Wichtige Information für alle Berliner (Eltern)

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An dieser Stelle sollte eigentlich ein kurzer Zwischenbericht über die Lage in Marzahn (Hans-Werner-Henze-Musikschule) kommen, aber momentan fehlen mir detaillierte Informationen über den Stand der Dinge, sodass ich ungern nur vage schreiben möchte. Tatsache ist: die letzten Konzerte des Jugendorchesters der Musikschule (u.a. bei/zusammen mit den Berliner Philharmonikern, mit zeitgenössischem Programm) waren trotz des politischen Drucks große Erfolge. Die große Welle der Solidarität und natürlich auch eure solidarischen Reaktionen hier im Blog (der anscheinend auch von Marzahner Verantwortlichen gelesen wird, wie man immer wieder merkt) haben zumindest bewirkt, dass die Bezirkspolitiker sich erst einmal für den momentanen Erhalt des Orchesters ausgesprochen haben. Wie genau dieser Erhalt aussieht ist aber noch unklar. Auf jeden Fall ist es wohl am wichtigsten, dass die Jugendlichen selber den Kampf um den Erhalt des Orchesters geführt haben, und dass sie in Zukunft auch mehr mitentscheiden, was mit ihrem Orchester passiert.

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Die Geschichte des Jugendorchesters der Musikschule Marzahn-Hellersdorf ist untrennbar mit den Namen Martina und Rainer Feldmann verbunden. Beide waren bis vor wenigen Jahren Lehrkräfte an der Musikschule und maßgeblich an der Gründung und an den ersten Projekten beteiligt. Beide unterrichten inzwischen nicht mehr in Marzahn, was jedem, der die seltsamen Ränkespiele gegen das Orchester in den letzten Monaten verfolgt hat, sehr schnell einleuchten wird. Martina Feldmann wurde zuletzt zwangsweise als Aufsicht in einer Galerie in Marzahn angestellt, anstelle ihre großen pädagogischen Fähigkeiten mit Kindern an der Blockflöte und anderen Instrumenten konstruktiv einzusetzen, ihr wurde quasi verboten zu unterrichten, oder vielmehr: Dinge zu unterrichten, die den Horizont der Marzahner Kinder in irgendeiner Form erweitern könnten, denn genau damit eckte sie zwangsläufig an.

Martina Feldmann hat aus dieser demütigenden Behandlung das Beste gemacht und sich entschieden, die Dinge von nun an selber in die Hand zu nehmen. Da ich Martina und Rainer Feldmann außerordentlich schätze ist es mir daher eine Freude und ein Anliegen, auf die Gründung der Freien Jugendorchesterschule Berlin hinzuweisen, die es sich speziell vorgenommen hat, Kinder und Jugendliche nicht nur auf ihren jeweiligen Instrumenten sondern auch im gemeinsamen Zusammenspiel in Ensembles und im Orchester zu unterrichten. Wie wertvoll und wichtig eine solche Arbeit ist, muss hier hoffentlich nicht näher erläutert werden – gerade das gemeinsame Musizieren ist das, was junge Musiker am meisten zu begeistern vermag, am meisten Motivation erzeugt, am meisten Verständnis über Musik an sich vermittelt.

Die Freie Jugendorchesterschule, der ich von Herzen den allergrößten Erfolg wünsche, öffnet morgen, am 18.6., zum ersten Mal ihre Türen. Schon jetzt sind erste Orchesterfahrten und Projekte geplant, und aufgrund der mitwirkenden Lehrer wie z.B. Jobst Liebrecht (dem Dirigenten des Jugendmusikschulorchesters Marzahn-Hellersdorf) wird gewährleistet sein, dass auch Projekte mit heutiger Musik einen ganz wichtigen Bestandteil des Lehrplans darstellen werden.

Martina Feldmann erklärt das Konzept selber und nennt Daten:

am 18.06.11, 11.00 Uhr weiht die Freie Jugendorchesterschule Berlin offiziell ihre Räume in der Boxhagener Straße 18, 10245 Berlin, 2. Hof, 5.OG (über der Berliner Schule für Schauspiel) ein.

Am 19.06.11 findet von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr der 1. Tag der offenen Tür statt. Am 25.06.11 und 26.06.11 schließen sich an die Tage der offenen Tür, die in der Zeit von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr stattfinden, jeweils kleine Lehrerkonzerte von 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr an.

Der Unterricht beginnt mit dem neuen Schuljahr am 15.08.11.

Das zugrunde liegende Konzept

Abseits vom alltäglichen Techniktrubel kann jedes Kind sich für ein klassisches Musikinstrument entscheiden, das am besten zu ihm passt und mit dem es sich in die Klangfülle des Orchesters integrieren möchte. Im Angebot sind Querflöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Trompete, Posaune, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass.

In der Orchesterarbeit wird der Schwerpunkt auf das klassische Erbe in Verbindung mit der klassischen Musik der Gegenwart gesetzt. Dadurch können die SchülerInnen sowohl am vorhandenen Werkreichtum unserer Kultur als auch am aktuellen musikalischen Schaffensprozess unserer Zeit teilhaben. Gelegentliche Ausflüge in andere Genres (z.B. Filmmusiken) setzen weitere Akzente.

Ein Vorbereitungsunterricht in der Musikalischen Früherziehung und im Instrumentenkarussell oder die Bläservorbereitung auf der Blockflöte kann zur Entscheidungsfindung beitragen. Ergänzungsunterricht in Theorie, Gehörbildung oder Komposition sowie die Möglichkeit der Studienvorbereitung werden das umfassende Bildungsangebot der Orchesterschule abrunden.

Ziel soll es sein, die Freude am gemeinsamen Musizieren zu fördern. Qualität, Professionalität, ein freundlicher Umgang miteinander und menschliche Wärme haben dabei einen hohen Stellenwert. Weil eine lebendige und familiäre Lernatmosphäre nur an einem zentralen Treffpunkt entstehen kann, haben wir schöne eigene Räume in der Boxhagener Straße in Berlin Friedrichshain bezogen.

zur Person der Gründerin

Von 1987 bis 2010 habe ich an der kommunalen Musikschule in Marzahn-Hellersdorf unterrichtet. Zuerst als Instrumentalpädagogin, dann auch als Fachbereichsleiterin und ab 2004 als stellvertretende Leiterin konnte ich – glaube ich – eine Menge zur Kultur im Stadtbezirk beitragen.

Die Gründung eines Blockflötenchores als erstes Ensemble der Musikschule, diverse jährliche Probenlager und 4 Schüleraustauschprojekte mit Musikschulen in Ungarn, Spanien, Finnland und England gehen auf meine organisatorische Arbeit zurück. Für zahlreiche fachübergreifende Projekte der Musikschule habe ich die Verantwortung übernommen.

Im Jahr 2005 war ich einer der Initiatoren bei der Gründung des Jugendsinfonieorchesters Marzahn-Hellersdorf und 5 Jahre lang dessen organisatorische Leiterin. Mit der Einsparung meiner Stelle verließ ich 2011 den Öffentlichen Dienst und stelle mich nun mit der Gründung der Freien Jugendorchesterschule Berlin ganz neuen Herausforderungen. Dabei kann ich zum Glück auf meine langjährigen Erfahrungen und ein jugendorchestererprobtes Team von Lehrkräften zurückgreifen.

Das ganze Projekt ist natürlich eine Herzensangelegenheit und kein kommerzielles Unternehmen. Erst ab einer gewissen Anzahl von Schülern kann sich die Schule selbst tragen und erfolgreich arbeiten, daher möchte ich an dieser Stelle alle Eltern im Großraum Berlin ganz dringend auffordern, sich diese Schule doch einmal anzuschauen und vielleicht auch ihre Kinder dorthin zu schicken. Interessant ist es auch für die ganz Kleinen, denn natürlich spielt musikalische Früherziehung auch eine große Rolle.
Bleibt nur zu hoffen, dass Martinas Konzept so erfolgreich ist, dass es auch bald eine Dependance in München gibt, denn mein eigener Sohn (4) würde sofort kommen wollen!

Drücken wir dem schlüssigen Konzept und den mutigen Initiatoren auf jeden Fall ganz fest die Daumen.

Moritz Eggert

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