Die Zerstörung der FDP

[Keine Satire. Nicht lustig gemeint. Exakt so passiert.]

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Wie ich mal zusammen mit einem Pianistenkollegen unfreiwillig das Gefühl bekam, an dem Tod von drei (ehemals) wichtigen FDP-Politikern schuld zu sein.

Die FDP-Zentrale in Berlin (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Dietrich-Genscher-Haus#/media/Datei:Flagge_FDP_02.jpg)

Die FDP-Zentrale in Berlin (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Dietrich-Genscher-Haus#/media/Datei:Flagge_FDP_02.jpg)

Seit mehr als zwei Jahrzehnten kenne ich einen Pianisten, der einst – wie ich – an der Hochschule für Musik und Theater Hannover studierte. Seit vielen Jahren leben wir beide in Berlin. Einige Konzerte begingen wir gemeinsam. Und selbstverständlich wollen gute Konzerte dramaturgisch vorbereitet sein. So kam es seit März 2016 bis heute zu bestimmt sechs Treffen zwischen uns beiden, die jeweils fast ausschließlich in einem chinesischen Restaurant in der Friedrichstraße stattfanden. Der besagte Pianist wohnt sehr zentral in Berlin-Mitte. Ich selbst kam aus Charlottenburg angereist – und stieg an der S-Bahnstation Friedrichstraße aus. Für uns beide führt der kürzeste Weg zu dem Restaurant an der FDP-Zentrale – dem heutigen Hans-Dietrich-Genscher-Haus – in der Reinhardtstraße vorbei.

Nach dem Treffen am 16. März 2016 wurde die Nachricht des Todes von Guido Westerwelle (FDP) publik. (Darüber war ich traurig, denn Menschen sollten nicht so früh sterben.)

Nach dem nächsten Treffen am 31. März 2016 meldete man den Tod von Hans-Dietrich Genscher (FDP). Dies war mir eine Kurznachricht an den Kollegen wert. („Immer, wenn wir uns treffen, stirbt ein Politiker der FDP!“)

Wenige Treffen folgten. Dann gab es einige Monate Funkstille, da zunächst kein gemeinsames Konzert geplant war.

Für März 2019 lud ich den Pianisten – naiv, wie ich bin – zu einem dramaturgisch lustig konzipierten Konzert (mit allerdings endzeitlicher Musik) ein. Ende Februar 2019 trafen wir uns also wieder, in dem angestammten China-Restaurant schräg gegenüber vom Friedrichstadtpalast.

Während dieses Treffens fragte ich, den Kollegen an die besagten FDP-Todes(zu)fälle erinnernd: „Wie geht es eigentlich Klaus Kinkel?“

Circa sechs Tage später starb eben jener Klaus Kinkel (FDP).

Wie gesagt: Vor jedem Treffen gingen wir unter den gelben FDP-Fahnen des FDP-Hauptgebäudes hindurch. Und interessanterweise war der besagte – politisch vielleicht nicht ganz unambitionierte – Pianist schon vor vielen Monaten von FDP-Mitgliedern angesprochen worden, ob er nicht kulturpolitisch für die FDP aktiv werden wolle. (Er lehnte bislang ab.)

Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber: 6 Treffen = 3 FDP-Tode.

Nun ist der Tod von Personen natürlich nicht wünschenswert. Aber den Witz, sich zukünftig nur noch in einem Restaurant in der Nähe vom Hauptgebäude einer ganz und gar nicht „alternativen“ Partei zu treffen, den möchte ich mir nicht verkneifen: hiermit.

Author profile

Arno Lücker wurde 1979 in Braunschweig geboren. Seit 2003 lebt er in Berlin. Dort arbeitet er als Moderator und Dramaturg. Er ist Künstlerischer Leiter der Astronomie-Musik-Reihe "Himmlische Partituren" im Zeiss-Großplanetarium Berlin, arbeitet von Berlin aus für das Brucknerhaus Linz, schreibt Programmtexte für zahlreiche Orchester (Wiener Philharmoniker, New York Philharmonic), macht Konzerteinführungen in der Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie und anderswo. Außerdem ist er Bad-Blog-Autor der ersten Stunde und arbeitet als Kurator für die Musikstreaming-App IDAGIO.

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1 Antwort

  1. Arno, dieser Artikel gefällt mir sehr, sehr gut! Danke! Auch sonst bist du schon mit deinen humorigen Artikeln aufgefallen. Weiter so! Ästhetiken sind von verschiedenen Menschen unterschiedlich. Menschen sind frei und selbstbestimmt. LG Peter

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