Bad Blog Of Musick

10. Februar 2016
von Moritz Eggert
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Heiteres Beruferaten

Heiteres Beruferaten

Als Kind stellt man sich ja immer vor, wie es später so ist, wenn man einen Beruf hat. Und zwar als Tätigkeit, die man dann auch hauptsächlich ausübt, mit der man die meiste Zeit seines Tages verbringt.

Und später ist das dann ja auch so. Der Bauarbeiter steht morgens auf und ist dann den ganzen Tag lang auf dem Bau und bohrt und schuftet und schleppt und macht. Dann geht er nach Hause und schaut das „Literarische Quartett“. Ach, das gibt es ja gar nicht mehr.

Der Arzt ist ebenso vielbeschäftigt damit, vor allem Arzt zu sein. Ein Patient nach dem anderen will etwas, man kuriert, verschreibt Rezepte und erklärt komplizierte Krankheiten. Und auch die Sprechstundenhilfen wollen bei Laune gehalten werden!

Der Winzer widmet seine ganze Zeit dem Erzeugen guter Weine. Morgens schreitet er seine schönen Weinberge ab und entfernt lässig im Vorbeigehen die eine oder andere Reblaus. Er überwacht die Lagerung, die Reifung und kostet auch mal gerne sein eigenes Tröpfchen. Muss er ja, denn es ist sein BERUF.

Bei all diesen Professionen kann man ganz klar sagen: hat man diesen Beruf, dann verbringt man seine Zeit vor allem damit diesen Beruf auch auszuüben.

Genauso habe ich mir als Kind auch das Komponistendasein vorgestellt: man sitzt zu Hause und horcht auf die himmlischen Eingebungen, schreibt Notenberge und liefert sie getreuen Gehilfen ab, die diese an Verlage und ungeduldige Orchestermusiker weiterreichen. Und ab und zu reist man zu einer Aufführung, wird dort bejubelt oder mit Tomaten beworfen oder beides und führt dann geistvolle Gespräche mit Kollegen und Freunden über Kunst, Gott und die Welt oder alles drei zusammen.

Ach, wenn es doch nur so wäre (der Verfasser dieser Zeilen seufzt)!

Was früher einmal so war ist heute nicht mehr so. Die Zeiten haben sich verändert. Die Technologie hat sich verändert. Die Medien haben sich verändert.

Neulich habe ich mich mal hingesetzt und eine Analyse von dem gemacht, mit dem ich Zeit verbringe. Familie zuerst, klar, dann Klavier üben, Komponieren, Dirigieren, Singen, schreiben, Hochschule, Freunde, diverse Ehrenämter, die Liste ist lang.

Wenn man also obigen Maßstab ansetzt, wäre das, was ich am meisten mache dann auch mein Beruf.
Ich habe herausgefunden, was mein Beruf ist.

Wollt ihr es wissen?

Zu meinem eigenen Erstaunen musste ich feststellen, dass ich mich eigentlich nicht Komponist nennen darf (das ist was den zeitlichen Anteil angeht wahrscheinlich eher ein Hobby). Nein, in Wirklichkeit bin ich hauptberuflich….Email-Beantworter.

Ungelogen, so ist es. Mehr Zeit als mit dem Schreiben von Opern, Symphonien und Kammermusik widme ich ….dem Lesen, Löschen, Sortieren und Beantworten von Emails! Und zwar mehrmals am Tag. Schon morgens auf dem Klo wird auf dem Handy geschaut, was sich wieder alles in den wenigen Stunden Schlaf an wichtigem angesammelt hat. Es gibt Menschen, die schreiben einem anscheinend um 4 Uhr morgens ellenlange Mails und leben noch nicht mal in Australien. Über den Tag verteilt folgen viele weitere Lese-und-Antwort Sessions. Am PC (dort immer mindestens 2 Stunden, egal wann ich mich daran setze und wie viel Zeit inzwischen vergangen ist). In der Straßenbahn. Kurz vor dem Konzert. Kurz nach dem Konzert. Beim Frühstück. Beim Mittagessen. Beim Abendessen.

Emails beantworten ist eindeutig mein Hauptberuf, und ich kann es auch tatsächlich ganz gut. Ich habe aber noch ein paar Nebenjobs: ich bin nämlich auch professioneller SMS-Beantworter, professioneller Facebook/Twitter/LinkedIn/what the f****-Beantworter und natürlich auch – nicht zu vergessen, professioneller WhatsApp-Beantworter. Aber das ist tatsächlich nur ein Teilzeitjob, weil ich es manchmal vergesse oder übersehe.

Und irgendwann nach dieser langen, langen Liste kommt …das Komponieren. Mache ich auch manchmal, aber anscheinend nur kurz, denn dann wartet ja schon wieder die nächste Mail. Wenn ich 3 Stunden am Tag komponieren kann, bin ich schon froh. Die restlichen 15 Stunden (abzüglich 6 Stunden Schlaf) verbringe ich nämlich mit Emails. Manchmal habe ich Angst zu vergessen, wie das Komponieren überhaupt geht.

Auf meinem Grabstein wird einmal stehen: „Hier liegt M.E., staatlich geprüfter Emailbeantworter. Manchmal schrieb er auch Opern“.

Und wahrscheinlich muss ich selbst dann nach wie vor eines machen, sei es in der Hölle, im Elysium oder sonst wo (weiß ich jetzt noch nicht):

Ich muss…. Emails beantworten.

Luja, sog I.

Lemke

Quelle: wikipedia

Moritz Eggert

8. Februar 2016
von Moritz Eggert
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Gibt es das Wagnis noch?

Gibt es das Wagnis noch?

„Zum Erfolg verdammt“ ist ein Satz, den man im Operngeschäft immer öfter hört. Was das heißt? Das heißt, dass etwas so hoch gehängt wird, so monumental gecastet wird, so intensiv gehypet wird, dass ein Misserfolg nicht mehr in Frage kommt, nicht mehr sein darf.

Insgesamt produzieren Opernhäuser eher wenig Uraufführungen im Vergleich zum Normalrepertoire, daher lastet auf diesen Uraufführungen immer eine besondere Verantwortung. Die Komponisten zittern ihre Erstlingsoper könnte kein dauerhafter Erfolg werden (was sie – bittere Wahrheit – in 99,9999% aller Fälle ohnehin nicht wird, auch wenn es sich um ein Meisterwerk handelt). Die Intendanten zittern um Subventionen und Platzbezuschussungen. Die Dramaturgen um ihren nächsten Job. Die Regisseure zittern am wenigsten, da man ihnen bei Uraufführungen vielleicht am wenigsten auf die Finger schaut, man kennt das Stück ja noch nicht. Das Publikum zittert davor, nichts zu verstehen. Das verstehe ich nicht.

Und da heutzutage niemand mehr zittern will, wird alles dafür getan, sich abzusichern. Und dafür gibt es natürlich Mittel und Wege.

Man kann Stars anheuern, die Zugkraft beim Publikum haben. Große Namen, die davon ablenken, dass man vielleicht weder die Oper noch den Komponisten kennt. Man kann eine gigantische Werbemaschinerie anwerfen. Man kann einen Stoff wählen, den alle aus Film und Fernsehen kennen oder der „im Gespräch“ ist. Man kann einen Stoff wählen, den niemand stört, auch das geht. Am besten was Antikes oder von Shakespeare. Man kann auch etwas über das Dritte Reich oder Rassismus und Verfolgung machen, dann finden es zwar vielleicht einige nicht gut, trauen sich aber dann nicht, es zu sagen.

Erfolge werden heutzutage sehr oft „gemacht“, sie kommen dann nicht aus einer inneren Strahlkraft oder Wahrhaftigkeit eines Werkes. Diesen eigentlich wichtigen Attributen eines Werkes wird nicht mehr intensiv genug nachgelauscht, da man es noch nicht einmal mehr wagt, den scheinbar gescheiterten Stücken eine zweite Chance zu geben. Was wenig Hoffnung auf eine neue „Carmen“ macht.

Manchmal läuft diese Maschinerie so perfekt, dass man gar nicht mehr beurteilen kann, ob diese Wahrhaftigkeit da ist oder nicht. Man darf dann auch niemandem Unrecht tun. „South Pole“ von Miroslav Srnka (einem hervorragenden Kollegen, der feine und klanglich raffinierte Musik schreibt) an der Staatsoper mag hier ein Beispiel sein. Da führt das Regie-Urgestein Hans Neuenfels Regie, Petrenko dirigiert, Stars wie Hampson oder Villazon singen. Alles ist vom Feinsten, und es wird – natürlich – ein Erfolg. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass bei aller Freude über eine erfolgreiche neue Oper eines doch seltsam dünkt: Das Ganze ist eine Oper über zwei Südpolexpeditionen, bei der Männer alles riskierten und aufs Spiel setzten und dabei ihr Leben verloren. Es ist also ein Stück über ein großes Wagnis. Aber die Oper darüber ist eben überhaupt kein Wagnis, sondern zum Erfolg verdammt. Und man kann das keinem der Beteiligten zum Vorwurf machen, es ist einfach ein Zeichen der Zeit.

Gibt es das Wagnis überhaupt noch? Man kann philosophisch werden und argumentieren, dass wir in einer zunehmend unübersichtlicheren Zeit leben, in der quasi jeden Tag dutzende von Terrorgruppen miteinander absprechen wo sie mal wieder Unschuldige in den Tod reißen können um das obligate Tagesattentat zu begehen, auf das schon jeder Tagesschau-App-User wartet. Will man da nicht vielleicht das Wagnis aus den kontrollierbaren Bereichen wie Kunst und Kultur entfernen? Damit man wenigstens dort Ruhe hat?

Deswegen gibt es ja politische Korrektheit, denn Anzuecken wäre…ein Wagnis. Deswegen gibt es Zensur, denn aufzufallen wäre…ein Wagnis. Deswegen gibt es Kompositionsaufträge, Lehraufträge, Stipendien, Festivals und Preise, denn freies Komponieren ohne diese Absicherung wäre… ein Wagnis.

Wenn aber nirgendwo Wagnis ist, wie sollen wir dann aus unseren Erfahrungen lernen? Ein Kind lernt Laufen, weil es hinfällt. Es lernt Fahrradfahren, weil es mit dem Fahrrad umfällt. Es lernt sprechen, weil es erst lallt und stammelt. Das Scheitern ist keine Schande sondern eine Notwendigkeit um sich einmal vorwärts bewegen zu können.

Natürlich gibt es Bereiche des Lebens, in denen ein Scheitern wirklich unerwünscht ist. Wir wünschen uns nicht, dass der Pilot bei der Landung scheitert, daher hat er vorher bei hunderten Flügen assistiert und ist im Simulator ein paar Mal gegen die Alpen gekracht. Hier ist es vollkommen richtig, nicht scheitern zu wollen.

Aber warum darf man heute in der Kunst nicht mehr scheitern? Gibt es da irgendwas Ehrenrühriges daran? ALLE großen Komponisten sind immer wieder gescheitert. Und sind durch dieses Scheitern erst zu den Komponisten geworden, als die wir sie kennen.

Man stelle sich einen Richard Wagner vor, den man in die heutige Zeit überträgt und der einen prestigeträchtigen Erstlingsopernauftrag bekommt. Man würde alles tun, sich abzusichern, alles tun, um irgendein zu großes Ausschlagen des Pendels in irgendeine Richtung zu vermeiden. Hätte er sich unter diesen Umständen so entwickelt? Das ist doch der Punkt: Wagner wurde nämlich in einer Zeit groß, die so reich an Opernhäusern und Aufführungsmöglichkeiten war, dass er es sich leisten konnte ein halbes Dutzend Mal kläglich an seinen Opern zu scheitern. Um dann schließlich aus diesen Erfahrungen heraus seine eigene und unverwechselbare Tonsprache zu entwickeln.

Oder anders gesagt: Es gibt sehr interessante Misserfolge, aber auch vollkommen uninteressante Erfolge.

Wie auch immer: ich wünsche mir das Wagnis zurück. Eine experimentelle Oper in einer „Laborsituation“ auf einem Neue Musik-Festival aufzuführen, ist kein Wagnis, denn ich sage ja quasi schon vorher, dass ich nur ein bisschen was ausprobiere. Sie in Wacken vor einem Heavy Metal-Publikum aufzuführen? DAS ist ein Wagnis. Das zu Erwartende tun kann nie ein Wagnis sein, deswegen ist Neue Musik schon alt, bevor sie aufgeführt wird, einfach, weil man sie schon gleich „neu“ nennt. Was soll das überhaupt? Wir sollten doch vielleicht erst einmal schauen, ob das Ganze überhaupt neu ist, und es DANN ERST „Neue“ Musik nennen. Ständig wird das Neue deklariert und angekündigt, aber gar nichts ist neu, es ist immer dasselbe. Es muss ja auch nicht alles ständig neu sein.

Und zwischendrin, vollkommen unvermutet und überraschend kommt es dann doch: Das Neue. Und das ist immer ein Wagnis, denn man weiß ja noch gar nicht, ob das funktioniert. Gut so. Denn sonst wäre sein Funktionieren ja auch nichts wert, sondern nichts als eine Erfüllungspflicht, so wie ich erwarte, dass das Licht angeht, wenn ich auf den Schalter drücke.

Kunst ist aber weder ein Schalter noch eine Glühlampe sondern das große Unbekannte.
Es geht mir nicht um Provokation, um Schock oder Kontroverse. Es gibt große Kunst, die gerade in ihrer vermeintlichen Harmlosigkeit radikal ist (Satie). Und es gibt Provokateure, die die Provokation planen wie eine Steuererklärung.

Ich bin sicher: Der Weg des größten Wagnisses ist der interessanteste Weg. Nicht der sicherste aber der interessanteste. Im Scheitern kann der wahre Triumph verborgen liegen.

Mehr Wagnis wagen? Das könnte gehen.

Aber auf jeden Fall vorher ein bisschen absichern. Es könnte ja sonst zu gewagt sein.

Moritz Eggert

South Pole

badboy_gaelic

5. Februar 2016
von Alexander Strauch
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Neue Musik für Volksmusik! Stimmt für Bayern 1

Ich wollte eigentlich über meine Begeisterung für Miroslav Srnkas „South Pole“ schreiben. Doch zuerst geht es um Wichtigeres! Denn auch Srnkas Oper profitierte von den fantastischen Mischungen des Konzertakkordeons mit Orchesterklängen, hatte es in der eisigen Welt des Wettlaufs zum Südpol das erste oder letzte Wort. Und warum kennen wir das Akkordeon? Wegen Teodoro Anzellotti? Hugo Noth? Natürlich. Aber auch durch all die Spielerinnen und Spieler, die es in ihren Anfängen als Instrument der Volksmusik kennenlernten. Ein wichtiges Medium der Volksmusik ist der noch terrestrisch empfangbare Sender „Bayern 1“ des Bayerischen Rundfunks. Wie BR Klassik soll er ins Nirwana des Digitalfunks verschwinden. Obwohl die meisten Haushalte im Sendegebiet des BR nach wie vor analoge Radioempfänger vorhalten, sei es in der Wohnung oder im Auto, soll wohl nun mit dem brachialen Umstieg eine breitere Schicht als die von BR Klassik zum Kauf digitaler Geräte verdonnert werden. Die Umstellung für die Volksmusiksendungen von BR 1 soll noch in diesem Frühjahr zum 16.5.16 erfolgen, wie man überfallartig erst vor ein paar Tagen öffentlich verkündete (2.2.16!), derweil BR Klassik noch einen Aufschub bis 2018 gewährt worden ist, bevor Puls seinen analogen Sendeplatz einnehmen soll. Obwohl der Bayerische Musikrat durch den Deutschen Komponistenverband initiiert eine der erfolgreichsten Petitionen für ein Klassikthema vorweisen konnte, war nicht mehr drin. Zwar spielt Neue Musik auf BR Klassik nur eine kleine Rolle. Dennoch ist es in Bayern das wichtigste Medium für deren Verbreitung. Trotz vieler Vorbehalte gegen das gewöhnliche Programm war es mir eine Pflicht, die damalige Petition ohne Zögern zu unterstützen.

Aber warum soll nun eine Person der Neuen Musik den Erhalt von BR 1 im Analogempfang fordern? Wie BR Klassik ist BR 1 auch ein Platz für die richtige Volksmusik. Mag diese dort im Gegensatz zu volkstümlichen Formaten auch immer mehr zurückgedrängt worden sein, kann man sie dort noch breitenwirksam empfangen, ohne irgendwo auf dem Lande in einem versteckten Stadl nach ihr suchen zu müssen. Wer diese Musik in jeder Lebenslage aus dem Radio hören kann, begeistert sich eher dafür, sie kennenzulernen, ihre Instrumente zu erlernen, als wenn er sie in überbordender digitaler Pseudo-Vielfalt mühsam herausfiltern muss. Wenn er sie vorher nicht kannte, wird er sie kaum aktiv auffinden. Denn wie Neue Musik auf Klassikwellen ist Volksmusik ein Nischenprogramm, das am besten seine Hörerschaft findet, wenn sie einfach mal zufällig erklingt, als nutzergerecht irgendwann dem gewohnten Hörverhalten angepasst wird, was die Zukunft des digitalen Sendens sein wird.

Wie ich eingangs sagte, verdanken wir der Volksmusik auch wichtige instrumentale Impulse! Vom Akkordeon, der Gitarre, der Zither bis hin zum ungarischen Cimbalon wird dieses Instrumentarium in der Neuen Musik heute stärker denn je eingesetzt. Natürlich muss deren Lehre für den zeitgenössischen Musikbetrieb auch noch immer wieder gefördert werden, ist als Basis für all die diese Instrumente Lernenden und Spielenden der Zugang zu ungefilterter, nicht volkstümelnder Volksmusik ein zentraler Aspekt mit diesen Instrumenten. Wie sich Akkordeonisten, Gitarristen und Zitheristen in ästhetisch strengen Zirkeln zur Erforschung neuer Spieltechniken und Kompositionen zusammenfinden, so trifft man sie in lockeren volksmusikalischen Kreisen, lebt beides in ihnen selbstverständlich zusammen, bedingt sich gegenseitig von einer Nische zur anderen.

Deshalb gibt es eigentlich kein Argument, warum wir nicht nur aus Solidarität Bayern 1 unterstützen sollten: ein Teil unserer neuzeitlichen Seele tankt immer wieder in den Ländlern, Polkas und Juchezern, die zwar selten, aber doch konsequent einfach auf den analogen Frequenzen von Bayern 1 erreichbar sind. Und das sollte unbedingt bleiben! Solange nicht das gesamte Sendeangebot in Bayern von analog auf digital umgestellt wird, keine falschen Experimente mit den sensibelsten Wellen, um wieder mehr als 50% „Lufthoheit“ im BR-Sendegebiet zu haben durch den unsicheren Ausbau von Puls. Abgesehen von den technischen Vorbehalten und Klangverlusten des Digitalfunks, kommen die Vorteile eines ausdifferenzierteren und personalisierten Programms im Digitalen erst zum Tragen, wenn alle Sender dort generell senden. Also gute Gründe, die beiden Petitionen zu unterzeichnen: Hier geht’s zum Unterschreiben, bisher über 3000 Unterschriften seit 2.2.16 (Stand 6.2.16)!

Die kleinere, bisher hier verlinkte Petition, leider nur knapp 200 vom 3.-6.2.16 kann man hier finden.

1. Februar 2016
von Moritz Eggert
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On the Subject of Trans Voices (by Jake Bellissimo)

On the Subject of Trans Voices
by Jake Bellissimo

The story starts out the same for many people—in the case of my friend (hereinafter referred to as Beth, a placeholder name), she is looking through craigslist and sees a familiar ad:

“Female singer needed for upcoming project”

Beth feels her stomach start to sink. Her identity is challenged, because (as a trans woman) she thinks that she is just as female enough for any “female singer role”, but deep down she already knows what the ad wants—a light, breathy soprano or alto.

If that’s what the ad wants, then why go the unnecessary step to associate voice type with gender?

This issue is present across the board in music, but it has a special position in art music. Unlike many other genres and practices (whose definition of gender is mainly informed by societal prejudices), art music has a well-accepted history of distorting the role of gender in vocal analysis alongside (but still intertwined with) cultural progress.

Some examples are:

• Castrati, a mainly Italian practice involving castrating young choirboys before puberty as a means of developing the pre-pubescent vocal range as they grow older. Starting with the ban of women singing in churches in the early 1600s, choirs needed to be well-rounded, and castrati where henceforth valuable in society, with both celebrity and monetary wealth. As a result, many families seeking some extra cash would castrate their sons in hopes their talent would shine through later on, and this practice became engraved in art music culture until outlawed in the late 19th century.
• Contratenors, a similar attempt at incorporating a higher “male” voice into the vocal realm. Having singers who would typically be baritones or tenors sing in falsetto, this style of singing was a popular Baroque tradition, later on replacing castrati, and now has a wide breadth of early music and new music repertoire.
• Female tenors, who have less of a professional presence than an amateur one, but still take up space in community choirs around the world. They are typically Assigned Female at Birth (hereinafter referred to as AFAB) people whose voices have a lower breaking point than AFAB Altos.

As you can see, though, we have already come to a crossroads with how we label things. The concept of calling an AFAB tenor a Female tenor unnecessarily complicates the issue of identity. If Beth saw an ad saying “Female tenor”, would she be able to apply? Because she is female, and she is a tenor.

See the problem?

The system we have in place is uniquely flawed, because it simultaneously offers a lot of variety for describing voice type (Soprano, Alto, Tenor, Bass, Contralto, Mezzo-soprano, etc.) while boxing in vocal characteristics with gender.

And this is the issue with how many musicians think about writing for voice. When somebody hears “male soprano”, sure, they’re expecting a vocal range that is typically perceived as feminine (transcending the gender portion of the dilemma), but they ground the image in other vocal aspects we wrongly associate with gender: timbre, articulation, and other nuances.

This is the root of the issue: we have gone surprisingly far in separating gender from voice-type. Even though we may not perceive it as such, having male sopranos and female tenors breaks the current system in certain respects.

So why is it so difficult to go all the way when separating gender from voice?

Contemporary composers have no problem with intricately notating scores and preparation, and the same amount of care and specificity should be taken when approaching vocal writing.

But in scores, it is important to keep it simple for the performers. However, this does not mean we should resort to complicating the issue further by wedging gender next to performance practice. I see no problem with continuing to use gender-neutral terms like soprano, alto, tenor, etc. when indicating the type of singer pieces require. But our system needs to be updated in its execution, because if I’m looking for an alto to sing Billie Holiday’s rendition of “lovesong”, am I really interested in the specific gender of the person, or am I interested in the nuances of their voice?

Most of the time (bar some theatrical pieces) it tends to be the latter; the sopranist Edson Cordeiro shows this in his rendition of the exact Billie Holiday song, in which he replicates her signature voice without error. Singers like Cordeiro show that the line between what we consider male and female ways of speaking/singing is more within acting and technique.

Research shows this too; this study from Northeastern University does a thorough exploration of the qualities we typically associate with gendered voices.

Of course, this puts more responsibility on vocalists in general. A soprano who was Assigned Male at Birth (hereinafter referred to as AMAB) might have more trouble getting down the nuances of a stereotypically female voice needed for Verdi’s “Pace, pace mio Dio” aria, but—in a world where vocalists strain their voice for extended techniques and new music—this is not an impractical thing to ask.

And in the long run, adjusting our ways of speaking about vocal technique beyond the gender binary only makes classical music a more progressive world to exist in. For people like Beth (and many other members of the trans community), the second we start to revise our system brings a glimmer of hope.

Thankfully, many trans classical musicians have already taken action. The visibility given to sopranos like Breanna Elyce Sinclair and ensembles like the Butterfly Music Transgender Chorus are already doing a lot to transform the space vocalists occupy to suit a more progressive agenda.

And, frankly, as composers and performers who will spend hours arguing about different types of instrumental preparation and technique, we should be doing the same.

REFERENCES not linked in article

http://www.slate.com/articles/arts/music_box/2009/11/natures_rejects.2.html

http://slippedisc.com/2015/06/exclusive-my-life-as-a-transgender-opera-singer/

http://www.nytimes.com/2000/12/10/nyregion/vocalizing-female-tenor-tells-all.html?_r=0

https://www.yahoo.com/health/male-voice-female-body-how-transgender-women-125525715732.html

29. Januar 2016
von Arno
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op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 2

Nach Folge 1 – und damit Takt 1 (mit Auftakt) – muss unweigerlich Takt 2 folgen. So ist es nun mal. Weil es doch nicht anders sein kann!

Am 15. Dezember 2015 ging es also um den ersten Takt der letzten Klaviersonate Beethovens. Was ist aber eigentlich mit dem letzten Takt der ersten Klaviersonate? Einfach mal so aus Interesse, hey! Hier.

Der letzte Takt von Beethovens erster Klaviersonate. Ohne Erkenntnisgewinn. Aber: egal!

Der letzte Takt von Beethovens erster Klaviersonate. Ohne Erkenntnisgewinn. Aber: egal!

Was aber passiert in dem zweiten Takt von Beethovens op. 111?

Das hier, bitteschön.

Beethoven op. 111 - 1. Satz - Takt 2

Der erste Takt ging den Hörer noch so heftig an! Harmonisch fast haltlos, ins Nichts gehämmert. Schärfste Punktierungen, die bei und für Beethoven in dieser Prägnanz eine Erinnerung an die Französische Revolution, an den (politischen) Kampf um die Freiheit des Individuums – Beethovens mit Abstand wichtigstes privates und künstlerisches Thema – bedeuten.

Die französische Revolution hat scharfe Punktierungen – also einen durch Punktierung verlängerten Notenwert, der gleichsam die Folgenote rhythmisch an den Rand drückt, die Folgenote zwingt, nur noch ganz kurz zu erklingen, temperamentvoll, zornig oder auch mal feierlich-majestätisch – quasi hoffähig gemacht. Wobei sie das längst waren – und zwar spätestens mit dem Beginn des 18. Jahrhundert. Noch/schon Bach verwendete Punktierungen gerne – und schrieb „Französisch“ drüber!

Nach diesen erinnerungshaften Punktierungen des wütenden ersten Taktes: fast eine Ohrenweide in G-Dur und c-Moll! Auf dem Triller von Takt 1 soll der Pianist zunächst einen scharfen Akzent setzen – und anschließend zum Piano hin leiser werden. Fast schüchtern, naiv setzt Beethoven zu Beginn von Takt 2 einen G-Dur-Akkord in feinster Grundstellung dahin. Wie in einem Bach-Choral. Wie süß. Anschließend c-Moll. Was für eine triviale Wendung! Doch Beethoven wäre nicht Beethoven, wenn er nicht Beethoven wäre! Auch der dritte Akkord in Takt 2 ist nämlich irgendwie voller Bach. Aber das jähe – mit einem Crescendo versehene – Arpeggio vor dem Sextakkord ist dann halt wieder typisch Beethoven, der angesteuerte Akkord aber Rezitativ-Akkord. Eine totale Mischung also von Bach-Rezitativ-Erinnerung und Beethoven-Faust-Eigenstempel. Ein Rezitativ-Akkord also, ein Akkord, nach oder auf dem man in barocken Werken deklamierend sang. Etwas von Bedeutung, etwas, nach oder mit dem etwas gesagt, angedeutet, erzählt werden will.

Die 32stel-As-Oktave am Ende des zweiten Taktes verheißt dann wieder Böses Revolutionäres. Nämlich Punktiertes. Doch wir warten weiter Tee und trinken ab!

27. Januar 2016
von Moritz Eggert
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Epochen der Musikgeschichte: „Die Moderne“

500 Jahre Musikgeschichte in wenige Stunden Film zu komprimieren ist keine dankbare Aufgabe, aber Lena Kupatz und Axel Brüggemann haben genau dies getan. Für ARTE.

Teil 4 heißt „Die Moderne“, und wird an diesem Sonntag gesendet (um 17:40). Das sollte man nicht verpassen, vor allem, wenn man Cameron Carpenters neue Frisur sehen möchte. Oder meiner Wenigkeit dabei zuschauen möchte, wie ich versuche Stockhausens Helikopterquartett an der Münchener Isar nachzustellen (erfolglos).

Hier zwei Teaser:

Zum Stockhausen könnte ich noch mehr erzählen, aber…darf ich noch nicht.

Für Teil 5, „Die atopische Postmoderne“, fehlte leider das Geld. Schade, das wäre natürlich der beste Teil geworden. Aber…wir haben ja noch ein bisschen Zeit.

Leder-Maulkorb-Amstaff

24. Januar 2016
von Moritz Eggert
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To Reach „Pure Listening“ (by Jake Bellissimo)

Leder-Maulkorb-Amstaff

To Reach “Pure Listening”
by Jake Bellissimo

In a recent article in The Guardian, Marina Abramovic announced an upcoming collaboration she has with pianist Igor Levit that involves a performance of J.S. Bach’s Goldberg Variations. The piece itself will not be changed, but the experience will: when the audience enters the hall they will be given lockers to put all of their electronics in. Then they will grab noise-cancelling headphones and sit in silence for 30 minutes before the concert actually starts.

She then eleaborated about how we don’t have “pure” listening experiences anymore, saying that “’we don’t have the capacity to listen to classical music in a form that was done before.’”.

My initial thought was that it sounds silly, especially considering how raucuous art music concerts were 150 years ago as opposed to now.

However, maybe she has a point.

When thinking about her “pure listening” analysis, I thought of some more things:

• No chairs!
o Chairs may distract the listeners, and we don’t want them to be focusing on anything other than the music! We are too often distracted with our surroundings that we don’t truly understand the meaning of the wonderful notes. No more chairs!

• No food, smoking, or drink allowed within 1 mile radius of the concert hall
o Sure, concert halls are already pretty tight on eating, drinking, or smoking inside, but we have to take it one step further. To avoid tarnishing the aura of pure classical music, we should extend the ban to a 1 mile radius around the concert hall.

• Tickets may only be bought for exchange of your first-born child
o Pure listening requires a pure soul, which is why if you want to buy tickets at the door, you better bring your first-born child! If you don’t have that sort of monetary leverage the evening of the concert, don’t worry, committal contracts will be on hand as well.

• No eating or drinking 24 hours before the concert
o Although deemed as a controversial tactic, proctologists have a point. In order to make sure nothing is interfering with the audience’s enjoyment of the music, their bodies must be completely empty before they enter the concert hall.

• Breathing only allowed inbetween movements
o Don’t you find it ridiculous when people make noise during the movement? Especially breathing. Each variation is short enough, they can hold it in.

• All children must be on leashes, with muzzles
o It’s slightly ridiculous to have children making noises all of the time. If they understood the music and the passion behind it, they would be more respectful. This is why all children entering the concert hall must have leashes and muzzles, to avoid the listening experience being interrupted by disruptive behavior. If you do not have your own leash or muzzle, they will be provided at the door.

• No music at all!
o Maybe we shouldn’t even have music being played…I think to truly enjoy a pure listening experience, the audience needs silence. Well, maybe they don’t want it, but they need it. No music!

EDIT: It appears somebody has already thought of this…

18. Januar 2016
von Moritz Eggert
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Die Gründung der Erik-Satie-Gesellschaft.

Treten Sie der Erik Satie-Gesellschaft bei!

Verschenken Sie nicht ihre kostbare Lebenszeit! Lassen Sie alles links und rechts stehen und liegen und handeln Sie.
Vielleicht haben Sie es noch nicht mitbekommen, aber in Königsfeld wurde die

ERIK SATIE GESELLSCHAFT

gegründet.

Hier handelt es sich um eine wichtige und äußerst bedeutende Initiative, deren Wichtigkeit für die Zukunft dieses Planeten nicht zu unterschätzen ist.

Auch Michael Roth, Staatsminister für Europa, begrüßt unbedingt die Gründung der Satie-Gesellschaft. Er schreibt (im August 2015):

„Ich begrüße die Gründung der Satiegesellschaft sehr. Erik Satie, der vor 90 Jahren verstarb und dessen
150. Geburtstag wir 2016 begehen werden, steht wie kaum ein anderer Komponist der Moderne für eine Verbindung
von Aventgarde und Volksnähe. Ich wünsche Ihnen und allen an der Gründung der Satiegesellschaft
Mitwirkenden viel Erfolg unter dem Motto: Musik soll die Menschen verändern.“

Ob „Aventgarde“, „Avantgarde“ oder „ADEvantgarde“ – wir stellen fest, dass die Gründung einer Satiegesellschaft von unserem Staatsminister für Europa AUSDRÜCKLICH BEGRÜSST wird.

Auch wir begrüßen die Gründung einer Satie-Gesellschaft, der ersten ihrer Art weltweit.

Die Grußworte des Ministers wurden bei der eminent wichtigen GRÜNDUNG DER ERIK-SATIE-GESELLSCHAFT verlesen.
Diese fand, wie schon oben erwähnt, in Königsfeld statt, am 24. Oktober 2015.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören WICHTIGE Menschen, und mindestens ein Offizier der Bundeswehr, der in AFGHANISTAN Trost und Unterstützung fand durch die einzigartige MUSIQUE D’AMEUBLEMENT unseres verehrten Meisters, des Herrn der Satieriken, Erik Satie.

Wer sich der Erik Satie – Gesellschaft anschließt, verpflichtet sich, fortan nur noch weiße Nahrung zu sich zu nehmen und zu streng festgelegten Zeiten absurde Handlungen zu vollführen.

Wer sich weigert, dies zu tun, kann die nächsthöhere Stufe der Mitgliedschaft erlangen und wird in die GEHEIMNISSE DER SATIERIKEN eingeweiht, über die hier kein weiteres Wort verloren werden kann, denn man könnte sie wiederfinden.

Ziel der Erik Satie-Gesellschaft ist die Erlangung einer unbeschreiblichen Weisheit, die hier nicht beschrieben werden kann. Die Zahlen 8, 4 und 0 spielen bei der Erlangung dieser Weisheit eine große Rolle. Aus diesen Zahlen leiten sich auch die Mitgliedsbeiträge ab.

Wer sich verpflichtet, irgendeinen dieser Mitgliedsbeiträge zu zahlen, wird automatisch Teil der Sternenkinder und kann sich fortan SATIERIK der ersten Klasse nennen.

SATIERIKEN der zweiten und dritten Klasse gibt es nicht, aber wir werden diese Möglichkeit vielleicht (oder eventuell auch nicht) weiter verfolgen.

Die SATIE-GESELLSCHAFT dient der Völkerverständigung und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen die Vorzüge einer vereinfachten Garderobe nahe zu bringen. Wer sich den selben Anzug, dass selbe Kleid, 20x kauft, muss sich morgens nicht mehr fragen, was er anziehen muss. Die gewonnene Lebenszeit kann dazu benutzt werden, NEUE EINSICHTEN zu bekommen, wie zum Beispiel die, dass der Tango DES TEUFELS ist, und dass sogar der Teufel NUR EIN MENSCH ist.

Überhaupt sind Teufeleien aller Art zu vermeiden.

Dies und anderes befiehlt Ihnen DIE SATIE-GESELLSCHAFT.

Fordern Sie sofort unsere kostenlose Broschüre für 48.848,-EUR an, und wir eröffnen Ihnen, wie Sie uns beitreten können!

Wenn Sie sich informieren wollen, gehen Sie sofort und ohne Umschweife auf DIESE WEBSEITE, und erfahren Sie alles über die im Oktober 2015 durch die 3-stündige öffentliche Verlesung der Vereinsstatuten endlich gegründete

ERIK-SATIE-GESELLSCHAFT

Nur noch für kurze Zeit verfügbar: die Mitgliedschaft in der ERIK-SATIE-GESELLSCHAFT!

Und vielleicht auch danach.

Greifen Sie zu, nutzen Sie ihre Chance, denn sie kommt nur ein zweites Mal.

Gezeichnet:

Die Gründungsmitglieder:
Armengaud, Prof. Dr. Jean-Pierre, Paris
Bair, Johannes, Renningen
Eggert, Prof. Moritz, München
Fierke, Frank, Starzach
Golla, Monika, Starzach
Grüber, Michael, Horb
Nonnenmann-Heckner, Henrike, Horb
Heckner, Ralf, Horb
Houben, Prof. Dr. Eva-Maria, Universität Dortmund
Kieckbusch, Uli, Balingen
Loritz, Prof. Dr. Martin, Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg
Stiegenroth, Christa, Horb
Striegel, Prof. Dr. Ludwig, Universität Mainz
Wagenhäuser, Prof. Wolfgang, Aldingen
Wagenhäuser, Prof. Ralucca, Aldingen

Die Gründungspaten:
Gemeinde Königsfeld vertreten durch Herrn Bürgermeister Fritz Link
Musikhochschule Trossingen
Musikhochschule – Universität Mainz

Gewählt wurden:
Christa Stiegenroth, 1. Vorsitzende
Johannes Bair, 2. Vorsitzender
Ralf Hecker, Kasse / Finanzen

Michael Grüber wurde als Geschäftsführer berufen,
Jean-Pierre Armengaud als Ehrenpräsident.

satie

15. Januar 2016
von Moritz Eggert
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The Importance of UCSB’s Cylindrical Record Library (by Jake Bellissimo)

Edison

The Importance of UCSB’s Cylindrical Record Library

(by Jake Bellissimo)

The University of California at Santa Barbara library has done something truly incredible. Boasting an outstanding collection of cylindrical recordings from the late 19th and early 20th century, the library has uploaded said collection to their digital catalogue (a remarkable 10,000+ digitized cylindrical records) for free download.

This is kind of a big deal. To be able to sift through and listen to recordings from over 100 years ago at your own leisure is pretty extraordinary.

As classical musicians/composers it is easy to take documentation for granted. The art form, the history, and the music still exist because the main distribution method is through sheet music. Add in the societal, class-based reason for preserving classical music (read: “high art”, aristocracy) and you have a pretty reliable system. This differs a lot from non-classical traditions, as precise documentation wasn’t available until recordings were popularized, and—even then—recording and distribution still aren’t the most accessible markets.

I think it’s important to be consistently cautious about how we document music (see my first post on this blog ). But right behind those ethics is my love to listen to recordings of music that only existed in a certain place and time. Music is a force that influences and is influenced by culture, so simply passing it down aurally might eliminate certain nuances of the time.

There’s not much more I can say about this, though—it really speaks for itself. Keep in mind that there are still over 2,000 cylindrical recordings left to be digitized, and you can “adopt” (donate $60 for) one to be digitized here.

Here are a few highlights from the collection:

“You will never miss your mother until she’s gone”
o “was her head that touched my brow/I can almost feel it now/You’ll never miss your mother ‘til she’s gone”

“There’s a mother always waiting you, at home, sweet home”

“Under the bamboo tree”

• [Animal noises–cat, chicken, rooster, cow bird, followed by announcement by unidentified male voice].

Selected Tahitian field recordings

14. Januar 2016
von Moritz Eggert
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Das Ende einer Scheune.

Eine seltsame Stimmung lag über der Stadt. Die Straßen waren noch wie ausgestorben, an diesem frühen, unschuldigen Morgen, an dem wir es noch nicht wussten.

Haberstock hatte es als erster im Haus erfahren. Er war der erste, der morgens die Treppe heruntergekommen war und die druckfrische Morgenzeitung in den Händen hielt.
Zuerst hatte er es nicht glauben können.
„Das kann nicht sein“ sagte er immer wieder, kopfschüttelnd. „Das kann einfach nicht wahr sein.“
Seine Frau war die zweite, die es erfuhr. Ihre Lockenwickler bebten leicht, was immer nur passierte, wenn sie nervös oder aufgeregt war.
„Nein“, sagte sie einfach nur. Und nochmal: „nein“.

Schon wenige Stunden später wusste es das ganze Haus.

In der Stadt verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Manche Menschen blieben fassungslos stehen, starrten in die Leere. Andere mussten sich erst einmal auf eine Parkbank setzen, um das gerade Erfahrene zu verdauen.

Der Nachrichtensprecherin, die die Nachricht im Fernsehen verkündete, passierte es zum ersten Mal in ihrem professionellen Leben, dass ihr die Sprache stockte. „der….was? Wird abgesetzt? Wirklich?“. Sekundenlang starrte sie mit leerem Blick in die Kamera, bis das eingeblendete Testbild sie erlöste.

Am Nachmittag gab es schon die ersten Protestkundgebungen. Eine aufgebrachte Menschenmenge belagerte das Rathaus, hielt schnell und hastig bemalte Schilder hoch, auf denen die Farbe frisch und verschmiert war.

Auf der großen Allee bildete sich ein Stau. Ein Auto hatte einfach angehalten, vor der grünen Ampel, der Fahrer am Lenkrad in die Leere starrend. Als die ersten anfingen zu hupen, hatte sich ein kleiner Speicheltropfen gesammelt, der langsam sein frisch rasiertes Kinn herunterlief, direkt aus seinem offenen Mund. Der Notarzt stellte Herzstillstand fest. Auf dem Beifahrersatz lag die Morgenzeitung.

Am schwersten traf es die Altersheime. Schon am frühen Nachmittag hatten die ersten Alten begonnen, zu rebellieren. Mit ihren Rollatoren drängten sie auf die Straßen. Sie brüllten keine Parolen, skandierten keine Phrasen, nein, aus ihren Kehlen drang etwas wie ein archaisches verzweifeltes Ächzen, ein tiefer, kehliger Laut ähnlich einem kosmischen Lallen, einem cthulhuiden Stammeln eines tentakelbewehrten alten und längst vergessenen Gottes aus den Tiefen von R’lyeh. Entsetzlich und seelenzerschmetternd war es, dieses Geräusch, das immer mehr zu einem infernalischen Brüllen wurde.

Der Schrei füllte die vibrierende Luft zwischen den Strommasten, hallte von geöffnetem Fenster zu angelehnter Balkontür. Die ersten hatten sich schon aus den Fenstern geworfen und zerplatzten wie reife Melonen auf dem Asphalt, die Arme seltsam belanglos abgewinkelt. Kreischend warfen sich alte verwirrte Weiber auf die Leichen und rauften sich die Haare.

Als am Nachmittag die ersten Krankenwagen ausrückten, hatte die Kanzlerin schon den Notstand ausgerufen. Überall waren Panzer der Bundeswehr zu sehen, doch die Fahrer ließen ihre Gefährte stehen und wanderten durch die Straßen, mit leerem Blick.

Polizisten und Soldaten waren die ersten die sich erschossen, denn sie hatten die dafür notwendigen Waffen zur Hand. Andere richteten die Gewalt gegen andere, gegen Nachbarn, gegen Freunde, gegen Dinge.

Allein in Berlin wurden 10.000 Menschen durch aus den Fenstern geworfene Fernseher erschlagen. Auf den Autobahnen sammelten sich Menschenketten, die bis nach Belgien reichten. Am Abend war in fast allen Großstädten das Chaos ausgebrochen. Zornige Mobs verwüsteten die Stadt, brandschatzten, plünderten. Aber auf dem Land war es noch schlimmer.

Das was alle befürchtet hatten, das wovor alle Angst gehabt hatten, war eingetroffen. Das Unmögliche war geschehen, das Schrecklichste wahr geworden. Nichts mehr würde in Deutschland so sein wie es einmal wahr. Von einem Moment auf den anderen war die Zukunft nicht mehr das verheißungsvolle unentdeckte Land sondern ein kahles und niederschmetterndes Fanal der Trostlosigkeit geworden.

Es war der Tag, an dem Deutschland in seinen Grundfesten erschüttert wurde.
Es war der Tag, an dem jegliche Hoffnung starb.
Es war der Tag des Zorns, des Aufschreis gegen eine immer ungerechter gewordene Welt.

Und das alles. nur, weil diese Schweine vom ORF den Musikantenstadl abgesetzt haben.

Moritz Eggert

Musikantenstadlrot