Ohne Worte – die Kulturpolitik der Piraten-Partei

Manche Leute lesen eindeutig zu oft die Wochenzeitschrift „Spiegel“! Kein Wunder, dass es soviel Rumor um die Faschismus-Vorwürfe gegen Christian Krachts neuen Roman gab, Mitte März mancher alt-humanistisch gebildete Bildungsbürger angesichts der Vorabveröffentlichungen des „Kulturinfarkts“ einen richtigen Herzinfarkt erlitt. Und nun die von mir den Berliner Piraten unterstellte Lektüre! Bei ihren Recherchen nach zeitgeistigen Kulturthemen stolperten sie im Spiegel-Archiv nicht nur über das Infarktquartett, sondern entdeckten wohl Pierre Boulez‘ Interview-Forderung aus dem Jahre 1967: „Die teuerste Lösung wäre, die Opernhäuser in die Luft zu sprengen. Aber glauben Sie nicht auch, daß dies die eleganteste wäre?“ Eleganz ist allerdings heute etwas so altmodisches, wie der heute o.g. herzflimmernde Bildungsbürger, gegen dessen eingefahrene Ideale Ende der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts sich Boulez‘ Bonmot mitunter gerichtet haben mag. Mögen wenige der Berliner Piraten im Abgeordnetenhaus durchaus propere Anzüge tragen, sind sie allesamt weit von Papa Pierres Noblesse entfernt. So zählten sie „Kulturinfarkt“ und „Opernsprengung“ zusammen, strichen die „Eleganz“, liessen controller-deutsch „Schliessung“ übrig, untermauert mit sozialen Hilfsmassnahmen fürs Berliner Kulturprekariat, so dass nicht der Spiegel, sondern vorerst nur die Berliner Presse davon zu berichten wusste: Die „Deutsche Oper“ sollte geschlossen werden, um neue Kulturfonds zu gründen, Projekte der freien Szene zu fördern sowie statt leibhaftige Aufführungen die Digitalisierung von Kunstwerken zu ermöglichen.

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Dass dahinter v.a. PR stecken dürfte, um im Vorfeld der eben erfolgten Saarland-Wahl auch als Berliner Piraten im Gedächtnis zu bleiben, sei ihnen geschenkt. Dennoch zeigt sich darin wenn schon keine Eleganz, dann wenigstens ihre „Methode“, um nach Grandseigneur Boulez jetzt mal den seligen König von Kürten und Sirius Karlheinz zu bemühen: Forderungen nach gewaltigen Umwälzungen wie der Luftauflösung eines Opernbetriebs werden garniert mit erstmal sinnvoll klingenden Forderungen nach „freier Kunstzugang für Alle“. Denkt man allerdings daran, wie lebenspraktisch öffentliche Staatsbibliotheken, wie z.B. die Bayerische Stabi, Teile ihrer Schätze digital zur Verfügung stellen, was eben erst begonnen hat, wenn man dagegen ihre Bestandszeit und Bestandsgröße aufrechnet, macht sich schnell eine Milchmädchenrechnung auf. Kolportiert man bösartig, dass sich v.a. der oberste Kulturverantwortliche Klaus Wowereit und sein Staatsopernintendant Jürgen Flimm über neue Kulturfonds freuen dürften und Kreuzberger Theater so mit einem blauen Auge nochmals einer Opferung auf dem Nono-Altar entkommen sein dürften, lässt sich noch eine ganz andere Sichtweise auf die Problematik „Schliessung eines Opernhauses“, die zudem die Berliner Kulturbürokratie kategorisch ausschliesst, einnehmen: 39 Millionen Euro sind eine Menge Geld, wenn man an die notorische Unterfinanzierung von Freie-Szene-Projekten denkt. So verspräche der Piratenweg erstmal mehr als schnelle Linderung – es würden gleichsam paradiesische Zustände ausbrechen.

Doch halt, würde unser nun schon bald begrabener humanistischer Bildungsbürger rufen, könnte er dem kulturpolitischen Sprecher C. Lauer der berlinischen Piratenfraktion als Komtur erscheinen, was nach der Opernhausschliessung noch seltener geträumt werden würde, es sein denn nach dem Betrachten einer filegesharten Filmdatei von Milos Formans „Amadeus“ mitsamt der ungeprüften Einbildung, der unterstellte Mord Salieris an Mozart sei wahr. Doch halt, kennt ihr nicht das Magen-Gleichnis in Livius‘ „ab urbe condita“, das Agrippa den wegen ihrer politischen Benachteiligung durch die Senatoren auf den Aventin ausgezogenen Plebejern erzählte? Auf Freie Szene vs. Deutsche Oper übertragen: Das Opernhaus ist der geldverschlingende Magen, die Freie Szene die Hände, die meist leer sind. Dennoch sollte man niemals vergessen: Wo ein Stadt- oder Staatstheater Publikum anzieht, für Interesse, Diskussionen und gar kulturelle Bildung sorgen mag, kann sich erst in dessen Schatten eine alternative Szene etablieren, die sich bewusst von dem Moloch absetzen kann, dennoch ihr Personal auch mal heimlich im Umkreis des Theaters Geld verdienen lassen kann, ja, die führenden Köpfe der Kreativen zum Teil aus Familien stammen, wo Hochkultur zum guten Ton gehörte. Und so weiter. Schlösse man also ein Theater komplett, verlöre die Kulturszene durchaus ihren wertvollsten Humus: So „beschissen“ man den Magen Opernbetrieb finden mag, so sehr man ihm von allen Seiten Diäten verordnen möchte, auf seinen kompostiertenAusscheidungen wächst erst das so richtig gut, was so eng mit ihm im Clinch liegen mag.

Anbetracht der Wahlerfolge der Piraten-Partei in Berlin und im Saarland, jeweils aus dem Stand dort mit 8,9% und hier mit vorläufigen 7,4% und dem Bewusstsein, dass die Piraten gerade in Bayern ihren grössten und stetig wachsenden Mitgliederstamm hat, wird mir etwas Angst und Bange um meine 2,5 Münchner Opernhäuser. Was nur, wenn das Gärtnerplatztheater zur Dauerbaustelle werden sollte? Oder der neue Konzertsaal, der vielleicht doch bald eine realistische Chance auf der Museumsinsel erhalten könnte, nachdem die Tage der Verwaltungsrat des Deutschen Museums grünes Licht gab: wenn nun mal im Rohbaustadium der Isarkies ins Rollen käme als sei er ein Quentchen Sand der Elbphiharmonie? Dann bräche für die bayerische Kunstszene der Geldsegen aus durch Schliessung der Theater, eines der BR-Orchester? Wohl kaum. So sei ein Blick in das Kulturprogramm des bayerischen Landesverbands der Piraten riskiert, was mir blühen wird, wenn dieser 2013 im Kulturstaat Bayern antreten wird. Momentan wird das Programm noch entwickelt. Also Fehlanzeige? In Berlin findet sich unter Kultur z.B. nur etliches zu Urheberrecht. So gibt es dazu auch in Bayern ein dezidiertes Positionspapier. Es wird zuerst festgestellt, dass das Änderungsbedürfnis des Urheberrechts das Hauptmovens für die Parteigründung darstellte. O je, bekomme ich jetzt einen kulturellen Herzinfarkt, werde ich wie in „Ritter der Kokosnuss“ der Tote in der Höhle ein auslaufendes „Schloss von Aaaaa“ in die Scheibe meines Monitors ein „ppppp“ ritzen? Mir wird gleich der Wind aus den Segeln genommen, heisst es doch: Die Vorstellungen der Piraten greifen „weder die Persönlichkeitsrechte des Urhebers noch seine Rechte auf kommerzielle Verwertung der eigenen Werke an“. Klingt gut! Aber falsch gelesen, da es nur ein Unterpunkt der Forderung nach „Legalisierung des nichtkommerziellen Kopierens und Verbreitens urheber- rechtlich geschützter Werke“ ist. Im weiteren Verlauf werden mir neue Geschäftsmodelle vorgeschlagen. Das Weiterkopieren meiner Werke soll jedermann erlaubt werden, da dies nur meine Einnahmen fördern würde? Denkt man an „Guerilla-PR“ mag dies stimmen, habe ich mich z.T. selbst und frei entschieden einiges auf Youtube zu zeigen – aber eben aus eigenem Entschluss! Der soll mir wohl nun genommen werden. Immerhin könnten sich meine Rechtsnachfolger an einem potentiellen posthumen Erfolg freuen? Doch auch dieser Bodensatz soll genommen werden. Reduzierung der Schutzfristen auf 10 Jahre nach Ableben des Urhebers. Lauschte man während der hier schon einmal zitierten DKV-Bayern-MV, gibt es sogar noch krassere Ideen dazu, kann denen nur Einhalt geboten werden, wenn die Komponistenzunft nicht nur svenregenert. Dann klingt es in Sachen Bildung und Zugang zu mit öffentlichen Mitteln hervorgebrachten Studienergebissen vernünftig – kein Wunder, wenn man all die Informatikstudenten bei den Piraten denkt.

Doch schon wieder halt! „Wird ein Werk durch den Staat – und somit die Gesellschaft – finanziert, so muss diese auch einfachen und kostenfreien Zugang dazu erhalten. Das trifft auch auf amtliche Werke zu, bei denen das Urheberrecht als Vorwand verwendet werden kann, um Transparenz zu verhindern, sowie auf durch öffentliche Gelder geförderte Kunst.“ Das lässt meine Kinnlade runterfallen! So habe ich überhaupt keine Rechte mehr an einem Musiktheater, was an einem öffentlichen Haus, mehr oder minder jeder Form von Theater, selbst die Privaten, die Neue Musik aufführen können, da sie in den meisten Fällen wie auch immer geartete Subventionen erhalten? Die Idee eines kostenfreien Zugangs zu Neuer Musik ist mir ja grundsätzlich nicht unsympathisch. Ein Sprung ins Bundesprogramm: , wo fast schon ästhetische Massstäbe für das aufgestellt werden, was gefördert werden soll: „Wir sehen es als unsere Verantwortung, die Schaffung von Werken, insbesondere im Hinblick auf kulturelle Vielfalt, zu fördern.“ Also muss ein Musiktheater öffentlich zugänglich sein, damit dann später anhand z.B. einer Internetabstimmung entschieden werden kann, ob mein Werk dem Kriterium „kulturelle Vielfalt“ entspricht? Jetzt sind manche Aufführungen tatsächlich mal leerer, mal voller, schreit nicht Neue-Musik-affines Publikum im ersten Falle nach Mittelstreichung. Dennoch kann ich mich durchaus kostengünstig für den Staat immer mal wieder entfalten. So aber nähern wir uns der Zensur! Immerhin möchte dann das Bayernpiratenpapier meinen buy-out lindern. Da merkt man, dass v.a. U-Musikerfreunde mitarbeiteten. Es ist sowieso bemerkenswert, wie die Betrachtung des Urheberrechts durch die Piraten aufgrund des Konsums und Widerstands gegen die Popmusikindustrie entstanden ist. Experimentelle Musik, Neue Musik, Klassik, also Hochkultur, können so einfach geschlossen – siehe Deutsche Oper – , vermeintlich spätem Erfolg enteignet und zuletzt noch zensiert werden. Ist echt super! Und nachdem das Urheberrecht die Atomkraftwerke der Piraten-Partei sind, gegen die sie rennt, aus denen sie ihre Kraft zieht, würde sie im Falle von Regierungsbeteiligungen tatsächlich einiges durchboxen wollen bzw. übernehmen die etablierten Parteien garantiert Versatzstücke für ihre Jugendarbeit daraus.

Denkt man nun an die Nonchalance Wowis und Flimms, an die Abmahnforderungen und dem Verfolgungswahn der Plattenindustrie als Gegner auf der anderen Seite, an das Gewese der User aus Angst um ACTA, sieht man die Mitgliederzuwächse, werden wir uns wohl noch auf manchen rauen Wind einstellen müssen. Spannend an jener DKV-BAYERN-MV war zudem, dass die Piraten bisher auf Anfragen nach Stellungnahmen von Mitgliedern des DKV nichts antwortete, was evtl. auch nur an ihrer chaotischen Entscheidungsstruktur liegen kann, in der sowas kleines wie Komponisten schnell untergehen können. Was würde nun passieren, fände man endlich einen Ausgleich zwischen GEMA und Youtube, würde ACTA wirklich nicht kommen, dafür die Kulturflatrate? Dann hätten die Piraten nichts mehr zu sagen, da uns doch schneller der Strom ausgehen kann bei gerade noch 30 Jahren Aussicht auf das Ende des fossilen Zeitalters und die Rechner schweigen werden, bzw. schneller das Hauptargument als den Grünen-Opis abhanden käme, denen bis heute das Umweltthema als Basis ihrer Daseinsberechtigung unter den Nägeln brennt. Oder sollten sie sich doch mausern? Bis dahin gilt auch für sie nach ihren Sitzungen der „Löwenzahn-Peter-Lustig“-Spruch:„Jetzt aber wirklich abschalten.“ Aber nur bis morgen früh!

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9 Antworten

  1. Schöner Artikel einstweilen, Alexander,

    Ich fordere alle Komponistenkollegen und Musiker, auch Veranstalter etc. auf, mal gelegentlich über die Piratenpartei zu googeln, sich zu informieren; und zwar nicht nur über deren angeblich tollen „Ideale“ wie z.B. „Informationsfreiheit für alle“, die „Erlösung von (angeblicher) staatlicher Überwachung aller Internetuser (das nur wegen Urheberrechtsverletzungen?). Sowie NICHT NUR sich zu informieren über deren tw. ja so „gerecht“ und die Urheber ja „nicht gefährdenden“ Positionspapiere, Lippenbekenntnisse etc.

    Sondern man sollte auch zuweilen mal recherchieren, mit wem sie alles zusammen arbeiten, von wem sie gesponsert, motiviert werden, mit wem sie verlinkt sind etc. pepe. …

    Dort entdeckt man – tw. zumindest – deren wahres Gesicht, gewissermaßen sieht man hinter ihre „AUGENKLAPPEN“ (und entdeckt so manche bleischwere Zimmermannsbalken in Piratenaugen…) zumindest von so einigen (ich möchte noch nicht sagen: von allen, das wäre ungerecht… es wähl(ten) und sympatisierten ja viele mit den Piraten, vor allem die 18-24 Jährigen, die gewissermaßen unschuldig, naiv und unbefleckt sind (Schwamm drüber erstmal), die halt auch in dem Alter und bei dem Portemonaie gewissermaßen (aus ihrer Sicht) „geil“ auf kostenlosen Konsum sind (obwohl man ja für Kartoffelchips und Alkopops auf Partys auch bezahlen muss und auch brav bezahlt…) aber: …seht und informiert Euch selbst über die „Piraten“.

    Schönen Tag Euch allen,
    Erik

  2. Hier scheint es ja schön ruhig zu sein bzgl. Alexanders Artikel bzgl. Kulturpolitik der Piratenpartei.

    Desinteresse?
    Oder nimmt die keiner ernst?! (wie viele andere der etablierten Parteien nach dem Motto „die kommen eh nicht durch… oder „scheitern“ am „Realitätsschock“ (wie im Spiegel ja zu lesen):
    Das könnte sich für uns Komponisten/Künstler bitter rächen!

    Lest das z.B: mal. Das „Argumentationspatier“ der Piraten zur sog. „Reform“ (respektive Aufweichung des Urheberrechts), welches auf dem Bundesparteitag beschlossen wurde für das Partei-/Wahlprogramm für die Wahlen 2013 und wie hahnebüchen darin arguemtiert wird.

    Derjenige, DER das hauptsächlich entwickelte, der Autor, kommt hier aus der Gegend. Er spielt als Hobby auch (seit seinem 5. Lebensjahr) ein wenig Gitarre, – zugegeben…
    Kann man alles über ihn nach googeln. Vielleicht lesen das ja einige und verbreiten es bzw. machen sich ihre kritischen Gedanken dazu, was das in Konsequenz für uns bedeuten kann aber auch für die gesamte Kultur (außer Internet- und Daddel-Kultur)…

  3. …demnächst eine „Piratin“, die besser argumentiert, als alle hier versammelten Kulturschützer. Bei http://www.nmzmedia.de
    …sorry…

  4. Alexander Strauch sagt:

    @ all : Erik, habe Deinen Link aus nichtlesbaren Posting am jüngeren Kommentar angefügt! Nur einen Link ohne einen Satz, ein Wort zu verlinken, macht das System nicht mit bzw. bleibt der Link dann unsichtbar.

    Was weiter passiert, wird man sehen. Ein wenig bin ich auf die Weiterentwicklung seitens dieser neuen Partei schon auch gespannt. Nur wie sie v.a. das Urheberrecht angehen, kann ich mich erstmal nicht darüber entspannt zurücklehnen! Wie ich mich aber als „E-Musiker“, als Komponist noch sog. Neuer Musik generell zu positionieren habe, das sehe ich weder in die eine noch in die andere Richtung als ausgemacht. Das Gespräch ist in alle Richtungen zu suchen.

    Verfolgte man die letzte „Korb-Debatte“ zur Kulturpolitik, die Anfrage der SPD zur „Nicht-Förderung“ von „House, Elektronik und Minimalmusik“ – wie sie sagt – , die darin mit enthaltenen Fragen zu Netzwerk Neue Musik und Sounding-D, die kritische Einstellung zur „Klassikförderung“, das fehlen des Wortes „Neue Musik“, ausser irgendwo zw. den Zeilen von „Klassik“, „Minimalmusik“ und „Elektronik“ bzw. „E-Musik“, kann einem nur ein schales Gefühl zurückbleiben.

    Bin ich überhaupt davon betroffen? Bin ich überhaupt E-Musiker in diesem Sinne? Oder andersrum: Wie die SPD so zieht die Piratenpartei die Kritik am jetzigen Musik-Fördersystem und Urheberrecht von Seiten der klassischen U-Musik auf, von Seiten des Jazzes, all der weniger bis ein wenig doch experimentellen Elektromusiken auf. Und wird mit ihren Argumenten auch wieder aus ihrer eigenen Sicht gar nicht so falsch liegen: Warum soll ein ganze Nutzergeneration durchkriminalisiert werden? Warum sollen sie sich überhaupt mehrheitsmäßig im Unrecht sehen? Ich würde dies auch nicht auf mir sitzen lassen wollen. Und de facto haben sie schon obsiegt! Denn nicht wir rechtlich Betroffenen haben das verwertertechnische Knowhow geschaffen oder befördert, mit dem ihnen zu begegnen wäre, nein – sie hoppeln uns immer ein Sätzlein voraus. Da mögen dann unsere Ausfälle und Polemiken kurzfristig Linderung verschaffen, aber verändern ausser beobachten tun sie auch nichts.

    So bleibt uns entweder der Rückzug auf schroff durchzusetzende Rechtspositionen. Und z.T. können wir auch nicht anders, ohne das Ganze grds. zu hinterfragen, nicht nur den anderen unredliches Verhalten vorzuwerfen, uns zu durchleuchten…

    Um es auf den Punkt zu bringen: Ich denke, man muss auf Dauer doch mit den Piraten das Gespräch suchen oder gar nicht nur mit ihnen. Man dringt ja kaum noch zu den klassischen Kulturpolitikern überhaupt durch! Das Urheberrecht im Netz MUSS endlich nach beiden Seiten vertretbar geregelt werden. Es muss aber so geregelt sein, dass es weder für die einen einen Generalpardon gibt, noch die Anderen zu übermäßigen privatrechtlichen Übergriffen in Grundrechte ermächtigt werden. Es gilt dann aber erstmal nur das Netz zu regeln. Eine Kulturflatrate wird letztlich immer nur die Schwäche einer Geräteabgabe haben, so hoch diese auch immer sein mag. Für „echte“ Konzerte, Vorführungen, Sendungen taugt das jetzige System grundsätzlich schon. Nur muss es wohl verteiltechnisch gerechter werden. Das bedeutet aber nicht, mehr für den, der mehr hat und macht! Nein, das bedeutet den sozialen Charakter der Urheberrechtsgesellschaften zu stärken, die Autoren als solche weit und breit zu stärken, da aber auch klar nach Betroffenheiten zu verfahren. Denn ehrlich und ein wenig übertrieben unsolidarisch gesagt: Ich als Neuer Musik- Mensch fühle mich auf meine Kontoauszüge schauend, hauptsächlich im Grossen Recht unterwegs, irgendwie von dem ganzen Bohei nicht komplett angegriffen. Ich komme in all den Papieren als Sparte nicht einmal mehr vor (schlimm genug, aber eigentlich will man mir wohl gar nicht mal wehtun seitens der Piraten, eher seitens des Antrags der SPD zur Kulturförderung des Bundes…). Ich suche sowieso immer spartenübergreifende Wege, sehe eine ausgewogene Freie-Szene-Förderung grds. als wichtiger an als die reine Klassikfrage, auch wenn diese mitunter mein Herkunftselixier ist und als Betätigungsfeld extrem wichtig sein kann. Nur wenn U wie klassisch E mich gar nicht wahrnehmen, die Werbemusik sowieso am Allerwertesten vorbei geht, die Filmmusik nichts als Wagnerei für mich darstellt, was soll ich mich betroffen fühlen?! Da sind doch neue Wege in alle Richtungen durchaus denk- und vertretbar, ja besonders wenn sie eben sozial gedacht sind. Dann fühle ich mich auch wieder solidarisch angesprochen und habe einen Respekt selbst für die Werbe-Fuzzies. Nur solange die sowieso ausscheren, den ganzen Betrieb GEMA in eine Raffmühle endgültig überführen wollen, was soll ich mit denen im selben Boot sitzen?! Das muss man sich manchmal dann auch wieder fragen.

    Aber solange Piraten wie SPD keine Kulturpolitik betreiben, die mich und meine Neue Musik berücksichtigt, so unwichtig sie ihnen auch erscheinen mag, sie samt Klassik zu verdammen ist, solange gilt es auf diese Unwissenden einzudreschen, ihnen das Brucknersche, ja Pattersonsche, ja Stockhausensche Gesamtwerk in schweren Lederausgaben um den Kopf zu schlagen, ihnen auf die Füsse zu treten, über sie zu lachen wie der Polizistensohn aus den Simpsons: „Ha, ha“! Was soll ich mich über deren Unbildung aufregen? Mir sind sie eigentlich, aus tiefster Seele gesprochen, einfach nur borniert und verblödet. Sie kennen halt nur ihre Blockflöte und Gitarrensaiten – dann soll es dabei eben bleiben. Das war schon zu meinen Schulzeiten so, so ist es heute eben immer noch. Was ich an denen borniert finde, findet nun jeder Leser dieser Zeilen von denen an mir arrogant. Wohl auch zurecht…

    Dennoch wird es mir nicht erspart bleiben, mit Engelsgeduld ihnen meine Daseinsberechtigung vor Augen zu führen, mich zu bändigen, wie ich es auch vom Gegenüber erwarte. So gilt es, sich gegenseitig zu zuhören: Ich den Komponisten der anderen Sparten, diese aber auch mir. Und wir den Nutzern und Politikern und v.a. die letzteren auch uns. Oder sollte man einfach mal eine Autorenpartei gründen? Jene Künstlerpartei P.A.R.T.E.I. gäbe es ja bereits…

  5. @ all : Erik, habe Deinen Link aus nichtlesbaren Posting am jüngeren Kommentar angefügt! Nur einen Link ohne einen Satz, ein Wort zu verlinken, macht das System nicht mit bzw. bleibt der Link dann unsichtbar.

    Danke für die Hilfe, lieber Alexander. Siehst Du? – ich bin nicht gerade Internet- bzw. Bedienungs-fit. Da sieht man´s wieder ( ;-) ). Naja, das passt ja mal wieder. Und da wagt ein altmodischer „Janson“ auch noch, trotzdem was gegen die Piraten zu sagen, die doch so schick, trendy und und so Internet-souverän sind.

    Ja, Alexander, ich gebe ja zu: ich bin gestern Nacht bis nach drei Uhr auf deren Seiten gewesen und habe in deren Programmen und Foren gestöbert. Du bleibst da vielleicht gelassener und pfeifst Dir ein: warten wir´s ab, vielleicht sind die ja doch nicht so schlimm…Ja, ich gebe zu, ich HABE mich ziemlich über die Piraten geärgert, und DAS bei meinem tendentiell zu hohen Blutdruck seit meinem Herzmuskel-Kasper. Aber, lassen wir das: das Leben geht weiter (auch mit „Piraten“).

    @Piraten/Gespräch suchen? Lieber Alexander: Du meinst ein ernsthafter In-Augenhöhe-Dialog zwischen den neuen Medien-Superstars und den neuen Transparenz-Weltmeistern und uns doch eher NICHT Pop- bzw. eher weniger Computerkünstlern, den (für die zumindest) „Neue Musik“- ja selbst (WENN) „Crossover“- Käuzen“ oder „Genzgänger“- „zwischen den Stühlen-lavier-Käuzen? [Was IST überhaupt „Neue Musik“, Alta eeeh…! Du kannst doch eh nicht davon leben, also, warum gibst Du nicht gleich alles umsonst und freust Dich über ein paar „like“-Klicks und auf ein paar Sekunden „rein ziehen“… dann weiter klick.. is ja echt „krass“, Alter, so schräg, klingt behindaart, eh….]
    Ob das wohl funktionieren kann?

    Alexander, das KLINGT zunächst gut. Aber ich habe in deren Foren gelesen. Da gibt es ein paar Leute, eine Hand voll (meist auch U-Leute, Neue Musik-Leute, bzw. „Klassik“-Freaks hab ich da nicht gesehen), die dezent versuchen, ganz vorsichtig was Kritischeres bzw. Hinterfragenderes zu den einseitigen Anti-Urheberrechts-Pamphleten der Chef-Demagogen zu sagen und darauf hin zu weisen, dass Berufsmusiker ja auch von was leben müssen/wollen, wenn Vergütungen wegfallen. Aber die werden meist direkt von den Chefdemagogen oder halt dem Kostenlos-Konsum-Liberalistenflügel der Partei (schöne Wortschöpfung oder? – wenn man da überhaupt schon von Flügeln sprechen kann, von Richtungen oder von was das einordbar, greifbar wäre…) in den Foren „platt gemacht“, zurück gepfiffen oder nicht ernst genommen, indem dann Antworten kommen wie „du redest Unsinn“ etc. Eine gewisse „Parteidisziplin“ und das Ersticken in eigener Kostenlos-Kultur-Konsumideologie wird die Piratenpartei schnell einholen. Ja ich denke, es HAT sie schon eingeholt: Back to virtualized reality.

    Und die haben ja das o.g. Papier (siehe mein Link oben, was jeder ja mal nachlesen kann)zur Urheberrechts-„Reform“ (wie sie es euphemistisch nennen, was sie vor haben!), mit welcher de facto den Komponisten bzw. allen Urhebern „ins Gesicht gespuckt“ werden soll (siehe die Regener-Wut-Rede die bei Fb. – zu Recht! – kursierte aus dem BR-Interview)schon BESCHLOSSEN.

    Da ist klar die Rede von Abschaffung von Vergütungen, es kommt offen das an Stalinismus erinnernde Wort „Enteignung“ vor sowie das Wörtchen „leider“ im Kontext damit, dass dann der Staat ja als Ausgleich für die wegfallenden Tantiemen für die Enteigneten aufkommen müsse… Also, das WERTENDE Adjektiv (für noch-Sprachsensible) was den ganzen Liberalismus und die Sozialstaatsfeindlichkeit vieler Piraten (zumindest der gemeinsamen Verfasser/Entwerfer des Urheberrechtsreformvorschlages) implizit erahnen lässt…).

    Aber auf der anderen Seite dann von bedingungslosem Grundeinkommen für ALLE schwafeln [was aber auch m.E. niemals motivierend wäre, für keinen, weder in der ges. Arbeitswelt noch erst recht für Künstler, Musiker, Komponisten: einerseits für das Geschaffene nicht entlohnt werden und (zumindest symbolisch) Anerkennung erhalten, und dann bekommt jeder gleich viel Grundeinkommen zu geschmissen, ob er sich bemüht/viel schafft bzw. Qualität schafft oder nicht. Das lähmt jede Kultur. Das tötet Qualität und Motivation, behaupte ich.

    Noch ein Widerspruch der Piraten, der mir auffiel (zwischen dem Papier und dem was die sonst argumentieren):
    Argumentation dafür, dass die Reform des Urheberrechts angeblich ein Segen sei: die Urheber würden dadurch angeblich vor der Abzocke der Verlage, Labels, der bösen Musikindustrie (und was ist mit den gr. Providern!…?) mehr geschützt.

    Aber dann steht im Papier (s.o., Link) zur Urheberrechtsreform der Piratenpartei, dass die Vergütungsansprüche der Urheber gegenüber den VERLAGEN abgeschafft werden sollten. Die wären unnötig – fertig, aus die Maus.

    Also, wenn DAS kein einseitiger Lobbyismus für die Musik-Vertriebsindustrie und GEGEN die eigentl. Urheber gerichtet ist, dann weiß ich es nicht.

    Du kannst es ja mal versuchen, Alexander mit solchen Hardlinern zu diskutieren (gut, die noch Skeptischen unter ihnen kann man bestimmt zum Nachdenken über die Konsequenzen des Geforderten animieren). Vielleicht erreicht man ja doch noch was? Bzw. SOLLEN wir es versuchen? Wer macht mit? Ein „querdenker“ ein getarnter „Konsum-Gleichstrom“ ein „Geiz-ist-Geil-Eggy“ und ein „Kulturpessimist“ (der wär ich ;-), getarnt in den Piraten-Blogs? Naa? Wär das was? Was ist mit Theo? Macht der vielleicht auch mit? Oder Kreiler? Klaro, aber der macht ja nicht, wenn Janson mit macht. Oder was ist mit Grütter? Was mit Goljadkin? Oder Alexis? Ja, lasst uns alle in die Piratenpartei eintreten und die „grillen“…

    Piraten unterwandern, bekehren oder lieber von außen aufklären, verhindern, dass die noch mehr (unkritischen) Zulauf bekommen? Das scheint mir beides ein gangbarer Weg aber auch beides Sysiphos-arbeit, jedenfalls kein Osterspaziergang zu sein.

    Hm – da DÜRFEN/KÖNNEN ja „alle Mitmachen“. Alles ist seeehr „demokratisch“ und TOTAL transparent bei denen…wie man immer wieder in der Presse liest und im Fernsehen sieht, nicht wahr? Jeder, auch wenn er nicht Mitglied ist, kann ja da angebl. mit diskutieren und wird genauso ernst genommen wie die Koordinatoren, die Moderatoren etc. der Kommunikation[genauso wie hier im Badblog … schmunzel]. Aber ich fürchte, die sind im Innern hierarchischer aufgestellt und Lobby-gesteuerter als wir alle denken und hierarchischer als viele erahnen, die heute noch auf die herein fallen, die sich als junge Leute(Hauptwähler zwischen 18 und 25) dort jetzt noch „geborgen“ fühlen oder gar im DSDS-Style eine plötzliche Politkarriere erhoffen…: Endlich wieder ein virtuelles WIR-Gefühl, endlich mal aus dem Privaten/Belanglosen Facebook-Blümchenfoto- und Youtube-Video-Austauschen wieder ins „Politische“ kommen, ins Fernsehen sogar! – und sich zu Aktionismen und unreflektierten Anti-Acta-Demos auf die Straße (hey, ins richtige Leben, an die frische Luft) hetzen lassen… Is ja „cool“: Wir bekommen zwar hier im müden Deutschland keine arabische Facebook-„Revolution“ hin, auch kein Occupy Walstreet auf Dauer (ja, das können die Amerikaner überraschenderweise besser, Hut ab!), weil wir hier zu Konsum-satt und Eintagsfliegen-geeicht sind und es uns zu gut geht und weil wir hier in D. und Mitteleuropa ja keine Diktatur haben wie im bösen Russland z.B. unter dem bösen Putin etc. Aber dann erschaffen wir uns eben einen Popanz, eine „Aufreger“, eine Diktatur (das böse Acta-Abkommen, die bösen Verwertungs-Monopolgesellschaften, die „gierigen“ Geschäftsmodeller-Urheber, die sich nun ENDLICH bescheideneren „Geschäftsmodellen“ (nach Regeln der Providerkonzerte) fügen sollen, nicht wahr? – gegen das wir mobil machen können, damit was los ist und Anne Will und Co. (die uns nun auch hypen) auch morgen noch strahlen …

    Viel Spaß gegen diese Vorurteile und ignoranten Blödmaschinerie-Tendenzen(oder haben nur WIR Vorurteile gegen die?) anzurennen, Alexander. Was nicht heißt, dass ich einen Versuch gering schätzen würde. Ja, fast bleibt paradoxerweise nichts anderes gerade in dieser Lage. Einen Versuch wäre es wert. Aber ich bin dennoch skeptisch, ob das mehr Verständnis für unsere Lage und Solidarität bringt. Da müssen wohl (und die WERDEN überall an Regierungen kommen bald) dann auch die sog. etablierten, erfahreneren Parteien, die bisher noch einigermaßen wenigstens zum Schutz der Kreativschaffenden-Minderheiten/bzw.-Sparten standen bzw. die die GEMA und das Urheberrecht wenigstens nicht gleich „zerlegen“ woll(t)en, die Piraten zurück pfeifen, zur Mäßigung erziehen müssen bzw. man kann nur darauf hoffen, dass denen der Sparten-Schutz und der Schutz der NICHT-Massenkunst- und -kultur sozusagen noch wenigstens einen kleinen Pfifferling wert bleibt.

    Mal ehrlich: Wir unterschreiben alle Zustimmungen FÜR den Erhalt von Sinfonieorchestern und einen nachhaltigen, auch exotische Sparten wieder mehr schützenden Rundfunk GUT SO! Wir schreien alle entrüstet und fast hilflos auf gegen die „etablierten“ Parteien, denen immer weniger an Kultur/Hochkultur, echter Bildung liegt etc. Lachenmann macht mit und mehr und mehr Etablierte – bisher Gesicherte – erkennen nun auch den Ernst der Lage und tun – mehr und mehr – was! Gut so!

    Aber das hat sich dennoch bald erledigt, befürchte ich, wenn die Piraten überall in den Parlamenten an die Macht kommen oder (wenn sie schon mal dran sind) nicht ein wenig zur Vernunft zu bringen sind, Kompromisse eingehen etc. (für mich die neue „orangene Gefahr“ (eben nicht die orangene Demokratie-„Revolution“, wie sie gerne tun – Beleidingung für die orangene Revolution in der Ukraine und (aber kein Wunder): Motto-Klau).

    Allen eine gute Nacht,
    Erik

  6. Alexander Strauch sagt:

    Lieber Erik! Ich fürchte mich schon auch vor den Piraten und kann deren Künstlerenteignungsgedanken nur verdammen. Ich frage mich allerdings, ob der Kampf nicht eher mit den Etablierten zu führen sein wird, wenn sie deren kunstpolitisches Gedankengut wie auch immer nur ein wenig oder ganz übernehmen werden, wenn sie gar mal koalieren sollten. Das wird schneller der Fall sein, als man denkt. Ich sage Dir ganz ehrlich: ich werde nicht in deren Blogs eintauchen. Ich warte tatsächlich lieber zuerst auf sich herauskristallisierende neue Politiker. Die werden kommen und die werden wieder gehen, da werden einige über die eigenen Netzdrähte fallen, etc. Und allen Findungsstrukturen der Piraten zum Trotz, werden sie genauso parlamentskompatibel sein müssen, wie die Anderen. Man sieht ja auch am Deutsche-Oper-Aufhänger, der letztlich vom kulturpolit. Sprecher kommuniziert worden ist, wie dieser Antrag auch immer zustande gekommen sein mag. Das wird erst relevant, wenn solche Meinungsbildung generell in den Antragsprozess eingeführt werden sollten. An anderer Stelle verwies ich z.B. schon öfters auf die neue Möglichkeit von EU-Volksbegehren, die ja seit der letzten EU-Reform möglich wären. Da könnte man mal von ganz oben herab Demokratie auch in die immer noch basisdemokratisch-scheue BRD runterbrechen, nicht nur „mehr Demokratie“ von unten herauf. Dies nur mal nebenbei.

    Ich stimme Dir auch zu, dass z.B. Regeners Aufregung erstmal was Gutes war, da sich ein Urheber direkt äusserte. Das Problem dabei, wie bei Acta-Aufklärung, wie in vielen weiteren Fällen: Polemik der Künstler wird nicht zu ihrer Rettung beitragen, es sei denn, man bewegt höhere Stellen damit, die uns schützen. Diese höheren Stellen, Parlamente genannt, werden aber durch vox populi und nicht Svenregenerei beherrscht, zumal, wenn durchaus anscheinend z.B. aus Piraten-Sicht fundierte Kritik oder auch nur simple Kritik jenseits von Polemik an ihm geübt werden kann – ein Ergebnis meiner Surferei dazu!

    Ja, wir Künstler gesamt müssen schon sehr aufpassen, nicht weggeschwemmt zu werden im Fangenspiel von Meinung und Wählerstimmen! Wir sollten auch solidarisch untereinander sein. Nur frage ich mich verstärkt, wofür wirklich?! Soll ich die Pfründe anderer Sparten wie U, Film und Werbung verteidigen, wenn diese in Teilen darauf warten, dass sich E in Luft auflöst, allein schon wegen unser notorischen MV-Ferne? Dass somit unser immer mager werdendes Geld zu dem ihrigen werde? Soll ich also v.a. Angriffe auf diese abwehren, die mich zwar als GEMA-Mitglied meinen, aber eigentlich an Bohlen und Co. gerichtet ist, gegen die „Konzerne“ wie BMG, Sony und Co? Welchen Bärendienst soll ich ihnen erweisen, wenn dafür eigentlich für mich sowieso nichts übrig bleibt? Soll ich wertschätzen, was mich hinter vorgehaltener Hand nicht wert schätzt?! Bin ich als Ausserordentlicher, der gerne mit den Ordentlichen gemeinsam tagen will, das aber nur als Delegierter mit jetzt schon immerhin vielmehr KollegInnen als bisher, aber nicht Delegierter bin und eigentlich auch nicht sein will, dann nicht schon eine Art Pirat, wenn ich gleiches Stimmrecht für Alle einfordere?

    Dann hätte ich wirklichen Grund dazu… Aber ich bin eben nur Ausserordentlich, nur „E“: freue mich also über meine Tantiemen, bin aber nicht wirklich von ihnen abhängig. Aufgrund dessen aber auch von weiteren Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Dann bin ich nicht mal wirklich Zielscheibe der Piraten, da nicht downloadbar, komme als Sparte nur als aufgeblasener Opern-PR-Gag vor… Ich sehe da eher die Gefahren in der Kulturförderung, wenn diese nach Abstimmungsmechanismen der Piraten geschehen sollte, wenn da plötzlich Scherbengerichte ganz anderer Art als bisherige Juries tagen sollten! Aber die konkrete Betroffenheit in GEMA-Fragen, eher gefühlt als wirklich gemeint, im GEMA-Gesamtpaket, aber nicht wirklich so direkt, jetzt mal auf das Gesamtprogramm hochgebrochen.

    Ja, man muss sich gegen Orchester- und Opernschliessungen gerne zu Wehr setzen, das tue ich aus reiner Sympathie. Aber auch da ist die Betroffenheit meinerseits persönlich unterschiedlich zu werten. Nur ist da meine Sympathie tatsächlich höher als wie mit den derzeit nach meinen Mini-Einnahmen schielenden U- und Werbekollegen. Und denen ist manchmal die Hochkultur doch auch egal? Oder doch nicht? Letzthin sah ich sogar Filmkollegen im Ring, in den ersten Reihen. Also doch grössere Solidarität als man glaubt? Das wäre mir tatsächlich lieb, wenn es um den Erhalt von Neuer Musik geht. Und nun kommt das Unglaubliche: schaut man in die Versammlungen der Berufsstandsvertretungen, findet man wirklich eher Unterstützung beim Film aus den eigenen KollegInnen, die eben allzu gerne mit Fernbleiben glänzen. So letzthin: man stelle sich einen Sitzungssaal mit ca. 30 Plätzen vor. Allmählich voll besetzt, findet man dennoch nur vier waschechte E-Musik, Neue Musik Komponisten vor und 3 Zwitter zwischen Film und E!!

    Also warum überhaupt Solidarität, dann noch mit Unbetroffenen, wie unseren wohlfeilen E-Kollegen, die sich zwar nicht so sehr am GEMA-Kuchen bedienen können, aber auch nur dann Verantwortung übernehmen, wenn sie Aufführungen erwarten können, dann sogar unredlich mit ihrer Genialität auftrumpfen? Aber warum soll ich selbst da unsere „Besten“, unsere Rihms und Co.s verteidigen, wenn sie so zielgerecht entscheiden, wer von ihren Näpflein profitiert, wer nicht? Soll ich so den Anderen Bärendienste erweisen, wofür sie nie Zeit und Chuzpe ausser stammtischartig aufwenden?

    Oder noch anders: Solidarität ja gerne, aber nur dann, wenn die sozialen Mechanismen weiterhin stimmen werden. Ansonsten kann man sich als Neue Musik-Mensch doch nur ins Fäustchen lachen, wie der Rest zu bröckeln anfängt, wie sie selbst an meinen Näpflein plötzlich saugen wollen in ihrem Absturz. Solidarität soll und darf nicht nur käuflich sein. Man muss mir aber meine Betroffenheit, eine echte Existenzbedrohung im Bereich der Neuen Musik erst aufzeigen. Im übertragenen Sinne wird man da schnell ankommen, siehe eben jene Gefahren der Kulturförderung. Aber ehrlich gesagt – die müssen wir uns schon auch immer wieder neu verdienen, besonders künstlerisch. Genauer gesagt: wenn ich eine Relevanz für Band oder Orchester in meiner Kunst finde, dann kann ich Beides auch verteidigen, was auch durchaus ein Grund der Solidarität ist. Genauso aber treffe ich gerade in jenen Randlagen Leute an, die aus ganz anderen Gründen für Urheberrechtsreformen wären… Ich: v.a. aus sozialen Gründen, da ich die GEMA grds. für einen Fortschritt halte. Aber aus rein öknomistischen Cabrio-Finanzierungsgründen, schwierig – mag es auch mein Drahteselcabrio durchaus finanzieren…

  7. Alexander Strauch sagt:

    @ geissler – wo bleibt das piratInnen-statement…? warte schon darauf, wie gesagt – ich setze mehr auf köpfe als nur papiere – da werden die piraten sich so oder so sowieso hinentwickeln, wie eben die grünen, die um führung immer noch ringen…

  8. Das Problem dabei, wie bei Acta-Aufklärung, wie in vielen weiteren Fällen: Polemik der Künstler wird nicht zu ihrer Rettung beitragen, es sei denn, man bewegt höhere Stellen damit, die uns schützen. Diese höheren Stellen, Parlamente genannt, werden aber durch vox populi und nicht Svenregenerei beherrscht,

    Alexander, da bin ich nur teilweise Deiner Ansicht.
    Ich glaube schon, dass auch bei vielen reinen Musiknutzern, bei den -Rezipienten/Konsumenten resp. also bei „Vox populi“ es gut und authentisch ankommt, wenn sie mal merken, wie aufgeregt und tw. genervt auch mittlerweile viele Künstler sind angesichts der Urheberrechts-Infragestell-Dauerdebatte und wie entwertet sich viele dabei fühlen und wieviele (berechtigte!) Existenzängste bzw. -bedrohungen für immer mehr von uns dahinter stecken und auf dem Spiel stehen.

    Das „Volk“ (was WIR auch sind!) ist nicht blöd. Noch schätzen – trotz Verdummungskulturen, trotz angeblicher (aus sicht der Liberalisten/Kulturbarbaren) „unverhälnismäßiger“ oder „unökonomischer“ Subventionen von Theatern, Orchestern etc. (aber die Banken, die „Märkte“ kann man grenzenlos „subventionieren, das ist ja was anderes]. Und noch gehen trotz Dauer-Internet-Bespaßung viele immer noch Konzerte, nehmen zumindest (noch) wahr, das was wir machen (ich meine auch auf E- und U- insgesamt bezogen), jedenfalls mehr Leute als wir denken, auch dann wenn nicht immer viele hin gehen. Das ist in unserer Kultur der Wahl, der vielen Möglichkeiten ganz normal. Warum sind wir so resignativ und so pessimistisch nach dem Motto: Das „Volk“ können wir nicht mehr überzeugen, das sei z.B. schon zu eingelullt, zu verblödet oder zu Konsumkultur-manipuliert? Das glaube ich nicht.

    In dem, was jetzt passiert liegt doch auch eine CHANCE wieder mehr als Künstler und in unserem Selbstverständnis
    in der Gesellschaft WAHRGENOMMEN zu werden. Regener hat das versucht, Hut ab! Denn – andernfalls – wozu komponierten wir ansonsten noch?

    Angst und leidenschaftliches Argumentieren allein hat zwar noch nie ein Problem gelöst letztendlich, das ist richtig, Alexander! Aber gerade am ANFANG brauchen doch alle auch mal ein deutliches Signal, dass es für uns Künstler und die die davon leben wollen, ein Todesstoß wäre, was da geplant wird bzw. debattiert wird (und wenn man sich nicht zu Wort meldet und zu „Vox poluli“ durch dringt, dann kann alles schneller beschlossene Sache sein als wir alle denken). Und die Sozialprogramme, die man als Ersatz Alibi-mäßig (aber nur als Placebo) auf anderer Seite verschlägt, das kommt doch nicht ernsthaft durch: Das wissen die Piraten doch selbst.

    Wo soll denn, bei Dauer-Rettungsschirmen und künftiger gesetzl. Dauer-Schuldenbremse, das Geld z.B. ein bedingungsloses Grundeinkommen her kommen. Jetzt schon nehmen doch die Sozialleistungen immer weiter ab. Das Gegenteil wird doch der Fall sein. Das ist aberwitzig unrealistisch, diese angebliche „Lösung“.

    Man braucht man nur mal Blicke in die Blogs und Twitter und Piratenforen zu werfen, was da für unrealistische Alternativen diskutiert werden unter den Urhebrrechts-Reform und Kulturflat-Befürwortern, wie bedingungsloses Grundeinkommen etc. (die man z.B., würde das von der Linkspartei o.ä. kommen, sofort als „erzkommunistisch“ brandmarken würde). Oder teilweise machen Leute so unrealistische Vorschläge, man müsse ja nur durch Web.-Verbreitung seiner Werke es schaffen einen „Fanclub“ von an die 1000 Leuten um sich zu scharen, die dann ALLES kaufen, alle Konzerte besuchen und regelmäßig 100 Euro einem zahlen. Dann wäre das ein lohnendes „Geschäftsmodell“. Es würden nun andere „Spielregeln“ herrschen etc. … Alexander, bzw. all: lest da doch mal genau, was viele von sich geben.

    Und man schaue sich z.B. mal im Netz die Reaktion des Bundesparteivorsitzenden der Piraten auf Regeners „Wutrede“ im Bayerischen Rundfunk an. Die ist ignoranter, aroganter und polemischerer als vieles, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Zuerst äußert er angeblich Verständnis für Regeners Emotion. Aber dann dreht er auf und bläst zum Halali: Es wird Regener empfohlen, er solle doch eine „Cowboypartei“ gründen bzw. er werde „eingeladen“, gemeinsam mit dem Chaos-Computerclub eine neues Urheberrecht zu erarbeiten (also de facto heißt das: gib lieber gleich auf, verlasse Dein sinkendes Schiff und lauf über, wir nehmen dich eh nicht ernst, ob Du nun polemisch bist oder nicht).

    Was heißt überhaupt „Wutrede“? Da wurde doch von den Medien direkt wieder eine Wertung vorgekommen, um die Sache hoch zu kochen. Da hat mal jemand deutlich seine Meinung gesagt und mal länger als die üblichen erlaubten paar Sekunden am Stück und mit Leidenschaft gesprochen und Zusammenhänge geschildert und sich dabei nicht vom Interviewer unterbrechen lassen (hauptsächlich, weil man ja in unserer Häppchenkultur sonst im Radio und in Talkshows direkt abgewürgt wird und kaum einer dazu kommt, Zusammenhänge zu schildern und Arguementationsketten aufzubauen). Na und? Dann heißt es direkt: er ließ seinen „Emotionen freien Lauf“.

    WER ist denn da polemisch? Von wem kam die WERTUNG? Die Antworten/Reaktionen der Piraten und deren Sympathisanten in Blogs sind tw. z.B. wie folgt: „wenn man sich so aufregen würde und so „geldgeil“ wäre, dann müsse man sich nicht wundern (wörtlich) „in den Arsch gefickt“ zu werden. Also, sowas nenne ich weder polemisch noch sonst was sondern z.B. einfach nur total daneben.

    Wer von DENEN (Piratenpartei et al., Sympathisanten) sagt denn mal was Entscheidendes, Substantielles gegen die abkassierenden Groß-Provider, die Internet-Konzerte oder macht da konkret mal Vorschläge und stimmt (ernsthaft meine ich, nicht nur um uns zu „beruhigen“) uns zu, dass die Provider für die Clicks unverhältnismäßig viel (an Werbeeinnahmen etc.) verdienen und die Kreativen Beträge bekommen (hier ja Beispielhaft von Moritz rein gebloggt) von denen sie niemals leben können (auch bei Berühmtheit, viel Aufmerksamkeit nicht!).

    Stattdessen. Der Piraten-Focus, um die Künstler zu beruhigen und nach außen mit uns „solidarisch“ zu tun (weil sie ja auch bei den Künstlern auf Stimmenfang gehen) richtet sich stattdessen primär gegen a) unsere Verwertungsgesellschaften, die sollten wir von innen her „reformieren“ (also übersetzt: wir sollen erst mal uns selbst zerreiben, inneren Zerfall zelebrieren) und b) gegen die „bösen“ Musikvertreiber, die Musikindustrie, die „bösen“ paar großen Plattenfirmen, die sich noch gehalten haben, die „Dinosaurier“, die wir eh bald mit unserer Downloadkultur platt gemacht haben werden…

    Das ist doch Propaganda und Spaltungs-Taktik pur. Dahinter erkennt man, dass man gar nicht GEMEINSAM mit uns ernsthaft eine Lösung finden möchte sondern uns in unserer Unsicherheit und Angst schlichtweg erst einmal „aufreiben“/“spalten“ will.

    Also (richtig Alexander!): die etablierten bzw. erfahreneren Parteien bzw. die Demokratie- (und nicht nur Massenmeinungen-, BZW: Netzpolitik-erfahren sind) vom Ernst unserer Lage zu überzeugen, das scheint im Moment noch sinnvoller. Aber parallel müssen wir auch mit den Piraten bzw. deren Sympathisanten reden. Aber eben nicht immer so nach dem Motto „Wir verstehen Euch ja, dass ihr Einfach mal z.B. um Empathie werben, mal die GEGENFRAGEN stellen (was würdest Du/würdet Ihr machen, wenn man Dir morgen einfach XY kürzen möchte und Dir (um Dich zu beruhigen)sagt: Du bekommst dann irgendwann bedingungsloses Grundeinkommen [wenn in einer Million Jahren die „Märkte“ beruhigt sind und die Welt befriedet sein wird..].

    Und man kann leidenschaftlich argumentieren und trotzdem in den Argumentation dabei sachlich und schlüssig bleiben. Das schließt sich nicht aus.Das hat Regener im Kern gemacht. Es wird nur leider immer vom Gegenüber dann umgedreht oder ausgenutzt bzw. der ganze Sachaspekt der Arguemntation wird dann direkt in Frage gestellt.

    Die PIRATEN machen z.B. nun auf „gelassen“ bzw. auf überlegen, auf cool oder „vernünftig“, weil sie da jemand (scheinbar, denken viele) „zur Weißglut“ getrieben haben: man habe ja „Verständnis“ für Regeners „Emotionen“ aber er solle sich mal beruhigen… Aber das sagt man primär deswegen, weil man von den Kürzungen nicht betroffen wäre oder weil es den meisten egal ist und sich die meisten, die bei den Piraten sind oder mit denen sympathisieren selbst als Hobby-Kreative verstehen, die alle ihre Jobs haben und eben davon primär leben, bzw. wenige (zumindest weniger als bei uns/bei NICHT-Piraten) versuchen ihr Glück damit, ernsthaft existentiell (auch nur teilweise)
    Aber letzteres funktioniert ja z.B. bei Neue Musik sowieso nicht. Dahinter steckt also ein ganz anderes Bild und Verständnis von Kunst und Kultur, nämlich dasjenige: HIER materialistische/ technisch produzierte und verbreitete Kulturgüter und Dienstleistungen, die weiter angemessen zu bezahlen sind, DORT: ja nur „geistige“

    Was meinst Du, wenn WIR mal Restriktionen für die Providerbranche vor schlagen oder konkrete höhere Abgaben (welche diese dann natürlich auf die Kunden/Nutzer abwälzen werden, um ihren Shareholder Value zu halten), wie emotional dann die Piraten reagieren werden… Die reagieren ja schon polemisch und aufgeregt, wenn wir sagen, für materielle Güter und andere Dienstleistungen müsse man auch bezahlen.

    Dann kommt direkt: das sei ja was ANDERES. „Geistiges Eigentum“ gehöre immer allen. Sie ließen sich doch nicht „kriminalisieren“ oder gar jahrelang „wegsperren“. Sofwareprogramme und PCs im Laden kann man „klauen“, Lieder werden nur „kopiert“… usw.
    Es ist dann letztlich immer die gleiche Leier und Aufregung bei denen.

    Nein, ich werde meine Zeit auch nicht damit verschwenden vorerst, in deren Blogs einzutauchen und zu missionieren bzw. für die Lage der Künster/Berufskreativen für Empathie zu werben, ehe die Situation klarer ist bzw. es endgültig ans Eingemachte geht. Denn momentan sind die Fronten leider verhärtet und man liefe gegen eine Wand.

    Es muss unser Ziel vielmehr sein, mehr über die Doppelbödigkeit und die – teils wirklich nur noch ekelhafte – Doppelmoral vieler Piraten immer mehr Leute aufzuklären (wie dies in den Medien gottseidank nun auch allmählich (trotz „Hype“ andererseits) geschieht). UNd/Oder: Sie selbst darauf zu stoßen, dass sie sich in vielen Dingen, Gedanken und Philosophien einer angeblich „demokratischeren, gerechteren Gesellschaft“ widersprechen, dass Sie auf ihrem Internet- und Provider-Auge leider blind sind (ist ja auch klar, dass man auf dem rechten Auge nichts sieht, denn darauf sitzt ja auch die Piratenklappe ;-) )und dass sie selbst nicht wissen WAS sie eigentlich wollen bzw. nicht genügend darüber NACHDENKEN, was das, was sie so fordern an Konsequenzen für andere (viele Berufsstände, nicht nur uns paar E- und Neue Musik-Komponisten!) mit sich bringt.

    Dann reiben die sich automatisch auf bzw. die übertriebenen Sympathien für die bzw. zumindest viele ihrer fragwürdigen Forderungen werden wieder abnehmen.