Gedanken zur GEMA-Aufsichtsratswahl 2021

Liebe Komponist:innen, die Ihr das lest und die nächste Woche bei der Mitgliederversammlung und den Kurienversammlungen der GEMA dabei sein werden: als Mitglied möchte ich Euch ein paar Dinge ans Herz legen, nachdem wir wohl nicht die Art von Aussprache zu den Kandidierenden erleben können wie sonst bei präsenz-Mitgliederversammlungen.

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Vorausgeschickt sei, dass jede und jeder in dieser Sitzung online anwesende Mensch wählen soll und muss, wen sie oder er will. Aber worauf sollte man da achten?

Ich werde darauf achten, dass vor allem Persönlichkeiten für mich interessant sind, die für einen weiter bestehenden Körperschaftscharakter der GEMA als unabhängige Autor:innenorganisation eintreten. Das sind für mich Persönlichkeiten, die trotz Zugehörigkeit zu Labels oder einer Existenz auch z.B. als Produzierende, Interpret:innen, etc. in erster Linie die Perspektive der Urheber:innen und weniger andere Interessen ihrer anderen Tätigkeitsbereiche vorwiegend vertreten.

Ein wichtiger Wahlprüfstein ist für mich auch die Frage: wie setzte sich diese Person letztes Jahr für uns Urheber:innen ein? Dabei interessiert mich im engen Blickwinkel auf die GEMA gar nicht, ob diese Person lautstark für einen Wandel plädiert und bestehende Ungerechtigkeiten z.B. bei Künstler:innenhilfen durchaus zu Recht anmahnte. Sondern was tat diese Persönlichkeit innerhalb der Strukturen der GEMA z.B. in Sachen der beiden Corona-Hilfsprogramme unserer Verwertungsgesellschaft? Aufsichtsrat, Sozialkasse und Ausschüsse gaben sich dabei unendlich viel Mühen und leisteten viel zusätzliche Arbeit und konnten dadurch wirklich sehr Vielen akut von tiefer Not Bedrohten unkomplizierter als manches staatliche Hilfsprogramm helfen.

Zuletzt erlebten wir vor einigen Wochen die Unbill der Selbstaufführenden und Interpret:innen als es um die deutsche Umsetzung des neuen EU-Urheberrechtes ging. Die Gründe sind z.T. zu verstehen. Aus der Sicht der Urheber:innen, losgelöst von anderen Tätigkeiten wie bereits o.g., wurde die Rolle der GEMA gegenüber Internetplattformen erheblich gestärkt, welches das bestehende Aufsichtsratsteam wie die Geschäftsführung der GEMA in ihrer kulturpolitischen Arbeit sehr gut hinbekam und gerade gegen den plötzlich massiv einsetzenden Gegenwind von Labels und dem VUT sowie Anderer ein aufrechtes Standing für uns vor allem als Urheber:innen Tätige bewahrte.

Ich denke, dass jetzt nach den gröbsten Zeiten der Corona-Krise in Öffnungen und Wiederaufmachen oder eben Nicht-mehr-Aufmachen für uns die größten Herausforderungen liegen werden. Das wird auch innerhalb der GEMA einzelne Teile unter Druck setzen. Deshalb brauchen wir meiner Meinung als Wähler nun um so mehr Persönlichkeiten, die Unzufriedenheit und Druck von Außen nicht noch mehr unter uns verstärken, sondern Menschen, wie z.B. im bisherigen Aufsichtsrat und in den diesen unterstützenden Verbänden, die ausgleichend und verständnisvoll die solidarische soziale und kulturelle Tradition der GEMA als Autor:innengesellschaft wahren und die letzten Jahre mühsam aufgebaut haben.

Mich und ich hoffe auch Euch werden nicht glänzende Namen leiten, sondern eben die Vorbilder und Persönlichkeiten, die bei dieser ungemein anspruchsvollen Tätigkeit um Aufsichtsrat den Dialog suchen, monatlich hunderte Seiten Akten mühsam durchforsten, immer fordernd, zuhörend und eben auch ausgleichend mit den Mitgliedern, der Politik, der EU, anderen Verbänden und Verwertungsgesellschaften, Nutzer:innen, Labels, Verlagen, etc. im Kontakt stehen und diesen suchen, aber v.a. dabei uns Autor:innen immer in ihren Gedanken, Äußerungen und Handlungen als Gesamtheit mit sich tragen.

Öffentlicher Screenshot von der Seite der GEMA zur MV 2021

Wir benötigen nun v.a. Konsistenz und keine Brüche in einer Zeit gewaltiger sozialer Bruchmöglichkeiten. Wir benötigen Persönlichkeiten, die sich als verantwortungsvoll und ausdauernd in Leitungsfunktionen bewiesen oder bisher in Ausschüssen der GEMA und Verbänden, die die GEMA stützen, gute Arbeit leisteten. Das sind nicht immer die strahlendsten Namen und bekanntesten Gesichter. Aber es sind solide und solidarisch Arbeitende.

Auf die kommt es an, die mühsame Kernerarbeit im Hintergrund, die auch das Zuhören und Verstehen unserer tollen Hausjurist:innen uns vermitteln können. Das können neue Namen sein, aber die bisher amtierenden haben das hervorragend geleistet und werden in meinem Fokus stehen. Uns allen die beste, am Ende aber ganz persönliche Entscheidung. Vergesst nun auch gleich wieder meine Gedanken und folgt vor allem Euren Gedanken hierzu. Wir sehen uns online nächste Woche!

Komponist*in

Komponist*in

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