NM in KL Teil 4

NM in KL Teil 4

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Nach sehr wenig Schlaf wieder (ein letztes Mal) zur SEGI-University. Heute sollen die Stücke der Wettbewerbsteilnehmer ein letztes Mal geprobt werden, danach weitere Proben für das abendliche Abschlusskonzert. Auf dem Weg mit dem Bus durch die Stadt kommt man an den seltsamsten Gebäudekombinationen vorbei – high-tech Wohngebäude neben verrottenden Parkhäusern, scheinbar bewohnt von Obdachlosen, Glanz und Elend nebeneinander. Wie es schon in Arnos Beitrag aus Südafrika anklang, ist es eigentlich unmöglich, hierzu eine „richtige“ Haltung einzunehmen, allein schon der Versuch ist fragwürdig. Anekdotisch und en passant darüber zu berichten (wie es hier der Kürze des Mediums geschuldet ist) funktioniert nicht, ebenso wenig funktioniert die zeitverzögert zur Schau gestellte Betroffenheit, auch wenn Sie vom Ensemble Modern in der Alten Oper gespielt wird. Sich scheinheilig, aus der Ferne und rein verbal zum Anwalt der angeblich Geknechteten zu machen, ist vielleicht die erbärmlichste aller Haltungen. Auch Ausweichen funktioniert nicht. Dennoch stellt sich natürlich die Frage, inwieweit Neue Musik darauf in welcher Form auch immer eingehen kann. Letztlich muss man Individuum bleiben, kann nur subjektiv beobachten, individuell verarbeiten. Man kann diese Erlebnisse anderen mitteilen, man kann darüber lesen, man kann sich Neugier bewahren, Offenheit. Die Entscheidung liegt bei einem selber.

Bei der Begegnung mit den Studenten wird klar – es handelt sich hier um privilegierte junge Menschen, zum größten Teil aus reichen Familien, die in Ländern wie den Philippinen oder Indonesien in großen, vollkommen von der Außenwelt abgeschotteten Arealen leben. Aber es gibt auch gegenteilige Erfolgsgeschichten: Festivalgründer Kee-Yong Chong kommt aus einem kleinen Fischerdorf und einer einfachen Familie, ebenso unser philippinischer Preisträger…aber ich greife vor.

Die Proben – eine Knochenarbeit für das Ensemble Mosaik, sie machen das mit Hingabe, spielen jedes Stück mit der gleichen Sorgfalt, beurteilen nicht, sondern machen. „Machen ist besser als fühlen“ hat Hindemith einmal gesagt, und man muß 2x drüber nachdenken bevor man versteht, was er meinte.

Die Probenzeiten sind streng organisiert – Ching, eine der vielen Helferinnen des Festivals, läutet pünktlich am Ende jeder der 9 Probeneinheiten die letzten „Five more minutes“ per Mikrophon ein. Das gefällt mir so gut, dass ich beschließe, es in die Aufführung meines eigenen Stückes am Abend einzubauen. Wieder einmal wird alles dreifach, vierfach medial dokumentiert. Zum Teil filmen sich die Komponisten, wie sie andere Komponisten filmen, die wiederum die Proben ihres Stückes filmen. Ein Spiegel im Spiegel.

Danach Gespräche mit den Komponisten – was hat ihnen am Festival gefallen, was könnte man besser machen? Auch hier wieder große Zurückhaltung – niemand will aus der Rolle fallen, auffallen. Ich erzähle Ihnen, dass mich ihr Blick auf die Welt mehr interessiert, als der Versuch einen anderen Blick nachzuahmen. Nachdem ich einem der Komponisten (Tan Tuan Hao, dessen Bezug auf Neil Gaiman in seinem Stück „The Sleeping City Dreams“ mir sehr gefallen hatte) gesagt hatte, dass mir in seinem Stück ein wenig der „plot“ gefehlt habe, bedrängt er mich begierig, noch mehr kritisiert zu werden. Mir ist das peinlich. Etwas später erzählt mir Mathis Mayr, der Cellist vom Ensemble Mosaik, wie er einmal mit einem chinesischen Ensemble durch Europa getourt sei. Nach jedem Konzert, auch den durchweg erfolgreichen und hervorragend gelaufenen, gab es extreme Selbstkritik bis hin zur Selbstgeißelung von allen chinesischen Beteiligten. Hierin ist die chinesische Kultur dem Deutschen Feuilleton nicht unähnlich.

Die Jurysitzung verläuft relativ eindeutig vom Ergebnis her, allerdings wird auch die Methodik hinterfragt – so wird erst einmal der „beste“ malaysische Komponist gewählt, dann wird dieser wiederum mit den anderen südostasiastischen Komponisten in einen Topf geworfen. Was aber, wenn das zweitbeste Malaysische Stück besser war, als das zweitbeste südostasiastische? Kompliziert….Allerdings wird auch ein „Preis für alle“ verkündet – so lädt das Goethe-Institut alle Komponisten nächstes Jahr auf die Ferienkurse in Darmstadt ein (oder wo auch immer sie dann stattfinden). Mein erster Gedanke ist natürlich: „hoffentlich frustriert sie das nicht für immer“ – kompositorische Unschuld hat auch viel für sich

Auch das letzte Konzert kann nicht ohne Reden auskommen – diesmal kommen diese allerdings am Schluss nach den Darbietungen aller Stücke der Wettbewerbsteilnehmer und einiger Juroren, zum Beispiel das wunderbare „Mut(e)al Dialogue“ der thailändischen Komponistin Anothai Nitibhon, leider die einzige Frau unter den ansonsten männlichen Komponisten, ein kraftvolles Stück mit schönem Präparationseinsatz im Klavier.

Franz Xaver Augustin, der Ressortleiter für Südostasien, momentan in Indonesien tätig, spricht von einem gewissen Dünkel unter den südostasiatischen Ländern, bei denen Malaysia in der Neue-Musik-Rangordnung den unteren Platz einnehmen würde. „Aber böse Menschen singen keine Lieder“ sagt er zum Abschluss seines Vortrags. Applaus.

Danach die Wettbewerbszeremonie, die so kompliziert dargeboten wird, mit so vielen verschiedenen Repräsentanten und kleinen Reden, dass am Ende keiner so richtig weiß, wer jetzt eigentlich was gewonnen hat. Ist vielleicht auch gut so. Herausragend auf jeden Fall diese Stücke: in „Night without voices“, dem malaysischen Siegerstück von Chow Jun Yi, wird ein spieluhrartiges Motiv im Klavier von beharrlich bohrenden Klängen umkreist, eine Art Behauptung von Unschuld, vielleicht thematisch daher besonders passend. Bei „Urban Silhouettes“ des thailändischen Komponisten Zurazak Ut-Sa handelt es sich um ein Minimalstück, dass dennoch einen positiven Charme entwickelt, der über die Faktur hinausgeht, das einzige weitgehend tonale Stück des Wettbewerbs. Isaiah Lee Chie Tsangs „Autumn’s heart. Maple. Fragrance“ fällt zuerst einmal durch die Widmung in der Partitur auf „To my grandmother, the king of Pop: Michael Jackson“. Man traut Michael Jackson posthum vieles zu, auch dass er in Wirklichkeit die Großmutter des Komponisten ist. Das Stück ist voll von ernst gemeintem Pathos und endet mit dem gemeinsamen Hochwerfen von Papierschnitzeln durch die Interpreten, dabei rezitierend: „I cry for you, I die for you, my love“. Leider klingt das Stück nur sehr wenig nach Michael Jackson.
Das Siegerstück „In Her Glances“ des philippinischen Komponisten Juro Kim O Feliz besticht durch große Reduktion – auch wenn hier ein bisschen das Klischee der Tonumkreisung bemüht wird, handelt es sich hier um das ausgehörteste und feingliedrigste der Stücke, man merkt, dass der Komponist weiß, was er will, und die sorgfältige Ablösung von Klangfarben beherrscht. Das ist noch nicht neu, aber dennoch bei sich, im besten Sinne „authentisch“.
Die (anonymen) Bewertungen der Jury – 4 Asiaten und 3 Deutsche – sind fast gleich, es ist kein kultureller Unterschied auszumachen, das Siegerstück gewinnt mit weitem Abstand.

Danach grosses Abschiedsfest, aus Ermangelung von etwas kneipenähnlichem findet dieses in der Vorhalle des Konzertsaales und später im Hotel statt. Am Ende wird jeder mit jedem mindestens einmal fotografiert, Konzertüberbleibsel werden von allen Komponisten signiert und wie Reliquien behandelt. Dennoch ist ein echter Enthusiasmus zu spüren: Ein Aufbruch für die Malaysische Musikszene, man ist stolz, etwas geleistet zu haben, einen Anfang gesetzt zu haben. Goethe hat liebevoll geholfen. Man plant, ein länderübergreifendes ständiges Ensemble für Neue Musik aufzubauen. In der Hotelbar läuft währenddessen Chelsea gegen Arsenal (Chelsea gewinnt). Im Wettbewerb waren nur malaysische Chinesen vertreten, keine Malayen, keine Inder. Es sind vor allem die Chinesen, die sich generell für klassische Musik interessieren, ein importierter Boom? In 10, 20 Jahren wird diese Szene die (europäische) Vergangenheit aufgearbeitet haben und in die Zukunft drängen.
Vielleicht gibt es keinen eigentlichen Unterschied zwischen den Kulturen mehr, vielleicht ist Individualität eine Illusion.
Zurück nach Deutschland.
Wir sind nicht anders.

Und hiermit endet der kleine Malaysia-Report,

Euer Bad Boy,
Moritz Eggert

(Einige Bilder werden nachgereicht, versprochen!)

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36 Antworten

  1. Etwas später erzählt mir Mathis Mayr, der Cellist vom Ensemble Mosaik, wie er einmal mit einem chinesischen Ensemble durch Europa getourt sei. Nach jedem Konzert, auch den durchweg erfolgreichen und hervorragend gelaufenen, gab es extreme Selbstkritik bis hin zur Selbstgeißelung von allen chinesischen Beteiligten. Hierin ist die chinesische Kultur dem Deutschen Feuilleton nicht unähnlich.

    tralala und hopsasa,
    Äpfel und Birnen, ist ja sowieso alles Obst
    blbla, bla,bla
    jetzt ist wieder was vollgebloggt …

    x

    Selbstkritik und Fremdkritik in den gleichen Topf zu werfen ….
    es ist zum Verzweifeln, lieber eggy, einfach nur quatschen um zu quatschen – Gedanken-Unschuld hat auch was für sich.

    Überhaupt: die mehrmalige Beschwörung der (kompositorischen) Unschuld in deinem Artikel – ein versteckter Hinweis auf eigenes Treiben in Malaysia? – denn, um was es sich bei „kompositorischer Unschuld“ handelt, das lässt du unausgesprochen.
    Also: Was ist dir seinerzeit in Darmstadt wirklich widerfahren, das du noch nicht verdaut hast?

    – wechselstrom –

  2. Konzertüberbleibsel werden von allen Komponisten signiert und wie Reliquien behandelt. Dennoch ist ein echter Enthusiasmus zu spüren

    ????

  3. Konzertüberbleibsel werden von allen Komponisten signiert und wie Reliquien behandelt. Dennoch ist ein echter Enthusiasmus zu spüren

    ????

    ja, uns so wird weiter gequatscht nur um des Quatschens willen, ganz im Sinne von: Ein „dennoch“ habe ich schon lange nicht mehr geschrieben, also schreib ich mal eines.

    Ob das jetzt Sinn macht oder sinnentstellend ist – egal – die anderen werden sich schon was dabei denken.

    – wechselstrom –

    • eggy sagt:

      Wenn einem gar nichts mehr einfällt: „copy und paste“. Dann: laber, laber. Sich cool und überlegen fühlend. Come on, wechselstrom – ein bißchen vulgärer, beleidigender und primitiver geht’s schon. Lass es raus, Deinen Hass, Dein Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit. Mehr bitte!
      Dein
      Bad Boy

  4. @ eggy:

    Die Schmiere mit „Dein Bad Boy“ kannst du jetzt einstellen.

    Leider ist das Niveau seit der letzten wirklich interessanten Diskussion zum Thema „Schnittke“ ins bodenlose abgerutscht. Dein Artikel „NM in KL Teil 2“ ist ein beredtes Beispiel dafür, und du darfst dich nicht wundern, wenn dann Kritik kommt. Dass die Kritik gezogen hat beweist dein Artikel „NM in KL Teil 4“. der wesentlich genauer, differenzierter beobachtet und berichtet, und deine eigenen Befindlichkeitn wohltuend in den Hintergrund rückt.
    Die paar Schlampigkeiten , die du auch hier machst, habe ich dir oben benannt – du kannst sie gerne beherzigen, oder auch nicht.

    Natürlich geht es noch niveauloser, und das ist bei Arno Lücker der Fall. Letztes Beispiel unter vielen: Sein Kapstadt-Artikel. Dass du dich für ihn ins Zeug wirfst, mag an euerer Freundschaft liegen. Was ich nicht verstehe, ist die offenbare Scheu, Kritik an seinen Kompositionen zuzulassen. (Ist er ein wichtiges „Tier“ in der nmz oder im Rundfunk – eben, das ist der Grund!)
    Höre dir das bitte an: So etwas liefert man im ersten Semester an der Musikuni ab, und wird anschließend hinausgeworfen.

    – wechselstrom –

    • eggy sagt:

      Lieber wechselstrom,
      Wer in seinen Kommentaren 14-jährige Malaysierinnen und andere erbärmliche Phantasien ins Spiel bringt, oberlehrerhaft Texte auseinandernimmt ohne auf ihren Inhalt einzugehen, vulgäre Beschimpfungen und eifersüchtige Verwünschungen („Dein Stück soll keinen Erfolg haben, ätsch, bätsch“ – ach Gottchen, das ist ja nun wirklich „niveauvoll“…) aneinanderreiht, kreiert genau das niedrige Niveau, das Du hier scheinheilig anprangerst. Dabei ist jedem klar, dass es nur darum geht, dass Christoph Theiler a.k.a. wechselstrom seine kleinen Allmachtsphantasien in Kommentaren auslebt und sich über alles andere erhaben fühlen kann. Du bist das Sprachrohr allein Deiner selbst, Dein eigenes Tourette-Syndrom. Du wärst gerne ein souveräner Grantler a la Qualtinger, wirkst aber nur wie ein verbitterter Loser. Schon während Du dies liest, denkst Du schon wieder darüber nach, was Du wieder Tolles antworten kannst, und bei jeder neuen „Replik“ desavouierst Du Dich alleine selbst. Aber vielleicht muß das einfach alles mal raus – so eine Art verbaler Durchfall, der Deinen Darm reinigt. Vielleicht bist Du danach gesund. Tipp, Tipp, Tipp mit Deinen hektischen, kleinen Fingern, hinterlass überall Deine Kommentare, ja was bist Du für ein toller Typ, zeig’s uns, komm, Du hast es doch drauf, Christoph, da geht doch noch was!
      Dein
      Bad Boy

  5. @ eggy,

    entweder es ist der Jetlag, oder es sind die Nachwirkungen deiner Doktorspiele in K.L., die Dich hier zum Psychiater mutieren lassen. Nahtlos anschließend, der Versuch, Kritiker als Patienten deines Hobbys zu rekrutieren.
    Beim Zitieren ist die Copy-Paste-Technik das Mittel der Wahl und nicht die Unterstellungen, die sich in deinem Hinterkopf einnisten.

    Zu Lückers Niveau, seinen Artikel betreffend schweigst du beredt. Er ist vielleicht noch nützlich, immerhin ist er in verschiedenen medialen Zusammenhängen tätig, da kann man mit Kritik nicht so herumwerfen, droht sie doch zum Bumerang zu werden.
    Ein Blick auf Lückers Bild-Posting vom Tafelberg: Das ist ein fader Altherrenwitz, oder bist du da anderer Meinung?

    Aber keine Angst, eggy, du bist nicht allein, im Gegenteil du stehst in der Masse: Zu Lückers Niveau wird sich hier niemand kritisch äußern, und auch nicht zu deinem, nachdem du deine Zusammenhänge mit Jury, Goethe-Institut etc. gepostet hast.

    – wechselstrom –

  6. Moritz eggert sagt:

    Lieber wechselstrom,
    mit „doktorspiele“ fingst du ja schon ganz vielversprechend an, aber danach war’s mir einfach ein wenig zu brav. Für dieses lahme Posting hast du jetzt also einen ganzen Tag gebraucht? Ich bin enttäuscht von dir. Also, schnell wieder an die Tastatur, und wieder gegen die selben Windmühlen gekämpft, die selben wenigen Themen abarbeitend, die selben geringen sprachlichen Möglichkeiten verwendet, die dir zur Verfügung stehen. Komm schnell, wieder an die Tastatur! Frischauf!
    Dein
    Bad Boy

  7. @eggy

    jetzt muß ich mich dringend wieder einer möglichst antintellektuellen Tätigkeit hingeben, mein Hirn ist schon total überfordert von deinen unglaublich radikal neuen Argumenten, die an Tiefe und Schärfe wirklich den letzten IQ-Punkt fordern.

  8. eggy sagt:

    Lieber wechselstrom,

    Was schön ist: So langsam geht Dir der Saft aus. Deine Kommentare werden immer kürzer, bewegen sich gen gedachtem Nullpunkt (Du weisst schon, der nach dem letzten verbrauchten IQ-Punkt). Diesmal hast Du sogar auf Deine Lieblingsthemen (a la „Ihr seid alle korrupte Arschlöcher“ oder „Sex, Sex, Sex“ oder „Das große NMZ/Goethe-Institut/was auch immer-Komplott“) verzichtet und einen tatsächlich mal einigermaßen normal ironischen Kommentar hingebracht. Nach dem Gesetz der Antimaterie ist also bald Deine ganze negative Energie verbraucht, und es kommt irgendwann was Positives, Konstruktives, Diskussionswürdiges dabei raus.

    Und darauf würde ich dann auch ganz ernst antworten, versprochen! Vielleicht gelingt’s ja, nur Mut!

    Dein
    Bad Boy

  9. @eggy,

    jetzt habe ich aus deinem eigenen Kommentar zitiert, und glatt erkennst du darin den Nullpunkt. Selbsterkenntnis ist immer ein guter Weg.
    Dein Kommentar im Original ist hier verortet:
    http://relaunch.nmz.de/node/66401#comment-266
    letzter Absatz.

    Gute Nacht wünscht
    – wechselstrom –

    P.S: R.W.Fassbinder als bornierten Antiintelektuellen hinzustellen, ist auch borniert.

  10. eggy sagt:

    Lieber wechselstrom,
    9 Zeilen ist leider schon wieder ein bißchen mehr, schade. Und Dein Niveau kann nur steigen, wenn Du Texte von mir klaust? Erbärmlicher geht’s kaum noch…Du dekonstruierst Dich hier vor allen Augen selbst, das könnte ich gar nicht besser!
    Und lies mal den Artikel genauer – im Kontext wird klar, dass das mit Fassbinder als Hohn gemeint war (denn vorher wurde ich ja als bornierte Anti-Intellektueller beschimpft). Ich bin einer der größten Fassbinder-Fans – habe gerade ein langes Fernseh-Interview zur neuen DVD-Edition von „Welt am Draht“ für die Fassbinder-Foundation gemacht, die das auch wissen.
    Aber das Verständnis von Texten war noch nie Deine Stärke – das Schreiben auch nicht :-) Aber vielleicht gibt’s noch Hoffnung für Dich!
    Also, ich warte nach wie vor darauf, dass Deine Hautfarbe langsam von grün (wechselstrom-Hulk, limitierte Sprachfähigkeit, sinnloser Zorn auf alles) zu rosa (Christoph Theiler, vielleicht ein netter Kerl, so sagt es zumindest Dein Freund Erik) mutiert. Und dann können wir reden, versprochen.
    Dein
    Bad Boy

  11. @eggy

    im Kontext wird klar, dass das mit Fassbinder als Hohn gemeint war

    klar ist, dass du R. W. Fassbinder als „allerborniertesten Antiintellektuellen“ hinstellst und unter :
    http://relaunch.nmz.de/node/66401#comment-266
    kann das jeder nachlesen.
    In keinem der vorherigen Beiträge ist auf R. W. Fassbinder Bezug genommen worden, dann kann das auch nicht als ironische Replik, wie du jetzt behauptest, gemeint sein.
    Es ist vielmehr so, dass Du, nachdem du Fernsehinterviews zu Fassbinder gibst, deine Meinung um 180 Grad wendest, weil es eben opportun ist.

    – wechselstrom –

  12. Moritz eggert sagt:

    Lieber Wechselstrom,
    da ist er schon wieder, dein Lieblingsvorwurf. Hast du nicht mal was Neues? Einfach mal lesen lernen, Baby, dann wird alles gut. Lies mal den Kommentar davor, dann lies meinen Kommentar noch mal von vorne, und vielleicht (aber nur vielleicht, das mit deinem sinkenden IQ scheint ja augenscheinlich zu stimmen) verstehst Du dann den Fassbinderkontext. Kommt noch was? Wir können das hier ewig weitertreiben, gähn…
    Dein Bad Boy

  13. @eggy

    verstehe nicht, warum du so aufgeregt bist. Es gibt in den vorherigen Blogbeiträgen keinen Fassbinder-Bezug.
    Vielleicht habe ich ihn übersehen, dann bitte hier posten oder einen Link-Verweis setzen.

    Es ist ja nicht so schlimm, eggy wenn man einmal in früheren Zeiten eine andere Meinung hatte als heute. Und es ist auch nicht schlimm, klüger zu werden.

    Du hattest ja mit der Bezeichnung “allerborniertester Antiintellektuellen” für R. W. Fassbinder nur deine eigene Meinung kundgetan – an Meinungsäußerung ist prinzipiell nichts Verwerfliches.

    So wie du das jetzt als „ironische Replik auf früheres Posting“ zurechtbiegen willst, das verlangt jedoch ein geschmeidiges Temperament.

    – wechselstrom –

  14. Au weia, hier läuft was aus dem Ruder.
    Schade.

  15. eggy sagt:

    ok, jetzt hier für die ganz Doofen (a.k.a. wechselstrom):

    Peter Blum schrieb vorher an mich:

    Sie hätten bei Adorno längst Antworten gefunden, wären Sie nicht so borniert antiintellektuell und lamentierten herum

    Darauf ich:

    Lieber Peter Blum, vielen Dank für die Benennung als „bornierter Anti-Intellektueller“, das kommt in meine Sammlung für mein nächstes T-Shirt! Nur aus einer detailgenauen Kenntnis meiner Person und meiner Arbeit kann natürlich eine solche Aussage kommen – Hut ab vor soviel Hingabe und Kenntnis, das finde ich ganz toll!

    Ironie ick hör Dir trapsen? Danke.
    Dann:

    Aber jetzt muß ich mich dringend wieder einer möglichst antintellektuellen Tätigkeit hingeben, mein Hirn ist schon total überfordert von Ihren unglaublich radikal neuen Argumenten, die an Tiefe und Schärfe wirklich den letzten IQ-Punkt fordern, Flipperspielen z.B.,. Wie wär’s mit einer Partie? Im Gedenken an Rainer Werner Fassbinder zum Beispiel, der hat gerne Flipper und auch Fußball gespielt, und war ja bekanntlich auch einer der allerborniertesten Antiintellektuellen…

    Verstehst Du jetzt die Brücke? Immer noch nicht?

    Ok, dann fangen wir jetzt beim Alphabet an:
    A kommt vor B
    B kommt vor C
    C kommt vor D…

    Du kommst immer noch nicht mit?

    Ächz—

  16. querstand sagt:

    Liebe Leute, wie man die Stücke des Kollegen oder eben Nicht-Kollegen Lücker findet, ob man des einen oder das eigene Networking hübscher oder unkess findet, daß sollte aber nicht davon abhalten, hier doch wieder mehr bei der Sache zu bleiben, wo es ja durchaus auch zur Sache gehen sollte. Einfach tief Luft holen, einmal in den kalten Dezember raus, sich den Tafelberg als Eisberg vorstellen und alle Malaien als Inuit, dann fühlt sich jeder hier in den gepflegten und manchmal auch ungepflegten gemässigten Breiten wieder ganz wohl. Und nun wieder mehr ran an die Sache, sonst kommen wir die um Tafelberg und Kap der Guten Hoffnung herum – die armseligen Neue-Musik-Freien Weltentdecker schafften das besser als wir…

    Nun als sachlich: Ich frage mich nach all den aussereuropäischen Berichten: Was ist eigentlich Neue Musik? Ist sie das, was wir uns technisch (all die Topoi zwischen Serialismus und Geräusch und Stille) darunter vorstellen, oder methodisch (parametrische Ausdifferenzierung jenseits der Hörbarkeit, also extremes Komponieren ausserhalb der Zeit) oder negierend (was ist alles nicht Neue Musik, was war schon mal da, die Exkludierungsmethode)? Taugen diese Ansätze auch für Menschen aus anderen Kulturen, so „westlich“ sie die Neue-Musik auch aufnehmen? Oder muß man den Begriff Neue Musik weiter oder ganz neu fassen? Also, was ist dann Neue Musik auf Basis z.B. der chinesischen, malaischen, etc. Tradition? Gibt es da überhaupt Neue Musik jenseits unserer imperialistischen Vorstellung davon? Oder kann Neue Musik nur durch unsere Sichtweise Neue Musik sein und bleiben? Oder gibt es eben doch einen interkulturellen neuen Neue-Musik-Begriff? Also ran an den Braten!!
    Eure queerständlerin (wir haben in München jetzt einen pink christmas – ich aber noch keinen Stand dort!!)

  17. @eggy,

    Ich kann aus dem Posting des Herrn Peter Blum keinen Fassbinder-Bezug entdecken. Auch keine Andeutung etwa in der Weise, dass in Blums Beitrag der neue Deutsche Film, der Autorenfilm, kritisch beleuchtet wird, oder die 68er-Generation, wozu man vielleicht Fassbinder zurechnen könnte.
    Ich lese ich aus Blums Beitrag viel Sympathie modernen Kunst-Bestrebungen gegenüber („Die Kunst braucht Autonomie und muss unbedingt schwierig sein und die höchsten emotionalen und intellektuellen Fähigkeiten des Menschen herausfordern“), was eher auf Blums Sympathie auch gegenüber neuerem Filmschaffen a la Fassbinder schließen lässt.

    – wechselstrom –

  18. eggy sagt:

    @querstand
    Wie recht Du hast!
    Um Deine Frage aus meinen persönlichen Erfahrungen zu beantworten: bei asiatischen Komponisten (ich meine hiermit China, Malaysia, Indonesien, Singapur, etc. – Japan ist ein Spezialfall) gibt es grundsätzlich 2 Gruppen. Diejenigen, die sich nach westlichen „Manier“ gerieren, um Erfolg bei hiesigen Festivals etc. zu haben (oder auch, weil ihnen die „Neue Musik“ einfach gefällt, das muß ja nicht nur berechnend sein).
    Und diejenigen, die versuchen aus der Begegnung mit unserer Musik ihre eigene Musik unter neuen Gesichtspunkten zu entwickeln – d.h. aus der dortigen Musiktradition heraus etwas weiterzudenken. Aber auch dies geschieht sehr oft unter starkem Eindruck westlicher Musikkultur – zum Beispiel kennt „klassische“ Gamelan-Musik nur orale Tradition, keine Notenschrift. Nun gibt es aber Gamelan-Komponisten, die Notenschrift gelernt haben, damit geht ihre Musik in eine neue Richtung, quasi der umgekehrte Debussy-Effekt.

    Letzteres ist mir natürlich irgendwie sympathischer – das Problem mit dem Anwenden der Neue Musik-Topoi (was zwangsläufig aus der Ferne geschieht, und damit immer ein wenig zeitverzögert, also „hinterher“ hinkend ist) ist, dass es aus zweiter Hand, nicht authentisch ist.
    Etwas was aber mit „Neuer Musik“ im Sinne Adornos gar nichts mehr zu tun hat, kann man auch nicht wirklich mehr „Neue Musik“ mit großem „N“ nennen, oder? Es wird sich dort zunehmend ein neues Selbstverständnis entwickeln, und das wird meiner Meinung nach schon bald passieren, ähnlich wie in der amerikanischen Musik um die Jahrhundertwende des letzten Jahrtausends auch ein Abnabelungsprozess von Europa stattgefunden hat. China könnte hier eine Vorreiterrolle einnehmen, grundsätzlich ist das schon eingeleitet. Südostasien ist dann auch wieder sehr anders und eigen.

    @wechselstrom
    Der Fassbinder-Bezug ist hier zu entdecken, lustigerweise in einem sehr paranoid wirkenden Posting von Dir:

    http://www.mail-archive.com/liste@netznetz.net/msg00020.html

    Und der betreffende Film heisst „Angst essen Seele auf“.

  19. @ eggy,

    Was regst du dich permanent auf – also, unter uns, deine eigenen Postings bezeichnest du selbst als „Nullpunkt“ oder als Bewegung gen Nullpunkt, (siehe dein 5-letztes Posting) o.k. ich widerspreche nicht, lass es einfach so, einverstanden?

    Wenn du es auch schaffst bspw. in Verbund mit wem auch immer (Lücker, Phahn, Trübtassen & co.), oder wen du immer zu deinem Netzwerk zählst, für eine Community wie die Wiener Netzkünstler aus dem Nichts heraus 500.000,– Euro pro Jahr aufzustellen, das über 4 Jahre zu behalten, und dazu sich NICHT den PolitikerInnen ans Bein zu schmieren (siehe deinen Link) sondern ihnen via netznetz-Liste auszurichten, was sie zu tun haben, und dazu es durchsetzt, dass die Netzkünstler hier in Wien das Geld eigenverantwortlich, d.h. über demokratische (ja, sogar basisdemokratische) Wahlen untereinander aufteilen können, ohne Zwischenschaltung selbsternannter „Filmexperten“, die sich in selbstgefälligen Interviews einmal über das „geniale“ ein andermal über das „bornierte“ Schaffen eines R.W. Fassbinder auslassen, dann wäre ein Gespräch wirklich fruchtbar – auch für andere, die vielleicht ähnliches anstreben.
    War übrigens eine der coolsten und auch spannendsten Hacking-Aktionen aus dem Hause wechselstrom – („Netzkultur hackt Wiener Kulturbudget“ tickerte damal durch die Presse) besser als jede Opernaufführung – naja, der Vergleich hinkt vielleicht ein wenig.

    Ich versuche dir hier sowieso permanent Tipps in dieser Richtung zu geben –

    Dein Fassbinder-Bashing ist ja auch nicht weiter schlimm – ich meine , Fassbinder als „borniertesten Antiintellektuellen“ hinzustellen, ist sicher im wissenschaftlichen Diskurs wenig populär — er kann sich nicht mehr wehren, aber, wie heißt es so schön: was juckt es die Eiche, wenn das Hündchen sie anpinkelt.

    – wechselstrom –

  20. eggy sagt:

    Liebes wechselströmchen,
    Das mit dem Fassbinder kannst Du jetzt lassen, das zieht nicht mehr.

    Jetzt haben wir Dich endlich mal mit einem selbstgefälligen und eitlen Posting aus der Reserve gelockt, schön!

    Vielleicht solltest Du den geneigten Lesern auch von Deine „Kalbsembryonenverkostungsaktion“ erzählen. Wie war das noch mal? Also erst tönst Du groß rum, Du würdest Kalbsembryonen verkosten lassen, suchst scheinheilig Rezepte, willst natürlich alle schocken und Publicity erzeugen, „betroffen“ machen, dann war alles nur ein Spaß und es kommt eine lahme Presseerklärung, in der Du sagst „Paradoxien einzuschreiben, ist Ziel des subkutanen
    Kunstprojekts „Kalbsembryonenverkostung“
    (hast Du das mit dem Setzkästchen zusammengebastelt? Na ja, „subkutan“ klingt immer mächtig klug).

    Also Nitsch war/ist da irgendwie konsequenter.
    Gut, vielleicht braucht man solche Aktionen, um der Wiener Kulturschickeria in den Arsch zu kriechen und sich dann scheinheilig als Robin Hood mit Verfolgungswahn (wie war das jetzt mit dem Lutschinger?) zu gerieren. Das wird auch nicht besser, wenn man es „cultural hacking“ nennt – eher „cultural cacking“, wenn Du mich fragst.

    Dein
    Bad Boy

  21. Lieber Moritz,

    Ich verstehe aber nicht, warum das was Christoph in Wien macht, nun mit Arschkriecherei bezogen auf eine Schickeria zu tun habe. Welche Schickeria soll das denn sein?

    Ja ganz im Gegenteil. Netznetz hat was bewegt in der Wiener Szene und übrigens auch im Austausch und der Interdisziplinarität der Künste in der freien SZene der Stadt!: Klangkunst, Musik, Videokunst, Bildende Kunst
    und der Gruppierungen in dieser Stadt. Es ist daraus unheimlich viel an Szene entstanden.

    Die Kalbsembryonenverkostung war doch eine gute Idee als Kunstaktion, mit der Wechselstrom z.B. (anhand der Reaktionen belegbar, die er dann in der Kunstradiosendung eingearbeitet hat und die nicht umsonst mehrfach gesendet wurde. Z.B. wurde die Doppelmoral von militanten Tierschützern oder einfach sich sonst als Bohemiens generierenden Spießern auf gezeigt, die sich dann massiv über die Aktion aufregten und sogar privat bei ihm anriefen und ihn an Leib und Leben bedrohten.

    Das hat für mich mit „Arschkriecherei“ nichts zu tun,
    sondern ist mutig. Bitte informier Dich doch mal bei Christoph persönlich oder hör die Radiosendung an etc. und studiere die Entstehung und Rezeption der Aktionen ausführlicher.

    Lieber Moritz, ich muss ganz ehrlich sagen: ich verstehe, dass aus Deiner Warte, Du Dich über Christophs
    erste Postings zu Malaysia sehr geärgert hast.

    Das war selbst mir ja auch was too much, wie Du weißt.

    Aber nun bist Du im Blog auch nicht viel besser mit Deinen Beschimpfungen oder Unterstellungen gegen Christohp Theiler: z.B. „Robin Hood mit Verfolgungswahn“ o.ä. (etwa im Kontext mit Netznetz und seinen bisherigen Bloggings zur nmz-) hier zu bezeichnen. Denn diese Dinge haben ja nichts miteinander zu tun.

    Bzw. jeder will nun dem andren seine angebliche „Selbstgefälligkeit“ oder „Angeberei“ o.ä. beweisen. Dabei sind wir alle doch auch Egoisten, wollen alle Aufmerksamkeit,geliebt werden, das liegt in unserer Natur, zumal als Künstler/Komponisten umso mehr. Denn wenn man das nicht will (Aufmerksamkeit anstreben, Sich-MItteilen) dann braucht man erst gar nichts zu schaffen. Wir sind keine Über-Menschen oder Heilige in der Hinsicht, und keiner schafft entweder nur aus Egoismus oder nur aus Altruismus.

    Wir vergessen, dass wir ja immer noch auch (Evolutionstheorie) ein Stück weit auch intelligente Tiere sind (man erinnere sich an unseren „Affen“-Diskurs: JA: Neue Musik-„Affen“ ist doch was Herrliches. Stehen wir dazu, dass wir diese „niederen Überlebensinstinkte“ und tierische „Ängste“ haben [z.B. gibt es morgen noch Fördermittel, wie wird es weiter gehen etc. …?])

    Aber: Wen bringt das aber in der Blog-Community weiter, frage ich mich, wenn es ins PERSÖNLICHE oder in unnötige virtuelle 1:1-Kämpfe geht? Da sind Affen vielleicht zuweilen klüger (und sie hatten noch kein INternet, kein Multitasking und mit ähnlichen Problemchen sich rum zu schlagen…), da sie sich mal kebbeln oder beißen zwischendurch, aber dann auch wieder an die Gemeinschaft denken.

    Das habt ihr beide nicht nötig.

    Vertragt Euch!!!
    Nun erreicht der Blog leider meiner Meinung nach – zumindest an DIESER Stelle – ein Niveau des gegenseitigen
    medial-virtuellen Zerfleischens.

    Was Ihr hier schreibt, das könntet Ihr doch genauso in Privatmails untereinander klären oder bei nem Bier.

    @ Nitsch, naja, die vermeintlich (damals) „schockenden“ Blutorgien und Aktionen kommen Dir, Moritz, vielleicht „konsequent“ rüber. Aber das ist ja auch andererseits nichts Neues, eine Art Mimesis von alten Opferkulten und – ritualen, von vor-aufklärerischen menschlichen Urinstinkten bis hin zur Affirmation gegenüber alten und christlichen Opfer-und Blut-Mythen.

    Liebe Grüße an Dich Moritz, an Dich Christoph and ALL

  22. @ querstand,

    Oder muß man den Begriff Neue Musik weiter oder ganz neu fassen? Also, was ist dann Neue Musik auf Basis z.B. der chinesischen, malaischen, etc. Tradition? Gibt es da überhaupt Neue Musik jenseits unserer imperialistischen Vorstellung davon?

    Interessante Fragen, aber ich persönlich finde, dass man
    das, was Neue Musik bisher ausmachte, im westlichen, europäischen Sinne, also europäische Tradition, keineswegs vergessen darf.
    Das hat z.B. mit „imperialistischer Sicht“ nichts zu tun,
    wenn man diese Dinge weiter bewahrt UND weiter entwickelt. Imperialistisch würde es erst, wenn man unsere Neue Musik-Standards oder Vorstellungen davon verabsolutieren, sie aller Welt aufoktroyieren oder gar aufzwingen wollte, sie genau so zu sehen… Dies kennzeichnete für mich Imperialismus. Also z.B. wenn man belächeln würde, dass Komponisten anderer Kulturen als aus der unsrigen eigene Klänge, eigene Skalen, eigene Stilelemente und andere Vorstellungen mit Neuer Musik verbinden bzw. in diese einfließen lassen.
    Naja, das tut wohl hoffentlich keiner mehr.

    Aber unbedingt: Bekenntnis zur eigenen Tradition und zu europäischen kulturellen Identitäten: Daher haben auch z.B. Dinge wie die sogen. Schlüsselwerk-Reihen, die ja nicht ganz unumstritten sind, ihre Berechtigung. Es wird nur bedenklich, wenn der „Schlüsselwerk“-Gedanke über Hand nimmt und zu Lasten der Beachtung und Förderung junger wie unbekannterer oder Freie Szene-Komponisten geht. Und mich stört z.B. dabei noch etwas der Unterton des KANONS á la Lesekanon in Schulen und Unis:
    Das und das sollen/müssten Hörer kennen/kennen lernen,
    damit ihnen auch „ordentlich“ vermittelt wird, was „Neue Musik“ ist oder sein kann. Denn: echte Vermittlung hieße: Offenheit, Wagnis, querdenken, Anti-Hierachisch denken… Das hat also was Anti-Aufklärerisches andererseits an sich, wenn man Hörern (potentiell Neuhörern) vorschreiben oder vordefinieren will, was nun
    z.B. den ultimativen Durchbruch zur Neuen Musik brachte.
    Aber das ist ein Widerspruch in sich, weil NEUE MUSIK
    ja ein ständiger Prozess, ein sich selbst Erneuern ist.
    Statt „Schlüsselwerke“ hätte ich z.B. lieber einen Titel wie „Wegmarken Neuer Musik“ gesehen.

    (globale) Neue Musik von Morgen?
    Es wird vielleicht etwas ganz Neues entstehen aber gewiss kann und sollte man die inzwischen traditionellen Elemente und Stilmittel und auch Werte gerade der europäisch-abendländischen Neuen Musik, aus denen sie hervor ging nicht ignorieren oder einfach von den „Bildschirmen“ oder aus unseren Gehirnen auslöschen. Das wäre eine fatale Form von geschichtslosem FUturismus.

    Abendländische (Neue) Musiktradition und kultureller Austausch, dies ALLES fließt in die Musik ein. Das ist doch in allen vergangenen Musikepochen auch so.

  23. eggy sagt:

    @Erik
    Du hast mit allem, was Du sagst, 100% Recht. Ich danke Dir für diesen Vermittlungsversuch.

    Vor allem dieser Satz fiel mir ins Auge:

    Bitte informier Dich doch mal bei Christoph persönlich oder hör die Radiosendung an etc. und studiere die Entstehung und Rezeption der Aktionen ausführlicher.

    Vollkommen richtig. Genau das würde ich mir umgekehrt auch mal von ihm wünschen – sich einfach mal ein bißchen mit einer anderen Person, deren Taten und deren Motivation auseinanderzusetzen. Sorgfältige Recherche, kein schnelles Aburteilen.

    Ich habe oben nur mimetisch seine Art der Provokation (Herausgreifen von ein paar Punkten, dann cultural hacking-mässig darauf herumreiten, um zu provozieren) angewendet. Das sollte klar geworden sein.
    Um zu zeigen, dass auch er ein bißchen eitel und daher verletzlich ist, was seine eigenen Projekte angeht – wie wir alle! Ich auch! Keiner ist da irgendwie besser oder cooler.

    Es geht hier nicht darum, wer der klügere „Affe“ von uns beiden ist, Christoph oder ich. Lächerlich machen wir uns beide mit diesem endlosen Hin-und-Her, das schon alle anderen annervt, das ist klar.

    Wenn Christoph dies liest (und ich bin sicher, dass er es tut): @Christoph: Selbstverständlich hat Erik recht, wenn er bemerkt, dass diese Diskussion nicht mehr in die Kommentare gehört, die kann auch per Email weitergeführt werden. Du hast ja meine Adresse. Da können wir uns entweder endlos zerfleischen, oder auch aufeinander zugehen und die Position des anderen verstehen lernen. Es ist nicht Deine Kritik, sondern die FORM der Kritik, mit der es hier ein Problem gab.

    Ich würde mir wünschen, dass wir alle – Autoren wie Kommentatoren – hart aber fair bleiben. Niemand ist perfekt, sicherlich ist jeder schon mal über das Ziel hinausgeschossen (siehe Arnos Zwenzner-Kommentare zum Beispiel – aber das war auch ein Anlass für beide, miteinander ins Gespräch zu kommen, Michael Zwenzner hat da sehr gut reagiert finde ich).
    Wenn wir hier fair untereinander sind und uns nicht ständig die Texte gegenseitig sezieren, um dort irgendwelche Ungereimtheiten zu entdecken oder zu erfinden (dem Medium ist geschuldet, dass hier niemand ständig auf dem Niveau eines gut lektorierten Romans schreiben kann, das sollte eigentlich klar sein), kann man doch wesentlich ergiebiger miteinander kommunizieren.

    Sieh dies also, Christoph, als Friedensangebot. Ich habe dies hier mal bewußt eskalieren lassen, um an diesen Punkt zu kommen, wo wir wahrscheinlich beide keine Lust mehr haben. Und es wäre tatsächlich interessant, über die „Kalbsembryonenverkostung“ und viele andere Aktionen von Dir ernsthaft zu reden, das Forum wäre hier sicherlich dafür da.

    Vielleicht hast Du dazu ja Lust, es würde mich freuen.

    Moritz

  24. € eggy,

    “cultural cacking” war schon einmal ein mächtiger Lattenschuss ans gegnerische Tor.
    Das Friedensangebot muss ich ausschlagen, denn dazu fehlt es an der notwendigen Voraussetzung, und die wäre ein vorangegangener Krieg.
    Lass uns doch in die Halbzeitpause gehen, dann bleibt dir eine faire Chance, dein Eigentor auszubügeln. Z.Zt. steht es 1:0 für wechselstrom.

    Für das eine oder andere Foul entschuldige ich mich – hat Schiedsrichter Erik eben nicht hingeguckt.
    Deine Fouls werde von ihm strengstens geahndet, dafür hast du den Vorteil, dass du auf deiner Spielfeldseite die Sonne im Rücken hast.

    Obwohl mir der Meinungsaustauch hier sehr viel Spaß macht, werde ich mich für längere Zeit verabschieden müssen- Großaufträge winken – ein Hoffnungsschimmer am Horizont tut sich auf – und dann brodelt einiges in der wechselstrom-Küche, das mir sonst anschmurgelt.

    Beste Grüße aus Wien

    – wechselstrom –

  25. EINE Konsequenz aus dem (auch ich mache Halbzeitpause in diesem Neue Musik-Diskurs-„ENDSPIEL“…!),

    Künstler, Komponisten, Musiker, besonders aus der „Neuen Musik“ (wie immer sie in 50 Jahren aussehen wird) aber auch Kulturkritiker, schräge Vögel, Mitleser etc. pepe:

    Stoppt den digitalen Taylorismus der dabei ist, unsere Gehirne und noch mehr die Gehirne unserer zukünftigen Zuhörer zu verändern in der (fatalen) Richtung, dass rasant durch (globalisierte) Hyperinformation unsere Aufmerksamkeitsfähigkeit, die Tiefe unserer Gedanken und auch Gefühle und Empfindungsvermögen immer mehr verkümmern (vgl. Taylorismus, der die Methoden bzw. das System (Effizienzsteigerung von Arbeitsabläufen im Dienste des Kapitalismus) über den Menschen stellte durch Arbeitsteilung, durch Anpassung der Muskeln, der Bewegungsabläufe etc. an die Produktionsmaschinerien. Nun werden die GEHIRNE und zum Schluss unsere Herzen angepasst…und zum Schluss sollen Geist oder Seele dran kommen oder das, was Neurobiologie, gar Philosophie oder Religion(en) in ihrem Grund und Wesen nicht erfassen und zum Glück nicht „beherrschen“ können…).

    [lest dazu mal, zu Zusammenhängen/Hintergründen z.B. :Frank Schirrmacher: Payback, München 2009]

    Wie kann man dem „digitalen Taylorismus“, vielleicht der letzten großen Kränkung der Menscheit vor einer möglichen Kulturellen Apokalypse (Ausrottung der Querdenker bzw. derer, die Herz und Verstand gebrauchen, die noch an sozialen Zusammenhalt, an Utopien glauben) entgegnen?)

    -durch: maßvollen und intelligenten Umgang mit den Massenmedien (nachdenkenden, (selbst-)kritischer Aufstand gegen das unintelligente, herzlose, neutrale Superhirn unserer Suchmaschinen, Blogs, Twitters, Pseudo-„Think tanks“…und gegen die Illusion, die uns oft von Softwareindustrie und -werbung eingeredet wird, die Maschinen seien die „Intelligenten“, könnten sogar bald „Herz“ oder Gefühle entwickeln oder mal unsere Kinder erziehen! Orwell lässt grüßen).
    -durch Zeitbegrenzung der Online-Zeiten bzw. ausschließlich kritisches, gezieltes Surfen im Internet. Bzw. Begrenzung des „Fun“-Surfens oder des Surfens um des Surfens willen, würde ich mal sagen…
    (Was zur Folge hat: Effizienzsteigerung unseres „Herz und Verstand“-Kapiltals, zynisch gesprochen, bzw. in der Sprache unserer Gegner und derer die uns Künstler bald auslöschen werden, wenn wir nichts dagegen TUN!)
    -durch: gegenseitige Aufklärung, kritisches Denken und Diskurs
    -durch: Sinnvolle Nutzung von Medien wie Facebook; Myspace etc. (mehr Diskurse, nicht nur Alltagsgespräche und „Wo bist Du gerade“?…)
    -durch: Herz, Gefühl UND Verstand
    -durch allein KRITISCHEN Umgang mit elektronischen Medien, mit denen wir arbeiten
    -durch eine Revolution des Bleistifts und der Handschriften beim Komponieren, beim
    Skizzieren (z.B. hat Sibelius nun schon in neuesten Versionen
    Das klingt super, lässt aber in Wahrheit/auf der anderen Seite
    Wir zahlen einen Preis zurück (Payback!).
    -durch kritischeren Einsatz der Kompositionssoftware (oder gar Verzicht): denn dadurch delegiert man die Denkprozesse, Ideenfindungen etc. an Maschinen.

    Wir haben die Wahl! Nichts ist unumkehrbar, schon gar nicht Prozesse der immer
    weiter fortschreitenden „Effizienzmaximierungen im Dienste des Geldes (anstatt des MENSCHEN und dessen Würde!).
    Die Hoffnung stürbe zuletzt.

    Dies muss nicht heißen, dass wir nicht weiterhin AUCH die neuen Medien benutzen und auch Sympathien, Veröffentlichungen/Mitteilungen von Alltäglichkeiten etc.
    austauschen bzw. verbal verkürzt kommunizieren, ob in unserer Szene, unter Freunden oder sonst wo.

    [The private or Facebook-area (weil mein o.g. Beitrag, da zu viele Zeichen, bei Facebook nicht angenommen wurde) oder: P.s.: Lieber Eggy, ich erlaube mir eine letzte Banalität für heute…hehe:
    Bayern 2 – Gladbach 1: Hut ab, aber trotzdem hat sich die „Elf vom Niedrrhein“ wacker geschlagen, oder?
    P:P.S. Christoph, was schmurgelt denn an? Machst Du wieder Nubisches Huhn…?]

  26. eggy sagt:

    (schnüff, schnüff)
    ….irgendwie stinkt’s hier ganz bestialisch….
    ach so, wechselstroms Eigenlob, kein Wunder!(„Großaufträge winken…“)

    Kann es auch in Blogs Wembley-Tore geben (also Tore, die man sich einbildet)? War Erik Schiedsrichter? Warum ist das jetzt alles plötzlich ein Fußballspiel?
    Was war der Sinn des Ganzen?

    Nun, vielleicht hatte es einen Sinn – es gab zwei Möglichkeiten, wie diese Sache endet

    a) Wechselstrom wechselt seine Platte und wir hören ihm endlich wieder zu
    b) Wechselstrom gibt auf und zieht sich zurück (psychologisch wichtig hierbei: er muß sich dabei als Sieger fühlen, also psst, lassen wir ihn einfach in diesem Glauben, Leute)

    Beides war möglich, b) war letztlich seine Entscheidung.

    Auch wenn ich schon jetzt ahne, dass wir nur sehr vorübergehend Ruhe vor seiner „Sprachgewalt“ haben, kann ich mich nur über diese Entscheidung freuen.

    Also: guten Appetit!

    And now (hopefully) for something completely different…

  27. @ Lieber Moritz,

    glaube (@ Deinem „schnüff schnüff“), die Ironie mit den
    „Großaufträgen“ von Christoph, die hast Du vielleicht nicht als solche verstanden. Genauso komisch fand ich aber auch das „Es steht 1:0 für Wechselstrom“ aus Wien.

    Moritz, Was Du nun auf einmal wieder unter b) nach unseren Privatmails der letzten 2 Tage (und oben unter 5.12. 13 Uhr 08 Deinem eigenen Friedenspfeifen“-Blogging) schreibst hier eben im Blog, das überrascht mich etwas (von wegen dass es nicht darum geht, wer „Sieger“ ist sondern um Zusammenhalt, privates, gegenseitiges Kennenlernen, live treffen etc.).

    Und ich dachte, die Pause bzw. Halbzeitpause
    dauert hier an der Stelle allseits (zu dem Thema hier) etwas länger.

    Und, siehe in [ ]: nun mein P.S.-Comment war eigentlich als freundschaflich-selbstironisch gemeint, darum auch in dem Kontext mein humoristischer Zusatz „Facebook“-area..). Wollte natürlich nicht damit sagen,
    dass es hier alles nur ein Spiel oder „Fußballspiel“ war,
    die ganze Bloggerei. Sondern meinte WIRKLICH das reele Fußballspiel Bayern-Gladbach vom Freitag. Nee, bin doch echt etwas Fußballfan, Eggy. Weißt Du das nicht?
    Und Christophs nubisches Huhn (nach römischem Rezept)
    das war wirklich lecker, was er mir vor paar Jahren geschmurgelt hat.

    Nunja, alles kompliziert, die ganze Internet-Kommuniziererei.

    b) Wechselstrom gibt auf und zieht sich zurück (psychologisch wichtig hierbei: er muß sich dabei als Sieger fühlen, also psst, lassen wir ihn einfach in diesem Glauben, Leute)

    Beides war möglich, b) war letztlich seine Entscheidung.

    Auch wenn ich schon jetzt ahne, dass wir nur sehr vorübergehend Ruhe vor seiner “Sprachgewalt” haben, kann ich mich nur über diese Entscheidung freuen.

    ???

    Euer Schiedsrichter,
    Erik

    P.s.: Für wen steht es nun eigentlich WIE? Keine Ahnung.
    Kein Fussball mehr! (mea culpa). Der Schiedsrichter gibt hier im Blog auf bzw. tritt sein Amt an die Community ab.
    Also, es steht nun mit Ach und Krach 0:0 würde ich sagen, und das „Wer fühlt-sich-am-Ende-hier-„überlegener“/im Recht- das wird zugenagelt.

  28. @ All,

    wie gesagt, das Wer-hat-am-Ende-Recht? bzw. das „Wer-gibt-hier-im-Blog-als-erster-auf?-Tor, das wird zugenagelt
    bzw. entspricht nicht fairen Spielregeln.

    Ich gehe in Eurem 2-Mann-Blog-Sprachspiel
    NICHT in die Verlängerung, denn es regnet (hier) gerade zu viel. Der Rasen ist aufgeweicht und es droht wieder eine
    Schlammschlacht…

  29. querstand sagt:

    @ erik
    „Imperialismus“ und „Neue Musik“! Das zu verbinden ist nicht nett… Ich meine auch, daß das „Imperiale“ der Neuen Musik auch nicht direkt eine Intention der Gründervater gewesen ist. Dennoch fühle ich hinter der Haltung des „höchsten Materialstandes“ immer einen leichten Hochmut gegenüber den Komponisten und Musikern, die aus anderen Weltecken auf die älteren Festivals der Neuen Musik kommen und sich musikalisch anders ausdrücken. Wie gesagt, ich nehme die Gründerväter Bpulez, Xenakis, Nono und Stockhausen mal davon aus, auch wenn die sich untereinander heftig boykottierten (Henze!!) oder Nono anfänglich gegen manchen Zwölftonhardliner zu kämpfen hatte (Variazioni canonichi). Das harsche Ablehnen, was manche Adepten der Szene immer wieder zum Tragen bringen, das gehört auf den Müllhaufen des schlechten Benehmens und ist oft nicht besser gewesen, als das Aufeinandertreffen von KPD und Faschisten. Nur eben ohne Leichen, dafür mit Musiktod – harter Toback, aber so empfinde ICH es.

    Beispiele:
    a) Causa Webern-Steuermann: der wichtigste UA-Pianist Weberns wird mit der irrationalen, für Steuermann unhaltbar harten Haltung konfrontiert, daß am 2. Weltkrieg doch so manches gut sei. Da liegt für mich die Ur-sünde des Hauptbezugspunkts der Neuen Musik, nämlich seinen extremen Schreibrationalismus mit dem gräßlichen Jone-Kantaten-Irrationalismus zu koppeln, zu kompensieren, in der George-Falle zu sitzen und am Ende den Leuten noch gutzureden, die seine Musik verboten haben, deren Irrationalismus, den sie ja fabrikmäßig rational umsetzten, mit seinem Kompensationsirrationalismus zu paaren. Wie unglücklich! Zurecht ließ Steuermann ihn persönlich stehen. Daß dann nicht mal 10 Jahre später ein Exkludieren in Darmstadt begann, was durchaus den gleichen heiligen Impetus hatte, wie die Unheiligen der Dreissiger Jahre, mit Berufung auf Webern. Die Folge der Ursünde – ich bin da richtig esoterisch. Unser armer Webern hat ja dann auch wahrlich als Unschuldslamm sein Leben verloren…

    b) Ich habe es schon mal erwähnt: das Verhalten gegenüber Henze der „linkeren“ Komponisten als er, gepaart mit dem Kleinbürgerdünkel der Adenauerzeit haben ihn nicht nur aus Darmstadt, nein, aus Deutschland gedrängt! Er bekam zwar gerade von den Konservativen weiterhin seine Aufträge, bis zu der Zäsur der Medusa-GP 1968, das Verhalten der „Fortschrittlichen“ war aber auch nicht gerade eine Einladung im Lande zu bleiben.

    c) Die Reaktionen auf Cage, der einfach ein wundernetter Mensch war, und so über all das Angriffsgetöse hinwegschauen konnte. Zumal er ja mit Boulez z.B. einen sehr schönen Austausch hatte. Aber viel wichtiger: im Gegensatz zu Henze war er nicht unbedingt so abhängig von Aufführungen hierzulande. Er hatte ja ein durchaus brauchbares Überlebensmodell mit Merce C. geschmiedet. Dennoch löste die „Exotik“ seiner Musik erst mal Wut bei all unseren Gralshütern aus. Heute wird man immer mal wieder belächelt, wenn man Partituren in der Einfachheit der Number Pieces bei Wettbewerben einreicht. Mir erging es selbst mal so. Wer gewann: die die größten Partituren abgaben, die überdifferenziert waren, die irgendwie nach Ligeti-Lachenmann-Ferneyhough rochen. Es war die Musica Viva!!

    c) Als die „Neuen Einfachen“ auftraten wurden sie in Darmstadt mit Bananen beworfen, von den Spektralisten!! Als ob man etwas innereuropäisches Exotisches auf die Bäume jagen wollte. Also ein Verhalten, wie die Vergleiche Jessie Owens mit den Primaten, die die Nazis abdruckten. Tja, auf der Ebene bewegte sich unser aller Verhalten gegenüber den Mitteldeutschen 1990 ff…

    d) Bei meinen Erlebnissen in Donaueschingen gab es mal eine Christian Wolf UA, die mir dann doch irgendwie gefiel. Sie hatte einerseits immer etwas freundlich „Dilletantisches“ im Sinne unserer Über-Ausdifferenzierer, ja sogar mir Münchner schimmerte etwas killmayerisches entgegen. Kollegen aus dem Rheinland und Mainland hatten nichts Besseres zu tun, als ihn auszulachen…

    e) Ein orthodoxer Komponist aus Israel hielt mal einen Vortrag an der HfM FFM. Er spielte Werke vor, in denen er nach einer Verbindung von jiddischer Musik mit einer neuen israelischen Folklore suchte und konfrontierte dies mit Neuer Streichermusik. Was soll ich sagen: jene Kollegen aus d) reagierten auch nicht anders als bei Wolf.

    f) Toshio Hosokawa erzählte mal, daß er ganz wild nach moderner Musik Europas war, das für ihn das Modernste war, was es zu erlernen gab. In seiner Heimat war man schon so weit, die eigene Musiktradition gar nicht mehr zu kennen. Man komponierte seit 1900 wie Brahms, wie Mahler, etc. bis eben hin zum Serialismus. Erst sein Lehrer Isang Yun brachte ihm wieder auf seine Wurzeln zurück. Aber eben nur der, kein Dramaturg, kein Journalist, kein europäischer Komponist. Sondern ein sensibler Geist, dem es auch nicht immer einfach gemacht worden ist seitens der Neuen-Musik-Szene!

    Und eben dieses „den-Anderen-nicht-einfach-machen-was-mir-selbst-schwer-fallen-muß“ ist und kann im interkulturellen Austausch dann ein imperialistisches Gesicht bekommen. Lieber Erik, Du denkst, das sei überwunden. Ich behaupte, daß in all unseren Kuratoren genau dieser selbstberufene Derivat-Imperialismus noch sehr fest innewohnt.

    Auch wenn man Hr. Macks Musik nicht lieben muß, aber seine Ankedote von dem „rockenden“ Stück des südostasiatischen Komponisten, welches in Donaueschingen abgelehnt worden ist, spricht doch Bände! Zwar läßt beispielsweise Ruzicka auf der Münchener Opernbiennale auch pekingopernartiges Musiktheater aufführen, welches in seiner Melodienseligkeit und Virtuosität eher an eine Mischung von Cosi fan tutte und Le Sacre erinnert als an eine Zweite Moderne, die er so gerne apostrophiert. Dahinter verbirgt sich aber doch immer noch die Gier am Exotischen, die Lust auf volle Säle. Sobald Mark Andre gespielt wird ist es dann halb so voll. Macht aber auch wieder die Musik nur halb soviel Spaß. Und nun gehts an mein eigenes Vorurteil: ja, ich fand die chinesischen Opern auf der Biennale bisher spannender als Mark Andre. Bei diesem war ich aber viel kritischer, weil einem die Töne da doch bekannter vorkamen, aus dem eigenen Schaffen heraus, als die von Qu Xiao-song. Dennoch war unterm Strich der individuelle Lustgewinn aus der chinesischen Oper größer, da es mich daran erinnerte, die verdammte Pflicht zu haben, auch den Ahnungslosen, wie ich es da war, zu unterhalten.

    Da hiflt all die Ohrenschülerei nix, weder um die Gier nach Exotismus zu besänftigen noch die Lust nach Neuer Musik. Das steht für mich Beides nun ganz unverbunden da. Ich sehe eine differenzierte eigene Tradition, die ich auch nicht missen will. Ich sehe aber auch, wie mir das exotische Spaß macht, dann aber das durch die Neue Musik gefilterte Exotische all unserer koreanischen, chinesischen und sonstigen fernöstlichen und nahamerikanischen StudentInnen überhaupt keinen Lustgewinn bereitet. Das schlimme ist ja, daß diese Leute erstmal unsere Tradition intravenös verabreicht bekommen, dann ein bisschen doch mal eigene Fibonacci-Rhythmen einbauen und dann so mittelprächtig sich durch unsere Festivals manövrieren. Das allerverrückteste ist dann, daß die sich dabei vielleicht sogar noch glücklich fühlen, so nah an uns zu sein. Was für ein perverser Kuschelkurs, den wir ihnen da zumuten!!

    Und dann braucht es doch immer wieder Isang Yuns, die als Koreaner einen Japaner (!!) auf seine eigenen Wurzeln zurückwerfen. Und dies nur, weil der sog. Internationalismus der Neuen Musik inzwischen genauso zum Traditionsnegatorium wurde wie der übelste Fünfton-Chinapop! Also kann Neue Musik eigentlich nur für im Westen total sozialisierte Wesen funktionieren, ist aber weit davon entfernt, einen Internationalismus der Weltmusiken zu schaffen, trotz all der Differenzierungsmittel.

    Dies schafft momentan dann doch eher das Neue-Musik-Derivat der U-Musik gefärbten Elektronischen Musik! Die Knöpfe und Regler analoger und digitaler Programme sind wohl globaler einsetzbar als die reinen Kriterien der Neuen Musik.

    Aber welche Kriterien wären denn nun einsetzbar, können eben zu einer ganz neuartigen Musik führen? Oder sind und bleiben wir Europäer mit all unseren besten
    Absichten doch Kolonialisten und Imperialisten? Ist es nicht eher unser Problem. daß wir andere Völker an ihre musikalischen Wurzeln erinnern müssen, wie deren Musik in unsere Musik unbedingt integrieren müssen? Ist Interkulturalität nichts anderes als eine „Ihr-versteht-Euch-nicht-ich-aber-Euch“-Perversion?

    Ich kann natürlich mit einem erweiterten Tonhöhen- und Klangsystem andere Skalen rein technisch in meiner Musik einbauen, kann die rhythmisch irrwitzigsten Überlagerungen von eurozentrischen und exookzidentalen Modellen vornehmen. Irgendwie bleibt es aber immer exotisch, für mich. In meinem Machwerk für Dresden hatte ich auch so eine kleine Szene drinnen: ich komponierte wunderbare 6 16tel plus 3 8tel-Triolen Takte, um ein Handygespräch zwischen einem Südeuropäer und Nahe-Osten-Bewohner um Geldaustausch zu kompnieren. Es klang wirklich ein bißchen nach 21. Jhd.-Janitscharenmusik, ganz so exotisch, wie in der Entführung aus dem Serail. Unser armenischer Souffleur war ganz begeistert. Eine der beiden Sopranistinnen, ich denke die Deutsche, machte dann aus jadada jadada da da da (die letzten als 8tel-Triolen ein jadada jadada ja da da (West Side Story!!), die chinesische Sopranistin kapitulierte. Ausbaden mussten es die singenden Männer! Was für ein interkulturelles Chaos, meine Grundintention, ein schnödes Klischee, war nicht mehr in meinem Rhythmus zu haben.

    Oder ein anderes Beispiel: in Zenders Chief Joseph gibt es wunderbare Rezitative für das koreanische A-Cheng, ein brutales Schnursaiteninstrument. Nun, um den Indianer zu schildern wurde auf Asien zurückgegriffen! Very unpolitical correct! In letzter Konsequenz besetzte man diesen Part dann bei der Zweitaufführung mit einem Cello. Jetzt klang es nicht mehr so brutal, aber dafür wie eine Mischung aus Indianer und Peter Schreier in einer Passion – als Klischee durchaus auch brutal, aber sooo schön. Ein Klischee is ebbe immer so schee!! Wann kommt endlich Schnee?!?

    Querstand

  30. eggy sagt:

    @erik+querstand:
    ja/ja, und ja (zu euren Kommentaren).

    Deine vielen (auch sehr amüsanten) konkreten Beispiele fand ich sehr hilfreich, querstand, dadurch wird das Ganze fasslicher. Einen Aspekt würde ich noch ins Spiel bringen wollen:
    Für die Chinesen ist zum Beispiel heute die Beschäftigung mit westlicher Neuer Musik etwas extrem Exotisches (wir sind ja für sie die Exoten, das vergessen wir gerne) und vor allem „echt“ Zeitgenössisches, da sowohl neuere wie auch klassische abendländische Kunstmusik zu Zeiten der Kulturrevolution nicht nur verboten waren, sondern auch Menschen die diese Musik heimlich hörten oder spielten, extremen Repressalien ausgesetzt waren (bis hin zur Todesstrafe oder Verstümmelung). Diese Repressalien richteten sich auch gegen Aspekte der eigenen (vormals kaiserlichen) Kultur, auch die klassische chinesische Oper wurde reglementiert bis verboten.

    Die Klassikwelle in China hat also viel mit Aufarbeitung der Vergangenheit zu tun – sie läuft parallel mit einer Rückbesinnung auf Altchinesisches (und natürlich auch großem Interesse an abendländischer Popularmusik).

    Für Chinesen heute wirkt unsere Musik ein bißchen (ich betone „ein bißchen“ – es ist natürlich nicht exakt die selbe Situation) wie Jazz/Rock’n’Roll auf uns Deutsche nach der Nazizeit wirkte – es hat einen Hauch von Freiheit, von etwas völlig anderem. So wirkt vermutlich in China klassische abendländische Musik auf die Massen, es klingt wie Aufbruch und neugewonnene Freiheit für sie, und die etwas Neugierigeren begeistern sich dann für Stockhausen und co.

    Vergessen wir nicht: die Deutsche Popularmusik zum Beispiel versuchte lange Zeit diesen „Hauch der Freiheit“ durch Imitation zu beschwören (siehe Freddy Quinn, Peter Kraus, etc.), in den 50er Jahren war das kaum eigenständig und fast nur Nachmachen, bis sie irgendwann später zu etwas Eigenständigem kommen konnte (Neue Deutsche Welle, Kraftwerk, etc.).

    Die Imitation ist also ein notwendiger Schritt zur Eigenständigkeit – wir sollten nur unsere Rolle als „Lehrer“ nicht überschätzen und vor allem nicht annehmen, dass wir diese dauerhaft einnehmen können. Irgendwann sind wir die Schüler, das ist ganz sicher.

  31. querstand sagt:

    @ eggy:
    „Wir“, also die okzidentalen KomponistInnen als Lehrer, das ist eine schöne Idee. Vielleicht sollte man tatsächlich selbstbewußter und froher seine eigene Tradition vertreten. Wobei ich das „Wir“ noch ein bißchen mehr einschränken möchte, auf die komponierende Generation der Jahrgänge zwischen 1955 bis 1975, je plus/minus fünf Jahre, also bis max. 1980! Das hier gemeinte „Wir“ ist tatsächlich inzwischen in den Lehrinstitutionen „ankgekommen“ als Unterrichtendes Personal. D.h., daß wir auch außerhalb dieser Orte eine Verantwortung gegenüber der Tradition haben, so wie ich es jetzt einfach mal Erik unterstelle, ihn auch so verstanden zu haben. Das schließt v.a. die unmittelbare Vor-Zeit unseres eigenen Schaffens an, wenn man annimmt, daß die meisten von uns Mitte/Ende der 1980er Jahre mit dem ernstzunehmenden Komponieren begonnen haben. Besonders das, was wir von unseren Lehrern lernten ist ja damals oft noch gar nicht aufgeschrieben worden – im wissenschaftlichen Sinn. Jetzt beginnt da eigentlich erst die breite Aufarbeitung, wozu wir aber auch durch unsere Musik – ganz unwissenschaftlich – unseren Beitrag leisten müssen. Sonst gerät das oft im intimen Unterricht quasi mythisch, heimlich und nur oral tradierte in Vergessenheit. Das ist eine unserer vornehmsten Aufgaben, vorausgesetzt, wir müssen nicht künstlerisch oder an zweiter Stelle persönlich mit diesen neuen Mythen brechen.

    Bemerkenswert an den nun allmählich ernsthaft komponierenden Nachfolgern und Nachfolgerinnen ist, daß sie sich zu grossen Teilen um die frische Tradition unserer Väter gar nicht schert – wie Bose einmal in seinen letzten Tagen frustriert an der Münchener Musikhochschule meinte. Oder sie greifen auf die wohlsituierte Tradition der Großväter Boulez, Stockhausen bis Lachenmann zurück. Den zähle ich bereits zu den Großpapas! Was aber kann man von „unseren“ Vätern lernen, das wären da Rihm, Bose, Mundry, Zender und irgendwie aus der Opa-Ecke doch auch Schnittke, Berio und Zimmermann? Sie wagten sich ja auch Dank der Rufe eines Killmayers und Walter Zimmermanns oder eines Cage in das Hölderlinsche „Offene“. Ließen sich von den so mir geliebten Spektralisten und anderen Hardlinern der Opaecke mit Bananen bewerfen, zielten lange vor der politisch-historischen Wende (1989/90) auf eine künstlerische Wende. Wobei gar nicht mal das Gedankengut der 68er den Ausschlag gab. Es waren eben Cage und Zimmermann mit ihren neuen, offeneren Vorstellungen von Zeit und Raum, die an sich aber in ihren Bedingtheiten noch hypertropher konstruktivistisch gewesen sind als der finsterste Schwarzenoten-Serialismus!

    Eine direkte „Initiation“ durch die o.g. den anderen o.g. Jüngeren fand ja nicht statt. Durch die angefangene Öffnung kamen plötzlich Mahler, Strawinsky, Henze, Schumann, Berg, Schubert, Mozart, Bach und jetzt sogar Richard Strauss (Rihm!!!) plötzlich wieder ins Visier. 10 Jahre vorher noch undenkbar. Und diese Ahnung von Undenkbarkeit und all die Mühsal des Kämpfens (Bananen!!) wurde unserem „Wir“ noch direkt zuteil. D.h., wir konnten uns bewußt abwenden von der Neuen Musik der Nachkriegszeit, die eben ab Mitte der 1970er Jahre in der Musik zu Ende war, oder sie immer samt den Alternativen der 60er (Cage, Zimmermann und auch Ligeti und darauffolgend Grisey, etc.) immer im Auge haben, mal näher an ihr, mal näher an etwas Anderem, wie aussereuopäische Musiken (Partch, Indien, Afrika, Japan, etc.) oder einfach an der Populärmusik.

    Dieser uns NOCH bewußte Blickwinkel fehlt nun den Nachfolgenden fast zur Gänze! Da müßten wir nun unsere Lehrpflichten viel ernster nehmen, als bisher, also mehr Professuren für Komposition für unsere Generation weniger Lehraufträge nur für Theorie, etc. Bemerkenswert ist ja auch gerade die Flucht der immer Jüngeren in die Musikwissenschaft, die Musiktheorie, wobei es diese Angebote zu Anfang der 1990er Jahre noch gar nicht oder nur belächelt gab. Ich dachte immer, irgendwann mal SängerInnen einige Grundlagen beibringen zu dürfen. Aber unversehens hatte mich die Musiktheorie überholt, d.h. plötzlich unterrichteten fortgebildete reine Schulmusiker oder Chorleiter, und die Oral-Mythologen der Neuen Einfachheit, des offeneren Konstruktivismus und des Dekonstruktivismus standen ohne Weitergabemöglichkeit für ihr Wissen da. Es sein denn, man unterwarf sich einer Promotion. Das wird ja heute auch immer virulenter unter den Jungen, es gibt immer mehr Kompositions-Doktoren. Ich hoffe auf ein grosses „Habe ach… studiert, aber es fehlt mir die Kunst!“ Und daran ist ein bisschen diese Verdrängung unseres „Wir“ von den Lehrstühlen Schuld.

    Weiters bemerkenswert ist ja, daß nun die freiwerdenden Professuren für Komposition nur immer schwerer besetzt werden können, gar wieder verschoben werden. Oder sich freiere Geister unseres „Wir“, wie z.B. Matthias Pintscher just wieder von den Professuren lösen, da man das pseudo-wissenschaftliche und überhand nehmende Institutions-Mitarbeiten gar nicht leisten will und kann, ohne daß die Kunst leidet. Rihm wurde ja Ende der 90er mal vor eine Kommission zitiert, daß er zu wenig präsent sei (vom Hörensagen weiß ich es…). Oder so reduzierte Verpflichtungen, wie sie aus meiner Erfahrung Bose und Zendder hatten bzw. Freiräume, alle heiligen Zeiten mal Blockunterricht zu geben, daß wird heute immer schwerer und kunsthemmender. Kein Wunder, daß fortgebildetet Chorleiter und Schulmusiker jetzt die Theorie zur Gänze okkupieren und das „Wir“ an Komponisten die Mythologie der Freiheit nicht weitergeben kann, daß die schrulligen Großväter konsumiert werden, oder daß auf die neueste Tradition der Postmoderne gepfiffen wird und gleich Filmmusik studiert wird oder daß eben Doctores wie in Leipzig der Tradition der Freiheit des „Wir“ das Totenglöcklein anstimmen und nur noch Zukunft im superdekonstruktivistischen Poly-Polywerk sehen. Letztere Position ist ja noch die Sympathischste und erinnert mich immer wieder, wie oben beschrieben, den Blick auf die Neue Musik der Nachkriegszeit niemals aus den Augen zu lassen. Ein bisschen Teufel-mit-Belzebub-austreiben braucht jede Tradition. Nur: Unser „Wir“ eben kommt gar nicht dazu, das Totenglöcklein postmodern zu collagieren!

    Und da bin ich bei den interkulturellen Lehrverpflichtungen wieder. Wie wunderbar wird da der frische Wind aus Südwest und Fernost und Süden zu uns heraufwehen, wie schön wird es sein ihnen Isang-Yun-haft wieder die Freiheit ihrer Tradition auf dem Boden unserer neuesten Mythologie der Freiheit die Augen zu öffnen, die uns nun schlaftrunken entgegenblicken (das klingt schon fast nach d’Annunzio – ich böser Kolonialist…). Nun hört man aber wieder, daß deutsche Hochschulen immer stärker mit z.B. koreanischen Hochschulen fast schon fusionieren!! Das da mal nicht plötzlich alle koreanischen Kompositionsstudierenden ihren Isang Yun vergessen, sondern eben gerade durch die fortgebildeten Schulmusiker und Chorleiter zwar bestens in Schenkeranalyse unterwiesen sein werden, von unserer Mythologie des Komponierens aber nie und nimmer einen Ahnung aufgrund des kunstfernen-wissenschaftsnahen Personals ihre Ausbildung erlangen.

    Da muß das Goethe-Institut aber noch viel Freiheit entwickeln, um unser „Wir“ als Gegenpositionierung der Kunst in die Welt zu schicken. Allein wird das aber den drohenden Mythosverlust nicht kompensieren.

    Und da kommen wir nun zu dem Lieblingsthema der anderen. Irgendwie brach hier ja ob mancher Netzwerkerei eine Neiddebatte aus, so kommt es bei mir an! Ich drücke ja oben gewaltig auf die Drüse! Neidisch bin ich den fortgebildeten Schulmusikern und Chorleitern nicht für ihren meist guten und seriös fundierten Job, den sie machen. Sie können ja gar nicht anders, sofern sie niemals das Komponieren länger und mit Aussenwirkung pflegten als den Vorgaben ihrer Professoren zu folgen. Diesen Professoren und deren damaligen Studienumstrukturierungskommissionen, die mehr Bildung wollten, dabei aber an Kunsthochschulen in diesem Bereich das Künstlerische fast verdrängten ist das anzulasten. Neidisch auf die bin ich aber auch nicht. Ich verdiene da mein Grundgehalt lieber ausserhalb der Musik! Denn: all diese Umstrukturierer waren ja damals schon künstlerisch eher unwichtig. Nun ist es aber auch nicht nötig, Herrn Lücker oder Herrn Eggert seinen Job zu neiden. Ich sagte ja schon mal, daß der eine da oder dort besser netzwerkt als der Andere. Das ist dann eher ein Fall für Motivationstrainer – das wäre doch mal was für eine Bachelorreform! Ausserdem: was ich früher neidete: ich neidete dem Pintscher (gleicher Jahrgang), ich neidete dem Widmann (Münchner), ich neidete Kollegen in den Klassen. Was half es? Nichts! Ich war nur in Denkkategorien gefangen, die mein Potential lähmten, versteckte mich hinter Strukturalismus wo mein grosser Bauch doch gefragt gewesen wäre, machte etliche systemische und persönliche Fehler! Seit ein paar Jährchen nun – nicht Viele – macht es mir Spaß, Pintscher zu hören, Jansons Seite zu sehen, Eggerts Musiktheaterkämpfe innerlich solidarisch zu verfolgen. Widmanns Dubaireisen eher mit Bedauern zu sehen, wechselstrom ob seiner Kämpfe mit der austriakischen faschistischen Kulturbürokratie zu bewundern, Mahnkopf wirklich als guten Komponisten zu schätzen, Kreidler nicht zu verstehen aber zu schätzen… Vielleicht wird man einfach kritikloser, aber dieses gegenseitige Geneide finde ich schwierig. Ich denke, daß dies vielen jungen KollegInnen auch so gehen wird, wenn X schon wieder was gewinnt und man leer ausgeht. Da steckt aber nun das Geheimnis des gesamten Postings: da die Musik der „Wir“-Generation eben nicht mehr so einordbar ist, haben wir es natürlich gegenüber der Wissenschaft und den Institutionen schwer, aber eben auch gegenüber den KollegInnen, die uns dann nur noch persönlich aber nicht künstlerisch angreifen können. Und die StudentInnen, die eben ständig belohnt werden, sind eben eher faßlich im akademischen Sinne als daß es wirklich künstlerische Gründen geben muß. Oft geht dann noch eine ausgeprägte oder ausgeprägt wirkenden Persönlichkeitserscheinung mit einher, so daß allein die schon den Leuten mit den dicken Bäuchen und Brillen das Leben schwer machen, wenn man nicht besonders eloquent oder dgl. Begabungen für manche andere Prof./Jury-Lüste hat. Die Erfahrung zeigt dann zugunsten der Bevorteilten natürlich auch wieder, daß diese sich medial besser präsentieren können, besser netzwerken, etc. und eben oft auch dann ein wenig das einlösen, was sie verkünden. Den anderen bleibt da nur die Arbeit, die harte. Und eben die Neidvermeidung, damit Kopf und Bauch freibleiben und man dann einfach so seinen Weg geht. Der Erfolg kommt schon, wenn man dann auch noch die Aussenwirkung – nicht die Publikumswirksamkeit – seiner Kunst versucht. Nur Mut! Und da geben die Asiaten doch viel Hoffnung…

  32. @ querstand,

    @ erik
    “Imperialismus” und “Neue Musik”! Das zu verbinden ist nicht nett… Ich meine auch, daß das “Imperiale” der Neuen Musik auch nicht direkt eine Intention der Gründervater gewesen ist.

    Mir ist schleierhaft, wie man aus meinen bisherigen Kommentaren die Behauptung heraus lesen wollte, ich hätte eine „imperialistische Haltung“ in Verbindung mit meiner (ästhetischen) Vorstellung von Neuer Musik, nur weil ich hier und da für den Erhalt auch der älteren Avandgarde-Richtung, des kritischen Komponierens etc. ein trete und deren Verdienste immer wieder betonte, bitte nicht zu übersehen. Es ist schade: sobald man vielleicht nicht alles gut findet, was es derzeit in der zeitgenössischen Musik an ästhetischen Strömungen oder auch (kultur-)politischen Entwicklungen oder an Selbstbeschreibungen gibt, scheint man (da bin/bzw. war ich nicht der einige hier im Blog) direkt in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden. Nun gut das ist das Eine.

    Vielmehr aber sehe ich bei Dir,Alexander, aber einige Diskrepanzen gegenüber Deiner tolerant klingenden, der außereuropäischen Musik aufgeschlossenen Haltung (was ich Dir ja gerne abnehme, aber Du solltest es auch mir und anderen abnehmen, diese Offenheit) und dem, was Du z.B. dann an anderer Stelle wieder als Idee bezeichnest, wie Du das WIR in der Neuen/ zeitgenössischen Musik verortest:

    @ eggy:
    “Wir”, also die okzidentalen KomponistInnen als Lehrer, das ist eine schöne Idee. Vielleicht sollte man tatsächlich selbstbewußter und froher seine eigene Tradition vertreten. Wobei ich das “Wir” noch ein bißchen mehr einschränken möchte, auf die komponierende Generation der Jahrgänge zwischen 1955 bis 1975, je plus/minus fünf Jahre, also bis max. 1980!

    Also doch Einschränkung des WIR, bzw. Du/Ihr bestimmt, wer die Neue Musik-Lehrer sein sollen?

    Das harsche Ablehnen, was manche Adepten der Szene immer wieder zum Tragen bringen, das gehört auf den Müllhaufen des schlechten Benehmens und ist oft nicht besser gewesen, als das Aufeinandertreffen von KPD und Faschisten. Nur eben ohne Leichen, dafür mit Musiktod – harter Toback, aber so empfinde ICH es.

    Wer ist mit diesen „Adepten“ gemeint?
    Und darf man zu bestimmten ästhetischen oder kulturpoltitischen Einstellungen von Kollegen nicht
    auch mal eine klar ablehnende Position einnehmen und diese auch vehemment vertreten?

    Ein leider typisches Muster bzw. Kommunikationsstrategie: Wer einen kritischen Diskurs will, nicht alles gut findet,oder wer eine offenen Streitkultur und Diskurse darüber wünscht, die einen Postmoderne-Positivismus auch wieder kritischer sehen, der wird (und dies im „Bad Blog“…wo man doch (lt. Eingangsblogs hier angeblich „unanständig“ sein durfte – der Grundintnention nach) des schlechten Benehmens bezichtigt oder gar mit zu verurteilenden politischen Radikalismen in Verbindung gebracht. Das ist in der Tat harter Tobak.

    Es gibt Leute, die merken offenbar nicht, wie sie sich einerseits als tolerant, weltoffen etc. gerieren.
    Andererseits aber unbewusst oder unterschwellig Kritiker des von ihnen angeblich vertretenden Liberalismus und Leute, die anderer Meinung sind als sie selbst, immer wieder in eine politische Ecke zu drängen versuchen und ihnen Dinge unterstellen, die nicht stimmen.

    Dann wiederum liest man bei Dir versöhnliche Worte, wie gegen Ende (ab 2. Drittel) Deines letzten Kommentars, wo Du schreibst, dass Du mehrere Haltungen hier (wechselstrom, meine)auch sehen könnest und dass du vielen unterschiedlichsten Musiken/Ästhetiken – einerseits der Musik Pintschers, andererseits Mahnkopfs etc. zugleich schätzen/tolerieren, etwas abgewinnen könntest.

    Ja, da fragt man sich schon, was stimmt denn nun? Bzw. was möchtest Du damit sagen? Warum dann die vorherigen scharfen Worte (die ich zitierte) – einfach nur so daher gesagt?

    Schönen Tag Euch noch,
    Erik

  33. querstand sagt:

    @ erik
    Hallo Erik, hier ein paar Antwortversuche:

    Als ich die Frage stellte ob es überhaupt „Neue Musik jenseits unserer imperialistischen Vorstellung“ gäbe, war mir zwei Sekunden zuvor klar, daß das Wort „Imperialismus“ in Verbindung mit dem Begriff „Neue Musik“ eine dicke Kröte sein könnte! Deshalb begann mein Antwortposting auf Dich auch mit dem Augenzwinkern, daß „das zu verbinden (…) nicht nett“ sei, eben die Paarung von „Imperialismus“ und „Neue Musik“. Dich als Imperialisten zu sehen läge mir fern. Klar ist aber, daß Dich diese Begriffsverbindung herausfordert. Du hast ja Deine Antwort mit der Reaktion darauf auch Knall auf Fall gleich gestartet. Ich finde es – meinerseits zutiefst ehrlich gemeint – wunderbar, wie Du immer wieder sehr berechtigt und klar Argumente für die „Neue Musik“ findest.

    Mich reiten immer wieder und mehr Gedanken GEGEN sie, ich kann aber auf sie nicht verzichten. Sie steckt in mir drin, ich möchte nach Dingen schnappen, die ich noch nicht an ihr kenne, gleichzeitig nimmt sie mir die Luft zum Atmen. Also ein richtig gelebter Widerspruch. Und eben nicht klar „Neue Musik“ ODER „Postmoderne“, sondern beides ZUGLEICH.

    Daß eben Musiken anderer Kulturen belächelt oder einfach nicht registriert werden, zeigt ja die Mack-Erzählung über das abgelehnte Stück im heimischen Stil eines Asiaten in Donaueschingen und dafür die Annahme eines Stückes des gleichen Menschen, daß den „Kriterien“ wohl mehr entsprach. Wohl ein Einzelfall, aber eben einer von mehreren, wie ich es aus meiner eigenen Erfahrung auch zu zeigen versuchte. Daß das Mack-Beispiel natürlich so eine Sache ist, lasse ich auch so im Raum stehen. Daß sich höchstwahrscheinlich aber doch ein fetter Funken Wahrheit darin verbirgt, ist aber alarmierend.

    Die Gründerväter der Neuen Musik, sofern sie noch leben, würden sich heute wahrscheinlich so einem anscheinend im eigensten asiatischen Stil geschriebenen Stil offener, als es die „Adepten“ tun. Das sind für mich eben die Programmverantwortlichen Köhlers, Jahns und Konsorten. Diese müssen zwar eine Kärnerarbeit verrichten und versuchen mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln, z.T. sind sie ja nicht Alle Komponisten, Spreu von Weizen in den Einreichungen trennen. Daß da aber eben Stücke unter den Tisch fallen, die andersartig aussehen ist klar, beraubt aber die Neue Musik hier ggf. von wertvollen Einflüssen und SIchtweisen auf eine ganz andere Art von „Neuer Musik“. Das ist höchstwahrscheinlich gar nicht die Absicht.

    Im interkulturellen Austausch ist dies aber eben quasi imperialistisch. Wobei so eine Macht, was gespielt wird und was nicht von vornherein was imperiales hat, wenn nicht alle Legislaturperioden diese Verantwortlichen mal ausgetauscht werden. Ist es dann vielleicht vielmehr ein Demokratiedefizit der Neuen-Musik-Organe? Das ist aber eine innereuropäische Frage, nach außen wirkt dies auch schon wieder imperialistisch, meiner Meinung nach! Es ist die Frage des WIRKENS.

    Und da gehört für mich auch die Tatsache des Bananenwerfens hin: ich mag eigentlich total diesen abgestandenen Spektralismus, identifiziere mich damit. Dennoch finde ich es einfach unmöglich, wie jene die „Neuen Einfachen“ bewarfen. Das ist eine heftige Reaktion, vielleicht sogar kulturhistorisch durchaus berechtigt gewesen. Aber dieses ganze Geohrfeige, Beschimpfen, Satisfaktionfordern, Anschweigen, Saalverlassen, daß uns seit den Altenbergliedern, der 1. Kammersymphonie und dem Sacre verfolgt…

    Da springe ich unverbunden zu der Frage, ob diese Willensäusserungen der Nicht-Toleranz, der Anzweiflung der Existenzberechtigung des Anderen nicht eben den gleichen totalitären Zug hat, wie die extremen politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Dieses schlechte Benehmen auch und besonders der Befürworter der Neuen Musik und diese nach aussen wirkende hermetische Abgrenzung sind grässliche „collateral damages“ der Neuen Musik-Szene. Das muß sich ändern!

    Was sich bei mir ändern muß oder denen, die ich mir näherstehend empfinde: Vielleicht nicht immer so eine übertriebene Angst und Verteufelung der Neuen Musik. Wobei ICH mich dieser ja selbst zurechne, mich aber auch dem Populären zuschreibe, mich beidem verschreiben möchte, keine Hierarchie-Diskrepanz der beiden in sich in mir sehen will, also die hohe Neue Musik, das tiefe Populäre. Oder: eben der Blick auf die Neue Musik zurück, der Blick in was Unbestimmtes nach vorne – mein Angelus Novus!!

    Warum ich das „Wir“ einschränke. Nun, das Wir ist manchem hier immer wieder zu allumfassend. Ich wollte eben die Generation am Ende bzw. direkt nach der Postmoderne umschreiben. Und dresche gewaltig auf „fortgebildete Schulmusiker, Chorleiter“ und „Doktoren-Komponisten“. Da liegt doch die Diskrepanz: einerseits gibt es eine kompositorische Generation, die die Postmoderne abernten kann, die neuen bösen Freiheiten voll ausfahren kann. Sie tut es oder versucht es zumindest. Gleichzeitig werden die Arbeitsbedingungen massiv erschwert. Mal so einfach als Lehrbeauftragter einige Zeit zu verbringen, sogar per „learning by doing“, also „teaching by doing“ in Kombination des eigenen kompositorischen Erlebens und doch auch grossen theoretischen Wissens – wobei das mit den Jahren nach der Hochschule auch wieder schnell eher unterbewußt wird – , ein passabler Pädagoge im Brotjob zu sein, daß geht heute nicht mehr!! Als reiner Komponist kannst Du heute noch weniger Dein Geld verdienen als früher. Jetzt muß man extra Theorie, Musikwissenschaft studieren, am Besten für 9 Wochenstunden promovieren – der reine Wahnsinn!! War das Komponieren für die Lehrbeauftragten schon schwierig, so gerät es noch schneller in den Hintergrund oder muß schnell routiniert werden, damit gerade in dieser suchenden Poststudiumphase was zu Papier gebracht wird, bevor mit 35/40 alles zu spät ist (Stipendien, Preise, etc.).

    Genauer: einerseits brach die totale Freiheit aus, die mit Anfang 30 erstmal bewältigt werden musste. Die Anforderungen am Leben zu bleiben haben sich aber massiv verbösert, Konkurrenz nicht nur durch Komponisten, sondern Leuten, die niemals Komponisten sein wollen, aber auch als Gymnasiallehrer arbeiten könnten. Natürlich soll denen die Chance zur Weitergabe des ihres didaktischen und musikwissenschaftlichen Potentials gegeben werden.

    Aktuell sind den reinen Komponisten aber einfache Jobs genommen worden, da diese nun sich genauso weiterqualifizieren müssen, auf Kosten aber der kompositorischen Entwicklungsphase. Natürlich wurde auch wirklich von unserern älteren Kollegen viel pädagogischer Murks in dem Bereich veranstaltet, so daß die Reformen einen nicht wundern. Dabei wurde aber eine Reform des Kompositionsstudiums vergessen. Nämlich, daß einfach noch ein musikpädagogischer Schein reichen würde statt eines halben Theoriestudiums mit z.T. parallelen Inhalten zum Kompositionsstudium. Und: als Theoretiker darf man promovieren, muß es fast schon tun, wie der Komponist die Meisterklasse brauchen kann. Als reiner Komponist bist Du aber von der jobwichtigen Promotion ausgeschlossen oder mußt wieder viel künstlerische Zeit in die Theorie einbringen. Und das trifft eben besonders diejenigen, die in den 80ern/90ern studierten, die direkt an den jungen Lehrerbrüsten Rihms, Boses, Zenders, etc. saugen durften, wenn sie nicht den Karrieresprung schafften. Und da dann die berühmte Hochschulllehrerfahrung fehlt, wird das mit einer einfachen und unbezahlten Neue-Musik-Instrumentations-Honorardozentur auch nichts!!
    Und sowie da die künstlerische Existenz in Anpassung und Stromlinie kommt, so sind eben die jetzt Jüngeren sehr oft sehr frühroutiniert, lassen Rechner für sich arbeiten, igeln sich in uralte Ecken ein oder aber sie wollen von alledem gar nichts wissen, werden erstmal Wissenschaftler oder was Anderes und komponieren fern des akademischen Kompositionsbegriffs, der so noch mehr an Legitimation einbüßt statt modernisiert zu werden.

    Also als Radikalisten sehe ich DICH nicht, aber warum ist es so sonnenklar, daß Du als glühender Verteidiger genau über das Begriffspaar „Neue Musik/Imperialismus“ stolperst. Es war mir ja klar, daß dies provoziert. Aber eine Antwort auf die Fortschreibung des Neuen-Musik-Begriffs an sich fallen uns Beiden, mir besonders, keine Ansätze ein. Oder irre ich mich da? Nun, Neue Musik heißt ja inzwischen per se Vielfalt, es gibt ja eine ordentliche Palette an Schreibarten. Dennoch schreibt man sich da immer sehr klar zu, so a la:“ ich möchte eine Mischung aus Lachenmann und N.A. Huber“ oder dgl. Oder das mag ich nicht, das nicht, ich exkludiere also adornitisch-metzgerisch, bis ich meinen Stil, dem ich angehöre – ergänze ich -, gefunden habe.

    Was Dich nun verwirrt, sind meine Tiraden gegen die Doktoren, etc. und dann das Versöhnlerische: ja, ich hasse diesen Konfrontationskram der Neuen-Musik, ja, ich halte das für schlechtes Benehmen! Ich liebe den Ausgleich, das Moderieren, das Austarieren von Konflikten, nicht den Krieg!!! Manchmal ist natürlich die Schlacht schon mal gut, in der Neuen Musik wird sie aber zum Krieg und ist eben auch eine Bedrohung für künstlerische Freiheit/Existenz!

    Dennoch nehme ich mir das Recht heraus, das in Tönen zu lieben, was sich und mich mit Worten bekämpft. Wie gesagt, ich sehe mich in mehreren Lagern (s.o.). Und ich litt früher besonders unter all diesen Unvereinbarkeiten, diesen forsch und schnell geäusserten Stellungnahmen meiner Kollegen. Denn das Eine und das Andere zusammen zuzulassen war nicht vermittelbar, ich mußte eigentlich kapitulieren, meine Meinung in mir begraben. Und ich war schrecklich neidisch dennoch zugleich – noch eine Diskrepanz obendrauf. Den Neid habe ich weitestgehend besiegt oder gut kanalisiert, auch wenn meine Hochschultirade anderes vermuten läßt… Ich möchte da nur mal meine Sicht zeigen, wo die Probleme der Musik auch liegen könnten. Ansonsten genieße ich gnadenlos parallel die Welten von Lachenmann, Cage, Ferneyhough, Henze, Reimann, etc. Das ist MEINE Realität. Und es sind Widersprüche, die aber letztlich nur als solche wirken. Also hat die Neue Musik in ihrer Konflikterei das Problem der Nichtbeschäftigung mit der Frage der Wirkung im dreifachen Sinne? Das wäre nun aber auch mir zu dumm! Sie wirkt wunderbar, die Szene ist aber ein Riesenzirkus!!

  34. @ Alexander, ein paar
    vorweihnachtliche Antwortversuche von mir:

    ich würde das ganze nicht so dramatisch sehen:
    Krieg ?!!! Hm, was ist schon Krieg? Wir übertreiben immer: nur weil es mal was heiß her geht und es nunmal Komponisten gibt, die halt gewisse Komponisten/Stile/Ästhetiken als UNVEREINBAR miteinander an sehen, darum muss dies ja nichts Schlimmes sein.

    Ist doch toll, dass es so was gibt: Klare Standpunkte und auch mal die harte Kante beim Diskutieren.
    Nur: von einem Mixed-Stil zwischen Huber und Lachenmann bin ich (gottlob) weit entfernt; und im Ggs. zu Lachenmanns Musik: ein großer Bewunderer von Hubers Musik war ich nie. Ich suche meinen eigenen Weg; frag andere (ich selbst enthalte mich raus bzw. möchte meine Musik & Komponierstil o.ä.nicht BEurteilen sondern nur schreiben und mein Ding machen).
    Krieg? In Afghanistan, da ist Krieg.

    Und bzgl. Kompositionsstellen/ wir „armen“ Komponisten…?: ja die Professuren, die sind dünn und dünner gesäht und vielleicht stimmt es, dass man einen Doktor machen muss um noch Chancen zu haben.
    Doch die KANN man an manchen Hochschulen als Komponist machen und muss dafür nicht unbedingt ein Pädagogik oder Musikwissenschaftsstudium absolviert haben, jedenfalls nicht überall.

    Riesenzirkus? Ja, ist doch toll. Denn ohne diesen Zirkus
    wäre unsere Szene mausetod.

    Liebe abendliche Grüße,
    Erik