um einlass wird gebeten

er kann also auch anders: die schönste stunde des tages bislang war
zugleich die theatralischste. ein mann steht vor der himmelstür und
bittet um einlass: bestimmt zwanzig minuten bearbeitet er eine tür aus
unterschiedlich gestimmten hölzern.
nach vielem stampfen und klöppeln öffnet sie sich. überrascht tritt
der mann ein in das andere reich: von dort erklingt nun heiliger lärm.
dröhnendes blech, schwere gongs. das geheul einer sirene mischt sich
darunter.

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hier ist der ganze stockhausen: traumatische kriegserinnerungen,
gepaart mit einem ungebrochenen glauben an die göttliche wahrheit. ein kind nähert sich der bühne, betritt sie, folgt dem schlagzeuger
schließlich auf die andere seite der schwelle. der heilige lärm
verebbt.

die himmels-tür gewann auch durch die komik, die in manchem kafkaesk-vergeblichen anklopfen am die pforte verborgen war. doch lachen ziemt sich nicht, beschweren sich die herrschaften hinter mir. „eine komödie war das ja nicht.“ die selben herrschaften störte auch, dass das mädchen nicht wie eine braut zurecht gemacht war. ja himmel, leute: es gibt einen unterschied zwischen kunst und religion!

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Musikjournalist, Dramaturg

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