Chanson d’amour versus Gott ist groß

Dieses Pseudo-Mashup ist unerträglich! Und doch faszinierend. In der Originalfassung krächzt Crazy Harry an den Ratatatata-Stellen des Chanson d’amour dazwischen und sprengt allmählich die antikisierende Bühnendeko in die Luft. Das Video reiht sich in all die „Allahu-Akbar-fails“ ein, die im Netz kursieren. Denn irgendwie ist es doch schon symptomatisch, dass nach jedem Attentat gefragt wird, ob man diesen Ruf hörte. Und ertönte er, meldet sich wie in einem schlechten Drehbuch auch in Bälde eine islamistische Gruppierung als Urheber. In Bezug auf dieses Video Gott sei Dank aber noch nicht! Nun wissen wir inzwischen zu gut, dass der IS alle Antiken, die er nicht zu Geld machen kann, prestigeträchtig in die Luft sprengt, wie es die Taliban mit den Buddhastatuen von Bamian taten. Man fragt sich angesichts der Steigerungsraten an inhumaner Grausamkeit und Kulturbarbarei, ob da nicht ein Wettbewerb der tödlichen Effektivität unter den islamistischen Extremisten läuft. Von Januar dieses Jahres an bis heute sind die Untaten ja immer monströser geworden, egal ob Ninive, Palmyra oder brennende Musikinstrumente oder Paris, Ankara, Beirut und wieder Paris. Wobei der erste Anschlag auf CharlieHebdo ja eher einen Al-Quaida als IS-Hintergrund hatte, was wieder den Wettbewerb unterstreichen würde. Statt Ratatatata schreit Crazy Harry nun „Gott ist groß“ und erinnert wirklich damit an Palmyra, mit der Koinzidenz auf Paris im Sinne des französischsprachigen Chanson d’amour. Ja, lasst uns Liebe geben – eigentlich die einzige Hoffnung, wenn man nicht Gewalt mit Gegengewalt beantworten möchte.

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