In eigener Sache…

Schamlose Eigenwerbung, ich weiß, aber vielleicht hat ja der eine oder andere Lust, den Weisswurstäquator mutig zu überschreiten:

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Shameless display of an experiment about to begin in a few months

Bewerbungsschluss ist der 30.3. (also schon sehr bald).

Baddies aller Länder, vereinigt euch!

Moritz Eggert

So stellt sich die Öffentlichkeit einen jungen Komponisten vor

So stellt sich die Öffentlichkeit einen jungen Komponisten vor

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3 Antworten

  1. Stefan sagt:

    Gratulation!

  2. querstand sagt:

    Claqueur schimpft mich!! Jawohl, ich klatsche in die Hände. Ich schlage sie aber nicht über dem Kopf zusammen;-)

    Genauer:
    Wenn man dem o.g. Linkfolgt, stolpert man nicht nur über Moritz Eggert, sondern auch Beat Furrer als neuen Professor. D.h., die alte Orff/Bialas-Killmayer-Bose-Professur ist nun endlich nich mehr vakant! Wie man so hörte, schien man das Besetzungsverfahren fast um ein Jahr verzögert zu haben. Es ist aber auch verdammt schwierig, eine solche prädestinierte Stelle nachzubesetzen.

    Die erste Nachbesetzung der Acker-Professur ging je zur Hälfte an Jan Müller-Wieland und Matthias Pintscher. Das wirkte wie ein geteilter Kompositionspreis. Irritierend ist damals gewesen, daß doch ein mit Aufträgen und Preisen überhäufter Matthias Pintscher sich nur auf eine geteilte ehemalige C-3-Professur einließ. Wo doch Rihm im ähnlichen Alter eine ganze Stelle angenommen hatte und – wie auch immer – heute immer wieder ein gesuchter Anlaufpunkt ist (ob er immer auch ein gefragter Lehrer ist? Manche sehen in Semestern bei ihm oft nur das Vitamin B, eher R… Eindrücke, auch wichtige, sogar nachhaltige, kann man bei ihm schon in seinen Gruppenstunden sammeln…)

    Nun hat sich Pintscher leider aus München verabschiedet, wo er niemals recht heimisch wurde und biß in den Big Apple. Da schien sich wohl eine Aufwertung der Bose-Nachfolge anzubieten, indem man einen jüngeren zugereisten Münchner ganz in der Tradition der Stelle beruft (Moritz Eggert ist Enkelschüler Orffs, Schüler von Killmayer und auch Bose!) beruft und doch wieder das Risiko wagt, einen Menschen mit vollen Terminkalender wie Furrer auch zum Professor in München zu machen. Wenn man Furrers Kurzvita liest, fürchtet man schon, daß er zwischen seiner österreichischen Stelle und der Frankfurter Gastprofessur hätte aufgerieben werden können. Sein schweizerischer Granit, poliert mut Kalk der österreichischen Berge, poltert nun hoffentlich lauter im Kieslsteingeröll des oberbayerischen Voralpenlandes!

    Als von Bose berufen worden ist, erwartete man einen Schub für das Musiktheater. Es gab unter ihm dank der Regieklasse von Cornel Franz und der Opernschule doch einige ambitionierte Opernerstlinge und so mancher von diesen Studenten oder auch andere Bose-Schüler schrieben ja inzwischen auch Werke für die Biennale – Eggert eingeschlossen, jetzt aktuell Klaus Schedl – , andere waren Teilnehmer an Opernkursen und Akademien, wie z.B. Mark Möbius, – und ganz unbescheiden – ich hier und da auch. Die grosse Opernreform oder Opernrevolution haben ich und Co. noch nicht hingelegt. Aber Oper im robusten Sinne ist ab und an manchem vom uns schon gelungen.

    Nun wird es aber interessant: Moritz Eggert ist ein grundsätzlich anderer Musiktheaterkomponist als Beat Furrer. Eggert ist doch eher ein Opernkomponist, Beat Furrer der klassische Musiktheatraliker. Was sich aber dadurch relativiert, daß Furrer sich auf Urstoffe – z.B. den Orpheusmythos in „Begehren“ – bezieht, also doch ganz klar in der Operntradition steht.

    Die Begriffe sind aber unterschiedlich zu definieren. Ich würde Moritz Eggert als einen Komponisten von „Konkreten Opern“ nennen, Beat Furrer als einen des „Theater des Raunens“. Eggert schnurrt virtuos die ganze Linie zwischen Puccini, Weill, Henze, Gilbert&Sullivan und Korngold/Lehar, Aperghis und Cage rauf und runter. Ein weit gefasstes Ausdrucksrepertoire herkömmlicher wie neuer Schreibweisen. Dazu immer ein I-Tüpfelchen an Dadaismus, den man von den Hibernalischen Gesängen über das Hämmerklavier bis zu Freax verfolgen kann. Am besten ist Eggert immer dann, wenn er „dem Affen Zucker gibt“, spielerisch aus der Tradition schöpft und unerwartet und ganz positiv gemeint zwischen seinen Möglichkeiten hin und her flitzt. Das mag altbacken wirken, ist aber treffsicher in seiner Wirkung und erreicht so ganz im Sinne der Grand Opera und eben auch der Operette wie Revue, die Alle also doch immer wieder noch funktionieren, ein breites Publikum. Seinen Schülern hat er in Zukunft auf alle Fälle viele Dinge zu lehren. Spannend wird die Frage, wie sich nun sein Schreiben konsolidieren und dennoch entwickeln wird, wenn er nicht mehr so sehr auf Aufträge Dank des professoralen Soldes angewiesen sein wird. Wobei bei einer geteilten Professur das auch nicht allzu üppig ausfallen dürfte, wenn man in München in guter Innenstadtlage samt Familie überleben möchte. Entsteht dann eine neue „seconda prattica“ ganz im Sinne des späten Monteverdi?

    Oder wird das eher bei Beat Furrer der Fall sein? Wie gesagt, er bezieht sich ja wie Monteverdi direkt auch auf den Orpheusstoff. Und das auch ganz tief in einer Tradition. Ich spanne da mal den Faden von Schönberg über Nono zu Lachenmann. Wie in „Die Glückliche Hand“ oder im „Moses“ Schönbergs Stimmen flüstern und raunen, so geschieht es beim späten Nono in „Prometeo“, so in „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ Lachenmanns. Was ist hier nun eigen, echter Furrer?!? In dieser Linie wirkt das Raunen seines Theaters sehr eindrücklich, handwerklich präzise. Hat aber in seiner nun vierten Wiederholung Schönbergs auch was Altmodernes, quasi irgendwie vom Geschmack her auch durchaus Postmodernes.

    Mon Dieu, es ist aber bei Furrer das Moderne nicht als das Modern von Cellulose zu verstehen, wie es der Urmünchner Richard Strauss dem Begiff „modern“ nachsagte! Seine Dramaturgien können durchaus besonders im Nur-Raunen überzeugen. Es ist aber genausowenig ein richtig Neues Musiktheater wie all die neuen Kombinationsideen Eggerts. Es ist wohl doch recht schwierig, heute eine Revolution des Materials jenseits von verfeinerter Elektronik und spektraler Harmonik wie avanciertester Geräuschtechnik, alles virtuos von Furrer beherrscht, zu erreichen. Ein Opfer grösster Klangverfeinerung wurde ja gerade Eötvös mit „Die Tragödie des Teufels“ am Nationaltheater. Dem pseudointelektuellen Libretto Ostermaiers und dessen hochsprachlichen Heroismen versagte sich Eötvös fast schon kläglich. Es war weniger Parlando als Sprechen und ewiger Singsang-Melos. Den Pathosversuchen des Texts ist er keinen Deut gefolgt, obwohl es sich um eine klassische Wort-zu-Musik-Vertonung handelte. Es entstand exquisiter, hörenswerter Klangzauber. Aber es entstand keine Binnen-, Mikro- wie Makrodramaturgie von Text und Musik. Man muß schon sagen: ulkigerweise gelang ihm das spielend mit seinen alten „Tre Sestri“ an der Theaterakademie der Münchner Musikhochschule einige wenige Wochen zuvor vorexerziert. Der Vorteil: ein russischer Text, ganz einfach und doch Tschechow, unverständlich, also fast schon ein Raunen ganz im Furrerschen Sinne, der deshalb deutsche und andersprachige Texte lieber fragmentiert oder klar sprechen läßt, um den Gefahren eines vertonten Librettos zu entgehen. Eggert haut da voll auf die Pauke und kreiert soviel mehr Saft als Eötvös! Zudem widerfährt auch Eötvös das gleiche Malheur wie Bernd Alois Zimmermann mit den Lenzschen „Die Soldaten“: aus Komödie wird mal wieder Tragödie bzw. reinster Symbolismus. Ein witziges Beiseit: die Theaterakademie ist ja im Prinzregententheater untergrbracht. Am gleichen Ort, als Koproduktion von Biennale und Gärtnerplatztheater, gelang Vladimir Tarnopolski eine komödiantische Tschechow-Vaudeville ohne Gleichen. Leider wurde er wie Eötvös mit dem „Teufel“ fast nicht rechtzeitig fertig, so daß der dritte Akt etwas vergebens wirkte. Tarnopolski zimmerte sich, wie Furrer aus verschiedenen Quellen, seine Oper aus vielen Tschechowstücken zusammen. Und traute sich eine Farce, man möchte wagen zu sagen: typisch russisch!

    Die deutschen Opernkomödien der letzten hundert Jahre, im weitesten Sinne der Neuen Musik verbunden, wirken da immer etwas bemüht, was die tragischen Musiktheater allerdings irgendwie doch auch immer sind. Ohne Atompilz oder RAF scheint es weder bei B.A. Zimmermann noch bei Lachenmann zu gehen. Auch bei Furrer nicht. Aber bei Eggert, immer mal wieder, wenigstens.

    Das Resümee: München scheint sich da was zu trauen. Noch keine neue Geburt. Aber vielleicht hören wir ja in ein paar Semestern von einer Komponistin, die bei Furrer wie Eggert das ganze zeitgenössische Repertoire lernte, bei Enjott Schneider ein wenig in die Filmmusik lugte, dennoch Meisterkurse am IRCAM, bei Stroppa und Ferneyhough besuchte, Dirigieren bei Eötvös lernte und in Hamburg noch ein wenig Regie studierte, brav auch in Musiktheorie promovierte, bei Rihm intellektuelle Privatstunden nahm und nun eine postmoderne Komödie der Tragik des Raunens schreiben wird. Oder eben: einfach noch mehr solide Opernwaghalsige als bei Bose, damit ganz einfach und simpel nicht nur für Festivals sondern auch Stadt- wie Staatstheater und Freie Truppen neue Stücke entstehenm die ganz langsam den Begriff Oper-Musiktheater weiterbeleben. Und Opererstlinge eben nicht erst auf der Biennale oder bei Eclat, sondern bereits in den ersten vier Jahren im Treibhaus einer Musikhochschule, wie es München bieten kann. Daneben gibt es ja sogar Orchesterstücke, die im Laufe des Studiums uraufgeführt werden können. Ein bisschen wenig Elektronik zwar, aber was für Möglichkeiten der Live-Künste, wovon Köln, Stuttgart, Berlin, Hamburg und Leipzig nur träumen können! Jugend, auf nach München!! Zwar teuer, aber es scheint sich wieder zu lohnen.

    Gratulation an Eggert wie Furrer,

    Alexander Strauch

  3. Da gratuliere ich auch. Leider bin ich mit meiner Bewerbung schon vor 34 Jahren gescheitert. Wenn auch nur knapp.