Im Radio – Wochenende, 25. + 26.09.2021


sa – 25.09.2021


00:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Lange Nacht: Da gibt es nichts zu lachen – Eine Lange Nacht der fröhlichen Pessimisten

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Von Rolf Cantzen. Regie: Stefan Hilsbecher. (Wdh. v. 12./13.09.2015). Jung, dynamisch, pragmatisch und vor allem optimistisch – diese Eigenschaften zeichnen erfolgreiche Menschen aus. So jedenfalls verheißt es die einschlägige Ratgeberliteratur. Die Unterhaltungsindustrie liefert dazu die Freizeitvariante: Alle sind gut gelaunt, cool natürlich. Sie tragen ein Lächeln im Gesicht und verschicken Smileys. Wer sich dem entzieht, trifft auf wenig Sympathien oder wird schnell als depressiv pathologisiert. Optimistisch stimmt nach wie vor auch die Fortschrittsgewissheit, die spätestens seit der Aufklärung die Geschichtsauffassungen prägte. Doch schon Sophokles weiß: „Nicht geboren zu werden, (ist) für die Erdbewohner am besten.” Die Gnostiker der Spätantike drängt ihre Weltwahrnehmung zu der Vermutung, dass nur ein böser Schöpfer diese Welt erschaffen haben kann. Philosophische Gegenstimmen werden auch in der Philosophie laut. Schopenhauer und seine Schüler sensibilisieren für menschliches Leid. In der Melancholie verbinden sich Freude und Leid zu einer Weltsicht, in der sich Schwere und Leichtigkeit, Sinnlosigkeitsgefühle und Humor verbinden. Fröhliche Pessimisten empfehlen zunächst einmal anzunehmen, dass alles schief gehen wird, um sich dann positiv überraschen zu lassen.

01:05 Uhr | Deutschlandfunk
Deutschlandfunk Radionacht: Rock – Neues und Klassiker aus Rock, Pop, Soul

Schwerpunkt: Vor 50 Jahren erschien das Debütalbum „Warum geht es mir so dreckig“ der Berliner Rock-Band Ton Steine Scherben. Am Mikrofon: Günther Janssen

14.00 Uhr, Das Ö1 Hörspiel (Überlänge)
„Xerxes und die Stimmen aus der Finsternis“.

Von Magda Woitzuck. Mit Alina Fritsch, Regina Fritsch, Eva Mayer, Till Firit, Michael Smulik und Wolfram Berger. Ton und Technik: Anna Kuncio und Manuel Radinger. Musik: Peter Kaizar, Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi. Regieassistenz: Julia Herzog und Teresa Schwind. Regie: Peter Kaizar (Hessischer Rundfunk/ORF 2021)

Es ist das Jahr 519 vor Christi Geburt, da erblickt ein Bub das Licht der Welt, dessen Namen man noch Jahrtausende später kennen wird: Xerxes. Eine Menge Dinge zeichnen ihn aus: seine Taten, seine Untaten und dass man die Namen vieler Frauen aus seinem Umfeld kennt – das ist in der Historie keine Selbstverständlichkeit. Eine junge Archäologin (dargestellt von Alina Fritsch) gräbt aus und erzählt dabei, wirft von Xerxes’ Leben und seinen Lieben einen Stein übers Wasser, lässt ihn durch die Zeit springen, der Gegenwart entgegen: von Jesus’ Kreuzigung zum apokalyptischen Pestausbruch von 1347, von der Entdeckung Amerikas bis zur Verbannung der Frau aus Kirchenchören, denn diese Verbannung ist es, der die Hoden abertausender Knaben zum Opfer fallen. Fortan dürfen die Stimmen der Soprankastraten in keiner Oper mehr fehlen, so auch nicht in jener mit dem Titel „Xerxes“ von Georg Friedrich Händel, dessen Arie „Ombra mai fu“ an der Schwelle zum 20. Jahrhundert Radiogeschichte geschrieben hat .

Magda Woitzuck (geboren 1983 in Wien) schreibt Hörspiele und Prosa. Zuletzt erschienen das Hörspiel „Über allem war Licht“ (SWR/SRF 2021), eine Bearbeitung des gleichnamigen Romans und der Podcast „Shit happens – Erinnerungen einer Großdealerin“ (Produktion SWR 2021). Magda Woitzuck war nominiert für den Ingeborg-Bachmann-Preis 2021. 2018 wurde sie für das Hörspiel „Die Schuhe der Braut“ mit dem Hörspielpreis der ARD ausgezeichnet.

Magda Woitzuck: „Ich habe ein großes Interesse an Geschichte, da finden sich so viele kuriose und skurrile Begebenheiten. Allein dieser Gedanke – den Frauen das Singen zu verbieten und sie dann durch kastrierte Männer zu ersetzen. Soprankastraten sind ein großartiges Beispiel dafür, warum Feminismus für alle Menschen wichtig ist: Wenn Frauen singen dürfen, muss man nämlich keine Buben entmannen“. „Xerxes und die Stimmen aus der Finsternis“ wurde von Regisseur Peter Kaizar mit sechs Schauspieler/innen in insgesamt 53 Rollen inszeniert.

14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – Der Komponist und Musikforscher Jakob Schönberg

Der unbekannte Schönberg: Während Arnold Schönberg weltweit für den Aufbruch in die musikalische Moderne steht, ist sein entfernter Verwandter Jakob Schönberg, der ebenfalls Komponist war, heute vergessen. Für Jakob Schönberg, 1900 in Fürth geboren, waren insbesondere die traditionellen jüdischen Gesänge der Synagoge Impuls für sein eigenes Schaffen. Er erforschte sie in seiner Dissertation von 1926 und strebte auf ihrer Basis nach einer genuin jüdischen Kunstmusik. Er arbeitete zudem als Musikkritiker der „Nürnberger Zeitung“ und Musikberater für den Rundfunksender „Deutsche Stunde in Bayern“, aus dem später der Bayerische Rundfunk hervorging. 1933 wurde Schönberg aus allen seinen beruflichen Tätigkeiten entlassen und ging nach Berlin, wo er sich im „Jüdischen Kulturbund“ engagierte, der einzigen Möglichkeit für jüdische Künstler, noch aufzutreten. Die Verfolgung verstärkte seine zionistische Haltung und er sah seinen Beitrag zu dieser Bewegung darin, die deutschen Juden mit der Folklore der jüdischen Bevölkerung in Palästina vertraut zu machen. Sie sollte die kulturelle Basis bilden, auf der ein zukünftiger Staat Israel im Heiligen Land zu einer eigenen musikalischen Identität finden sollte. Schönberg gab 1935 einen wegweisenden Sammelband mit Volksliedern aus dem Land Israel heraus: „Schirej Eretz Israel“ rief in der bedrängten jüdischen Welt Deutschlands ein großes Echo hervor. Im Musikfeature anlässlich des Festjahres „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ beleuchtet BR-KLASSIK zusammen mit dem Musikforscher und Pianisten Jascha Nemtsov die Beschäftigung und kreative Auseinandersetzung Jakob Schönbergs mit den traditionellen Melodien des Judentums und die Suche nach einer „neuen“ jüdischen Kunstmusik.

17:05 bis 17:55 | Bayern 2
Jazz & Politik: Politisches Feuilleton

Moderation: Lukas Hammerstein. Musikauswahl: Roland Spiegel

18:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Feature: Reihe: Wirklichkeit im Radio – Lidice – das schweigende Dorf (1/2)

Von Ernst Schnabel. Regie: Fritz Schröder-Jahn. Mit: Ernst Schnabel, Hans Paetsch, Hans Lietzau, Heinz Piper, Heinz Klevenow, Armas Sten Fühler, Werner Rundshagen, Richard Lauffen, Erich Schildkraut, Gustl Halenke, Horst Breitkreuz, Lothar Ziebell, Hilde Heinrich, Frauke Grund, Gerda Maria Jürgens, Marion Studt, Regine Lamster, Carola Bückler, Annegret Papenhausen, Werner Lommatzsch. Ton: Wilhelm Hagelberg. Produktion: NDR 1961. Länge: 36’00. (Teil 2 am 02.10.2021)

Das tschechische Dorf Lidice wurde 1942 von den Nationalsozialisten komplett ausgelöscht. Ernst Schnabel rekonstruiert das Verbrechen in einem Feature, das sechzig Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner Wirkung eingebüßt hat.

„Lidice“ beginnt als Bericht über den Film „The Silent Village“, der 1942 von britischen Bergleuten gedreht wurde. Der Film thematisiert die deutsche Besetzung der Tschechoslowakei, verlegt die Handlung aber in ein Bergmannsdorf in Wales. Der Filmtitel verweist auf die innere Haltung der Dorfbewohner, die der deutschen Besatzungsmacht in verschwiegener Gegnerschaft gegenüberstehen. Über diesen Umweg, der sich als genialer, ganz im Dienst der historischen Erinnerung stehender erzählerischer Kunstgriff erweist, schildert Ernst Schnabel ein unvorstellbar grausames Ereignis aus der Zeit der deutschen Besatzung: die Vernichtung des Dorfs Lidice.

Im Anschluss hören Sie ein Porträt des Autors. Ernst Schnabel gehörte zu den feinsten und bedeutendsten Radiomachern der Nachkriegszeit. Seine Anfänge in der Seefahrt waren in seinem Werk immer präsent.

Wegen der Überlänge senden wir dieses Feature in zwei Teilen. Teil 1 am 25. September, Teil 2 am Samstag, 2. Oktober, jeweils um 18.05 Uhr. Das ganze Feature finden Sie ungekürzt auf hoerspielundfeature.de sowie wirklichkeitimradio.de.

18:05 bis 19:00 | BR-KLASSIK
Jazz und mehr: Tiefe Luft

Außergewöhnliche, tieftönende Klänge zwischen Klassik und Jazz von Sängerin Francesca Gaza, Baritonsaxophonistin Kira Linn, Saxophonist Mulo Francel, Bassklarinettist Michel Portal und anderen.Moderation und Auswahl: Ulrich Habersetzer

19:00 | hr2-kultur
Live Jazz The Jakob Manz Project |

jazzahead! – Musikmesse & Festival digital, Bremen, April 2021. The Jakob Manz Project | Jakob Manz, as, recorder | Hannes Stollsteimer, p, kb | Frieder Klein, 6-string eb | Paul Albrecht, dr, sampling, elt | jazzahead! – Musikmesse & Festival digital, Pier 2: Club 100, Bremen, April 2021

22:03 – 23:00 Uhr | SWR2
SWR2 Jazztime: Ein untrügliches Gefühl von Freiheit – Wegmarken des polnischen Jazz

Bert Noglik. Für Polen bedeutet Jazz stets beides: Öffnung und Selbstfindung. Anfang der fünfziger Jahre von der stalinistischen Kulturbürokratie in den Untergrund verbannt, drang diese Musik bald darauf mit elementarer Kraft an die Öffentlichkeit. Seither verbindet sich Jazz in Polen untrennbar mit dem Gefühl der Freiheit. Der Pianist Krzysztof Komeda wurde zum Idol und nach seinem frühen Tod zum Mythos. Meilensteine des polnischen Jazz, ursprünglich veröffentlicht von der staatlichen Plattenfirma Polskie Nagrania, hat Warner Music nun in vorzüglichen Editionen wieder zugänglich gemacht – von Krzysztof Komedas Kultalbum „Astigmatic“ über Platten von Tomasz Stanko und Zbigniew Namyslowski bis zu einer Neuinterpretation der Musik Komedas für eine Jazz und Lyrik-Produktion.

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Revisited Forum neuer Musik 2013 – Adriana Hölszkys Orgelmusik

Adriana Hölszky: „Efeu und Lichtfeld” / „ … und ich sah, wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt …” / „ … und wieder Dunkel II” (Ausschnitt). Dominik Susteck, Orgel; Sabine Akiko Ahrendt, Violine; Jens Brülls, Schlagwerk. Aufnahme vom 21.4.2013 in der Kunststation Sankt Peter, Köln

Am Mikrofon: Frank Kämpfer. Adriana Hölszky selbst beschreibt ihre Arbeiten gern als unterschiedlich strukturierte „Klangräume”. Das ist keineswegs lapidar gemeint – vielmehr ereignet sich in ihnen so Vielsträngiges, dass es nicht auf einen Begriff zu bringen ist. Wahrnehmungen und Verläufe von Zeit beispielsweise, die zu expandieren und zu schrumpfen vermag – was Hölszkys Komponieren weit übers Gesellschaftliche hinaushebt in Dimensionen grundsätzlichen Seins. Ihre Arbeiten für Orgel sind exemplarisch dafür – insbesondere wenn ein Interpret wie Dominik Susteck sich ihrer annimmt. Bereits die Titel sind aufgeladen mit poetischen, biblischen, letztendlich kosmischen Metaphern der Schöpfung, des Todes, von Vergänglichkeit – sie signalisieren, um welche Dimension es ihr geht. Auf den ersten Blick wird nicht schlüssig, warum all dies im April 2013 in ein Forum neuer Musik unter dem Titel „News from the Colonies“ gehörte. Aber genau darum geht es den post-kolonialen Denkern doch: widersprüchliche Perspektiven auf Wirklichkeit zu behaupten und in Beziehung zu setzen – und dabei die conditio humana zu prüfen.

23:00 | rbbKultur
Late Night Jazz Birthdays & Releasedays – Mit Eva Garthe

23:00 | hr2-kultur
Artist’s Corner | Selbstbeschreibung von M.Riedel & O.Augst

23.03-06.00 | Ö1
Neuer Wiener Saxofon-Professor: Denis Gäbel  – Denis Gäbel im Interview, Clemens Sainitzer solo 2019 bei der Jazzwerkstatt Graz

Schrill, leise, stöhnend, schnaubend oder unglaublich erotisch: Katharina Osztovics widmet die Jazznacht ganz dem Saxofon und lädt zu einer Zeitreise ein, von Sidney Bechet, Coleman Hawkins und Ben Webster über Wolfgang Puschnig und Klaus Dickbauer bis zu Cecilie Strange, Stephanie Lottermoser, Leonhard Skorupa, Richie Winkler und anderen.

Zu hören sind auch Kompositionen des Saxofonisten Denis Gäbel, der zu Gast im Jazznacht-Studio ist. Der Preisträger verschiedener Jazzwettbewerbe steht derzeit unter anderem mit seinem Quartett auf der Bühne und hat seit 2020 eine Professur an der Musik- und Kunst-Privatuniversität Wien inne. Mit Katharina Osztovics spricht er darüber, warum es ihn nach Wien gezogen hat, wie er als Leader, Sideman und Pädagoge den richtigen Ton trifft, und warum er einst vom Cellisten zum Saxofonisten mutiert ist.

Celloklänge gibt es auch im diesmal vom ORF-Landesstudio Steiermark produzierten Konzertmitschnitt, aufgenommen am 4. September 2019 im Orpheum Extra in Graz im Rahmen der hiesigen Jazzwerkstatt. Es musiziert Clemens Sainitzer, bekannt aus dem Duo Sain & Mus sowie zahlreichen anderen Bands der jungen Wiener Improvisationsmusikszene.

23.03 | WDR 3
Open Sounds: Mit Ilka Geyer – Studio Akustische Kunst: Performing Utopia

Von Alien Productions. Produktion: ORF 2021

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Musik der Welt: Alte Musik neu gedacht? Ein arabisch-persisch-europäischer Trialog

Die Idee klingt simpel: Europäische Alte Musik und klassische arabische und persische Musik begegnen sich auf Augenhöhe. Doch wann beginnt die Alte Musik im arabisch-persischen Raum und wann endet sie? Was heißt „neu denken“ in diesem Zusammenhang: neu interpretieren, arrangieren, improvisieren oder eigene Spieltechniken auf kulturell fremdes Repertoire anwenden? Das experimentierfreudige Musikprojekt „Alte Musik neu gedacht“ mit sieben jungen Instrumentalvirtuosen, realisiert in den Corona-Jahren 2020-21, führt von Wolfram von Eschenbach bis zum Hof des Sultans von Bagdad im 13. Jahrhundert und gibt einen Einblick in die existentielle und magische Kraft, die Musik für das Ankommen von Musiker:innen aus dem Iran, Syrien und Kurdistan in der neuen Heimat Deutschland hat. Eine Sendung von Eckehard Pistrick


so – 26.09.2021


07:30 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Kakadu für Frühaufsteher: Wie wird man Politiker?

Von und mit Patricia Pantel. Moderation: Ulrike Jährling. Angenommen dein bester Freund oder deine beste Freundin würde sagen: „Wenn ich groß bin, dann werde ich Bundeskanzlerin oder Umweltminister und sorge dann dafür, dass alle Menschen glücklich sind, der Klimawandel gestoppt wird und alle Schulen mit Lüftern ausgerüstet werden.” Glaubst du, das wäre möglich? Kann jeder einfach so in die Politik gehen? Ist das ein Beruf, für den es eine besondere Ausbildung oder ein Studium braucht? Muss man als Politikerin in einer Partei sein? Kakadu hat die Antworten.

08:00 | hr2-kultur
Lauschinsel | Instrumentenkarussell Die Sitar – mit Elke Ottenschläger

Ohne sie gäbe es sehr viel weniger zu hören: jedenfalls im Konzertsaal, im Radio und anderswo.

09:30 Uhr | Deutschlandfunk
Essay und Diskurs: Die falsche Kritik an der Selbstoptimierung

Die Soziologin Anja Röcke im Gespräch mit Pascal Fischer. Nichts, was nicht optimiert werden soll: Die Arbeitseffizienz, die Fitness, die Ernährung, das persönliche Netzwerk, persönliche Glaubenssätze oder selbst der Schlaf. Eine Kritik an der Kritik.

Die Regale in den Buchhandlungen sind voll von Optimierungsratgebern. Und die Medien sind voll von der Kritik an dieser Selbstoptimierung: Sie sei eine nie endende Tretmühle; sie sei der nach innen verlegte Zwang der neoliberalen, kapitalistischen Leistungsgesellschaft; sie setze beim Individuum an und verliere die Gesellschaft als eigentlichen Zielpunkt nötiger Verbesserungen aus dem Auge.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Selbstoptimierung aus ganz anderen Gründen verdammt wird: Weil sie zu sehr auf den Körper setzt, weil sie den schwitzenden Emporkömmling ausbremsen soll, weil sie zu sehr auf eine gefürchtete Technik setzt, die den Menschen als vermessbares Objekt dem kalten Blick der Naturwissenschaften preisgibt… Ohnehin zeigt der historische Tiefenblick: Selbstverbesserungstechniken hat es immer und jederzeit gegeben – die Kritik entzündet sich offenbar nur an der neuesten Mode der „Techniken des Selbst“. Es ist Zeit für eine gründliche Kritik an der Kritik der Selbstoptimierung!

Anja Röcke studierte Soziologie in Berlin und Paris, promovierte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz und habilitierte sich 2020 an der HU zu Berlin mit der „Soziologie der Selbstoptimierung“. Insgesamt interessiert sie sich für demokratietheoretische Fragen und die Soziologie der individuellen Lebensführung. Weitere Schriften: „Framing Citizen Participation. Participatory Budgeting in France, Germany and the United Kingdom“ (2014), „Losverfahren und Demokratie. Historische und demokratietheoretische Perspektiven“ (2005).

13:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge – Musikalische Entdeckungsreisen Mehr als nur ein Abendsegen? – Die Musik von Engelbert Humperdinck

Moderation: Niels Kaiser. Schon seine Zeitgenossen sahen in Engelbert Humperdinck alles andere als einen Modernisten. Trotzdem (oder deshalb?) sind seine Volkslied-Bearbeitungen und die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ bis auf den heutigen Tag erfolgreich.

15:00 | rbbKultur
Franz Schubert Komponist im Kaiserreich – Schubert, der Unpolitische?

15:05 Uhr| Deutschlandfunk
Rock et cetera: Durchbruch mit magischem Pfeffer – 30 Jahre „Blood, Sugar, Sex, Magik“ der Red Hot Chili Peppers

Von Tim Schauen. Bis 1991 war die kalifornische Band Red Hot Chili Peppers seit ihrer Gründung 1983 erst Geheimtipp, dann lokale Größe, bald mit Plattenvertrag versehen, und sie spielte eine hochoktanige Crossover-Mischung aus Rap, Funk und knallendem Funkrock. Doch dann, im September 1991, kam ihr Album „Blood, Sugar, Sex, Magik“ heraus, das den Mega-Hit „Under the bridge“ enthält – und der Band weltweite Berühmtheit brachte. Zwar bekommt Anthony Kiedis das Singen live immer noch nicht so richtig hin, doch Flea am Bass und Chad Smith am Schlagzeug legen ihm unverschämt groovend Funk zugrunde, den der oft mehr rappende Frontmann auf dem Album mit kaum jugendfreien Texten würzt. Das Album machte die „Peppers“ zu Weltstars – und ein Großteil des Ruhms gehört Produzent Rick Rubin, der den Sound der Kalifornier auf Hochglanz trimmte und somit chartstauglich machte.

15:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Interpretationen: Musik statt Chaos

Kurt Sanderling interpretiert Dmitrij Schostakowitsch. Moderation: Olaf Wilhelmer

19:00 | hr2-kultur
hr-Bigband Konzerte und Produktionen u.a. mit: Lucy Woodward & hr-Bigband, Teil 1

Konzerte und Produktionen u.a. mit: hr-Bigband w/ Lucy Woodward, cond. by Jim McNeely, Livestream aus dem hr-Sendesaal, Frankfurt, Mai 2021, Teil 1

19.34-20.16 | Ö1
Naturerlebnis, verarbeitet von Gitarre, Orgel und Schlagzeug  – Wiener Extremwandern im Studio 2 des Wiener Funkhauses

Gitarrist Tobias Faulhammer, Organist Max Tschida und Schlagzeuger Jakob Kammerer sind in der Wiener Szene bereits in verschiedenen Bands kreativ verhaltensauffällig gewesen, letzterer etwa als Co-Leader des formidablen Sextetts Kammerer Orköster. Zu dritt firmieren sie unter dem eher nicht alltäglichen Bandnamen „Wiener Extremwandern“, und das nicht ohne Grund: Zieht es Faulhammer, Tschida und Kammerer doch frühmorgens oft in die Berge – sofern man Sophienalpe oder Kahlenberg, nahe Wien gelegen, als solche bezeichnen kann. Neben viel frischer Luft tankt das Trio auf diesen Spaziergängen und den daraus resultierenden Begegnungen auch Inspiration für den kompositorischen Output. Naturerlebnis, gewitzt verarbeitet von Gitarre, Orgel und Schlagzeug – heute in der Radiosession.

20.55-21.40 | Ö1
Zum 100. Geburtstag von Chico Hamilton  – Chico Hamilton Quintet: „The Three Faces of Chico” (1959)

Schlagzeug zu spielen war für ihn wie zu tanzen, doch Chico Hamilton war weit mehr als nur ein geschmeidiger, dynamischer Tänzer auf seinen Trommeln und Becken. Er war auch als Bandleader erfolgreich und innovativ, etwa indem er ein Cello in den Ensembleklang seines Quintetts integrierte. Und schließlich war Chico Hamilton auch noch ein talentierter Sänger und gefühlvoller Song-Interpret.

Am 21. September 2021 hätte der gebürtige Kalifornier, der 2013 92-jährig verstorben ist, seinen 100. Geburtstag gefeiert. Da liegt es nahe, ihm zu Ehren ein Album herauszugreifen, das die drei unterschiedlichen Facetten dieses afroamerikanischen Multitalents bewusst zusammenführt und einander gegenüberstellt, wie auch der programmatische Titel verdeutlicht: „The Three Faces of Chico“ aus dem Jahr 1959, für das Hamilton sein Quintett – dem seit 1958 Altsaxofonist, Bassklarinettist und Flötist Eric Dolphy angehörte – für einige Stücke um die Saxofonisten Paul Horn, Buddy Collette und Bill Green erweiterte.

23:00 | rbbKultur
Late Night Jazz Formel 577 – Mit Wolf Kampmann

23.00 Uhr, Ö1, Radiokunst-Kunstradio
Die Künstler/innen Lisl Ponger und Tim Sharp entwickeln ein neues Radiokunststück, das sich mit Aspekten der Kolonialgeschichte und Ihrer Aufarbeitung befassen wird.

Am 13.August 2021 jährt sich die Zerstörung von Tenochtitlan (Mexiko City) durch die spanischen Konquistadoren zum fünfhundertsten Mal. Aus diesem Anlass statten die Zapatisti*nnen aus dem Südosten Mexikos im Sommer 2021 Europa einen Gegenbesuch ab. Geschichte und Geschichten, Stimmungen und Stimmen… ein neues Radiostück des Autors und Künstlers Tim Sharp und der bildenden Künstlerin Lisl Ponger, die sich schon lange mit verschiedenen Aspekten der Kolonialgeschichte und ihrer gegenwärtigen Aufarbeitung befassen.

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Musik der Welt: Ein Porträt des Musikers Misagh Joolaee

Misagh Joolaee, Solist auf der persischen Spießgeige kemancheh, ist spätestens seit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik 2020 für sein Debütalbum „Ferne“ als innovativer Klangtüftler auf seinem Instrument bekannt – mit ebenso großem Respekt vor europäischer Klassik wie vor dem klassisch-persischen „radif“-Repertoire. Inspiriert von der tiefgreifenden künstlerischen Zusammenarbeit etwa mit dem Baglama Virtuosen Levent Özdemir und angeregt durch Spieltechniken auf der Geige und der Flamencogitarre, findet er zu Soli, in denen er mit Raffinesse der Nostalgie, der Ekstase und der Wiederentdeckung der Langsamkeit nachspürt. Der Autor hat den Musiker in Berlin getroffen und mit ihm über das Revival seines Instruments gesprochen. Eine Sendung von Eckehard Pistrick.

 

 

radiofreak der alten schule. transistor, diode, spule, kondensator. ehemals manipulator:in mehrerer rundfunksendungen.

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