das leben ist ein wunschkonzert

WDR 3 Lieblingsstücke_Online-Element Partnerseiten, Banner

Nie wird man gefragt. Immer bestimmen die anderen. Jetzt ist endlich Schluss damit. WDR 3 räumt mit der althergebrachten Beziehung zwischen Sender und Empfänger auf. WDR 3 kriegt den Backchannel gebootet.

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Wie das geht, steht auf dieser Karte: WDR 3 Lieblingsstücke_VOTING-KARTE

Ich erklär’s aber auch noch mal, denn die Sache hat einen Clou: Neben der ganzen Promigeilheit, die derzeit offenbar auf keinem Sender dieser ARD-Welt unumgänglich ist, gibt es die Möglichkeit, als einfacher Hörer für ein Sonderkonzert in der Wuppertaler Stadthalle ein Lieblingsstück einzureichen, das dann – wenn ausreichend „Votes“ von anderen Menschen dafür eingehen – vom WDR Sinfonieorchester gespielt wird.

Ich zitiere aus der Mitteilung des Wellenchefs Prof. Karl Karst: „Den Abschluss der Aktion „WDR 3 Lieblingsstücke“ bildet ein WDR 3 Klassik-Fest am 2. Juni 2011 in der Wuppertaler Stadthalle, bei dem das WDR Sinfonieorchester die bestplatzierten Orchesterstücke aus den 100 Lieblingsstücken spielen wird und alle WDR 3 Kulturpartner eingeladen sein werden, sich mit ihren Programmangeboten dem Publikum zu präsentieren.“

Also, liebe Komponisten, endlich habt ihr die Gelegenheit euch selbst mit euren Lieblingsstücken vorzuschlagen. Aber damit kommt man natürlich nicht weit, mit solchem Einzelkämpfertum.

Ich schlage daher eine Bad Blog-Leseraktion vor. Alle Leser dieses Blogs reichen ein Votum für „das“ Lieblingsstück ein, zum Beispiel:

Karlheinz Stockhausen: Gruppen
Charles Ives: Symphonie No. 4
Helmut Lachenmann: Schreiben

Vielleicht können wir ja über die Kommentarspalte eine Vorsortierung treffen. Und am Ende weiß WDR 3 endlich, wer den Sender hört und wie die Lieblingsmusik so klingt ;-)

Je doller die Geschichte drum herum ist, desto größer ist sicher die Chance, dass das Stück sogar im WDR 3-Klassikforum gespielt wird, das wär doch was… Fleißig schreiben, bitte, ich drück die Daumen.

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Musikjournalist, Dramaturg

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3 Antworten

  1. Lukas H sagt:

    Bin dabei! Hier drei Vorschlage aus meinem altmodischen Herzen:
    Lachenmann Mouvement
    Zimmermann Requiem
    Ligeti Aventures
    …organisiere gerne weiteres Stimmgewicht für den allgemeinen Favoriten.

  2. querstand sagt:

    Zitat am Mittag: „Gegen die deutsche Musik halte ich mancherlei Vorsicht für geboten. Gesetzt, daß einer den Süden liebe, wie ich ihn liebe, als eine große Schule der Genesung, im Geistigsten und Sinnlichsten, als eine unbändige Sonnenfülle und Sonnen-Verklärung, welche sich über ein selbstherrliches, an sich glaubendes Dasein breitet: nun, ein solcher wird sich etwas vor der deutschen Musik in acht nehmen lernen, weil sie, indem sie seinen Geschmack zurückverdirbt, ihm die Gesundheit mit zurückverdirbt. Ein solcher Südländer, nicht der Abkunft, sondern dem Glauben nach, muß, falls er von der Zukunft der Musik träumt, auch von einer Erlösung der Musik vom Norden träumen und das Vorspiel einer tieferen, mächtigeren, vielleicht böseren und geheimnisvolleren Musik in seinen Ohren haben, einer überdeutschen Musik, welche vor dem Anblick des blauen wollüstigen Meers und der mittelländischen Himmels-Helle nicht verklingt, vergilbt, verblaßt, wie es alle deutsche Musik tut, einer übereuropäischen Musik, die noch vor den braunen Sonnen-Untergängen der Wüste recht behält, deren Seele mit der Palme verwandt ist und unter großen schönen einsamen Raubtieren heimisch zu sein und zu schweifen versteht… Ich könnte mir eine Musik denken, deren seltenster Zauber darin bestünde, daß sie von Gut und Böse nichts mehr wüßte, nur daß vielleicht irgendein Schiffer-Heimweh, irgendwelche goldne Schatten und zärtliche Schwächen hier und da über sie hinwegliefen: eine Kunst, welche von großer Ferne her die Farben einer untergehenden, fast unverständlich gewordenen moralischen Welt zu sich flüchten sähe, und die gastfreundlich und tief genug zum Empfang solcher späten Flüchtlinge wäre. –“

    Herr Nietzsche meinte damit Bizet, Gott sei Dank spricht er den Namen nicht aus, so dass genügend Assoziationsraum für heutige envie méditerranée bleibt. Nicht Debussy fällt mir ein. Nein, Jean Barraqué wünsche ich mir, sein Werk „Le Temps restitué“.

    Oder schweift man noch weiter, ist einem Québèc mediterran, ist es Venedig wirklich, so ein deutscher Wunschort, da fällt mir der Traumort Marco Polos ein, in der Komposition „Zipangu“ von Claude Vivier.

    Natürlich als wichtigstes „L’Espaces Acoustiques“ von Grisey, gerne esoterischer seine „Quatre Chants pour franchir le Seuil“, denke ich an meinen Wunschort Paris, an eine herbstliche Aufführung dieser Lieder in der Cité de la Musique: in der Metro sprachen einen noch wildfremde gleiche Konzertbesucher an, die einem am Programmheft in der Hand indentifizierten. Es herrschte ein wohliger Schauer, als wollte man die Lieder anstimmen, in der totalen Überwältigung aber die spektrale Vielstimmigkeit nicht singbar, dafür in den Gesichtern als Partitur der Freude.

    A. Strauch

  3. peh sagt:

    @ Lukas: danke! Aus Deinen drei Vorschlägen würde ich spontan das „Requiem für einen jungen Dichter“ wählen. Ist schließlich ein Orchesterstück, das zudem auf einen Auftrag des WDR zurückgeht…