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d’r zoch kütt

in diesem forum ist das ja längst keine neuigkeit: “d’r zoch kütt.” der sounding d-zug erreicht heute das bevölkerungsreichste deutsche bundesland, in dem gleich drei “netzwerk neue musik”-projekte gekürt worden sind.

ab heute werde ich bis zum 7. september den zug begleiten und den sounding d-blog der nmz vollschreiben. damit verbunden die herzliche einladung an alle, mal reinzulesen – oder vorbeizuschauen. verabredungen über die kommentarspalte möglich!

wien modern galerie

es ist ja noch eine weile hin bis zu wien modern. die zeit bis dahin kann man sich vertreiben mit einer stellenweise großartigen galerie, die berno odo polzer offenbar noch vor seinem weggang initiiert hat. (zumindest nehme ich an, dass er es war.) aus der jahrzehntelangen arbeit haben sie entlegene oder wichtige texte zu randständigen oder bedeutenden komponisten zusammengetragen und in auszügen ins netz gestellt. ein quell, nicht nur des wissens, sondern auch immer wieder der freude.

GALERIE WIEN MODERN

Lange Nacht der Nachrufe

Liebe Leser des Bad Blog of Musick,

auch ich war sehr erschüttert über den Tod von Christoph Schlingensief.

Ich mag aber Nachrufe nicht. Es gibt bestimmt ganz viele kluge Zitate darüber, wie gut über Menschen, die tot sind, gesprochen wird, wenn sie denn dann mal tot sind. Und wie verlogen das Ganze ist, weil vielleicht dieselben Personen jetzt tief zu trauern vorgeben, obwohl sie den ein oder anderen Verriss für den Künstler oder die Künstlerin übrig hatten. (Wobei auch ein gemeiner Kritiker den verrissenen Künstler geliebt haben kann. Ich behaupte gerne nach zwei Gläsern Rotwein, dass Adorno Wagnerianer war. Und warum er das – natürlich – nicht offen sein konnte/durfte).

Mir ist klar, dass ich bestimmt (ich habe erst einen – gedruckten – Nachruf geschrieben; über Friedrich Goldmann) in Zukunft häufiger gebeten werde, Nachrufe zu schreiben. (Meinen Goldmann-Nachruf finde ich im Übrigen grauenvoll; hätte ich nicht machen sollen; ein Fehler). Je älter man wird, desto wahrscheinlich wird es, dass man selbst stirbt, oder dass Freunde, Bekannte, die vielleicht bedeutende Künstler waren, sterben. Am sichersten ist es aber, dass es Nachrufe geben wird. Nachrufe, Nachrufe, Nachrufe. Ganz viele. Und am allerallersichersten ist es, dass man gebeten werden wird, Nachrufe zu schreiben, schließlich habe man Künstler X oder Künstlerin Y persönlich gekannt. Vielleicht hat man aber auch X oder Y gar nicht gut gekannt und/oder gibt das nur vor; also, vielleicht hat man X oder Y kein bißchen gekannt und gleichzeitig, umso schlimmer, nichts, aber auch wirklich gar nichts von der XY-Kunst verstanden, weil man vielleicht unglaublich blöd und verstockt ist. Weil man von Kunst (egal ob X, Y oder ß) vielleicht einfach nichts versteht. Aber man schreibt natürlich trotzdem Nachrufe, weil man da ausnahmsweise mal so ganz viel Pathos raushängen lassen darf.

Ich verstehe dabei diesen persönlichen Drang, etwas über jemanden, der tot ist, zu schreiben. Das kenne ich. Ich könnte auch schreiben, wie sehr mich Schlingensief-Projekte wie “Talk 2000″ oder das grandiose, ultra-böse Hörspiel “Rocky Dutschke ‘68″ geprägt haben. Aber das ist ja nicht interessant genug. Oder? Will das jemand wissen? Bringt das jemandem etwas? Außer, dass ich so andeuten darf, dass ich in Wahrheit ein ganz bedeutender Anarcho bin (Wortspiele über meinen Vornamen herzlich gerne an die bekannte Adresse).

Ich verstehe auch, dass mein Hauptarbeitgeber Nachrufe vorproduziert. Ich darf darüber bestimmt gar nichts schreiben, weil ich sonst entlassen werde. Oder vielleicht auch nicht. Nein, es ist bestimmt so, dass jeder größerer Radiosender, dass jede größere Zeitung bestimmte Nachrufe “bereithält”.

Und jeder, der aufgeklärten Sarkasmus lieber mag, als (vielleicht falschen, verlogenen, selbstverliebten) Pathos, ist doch – wenn er von solchen Dingen erfuhr – schon mal auf Ideen gekommen… Auf die Idee, vorproduzierte Nachrufe (und ich denke ja dabei immer: die wollen unbedingt gesendet werden; also stirb bitte bald! BITTE!) einfach mal zu senden. Wäre praktisch kein Problem für mich. Wenn der Nachruf länger dauert, übernimmt der Hauptschaltraum (Abkürzung: HSR). Dann ist es wahrscheinlich zu einem ganz schnellen Anruf in der Schaltzentrale durch den Chef selbst oder durch einen der Redakteure gekommen. In jedem Fall werde ich gefeuert, wenn ich z. B. den Metzmacher- oder Rattle-Nachruf sende. Nein, keine Angst, beide sind sehr gesund. Essen Salat und so. Mal ein Gläschen Wein, aber nur wirklich eines! Lecker, gesund, ich will 103 Jahre alt werden und so. Es gibt diese Nachrufe einfach, weil die für Berlin wichtig sind – also, äh, Rattle und Metzmacher. (Obwohl: Metzmacher verlässt das DSO Berlin ja jetzt. Dann sollten wir im rbb diesen Nachruf entweder löschen, oder Metzmacher ist so höflich und stirbt demnächst.) Rattle, Metzmacher, Theo Adam, Dieter Schnebel, Ozawa, Fischer-Dieskau, Lachenmann (glaube ich…), Haitink. Das sind Namen, die ich hier einfach mal aufreihe. Ich habe nicht gesagt, dass die bald sterben! Nein, habe ich nicht gesagt!

In jedem Fall möchte ich eine “Lange Nacht der Nachrufe” inszenieren. Kam jetzt mit einem Freund zusammen auf diese Idee. Dem Makabren mit dem Makabren begegnen (sozusagen: Le Grand Macabre meets Le Grand Macabre; Ligetis Oper “Le Grand Macabre” ist ja eine Anti-Anti-Oper – hat er mal gesagt. Sozusagen wäre unser Projekt ein Anti-Anti-Anti-Projekt. Nach dem Motto: “Immer einmal mehr wie du!” “Alle Ideen gab es schon!” “Na schön, du Trottel!”). Inszenieren, also nicht die Original-Nachrufe illegal verwenden. Das würde meine sofortige Entlassung bedeuten. Völlig zu Recht natürlich. Nein. Wir erinnern uns: Friedrich Gulda lancierte ja mal einen Nachruf auf sich selbst, obwohl er noch lebte. Ich würde einige Künstler auffordern, ihren eigenen Nachruf vorproduzieren zu lassen. Und von allen bedeutenden (ja, ja, ihr hört den Subtext mitsummen: what ever that means, babe…) Künstlern würde ich in nur einer Nacht alle Nachrufe spielen lassen. Das Ganze müsste toternst ablaufen, keine Witzchen, keine Alt-Männer-Possen. Absolut seriös und traurig.

Herzliche Grüße,

euer Arno

Gedanken über Christoph Schlingensief

Ich muß ehrlich sein: Ich habe bei meiner Zusammenarbeit mit Schlingensief (”Freax”, Oper Bonn, 2007) gelitten wie ein Schwein. Gelitten an der Indifferenz eines Menschen, den ich eigentlich schätzte und auf dessen Arbeit ich mich freute.

Ausdruckswaisen

neulich bei einer premierenfeier. nicht irgendeiner: ruhrtriennale-eröffnung! kreation mit musik von samir odeh-tamimi. text von albert ostermaier. inszenierung von willy decker. bochum jahrhunderthalle. bei der anreise fällt auf: dem festspiel fehlt die burg. oder nicht? ganz anders: das festspiel ist in der burg! der industrieburg, warum sagen bloß immer alle kathedrale. (wegen der höhe, wegen [...]

welt ohne schlingel

christoph schlingensief ist tot. obwohl diese nachricht niemanden unvorbereitet trifft, ist es schockierend. es hätte der tag der premiere sein sollen von smash, in hilfe ersticken, einer produktion der ruhrtriennale, die bereits vor wochen abgesagt worden ist.
irgendwie habe ich wohl tief drinnen geglaubt, dass es ihm gelänge die gesetze dieser welt außer kraft zu [...]

“lass dich flachlegen”: einführung in die buddhistische lebensart

Hans Zender hat ein neues Werk geschrieben, das im Oktober 2010 seine Uraufführung feiern wird. Er greift darin – wie schon in früheren Werken – auf ein Gedicht des Zen-Meisters Ikkyû Sôyun zurück. Unkundig, aber neugierig, wer das denn wohl ist und was der denn so geschrieben hat, besorgt man sich ein kleines Gedichtbändchen in [...]

Das Mädchen ohne Schwefelhölzer

Oder wie würdet ihr “matchless maiden” übersetzen? Es ist Freitag und der Eröffnungsabend des Edinburgh Festival. Es sind dreimal so viele Leute in der Stadt als sonst, sagen die Leute, und auch ohne Edinburgh je gesehen zu haben, glaubt man das sofort. Denn noch bevor das internationale Hochglanzfestival seine Pforten öffnet, hat das noch viel [...]

unentdeckt bleibt niemand

Die Wege des Google sind unergründlich. Und plötzlich ist man bei Max Nyffeler auf seiner beckmesser-Seite. Und auf der Suche nach einer bibliographischen Angabe zu Arthur Honegger findet man ein Nyffeler-Zitat, das mancher Stimme, die hier aus der Kommentarspalte herangeklungen ist, durchaus nahe kommt.
in unserer ständig nach Neuem Ausschau haltenden Veranstaltungskultur und im rasch [...]

Kulturama: Das Feigenblatt

Liebe Leser, um den eklatanten Schwund von qualitativ hochwertigen Audioinhalten zu kompensieren, poste ich heute das Manuskript zu einer noch unproduzierten Folge der brillanten Sendereihe Kulturama: Von Rundfunkpäpsten im Radiohimmel. Um ein Gefühl für die mögliche Realisierung zu gewinnen, hier der Link zum Piloten der Serie.

Podcast
Kulturama – Spurlos

Kulturama, Folge V, Das Feigenblatt
Mitwirkende: Heimo Heimeisel, [...]