kulturtransit 3

nach currywurst gab’s schimmelpfennig, der den elften gesang der odyssee verwurstet hat. am bochumer schauspielhaus, dass seinem großen namen ausnahmsweise nicht ganz gerecht wird. lag aber auch an schimmelcent, der das konzept „meta-odyssee“ recht dicht am text verfolgt und von ein paar guten gags abgesehen

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„muß man so sterben wie ich,/ und dann weiß es nicht einmal die
welt,/ niemand erfährt es-// und die, die es wissen,/ die toten,/ die
werden ed keinem erzählen,/ das ist/ das schicksal der welt-/ dass die
toten nicht sprechen können: […]“

bleibt es ein maues spiel mit bildungswissen. da hat jarzyna mehr gewagt, mehr erzählt über das fremdsein und das sosein und das vater- und das sohnsein.

montaigne hat mal was gesagt, dass es beim reisen um die neuen situationen ginge, in die man käme. davon macht diese odyssee insgesamt viel gebrauch. 3h transit zwischen bochum und oberhausen!
nicht wegen a40, sondern weil wir auf einem nachen aus dem hades über den rhein-herne-kanal tuckern: im theater oberhausen umfangen uns vertraute töne („nicht diese, oh freunde!“): ein schiff wird kommen…

da ist es, das schiff. meine mitreisenden stammen sowohl aus dem ruhrgebiet wie aus bonn oder münster. „kulturaffin“, allesamt, natürlich und die bonner waren von der hochofenromantik verlockt. die münsteraner stammen von hier. er hat einst in duisburg am hochofen geschafft – und selbst 80 kippen pro tag geschlotet.

fühlt es sich nicht merkwürdig an, wenn an einem ort, an dem man sein lebensfluidum gelassen hat, „nur noch“ kunst gemacht wird?- die ersten konzerte, die wir da gemacht haben, galten, die schließung zu verhindern. prost!- prost!

ja, bei kunst geht es nicht ums verstehen sondern allein um verständigung.

walshs „penelope“ fängt an.

Musikjournalist, Dramaturg