Die Radiowoche vom 07.03.22–13.03.2022

Im Radio. Foto: Hufner
Im Radio. Foto: Hufner

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 10. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr.

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Inhalt

 


mo – 07.03.2022


19:30:00 | Ö1
On stage: Amarcord im November 2021 im Wiener RadioKulturhaus

Mit kammermusikalischen Bearbeitungen der Werke u. a. von Modest Mussorgski, Gustav Mahler und Erik Satie ist das Wiener Quartett Amarcord in den Jahren seit der Gründung anno 2000 bekannt geworden. Wobei Stilreinheit nicht Sache der vier Musiker ist, die auch gerne in Richtung Jazz, Pop, Tango und Volksmusik crossovern und mit Gitarrist Wolfgang Muthspiel ebenso zusammen gearbeitet haben wie mit den Sängerinnen Rebekka Bakken und Elisabeth Kulman. Am 5. November 2021 gab Amarcord im Großen Sendesaal des Wiener RadioKulturhauses das Programm „Das Leopoldstädter Testament“ zum Besten, mit Bearbeitungen von Werken Ludwig van Beethovens sowie stilentgrenzten Liedern -mit und ohne Stimme -und groovigen Instrumentalstücken des in Wien -Leopoldstadt beheimateten Komponisten Marcus Davy.

Zudem standen Kompositionen von Georg Breinschmid und Amarcord-Violinist Sebastian Gürtler auf dem Programm. Die seit der Gründung unveränderte Besetzung von Amarcord erfuhr an diesem 5. November 2021 zwei krankheitsbedingte Änderungen: Neben Gürtler und Akkordeonist Tommaso Huber -beide auch als Sänger im Einsatz -standen Cellistin Marta Sudraba (statt Michael Williams) und Kontrabassist Gustavo D’Ippolito (statt Gerhard Muthspiel) auf der Bühne. Dem Hörvergnügen tat dies angesichts des farbenreichen, funkensprühenden Musikreigens keinen Abbruch.

20:04 bis 22:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert: Wolfgang Rihm zum 70. Geburtstag

Wolfgang Rihm gehört zweifelsohne zu den herausragenden Musiker-Persönlichkeiten nicht nur der Neue Musik Gemeinde. Der 1952 in Karlsruhe geborene Komponist hat ein gewaltiges Œuvre geschaffen, das mehr als 400 Werke in allen erdenklichen Genres und Größen umfasst.

Seit 1972, als Rihm noch als Geheimtipp zählte, wird seine Musik im WDR gespielt. Angefangen mit Concetti (1971) des vormaligen Gymnasiasten, der dazu in der gruppe informel den Klavierpart übernahm und der damals übrigens gerade bei Stockhausen zu studieren begann, zeitweise sogar zum Wahlkölner avancierte. Seitdem ist Rihm regelmäßig Gast der Reihe Musik der Zeit wie auch der Kammermusiktage in Witten. Die Chronologie des Senders verzeichnet an die 20 Rihm-Uraufführungen.

Zum 70. Geburtstag des Komponisten wiederholen wir ein Konzert der Musik der Zeit, das Wolfgang Rihm im März 1990 mit fünf seiner damals aktuellen Orchesterwerke portraitierte. Ergänzt durch weitere WDR-Auftragswerke aus seiner Feder, die in Witten oder Köln aus der Taufe gehoben wurden und die jeweils wichtige Stationen in seiner künstlerischen Entwicklung markieren.

Wolfgang Rihm: Fusées für 16 Instrumente / Monodram, Musik für Violoncello und Orchester / Schwebende Begegnung für Orchester / Unbenannt I für Orchester / Unbenannt III für Orchester / Form/2 Formen für 20 Instrumente / Responsorium für Stimme und Ensemble / Ausschnitt aus „Fetzen“ für Akkordeon und Streichquartett

Siegfried Palm, Violoncello; WDR Sinfonieorchester, Leitung: Arturo Tamayo. Salome Kammer, Stimme; Asko Ensemble, Leitung: Stefan Asbury und Jonathan Nott. Teodoro Anzellotti, Akkordeon; Arditti String Quartet

21:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Musik-Panorama: Beethovenfest Bonn 2021

Campus Konzert der Deutschen Welle: György Kurtág: „… quasi una fantasia …“, op. 27,1 | Zeynep Gedizlioglu: „Entlang der Lieder“ (UA) | Iannis Xenakis: „Alax“. Knut Hanßen, Klavier. Mitglieder des E-Mex-Ensembles. Campus-Projektorchester 2021 mit Bundesjugendorchester. Leitung: Johannes Kalitzke. Aufnahme vom 28.8.2021 aus dem World Conference Center Bonn

Wien, New York, Paris: Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 32 c-Moll, op. 111 | Charles Ives: Three-Page Sonata | Jean Barraqué: Sonate pour piano. Marino Formenti, Klavier. Aufnahme vom 5.9.2021 aus dem Beethoven-Haus Bonn

Am Mikrofon: Egbert Hiller. Kultureller Austausch, Horizonterweiterung und konzentrierte Nachwuchsförderung sind Sinn und Zweck des Campus-Projekts beim Bonner Beethovenfest. Es existiert seit 20 Jahren. Gemeinsam mit dem Bundesjugendorchester präsentierte das Campus-Projektorchester unter Leitung Johannes Kalitzkes im vergangenen Sommer ein spektakuläres Jubiläumsprogramm: György Kurtág knüpft in „… quasi una fantasia …“ an Beethoven an. In Iannis Xenakis’ „Alax“ entfalten sich eruptive Klangfontänen, und Zeynep Gedizlioglu reflektiert in ihrem neuesten Werk über ihr Verhältnis zur Welt. Letzteres beansprucht auch der italienische Pianist Marino Formenti, der in einem weiteren Konzert beim Beethovenfest Klavierwerke von Beethoven, Charles Ives und Jean Barraqué miteinander verknüpfte.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
Musik der Gegenwart: Wolfgang Rihm zum 70. Geburtstag

In den siebziger Jahren wurde er bekannt, als er gegen die damals etablierte postserielle Ästhetik eine neue Ausdruckskunst setzte. Längst zählt Wolfgang Rihm zu den erfolgreichsten und etabliertesten Komponisten überhaupt. Sein vielschichtiges und umfangreiches, von Literatur, Bildender Kunst bis hin zur Philosophie inspiriertes Werk speist sich aus permanenter Selbstreflektion. „Die eigene Willensstruktur kennen zu lernen, sie zu begreifen als abhängig von mir gar nicht gehörenden Wünschen, meinen Willen rein zu halten und überhaupt erst in den Bereich von reiner Äußerung zu führen: darin sehe ich die Verantwortung.“ Am 13. März wird Wolfgang Rihm 70 Jahre alt.

23:03 – 24:00 | Ö1
Klangforum spielt Quislant – Javier Quislant Garcia im Jeunesse-Portrait

„Fast Forward“ heißt die Reihe mit neuester Musik, die in Zusammenarbeit von Jeunesse und Ö1 im Wiener RadioKulturhaus veranstaltet wird. Am 2. März 2022 war dort dem Komponisten Javier Quislant Garcia ein Porträtkonzert gewidmet, es spielte das Klangforum Wien unter der Leitung von Bas Wiegers. Unter den zwei Uraufführungen war euch ein Auftragswerk von ORF und Jeunesse: „Tholos (nel silencio degli intervalli)“ für Streichquartett.

Der 1984 in Bilbao geborene Komponist Javier Quislant Garcia studierte zunächst in Barcelona Komposition und vervollständigte seine Studien anschließend bei Beat Furrer in Graz. Sein kompositorisches Interesse ist weit gefasst – vom Solo bis zur Kammeroper. Vom reinen Instrumentalwerk bis zur Elektroniwk. Einen besonderen Fokus legt er auf Zusammenhänge von Sprache, Literatur und Filmkunst, mithin auf (scheinbar) konkretere Kunstformen. Auf Kunstformen, die anders als Musik arbeiten, scheinbar direkter, doch oft genauso faszinierend rätselhaft, fragend. Gestaltung: Nina Polaschegg

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: Jazztoday – Der Schwebende

Aussagen, Musik und Stimmungen – zum 75. Geburtstag des norwegischen Saxofonisten Jan Garbarek. Moderation und Auswahl: Ulrich Habersetzer


di – 08.03.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: An der Schnittstelle – Malte Giesen und die Arbeit mit Strom und Klang

Von Friederike Kenneweg. Das Studio für Elektroakustische Musik an der Akademie der Künste, Berlin, hat seit Juni 2021 eine neue Leitung: den Komponisten Malte Giesen.

Malte Giesen, technikaffin und ganz in der digitalen Welt zu Hause, arbeitet interdisziplinär an der Schnittstelle von Instrumentalkomposition, Elektronik und anderen Künsten. Eine solche Schnittstelle ist auch das Studio der Akademie der Künste am Hanseatenweg in Berlin-Moabit. Traditionslinien der elektronischen Musik aus Ost und West kreuzen sich hier, und Raritäten aus ganz unterschiedlichen Phasen der Technikgeschichte stehen Künstlerinnen und Künstlern, die hier arbeiten, zur Verfügung. Zum Beispiel der DDR-Synthesizer Subharchord aus den 50er-Jahren, der rotierende Nullstrahler des experimentierfreudigen Dirigenten Hermann Scherchen aus den 60er-Jahren oder der frühe digitale Synthesizer Yamaha DX-7.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Tobias PM Schneid: Violoncellokonzert Nr. 2 (Maximilian Hornung, Violoncello; Münchener Kammerorchester: John Storgårds); Minas Borboudakis: „Archégonon“ (Peter Sadlo, Schlagzeug; Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai: Tito Ceccherini); Johannes X. Schachtner: „Pax“ (Münchner Rundfunkorchester: Ulf Schirmer); Viera Janárceková: Concerto (Ivan Buffa, Klavier; Bamberger Symphoniker: Jonathan Nott); Moritz Eggert: „Number Nine VII: Masse“ (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Peter Rundel)

10:08 Uhr | Deutschlandfunk
Sprechstunde: Schule? Nein danke! Warum Kinder und Jugendliche dem Unterricht fernbleiben

Gäste: Prof. Dr. med. Christine M. Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt am Main | PD Dr. med. PD Dr. phil. Volker Reissner, Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am LVR-Klinikum Düsseldorf. Am Mikrofon: Christina Sartori

Knapp sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen fühlen sich nicht in der Lage, den Unterricht in einer Schule zu besuchen. Die Auslöser von Schulvermeidung oder Schulabsentismus sind dabei sehr unterschiedlich. Mobbing zählt dazu, aber auch Ängste, den Unterricht nicht durchzustehen, psychische und psychiatrische Störungen, familiäre Belastungen und so weiter. Die Vorstellung, Schulvermeider kämen häufig aus bildungsfernen Schichten, ist falsch. Die Hälfte stammt aus bildungsnahen Familien, jeder dritte Fall betrifft eine sozial schwache, in nur 15 Prozent sind es Familien mit Migrationshintergrund.

20:05 bis 21:00 | SWR 2
SWR2 Jazz Session: Triebfedern – Frauen, die Jazz in Deutschland beflügelt haben (2/5) – Helma Schleif (Veranstalterin)

Von Franziska Buhre und Julia Neupert. Jazz in Deutschland – das ist eine Geschichte, die ihre Geschichten oft vergisst. Wir erzählen sie in dieser Porträtreihe, die Geschichten von Frauen, die hierzulande den Erfolg des Jazz mitgestaltet haben. So wie die Veranstalterin Helma Schleif. Während ihres Studiums kaufte sie für den von ihr mitbegründeten Frankfurter Frauenbuchladen Jazz-Schallplatten, leitete später ein eigenes Label, sorgte mit Ausstellungen und Filmreihen für ein Kunstverständnis, das Jazz, Film und Literatur vereint, und sie organisierte einige Jahre das Total Music Meeting für frei improvisierte Musik in Berlin. (Teil 3, Dienstag, 22. März 2022, 20.05 Uhr)

20:10 Uhr  | Deutschlandfunk
Hörspiel: Metamorphosen – Von Florian Goldberg und Heike Tauch

Regie: Heike Tauch. Komposition: Cathy Milliken. Mit Daniel Montoya, Clarisse Cossais, Yuho Yamashita, Felix Goeser, Luis Mejia. Solisten: Indira Koch, Keiko Kido-Lerch, Juan Lucas, Randall Nordstrom, Wolfgang Emanuel Schmidt. Ton: Jean Szymczak. Produktion: Deutschlandfunk 2015. Länge: 49’47

Hörspiel über die universale Kraft der Musik. Musik ist eine internationale Sprache – und jedes gute Orchester setzt sich aus MusikerInnen verschiedenster Sprache und Herkunft zusammen. Das dokumentarisch-musikalische Hörspiel folgt fünf von ihnen, die in Berlin gemeinsam musizieren

Max Oppenheimers Gemälde „Das Klingler-Quartett“ von 1917 zeigt das weltberühmte Quartett als ein Ineinander verschränkter Hände und Instrumente. Es stellt den besonderen Moment dar, in dem Schönheit entsteht – über alle nationalen, religiösen oder kulturellen Grenzen hinweg. Ein fragiler Moment: Seinerzeit endete er mit dem Ersten Weltkrieg. Das Quartett, das nun aus Staatsbürgern einander bekriegender Nationen bestand, musste sich auflösen. Ähnlich verschränkt wie die Hände auf dem Gemälde sind in dem Hörspiel „Metamorphosen“ die Geschichten von fünf Musikern und Musikerinnen aus verschiedenen Kontinenten, die im heutigen Berlin zusammen musizieren.

Heike Tauch, Autorin und Regisseurin fürs Radio, und Florian Goldberg, Autor, Coach und philosophischer Berater, arbeiten seit 2007 als Autoren-Regie-Musik-Team zusammen. Zu ihren gemeinsamen Werken zählen Gesellschaftssatiren wie das mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnete Stück „Megadeal süßsauer – China kauft die neuen Länder“ ebenso wie das Geschichts-Drama „Es wird Fragen geben“ oder der 2012 für den Grimme-Online-Award nominierte Radio-Krimi „Gefallene Schönheit“, für den sie erstmals Hörspiel und Augmented Reality zusammenbrachten. Ihr letztes Hörspiel war „One Shot, One Kill“ (WDR 2018).

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
Jazz Live: Auf den Spuren der Seele – Nduduzo Makhathini, Solo-Piano

Aufnahme vom 7.11.2021 beim Jazzfest Berlin aus dem Silent Green. Am Mikrofon: Karsten Mützelfeldt. „Ich befreie mich von allem Ballast, um in ein Niemandsland vorzudringen“, so beschreibt der Pianist Nduduzo Makhathini seine Haltung beim Solospiel. Auf dem Jazzfest Berlin präsentierte sich der Südafrikaner im Rahmen des Programmschwerpunktes Johannesburg mit einem beseelten Recital. Tief beeindruckt und geprägt von der spirituellen Klangsprache John Coltranes und Pharoah Sanders’ spürt der 39-Jährige Verbindungen zur von Ritualen geprägten Praxis traditioneller Kulturen seiner Heimat auf und schlägt so eine Brücke zwischen afrikanischen und afro-amerikanischen Musikwelten. Pianistische Einflüsse McCoy Tyners und Randy Westons verschmelzen in seinem Spiel mit denen Abdullah Ibrahims und Bheki Mselekus zu einer ganz und gar eigenen Klangsprache.

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Verhandlungssache – In der Falle

Mit Martina Seeber und Gästen. Befindet sich die Neue Musik in der Defensive? Der Vorwurf der Isolation, Selbstgefälligkeit und Publikumsferne trifft das Genre pauschal. Und sie sei „politisch willfährig“ hieß es jüngst in der Frankfurter Allgemeinen. Die experimentellen Zeitgenossen, urteilen auch andere Printmedien, säßen „in der Falle“ oder verlören sich im „Irrgarten von Spätmoderne und Posthumanismus“. Es ist Zeit, darüber zu reden.

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Musikszene: Knochenflöten, Schwirrgeräte, Hirtenhörner – Die Schwäbische Ostalb – Wiege der Musik

Von Bettina Brand. Aus hohlen Schwanen- und Gänsegeierknochen, aber auch aus Mammutstoßzähnen sind die kleinen Flöten gemacht, die unsere Vorfahren vor 40.000 Jahren im Zeitalter des Aurignacien fertigten. Sie sind damit die ältesten Flöten weltweit. Man hat sie in den Höhlen auf der Schwäbischen Ostalb ebenso gefunden wie Trommelschlägel aus Geweih. Es sind sensationelle Funde, die uns nicht nur die Klänge des Jungpaläolithikum wieder erleben lassen, sondern auch die heute wieder aktuell gewordene Frage berühren: Benötigen wir Kunst und Kultur zum Überleben bzw. ist der moderne Mensch ohne Musik nicht denkbar? In den UNESCO-Weltkulturerbe Höhlen Vogelherd, Geißenklösterle und Hohle Fels erkundet Autorin Bettina Brand vor Ort und gemeinsam mit Archäologen und Musikern und Musikerinnen eiszeitliche Klangwelten im Lone- und Achtal. Gleichzeitig begibt sie sich auf Spurensuche nach weiteren historischen Musiktraditionen der Region, wie der einzigartigen Schäferkultur und dem noch immer lebendigen Spiel auf historischen Alb-Hörnern.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Horizonte: Zum 70. Geburtstag von Wolfgang Rihm – „Assoziationen“

Wolfgang Rihm in Musik und Wort. Von Helmut Rohm. Zum 70. Geburtstag von Wolfgang Rihm hat der Bayerische Rundfunk ein ganzes Bouquet an Sendungen zusammengestellt. So widmet ihm die „Musica viva“ drei Konzerte, ARD alpha sendet ein Porträt und den Mitschnitt von Rihms „Requiem-Strophen“, und auf BR-KLASSIK sind dem Jubilar eine Vielzahl von Sendungen gewidmet. Die Ausstrahlungs-Termine im einzelnen:

8. März 2022, 22.05 Uhr, BR-KLASSIK: „Wolfgang Rihm in Musik und Wort – Assoziationen“ von Helmut Rohm | 13. März 2022, 21.45 Uhr, ARD alpha: „Wolfgang Rihm – Über die Linien“, Dokumentation | 13. März 2022, 22.05 Uhr, BR-KLASSIK: Geistliche Musik zum 70. Geburtstag von Wolfgang Rihm | 15. März 2022, 22.05 Uhr, BR-KLASSIK: „Faszination Neue Musik“ – Tianwa Yang über Rihms Violinmusik | 17. März 2022, 22.05 Uhr, BR-KLASSIK: musica viva | 20. März 2022, 21.45 Uhr, ARD alpha: „Requiem-Strophen“, Mitschnitt der Uraufführung | 22. März 2022, 20.05 Uhr, BR-KLASSIK: musica viva | 24. März 2022, 22.05 Uhr, BR-KLASSIK: musica viva

23:03 – 24:00 | Ö1
Mehr als Tontechnik – Berufung: Klangregisseurin – Zeit-Ton-Porträt. Christina Bauer, Meisterin am Mischpult

Mittig im Konzertsaal an einem riesigen Mischpult positioniert, stets dezent in schwarz gekleidet agierend, sind bei Veranstaltungen oftmals Klangregisseure zugegen. Gerade die zeitgenössische Musik erfordert häufig eine Mitwirkung professionell ausgebildeter Tontechnikexpertinnen und -experten. Christina Bauer ist eine der wenigen Frauen in diesem Metier und arbeitet als freiberufliche Klangregisseurin mit Auftraggebern wie der Neuen Oper Wien, dem Klangforum Wien, dem Black Page Orchestra, den Salzburger Festspielen oder dem Ersten Wiener Gemüseorchester. Letzteres wäre ohne die ausgefeilte Verstärkung der einzelnen selbstgefertigten Instrumente und deren sensibler Abmischung durch die gebürtige Niederösterreicherin kaum so erfolgreich mit seinem künstlerischen Ergebnis.

In diesem „Zeit-Ton Porträt“ gibt Christina Bauer Einblicke in ihre Arbeit, die Kollaboration mit Musiker/innen und Komponist/innen, die speziellen Herausforderungen bei szenischen Produktionen und den Anliegen der daran beteiligten Regisseur/innen – wobei auch persönlicher Geschmack und Vorlieben in Hinblick auf das akustische Ergebnis eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich aufgrund der technischen Entwicklung und dem damit einhergehenden Zugang für viele, weil die Produktionsmittel leistbar geworden sind, „eine Demokratisierung und ein vermehrter Austausch über die Herangehensweisen ergeben – eine spannende Entwicklung“, meint Christina Bauer. In einem ausführlichen Gespräch stellt die Klangregisseurin zudem Werke und Aufnahmen vor, die ihr besonders am Herzen liegen und anhand derer ihre Arbeit hörbar ist. Gestaltung: Marie-Therese Rudolph

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: News & Roots

Zum 95.Geburtstag des amerikanischen Pianisten Dick Hyman: Henning Sieverts feiert einen der letzten Meister des Stride Pianos, einer vom Aussterben bedrohten Stilgattung, die sich vor gut 100 Jahren entwickelt hatte.

Moderation und Auswahl: Henning Sieverts. Dick Hyman ist auch Komponist für Theater und Ballett, Jazz-Forscher und – in den 70er Jahren- Pionier des Moog-Synthesizers. Neben zahlreichen Solo-Einspielungen aus dem „Great American Songbook“ erklingen auch Duette mit dem Cornettisten Ruby Braff und mit dem Pianisten Bernd Lhotzky.


mi – 09.03.2022


00:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Chormusik: Kiev Musikfest – Nationale Ukrainische Philharmonie – Aufzeichnung vom 29.09.2021

Viktoria Poleva: „Herr, wie viele sind meine Feinde“ | Hanna Havrilets: „Gesegnete Jungfrau, erhöre uns“ | Valentyn Sylvestrov: „Musik der Gedichte“. Städischer Kammerchor Kiev. Leitung: Mykola Hobdych

Großes Konzertstudio des Ukrainischen Radios Kiev. Aufzeichnung vom 26.09.2021

Olexandr Rudianskyi: „Das Gebet des Herrn“ | Vsevolod Sirenko: „Heiliger Herr“ | Lesia Dychk: „Pan“, Choralfantasie | Myroslav Skoryk: „Melodie“. Ukrainische Radioakademische Chorkapelle. Leitung: Julia Tkach

00:55 Uhr: Chor der Woche

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Gustav Gunsenheimer: Konzert Nr. 1 (Sabine Spath, Klavier; Dmitriy Nedelev, Pauken; Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt: Oliver Weder); Heinrich Hartl: „Galacto burico“, op. 56 (Georg Huber, Vibraphon; Florian Müller, Marimbaphon); Ernst Ueckermann: „Japanischer Liederzyklus“ (Elisabeth Grimm, Sopran; Ernst Ueckermann, Klavier); Helmut Bieler: „Musik für fünf“ (Max Hecker, Flöte; Kurt Kalmus, Oboe; Eduard Brunner, Klarinette; Karl Kolbinger, Fagott; Kurt Richter, Horn); Wolfram Graf: Suite symphonique (Martin Seel, Flöte; Chie Honda, Klavier); Claus Kühnl: „Reflexionen“ (Academia Sancta Katharina: Werner Andreas Albert); „Valse miniature“ (Michinori Bunya, Kontrabass; Thomas Hiltner, Klavier)

20:04 bis 22:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert: WDR 3 Funkhauskonzert – Martin Zingsheim meets E-MEX-Ensemble – oder: Make America schraeg again!

Amerika ist oder war nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern auch Heimstätte für alle Arten von Außenseiter und „Verrückten“ – für Mavericks eben, wie man sie in Amerika nennt. Für das WDR 3 Funkhauskonzert haben Martin Zingsheim und E-Mex Komponistinnen und Komponisten ausgewählt, die auf je unterschiedliche Art „Spinner“ waren oder sind.

„Mein lieber Herr Koussvitzky“, schrieb Florence Price an den legendären russischen Dirigenten „ich habe zwei Probleme: ich bin eine Frau und ich habe schwarzes Blut in meinen Adern“. Ihre Sinfonie e-Moll war das erste Werke einer schwarzen Komponistin, das von einem amerikanischen Eliteorchester, nämlich dem Chicago Symphony Orchestra, aufgeführt wurde.

Von Ruth Crawford-Seeger erklingen drei Ensemble-Lieder nach Texten des sozialkritischen Dichters Carl Sandburg, der in seinen Dichtungen häufig auf die Sprache der Arbeiterklasse des Mittleren Westens zurückgriff, sowie das Klavierlied „Sacco, Vanzetti“, welches einen damals kontrovers diskutierten Kriminalfall thematisiert.

Ben Johnston hat einen großen Teil seiner schöpferischen Energie der Erkundung der Just Intonation gewidmet. Sein viertes Streichquartett ist eine ausführliche, wahrhaft „schräge“ und dabei wunderbar kurzweilige Paraphrase über Amazing Grace.

Nun gehört Mexiko ja auch irgendwie zu Amerika. Hilda Paredes ist die wohl bedeutendste Komponistin ihres Landes. E-MEX hat bereits persönlich mit ihr gearbeitet. Ihr Ensemblewerk „Homenaje a Remedios Varo“ ist eine Huldigung an die spanische surrealistische Malerin Remedios Varo.

Und am Schluss gibt’s noch etwas von Moondog – dem schrägsten aller Mavericks! Über ihn sagte Leonard Bernstein: „dieses seltsame Genie, das da unten an der Ecke steht“.

  • Florence Price: Juba Dance, aus der Sinfonie Nr. 1 e-Moll, in der Bearbeitung für Kammerensemble von Christoph Maria Wagner
  • Ruth Crawford-Seeger: Sacco, Vanzetti / Three Songs nach Gedichten von Carl Sandburg / White Moon, aus „5 Lieder für Kontra-Alt und Klavier“ / Sunsets, aus „5 Lieder für Kontra-Alt und Klavier“
  • Johanna Beyer: Streichquartett Nr. 2 | Ben Johnston: Streichquartett Nr. 4 „Amazing Grace“ | Hilda Paredes: Homenaje a Remedios Varo | Sky Macklay: Exponential | Moondog alias L. T. Hardin: Lament I „Bird’s Lament“ / Jazz Book: No. 2 / All Is Loneliness, in der Bearbeitung für Stimme und Kammerensemble von Christoph Maria Wagner

Jennifer Panara, Mezzosopran; E-MEX-Ensemble, Leitung: Christoph Maria Wagner. Aufnahme aus dem Kölner Funkhaus

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 NOWJazz: As serious as your life – Valerie Wilmer und der Jazz

Von Niklas Wandt. Valerie Wilmer wächst im Norden Englands auf, entdeckt ihre Liebe zu Jazz und Blues und beginnt mit 17 ihre publizistische Tätigkeit als Autorin und Fotografin. Die Musik ist für sie immer Ausdruck der oft harschen Lebensbedingungen, unter denen sie entsteht. Ihnen spürt die Journalistin mit großer Empathie nach, in Büchern wie „Jazz People“ oder „As serious as your life“. Sie arbeitet schon früh auf eine Weise, die man heute intersektional nennt: Mit ausgeprägtem soziologischen Interesse kritisiert Wilmer den Rassismus der Musikwelt genauso wie das Machotum der Szene und – setzt mit ihrer Arbeit neue Standards.

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 NOWJazz: As serious as your life – Valerie Wilmer und der Jazz

Von Niklas Wandt. Valerie Wilmer wächst im Norden Englands auf, entdeckt ihre Liebe zu Jazz und Blues und beginnt mit 17 ihre publizistische Tätigkeit als Autorin und Fotografin. Die Musik ist für sie immer Ausdruck der oft harschen Lebensbedingungen, unter denen sie entsteht. Ihnen spürt die Journalistin mit großer Empathie nach, in Büchern wie „Jazz People“ oder „As serious as your life“. Sie arbeitet schon früh auf eine Weise, die man heute intersektional nennt: Mit ausgeprägtem soziologischen Interesse kritisiert Wilmer den Rassismus der Musikwelt genauso wie das Machotum der Szene und – setzt mit ihrer Arbeit neue Standards.

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Wortspiel – Das Musik-Gespräch: Der Dirigent Ingo Metzmacher stellt zusammen mit dem DSO Berlin die Konzertouvertüre „Robert Browning“ von Charles Ives vor

Dirigent Metzmacher erläutert in der Berliner Philharmonie das kühne Werk des amerikanischen Komponisten Charles Ives. Und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin liefert dazu die ausdrucksstarken Klangbeispiele. Charles Ives (1874-1954) dienten die Wortkunstwerke des englischen Dichters Robert Browning als Inspiration für seine Ouvertüre, die aber eigentlich eine einsätzige Tondichtung ist. Zudem wollte Ives mit seinen musikalischen Mitteln ein Porträt der besonderen Geistigkeit und Spiritualität des Poeten entwerfen. Der Komponist fand in diesem Werk zu einer neuen harmonischen, rhythmischen und melodischen Kühnheit. Und die steht der Komplexität und Expressivität den Dichtungen Brownings in nichts nach. Die besonderen kompositorischen Verfahren zeigte Dirigent Ingo Metzmacher zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, einem der Deutschlandradio-Klangkörper, bei seinem Casual Concert im Januar 2018, wir wiederholen die Sendung vom 3. Juni 2018.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Der Chor des Bayerischen Rundfunks

Arvo Pärt: „Miserere“ (Anna-Maria Palii, Sopran; Benno Schachtner, Countertenor; Andrew Lepri Meyer, Moon Yung Oh, Tenor; Thomas Hamberger, Bass; österreichisches ensemble für neue musik: Howard Arman); Sven-David Sandström: „Ave Maria“ (Gustaf Sjökvist); Samuel Barber: „Agnus Dei“, op. 11 (Klaas Stok)

23:03 – 24:00 | Ö1
Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen – Zeit-Ton Magazin

Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen ausgesuchte Veranstaltungstipps für die kommenden sieben Tage und die spannendsten Neuveröffentlichungen. Mit einer Rezension von neuester Literatur zu Wolfgang Rihm, der am 13. März 2022 seinen 70. Geburtstag feiert und einer Vorschau auf das Festival Imago Dei, das erstmals unter der künstlerischen Leitung von Nadja Kayali stattfindet. Gestaltung: Philipp Weismann


do – 10.03.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Festival Time:Spans – Mary Flagler Cary Hall, New York

Aufzeichnung vom 21.08.2021. Amy Williams: „Piano Portraits“ (2019-20) | Erik Oña: „Jodeln“ (1999) | Amy Williams: „Switch“ (2014). Bugallo-Williams Piano Duo

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Paul Vincent Gunia: „Changes on a Summerday“; „Discussions“ (Sonnleitner Streichquartett); Frank Michael: Streichquartett, op. 96 (Leopolder Quartett); Hans Müller-Oertling: Alla marcia; Legende; Burleske (Max Hecker, Flöte; Kurt Kalmus, Oboe; Gerd Starke, Klarinette; Karl Kolbinger, Fagott; Gottfried Langenstein, Horn); Roland Muhr: „Clusterierte Chaconne“ (Roland Muhr, Orgel); Robert Owens: „Fields of Wonder“ (John van Kesteren, Tenor; Münchner Kammerorchester: Hans Stadlmair); Adolf Pfanner: Sonate (Georg Schmid, Viola; Paul Sanders, Klavier); Karel Ricánek: Streichersuite (Streichergruppe des Sinfonieorchesters des Tschechischen Rundfunks: Vladimír Válek); Josef Anton Riedl: Vokalise (Liat Himmelheber, Alt; Jan Philip Schulze, Klavier; Wolfram Winkel, Schlagzeug)

20:05 bis 21:00 | SWR 2
SWR2 MusikGlobal: „Die Sonne, der Wein und der Wind der Zeiten“ – Musik aus Armenien

Von Stefan Schomann. Armenien, dieses kleine Land am Südhang des Kaukasus, verfügt über bemerkenswert alte musikalische Traditionen. Doch durch die Massenmorde während des Ersten Weltkriegs und sieben Jahrzehnte Sowjetherrschaft war die Verbindung zu diesem Kulturkreis weitgehend unterbrochen. Ihre liturgischen Gesänge gehören zur ältesten schriftlich überlieferten Musik der Welt. Zeitgenössische Komponisten wie Tigran Mansurian oder Wache Scharafjan schöpfen aus diesem Fundus, und selbst die ausgesprochen lebendige Jazz- und Pop-Szene Armeniens kommt immer wieder darauf zurück. (SWR 2018)

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
JazzFacts: „Weltbürgerin aus Basel“ – Ein Porträt der Musikerin Yumi Ito

Von Stefan Franzen. Sängerin, Pianistin, Komponistin, Texterin, Arrangeurin und Bandleaderin: Die 31-jährige Baslerin Yumi Ito ist ein Allroundtalent, das sich in Besetzungen vom Solo bis hin zum eigenen elfköpfigen Orchester ausprobiert. Ideen sammelt sie gern auf Reisen von Island über Spanien bis Kalifornien. Die Tochter einer polnischen Opernsängerin und eines japanischen Konzertpianisten fand mit klassischen Klavierstunden zur Musik, experimentierte dann mit Pop- und Soul-Vocals und absolvierte ein Jazzstudium am international geprägten Jazzcampus von Basel. Ihr größtes Anliegen: Komplexität und Eingängigkeit immer in Balance zu bringen. Das tut sie in ihrer Duo-Arbeit mit dem Pianisten Yves Theiler oder dem Gitarristen Szymon Mika und vor allem mit dem Yumi Ito Orchestra, das neben Bläsern und Streichern auch Harfe und Mbira vereint.

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: ECLAT 2022 – Pony Says

Lucas Gérin (Schlagzeug); Felix Nagl (Klavier); Thilo Ruck (Gitarre). Kompositionen von Jessie Marino und Steven Takasugi. (Konzert vom 4. Februar 2022 im Theaterhaus Stuttgart). Neue Formen zwischen analogem und digitalem Wahrnehmen: Nach einem experimentellen Online-Festival 2021 legt ECLAT in diesem Jahr nach und verbindet das Publikum vor Ort mit Online-Zuschauern aus allen Kontinenten und Zeitzonen. Zu den vier Bühnen im Stuttgarter Theaterhaus, die das Festival mit Kammer- und Orchesterkonzerten, Installationen, szenischen Aktionen und Musiktheater bespielt, kommt eine fünfte, virtuelle Bühne.

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Neue Musik | Die Ratio wird romantisch (3 / 4) – Deutschlands Neue Musik der Siebziger

Zwischen dem Aufruhr der Studierenden bei den Darmstädter Ferienkursen 1970 und der Gründung des Ensemble Modern 1980 erstreckt sich in Deutschland (West wie Ost) ein äußerst bewegtes Jahrzehnt der Neuen Musik.

Eine vierteilige Sendereihe von Werner Klüppelholz. Der Zeitzeuge Werner Klüppelholz erzählt, wie die ungeheure Politisierung der Tonkunst nach ‘68 allmählich in die Innerlichkeit mündete, wie die Gesellschaft als Zentrum des Denkens durch das Individuum ersetzt wurde, wie subjektive Strategien objektive Kompositionssysteme ablösten und welche Gründe das alles hatte. In der DDR, wo Komponisten einen listenreichen Kampf im und gegen den sozialistischen Realismus führten, vollzog sich eine paradoxe Gegenbewegung zur BRD; zumindest musikalisch hätten sich beide deutsche Staaten schon damals vereinigen können. Überdies wird eine Hitparade der Neuen Musik vorgestellt und die Frage aufgeworfen, ob der Rock ‘n Roll nicht die bessere Avantgarde sei.

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Historische Aufnahmen – Expressiv und brillant: Die Geigerin Edith Peinemann (*1937)

Am Mikrofon: Norbert Hornig. Der 1. Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 1956 öffnete der Rostal-Schülerin die Türen zu den Konzertsälen. Edith Peinemann war die erste deutsche Geigerin, der eine internationale Karriere gelang. Sie trat mit vielen bedeutenden europäischen Orchestern auf, u.a. mit den Berliner Philharmonikern. Regelmäßig konzertierte sie auch mit den großen US-amerikanischen Sinfonieorchestern und debütierte 1965 mit Beethovens Violinkonzert in der Carnegie Hall. Edith Peinemann profilierte sich als hochexpressive Interpretin besonders des romantischen Repertoires und der klassischen Moderne. Als Violin-Professorin unterrichtete sie an der Frankfurter Musikhochschule. Am 3. März konnte die Künstlerin ihren 85. Geburtstag feiern.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Horizonte: „Spontaneità“

Werner Heider: „Closed Doors and Open Windows“ (Nino Wenger, Michael Binder, Kira Linn, Saxofon; Tilmann Müller, Trompete; Matthias Schuller, Posaune; Jonathan Hofmeister, Klavier; Jan F. Brill, Schlagzeug); Werner Heider/Klaus Treuheit: „spontaneità“ (Werner Heider, Klaus Treuheit, Klavier); Klaus Treuheit: Aus „close range / wide range“ (Klaus Treuheit, Orgel)

Zwei Flügel, zwei Köpfe, zwei starke Persönlichkeiten. Die zwei Komponisten und Pianisten Werner Heider und Klaus Treuheit – beide in Erlangen beheimatet, beide prägende Charaktere im Kulturleben der Region – trafen sich zum gemeinsamen Improvisieren am Klavier. Zwei Generationen, zwei ganz unterschiedliche Perspektiven: Werner Heider, der seine Partituren präzise ausformuliert, gleichzeitig höchst komplex und kraftvoll, der aber auch aus seiner Leidenschaft für den Jazz kein Hehl macht; und Klaus Treuheit, der Freigeist, der vom Jazz kommt und dessen Alben in der New Yorker Improvisationsszene gefeiert werden. „Spontaneità“ – unter diesem Titel haben Heider und Treuheit ihre gemeinsamen Aufnahmesessions veröffentlicht. Denn spontan war nicht nur die musikalische Begegnung der beiden, sondern auch das Klangergebnis: Ohne Absprachen haben sie sich in ihren Improvisationen aufeinander eingelassen, haben sich gegenseitig Impulse gegeben, sich gegenseitig bereichert, einen Dialog geführt, die Anregungen des jeweils anderen weitergesponnen und in ihre eigene Klangsprache integriert. Musik aus dem Augenblick heraus, aber dank Aufnahmetechnik dauerhaft dokumentiert: BR-KLASSIK Franken stellt die neue CD in „Horizonte“ vor.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
The Voice: Kat Edmonson

Die Singer-Songwriterin aus Texas schafft etwas Besonderes: Ihre Sopranstimme wirkt quäkig – aber auf eine angenehme Art und Weise. In ihren Songs gibt es Jazz-, Folk- und Bossa Nova-Anteile – ein Vintage-Sound zu modernen Themen. Darüber hinaus klingen ihre Versionen der Standards aus dem Great American Songbook unaufgeregt neu und charmant.

23:03 – 24:00 | Ö1
Der Wiener Irani Djahan Tuserkani komponiert politische Botschaften – Djahan Tuserkani im Zeit-Ton Porträt

„Musik war historisch eine von vielen Waffen im Dienste der Interessen der Mächtigen/Herrschaft“, hält der 1936 in Teheran (Iran) geborene Komponist Djahan Tuserkani fest. Er musste 1964 aus dem Iran fliehen, nachdem er aus politischen Gründen erst aus der nationalen Rundfunkanstalt entlassen, dann inhaftiert, gefoltert und über ihn ein Berufsverbot verhängt worden war. Seither lebt er in Wien, wo er von 1965 bis 1975 bei Alfred Uhl, Roman Haubenstock-Ramati (Komposition), Paul Kont (Medienkomposition) und Dieter Kaufmann (elektroakustische Musik) studiert hat. Djahan Tuserkani arbeitete als freischaffender Komponist und unterrichtete ab 1980 an einem Wiener Gymnasium. Geprägt von den Erlebnissen in seiner Jugend in Teheran, übermitteln seine Kompositionen eine starke politische Botschaft, die sich in unterschiedlichen Facetten gegen die Vereinnahmung der Freiheit des Einzelnen richtet. So wie etwa „Nostalgie des Gefangenen“, uraufgeführt beim Festival Hörgänge 1997 im Wiener Konzerthaus, „Resistance – ein Traum nach Vorwärts“ basierend auf Texten von Erich Fried und Peter Turrini (2000) oder „Verstrahlt – verdrängt – vergessen. Fragen nach Tschernobyl“ (2006) zur Eröffnung einer Greenpeace-Ausstellung mit Fotos von Robert Knoth, das vom Ersten Frauen-Kammerorchester uraufgeführt worden ist.

Über seinen künstlerischen Zugang hält Djahan Tuserkani fest, dass es „in Anwendung der ,Kritischen Ästhetik’ gilt, Musik so zu komponieren, dass sie auch als Mittel gegen Herrschaftsinteressen verstanden werden soll“. Dafür hat er seine eigene Klangsprache etabliert: „Im Aufeinandertreffen von Terzen, die jeweils durch ein differenziertes Metrum getrennt sind, entsteht Reibung und Widerspruch. Diesen Klangkomplex definiere ich in Anlehnung an diverse Arten von ,Ismen’ – wie z.B. Barbarismus, Imperialismus, Impressionalismus, Bruitismus – als ,Terzismus’.“ In diesem Zeit-Ton-Porträt von Djahan Tuserkani werden Ausschnitte aus seinen zentralen Werken zu hören sein sowie ein ausführliches Gespräch mit dem 85jährigen Komponisten. Gestaltung: Marie-Therese Rudolph


fr – 11.03.2022


00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Theo Rossmann: Musik für Orchester (Münchner Philharmoniker: Rudolf Alberth); Johannes X. Schachtner: „Sammelsurium Nr. 1“ (Matthew Sadler, Paul Hübner, Matthew Brown, Thilo Steinbauer, Trompete); Alexander Strauch: „Kampf von Ásmund und Hildebrand“ (Roman Payer, Tenor; Timothy Sharp, Bariton; Ensemble Schwerpunkt: Peter Tilling); Kurt Strom: Bläsersuite (Ludwig Heibl, Horn; Paul Lachenmeir, Manfred Klette, Trompete; Lothar Zirkelbach, Posaune); Elke Tober-Vogt: „Meditation und Verwandlung“ (Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt: Oliver Weder); Detlef Wolter: Fünf Miniaturen (Detlef Wolter, Klavier)

10:08 Uhr | Deutschlandfunk
Lebenszeit – Werden Ängste wieder wach?: Wie gehen Ältere mit dem Ukraine-Krieg um?
Am Mikrofon: Dörte Hinrichs

14:05:00 | Ö1
In Concert: Jazzrausch Bigband beim Festival JazzBaltica, Juni 2021

House, Electro und Techno in Ö1!? Ja, das kann und darf schon sein, nicht nur, weil die Damen und Herren der Münchner Jazzrausch Bigband auch Beethoven im Programm haben, sondern weil Techno, Electro oder House nicht unbedingt das sind, woran man vielleicht denkt, sobald diese Musikstile von einer eingefleischten Jazzband bedient werden. Seit 2014 sind die 25 Musikerinnen und Musiker des Ensembles aktiv, 2015 avancierten sie zur Hausband im Münchner Harry Klein, einem der renommiertesten Tanz-Clubs Europas, und eroberten von dort aus beharrlich Jazzfans in aller Welt -mit durchschnittlich 120 Konzerten im Jahr. Am 27. Juni 2021 war die Jazzrausch Bigband beim Festival JazzBaltica im mondänen Ostseebadeort Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein zu Gast und begeisterte mit ihrer tatsächlich berauschenden Verschmelzung von Bigband-Sound und fetten Tanzgrooves.

19:05 bis 22:00 | BR-KLASSIK
Ernst Krenek: „Jonny spielt auf“

Live aus dem Münchner Gärtnerplatztheater

19:15 Uhr | Deutschlandfunk
Mikrokosmos – Die Kulturreportage: Das E-WERK in Luckenwalde: Kunst im Kraftwerk

Von Nina Hellenkemper. Produktion: Deutschlandfunk 2022

30 Kilometer vor Berlin, in Luckenwalde, haben zwei Kunstschaffende ein über 100 Jahre altes Braunkohle-Kraftwerk als Zentrum für zeitgenössische Kunst wiederbelebt. Hier wird nicht nur Kunst, sondern auch Strom produziert.

Internationale Künstler und Künstlerinnen stellen in der Turbinenhalle aus. In den Werkstätten baut der künstlerische Leiter Pablo Wendel Skulpturen, die selber Strom produzieren. Ein altes Feuerwehrauto wurde so umgebaut, dass es als mobile Bühne durch die Lande fahren kann. Mit Hilfe vieler Ortsansässiger wurde auch das alte Elektrizitätswerk wieder ans Laufen gebracht. Statt Braunkohle wird jetzt Abfallholz verwertet. Der „Kunststrom”, der nicht im Gebäude verbraucht wird, wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist, um mit den Erlösen wieder Kunstprojekte zu finanzieren – ein nachhaltiger Kunst-Strom-Kreislauf und ein ungewöhnlicher Weg zu mehr künstlerischer Autonomie.

19:30:00  | Ö1
In Concert: Live aus dem KlangTheater. Schlagzeuger Jörg Mikula zu Gast im Wiener KlangTheater

Jörg Mikula einen Schlagzeuger zu nennen, ist eine glatte Untertreibung: Er ist ein Mann, der ganz allein und ganz behutsam die Trommeln zum Sprechen und die Becken zum Singen bringt.

2013 hat der gebürtige Grazer mit Wahlheimat Wien, den man u. a. aus dem Ensemble Donauwellenreiter kennt, und der aktuell auch im Quintett von Sänger-Akkordeonist Stefan Sterzinger aktiv ist, bereits mit dem Soloalbum „Drumsongs“ die Ohren spitzen lassen. 2021 ist der Nachfolger „Music for Drums“ erschienen. Hier taucht man ein in einen faszinierenden Mikrokosmos der Klänge, filigran und vielschichtig, zugleich geprägt von Reduktion und struktureller Klarheit. Allein der krispe, kristalline Klang eines Beckens, er kann bei Jörg Mikula zum Ereignis werden.

Als Gast von Andreas Felber spricht Jörg Mikula im KlangTheater des Wiener RadioKulturhauses über die Herausforderungen des Schlagzeug-solo-Spiels und gibt Kostproben seiner Musik live zum Besten.

22:03 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: „Jolifanto bambla ô falli bambla“ – DADA gestern und heute

Von Theda Weber-Lucks. (Wdh. v. 17.07.2016). Mehr als einhundert Jahre ist es her, dass sich Künstler aller Sparten in Zürich zusammenschlossen, um etwas Neues zu wagen. Mitten im ersten Weltkrieg wollten sie der bürgerlichen Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Literatur-, Musik-, und Theaterleute waren sich einig, dass dies am besten ginge, wenn man Klamauk mit Hintersinn verbindet. Unsere Autorin Theda Weber-Lucks hat sich in Zürich die Geburtsstätte des DADA, das „Cabaret Voltaire“ in der Spiegelgasse 1 einmal näher angeschaut. Doch DADA ist nicht nur eine historische Erscheinung. DADA lebt weiter, vor allem in der Neuen Musik

22:20:00  | Ö1
Am Ende des Regenbogens oder: Zwischen Kitsch und Genie. Zum 75. Geburtstag von Elton John

Für viele Lebenssituationen haben seine Songs den passenden Ausdruck gefunden, im Leben vieler Menschen war seine Musik begleitender Soundtrack. Lady Diana hat er mit dem Song „Candle in the Wind“, für sie umgeschrieben, ein Denkmal gesetzt. Elton Johns Lieder illustrieren, wie auch seine Biographie, worauf es im Pop ankommt: Gefühle zu treffen und eine imaginierte Welt zu erschaffen ­dabei auch sich selbst so zu kreieren, wie es sich richtig anfühlt.

Ein glamouröses oder auch nur selbstbestimmtes Leben ist Reginald Kenneth Dwight nicht unbedingt in die Wiege gelegt, als er am 25. März 1947 im Londoner Vorort Pinner zur Welt kommt. Der misslaunig­missbilligende Vater sollte später Gegenstand eines Songs werden. Musik aber packt ihn, besonders Jazz und Rock’n’Roll, und nach anfänglicher klassischer Ausbildung beginnt seine Laufbahn als Pianist und Sänger, Bandleader und Entertainer.

Ab 1969 erscheinen Schallplatten in dichter Folge, über 30 bis rund 60 Album sind es bis heute geworden (je nach Zählung, ohne Kompilationen). Schon die Single „Your Song“ vom Zweitling „Elton John“ 1970 bringt Top-Charts-Platzierungen und den Durchbruch auch in den USA, wo John im selben Jahr erfolgreich auftritt. Elaborierte Outfits, markante Brillen, glitzernde Sakkos, extravagante Hüte und Plateaustiefel gehör(t)en zu Elton Johns Markenzeichen wie der eine oder andere Skandal -rund um Alkohol-und Drogenkonsum, aber auch um sein Coming Out als bisexuell. 2005 sind John und sein langjähriger Freund David Furnish unter den ersten eingetragenen Partnern im Vereinten Königreich, 2014 heiraten sie. Elton Johns Aussage, dass Jesus die gleichgeschlechtliche Ehe befürworten würde (wie erst recht seine Beschreibung von Jesus „als mitfühlendem, intelligentem schwulen Mann“) bringen ihm den Zorn religiöser Fundamentalisten und Todesdrohungen ein.

Sir Elton John (seit 1998 im Ritterstand) ist ein Großspender für humanitäre Anliegen, vor allem den Kampf gegen AIDS, oder auch „seinen“ Fußballklub Waterford F. C., dessen Präsident er zeitweilig war. Die Mittel dafür stammen aus rund 300 Millionen verkauften Tonträgern, die ihn zu einem von einer kleinen Handvoll erfolgreichster Megastars aller Zeiten machen.

Seit 2018 befindet sich Elton John auf seiner fast fünfjährigen Abschiedstournee „Goodbye Yellow Brick Road“, geplant bis Jänner 2023. Zwischendurch gratuliert ihm die Spielräume Nachtausgabe mit Gästen, Gesprächen und vielen seiner Lieder zum 75. Geburtstag.


sa – 12.03.2022


00:05:00  | Ö1
(Fortsetzung). Am Ende des Regenbogens oder: Zwischen Kitsch und Genie. Zum 75. Geburtstag von Elton John

14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Das Musik-Feature: „Going mad with schmaltz!“ – Max Steiner – ein Wiener in Hollywood

Von Stefan Frey. „Give me thirty-two bars of schmaltz! (Gebt mir 32 Takte Schmalz!)“, lautete die Maxime Leo Forbsteins – Anfang der 1930er Jahre Musikchef der Warner Brothers. Und diese Maxime prägte die Ästhetik des damals noch neuen Mediums Tonfilm – nicht nur in den zahllosen Filmschlagern von Broadwaygrößen wie George Gershwin oder Cole Porter, sondern auch in jenen symphonischen Soundtracks, die zum musikalischen Markenzeichen Hollywoods werden sollten.

Ein Pionier auf diesem Gebiet war Max Steiner, ein Meister spätromantischer Klangmischungen aus Wien. Er stammte aus einer regelrechten Operettendynastie: Sein Großvater, Maximilian Steiner, war zu Johann Strauß’ Zeiten Direktor des legendären Theaters an der Wien. Sein Vater, Gabor Steiner, war Besitzer des größten Vergnügungsparks im Prater: Venedig in Wien. Dort dirigierte Max schon im Alter von zwölf Jahren Operetten, komponierte bald eigene und parodierte 1906 Franz Lehárs „Lustige Witwe“. Nach Umwegen über Berlin, London und New York landete er 1929 schließlich in Hollywood – der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Der Tonfilm verlangte nach Musik und Steiner gab sie ihm. Er wurde zum „father of fim music“, erhielt drei Oscars und komponierte Musik zu über 300 Filmen, darunter Klassiker wie „King Kong“, „Vom Winde verweht“ und „Casablanca“.

19:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Luigi Nono: „Al gran sole carico d’amore“ („Unter der großen Sonne von Liebe beladen“) – Live aus Mainz

Libretto von Luigi Nono und Juri Petrowitsch Ljubimow auf Texte von Gramsci, Marx, Gorki, Brecht, Pavese, Rimbaud, Lenin, Fidel Castro und Che Guevara

Am 14. März 2020 wollten wir Luigi Nonos Oper „Al gran sole carico d’amore“ live übertragen. Wegen der Pandemiebeschränkungen wurde die Premiere abgesagt, wir konnten aber die Aufnahme der Generalprobe senden. Zwei Jahre später unternimmt das Staatstheater Mainz einen zweiten Anlauf – diesmal werden wir live bei der Premiere dabei sein. Taugen Szenen gescheiterter Revolution und Aufstände der letzten drei Jahrhunderte als Stoff für eine Oper? Die Mailänder Scala beauftragte 1972 den Komponisten Luigi Nono. Seiner Ansicht nach gehört die Revolution zum Leben, sind Aufstände menschliche Naturereignisse. Oper muss von den politischen, von den großen Dingen erzählen, auch von der Pariser Kommune, der Russischen Revolution. Oper soll und darf den Streik der Turiner Fiat-Arbeiter beschreiben und auch historische Frauenfiguren in den Mittelpunkt rücken. Nonos „Al gran sole carico d’amore“ ist eine politische Oper, denn sie basiert auf politischen Texten.

20:04 bis 23:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert: Bielefelder Mittwochskonzerte

Der erfrischende A Cappella Gesang des preisgekrönten Frauen-Sextetts Sjaella aus Leipzig verzaubert ebenso wie das Ajam Quartet aus Berlin mit seinem bewegenden Instrumentalspiel.

Offen für neue Einflüsse und mit dem Mut, musikalische und thematische Grenzen auszudehnen, stimmt das A Cappella Ensemble Sjaella sowohl Lieder und Arien aus dem 17. Jahrhundert an als auch zeitgenössische Kompositionen und alte Volksweisen aus dem Norden Europas. Schon als 12-Jährige haben die sechs Frauen ihre Gruppe gegründet, deren Namen vom schwedischen Wort „själ“ abgeleitet ist, das „Seele“ bedeutet. Ajam bezeichnet dagegen eine der acht Haupttonleitern der arabischen Musik. Das Ajam Quartet kombiniert ägyptische Kompositionen mit lateinamerikanischen Rhythmen sowie türkische Kompositionen und Volkslieder aus Albanien in hochanspruchsvoller Art mit klassischer europäischer Spielart. In ihrem breit gefächerten Programm haben die vier Instrumentalisten syrischer, russisch-jüdischer, israelischer und deutscher Herkunft aber auch Kompositionen von Beethoven und eigene Stücke.. Aufnahmen aus der Rudolf-Oetker-Halle

22:03 bis 23:00 | SWR 2
SWR2 Jazztime: Sax in a Raga Mood – Aufnahmen mit John Handy, Roger Hanschel, Rudresh Mahanthappa, Jan Garbarek und Charlie Mariano

Von Hans-Jürgen Schaal. Schon John Coltrane spürte die Seelenverwandtschaft zwischen modalem Jazz und indischer Musik. „Wenn ich Ravi Shankars Musik höre, würde ich sie am liebsten kopieren“, sagte er – „nicht Note für Note, aber den Geist, der dahinter steckt.“ Der Zauber der indischen Musik hat immer wieder Jazzsaxofonisten dazu inspiriert, sich mit mikrotonalen Techniken des Raga auseinanderzusetzen. „Es ist ein komplexes System der Ornamentierung“, sagt der amerikanische Saxofonist Rudresh Mahanthappa. „Dazu gehört, dass man zwischen den Tönen gleitet. Du spielst ein bisschen darüber und darunter.“

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Neue Produktionen aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal – Friedrich Gauwerky spielt Wolfgang Rihm

Wolfgang Rihm: Streichtrio op. 9 (1970/71) / „Grat“ für Violoncello solo (1972) / „von weit“ für Violoncello und Klavier (1993) und andere Werke

Alexandra Greffin-Porath, Violine; Axel Porath, Viola; Friedrich Gauwerky, Violoncello; Florian Uhlig, Klavier. Aufnahmen vom November 2021 im Deutschlandfunk Kammermusiksaal, Köln

Am Mikrofon: Klaus Gehrke. Wolfgang Rihm gilt heute in Deutschland als einer der namhaftesten Gegenwartskomponisten. Am 13. März 1952 in Karlsruhe geboren, studiert er dort bereits mit 16 Jahren Musiktheorie und Komposition. Der Student von Werner Velte und Wolfgang Fortner folgt indes nicht der Darmstädter Schule. Rihm treibt vielmehr ein „subjektives Ausdrucksbedürfnis“, was ihn zeitweise der Strömung der „neuen Einfachheit“ zuordnet. Sein Frühwerk orientiert sich an der Zweiten Wiener Schule, später geben ihm literarische Texte und Bildende Kunst Referenz und Schaffensantrieb. Viele Jahre setzt er sich mit der in Moderne-Kreisen verpönten Spätromantik auseinander und verarbeitet deren Elemente mittels der Klangsprache und der Techniken des Postserialismus. Anlässlich des 70. Geburtstags des Komponisten hat der Kölner Violoncellist Friedrich Gauwerky mit befreundeten Musikern eine Auswahl aus Rihms früher Kammermusik im Deutschlandfunk eingespielt, die in 2022 beim Label WERGO erscheint.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
Late Night Jazz: „Nordic Jazz“ – Fact or Fiction?

Diesmal widmet sich die Sendung dem Phänomen „Nordic Jazz” beziehungsweise der Frage: Gibt es ihn denn überhaupt, den „Nordischen Jazz”? Ist das ein Marketing Begriff oder ein Genre? Konrad Bott mit einem Streifzug, der unter anderem auch Nils Landgren und natürlich auch das Esbjörn Svensson Trio beinhaltet.

23:05:00 | Ö1
Madeleine Kaindl im Studio, das Dudek/Sasse-Quartett bei den INNtönen

Madeleine Joel Kaindl beehrt das Jazznacht-Studio mit ihrer Anwesenheit und einem bemerkenswerten Debüt im Talon. Die junge Saxofonistin, Sängerin und Ö1-Jazzstipendiatin 2021 veröffentlichte im Jänner 2022 ihre persönliche Verneigung vor Hildegard Knef in Album-Form. „Alles oder nichts“ lautet der Titel, den die gebürtige Mühlviertlerin mit ihrer hochkarätig besetzten Band Madeleine Joel & the Hildeguards am 16. März 2022 im Großen Sendesaal des Wiener Radiokulturhauses präsentiert. Dem Jazznacht-Publikum verrät die Musikerin, wie es dazu kam, wieso sie Dexter Gordon verehrt und welche Pläne sie aktuell sonst noch ausheckt.

Auch der Ö1-Konzertmitschnitt kommt diesmal aus oberösterreichischen Landen. Am 31. Juli 2021 bespielte das Gerd Dudek/Martin Sasse-Quartett in sommerlicher Frische die Open-Air-Bühne auf Paul Zauners Buchmannhof im Innviertler Sauwald. Der zu diesem Zeitpunkt 83-jährige Gerd Dudek am Tenorsaxofon, selbst eine lebende Legende der deutschen Jazzszene, verbreitete im Programm „Tribute to John Coltrane“ nicht nur den virtuosen Spirit des Großmeisters, sondern auch eine angenehme Lässigkeit, deren Drive ansteckend wirkte. Martin Sasse, westfälischer Tastenmagier, und die Kompagnons Martin Gjakanovski (Kontrabass) und Paul Höchstädter (Schlagzeug) brillierten als bestens eingespieltes Team, das dafür sorgte, dass an diesem Sommernachmittag im Grünen keine Zehe stillstehen wollte. Genau das Richtige für eine kalte Winternacht !

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Musik der Welt: Musikalische Entdeckerin – Der katalanischen Sopranistin Montserrat Figueras zum 80. Geburtstag

Ein Porträt von Susanne Schmerda. Eine Stimme der Emotion und des Lichtes, zärtlich und ungemein ausdrucksstark, biegsam und klar, von engelsgleicher Reinheit und Schönheit – mit diesen Worten wurde der Sopran von Montserrat Figueras immer wieder gepriesen, und dies über vierzig Jahre hinweg, von ihren ersten Auftritten Anfang der 70er Jahre bis August 2011, wenige Monate vor ihrem Tod. Sie erweckte uralte Wiegenlieder und spanische Romanzen zu neuem Leben, Arien, Klagelieder, Madrigale und Gesänge zum Lob der Jungfrau Maria, vom frühen Mittelalter bis zum Spätbarock, von Monteverdi bis Mozart. Mit großer Leidenschaft ließ sie dabei vergessene Gesänge wieder erklingen und entdeckte neben dem christlichen Repertoire auch die Lieder der Mauren und der sephardischen Juden wieder.

Ihre Wiederentdeckungen von alter Musik hatten nie etwas museales, sondern waren stets beseelt von einer großen Lebendigkeit und Frische, sie wirkten immer authentisch, immer verbunden mit dem Hier und Jetzt ihres eigenen Lebens. Damit verlieh die katalanische Sopranistin jeder Textsilbe, jeder Note und Phrasierung große Glaubwürdigkeit. „Montserrat Figueras’ Stimme betört ohne falsche Effekte, ohne oberflächliche Künstlichkeit, nur vermittels der unterschiedlichen, immer eindrücklichen Melodien“, beschrieb es einmal ihr Ehemann, der Gambist und Dirigent Jordi Savall. Mit ihm hatte die am 15. März 1942 in Barcelona geborene Sängerin 1974 das Ensemble Hespèrion XX gegründet, um die Musik der iberischen Halbinsel und des gesamten Mittelmeerraums wieder aufleben zu lassen, vom Maghreb über den Balkan und den Nahen Orient bis zum französischen Okzitanien. Von ihrer symbiotischen Gemeinschaft mit Jordi Savall, den sie „meine Lebensinspiration“ nannte, zeugen viele musikalische Sternstunden auf CD.


so – 13.03.2022


00:05:00 | Ö1
(Fortsetzung) Madeleine Kaindl im Studio, das Dudek/Sasse-Quartett bei den INNtönen

15:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Interpretationen: Wenn der Bariton schweigt – Wolfgang Rihm und seine Liedkompositionen

Gast: Steffen Schleiermacher, Pianist und Komponist. Moderation: Olaf Wilhelmer

17:10:00 | Ö1
Zum 100. Geburtstag von Eddie „Lockjaw“ Davis

Der US-amerikanische Tenosaxofonist Eddie „Lockjaw“ Davis ist nicht zuletzt als langjähriges Mitglied der Count Basie Bigband in die Jazzgeschichte eingegangen. Der Geburtstag des Mannes aus New York jährte sich am 2. März zum 100ten mal. Seinen Spitznamen bekam „Jaws“, als er, um Tantiemenzahlungen zu vermeiden, einen bekannten Jazzstandard unter dem Namen „Lockjaw“ (Kieferstarrkrampf) bei der Verwertungsgesellschaft anmeldete. Gerne hat Davis auch mit anderen Tenoristen musiziert, etwa 1960 mit seinem großen Vorbild Coleman Hawkins oder später mit Jonny Griffin. Und sehr gerne hat er im Wiener Jazzland mit verschiedenen österreichischen Ensembles gespielt. Im Rahmen dieser Engagements sind u.a. auch Aufnahmen mit dem Wiener Gitarristen Karl Ratzer entstanden. Relativ jung starb der immer so vital wirkende Eddie „Lockjaw“ Davis 64-jährig in Kalifornien an Lymphdrüsenkrebs.

18:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Nachspiel. Feature: Jugend ohne Bewegung – Sport in Pandemiezeiten

Von Knut Benzner. Dass Sport hilft, in Form zu bleiben, abwehrstark und fit im Kopf, wer wollte das bestreiten? Gerade junge Menschen brauchen darüber hinaus den damit verbundenen sozialen Austausch, den direkten Kontakt. Weitere Einschränkungen der Bewegungsspielräume sorgen da eher für weiteren Verdruss. Und Schach im Internet oder eSport funktionieren als Ausgleich nur bedingt. Damit Kinder und Jugendliche wieder zurückfinden zur Normalität, hat die Bundesregierung ein milliardenschweres Aktionsprogramm aufgelegt. So sollen auch zusätzliche Sportangebote finanziert werden. Dem Deutschen Olympischen Sportbund, Dachverband des deutschen Sports, liegt dabei am Herzen, dass vor allem die junge Generation bei allen Maßnahmen privilegiert wird. Wie sieht das in der Praxis aus und reicht das, um Versäumtes aufzuholen?

19:34:00 | Ö1
Beate Reiermann & Edith Lettner im Studio 2 des Wiener Funkhauses

Die Wiener Gitarristin Beate Reiermann hat nach ihrem Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in ihrer Heimatstadt im Rahmen zahlreicher Auslandsaufenthalte, Workshops und Masterclasses mit viel Abenteuerlust ihren stilistischen Horizont in Richtung Jazz und traditioneller Musik aus aller Welt -etwa aus Lateinamerika oder aus Nahost -erweitert. Hervorstechend ist dabei ihre Leidenschaft für die Flamencogitarre, für die Reiermann nach Spanien ging, wo sie an der Escola Superior de Música de Catalunya in Barcelona studierte. Für die im Studio 2 des Wiener Funkhauses anberaumte Radiosession hat Beate Reiermann sich mit der aus Linz stammenden, in den letzten Jahren zwischen Wien, New York und Kanada pendelnden Saxofonistin Edith Lettner zusammengetan, um mit ihr gemeinsam ganz persönliche, kosmopolitische Klangwelten zu gestalten. Diese Ö1 Radiosession wird gefördert durch die Verwertungsgesellschaft Rundfunk GmbH („VGR“).

20:00 bis 00:00 | hr2-kultur | WDR3
„Mit feinem Haar, ziseliert: das bin ich auch“ – Wolfgang Rihm zum 70. Geburtstag

Zweifelsohne: Wolfgang Rihm, geboren am 13. März 1952 in Karlsruhe, ist einer der wichtigsten deutschen Komponisten der Gegenwart.

Lenz – Joachim Goltz; Oberlin – Patrick Zielke; Kaufmann – Raphael Wittmer; sechs Stimmen – Josefin Feiler, Rebecca Blanz, Marie-Belle Sandis, Maria Polanska, Sergii Moskalchuk, Marcel Brunner. Orchester des Nationaltheaters Mannheim. Leitung: Franck Ollu

Wolfgang Rihm: „Jakob Lenz“ – Kammeroper – (Mitschnitt vom Januar und Februar aus dem Nationaltheater Mannheim)

Sein Werk, das alle musikalischen Gattungen umfasst, ist ein Fluss ohne Ufer, ein mäanderndes Netzwerk voller Linien- und Wegführungen. Der gemeinsame Abend von SWR2 und hr2-kultur will den zahlreichen Aspekten im Werk Rihms nachspüren. Im Mittelpunkt steht seine Kammeroper „Jakob Lenz“ in einer neuen Produktion des Nationaltheaters Mannheim. Auch er selbst wird in dieser Sendung ausführlich zu Wort kommen.

Musik zur Sprache bringen – Wolfgang Rihm – Von Ulrich Mosch

Ganz gleich ob das Lied Bildnis: Anakreon nach Eduard Mörike, Jagden und Formen für Ensemble oder ein Streichquartett aus seiner Feder – Wolfgang Rihms Musik stellt uns vor einen eigentümlichen Widerspruch: Dem Ohr scheint sie mit ihrer weithin wohlvertrauten Klanglichkeit einfach zugänglich und unmittelbar verständlich. Wer aber über sie reden möchte und gar noch sprachlich an künstlerisch Wesentliches zu rühren versucht, dem fehlen schnell die Worte. Wie also diese Musik zur Sprache bringen? Ein Essay über Notwendigkeit und Vergeblichkeit des Sprechens über Musik.

20:55:00 | Ö1
Cassandra Wilson: „New Moon Daughter“ (1995)

Es ist als Ansage zu verstehen, wenn Cassandra Wilson ihr zweites Blue-Note-Album „New Moon Daughter“ von 1995 mit Lewis Allans ikonischem Song „Strange Fruit“ eröffnet -gerade weil sich Billie Holidays Interpretation in das kollektive musikalische Gedächtnis eingebrannt hat. Wilson gelingt eine aparte, eigenständige Version, was nicht zuletzt an der Instrumentierung und dem exquisit-sperrigen Arrangement liegt. Aus den Klängen von Bass (Lonnie Plaxico), Kornett (Graham Haynes) und Gitarre (Chris Whitley) bricht Wilsons Stimme mit ihrem unverkennbar dunklen, warmen Timbre hervor.

Auf „New Moon Daughter“ mischt Cassandra Wilson Eigenkompositionen mit Interpretationen bekannter Lieder. Hank Williams’ „I’m So Lonesome, I Could Cry“ ist da ebenso zu finden wie Neil Youngs „Harvest Moon“. Der Sängerin gelingt es, jedem der Songs ein eigenes Gewand zwischen Jazz und Americana-Klängen zu verpassen und mit ihrer Stimme spielerisch zwischen den verschiedenen Stimmungen zu changieren. „New Moon Daughter“ ist nach dem gefeierten Blue-Note-Debüt „Blue Light ‘til Dawn“ von 1993 das zweite Album, für das sie mit dem Produzenten Craig Street zusammenarbeitet, und für das sie einen Grammy in der Kategorie „Best Jazz Vocal Performance“ erhält. Ein Album, mit dem Cassandra Wilson den Erfolg des Vorgängers prolongiert und die Basis für ihre Karriere als eine der bedeutendsten Jazzsängerinnen der Gegenwart legt.

22:08 – 23:00 | Ö1
Rihm hören mit Eleonore Büning – Wolfgang Rihm zum Siebziger (1): Eleonore Büning stellt Lieblings- und Schlüsselwerke vor

Für „Zeit-Ton extended“ hat die erfahrene Musikjournalistin und neuerdings auch Rihm-Biographin Eleonore Büning persönliche Lieblings- und allgemeine Schlüsselwerke aus dem Schaffen des „allerletzten Großkomponisten“ ausgewählt, wie Wolfgang Rihm schon vor zwanzig Jahren bezeichnet wurde: Schlaglichter auf das umfangreiche Œuvre eines Beredten, Unermüdlichen, Wort- und Tongewaltigen zu seinem 70. Geburtstag.

Dieser Komponist sei ein dreifacher „Sonderfall“, stellt Büning schon im Vorwort ihres neuen Buches „Wolfgang Rihm. Über die Linie“ (Benevento) fest: Erstens habe Rihm nie zu einer Schule oder Seilschaft gehört und habe auch nichts dergleichen begründet. Vielmehr sei er Einzelgänger geblieben, „so wie, zum Beispiel, auch Schubert einer war. Er ist nicht unglücklich dabei, auch alles andere als ein Eremit.“ Zweitens halte er Bach und Beethoven für seine Zeitgenossen: „Seine Auffassung vom Fortschritt impliziert, dass er sich Rückblicke erlaubt, auf Augenhöhe. Das hat nichts zu tun mit Epigonentum, auch nicht mit dem alltäglichen Historismus oder der Theorie vom Ende der Geschichte. Rihms Musikbegriff schließt einfach nichts aus.“ Und drittens habe Rihm nie geschrieben für jene „Isolierstation, in die sich die neue Musik hineinmanövriert hatte“, im Gegenteil: „Seine Musik berührt auch Menschen, die keine Lust haben auf Avantgarde.“

Eleonore Büning war Musikredakteurin der „Zeit“ und von 1997 bis 2017 Redakteurin bei der FAZ. Sie moderiert Musiksendungen für SWR, RBB und WDR und ist seit 2011 Vorsitzende des Preises der deutschen Schallplattenkritik. Gestaltung: Walter Weidringer

23:03 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: Musik zur Sprache bringen – Wolfgang Rihm

Ganz gleich ob das Lied Bildnis: Anakreon nach Eduard Mörike, Jagden und Formen für Ensemble oder ein Streichquartett aus seiner Feder – Wolfgang Rihms Musik stellt uns vor einen eigentümlichen Widerspruch: Dem Ohr scheint sie mit ihrer weithin wohlvertrauten Klanglichkeit einfach zugänglich und unmittelbar verständlich. Wer aber über sie reden möchte und gar noch sprachlich an künstlerisch Wesentliches zu rühren versucht, dem fehlen schnell die Worte. Wie also diese Musik zur Sprache bringen? Ein Essay über Notwendigkeit und Vergeblichkeit des Sprechens über Musik.

 

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Radioman.

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