DOW [1] Performing matters

Foto am 02.08.14 um 18.52

Erinnern wir uns: vor einigen Jahren schrieb erstmals ein junger, aufbegehrender Komponist, Musikwissenschaftler und Dramaturg im Internet mit bis an die Grenzen des sittenverträglichen polternden Formulierungen die „Zustände“ in Darmstadt während der illustren und geschichtsträchtigen Internationalen Ferienkurse: Einer der ersten Neue Musik-Blogs im deutschsprachigen Raum war entstanden, die Einführung des Bad Blog of Musick eine beinahe konsequente Folge. Mehr als sechs Jahre später erlebe ich „mein erstes Darmstadt“. Es ist ein anderes Darmstadt als jenes, das Arno Lücker 2008 beschrieben hat, es ist das dritte Darmstadt unter der Leitung von Thomas Schäfer und es ist das erste mit einem Opernworkshop.

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Neben der Fortführung des ENSEMBLE-Projektes, das junge, innovative Ensembles aus der ganzen Welt – und die Komponisten, mit denen sie zusammen arbeiten – ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, steht das diesjährige Programm unter der mehrdeutigen Überschrift „Performing matters“. Einerseits rücken also die mit der Aufführung in Zusammenhang stehenden Aspekte in den Vordergrund, andererseits geht es um die Wichtigkeit der Aufführung – und damit in Verbindung natürlich auch um Bedeutung des Performers für die Musik an und für sich.

Es ist also nur folgerichtig, dass in diesem Jahr auch erstmals auf Initiative des Komponisten (und Musikdenkers und Dramaturgen) Hans Thomalla durch den künstlerischen Leiter Thomas Schäfer erstmals ein Opernworkshop eingerichtet worden ist. Schon der Titel „Opernworkshop“ ist auf einem solchen Festival natürlich ein Reizwort: Welches Gewicht fährt man mit einem solchen Begriff auf. Und ist Musiktheater nicht ein viel weiterer Begriff? Für die Teilnahme konnte man sich in einem internationalen Call for Projects bewerben. Auch dessen Zuschnitt hat bereits Kritik hervor gerufen: Kann man heute allen Ernstes Projekte ausschreiben, die auf Video oder Live-Elektronik verzichten?

Mit gutem Grund haben Hans Thomalla und ich, mit dem ich diesen Opernworkshop leiten darf, uns dagegen entschieden. Warum und wieso, wozu es überhaupt eines solchen Opernworkshops bedarf, wie es dort zu- und vonstatten geht, darüber möchte ich hier in den kommenden 14 Tagen schreiben. Hoffentlich jeden Tag einmal. Dabei möchte ich auch die fünf ausgewählten Projekte vorstellen, die wir hier in den kommenden Tagen gemeinsam mit der Regisseurin Lydia Steier, der Gesangsklasse von Donatienne Michel-Dansac, dem Dirigenten Stefan Schreiber, dem Ensemble Interface und einigen Gästen realisieren werden. (Ursprünglich waren es sechs, doch es ist hier wie im richtigen Leben: eines wurde leider nicht rechtzeitig fertig.)

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Musikjournalist, Dramaturg

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1 Antwort

  1. Der alte Hahn, er lebt noch, … Ich bin jedenfalls gespannt. Oper-Darmstadt-Style