Bad Blog Of Musick

30. September 2014
von Arno
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Die 20 lustigsten Komponistennamen (Folge 2)

PLATZ 15
Carl Joseph “One Dream – One Wood” Einwald (ca. 1679-1753)

Das Jahr 1679. Wir erinnern uns – als sei es 1678 gewesen! Unter den üblichen Schmerzen gebährt die unterschätzte Märchenhexe Waltraute “ihren” Carl Joseph, der schon in jungen Jahren von Förstern des zwangsbegrünten Dorfes im südthüringischen Ödland im Spiel allerlei Kiefernholzblasinstrumente unterrichtet wird. Doch schon sehr früh entstehen auch politische Visionen. Vor allem die fixe Idee Carl Josephs, alle Wälder Thüringens zu einem einzigen zusammenlegen zu lassen – auf diese Weise kommt er zu seinem ungewöhnlichen Nachnamen – erhitzt die Gemüter der örtlichen Bezirksverordnetenversammlung (BVV), insbesondere die von Bündnis 90/Die Grünen entsendeten Vertreter. Durch die selbstverständlich zum Scheitern verurteilte Mission bleibt zu wenig Zeit für Einwalds zweite große Leidenschaft: das Kochen! Ein Hobby, das er zeitweise – zusammen mit seinem Freund Johann Friedrich Eintopf (1677-1743) – fast zu einer Art “zweitem Baumstumpf Standbein” macht. Für die Schaffung neuer Werke bleibt nur wenig Zeit, so entstehen erst in seinen letzten Lebensjahren – Einwalds Visionen einer Strukturreform im Bereich Forstwirtschaft sind endgültig gescheitert – Werke wie der “Nachtgesang im Einwalde”, die “Einwaldszenen”, das Lied “Ich ging mit Lust durch einen grünen Einwald” – sowie der unverwüstliche Evergreen “Lied der Einwaldtaube”, das auch, nachdem Einwald 1753 ins Gras beist, viel Lob erntet und bis heute von den Spatzen von den Bäumen Dächern gepfiffen wird.

PLATZ 14
Abel “Echt ma!” Ehrlich (1915-2003)

Ehrlich
Abel Ehrlich wurde 1915 im ostpreußischen Cranz in eine Familie von korrekten und rechtschaffenden Bürgern hinein geboren. Nach dem Abitur, das er ohne vom Nachbarn abzuschreiben bestand, wanderte Ehrlich mit legalen Papieren nach Jugoslawien aus, wo er Komposition studierte. Außerdem absolvierte er ein Geigenstudium, ohne ein einziges Mal mit dem Fingersatz zu schummeln. Von 1954 bis zu seinem Lebensende lehrte Ehrlich im Fach Komposition an der Rubin-Akademie in Tel Aviv. Kein Kollege hat ihm niemals etwas nicht vorwerfen können. Ehrlich war ein guter Mensch. Irgendwann war er tot – und alle waren schrecklich traurig. Kain Zweifel.

PLATZ 13
Jacques “Widerkehr” Widerkehr (1759-1823)

Jacques Christian Michel Widerkehr war ein französischer Violoncellist und tiefer Streicher, sowie ein Komponist und Tonsetzer. Am 18. April 1759 als einäugiger Zwilling geboren und auf die Welt gekommen zeigte er schon früh kreative Talente und künstlerische Fähigkeiten, als er den inzwischen vom Zweiten Deutschen Fernsehen verwendeten Werbeslogan “Mit dem Zweiten sieht man besser. Mit dem Zweiten sieht man besser.” erfand. In seinen Duos op. 3 und op. 4 für zwei Violinen entwickelte Widerkehr maßgeblich die Reprise innerhalb der Sonatenhauptsatzform weiter. Der späte Widerkehr wurde leider Gottes zunehmend ein Opfer von Zwangsstörungen und geistiger Umnachtung – alles musste man ihm zwei Mal sagen. Seine letzten Worte waren angeblich: “Jedenfalls habe ich mich nie wiederholt! Jedenfalls habe ich mich nie wiederholt!” Das genaue Todesdatum (irgendwann im April 1823 in Paris) steht bis heute nicht genau fest. Seriöse Zombiologen prophezeien eine baldige Widerkehr-Renaissance.

PLATZ 12
Sophie “Horny” Gail (1775-1819)

Gail
Winter 1774: Die beiden frisch Verliebten Hans Randy Binnisch-Gail und seine hübsche Bald-Frau Gerlinde Gorgeous machen sich einen schönen Abend am Kaminfeuer der Leidenschaft. Aus dieser heißen Nacht entsteht ihr erstes Kind, das sie aus Einfallslosigkeit und, weil sie sich nicht konzentrieren können, einfach “Sophie” nennen. Schon früh erregt Sophie die Gemüter, so zeichnet sie sich in der Schule durch perfekte gleichschenklige Dreiecke (Mathe), erstaunliche fiktive Erzählungen aus dem Steh-Greif (Deutsch) und auswendig aufgezeichnete Periodensysteme (Chemie) aus. Doch alle Männer nehmen Reißaus, da sich Sophie immer wieder als unverbesserliche Nymphomanin erweist, die einfach “den Hals nicht voll” (Carl Dahlhaus) bekommen kann. Aus Gram darüber fängt sie an zu komponieren. Sie schreibt lustige Opern und auch einige verdorbene Romane. Am Ende ihres Lebens denkt sie sich: “Mann, ganz schön MILF hier!” – und stirbt.

PLATZ 11
Johann “Thank you, thank you, thank you, thank you” Vierdanck (ca. 1605-1646)

Johann Vierdancks Geburtsjahr und -ort sind uns bis heute nicht bekannt, was wir vermutlich der schludrigen Verwaltung im Vierländereck Thüringen-Sachsen-Polen-Tschechien zu verdancken haben. Vierdanck – bald Schüler von Heinrich Schütz und stolzer Besitzer eines Audi Quattro – erlernt das Spiel der Violine, dem Zink, der Schalmei und der Fleischflöte. Jedoch sind Vierdancks Zeitgenossen bald mehrheitlich von dem Instrumentalisten und Komponisten genervt, zu ausführlich seine Tischreden, zu wiederholungslastig seine Bittschreiben an die Fürsten und Herzöge seiner Zeit. Einheitlich gelobt werden jedoch Vierdancks Werke, darunter die Gesangsquartette “Danke, danke, danke, danke für meine Arbeitsstelle!” und “Nun danket alle Gott – Nun danket alle Gott – Nun danket alle Gott – Nun danket alle Gott”.

29. September 2014
von Arno
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Die 20 lustigsten Komponistennamen (Folge 1)

PLATZ 20
Johann “Das Auto” Jeep (1582-1644)

Jeep
Johann Jeep wurde 1582 in der Autostadt Dransfeld (bei Göttingen) geboren. Schon früh begeisterte er sich für alles, was “Brumm” machte, so für die (damals noch einheimischen) Waldbären. Nach Stationen an den Autobahnraststätten “Nürnberg” und “Altdorf bei Nürnberg” (“Ausgezeichnete Premium-Raststätte”!) ging es weiter über den Brenner nach Italien. Dort lief es für Jeep aber in Sachen Verkehr leider nicht so rund. 1613 fuhr Jeep dagegen seinen ersten großen Erfolg ein: er gewann die Deutsche Kapellmeisterschaft der Weikersheimer Hofkapelle (bekannt durch die “24 Stunden von Weikersheim”). Hier in Weikersheim entstanden zahlreiche geistliche Werke für die regelmäßigen Motorradgottesdienste, so die Kantaten “Wie schön leuchtet der Mercedes-Stern” und “Nun tanket alle flott”.

PLATZ 19
Jacobus Clemens “Vaterschaftstest” non Papa (ca. 1512-ca. 1555)

Der Vater von Jacobus Clemens non Papa ist gänzlich unbekannt. Clemens selbst wurde vermutlich um 1510 im niederländischen Middelburg in eine Familie von läufigen Kiffern hinein geboren. Der äußerst attraktive Komponist legte sich seinen Nachnamen sehr wahrscheinlich selbst zu, um etwaigen Unterhaltsansprüchen prophylaktisch entgegenzuwirken. Nach außen gab sich non Papa äußerst bedeckt, so ist über sein Leben so gut wie überhaupt nichts bekannt, außer dass er circa 600 Frauen zwischen Amsterdam und Brügge geschwängert haben soll. Aber selbst das wird von zahlreichen ungebundenen Musikwissenschaftlern bis heute geleugnet.

PLATZ 18
Rigel
Henri-Joseph “Schoko” Rigel (1741-1799)

Der aus dem Main-Tauber-Kreis stammende Heinrich-Joseph Rigel erhielt seine ersten schmackhaften Lektionen von seinem Vater, dem Konditormeister Georg Caspar Rigel. Nach der württembergischen Kakao-Krise von 1766 überrigelte Siedel nach Paris. Dort entstand seine Komposition “Mars”, die später von Gustav Holst in seinem Orchesterzyklus “The Planets” wieder aufbereitet werden sollte. Weitere fette Erfolge feierte Rigel mit seinen “Kinderriegelszenen” und mit dem Song “Raiders on the storm”, sowie mit den Filmmusiken zu “23 – Twix ist so wie es scheint” und “Meuterei auf dem Bounty” . Nachdem Rigel zwischen 1788 und 1799 ohne (Lila) Pause 16 Opern geschrieben hatte, wurde er zur Diva und starb 1799 über seiner letzten Komposition – dem Lied “Daim ist mein ganzes Herz” – an Zucker.

PLATZ 17
Friedrich Wilhelm “The Chicken” Kücken (1810-1882)

Kücken
Friedrich Wilhelm Kücken stammt aus dem ländlichen Schweriner Flaum. Er studierte in Hamburg und Berlin, wo er maßgeblich an der Entwicklung der ersten Hammergeflügel von August Förster beteiligt war. Nach Stationen in der Schweiz und in Paris ließ sich Kücken in Stuttgart nieder, wo er das Amt des dortigen Bauernhofkapellmeisters samtig bekleidete und als der Wiederentdecker der Opern von Christoph Willibald Glucke gefeiert wurde. Bis zum heutigen Tag erfreuen sich vor allem die unzähligen Oster-Kompositionen Kückens großer Beliebheit, so beispielsweise die Kantate “Stall meine Gedanken”, KückWV 187. In den letzten Jahren wurden auch Kückens Lieder “Niemals geht man so Gans” und “Wenn nicht jetzt, Schwan dann?” wiederentdeckt. Und 2011 feierte das programmatische Chick-Saals-Lied “Nun geht das Jahr zu Ente” mit Siegfried Mauser (Klavier) und Hartmut Haenchen (Musikalische Leitung) seine Welterstaufführung.

PLATZ 16
RaucheneckerGeorg Wilhelm “Smoking Room” Rauchenecker (1844-1906)

Georg Wilhelm Rauchenecker wurde am 8. März 1844 in München als erstes Kind des Zigarrenfabrikanten Jakob Rauchenecker – Mit-Begründer der Sekte der Feuerzeugen Jehovas – geboren. Schon als Bub war der regelmäßig ausgelöste Smog-Alarm in seiner verruchten Heimatstadt für den kleinen Georg die hellste Freude. So entstand seine erste Komposition, die “Variationen über ein Thema der Feuerwehrmusik nach Georg Philip Morris Telemann”. Im Jahr 1860 entbrannte bei Rauchenecker die Leidenschaft für Frankreich, wo er zahlreiche einflussreiche Posten bekleidete, bald aber wegen Kokelei des Landes verwiesen werden sollte. Voller Reue komponierte er – inzwischen in zollfreien Zonen in der Schweiz tätig – die Trauerkantate “O Mensch, bewein dein Zünden groß”, RauchWV 23. Georg Wilhelm Rauchenecker starb am 17. Juli 1906 in Elberfeld an Lungenkrebs. Sein letztes großes Werk – die Oper “Requiem für einen Lungen-Dichter” – wird 2016 in der Regie von Jürgen Glimm an der Quarzoper Unter den Linden seine Uraufführung feiern.

27. September 2014
von Arno
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Die 10 schönsten Komponisten klassischer Musik (Folge 2)

PLATZ 5
Frédéric “Mallorca-Fritze” Chopin (1810-1849)
05 Frédéric Chopin

Der 1810 in Zbwginiyczkylwczykie (wohl bei Warschau irgendwo) geborene Frédéric Chopin war – trotz zahlreicher Aufenthalte im Grünen – alles andere als eine Frohnatur. Seine ersten Kompositionen, so die Polonaise Blankenese g-Moll, sind von Langeweile, Eintönigkeit, Fadheit, Öde, Unlust, Trägheit, Ermüdung, Verdrossenheit und nochmals von Langeweile geprägt. Sein improvisatorisches Talent zeigte sich früh, als der kleine Frédéric, den viele KollegInnen liebevoll “Frédéric Chopin” nennen durften, mal wieder seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Dann las er im Deutschunterricht einfach selbsterfundene Hundegeschichten vor. Wuff. Mit Anfang Zwanzig erregte Chopin nicht nur einige Weibsbilder seiner unsagbar trostlosen Heimatstadt. Auch der große Robert Schumann, der sich als Fachmann für Mützen und andere Kopfbedeckungen einen Namen gemacht hatte (nämlich: “Robert Schumann”), schrieb – als er die erste handgeklöppelte Klorollen-Stoffkappe des jungen Frédéric in den Händen hielt – zu Tränen gerührt: “Hut ab, Ihr Herren, ein Genie!”. Da Polen sich schon damals so gut wie nie für die Fußball-WM qualifizieren konnte, zog Chopin 1838 in das Land des damals amtierenden Weltmeisters, nach Spanien, genauer: nach Mallorca. Mitgenommen hatte er seine Sandkastenfreundin-Freundin George “Ebbe” Sand, die sich bald aber schon – als der nicht immer sonderlich geschickte Komponist mal “unten rum” nachgeguckt hatte – als Mann entpuppen sollte. Daraufhin geriet Frédéric Chopin in eine persönliche Krise und komponierte folglich nur noch traurige Regentropfenstücke für Klavier. Seine Nachbarn – von zu vielen Ton-Repetitionen vollkommen entnervt – ächteten ihn fortan, was zwangsläufig zu seinem frühen Siechtum führte. In einer Kleintierpraxis für süße Zwergkaninchen ließ sich Chopin für 25 Öcken die Todesspritze geben. Bumms, aus. Tja. So isses.

PLATZ 4
George “Weltkulturerbe” Enescu (1881-1955)
04 George Enescu
Häßliche Musik, schöne Haare: Damit und mit “George Enescu” machte sich George “George Enescu” Enescu einen Namen. An einem herrlichen Augusttage 1881 in der Region Moldau geboren, wuchs er inmitten von nicht zurückgebrachten Pfandflaschen auf. Viel zu früh (nämlich um 7 Uhr morgens) zog er nach Wien. In der damaligen Kulturstadt studierte er von seinem 7. bis 11. Lebensjahr Violine und Geige. Dann ging er nach Paris. Das dauerte – zu Fuß – viele Wochen. Dort angekommen war erst einmal ein kleines Verschnaufpäuschen angebracht. Unmittelbar danach studierte er Komposition bei Massenet (bekannt durch seine Mediation) und Fauré (bekannt durch seinen Fauré). Weil Enescu – aufgrund eines völlig fehlgeleiteten harmonischen Verständnisses – nur unschöne Musik komponieren konnte, musste er nebenher Geigenunterricht geben. So konnte er immerhin ein bißchen Prominenz erringen, denn niemand Geringeres als Yehudi Menuhin gehörte zu seinen Schülern. Mehr ist über Enescu nicht bekannt. Kein Schweinehirt interessiert sich für ihn. Das ist bis heute so. Und irgendwie find’ ich das auch schon okay.

PLATZ 3
Alban “Lulu” Berg (1885-1935)
03 Alban Berg
Ganz anders Alban Berg. Ihn kennt zwar nicht jedes Kind, dafür wird er aber von Musikinteressierten gemocht, die mal irgendwo in einem Musikgeschichtsbuch gelesen haben, dass Bergs Oper “Wozzeck” großes Tennis ist – auch, wenn diese Musikinteressierten sonst alles, was nicht einlullend und verdummend naiv ist, hassen. “Wozzeck” MÜSSEN sie gut finden, haha! Das muss man erst einmal schaffen! Schappöchen, Alban, well done!
Berg wurde als fünftes von vier Kindern des rechthaberischen Exportkaufmanns Conrad Berg und seiner Frau Johann (später dann auch “Berg”) in Wien geboren. Seine Sommerurlaube verbrachte er – zusammen mit seinen Schwiegereltern, der Bottroper Arbeiterfamilie Nahowski – in Nordafrika, wo die Frauens schön und leicht zu haben sind. Dort infizierte er sich mit Atonalität, woran er schon mit 50 Jahren (1935) verenden sollte.

PLATZ 2
Edgar “Die Frisur” Varèse (1883-1965)
02 Edgar Varèse
Varèse wurde als kleines Kind geboren. Und zwar am 22. Dezember 1883 in Paris. Sein Vater war das einstige Tennis-As Henri “Leconte” Varèse, seine Mutter die blasse französische Wäscherin Blanche-Marie “Alfred” Cortot. 1892 zogen seine Eltern nach Turin, wo der kleine Edgar – schon früh zu ausgefallenen Frisuren neigend – kläglich an seinem ersten Kompositionsversuch scheiterte: einer Jules-Verne-Oper für Knabensopran und Mandoline (“20.000 Meilen unter dem Bär”). Immer häufiger musste sich der kleine Varèse übergeben – so würgte er unter anderem im Turiner Opernorchester als Schlagzeuger. Das Verhältnis zu seinem Vater, der sich inzwischen erfolglos als Messer-Verkäufer im Innendienst verdingte, verschärfte sich. 1903 schließlich brach er mit seinem Vater – ein kleiner, aber eklig riechender Schritt der Annäherung.
Der Rest des Lebens von Edgar Varèse ist schnell erzählt. Innerhalb nur eines Jahrzehnts schaffte er mit seinem erfreulich umfangreich ausgestatteten Werkzeug-Koffer zwei Hammer-Werke: “Amériques” für großes Orchester (1921) und “Ionisation” für 41 Schlaginstrumente und zwei Sirenen (1931).
Der bekennende Posaunen-Liebhaber Varèse starb am 6. November 1965 mit lautem “Bröööp!” an einer unheilbaren Trombone in New York. Mit seiner vollen Haarpracht und seinem ungemein neutralen Gesichtsausdruck ehren wir ihn hier – in der ewigen Rangliste der schönsten Komponisten – mit Platz 2! Wir sagen: Tschakka!

PLATZ 1
George “Bad Boy of Music” Antheil (1900-1959)
01 George Antheil
Und unser Gewinner und damit schönster schon toter Komponist aller Zeiten ist – Tusch, Rödel, Trommelwirbel, Ta-taaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!: George Antheil! Der Leonardo di Caprio der Musikgeschichte wurde 1900 als Sohn deutscher Einwanderer in Trenton, New Jersey geboren. Früh erhielt er Klavierunterricht, bald kamen völlig sinnlose Musiktheorie- und Kompositionsstunden hinzu. Von 1919 bis 1921 studierte Antheil bei Ernest Bloch in New York. Endlich mal “raus” – endlich mal Leute treffen, Käffchen und so. Gab’s ja (damals wie heute) in New Jersey nicht. Mit Anfang Zwanzig zog es den stürmischen Antheil nach Berlin, wo er Arnold Schönberg kennenlernte, sich nach einer durchzechten Nacht aber nicht an ihn erinnern konnte. Die steigenden Mietpreise und die nervigen Spätis veranlassten Antheil 1922 zur Übersiedlung nach Paris, wo er Satie, Hemingway und andere krasse Saufnasen zu seinen Freunden zählte.
Stets extremst verkatert und schlecht gelaunt wurden Antheils Kompositionen zunehmend angriffslustig und brutal. 1924 bekam Antheil den Auftrag, zu dem abstrakten Film “Ballet Mécanique” die Musik zu schreiben. Weil ihm echte Menschen sehr bald gehörig auf den Zeiger gingen, entschied sich Antheil für die Besetzung von sechzehn mechanischen Klavieren. Das Projekt scheiterte, doch die Musik wurde im Juni 1926 in Paris zur Uraufführung gebracht. Und immerhin kam so’n Mini-Skandälchen dabei raus.
Nun, ich mach’s kurz: Irgendwann galt Antheil als “Bad Boy of Music” – und ist damit gewissermaßen Namensgeber für diesen wunderschönen Blog hier. Das alles hat die gewichtige Jury zu dieser folgenschweren Entscheidung bewogen, die wir nun mit einem Gläschen Roten begießen wollen. Cheers!

26. September 2014
von Arno
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Die 10 schönsten Komponisten klassischer Musik (Folge 1)

PLATZ 10
Norbert “Die Burg” Burgmüller (1810-1836)
10 Norbert Burgmüller

Der gebürtige Düsseldorfer Nobbi Burgmüller war der Vorreiter in Sachen Ponyhof Erfinder einer seltsamen, sich aber als Marketing-Strategie überraschend erfolgreich entpuppenden Mode: dem sehr [sick!] frühen Komponisten-Tod. Er (26 Jahre, Epilepsie) begründete damit eine Tradition, auf die sich später Hans Rott (1858-1884, starb mit 25 Jahren an Tuberkulose) und Rudi Stephan (1887-1915, mit 28 Jahren an Erster Weltkrieg) unmittelbar – und “gleichsam zitathaft” (Haha Eggebrecht) – beziehen sollten. “Früh vollendet”. “Vollendet veredelte Spitzenqualität” (Dallmayr Prodomo). Wenn heute ein Werk der drei Genannten auf dem Programm steht, kann man voller Begeisterung gemeinsam trauern und genüßlich mutmaßen, was die früh Gegangenen (“Der Tag kommt, Norbert Burgmüller geht.”) noch alles hätten komponieren können. Burgmüller jedenfalls zog es – als guter Düsseldorfer – vor, sich mit seinen Homies zu häufig, zu regelmäßig mit Alkopops auf traditioneller Altbier-Basis zuzudröhnen. Das tat seiner Leber und seiner epileptischen Veranlagung nicht gut. Zwischendurch komponierte Burgmüller 1834 ein haushohes Klavierkonzert, das sein Kollege Mendelssohn am Klavier im Seitenflügel uraufführte. Schon allein aufgrund der wenigen Werke, die Burgmüller vollenden konnte, lässt sich ein großes Talent mit sehr eigenständigen Straßenbahnen Zügen erkennen. Irgendwann war derselbige dann aber abgefahren – zu viel Alk halt. Exodus und Schluss. Schade, denn die Gesichtszüge Burgmüllers verraten eine hohe Sensibilität, seine schalkhaften wie kindlichen Augen fixieren den Betrachter auf berührende Weise, während die Augenbrauenpartie in ihrer klaren, klassischen Zeichnung fast streng darüber wacht. Die unauffällige, jedoch gleichsam nicht uncharakteristische Nase geht über in eine Mundpartie, in der die Unterlippe proportional dominiert, während die Frisur diesen jungenhaften Blickfang fürderhin extremst stylish umrahmt. Platz 10 für unseren Nobbi, dessen Werke wir wiederentdecken sollten!

PLATZ 9
Maurice “Sky du Mont” Ravel (1875-1937)
09 Maurice Ravel
Zu Maurice Ravel braucht man dagegen kaum etwas zu sagen. Jeder kennt den “Bolero”, das beste schlechteste Stück der Welt. Nach Anfängen mit der kleinen Trommel als – nach eigenen Angaben zu unbegabter – Pianist und erfolglos Wettbewerbsauszeichnungen hinterherlaufender Komponist sah es für Maurice schon fast nach Dschungel-Camp aus. Da besann sich unser Lieblingsdandy – und komponierte fortan nur noch den geilsten Scheiß der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Kino schoss er in der Rolle des Santa Maria im Erfolgsstreifen “Der Schuh des Manitu” noch einmal im großem Stile den Vogel ab, bevor er 1937 an Morbus Pick verendete.

PLATZ 8
George “Jimi Blue” Gershwin (1898-1937)
08 George Gershwin
Ja, richtig, er, der im selben Jahr wie Ravel starb (1937), er war es! Er komponierte mit seiner “Rhapsody in Blue” die Musik zur Krombacher-Werbung – das Bier Werk, das ihn über Nacht bekannt machte. Jede Nachtigall sang die herrlich beswingten Melodien der blauen Rhapsodie fortan untentwegt – und wurde damit, als Nachtigall, über Nacht zum Star. Der Transport des schweren Steinway-D-Flügels in die New Yorker Aeolian Hall – dort fand am 24. Februar 1924 die Uraufführung statt – wurde ein Ereignis von historischer Tragweite. Anschließend gaben sich Türknauf-Hersteller weltweit zu Gershwins Musik die Klinke in die Hand. Bei der Premiere seines ebenfalls wie eine Watsch’n einschlagenden Klavierkonzertes F-Dur ein Jahr später war folglich die Crème de la Crème der New Yorker Kosmetik-Lobby zugegen. Wieder war Gershwin selber der Solist – und brillierte mit einem diamantenbesetzten Diadem. Gershwin: Ein Mann, der wusste, wie man sich ganz alleine anzieht! Leider starb dieser schöne Mensch – keine vierzig Jahre alt – an einem Gehirntumor. So sad.

PLATZ 7
Antonio “Wie Waldi” Vivaldi (1678-1741)
07 Antonio Vivaldi
Zeitsprung! Wir schreiben das Jahr 1678: “sechszehnhundertachtundsiebzig”. Im Eiscafé Venezia drüben an der Ecke wird Antonio Vivaldi geboren. Nach Anfängen bei örtlichen Fußballclubs wechselt er im Alter von 16 Jahren für eine für damalige Verhältnisse geringe Ablöse von 67.000 Dukaten zum AC Milan, mit dem er 1697 das Champions-League-Finale gewinnt (5:4 i. E. gegen Galatasaray Konstantinopel). Nach mehrfachen Verletzungen am Syndesmosesband komponiert Vivaldi den Schlager “Kann den Syndes Mose sein?” – und wird folglich zum Sportinvaliden. Aus Langeweile schreibt er über 8000 Violinkonzerte, die alle – außer dieses eine, hier, Dings, mit Sommer und so, aus der Werbung! – gleich klingen. Außerdem wird Vivaldi 1703 zum Priester geweiht, wobei der achso brave Antonio – als aus einer Möbelfabrikantenfamilie stammenden Familie – Frauen alles andere als von der Bettkante zu stoßen sich anschickt. Irgendwann stirbt er und ist tot. Bis dahin sah er gut aus und hat das Leben genossen. Voll das Vorbild, hey. Sch’schwöre voll!

PLATZ 6
Josquin “Jacqueline” Desprez (ca. 1450-1521)
06 Josquin Desprez
Er war das erste mit “Genie” betitelte Genie der gesamten Musikgeschichte: der geniale Josquin Desprez, häufig kurz “Josquin Desprez” oder auch, etwas ausführlicher, “Josquin” genannt. Um 1450 im heute nordfranzösischen Saint-Quentin geboren musste er – wie noch Vivaldi (siehe oben) – jeden Sonntag in die Kirche. OMG! So konnte der Chorknabe – wie alle Komponisten seiner Zeit begann er nämlich in seinen Anfängen als Chorknabe – nie Sonntags ausschlafen. Trotzdem wurde er zu einem guten Menschen, der die beste Musik des 15. und 16. Jahrhunderts schrieb. Natürlich kam meistens, geradezu zwangsläufig Kirchenmusik dabei raus, was aber nur hinsichtlich der immergleichen Lyrics (Kyrie und so) ziemlich saugt. Komm, echt jetzt: egal! Als sein – unsagbar hässlicher – Kollege Johannes Ockeghem stirbt, widmet ihm Josquin, wie es damals Mode war, eine Trauerkomposition. Alle wichtigen Komponisten seiner Zeit zählt Josquin in diesem Werk auf; zu allererst sich selbst – und zwar in den höchsten Tönen. Selbstverliebtheit, zu der man an Ostern erst einmal die Eier haben muss!
Sein unsagbar schönes “Miserere” komponierte Josquin, der für die wichtigsten Höfe seiner Zeit tätig war, in den grassierenden Zeiten der Kohl-Ära Pest-Welle. Wie man so ansteckend großartige Musik unter solchen Umständen schreiben kann, das konnte von Epidemiologen bis heute nicht wissenschaftlich geklärt werden. Nicht auf allen historisch überlieferten Selfies sieht Josquin allzu gesund aus – das hier gezeigte Porträt zeigt ihn jedoch als männlich-rauen Checker – wenn auch der Hipster-Bart gewaltig stört. Darüber sehen wir hinweg, gratulieren zu Platz 6 und singen Bumsfallera!

Zum Titel dieses Beitrages, für alle Schlaumeier: Mit “klassische Musik” ist natürlich der Ober-, nicht der Epochenbegriff gemeint. Außerdem wurden nur tote Komponisten in langer, mühsamer Arbeit ausgewählt. “Die schönsten nicht mehr lebenden Komponisten ernster Musik” hätte ungut geklungen. Deshalb.

Morgen oder so gibt es dann die Plätze 5-1!

Pischner

21. September 2014
von Moritz Eggert
7 Kommentare

Auch wir gratulieren dem treuen Genossen Hans Pischner!

Lieber Genosse Pischner,
wenn so ein getreuer Diener des Deutschen Volkes das stattliche (staatliche?) Alter von 100 Jahren erreicht, so ist es uns quasi Pflicht, auch von Seiten des Bad Blog ganz herzlich zu gratulieren.

Nachdem zu Deinem 99. Geburtstag das DeutschlandRadio schon gleich sieben 90-minütige Sendungen über Dich und Deine Zeit gebracht hat, können wir Dir jetzt schon verraten, dass der BR gegen Ende des Jahres einen ganzen “Pischner-Tag” veranstalten wird, in dem von morgens bis Abends Deine Musik gesendet werden wird, nur unterbrochen von den Nachrichten und der Wettervorhersage. Das Ganze eingebunden in die nordkoreanische Themenwoche, was dir sicherlich gefallen wird.

Und damit nicht genug: wie soeben bekannt wurde, ist Woody Allen an einem Remake seines eigenen Films “Zelig” interessiert, in dem es um Dein spannendes und facettenreiches Leben gehen soll, denn fröhlich und munter hast Du dem jeweils vorherrschenden System brav gedient und bist doch immer der selbe freundliche und irgendwie auch knuddelige Mensch geblieben, der Du immer warst. Halt so richtig und von Herzen wetterwendisch. Das muss man einfach mögen!

Schon allerlei kulturelle Schwergewichte haben Dir gerade eben – vollkommen berechtigt – zu Deiner langen Karriere gratuliert, darunter Daniel Barenboim, Jan Brachmann und Jürgen Flimm. Auch wir staunen ob Deiner Fähigkeit, Deine Weste auf jeden Fall rein zu halten, egal wie viel Scheiße um Dich herum durch die Gegend fliegt.

Das ging ja schon früh los bei Dir – so warst Du schon als 24-jähriger 1938 als “Repräsentant des Deutschtums” im Sudetenland unterwegs, im Auftrag einer gewissen “Regierung” über deren kleine Fehler wir hier einmal gnädig hinwegsehen wollen. War ja alles nicht so schlimm, und immerhin haben wir ja jetzt Autobahnen und so!

Nach dem ja leider verlorenen – sei’s drum – Krieg ging Deine Karriere dann steil weiter, denn im Gegensatz zu vielen anderen erkanntest Du am schnellstem, dass es im Osten mit einem System weiterging, das sich nur in kleinen Details von dem vorherigen unterschied, zumindest was die freie Rede, die Zensur und die Bespitzelung anderer anging. Kurzum: da Du das alles ja schon gewohnt warst, konntest Du Dich da schnell anpassen. Eine mächtige Karriere hast Du da hingelegt höchstrangiger SED Kulturfunktionär, SED Mitglied von Anfang an, langjähriger Opernintendant und stets “an der staatlichen Willensbildung und Ausübung der Staatsmacht beteiligt” (Zitat Pischner, 1977).

Dass man da sicherlich über ein paar Leichem gehen musste, verschweigen wir hier gerne, und einige Berichte über das Leben anderer Komponistenkollegen hast Du sicherlich auch abgeben müssen. Vielleicht musstest Du auch – natürlich rein aus Gründen des Staatsschutzes – die eine oder andere Karriere im Keim ersticken, aber egal, wir feiern, wir feiern Dich, Du großen Sohn Berlins, der so sympathisch stets die ja schon sprichwörtliche Berliner Schnauze hielt (und sie anderen zuhielt, höhö).

Öffnen wir doch einen Champagner auf den Mann, der zum Beispiel am 9. April 1957 als Vorsitzender der Arbeitsgruppe des Kultusministeriums die Schaffung klarer gesetzlicher Grundlagen bei Überprüfungen von Literatur aus Privatbesitz, zum Beispiel bei Umzügen. empfahl. Am bestem gleich abfackeln wie in “Fahrenheit 451″, diese ganze zersetzende Westkultur! Dass Du die legendäre “Negerporno”-Sammlung Deines großen Vorbildes Erich Honecker natürlich als Ausnahme angesehen hast, versteht sich von selbst, nicht wahr? Vielleicht hat er Dich ja auch mal mitgucken lassen, der Erich!

Dass Du die gute, gründliche und umfassende Arbeit der Stasi stets zu würdigen gewusst hast, beweist ja auch Dein Glückwunschtelegramm an den anderen Erich (Mielke) zum 20-jährigen Bestehen derselben. 20 Jahre komplette Überwachung und Zerstörung möglichst vieler widerständiger Existenzen, das war doch nun wirklich ein Grund zum Feiern, Teufel aber auch! Die Korken knallen noch heute!

Leider zeichnete sich – so im Jahre 1989 muss es gewesen sein – eine unwesentliche Neuausrichtung der allgemeinen politischen Verhältnisse in Deutschland ab, die Deiner bisherigen Pöstchensammlung einen etwas problematischen nennen wir es mal “haut-gout” verpasste. Wie konnte es jetzt weitergehen? Noch direkt vorher hattest Du Dich ja für den Erhalt der alten Kameraderie unter den Genossen und die umfassend kommunistische Erziehung der Schuljugend eingesetzt. Sollte das nun alles umsonst gewesen sein? Die Zeit nach der Wende war für Dich nach eigener Aussage erst einmal “schwierig”. Ungefähr eine Woche lang vermutlich. Denn so schnell lässt sich ein Profiopportunist wie Du nicht entmutigen, in die Zukunft schauen lohnt alle Mal!

Deswegen können wir Dein großes Jubiläum ja heuer auch so unbeschwert feiern, das Schicksal der vielen Dissidenten, der Mauertoten, der politischen Häftlinge….all dies ist ja schlicht und einfach der “Macht des Schicksals” unterworfen, wie es Verdi sagen würde, und wer sich nach dieser Macht sein Leben lang streckt und reckt und brav deren Befehle befolgt, dem soll es schlecht nicht gehen, der ist ein echter Berliner, ein echt dufter Typ, einfach ein Vorbild für unsere Jugend. Eben wie Du!

Und die Jungen können ja dringend so Vorbilder wie Dich brauchen, denn eins ist sicher: freier wird die Zukunft wohl nicht. Wird eh überschätzt, die Freiheit, Hauptsache es geht einem selber gut.

Und was das angeht, da hast Du, Hans Pischner, ja schon immer einen besonders guten Riecher gehabt, nicht wahr?

Na denn mal Prosit!

Moritz Eggert

badboy_gaelic

20. September 2014
von Alexander Strauch
Keine Kommentare

Neue Veranstalter-GEMA, nochmals Audioguide, Ensembleaufgabegerüchte

Neue Veranstalter-GEMA
GWVR, nicht GEMA! Gesellschaft zur Wahrnehmung von Veranstalterrechten, das bedeutet GWVR. War es vor ein, zwei Jahren noch en vogue, auf die GEMA zu schimpfen, ihren Nutzen für die Musikurheber zu verneinen, Monopolstellung, starre Tarife, langatmige Prozesse wie den gegen Youtube vorzuwerfen, setzt sich zwar nocht nicht in allen, doch mehreren Köpfen die Erkenntnis durch, dass Zusammenschluss stark macht, Tarife zum Nutzen aller genauso eine zähe, aber geordnete Verhandlungssache sind und die Vorreiterrolle besonders der GEMA in Bezug auf Youtube: als erste Verwertungsgesellschaft überhaupt schloss sie vor Jahren einen Vertrag mit Youtube und zieht im juristischen Streit nun ihre Konsequenzen aus den frühen Erfahrungen. Wer die „schnellen Verträge“ z.B. der PRS oder der SACEM mit Youtube lobt, übersieht, dass dies eben deren erste mit dem Portal sind. Mitunter registrierte nun selbst der Bundesverband der Veranstalterwirtschaft (BDV), dass es Sinn macht, anfallende Verwertungsgebühren einzufordern, „wenn Konzertaufzeichnungen z.B. durch Ton- oder Bildtonträger, durch Rundfunk oder Fernsehen oder z.B. auf youtube oder Spotify ausgewertet werden“, so seine Pressemitteilung zur Gründung der ersten eigenen „Veranstalterverwertungsgesellschaft“. Die soll eben das Geld eintreiben, was nach dem Urheberrechtsgesetz auch Veranstaltern zusteht, vor allem Anteile aus der Verwertung von Konzertmitschnitten. Derweil die „c3s“ für CCC-Lizenzen noch im Zulassungsverfahren ist, soviel Wind und Sorgen manchen als mögliche, wenn auch kleine GEMA-Konkurrenz machte, hat der BDV still und weitestgehend unbeobachtet die GWVR gerade erfolgreich beim Deutschen Patent- und Markenamt durchgeboxt. Weiterlesen →

agent

16. September 2014
von Moritz Eggert
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Die wunderbare Vielfalt der Klaviermusik

Heute treffen wir den wichtigsten Konzertagenten für Pianisten weltweit, den Deutschamerikaner Gerhard von Lippi, im Hotel Vier Jahreszeiten, München.

Herr von Lippi ist erschöpft, hat er doch gerade die Welttournee der jungen chinesischen Pianistin WeiShi-sheng (mit Werken von Brahms, Schumann und Bach) begleitet, mit Konzerten in allen großen Metropolen dieser Welt. Jetzt rührt er mit dem Löffel sorgfältig in einem Cappuccino und gönnt sich eine Packung Mozartkugeln. „Die habe ich immer dabei, Mozart geht immer“ sagt er lachend.

Herr von Lippi hat schon viel gesehen und erlebt. Er hat die frühesten Anfänge von Thomas Dorfland (mit Werken von Schubert, Schumann und Beethoven) begleitet, und die Weltkarriere des koreanischen Pianisten Kim Su Pong (mit Werken von Mozart, Brahms und Beethoven) unterstützt. Ebenso beteiligt war er an dessen legendären Gesamtaufnahme des Wohltemperierten Klaviers von Bach, die als die hunderttausendste Einspielung dieses Werkes ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen wurde. Gerade bereitet er eine neue Konzertreihe mit Werken von Schumann, Mozart und Brahms im Münchener Herkulessaal vor, an der die berühmtesten Schumann-, Mozart- und Brahms-Interpreten der Welt teilnehmen werden. Darunter natürlich auch Harry Montana (Brahms-Gesamteinspielungen 1997 und 2004, Goldener Preis der Schallplattenkritik für die Brahms-Gesamteinspielung 2011, er bereitet gerade seine vierte Brahms-Gesamteinspielung für Sony Classical vor), sowie der als exzentrisch bekannte Mozartinterpret Heinrich Gumpenhauser, Spezialist auch für Schumann, aber eben auch Brahms. Meistens aber für Mozart.

Wir suchen den Einstieg in das Gespräch und fragen Herrn von Lippi über sein aktuelles Projekt aus.

Bad Blog: Herr von Lippi – Schumann, Brahms, Mozart. Diese Namen stehen ja für Qualität, etwas Exzentrik und vor allem viel Genie, wie sind sie auf diese sagen wir mal ungewöhnliche Kombination gekommen?

Von Lippi
: Nun, das ist eine lange Geschichte. Früher war es ja immer „Bach, Beethoven, Schumann“, „Bach, Beethoven, Schumann“, „Bach, Beethoven, Schumann“….ich konnte es einfach nicht mehr hören. Da dachte ich mir eines Tages: Gerhard, Du musst mal etwas anderes versuchen. Du musst den Leuten die Augen öffnen, ihnen einen neuen Einblick in die klassische Musikgeschichte geben. Eines Morgens kam es mir dann: Schumann, Brahms und….Mozart! Mozart! Bam, bam, bam. Das geht einfach gut rein, ist ein wenig radikal, aber auch nicht zu sehr, das lockt an, macht neugierig. Beethoven wäre natürlich auch gegangen, aber ich hatte ja schon die großen Schumann, Brahms, Beethoven-Zyklen in der Carnegie Hall und in der Züricher Tonhalle…oder war es Brahms, Schumann, Beethoven? Ich weiß es nicht mehr so genau….Aber wie gesagt: Mozart geht immer. Das ist der Kick, das Tüpfelchen auf dem i…..

BB: Sie gelten ja als Bilderstürmer und Revolutionär auf dem Klassikmarkt, spätestens seit sie in einem Konzert in London die taiwanesische Pianistin Su-chin Chang ein Werk von…wie heißt er noch einmal….äh….

VL: Debussy, sie meinen Debussy. Nun, ich dachte: den Londonern kannst Du durchaus auch mal Moderne Musik zumuten. Immerhin ist Debussy ja jetzt schon 100 Jahre tot. Das geht so gerade. Aber natürlich nur „Clair de Lune“. „Clair de Lune“ geht immer. Was gar nicht geht ist experimentelle Musik oder Avantgarde, Prokoffieff oder so. Da läuft den Konzertveranstaltern das Publikum in Scharen davon. Und GEMA kostet es glaube ich auch. Hörtnagel sagte einmal zu mir „Bevor ich GEMA zahle, friert die Hölle zu“. Haha, komisch, nicht? (nimmt eine Mozartkugel).

BB: Für etwas Verwirrung sorgte ja ihr Brahms/Schumann-Zyklus im letzten Jahr in Leeds.

VL: Naja, das war doch alles nur ein Missverständnis. Auf dem Programm des Klavierwettbewerbes stand ja damals Schumann, Beethoven und, ich glaube… Brahms. Vielleicht auch Bach. Da sagte man mir: die Leute wollen das nicht hören, da fehlt was. Scarlatti oder so. Oder was von Schubert. Aber ich habe damals gesagt: Schumann! Brahms! Das sind solche Gegensätze, ich meine auch stilistisch und so, da tun sich doch Welten auf, Welten, sage ich Ihnen! Das reicht doch aus! Der Erfolg gab mir damals recht (nimmt eine weitere Mozartkugel).

BB: Wie beurteilen Sie die heutige Klassikszene, Herr von Lippi? Es ist ja immer wieder von Schwierigkeiten die Rede, die Säle sind nicht mehr so voll wie früher, die Klassik habe ein Vermittlungsproblem….wie sehen Sie das?

VL: Ach, da wird immer so viel verklärt. Klar, Brendel füllte damals den Herkulessaal dreimal hintereinander mit Schubert, Haydn, Beethoven…äh, ich glaube Schubert, Beethoven, Haydn. Ja, das war’s, dreimal hintereinander! Schubert, Haydn, Beethoven! Haydn! Die Leute waren verrückt nach Haydn! Heute geht wieder eher Mozart mit Beethoven, oder eine Kombination aus Mozart und Haydn, aber auf keinen Fall mehr Haydn allein. Das muss man auch wissen, wenn man Konzertprogramme anbietet. Der Publikumsgeschmack ändert sich. Aber man muss einfach mit der Zeit gehen: Brahms, Bach, Beethoven – das ist heute ganz normal und niemand regt sich mehr darüber auf. Aber früher, ich sage Ihnen: früher, da hätte man mich für verrückt erklärt!

BB: Gut, aber ich würde die Frage gerne noch einmal wiederholen: Hat die klassische Musik heutzutage ein Vermittlungsproblem?

VL: Vermittlung, Vermittlung, ich höre immer nur Vermittlung! Wenn ich die Vermittlung will, dann rufe ich von meinem Zimmer in der Rezeption an, höhö!

BB: Aber das Bildungsniveau….

VL: Das Bildungsniveau ist doch gar nicht mehr relevant. Es ist doch klar: die Leute wollen eine Marke, wenn sie in ein Klassikkonzert gehen. Es muss einfach nach Klassik klingen, und eben nicht nach Techno oder Soul oder so. Man will etwas gediegenes, etwas was der Schwiegermutter gefällt. Und: Studien haben ergeben, dass man sich nirgendwo so gut entspannen kann, wie in einem Klassikkonzert. Alle sind ruhig, vorne klimpert jemand, und wenn zu viel gehustet wird, geht der Brendel wieder raus, haha! Wo gibt’s das heute noch?

BB: Will das Publikum nicht auch mal was anderes?

VL: Das Publikum interessiert mich einen Schei….also, ich meine, das Publikum interessiert sich einen Scheißdreck dafür, „überrascht“ zu werden. Die wollen genau das, was sie erwarten, und nichts anderes. Mozart geht halt immer. Und wenn gar nichts mehr geht, improvisiert die Montero. Aber es muss wie Mozart klingen, verstehen Sie?

BB: All diese Komponisten, Brahms, Schumann, Schubert, Beethoven…

VL: und Bach.

BB: ja, Bach, und, äh….

VL: Mozart?

BB: genau, Mozart, Danke. Die waren ja alle auch einmal quasi modern, ich meine, also, sie lebten, äh, zu der Zeit in der ihre Hörer lebten…äh….und hatten damit…also….so eine Art direkten Bezug zu der Zeit, in der sie lebten. Und das war für das Publikum damals sicherlich auch….

VL: Verstörend, nicht wahr? Unglaublich, wenn man sich das heute vorstellt. Gottseidank sind wir da heute schon ein bisschen weiter, nicht? Das Wahre, Schöne und Gute muss ja nicht immer neu erfunden werden, das gibt es ja schon. Und es gibt ja immer noch Spielraum: Wer hat denn je mal…nun….Brahms, Mozart (denkt nach)….Liszt….LISZT! zusammen in einem Konzert gespielt! Noch nie! Da geht noch viel (nimmt eine weitere Mozartkugel)….und Mozart ohnehin immer.

BB: Aber für die Menschen damals…

VL: …war das ja ganz normal, dass die Kerle noch lebten. Verrückt, nicht? Die schrieben all diese Stücke und waren tatsächlich auch noch lebendig. Das wäre heute viel zu extrem – wissen Sie, dass Publikum will sich doch heute beim Hören nicht vorstellen, dass der Komponist den sie gerade hören eventuell noch lebt, vielleicht gerade Sex hat oder auf dem Klo sitzt oder so. Das ist doch widerlich! Aber früher, da lebten die halt….Aber meistens ja gottseidank nicht sehr lang (nimmt eine weitere Mozartkugel, kaut genüsslich).

BB: Ja, äh, verrückt. Aber eben irgendwie auch normal. Dennoch: sollten sich die Konzertprogramme vielleicht ändern?

VL: (rührt in seiner Kaffeetasse)

BB: Herr von Lippi?

VL: (sein Handy klingelt). Moment, da muss ich ran. Ah, Tony, wie geht es Dir? Tony, altes Haus! Was macht der Barbican? Du, wir wollten ja über nächstes Jahr reden. Was hältst Du von Bach, Brahms, Beethoven? 12 Konzerte, mit meinen Leuten? BBB, das läuft nächstes Jahr gut, wegen dem Jubiläum. Kein Jubiläum? Egal, das geht immer….(hält den Hörer zu) Hören Sie, Herr….wie war noch mal Ihr Name? Ich habe jetzt leider keine Zeit mehr!

BB: Herr von Lippi, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Als wir die Lobby des „Vier Jahreszeiten“ verlassen, hören wir noch einige Gesprächsfetzen des Gesprächs von Lippis.
„Brahms?“
„Beethoven!“
„Mozart, Schubert“.
Als sich die Drehtür zum Ausgang schließt, ist auch noch ein „Bach!!!“ zu hören aber es könnte sein, dass uns unsere Ohren einen Streich gespielt haben.

Moritz Eggert

badboy_gaelic

14. September 2014
von Alexander Strauch
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Musikwelt steht Kopf: BBC-TV-Zensur und Dänisches Nationales Kammerorchester

Während wir hier über Sinn und Wirkung von Orchesterfusionen und Geigenmassakern in Deutschland verschlafen diskutieren, zensieren sie in Britannien im TV teilweise Neue Musik, wird das Dänische Nationale Kammerorchester abgeschafft:

BBC-TV schneidet u.a. Harrison Birtwistle Proms-UA aus Sendung
Am Wochenende konnte man live dabei sein, als mit massentauglicher klassischer Musik und Filmmusikausschnitten die diesjährigen Proms der BBC zu Ende gingen. Was man dabei vergisst, dass vor grossem, begeisterungsfähigen Publikum in der Royal Albert Hall die eigeladenen Orchester auch zeitgenössische Musik aufführen. Dabei nicht nur neo-tonales von Muhly oder Adés, sondern auch ältere britische Avantgardisten wie dieses Jahr z.B. mal wieder eine Uraufführung von Harrison Birtwistle. Im BBC-Radio oder auf der Internetseite der Sendeanstalt werden die Konzerte zur Gänze präsentiert. So auch die dabei uraufgeführten Werke, schliesslich sind einige ja Auftragskompositionen der BBC. Bisher wurden die meisten Werke auch im TV ausgestrahlt, nicht im Breitenprogramm, sondern auf dem Spezialkanal für Kultur von BBC 4. Doch hier glaubt man plötzlich, Kunstfilme gewohntes Publikum zu vergraulen, wenn man innerhalb eines traditionellen Orchesterkonzerts auch Neue Musik überträgt, selbst wenn es sich um Dreiminutenstücke handelt wie im Falle von Harrison Birtwistles “Sonance Severance 2000″, zudem mit Esprit vom Britischen Jugendorchester aufgeführt. Wie ihm erging es dieses Jahr auch Helen Grime, Jonathan Dove, John Mcleod, Roxanna Panufnik, Ayal Adler und Kareem Roustom. Alles keine Ferneyhoughs oder Spahlingers, aber Stoff genug, um die BBC-Controller in Angstschweiss um die Quote auf einem Nebenkanal zu bringen, wie so manche Kommentare im Guardian zum Statement Susanna Eastburns von sound and music kolportieren. Aber wen wundert es hierzulande, wo zeitgenössische Musik schon längst im deutschen Südosten nach Mitternacht ausgestrahlt wird. Über die genauen Gründe schweigt sich die BBC aus. Weiterlesen →

in C

13. September 2014
von Moritz Eggert
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iRiley

There are probably few pieces of contemporary music which have such universal appeal as Terry Riley’s “in C”. Written at the start of the minimal music movement its idea is simple: over a continuous pulse of repeated C’s each player can add his/her own pattern, in a kind of semi-organized group improvisation that can be continued as long as the players wish for. As it is all based on the scale of C-major the piece always sounds “right”, there are no “wrong” notes and no accidentals.

“In C” can also be performed by any number of people, even by musicians with little instrumental knowledge or amateurs, therefore it is the ideal “gateway” piece when approaching ideas of contemporary music.

In my life I have already heard countless renditions of “in C”. Some of them were great, some of them atrociously bad – but the piece, through its ingeniously simple idea (the kind of idea like Cage’s “4’33”” that is great but can never be repeated again), basically always remained recognizeable, even idiomatic.

It was only a matter of time until somebody lifted this piece to the next level of modern intersocial connectivity. After British Pop Musicians already used “4’33”” as a statement against the Pop Industry now ChampdAction, Jazzperiments and Concertgebouw Brugge “present the newest innovation in social music making on a global scale.”: The In C App!

With this App it is now possible to contribute to a quasi endless internet performance of In C – everybody who has installed the App can contribute to this performance, stop at any time, enter again at any time, any place, anywhere, anyhow. It is the ideal internet piece, an endless meme just generating itself again and again endlessly, like a fractal composition that is different every time you listen to it, but also inherently exactly the same, like snowflakes which look different under the microscope but are completely equal in their physicality.

If you are interested in being part of this performance, you can read about the details here. The App itself will be launched October 11.

I am sure there is another app soon which counts the royalties for Terry Riley.

Only kidding. Play on and enjoy the most famous music meme in modern music!

Moritz Eggert