Ferientagebuch III (Dip wet. Wipe dry. Made in USA. / Alle machen Trash)

1. am 29. 8. 2011, in Frankfurt am Main

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Frankfurt ist eine Stadt, über die man meistens hört, sie sei viel besser als ihr Ruf. Dazu kann ich nur eines sagen: es stimmt nicht! Eine Qualität hat Frankfurt jedoch: man kann hier gut arbeiten. Also, liebe Berliner, wenn ihr des Feierns müde werdet, kommt nach Frankfurt und macht wieder mal was Vernünftiges, ihr werdet sehen, es tut gut.

So sitze ich, wie alle Frankfurter, hier jeden Tag in der Wohnung, die sozusagen mein Arbeitsplatz ist (Arbeit Nahrung Wohnung in Einem!), und mache.

Manchmal mache ich an diesem Schreibtisch auch Texte für den sog. Bad Blog of Musick, einem Blog im Internet, in dem es um Neue Musik geht. In meinem jüngst veröffentlichten Artikel schrieb ich, die Neue Musik sei tot, eine Behauptung, die wie ich fand, schon auch ein bisschen kühn war. Man sollte meinen, eine solche Behauptung triebe die Leser des Blogs auf die Barrikaden. Bis auf einen Kommentar, in dem eine Frau schrieb, ich habe einen grünen Kopf, was ich nicht verstand, geschah aber – nichts. Es mag an meinem flapsigen Schreibstil liegen, dass der Artikel nicht ernst genommen wurde, oder daran, dass die von mir nieder geschriebene Erleuchtung in Wirklichkeit schon common sense ist, ich jedenfalls stelle hier nochmal mit Nachdruck fest: Neue Musik ist tot.

Dann frage ich mich auch schon wieder, was das eigentlich soll, mit dem Schreiben, für den Blog und insgesamt. Und das ist ja auch schon wieder gleichzusetzen mit der Frage nach dem Dasein überhaupt. Darauf hab ich aber auch keine Antwort. Es bleibt wohl nichts, als weiterzumachen.

In mein fingiertes Tagebuch schrieb ich: Tot ist sie auf jeden Fall, also die „Neue Musik“ und ich frage mich sogar ein bisschen, ob sie je gelebt hat. Ach, ich bin so froh, die Ideologien los zu sein! Dabei lächelte ich verschmitzt, hätte ich mich in dem Augenblick sehen können, hätte ich wohl gelacht.

2. am 1. September 2011 in Frankfurt am Main

Die komische Kulturfrau belehrt mich: die Schirn ist eine Austellungshalle, kein Museum. Fauxpas. Ich vereinzle mich vor ihr. War wohl auch so gedacht. – Ein Museum hat eine Sammlung, schiebt sie nach. Ich habs begriffen, Kulturfrau.

4. Folgendes erlebte ich im Frühling:

Unter dem ComMERZbankturm bei mir um die Ecke steht ne Bürofrau und ruft in ihr Telefon: Ich bin am Kotzen! Ich hab diesen ganzen Turbokapitalismus so satt!

4. Manchmal kann ich das,

aus einem Artikel mehrere machen. So arbeitet wohl auch Wolfgang Rihm. Oder Mozart (nur da haben das alle so gemacht). Aber ich glaube, das ist meistens nicht gut. Lieber was andres machen.

5. Der 2. September beginnt

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