Frau Doktor Winters peinliche Neue-Musik-Sprechstunde

Wer peinliche Fragen zur Szene der Neuen Musik hat, die auf „ist das normal?“ enden oder auch nicht, kann sie Frau Doktor Winter stellen. Das kann in Form von Kommentaren unter diesem Artikel und den folgenden Artikeln geschehen.

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Hannibal aus Wuppertal fragt:

„Liebe Frau Doktor Winter, ich bin Kompositionsstudent und besuche jeden Werktag meine Seminare und den Einzelunterricht. Zusätzlich komponiere ich zehn Stunden. Sonntags komme ich auf 22 Stunden. Ich habe trotzdem das Gefühl, zu wenig zu tun und es ärgert mich, dass ich schlafen und essen muss. Ist das normal? Was kann ich tun?“

 

Das sagt Frau Doktor Winter dazu:

Lieber Hannibal, das ist nicht normal und nicht bloß ein „Gefühl“ (und wenn, dann wäre es ein Gedanke), Du tust wahrscheinlich wirklich zu wenig. Dass Du schlafen und essen musst, ist sehr bedauerlich. Baue dann doch wenigstens das Thema Komposition in den Vorgang der Essenszubereitung ein. Du könntest zum Beispiel serielle Werke nachkochen, indem Du musikalische Parameter einfach in Lebensmittel- und Zubereitungsparameter umwandelst. Wenn Du die Gefahr liebst, kannst Du auch aleatorisch kochen mit Bestandteilen, die nicht essbar oder sogar giftig sind. In Bezug auf das Thema Schlaf solltest Du den kompletten Verzicht lernen. Du bist wahrscheinlich auch gar nicht müde, sondern sehnst Dich einfach nur nach einer Pause – dieses Phänomen kennt man aus der Adipositasforschung. Die Menschen glauben, sie hätten Hunger, dabei haben sie einfach das Bedürfnis nach Erholung. Das zu verstehen, ist der erste Schritt. Dann legst Du Dir Literatur bereit, der Du Dich im Falle eines „Müdigkeitsgefühls“ widmest. So erlangst Du die sich für einen Komponisten gehörende umfangreiche Bildung und vermeidest das Schlafen. Dass es sich bei den Büchern nicht um die neuesten Pferdeabenteuer von Bibi und Tina handeln sollte, versteht sich von selbst. Stattdessen kannst Du aber herausfinden, wie oft das Wort „Pferd“ in Adornos Gesamtwerk vorkommt. Ich weiß es schon…
Von Körperpflege- und Bewegungspausen oder sogar Sport rate ich dringend ab. Ein gepflegter und gesund aussehender Mensch hat schlechte Chancen auf eine Karriere als Komponist.

 

Torsten aus Dorsten fragt:

„Hallo, ich interessiere mich für Karlheinz Stockhausen, habe aber nicht kapiert, warum man junge Männer in einen Feuerofen stecken muss, um ein Stück Musik zu schreiben. Muss das sein?“

 

Das sagt Frau Doktor Winter dazu:

Lieber Torsten, dann interessierst Du Dich noch nicht genug für Stockhausen und sein Werk „Gesang der Jünglinge im Feuerofen“. Ansonsten wüsstest Du, dass Karlheinz Stockhausen einfach ein großer Grillfan war. Mit dem „Feuerofen“ meinte er seinen Weberngrill, der von Anton Webern erfunden wurde. Die „Jünglinge“ waren eine regionale Wurstsorte, die von den Eingeborenen völlig verkohlt genossen zu werden pflegte.

 

Marie Sophie aus Münster fragt:

„Hallo, ich heiße Marie Sophie, bin 15 Jahre alt, spiele für mein Leben gern Klavier und habe auch schon ein paar Stücke selbst geschrieben. Ich liebe Yann Tiersen und überlege, nach dem Abi Komposition zu studieren. Wo kann ich das am besten machen, um bekannt zu werden?“

 

Das sagt Frau Doktor Winter dazu:

Liebe Marie Sophie, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Beziehung mit Yann Tiersen (oder wie soll ich es verstehen, dass Du ihn „liebst?). Dir war hoffentlich vorher klar, dass Du Dir damit sämtliche Chancen auf ein Kompositionsstudium verbaust. Es tut mir total leid, dass Dir ein Studium dieser brotlosen Kunst mit gestörten Kommilitonen und noch gestörteren Dozenten verwehrt bleibt. Wenn Du später unbedingt unglücklich werden willst, wirst Du eine andere Möglichkeit finden, da bin ich zuversichtlich.

 

Anna-Lara-Lena-Lisa aus Castrop-Rauxel-Henrichenburg fragt:

„Hallo, ich bin 17 Jahre alt und studiere als Jungstudentin Komposition. Im Unterricht legt mein Professor mir immer seine Hand oder andere Körperteile aufs Knie. Ist das normal und was soll ich machen?“

 

Das sagt Frau Doktor Winter dazu:

Liebe Anna-Lara-Lena-Lisa, bitte pass jetzt gut auf, denn es ist Deine Aufgabe, deinen Professor vor dem Begehen einer Straftat zu bewahren. Wahrscheinlich kleidest Du Dich zu offenherzig, sodass Dein Professor dies als Einladung versteht. Es ist ganz normal, dass Männer in Machtpositionen so denken, darum müssen Frauen sie vor sich selbst schützen. Trage im Unterricht nur noch lange, dicke und weite Klamotten in hässlichen Farben, am besten bekleckert oder bekotzt. Sorge dafür, dass Du schlecht riechst – ob Du Dich generell nicht mehr duschst oder Dich nur jeweils kurz vor dem Unterricht in Gülle wälzt, bleibt Dir überlassen. Versuche, Akne oder Herpes zu bekommen, am besten beides gleichzeitig. Und dann versuche – wie es sich für eine Frau gehört – Deinen Professor zu verstehen: Er ist ein armer und vermutlich alter Mann, der sich nun plötzlich im Zeitalter der beleidigten Frau wiederfindet. Früher durfte er seine Studentinnen noch bedrängen, er hat sie allesamt schließlich aufrichtig geliebt – heute wird gleich eine Hetzjagd veranstaltet.

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