donaubad 4 – quardittiGRÜSSGOTT in echt und im

erst beim frühstück hab ich’s verstanden. dank tatkräftiger mithilfe sämtlicher anwesender swr-mitarbeiter habe ich verstanden, dass ich meinen plan, diesen tag am radio zu verbringen nur unter herben einbußen in die tat umsetzen kann. was – zu meiner ehrenrettung – nicht nur ich nicht verstanden habe: die ardittiade findet an drei orten gleichzeitig statt, jedes ensemble spielt sein konzert dreimal. übertragen aber wird nur eines – das ardittikonzert von 15.30 uhr. anschließend gibt es ein vergleichendes hören des dreifach „uraufgeführten“ james dillon-streichquartetts. der ausdruck „simultan-uraufführung“, der unter einigen quartetten prangt, ist ein wenig schief. „asynchrone aufführungen, eine davon, wir wissen nicht welche, als premiere“ wäre wohl richtiger.

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aber das ist klein-klein, geht es doch ums ganze: der unangenehme beigeschmack des projekts quardittiGRÜSSGOTT ist der eindruck dass hier ein „um die wette spielen“ inszeniert wird. wie schon bei der ensembliade – im volksmund: bionade – vor zwei jahren wird ein interpretationsvergleich noch am tag der uraufführung ermöglicht. das ist irgendwann mal wichtig, um mitzukriegen, wie unterschiedlich diese interpretationen sind, um zu verstehen, welche rolle die interpreten für eine uraufführung haben. aber dann… mein tag begann in der christuskirche mit quatuor diotima. kurz zusammengefasst: herr posadas schreibt ein packendes stück, das von den diotimas mit solchem zugriff gespielt wird, dass dem ersten geiger kurz vor schluss die saite reisst. mehr davon, wünscht man sich, gute musik! peter abligner erlaubt sich einen kleinen streich, er hat eine probe komponiert, in der vier vernünftige menschen sich miteinander unterhalten, aber allerlei unvernüftige dinge mit ihren stiften tun und sie dauernd so hinlegen, dass sie beim nächsten umblättern runterfliegen. schnarch gähn. dazwischen unbedeutendes gefuddel. das einzige, was dieses stück zu erzeugen vermag, ist die sehnsucht nach musik. der widerstand, gegen den es ankomponiert ist, den gibt es nicht mehr. andrej odamek hat einen haufen kleiner abläufe aneinandergereiht, ein mann, dem es nicht an ideen gebricht. sein quartett bewegt sich zwischen mandolinenorchester und singender säge, pendelndem mechanismus und flamenco, slide gitarre und streichelinstrument. kein ganz konzises stück, aber eine reiche klangwelt.

Musikjournalist, Dramaturg