NDR sprengt Neue Musik – Knaller-Beitrag

NDR hasst Neue Musik

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Weil viele Leser dieses Blogs aus verständlichem Grund die Kommentarspalten meiden, hier ein Video auf das strieder hingewiesen hat. Bin fassungslos. Das Filmchen soll wohl komisch sein, ist aber nur gehässig und dumm.

Musikjournalist, Dramaturg

9 Antworten

  1. Michael H. Gerloff sagt:

    Warum vemeiden die Leser dieses Blogs die Kommentarspalten? Weil sie keine Gebühren zahlen? Oder weil die Sender mit „Schwarzer Liste“ drohen? Beides wäre schlimm. Aber nicht so schlimm wie der kulturjournal-Beitrag. Meine Ansicht kennt der NDR jetzt jedenfalls.

  2. Konstantin sagt:

    extrem plattes filmchen. kultursendung im öffentlichen rundfunk auf boulevardpresse-niveau: peinlich.

  3. Was war anderes zu erwarten?
    Natürlich ist der Beitrag oberflächlich.

    Obwohl: einiges (das über Cages 4:33) hab ich mir mit Schmunzeln an gesehen. Meines Erachtens ist er einer der meistüberschätzesten Komponisten der gesamten Musikgeschichte. Erfrischend, dass er und sein nicht enden wollender Hype AUCH mal in einer solch oberflächlichen Glosse auftaucht.

  4. querstand sagt:

    Der Beitrag ist nicht der Einzige zum Thema Musik dieses „NDR-Kulturjournals“. Beim durchyoutuben auch solche zu Wagner, E/U, Muss ein Triangelspieler Noten lesen können, Warum gibt es Dirigenten, Blues etc. Es herrscht meist der Duktus des brutalst deutlichen Witzes, wie z.B. kopulierende Bonobos bei der Frage ob Winifred und Hitler es auch taten, Selbstversuche in Sklavenarbeit eines Kabarettisten bei der Frage nach dem Blues oder in Bezug auf dem Dirigenten vor dem Orchester, mit Hintern zum Publikum, im Vgl. zum Ochsen:“Der Ochse hat die Hörner vorn, das A****l*** hinten“, sinngemäß beim Orchester der Dirigent umgekehrt. Die Fallhöhe scheint vom entspr. Beitragsmacher abzuhängen, eigentl. eine ganz junge Truppe auf den Seiten des NDR.

    Erziehung als Satire? Ein Radioprogram für Kinder wie z.B. DoReMikro des BR zu klassischer Musik arbeitet ähnliche Musikthemen ab, ist da eigentlich so niveauvoll, dass es auch gerne die Eltern hören dürften, vielleicht sogar noch eher als die angesprochenen Kinder. Der NDR scheint wohl an die „Bildungsfernen“ zu denken, welche natürlich solch ein Programm eher zufällig sehen. Ist es also platte Satire auf Musik wie die Bildungsfernen?

    Aber was soll das Schimpfen! Wenn die Flachwitzler das so durchziehen wollen, dann eben nur zu. Immerhin hockt der NDR doch in der gleichen Stadt wie die ZEIT, die hier auch schon öfters wegen ihren uninformierten und einseitigen Beiträgen zu „Warum ist atonale Musik nicht hörbar“ (oder so ähnlich) angegangen worden ist? Da wäre mal wieder Platz für Verschwörungstheorien über Geheimgänge in Hamburg…

    Schade ist nur, dass sich Kultursendungen auf ein ebenso reisserisches Niveau begeben, wie es sich selbst gute alte Politmagazine von ARD/ZDF inzwischen angewöhnt haben, die ohne Satire-Ende nicht mehr auskommen wollen. Am liebsten ist mir da noch das Ende von Kulturzeit auf 3Sat, wo immer gerade aktuelle Songs bzw. Videos eingespielt werden. X-mal informativer als jede mühsam praktikantinnenzusammengeschnipselte Satire, die Muppet Show und Monty Python in Einem sein möchte. Lustigerweise funktioniert im Neue-Musik-Beitrag zweimal Schönberg gar nicht: wenn man nicht bei, wie anmoderiert, Mozart, Bach, Beethoven die Äuglein schliesst, sondern bei dem Klavierstückausschnitt von Schönberg oder dem Moment mit dem Flöte, Klarinette, Bratsche, Sängerin, Cello-Ensemble, gewinnt sofort die Musik, auch nur als Miniausschnitt. Das zeigt, ahnungslos die Schnipsler waren und endlich mal ein Auto rückwärts aus der Presse lassen durften: das exaltierte Getue des Pianisten im Schönbergbeispiel schien wohl zu belustigen, wie nett. Am ödesten aber gar nicht mal das Auto, das wirkt beim ersten Mal bei mir noch. Nein, der sprechende Kopf Schönbergs, ganz im Sinne von Monty-Pythons-Farb-Comics – hier öffentlich-rechtlich sparsam schwarz-weiß, schien wohl die Zeit für die Bildbearbeitung en detail schon zu knapp – mit einer blassen Männerstimme verkündet das eherne Emanzipationsgebot der Dodekaphonie!

    Einzig richtig davor die Einblendung Moses mit den Gesetzestafeln, das ging ins Mark: wie wir heute noch die Regeln der „Guten-Alten-Zeit“ insgeheim hochhalten, trotz aller postmodernen Tänze ums Goldene Kalb und Beteuerungen der Loslösung von den Lehrern, das lässt uns richtig alt aussehen! Wenn 1930/40 geborene neben all ihrem Kriegsleid auf die heutige Jugend schimpfen und die ihrige vermissen, dann sehen wir 30- bis 50-jährigen Komponisten wirklich alt aus, da gab mir die öde Satire zu denken…

  5. Dave sagt:

    Früher gab es mal so etwas wie einen „Kulturauftrag“ der Rundfunkanstalten. Mit diesem Filmchen besiegelt der NDR wohl, dass er sich davon distanziert. Stattdessen: Durchschnittspublikumsorientierter Einheitsbrei.

  6. Was ist denn auch schon in Hamburg bzgl. Neue Musik los?
    Was wird da getan seitens der Kommune bzw. Land für Neue Musik. Also ich hörte da nur Schlechtes: eine echte „Sahel“-Zone. Eigentlich eh beschämend für eine 1,5 Mio Metropole! KLangwerktage paar kleine Sachen und das war es schon – tut mir Leid aber sorry…
    Kein Wunder also, dass dort ein derartiges Bild auch beim dort beheimateten Sender herrscht.

  7. hufi sagt:

    Naja. NDR ist ja nicht nur Hamburg. Sondern aus Delmenhorst (Hespos), Meppen, Göttingen (NNM), Braunschweig (Lücker und Beyer sind da her), Oldenburg (NNM – Klangpol) und natürlich Hameln, Emden, Gorleben, Asse II, Salzgitter und Wolfsburg sowie Goslar.
    Zum Beispiel war meine Musikbibliothek in Wolfsburg sehr gut ausgestattet, hatte zahlreiche Partituren Neuer Musik und auch Tonträger nicht zu wenig. Luc Ferrari ebenso wie Franco Evangelisti, aber auch anderes und eine Arbeitsgruppe Neue Musik.

    Als Niedersachse finde ich diese Entwicklung beim NDR betrüblich aber nicht verwunderlich.

    Was Hamburg angeht, da dürfte auch wenigstens ein bisschen mehr los sein, als Klangwerktage. Im Netzwerk Neue Musik sind für Hamburg einige Initiativen vertreten.

    Aber es stimmt schon. Ein bisschen wenig ist das schon.

  8. querstand sagt:

    oops – das ist ja richtig fein, wie hier mal namentlich gepostet wird – lange nicht mehr ausserhalb den üblich Verdächtigen so hier gehabt! Der NDR und die ZEIT sind ja auch nicht tout-Hambourg. Allerdings kriegt HH an Festivals und Konzertreihen nicht das hin, was das Nicht-Bundesland-München schafft, gerade auch ohne den Staat – mein letztes Thema hier woanders. Dabei sollte eine so grosse Stadt doch mehr schaffen, sollte ein NDR, so sehr auch der Region verpflichtet, am Hauptsitz etwas mehr hinkriegen, gerade wegen des Netzwerks! Vielleicht gibt dies der Szene ja wenigstens einen Schwung, beim Ausklang des Netzwerks mehr von der Hansestadt und dem NDR einfordern zu können, gar nicht mal an direkten Mitteln, sondern an Infrastruktur, so leidig wie müssig ich Selbstorganisation ab einer gewissen Grösse selbst finde. Aber ein guter Hinweis, Lieber Hufi, auf die Bibliothek. Mit solchen kleinen und grösseren, nicht mal riesigen Massnahmen ist viel zu erreichen.

    Hier wurde ja mal über die trockene Textauswahl aus einem sehr feuchten Zyklus meines Ex-Lehrers Zender berichtet worden. Die Strenge und Trockenheit dessen ist ja allgemein bekannt, habe ich ja auch ambivalent mal geschildert, was meinen Respekt aber allgemein nicht schmälert. Genug! Ich fand einen Beitrag im Netz, wo Zender, damals Dirigent der Hamburger Philharmoniker und Oper, seinen Rücktritt erläutert, als ihm Mittel gekürzt werden sollten, komischerweise das neue Team um den damals an der Oper antretenden Ruzicka urplötzlich mehr Geld zugesprochen worden ist. Da kann man soviel für heute ableiten, am Verhalten aller Beteiligten, dass ausgerechnet der erste professorale Musikmanager dabei im Spiel war, wie viel krasser heute die Rücktrittsgründe für Dirigenten geworden sind, wie aber auch ungemein divenhafter sie auch wieder sein können als damals. Hier der Link.

  9. Lieber querstand,

    genau das meine ich bzw. wollte ich mit meinem kurzen etwas „granteligem“ Posting an stoßen. Danke!

    Man darf auch gespannt sein, wie sich die Elbphilharmonie – wenn sie denn, für viele Millionen teurer als geplant – fertig wird zum Thema „Neue Musik“ (und/oder freie Szene in Hamburg, sofern diese was ausrichten kann…) verhalten wird. Ob derartige Kulturbereicherungen und Vielfalt dort erwünscht bzw. willkommen sein werden oder eher wieder der altbewährte Mainstream läuft, mit dem man „nichts falsch machen kann…“.

    Denn dann würde man sich einmal mehr fragen müssen: Geht es beim errichten immer neuer gigantischer Philharmonie-Gebäude oder Stararchitekten-Projekte wenigstens auch ein bissel dann um das, was in der „Verpackung“ dann statt finden soll bzw. und um die Förderung desselben?: die Musik (von Neue Musik wagt man sich schon kaum noch zu reden oder zu hoffen).