zu gegensätzlich in ihren Ansprüchen und Einstellungen. „Wir waren keine homogene Gruppe, im Gegenteil: Merz war Anti-Marxist, Peter Wehle war katholischer Monarchist, Kreisler stand den Kommunisten nahe, ich war (und bin) Sozialdemokrat, Qualtinger war Nihilist, und Louise Martini war gar nichts. Es gab vor fast jedem neuen Programm stundenlange Diskussionen. Eine der Folgen davon war, dass Kreisler das Team verließ, weil wir ihm zu reaktionär waren“, erinnerte sich Gerhard Bronner. Zum 100. Geburtstag der beiden Künstler sollen sie posthum gemeinsam gefeiert werden. Gratulanten sind u.a. der Geiger und Kabarettist Aliosha Biz und Renate Burtscher als Gastgeberin der Sendung. Gestaltung: Renate Burtscher


sa – 02.04.2022


09:05 bis 10:00 | SWR 2
SWR2 Musikstunde: Jazz across the border

Mit Günther Huesmann. Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz across the border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin.

14.00 Uhr | Das Ö1 Hörspiel
„LECK MICH!“. Von Elisabeth Weilenmann

Mit Lou Strenger, Annika Baumann, Viola Pobitschka, Martin Bringmann, Isaak Dentler, Daniel Jesch, Fridolin Sandmeyer, Michael Schütz, Jonas Goltz, Frank Berge, Daniel Dietrich, Sönke Hebestreit, Ulrich Höhmann, Timo Killer, Bastian Korff, Robert Lange-Vogel, Heiko Raulin, Benne Schröder, Peter Schröder, Wolfgang Vogler und Mathias Znidarec. Ton: Thomas Rombach, Julia Kümmel und Martin Leitner. Regie: Elisabeth Weilenmann (HR/ORF 2021)

Sie ist 35. Geschieden. Im Sternzeichen Skorpion. Im Aszendent Zwilling. Beruf: Journalistin. Charaktereigenschaften: Leidenschaftlich, oftmals unfassbar kompliziert, und sehr neugierig! Sie heißt HANNAH und geht zum ersten Mal „online“. Auf unterschiedlichen Portalen. Das eine nennt sie „die seriöse BeziehungsAPP“, das andere „die SexAPP“. Es ist der Anfang einer intensiven Auseinandersetzung. Mit ihren Wünschen. Mit ihren Lüsten. Mit ihrem Begehren.

Frauen sind, so ist sie überzeugt, von Natur aus promiskuitiv. Sie leben diese Seite nur oftmals nicht offen aus – immerhin wurde die weibliche Sexualität seit der menschlichen Sesshaftwerdung kontrolliert und domestiziert. Und so schwingt HANNAHs Pendel zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit und der Sehnsucht nach Leidenschaft und sexueller Verschmelzung. Ob es beides gibt?! Ob beides gewollt wird?! Ob beides gewünscht wird?!

14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Der Impresario Sergej Diaghilew – Zeremonienmeister der Moderne

Er war kunstbesessen, geistreich und extravagant, äußerst elegant und offen homosexuell. „Einen unverbesserlichen Sinnesmenschen“ hat er sich einmal selbst genannt, und als ihn der spanische König nach seinem Beruf fragte, antwortet er: „Eure Majestät, ich bin wie Ihr, ich arbeite nicht, ich tue nichts, aber dennoch ich bin unentbehrlich“. Sergej Pawlowitsch Diaghilew, Manager und Visionär, legendärer Impresario der „Baletts russes“. Wohl kaum jemand hat den Verlauf der Kunst – und damit auch der Musikgeschichte – so geprägt wie er, ohne selbst ein aktiver Künstler zu sein. Wir verdanken dem Sohn einer russischen Großbürgerfamilie epochale Werke wie Strawinskys „Feuervogel“ oder „Le sacre du printemps“, Jean Cocteau schrieb für ihn, Picasso entwarf in seinem Auftrag Bühnenbilder, und als sich ein tanzender Faun zu Debussys Musik auf offener Ballett-Bühne in einen Sexrausch hineinsteigerte, dann war dieser Tänzer Diaghilews Dauergeliebter Vaslav Nijinsky. Als Anfang des 20. Jahrhundert Europas Musikwelt aus den Fugen gerät, ist der Impresario ein Motor dieser revolutionären Bewegung. „Hätte sich diese Entwicklung ereignet ohne Diaghilev? Ich glaube nicht!“, hat Strawinsky einmal über den Einfluss seines Förderers gesagt. Eine Sendung von Markus Vanhoefer

18:05 bis 19:00 | Deutschlandfunk Kultur
Feature: Das Manchmal-Kind – Bilanz einer Patenschaft

Von Claudia Heissenberg; Regie: Philippe Brühl; Mit: Jele Brückner, Kordula Leiße, Daniel Berger; Ton und Technik: Matthias Fischenich und Daniel Maas. Produktion: WDR 2021. Länge: 52’59

Kindern psychisch kranker Eltern werden Paten vermittelt: Als sich das Paar bewarb, hatte es keine Ahnung, was es erwartet. Der Kontakt mit dem Patenkind war anfangs wie ein Besuch in einer anderen Welt. Aufregend, befremdlich, herausfordernd.

„Werden wir uns noch kennen, wenn ich mal groß bin?“ Das hat Yvonne früher oft gefragt. Schätzungen zufolge wachsen allein in Nordrhein-Westfalen mehr als eine halbe Million Kinder bei psychisch kranken Eltern auf. Als wir 2008 Yvonnes Paten wurden, war sie sechs Jahre alt und gerade eingeschult worden. Zwölf Jahre lang haben wir sie auf ihrem Weg begleitet, mit ihr gespielt, gelernt, gebastelt und erlebt, wie sie größer, selbstständiger und mutiger wurde. Es war nicht immer leicht. Es gab Höhen und Tiefen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Jetzt ist Yvonne 19 und macht seit einem Jahr im Schwarzwald eine Ausbildung zur Köchin. Die offizielle Patenschaft ist damit vorbei. Zeit, um Bilanz zu ziehen: Was hat das Projekt gebracht? Und wie hat es die Beteiligten verändert?

Claudia Heissenberg, 1964 in Bielefeld geboren und aufgewachsen in der ostwestfälischen Provinz, lebt seit 1984 in Köln und arbeitet als Hörfunkautorin für den BR, SWR, WDR und Deutschlandfunk. Zuletzt: „Große Klappe, viel dahinter“ und „Der Traum von einem besseren Leben“ über ihr marokkanisches Patenkind Selma (SWR 2022).

19:00 bis 20:00 | hr2-kultur
Live Jazz: Trickster Orchestra | Jazzfest Berlin, November 2021

Am Mikrofon: Daniella Baumeister. Trickster Orchestra | Cymin Samawatie, voc, p | Ketan Bhatti, dr | Mona Matbou Riahi, cl | Milian Vogel, bcl, electronics | Susanne Fröhlich Paetzold, fl | Taiko Saito, vp | Mohamad Fityan, nay, kawala | Anil Eraslan, vc | Naoko Kikuchi, koto | Ralf Schwarz, kb | Anil Eraslan, vc | Jazzfest Berlin, Silent Green, Kuppelhalle, Berlin, November 2021

20:04 bis 23:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert: Pure Sounds – The Jazz South African Roots Summit

Mit 18 Jahren sammelte Tutu Puaone in der südafrikanischen Metropole Johannesburg erste Erfahrungen als Musikerin, bevor sie 2002 im Rahmen ihres Studiums nach Europa kam.

Sie ist in Südafrika aufgewachsen, der Jazz war schon früh fester Bestandteil ihres Lebens: „In meiner Familie gab es viele Jazzenthusiasten, sowohl meine Mutter als auch meine Brüder waren bzw. sind große Liebhaber und Sammler dieser Musik.“ Tutu Puoane ist eine international gefragte Künstlerin, sie produzierte zwei eigene Alben und eins mit dem Brussels Jazz Orchestra. Wenn die Sängerin mit dem magischen und wunderbar erdigen Timbre jetzt mit der WDR Big Band und dem renommierten amerikanischen Arrangeur John Clayton zusammenarbeitet, geht für sie ein Kindheitstraum in Erfüllung. Auf dem Programm stehen neben Songs aus ihrer südafrikanischen Heimat auch Standards des amerikanischen Jazz.

Tutu Puoane, Gesang; WDR Big Band, Arrangements und Leitung: John Clayton. Aufnahme aus der Mercatorhalle, Duisburg

22:03 bis 23:00 | SWR 2
SWR2 Jazztime: Gypsy Electric – Späte Aufnahmen von Django Reinhardt

Von Hans-Jürgen Schaal. Nach seinen Auftritten in den USA (1946/47) beschäftigte sich der Gitarrist Django Reinhardt viel mit den neuen Sounds im Jazz – dem Bebop und der elektrischen Gitarre. Es war ihm nicht entgangen, dass das Spiel der modernen Jazzgitarristen vielfach auf dem beruhte, was er selbst einmal in die Welt gesetzt hatte. Erstmals machte er auch Aufnahmen zusammen mit einem Klaviertrio. Der Gitarrist Biréli Lagrène sagt: „Am Ende seines Lebens war Django ein regelrechter Bebop-Spieler und seiner Zeit voraus. Er spielte elektrische Gitarre – und vielleicht spielte er besser als je zuvor.“

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Postkolonialität heute – Wie lässt sich Dekolonialisierung in der Musik gestalten?

Von Sophie Emilie Beha. In der Welt von heute begegnen wir allenthalben Nachwirkungen des europäischen Kolonialismus. Bewegt von der Vorstellung, nur auf Augenhöhe könnten Nachfahren von Opfern wie Tätern von einst post- und neokoloniale Verhältnisse überwinden, ziehen sich Debatten und Versuche dazu längst auch durch die Welten von Kunst und Kultur. In Bezug auf die Neue Musik haben die Stuttgarter Weltmusiktage, das Forum neuer Musik, das NOW!-Festival und auch die letzten Donaueschinger Musiktage Anstöße gegeben, die Blickwinkel zu erweitern und andere Praktiken zu akzeptieren. Autorin Sophie Emilie Beha fragt in ihrer Sendung, in welcher Gegenwart sich Neue Musik heute befindet und wie es gelingen könnte, sie zu dekolonisieren. Dabei setzt sie soziologische Theorien und Veranstaltungs-Dramaturgien in Bezug zueinander. Vorgestellt werden dekoloniale Initiativen wie das Projekt Sounds Now oder das Festival Decolonial Frequencies. Zu Wort kommen Du Yun, Sandeep Bhagwati, meLê yamomo, Harald Kisiedu und Thorbjørn Tønder Hansen.

23.03 | WDR 3
Studio Elektronische Musik: Stromlinie reloaded [19] Florian Hecker (live)

Als „the record that makes my neighbour go mad“ wurde Florian Heckers CD Sun Pandämonium berühmt. Dass die Nachbarn mit seinen anderen Veröffentlichungen besser klar kommen, muss bezweifelt werden. Hecker ist ein Meister der bohrenden Frequenzen. Aus der Distanz gehört sind seine Werke kühl, sachlich und abstrakt. Wer sich dieser Musik hingehen nähert, erfährt, wie physisch, unmittelbar und packend Laptop-Musik sein kann. Im September 2007 gab der Augsburger Künstler mit Wohnsitz in Wien im Studio Elektronische Musik ein Live-Konzert. Florian Hecker: Standard Map & Cusp Map (Re-Arranged) Part 1 and 2, Elektronische Musik


so – 03.04.2022


14:00 bis 16:00 | hr2-kultur
Menschen und ihre Musik: Zu Gast: Chen Reiss, Sopranistin

Neue Energie tankt sie mit Bach auf. Vokalmusik von Richard Strauss findet sie geradezu ideal für die Stimme geschrieben und Ballettmusik von Tschaikowsky liebt die israelische Sopranistin.

Einem breiten Publikum ist Chen Reiss durch den Soundtrack zum Film „Das Parfüm“ bekannt, den sie mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle einspielte. Ihren persönlichen Soundtrack stellt sie uns in „Menschen und ihre Musik“ vor.

14:05 bis 15:00 | SWR 2
SWR2 lesenswert Feature: „The Waste Land“ – T.S. Eliots Jahrhundertgedicht

Von Norbert Hummelt. „April ist der übelste Monat von allen …“. So beginnt T.S. Eliots berühmtes Langgedicht „The Waste Land“. Es erschien vor 100 Jahren und begründete die literarische Moderne, zusammen und auf einer Höhe mit James Joyces Roman „Ulysses“. Aus lauter Fragmenten, die Eliot nur mit Hilfe seines Freundes Ezra Pound in eine Ordnung bringen konnte, erwuchs ein vielstimmiger Gesang, der zum nachhaltigsten Ausdruck der Sinnkrise Europas nach dem Ersten Weltkrieg wurde. Der Lyriker und Übersetzer Norbert Hummelt zeichnet die Entstehung dieses Jahrhundertgedichts nach – und erkundet, wie man es heute verstehen kann.

17:10:00 | Ö1
Die Wiederentdeckung des japanischen Ausnahmemusikers Stomu Yamash’ta

Anlass dieser Spielräume ist die kürzlich beim französischen Label WeWantSounds wiederveröffentlichte Kult-LP „Sunrise From West Sea“ von Yamash’ta & The Horizon. Darauf zu hören ist eine tiefe, kosmische und beeindruckende Performance, live aufgenommen, am 18. April 1971 in der Yamaha Hall in Tokio, mit dem legendären japanischen Perkussionisten, Keyboarder und Komponisten Stomu Yamash’ta plus zwei weiteren wichtigen japanischen Musikern: Takehisa Kosugi, Geiger und Gründer des experimentellen Ensembles „Taj Mahal Travellers“ und Pianist Masahiko Sato. Hideakira Sakurai bereicherte das Trio an der elektrischen Langhalslaute Shamisen.

Stomu Yamash’ta wurde von John Cage einmal als einer der besten Schlagzeuger der Welt bezeichnet. Geboren wurde Tsutomu Yamashita 1947 in einer Musikerfamilie (sein Vater war Dirigent der Kyotoer Philharmoniker), er studierte in den 1960er Jahren an der Juilliard School in New York City und am Berklee College of Music in Boston; Yamash’ta verfeinerte seine Fähigkeiten, indem er sowohl Musik von u.a. John Cage, Morton Feldman, Toru Takemitsu als auch Jazz und freie Improvisation spielte. In Boston lernte er den japanischen Musikerkollegen Masahiko Sato kennen, ihre Freundschaft führte ein paar Jahre später zur Aufnahme des bahnbrechenden Albums „Metempsychosis“ (1971) für Nippon Columbia. Im selben Jahr veröffentlichte Yamash’ta sein hochgelobtes Soloalbum „Red Buddha“, erschienen in Europa und den USA.

Stomu Yamash’ta wurde später einem größeren Publikum durch seine Beteiligung an den Soundtracks zu Robert Altmans Film „Images“ (1972) -in Zusammenarbeit mit John Williams -und Nic Roegs Klassiker „The Man Who Fell to Earth“ (1976) sowie durch seinen Ausflug in Fusion mit seiner Gruppe Go bekannt. Wir streifen durch diese fruchtbare Schaffensperiode Yamash’tas und hören seinen pionierartigen Sound, der die japanische Musikszene zur damaligen Zeit revolutionierte

18:00 bis 19:00 | hr2-kultur
Feature: Im Reich der Taliban – Afghanistan nach dem Rückzug des Westens | Marc Thörner

Wie nutzen die Sieger ihre Macht? Was wird aus denen, die sich um ihre Hoffnungen betrogen sehen; Frauen, Menschenrechtler, Medienvertreter? Wohin steuert Afghanistan?

Seine Reise führt den Autor zu den Gewinnern und Verlierern in einem Land, das nicht nur unter Gewalt und Repression sondern auch unter archaischen Strukturen leidet.

Er versucht, auszuloten, welche Staatsform sich in Afghanistan herausbildet nach der Machtübernahme der Taliban, die von rückwärtsgewandten Extremisten anderer Länder als Sieg über die Marionetten des materialistischen Liberalismus gefeiert wird. Und er geht der Frage nach, ob sich diesmal – anders als 2001 – aus der afghanischen Bevölkerung selbst Kräfte und Modelle entwickeln, die eine Alternative zur Herrschaft der paschtunischen Stammeskrieger anbieten könnten. DLF / WDR 2022

19:31 bis 20:00 | SWR 2
SWR2 Jazz: Treibgut Deluxe – Die Musik des portugiesischen Pianisten Mário Laginha

Von Thomas Loewner. International bekannt geworden ist Mário Laginha als Duopartner der Sängerin Maria João. Bereits diese Zusammenarbeit war gekennzeichnet von großer stilistischer Vielfalt: Portugiesischer Fado trifft auf Jazz und auf Einflüsse brasilianischer, afrikanischer, indischer und klassischer Musik. Doch auch Láginhas eigene Projekte zeugen von einem weiten musikalischen Horizont. Er ist ein neugieriger Sammler musikalischen Treibguts, das er geschmackssicher zu etwas ganz Eigenem bündelt. Mário Laginha macht eine Musik voll melodischem Ideenreichtum, rhythmischer Vitalität und harmonischer Tiefe.

19:34:00 | Ö1
Das Agnes Heginger Quintett mit dem Programm „Tales of Anyes“

Mit ihrem neuen Programm „Tales of Anyes“ hat sich die Sängerin Agnes Heginger selbst ein Geschenk gemacht: eine ungewöhnliche Quintett-Besetzung mit der Perkussionistin Ingrid Oberkanins und den drei Malletspielern Leo Waltersdorfer, Tobias Meissl und Johnny Kölbl, die neben Marimba-und Vibrafon auch diverse andere Instrumente bedienen, etwa steirische Harmonika, Hang oder analoger Moog-Synthesizer. Das Ensemble liefert so zauberhafte Klänge voller Magie und Poesie. Alle Beteiligten bewegen sich zwischen den Bereichen von klassischer Musik, Jazz, Volksmusik wie auch zeitgenössischer Tonsetzerei. Und so erklingen Agnes Hegingers Kompositionen in abwechslungs-und farbenreichen Arrangements. Diese Ö1 Radiosession wird gefördert durch die Verwertungsgesellschaft Rundfunk GmbH („VGR“). Gestaltung: Klaus Wienerroithe r

20:55:00 | Ö1
Ethel Waters: Bluebird Recordings 1938/39

„Ella, Billie, Sarah, they all come from Ethel Waters.“ -Das hat Mahalia Jackson einmal gesagt, und mit den drei Vornamen sind natürlich Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Sarah Vaughan gemeint. Tatsächlich war Ethel Waters (1896-1977) wegweisend als eine der vielseitigsten und vielschichtigsten Sängerinnen des frühen Jazz. Mit unterschiedlichsten Ensembles interpretierte sie alte ebenso wie zeitgenössische Songs, aus weißer ebenso wie aus schwarzer Feder. Allein schon damit hob sie sich von den anderen großen schwarzen (Blues-)Sängerinnen ihrer Zeit ab.

Vor allem aber verlieh die sehr auf Sprache, Ausdruck, Rhythmus und Timing bedachte Ethel Waters den Songs eine nie dagewesene Klasse und Eleganz. Sie setzte damit Maßstäbe für nachfolgende afroamerikanische Sängerinnen im Speziellen und die Popmusik der 1930er Jahre ganz allgemein. 1938/39 nahm Ethel Waters -am glänzenden Höhepunkt ihrer Karriere -mit ihrem Ehemann, dem Trompeter Eddie Mallory als Bandleader, eine bunte Auswahl an Songs für das Label Bluebird auf, in denen sich diese künstlerischen Errungenschaften und Tugenden in einem homogenen musikalischen Setting widerspiegeln. Gestaltung: Michael Neuhauser

22:08 – 23:00 | Ö1
Kolumnen einer Komponistin – „Kerers Saite“ – ausgewählte Texte von Manuela Kerer

Warum schießen uns bei bestimmten Melodien plötzlich Tränen in die Augen, und was ist dabei in unserem Gehirn los? Welche berühmten Komponisten waren im Knast? Warum ist komplexe Musik sexy? Fragen wie diesen geht die Komponistin Manuela Kerer in ihrer wöchentlichen Kolumne „Kerers Saite“ im Kulturteil der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“ nach. Zum 10-jährigen Jubiläum hat sie 111 „Kerers Saiten“ ausgewählt und in eine Reihenfolge „komponiert“ – mit Bildern der Künstlerin Karolina Gacke. Wir bringen in dieser Sendung ausgewählte Texte aus diesem Sammelband und Musik der erfolgreichen Südtiroler Komponistin. Gestaltung: Rainer Elstner

23:03 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: My Favorite Choice (49): Sarah Nemtsov

„Ich bin ungeduldig, aber beharrlich“, bekennt Sarah Nemtsov. Die in Berlin lebende Komponistin zieht aus dieser auf den ersten Blick widersprüchlichen Konstellation von Charaktereigenschaften eine große, schöpferische Kraft. Viele ihrer Werke sind aus intensiven Auseinandersetzungen mit Literatur entstanden, darunter mehrere Opern. Sie schöpft aus Jazz, Pop, Klassik und entwickelt in ihren jüngeren Werken eine starke Leidenschaft für elektronische Klänge. Ins WDR3-Studio kommt Sarah Nemtsov allerdings nicht mit eigenen Werken, sondern ausschließlich mit Kompositionen von Kolleg:innen.

Mit Ausschnitten aus folgenden Werken: Walter Zimmermann: 10 Fränkische Tänze, sublimiert für Streichquartett; Sonar Quartett | Liza Lim: Ochred Sting für Oboe, Viola, Violoncello und Kontrabass; Ensemble musikFabrik | Leopold Hurt: Dissociated Press für Ensemble: Decoder Ensemble | Mirela IviÄeviÄ: Baby Magnify / Lilith’s New Toy für Ensemble; Riot Ensemble | Anda Kryeziu: Infuse: Playtime für Ensemble; ensemble recherche | Andreas Eduardo Frank: Table Talk für 2 Performer, Wandler, Schalter und Video; hand werk | Efrat Alony: Hollywood Isn’t Calling | Elaine Mitchener: On Being Human as Praxis, Performance | György Ligeti: Passacaglia ungherese für Cembalo; Mahan Esfahani

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 Essay: „Verwandlungskunst“ – Günther Anders als Musikschriftsteller

Von Barbara Kiem.  Günther Anders, der unerbittliche Kritiker der Technik- und Medienwelt, war nicht nur ein leidenschaftlicher Musikliebhaber, sondern auch ein professioneller Musikschriftsteller. Anders interessiert die Position des Rezipienten von Musik; in seiner groß angelegten Arbeit „Philosophische Untersuchungen über musikalische Situationen“ bemängelt er, dass die subjektive Seite des Musikhörens meistens vernachlässigt werde. Für ihn gleicht jede musikalische Hörsituation einem erfüllten Zeitraum, der den Menschen fähig werden lässt, sich in eine neue Dimension seiner Selbst umzugestalten. (SWR 2018)

 

 

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radiofreak der alten schule. transistor, diode, spule, kondensator. ehemals manipulator:in mehrerer rundfunksendungen.

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