death metal rock with head bang

Auszug aus Hikari Kiyamas Raga φ. Zweiter Preis im Kompositionswettbewerb der ensemblia 2009.

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wettbewerbsfinalistendeathmetal

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Samstagabend im Theater Krefeld-Mönchengladbach. Eine halbe Stunde vor der Uraufführung befindet sich ein Musikjournalist noch in großem inneren Aufruhr. Death Metal, habe er gehört, käme in einem der Stücke vor, und Head Bang, was das denn sei. Geduldig erklärt ein Juror dem aufgeregten Mikrophonhinhalter von Death Metal als Wille und Vorstellung und schüttelt schüchtern seinen Kopf, es soll als Andeutung für einen banging head genügen. Muss es auch.

Knapp eineinhalb Stunden später wissen Journalist, Juror und Publikum, was es damit auf sich hat: eine semipornographische Krachorgie für Streichquartett, irgendwo zwischen John Zorn und Merzbow. Ansätze zu einer eigenen Sprache, durchaus, die Partitur spricht, die Musik schreit. Die Jury wird dies mit dem zweiten Preis belohnen.

Nicht nur die Jury, auch das Publikum, das sich zum großen Teil vermutlich in einer ähnlichen Lage befand, wie der aufgeregte Journalist vor Beginn des Konzertes belohnt Kiyamas Collage – und vielleicht auch das armbrecherisch-hingebungsvolle Spiel des Asasello-Quartetts – mit dem Publikumspreis. War das eine typische Underdogwahl? Oder weil es das schmissisgste Stück war? Oder weil man damit das Gefühl haben konnte, an einem Stück Underground und Jugendkultur teilhaben zu können, zu dem man auf andere Weise, nicht einmal wenn man es wollte, einen Zugang bekommen könnte?

Fakt ist: Mehr Publikumspreise braucht das Land. Nicht nur wegen der Partizipation. Auch wegen des anderen Hörens, dass es, ganz automatisch auslöst, auch bei professionellen Hörern, sie haben meinen Eindruck bestätigt. So kann man als unbedarfter Hörer das Gefühl bekommen, ernst genommen zu sein. Wirklich gewollt, wirklich gefragt zu sein. Ob man diese Ergebnisse anschließend veröffentlichen sollte? 2009 ist Superwahljahr.

[Und ich hätte nie gedacht, dass Heavy Metal so viel Gesprächsstoff für diesen Blog bieten würde.]

Musikjournalist, Dramaturg

21 Antworten

  1. Hallo Herr Hahn,

    endlich mal ein mutiger Preis. Sieht ganz interessant aus.
    Konnte das leider mangels Zeit und Komponieren nicht mit verfolgen, das Finalistenkonzert.
    Aber Streichquartett ist auf der Youtube-Aufnahme
    eigentlich nicht zu hören. Oder ist die Tonqualität nicht
    entsprechend?

    Grüße,
    E.Janson

  2. Naja, hab mir die anderen Youtube-Videos von
    unserem Ensemblia Preisträger mal angesehen. Macht fast immer dasselbe in seinen Stücken. fffff, sempre prestississimo und wenig Klangdifferenzierungen etc. Finde das Klangresultat bei so manchen echten Gitarren Deathmetal-Stücken – mit wesenstlich weniger Aufwand – spannender und differenzierter auch.

    Also: die „Bad Boys“ und Deathmetal-Jungs sind nun auch in Asien angekommen.Und wer genug solcher Youtube-Deadt-Metal-„Neue Musik“-Videos rein stellt, wo dann viele echte Deathmetal-Fans neugierig drauf klicken (aber vermutlich schnell wieder den OFF-Knopf betätigen)der bekommt heute schon Preise bzw. erregt die Aufmerksamkeit der Jurys und landet im Finale.

    Frei nach George Ritzer, der von Mc Donaldisierung der Gesellschaft spricht, könnte man hier sagen:
    „Youtoubisierung der Neuen Musik“.

  3. Der Russe sagt:

    Nun, das Video ist nicht wirklich beurteilbar, man hört nur eine schrecklich verzerrte Klangmasse, da die Aufnahme (wackelige Handkamera im Zuschauerraum) wirklich unter aller Sau ist.

    Da ist wirklich überhaupt nichts zu erkennen, weder welche Instrumente, welche Töne … nichts.

    Gibt es das Stück nicht irgendwo zu hören, halbwegs so aufgenommen, das man etwas heraushören kann? Wäre sehr interessiert.

    Zum eigentlichen Artikel: Wirklich interessanter Wettbewerb. Die Publikumswahl spricht für viele hier geäusserte Thesen contra Bad Boys.

    Und zum Hahn: „pornographisch“? Was hat sie denn da geritten. Ein versuch mehr Aufmerksamkeit für ihre Artikel zu bekommen?

  4. phahn sagt:

    @Russe: nein, eher die Suche nach einem geeigneten Attribut ließ mich zum Ausdruck „semipornographisch“ (sic!) greifen. Es erschien mir treffend für die unzensierte Ausstellung expliziten Materials, in diesem Fall gar im wackeligen Handkamerastil – das traf nämlich als Effekt für das klingende Ergebnis zu. Vielleicht habe ich auch eine falsche Vorstellung von Pornographie, aber dieses unverkleidete Reinhalten, das schien mir durchaus mit dem Genre verwandt. Wieso dann semi? Weil man immer nur Ausschnitte sah und sich den Rest dann denken musste. Aber die Richtung war klar.

    Der Ausdruck ist aus meiner Warte daher zunächst einmal beschreibend. Es soll darüber hinaus ja nicht wenige Menschen geben, die Pornographie mögen. Zumindest scheint man damit ja aus Ihrer Sicht Aufmerksamkeit erlangen zu können. Um das Thema aber noch einmal auf eine theoretischere Ebene zu verlagern: Roland Barthes schrieb einmal so schön: „Als Erzählung hat der Striptease dieselbe Struktur wie die Offenbarung, er ist Teil der abendländischen Hermeneutik.“ Wer Pornos macht, kann die Wahrheit sagen.

    Was die Hoffnung auf ein Video angeht: der Komponist hat alles, erneut mit Handkamera aufgenommen. Vielleicht stellt er es ja demnächst online.

  5. Köszeghy Peter sagt:

    ……na ja. Das ist die neue „Masche“. Ehrlich gesagt höre ich lieber richtigen Death Metal. (Übrigens verzerrung und sonstige gebrülle bzw. Elemente aus diese Metier benutze ich langsam seit 10 Jahren).
    Einfach den „Klang“ zu klauen – das ist ja nicht unbedingt Kunst. Sehr undifferenziert – da bleit nur eine schlechte Kopie des Originals….
    Also ich bleibe wirklich lieber bei Suffocation oder Obituary oder MArduk und Co.
    Gruss,
    Köszeghy

  6. Köszeghy Peter sagt:

    Aber ich habe manchmal das Gefühl es geht um nicht anderes als
    „DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR DER NEUE MUSIK“.
    Sorry. ziemlich billig. Egal wie man das alles verintellektualisieren möchte. Death Metal hat einfach ein Urkraft, dass mit „strukturieren“ des Klanges nie in der Fülle erreicht werden kann. Ich will den Kerl da ganz oben nicht schlecht machen. Ich finde stilbezeichnende Elemente, oder Material aufgreifen und weiterentwickeln: ja. Kopieren einfach den Klang – das schafft keine Holzgeige….sorry.

  7. Ein sehr passende Clip für das, was mit Deauth Metal/Neue Musik versucht wird. Das hier trifft ziemlich den Kern:

    http://www.youtube.com/watch?v=PLyTrsk1Ey8&feature=related

    Viel spass dabei, und gruss,
    Köszeghy

  8. Der Russe sagt:

    Herr Hahn, Ich weiss nicht, woran sie gedacht haben als sie schrieben, das jemand die Kamera wo „rein“ hält.
    Egal.

    Einerseits verstehe ich nicht, warum auf dem Komponisten hier so herum gehakt wird, ohne die Musik gehört zu haben (zumindest in einer Tonqualität, die auch nur ansatzweise eine Beurteilung ermöglichen würde).

    Andererseits, wenn diese furchtbaren Aufnahmen vom Komponisten selbst stammen, mag mit dem möglicherweise doch nichts los sein.

  9. Wieso herum gehackt auf dem Komponisten?

    Habe nur gesagt, dass es mir bei ihm etwas an Differenzierungen fehlt.
    Bei Youtube gibt es doch andere Videos von seiner musik,
    auch mit besserer Klangqualität. Da kann sich jeder nun
    selbst ein Bild machen bzw. rein hören.

    Naja und das Thema Pornographie und Neue Musik,
    das hat es auch schon irgendwo gegeben.

    Schönen Abend,

  10. Nun, da viele hier mitblogger ihre “geistigen Ergüsse” ohne Substanz und Inhalt, ohne Grenzen und beinahe “Kneipenbesucher-stil” präsentieren, erlaube ich mir etwas “selbstwerbung” – für meine PR Zwecke und auch damit etwas “substanz” wieder in die Sache hier im Blog zu bieten. (Den das nicht betrifft, soll ja auch nicht beleidigt sein.)

    Carambolage in der Lokhalle Südkreuz/Berlin

    Darf Neue Musik grooven?

    26. August 2009, 20 Uhr Lokhalle, Südgelände Schöneberg

    Das isländisch-deutsche Ensemble adatper spielt Kompositionen in denen gegenüber Beats, den in der Neuen Musik stigmatisierten Elementen, keine Berührungsängste gezeigt werden. Mit Peter Köszeghy (Ungarn), Paul Frick (Deutschland), Jarkko Hartikainen (Finnland), Einar Torfi Einarsson (Island) und Henry Mex.
    ….und, dass sich der Kreis hiermit auch etwas schliesst, verabschiede ich micht hier von der Runde. Leider sind beinahe alle Blogs hier mittlerweile nur noch mit Substanzloser gequatsche, von Proletenstil bis zum sich “grossartigfindene” Stillterroristen und Cage bzw. Lachenmann-Epigonen vollgetextet, und die Texte sind beinahe alle Substanzlos. Es hat hier kein Sinn. Da sage ich gerne “hochnäsig”:
    SORRY: schede um meine Zeit.
    Ich sage also nach paar Wochen hier:
    Auwiederschauen.
    Köszeghy

  11. Nein, darf sie nicht. Dieser Trend wird genauso schnell vergehen, wie er gekommen ist.

  12. Wir sind alle gespannt auf die neuesten ungarischen Schreimüllbeats von Herrn Köszegy. The trend is your enemy, my friend.

  13. Benjamin Schweitzer sagt:

    Danke für den Veranstaltungshinweis!

  14. Der Russe sagt:

    Und nochmal zu dem Stück von Hikari Kiyamas:
    Dieser Blog zeigt noch eine andere blöde Verhaltensweise auf, wie man sie so oft sieht.Der Artikel kehrt ein einziges Details eines Musikwerkes hervor, und die Meute hat nichts besseres zu tun, als ausnahmslos (!) sich daran festzubeissen/aufzugeilen und darauf los zu schlagen.

    Dabei gibt es zu bedenken:
    1. Keiner hier kennt Hikari Kiyamas (ich auch nicht)
    2. Das Stück heisst „Raga φ“ und nicht „Death Metal …“
    3. Das Stück enthält auch keinen Satz, der so heisst
    4. „Death Metal …“ ist lediglich eine Vortragsanweisung, nicht weiter – „Extreme Feroce“ ist ja auch eine Vortragsanweisung, aber die klingt so schön gebildet und klassisch!
    5. Keiner hier hat das Stück gehört.

  15. hallo leute,

    Kompositionen gesucht – – –

    weitere Infos unter:

    —> http://www.piefkedenkmal.at

    wechselstrom

  16. Benjamin Schweitzer sagt:

    Off-Topic (falls es so was hier noch gibt):

    Über den Piefke-Link bin ich auf eine Textsammlung auf Wechselstroms Website gestoßen, die ich allen wärmstens Formulierungsvorschläge und Anregungen für dieses Blog suchen:

    Ich kann mich gar nicht entscheiden, was mein Favorit ist.

    „Können Sie mir sagen wir groß die Stücke im Ganzen sind.
    (wg. Auswahl des Bratgeschirrs)“ besticht durch lakonische Sachlichkeit.

    Toll ist aber auch und letztlich unschlagbar:

    „Lassen sie ihr krankes und leeres Hirn prüfen Sie gehören ins Gefängnis. Aber vorher täte ich mir überlegen, so liebe kleine Tiere haben ihr schönes Leben lassen müssen wegen so einen durchgeknallten Trottl. Sie und ihre Perversen Freunde sollten sich eine Gehirnwäsche machen lassen….. SIE WIEDERLICHES DING
    von einer 12 jährigen“

  17. @ Schweitzer und Simon, Liebe Blogger,

    setzen Sie sich erstmal mit Inhalt und Intention des Kalbsembryonenprojekts von Wechselstrom auseinander,
    bevor Sie hier wahllos Zitate, die GEGEN Wechselstrom gerichtet waren und ihn beschimpften hier in den Blog setzen und in ihrer Funktionalität (es solle als Blog-Jargon dienen!) verdrehen und entstellen. Wenn Sie einen solchen Jargon, wie die Leute, die dort schrieben und in polit. Gesinnung so mancher Leute dort… hier im Blog einführen möchten. Nein danke!
    Dann bloggen Sie beide vielleicht lieber auch mal woanders…

    Mit dem Kalbsembryonen-Projekt wurde m.E. in spannender Weise so manche Verlogenheit der heutigen angeblich so „demokratischen“ und „humanistischen“ Gesellschaft entlarvt und hinterfragt. Ein durchaus sehr spannendes Medienprojekt über das Thema der Grenzen und Möglichkeiten von Kunst, das sich seines Risikos voll bewusst war und welches Verlogenheiten in unserer Gesellschaft (Tiere schützen wollen, aber bei zwischenmenschlichen Kommunikationen jegliche Umgangsformen vergessen, bis hin zu Gewaltdrohungen gegenn den Künstler!)

    Wenn manch einer hier im Blog (der z.B. beansprucht die Welt zu verbessern, genial zu sein und angeblich „schonungslos“ objektiv, niemals „anschleimend“ o.ä…..) auch nur zu 10% solche wirkungsvolle, kräftige und kritisch-hinterfragende und autonome Musik schreiben würde, wie es Wechselstrom in seinen Medienprojekten macht (inkl Reply Projekt zu Mozartjahr) dann müssten wir uns hier bestimmt weniger über Substanzlosigkeit, um Anpassereien etc. aufregen und diskutieren.

    Schönen Tag noch,

  18. Benjamin Schweitzer sagt:

    Och, Herr Janson. Ausnahmsweise sind wir uns mal einig, in der Meinung über das Wechselstrom-Projekt mit den „Kalbsembryonen“ und da merken Sie es gar nicht. Hätte ich vielleicht nochmal explizit schreiben sollen. Am besten in den von Ihnen bevorzugten GROSSBUCHSTABEN. Ich entschuldige mich hiermit für meinen Anteil an dem Mißverständnis.

    Woraus waren denn die „Embryos“ eigentlich? Auf den Fotos sieht es aus wie Spätzleteig. Oder sollten es doch… wirklich… Nein, undenkbar.

  19. Ja, lieber Herr Schweitzer,

    dann müssen sie aber auch SO formulieren, dass man den Sinnkern Ihres Postings verstehen kann und nicht für reine Ironie hält. Durch ihren Einleitungssatz, wo Sie bzgl. der gegen Wechselstrom gerichteten Texte dies als Jargon für diesen Blog vorschlugen (da ja hier im moment – auch durch gewisse andere Leute…- das Niveau ins Bodenlose fällt). Da hielt ich zuerst Ihren Post für einen reinen Trollbeitrag.

    Also, entschuldige ich mich bei Ihnen, vor allem auch dafür, dass ich Sie in der Anrede mit Herrn Simon in einen Topf geworfen habe.

    Dies zeigt auch, wie sehr manche aggressive Trollings und Beschimpfungen hier mitlerweile hier Ansätze einer doch im Kern lieb gemeinten und augenzwinkernden Ästhetikdiskussion und Substantialität direkt wieder im Keim ersticken.
    Also, am besten mailen sich/treffen sich die Leute, die
    hier sich füreinander doch interessieren, mal PRIVAT
    und nicht virtuell!

    Virtuelle Kommunikation (zumal offenbar in Blogs und sicher auch bei neu gehypten Foren wie dem auch so tollen „Facebook“ etc.) führt per se schnell zu Missverständnissen (wie gesgat: The media is the message) oder läd dazu ein, das Gegenüber miss zu verstehen oder aber Missverständnis/Misstrauen zu säen; und es führt somit weiter zu struktureller und kommunikativer Gewalt anstatt zu mehr Solidarisierungen. So meine These und auch die Erfahrungen, die ich seit nun fast 4 Wochen (mal ganz von Oben und Objektiv, auch mich selbst kritisierend) hier mache.
    (Also DOCH wenigestens fürs Leben was gelernt, wenn ich schon kompositorisch z.B. Herrn Simon (auch nicht Marc André oder Enno Poppe…) bestimmt nie werde das Wasser reichen können).

    Drum: wir müssten eigentlich viel mehr mit Dingen wie Medien/Medienwissenschaft globalisierungskritisch – aber nicht BLIND-Kritisch – auseinander setzen. So z.B. wie es Wechselstrom praktiziert.

    Schönen Tag noch,
    E.Janson

  20. Philipp Sobecki sagt:

    Hahaha, der Blog ist doch immer wieder für Lacher gut! Besonders das Kommentar-Kabarret ist großartig, und das meine ich ganz ohne böse Absichten.

    Grüße