Im Radio – Freitag, 17.09.2021

Klangkunst: Ivry-sur-Seine +++ Zum 100. Geburtstag von Chico Hamilton +++ Der besondere Klang des Harmoniums +++ Warum der Erfolg des Streamings die Musik-Kultur gefährdet +++ Dante Alighieri und die Musik +++ Erinnerungen an Lester Bowie +++ Konfrontationen in Nickelsdorf +++ Open Sounds: Studio Elektronische Musik – Thomas Lehn +++

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fr – 17.09.2021


00:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: Ivry-sur-Seine – Von Iain Chambers

Produktion: WDR 2021. Länge: 40’05. Der Brutalismus ist die wohl radikalste und umstrittenste Architekturströmung des letzten Jahrhunderts. Der Klangkünstler Ian Chambers übersetzt die Betonstrukturen eines berühmt-berüchtigten Pariser Vororts in Klang.

Anschließend: Sun-drenched – Von Staš Vrenko. Produktion: Autorenproduktion für Radiotelevizija Slovenija 2018. Länge: 10’38

Der kommunistisch geprägte Pariser Vorort Ivry-sur-Seine wurde Anfang der 1960er-Jahre zum städtebaulichen Labor: Das Architektenpaar Renée Gailhoustet und Jean Renaudie schuf Wohnraum und orientierte sich an den damals modernen Ideen des „Brutalismus“: massive Betonbauten, ungeschönt, funktional, modular. Aber auch voller sozialer und gesellschaftspolitischer Visionen.

Der Klangkünstler Iain Chambers hat die radikale Architektur mit seinen Mikrofonen erkundet. Für sein Hörstück lässt er Türen erklingen, Treppengeländer vibrieren, und er nutzt die Resonanzschwingung von Sichtbeton. Entstanden ist eine synästhethische Komposition, die über die Ohren taktile, visuelle und, physische Körpererfahrungen vermittelt.

„Ivry-sur-Seine“ wurde mit dem Palma Ars Acustica 2021 der European Broadcasting Union ausgezeichnet.

Iain Chambers ist Komponist und Musikproduzent. Oft basieren seine künstlerischen Arbeiten auf Fieldrecordings und/oder architektonischen Sounds. Gesendet wurden sie unter anderem von BBC Radio 3, WDR und ABC Australia. 2019 gründete Iain Chambers das Label „Persistence of Sound“, das auf Entwicklungen im Bereich der Musique Concrète spezialisiert ist.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Christoph Wünsch: „Zwischen Tag und Traum“ (Novalis Quartett); Rainer Pezolt: „Elegia metallica“ (Antje Gerlof, Flöte; Anne-Kathrein Jordan, Klavier); Elke Tober-Vogt: Suite Nr. 2 (Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt: Oliver Weder); Rolf Rudin: „Der Spinnerin Nachtlied“ (musica-viva-chor bamberg: Fritz Braun); Wilfried Jentzsch: „Paysages FLV“ (Karl Schicker, Bassflöte; Wilfried Jentzsch, Tonband); Heinrich Hartl: „Ein weites Feld“, op. 150 (Nürnberger Symphoniker: Bernhard Gueller); Herbert Hechtel: „A New Morning“, op. 48 (Peter Sauermann, Klavier)

14.06-15.30  | Ö1
Zum 100. Geburtstag von Chico Hamilton – Fundstück aus dem ORF-Archiv: Chico Hamilton Quartett in der Wiener Jazzspelunke

Am 19. Oktober 1987 gastiert Schlagzeuger Chico Hamilton zusammen mit Saxofonist Eric Person, Gitarrist Cary DeNigris und Bassist Reggie Washington im leider schon lange nicht mehr existierenden Club Jazzspelunke in Wien. Bandleader Hamilton gibt sich einerseits traditionsbewusst mit Jazzstandards wie „Topsy“, „On Green Dolphin Street“ oder „Caravan“ und betätigt sich bei der Billy-Strayhorn-Ballade „Something To Live For“ sogar als Crooner. Seine jungen Mitstreiter bringen auch Eigenkompositionen ein und zeigen jede Menge Spielfreude. Dieser historische ORF-Mitschnitt dokumentiert einen energetischen, gelungenen Konzertabend des legendären Chico Hamilton, in dessen Band in den 1950er Jahren auch ein Altsaxofonist und Bassklarinettist namens Eric Dolphy heranreifte, und der am 21. September 2021 100 Jahre alt geworden wäre.

17.04 | WDR 3
Vesper I: Jeu expressif – Der besondere Klang des Harmoniums

Alexandre Guilmant: Fughetta, op. 29; Joris Verdin, Harmonium | Gioacchino Rossini: Kyrie, aus „Petite messe solennelle“; Simon Bucher, Klavier; Andreas Gräsle, Harmonium; Kirchheimer Vokal-Consort, Leitung: Tönu Kaljuste | César Franck: Prélude, Fugue et Variation h-Moll, op. 18; Joris Verdin, Harmonium; Jos van Immerseel, Klavier | Charles-Marie Widor: Ave Maria für Singstimme, Harfe und Harmonium; Ensemble Alexandre | Max Reger: Romanze a-Moll für Harmonium, in der Ausführung mit Orgel; Christoph Bossert an der Dalstein-Haerpfer-Orgel des Palais des Fêtes, Straßburg | Gioacchino Rossini: Agnus Dei, aus „Petite messe solennelle“ für Soli, Chor, 2 Klaviere und Harmonium; Helene Schneidermann, Alt; Roberto Szidon und Richard Metzler, Klavier; Detlef Dörner, Harmonium; SWR Vokalensemble, Leitung: Rupert Huber

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Der Internationale Musikwettbewerb der ARD 2021

Die BR-KLASSIK-Reporterinnen und -Reporter Svenja Wieser, Ulrich Möller-Arnsberg, Denise Maurer und Manuela Promberger zeigen ihren Blick auf einen der weltweit bekanntesten und renommiertesten Musikwettbewerbe. Zwei Wochen lang begleiten sie die jungen Musikerinnen und Musiker auf und hinter der Bühne – in den Fächern Gesang, Violine, Klavierduo und Horn.

19:15 Uhr | Deutschlandfunk
Mikrokosmos – Die Kulturreportage: Warum der Erfolg des Streamings die Musik-Kultur gefährdet

We’re lost in music. Von Florian Fricke. Produktion: BR 2021. Vor rund 20 Jahren begann mit dem Erfolg des Filesharingdienstes Napster der endgültige Niedergang der alten Musikindustrie. Musik wurde zur Ramschware, immer erhältlich, immer kostenlos. Streamingdienste wie Spotify versprachen eine Revolution. Das ernüchternde Resultat: Musikmachende, die weniger verdienen als je zuvor; dazu die Diktatur der Playlists, der Soundtapete für alle Bereiche des Lebens. Musik wird zunehmend zu einem Gefühlsbegleiter degradiert. Wer sie komponiert, wer sie produziert und eingespielt hat, wird mehr und mehr zur Nebensache. Das hat auch Konsequenzen auf Seiten der Musikschaffenden: Der Mut zum Risiko nimmt ab, die Gefallsucht wird zur ökonomischen Notwendigkeit – eine musikalische Dystopie, die durch die Pandemie zusätzlichen Aufwind erhält.

20.04 | WDR 3
Konzert live. Mit Susanne Herzog. WDR Sinfonieorchester – MÄ�celaru dirigiert Britten und Mahler

Nach der Sommerpause eröffnet das WDR Sinfonieorchester die neue Saison mit Werken von Benjamin Britten und Gustav Mahler. Zum Start der Konzertsaison spielt das WDR Sinfonieorchester mit Mahlers Liederzyklus ein Werk, das sich zwischen tieftraurigem Abschied und herzerwärmender Schönheit bewegt. „Alles in allem darf man das ‘Lied von der Erde’ jedenfalls zum besten rechnen, was Mahler je geschaffen hat“, schrieb die Allgemeine Musikalische Zeitung nach der posthumen Uraufführung vor 110 Jahren. Aufbruch und Neuanfang prägen Brittens Violinkonzert. Es entsteht 1939 nach der Emigration des überzeugten Pazifisten in die USA und steht ganz unter dem Eindruck des Kriegsausbruchs in Europa. Ebenfalls aus den USA kommt die Miniatur der Zeit. Der amerikanische Komponist und Pianist Nico Muhly macht die Vereinzelung des Individuums in der Gesellschaft zum Thema seiner Orchesterminiatur. Ausgehend von einer langen „einsamen“ Linie eines Soloinstruments stellt er die Außenwelt als sich allmählich beruhigende Turbulenz dar.

Nico Muhly: Lining Up, Uraufführung, Kompositionsauftrag des WDR – Miniaturen der Zeit – | Benjamin Britten: Violinkonzert d-Moll, op. 15 | Gustav Mahler: Das Lied von der Erde, nach Hans Bethges „Die chinesische Flöte“ für Alt, Tenor und Orchester. Karen Cargill, Mezzosopran; Klaus Florian Vogt, Tenor; Augustin Hadelich, Violine; WDR Sinfonieorchester, Leitung: Cristian MÄ�celaru. Übertragung aus der Kölner Philharmonie

22:03 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: „Gegen das ‚Paradies’ habe ich aber Bedenken“ – Dante Alighieri und die Musik

Von Richard Schroetter. (Wdh. v. 31.05.2015). Eine musikalische Reise durch Dantes Welt. In Italien lernt jedes Schulkind zumindest ein paar Verse aus der „Göttlichen Komödie“ auswendig. In seinem riesigen Vers-Epos schickt Dante Alighieri seinen Erzähler auf eine Reise durch Hölle, Fegefeuer und Paradies. Anschaulich wird dem Leser des frühen 14. Jahrhunderts geschildert, wie es in den drei Welten des Jenseits aussieht, und mit welchen Qualen die Sünder ihre Vergehen büßen müssen. Die „Commedia“ ist ein Spiegel des mittelalterlichen Weltbildes und natürlich eine Fundgrube für Geschichten, die zur Vertonung einladen. Eine Sendung zum 700. Todestag des Verfassers der „Göttlichen Komödie”.

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Milestones – Jazzklassiker: Im Namen der Ahnen – Erinnerungen an Lester Bowie (1931-1999)

„The Great Pretender“ (1981), „All The Magic“ (1983), „I Only Have Eyes For You“ (1985). Am Mikrofon: Karl Lippegaus. Lester Bowie konnte durch seine Trompete die Geschichte des Jazz erzählen – wobei er den Namen „Great Black Music“ dafür bevorzugte. Es brodelte und zischte, blubberte und fauchte aus seinem Horn. In St. Louis war er aufgewachsen und mit Anfang 20 nach Chicago gezogen, wo er dem Musikerkollektiv AACM beitrat. Deren bekannteste Gruppe, das Art Ensemble of Chicago, wurde Bowies Band fürs Leben. Doch besonders in den 1980er-Jahren machte er auch aufsehenerregende Platten unter eigenem Namen. Als Trompeter hatte Bowie von den Meistern des New Orleans-Stils über Rex Stewart und Cootie Williams bis zu Miles Davis Ideen absorbiert. In seiner Vision von Jazz spielten Einflüsse aus Gospel, Blues, Spirituals, Latin, R’n’B, Soul und Funk eine zentrale Rolle, aber auch Showman-Qualitäten aus der Vaudeville-Ära. Auf der Bühne trug er gerne einen weißen Arztkittel. Er öffnete sein Repertoire auch für eigenwillige Covers schwarzer Popmusik, besonders mit seiner neunköpfigen Brass Fantasy, zu der u.a. vier Trompeter gehörten. Ihr Debüt „I Only Have Eyes For You“ erschien 1985. Die Brass Fantasy war das letzte große Projekt seiner an Pionierleistungen reichen Karriere. Im Oktober 2021 wäre er 80 Jahre alt geworden.

23:03 – 24:00 | Ö1
So far – so near. Die 41. Konfrontationen in Nickelsdorf

Unter dem Motto „So far – so near“ fand heuer in Nickelsdorf die 41. Ausgabe der Konfrontationen statt. Es war nach dem Zwischenspiel vom letzten Jahr, den Kontraktionen, wieder ein dreitägiges Festival mit österreichischen und internationalen Musiker/innen. In zwei Sendungen präsentiert der Zeit-Ton einige Highlights von einem der langjährigsten und renommiertesten europäischen Festivals für freie und improvisierte Musik.

An sich wäre es das 42. Jahr der Konfrontationen im burgenländischen Nickelsdorf. Letztes Jahr organisierten Festival-Leiter Hans Falb und sein Team ein eintägiges Festival, die Kontraktionen, die trotz der Umstände starke Zeichen setzten. 2021 wurde an 2019 angeknüpft und so gab es in der Jazzgalerie wieder das reguläre Festival. Coronabedingt wurde es auf Mitte August verlegt.

Wie schon seit vielen Jahren, hat Ö1 auch heuer einige Konzerte aufgenommen, die im Zeit-Ton in zwei Sendungen zu hören sind. Der heutige erste Teil umfasst drei Formationen: das Double Trio der österreichischen Pianistin und Komponistin Elisabeth Harnik mit Mats Gustafsson (Saxofon) und Martin Brandlmayr (Schlagzeug), der Cellist Fred Lonberg-Holm spielte mit dem Gitarristen Luis Lopes sowie ein Trio des Saxofonisten Tobias Delius, dem Bassisten Antonio Borghini und dem Schlagzeuger Hamid Drake, der seit 1979 regelmäßig bei den Konfrontationen auftritt.

Der zweite Teil wird am Freitag, dem 24. September, ausgestrahlt mit dem Magda Mayas Projekt, einem Trio um Steve Beresford und Georg Graewes Ensemble Inawhirl. Gestaltung: Heinrich Deisl

23.03 | WDR 3
Open Sounds: Studio Elektronische Musik –  Mit Björn Gottstein: Stromlinie reloaded [12]: Thomas Lehn

Viele Protagonisten der freien Improvisation konzentrieren sich auf musikalische Zustände und Prozesse, die sie mit einer gewissen Gelassenheit zur Entfaltung bringen. Thomas Lehn, Pianist und Synthesizerspieler, verfolgt da einen anderen Ansatz. Seine Improvisationen leben von Brüchen und Kontrasten, von Spannungsbögen und strukturellen Zusammenhängen. Der studierte Jazz- und Konzertpianist pflegt einen durchaus wüsten, bisweilen sprunghaften Duktus, ohne dabei die Konsequenz einer durchgehörten „Werk“-Logik preiszugeben. Die haptische Unmittelbarkeit, mit der er am analogen Synthesizer der Sechzigerjahre auf den Klang zugreift, trägt außerdem zum gestischen Eindruck seiner Improvisationen bei.

Thomas Lehn: Tableaux IV, Elektronische Musik / Nachtmodul, Elektronische Musik; Thomas Lehn, Analogsynthesizer

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Jazztime: Jazz auf Reisen

Highlight vom Bayerischen Jazzweekend Regensburg 2021: Musik des Yaroslav Likhachev Quartet

Mit Yaroslav Likhachev, Tenorsaxofon, Conrad Noll, Kontrabass, Jonathan Hofmeister, Klavier, und Moritz Baranczyk, Schlagzeug. Moderation und Auswahl: Roland Spiegel

23:30 – 24:00 Uhr | SWR2
ARD Radiofestival. Jazz. Review – Jazz-Neuerscheinungen

Von Niklas Wandt. „File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen manche Plattenfirmen ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und in den Sparten der Streaming- und Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für Fans kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Einmal in der Woche präsentierten deshalb die Autor*innen des ARD-Radiofestivals bemerkenswerte Neuerscheinungen aus der vielfältigen Welt des Jazz.

 

 

radiofreak der alten schule. transistor, diode, spule, kondensator. ehemals manipulator:in mehrerer rundfunksendungen.

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