Bad Blog Of Musick

badboy_gaelic

24. Oktober 2014
von Alexander Strauch
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Eine gruselige Kleinigkeit II

Es geht nochmals um Werner Egk, s. die ersten Buchstaben des Titels. Hier eine Auflistung einiger Stellen aus dem HJ-Film “Jungens” aus dem Jahre 1941, heute ein Vorbehaltsfilm, wozu Werner Egk die Musik komponierte. Zur Erinnerung: nach dem 2. Weltkrieg galt er als unbelastet, mit dem Skandal um das 1948 von CSU-Kunstminister Hundhammer verhängte bayerische Verbot seines Balletts “Abraxas” wurde aus dem für NS-Propagandafilme komponierenden Mann ein Revoltierender der frühen Nachkriegszeit, bald mit etlichen Ehrungen und Würden, wovon posthum gar Strassenbenennungen, s. Werner-Egk-Bogen in München, oder Schulen wie die Werner-Egk-Grundschule in Augsburg zeugen oder die Werner-Egk-Musikschule in Donauwörth. Wie im letzten Beitrag geschildert, geht es in “Jungens” darum, wie in einem öden Fischerdorf durch das wirken eines HJ-Anführers und Lehrers aus den Kindern des Ortes dem NS-Staat genehme junge “Volksgenossen” werden, ja, das ganze Dorf davon infiltriert wird. Dazu reichlich Bilder von marschierenden, feiernden und Sport treibenden HJ- und BDM-Kindern mit viel Musik, Jubel, Wehrsport, Hakenkreuzfahnen und NS-Uniformen, bevorzugt mit Varianten von Werner Egks Vertonung des “Marsches der deutschen Jugend”. Genau diese Stellen sollten das Adrenalin der Zuschauer anreizen, ihre Kinder dem Staate zur Verfügung zu stellen, mitten im Kriege wohl als Kanonenfutter. Beim letzten Punkt der Liste stellt sich die Frage, ob man Egk gar selbst dirigieren sieht, hat er doch lt. Credits einer anderen Aufstellung neben der Komposition die musikalische Leitung inne. Ganz unten ist der Film verlinkt, um dies selbst zu überprüfen. Kann man da die posthumen Ehrungen noch aufrecht erhalten, liebe Städte München, Augsburg und Donauwörth? Die Sache wird noch komplizierter, da Teile der Filmmusik von einer musikantischen Qualität sind wie Egks wichtigere Werke, also nicht einmal musikalische Unlust ist zu vernehmen, nein höchstes Vergnügen beim Komponieren, s. die BDM-Gymnastik und deren Fortsetzung im nachfolgendem Moment, wenn der Dorfwirt expressionistisch einen HJ-Jungen bedroht, alles ab 00:42:05. Hier die Liste mit markanten Stellen von Musik Egks mit Verherrlichung der HJ:

1.) Vorspann mit Ouvertürenvariante Marsches der deutschen Jugend von Werner Egk, bei 00:00:13 wird sein Name eingeblendet, schlechte Bild- und Tonqualität: 00:00:00-00:02:05
2.) Aus der Grossstadt wird der HJ-Anführer mit Dschingderassabum, Marsch der HJ, Uniformen- und Flaggenmeer mit marschierenden Minderjährigen zur HJ-Missionierung ins Dorf verabschiedet, dazu Egks Marsch, besseres Bild- und Tonmaterial: 00:11:05-00:11:48
3.) Die Dorfbuben bekommen Uniformspenden, das berühmte braune Hemd mit Hakenkreuzarmbinde, die Musik mal im Vordergrund, mal im Hintergrund, aber immer Egk präsent: 00:34:32-00:36:30
4.) Sportfest mit HJ-Wettkämpfen, dazu stimulierende Egk-Musik: 00:37:13-00:38:42
5.) BDM-Gymnastik, im weiteren Verlauf Verdüsterung der Musik und Szene, als der Dorfwirt einen “wahrheitsliebenden HJ-Jungen” mit den Schmuggeleien seines Vaters unter Druck setzt, nichts davon zu verraten, denn die HJ ermittelt auch, dazu die propagandistischen Intentionen unterstreichende Egk-Musik: 00:42:05-00:44:09
6.) Direkt anschliessend singen HJ und das ganze Fischerdorf mit verklärten Augen “Es fährt ein Schiff auf dem Strom der Zeit” auf einen Text von Hans Fritz Beckmann, einen der wichtigsten Liedtextautoren für Filme des 3. Reichs wie der Nachkriegszeit, der sich damit genau wie Egk in den Dienst der Kanonenfutter-HJ-Propaganda stellte, Musik des Marschs der deutschen Jugend: 00:44:10-00:45:28
7.) Die “mutige” HJ-Jugend Räuber und Gendarm spielend auf Profi-Schmugglerjagd mit stimulierender Egk-Musik: 01:10:56-01:12:40
8.) Die Dorf-HJ fährt zum Gau-Wttkampf um einen der ihren dort anzufeuern, dazu Marschvariationen, glücklich guckende HJ und BDM-Angehörige, eine grosse Kamerafahrt in den Vordergrund zu einem die Szenenmusik spielenden Orchester, das von jemand dirigiert wird, der Egk höchstpersönlich sein könnte, wobei er anscheinend zumindest die Gesamteinspielung der Filmmusik dirigierte, s.o., und sich so doppelt in den Dienst des NS-Staates und der HJ-Kanonenfutterpropaganda stellte, nach dem heute noch Strassen und Schulen zur Bildung unserer heutigen Kinder benannt sind, der damals mit seiner Filmmusik zur regimetreuen Jugendbildung beitrug – wer da noch Ehrungen auch in Institutionen des Musiklebens aufrechterhält und Egk verteidigt, Prost, Mahlzeit, denn dieses NS-Engagement relativiert alles spätere im Leben Egks, der, s. sein Vorgehen gegen die Aufklärungsversuche Konrad Boehmers, mit allen Finten dieses NS-Engagement zu kaschieren versuchte und obendrein genau den Nachfolgern der 2. Wiener Schule im BR-Rundfunkrat das Wirken in der musica viva eindampfen ließ, deren Vorbilder im NS-Staat als entartet galten und für den Egk komponierte, da das Feld ja um diese Konkurrenz bereinigt war: 01:15:30-01:18:22

Hier ein Link zum widerlichen Film:

https://archive.org/embed/1941-Jungens

Möge den Ehrungen Egks bald ein Ende bereitet werden, v.a. was Strassen und Schulen betrifft!

badboy_gaelic

22. Oktober 2014
von Alexander Strauch
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Eine gruselige Kleinigkeit – Marsch & Musica Viva

Wer die Anfangsbuchstaben der drei ersten Worte des Titels liest, weiß worum es gleich in aller Kürze gehen wird: um Konrad Boehmer. Und um Werner Egk. Was nicht vergessen werden sollte, wie sich der vor kurzem verstorbene Konrad Boehmer mutig mit Werner Egk selbst vor Gericht stritt, wenn es um das Verhalten des letzteren im 3. Reich ging. Dazu einfach mal auf Wikipedia nachschlagen.

Die meisten dürften nur vom Hörensagen wissen, dass Werner Egk 1941 einen “Marsch der deutschen Jugend” für einen HJ-Film namens “Jungens” komponierte, heute noch ein sogenannter Vorbehaltsfilm, wie Leni Riefenstahls Olympiafilm. Zusammengefasst geht es darum, wie toll die HJ doch im abenteuerlichen Aufklären von Verbrechen von “Volksschädlingen” sei und wie toll es sei, dabei zu sein, um als künftiges Kanonenfutter auf richtige Linie gebracht zu werden. Die Musik wird kaum bekannt sein. Nun fand ich im Netz den folgenden Film, der diese Trompeten übersättigte Musik zum Erklingen bringt. Nichts besonderes, könnte man sagen. Aber doch strahlend genug, um im Kontext dieses Filmes wohl dessen verführerischen propagandistischen Charakter treffend zu unterstreichen, Affirmation des NS-Staates im schlimmeren Sinne:

Wenn man dann einer alten Spiegel-Ausgabe noch eine Stelle entnimmt, dass Egk durch Vorspielen eines Ligeti-Stückes den damaligen BR-Rundfunkrat über Inhalt und Zwecke der musica-viva-Reihe “aufklärte” und zu Mittelstreichungen zu Lasten dieser Reihe beitrug, fällt nun der letzte Respekt gegenüber Egk. Wann geht die Stadt München als Vorbild voran und benennt den Werner-Egk-Bogen in Konrad-Boehmer- oder gar György-Ligeti-Bogen um?

badboy_gaelic

20. Oktober 2014
von Alexander Strauch
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Donaueschingen 2014, endlich in Fahrt und wieder vorbei

Sie sind vorbei, wo sie doch heute so richtig zu schmecken begannen: die Torten im Cafe Hengstler. Da es diätisch nicht korrekt wäre und eine Kuchensuchtpandemie auslösen würde, verzichte ich auf Fotos. Ausserdem wird es mal wieder Zeit für ein Musik-mit-Bildern-Verbot nach all den Stücken mit Filmprojektionen. Immerhin meinte gar eine angesehene Flötistin der zeitgenössischen Musik, dass ich dünner geworden sei – wie mein Ex-Lehrer, siehe „erster Abend“-Text – erspare ich Ihnen/Euch auch Donaueschingen-Selfies. Denn die grösste Erkenntnis dieser Musiktage: alle „ICE-nach-Donaueschingen-Selfies“ sind gefakt. Nicht nur wegen dem GDL-Streik, nein, aus performativen und ästhetischen Gründen, gell, lieber M.!? Aber dies ist jetzt wieder zu viel Komponisten-Insider-Getöse, wie sich meine beiden heute kennengelernten SWR-Blogkollegen in Hinsicht auf den Badblog äusserten. Rückblickend… sind das schon genügend Sätze, um sich wieder mit Mitmenschen zu überwerfen. Soll ich nun über den dritten Tag weiterreden?

Aber es war gar nicht so krass, um wie am Vorabend und ersten Teil des zweiten Tages herumzukritteln! Statt an den Rheinfall zu fahren, erwies sich das heutige Vormittags-Ensemblekonzert als alles andere als einen Reinfall wie der umgestellte Beginn des gestrigen. Das bestens aufgelegte Ensemble Modern mit Jonathan Stockhammer als Dirigenten gönnte sich zwar marginale Zählschnitzer in heikel-ruhigen niederwertigen Obertonaufzählern in Peter Ablinger „points & views“. Was aber insgesamt aus den instrumentierten Formantanalysen von alten, verrauschten Sprachkurs-do-it-yourself-Kassetten herauskam, war 15 von 20 Minuten durchaus unterhaltsam. Beides erklang parallel. Zum Verdeutlichen konzeptuell unbedingt notwendig. Exemplarisch warf dieses reizende Stück aber die Frage auf, ob aus Sprache abgeleitete Musik nicht mal selbst zu sprechen anfangen dürfte, mit ihren eigenen Mitteln, losgelöst von Audio- und Textvorlagen, wie es eben das Kunstlied auch ab und an vollzog. Wenn aus den Obertonaufzählerintermezzi z.B. eigene Obertonmelodien gekreuzt mit streng enttextualisierten, nur z.B. alphabetisch angeordnete Restformanten wären, hätte Ablinger garantiert das Thema „Melodie“ prickelnder beantwortet, als das Klavierkonzertlein „Melodictionnaire“ von Krystof Maratka. Das suchte seinen Pfad zwischen Rachmaninow und Messiaen, wollte eine lockerere, fröhlichere Herangehensweise an Handwerk als die gestrengen Werke von Rihm oder Poppe, letzterer z.B. letztes Jahr. Die Doppelbegabung viriler Pianistenkomponist wurde Maratka aber zum Verhängnis, so dass man mal wieder den Eindruck hatte, ein wichtiger Verlag lässt einen seiner Verlegten verlegen die wichtigsten Festivals abgrasen um dann irgendwann einmal damit die zeitgenössische Relevanz ihres Komponierenden gegenüber Opernhäusern oder Philharmonien nachzuweisen. Hätten die Musiktage zum Beispiel spontan ein open-air für die Normalverbraucher des verkaufsoffenen Musiktage-Sonntags an der Donauquelle durchgeführt, wäre es ein reizvolles Stück für die Einkaufsbummler gewesen. Brian Ferneyhoughs grandioses Concerto grosso „Inconjunctions“ rettete die gute Stimmung nach Ablingers Anfang, auch wenn ein Drittel des Saales, das Ferneyhough zujubelte zuvor den Kottan-ermittelt-ähnlichen Österreicher im Trenchcoat ausbuhte.

Ähnlich volkskonsumerabel wie Maratka waren die Gummihandschuh-Bauernhof-Gebläse-Installationen von Ondrej Adamek: wirklich unterhaltsame Klangkunst, die sich von ganz allein vermittelt. Sie klaute all den Bildern, Texten und Objekten von Tsangaris, Sciarrino, Kreidler, etc. von dies- und nächstjährigen Musiktage-Komponisten in der musealen Anordnung der Alten Bibliothek die Show. Als diese „Air-Machine“ dann im Abschlusskonzert als Abschlussstück Bestandteil des um das Publikum verteilten Orchesters und Chores wurde, trafen sich zwar Pan-Tau, Carl Orff und Blasmusik aus Kusturica-Filmen mit in meinem Hirn frei mitgesungenen Endlosketten aus dem Kinderlied „Was braucht man auf dem Bauernhof“. Klar, das quieckende Gummiferkel ist herzzerreissend und lustig zugleich, die vertonten isländischen und indischen Texte feiern den zermalmten Körper wie den des lieben Viehs, das wir schlachten und essen. Eine vegetarische Prodana nevesta ist aber noch lange kein Musikfleisch!

Ebenfalls verteilte Brice Pauset das Orchester um das Publikum, was dräuende Wagnerisme-Klänge uns um die Ohren schickte. Dazu spielte akkurat der Komponist auf seinem von daheim mitgebrachten Cembalo, dazu rezitierte eine Frau Zotter gewichtige Texte. Als sie dann anfing überdehnt und tragödisch Arabisch lautmalerisch zu dekonstruieren, traf sich die unfreiwillige Komik von „Un-Ruhe (Heft 1)“ mit der freiwilligen des Gummischweinderls. Hätte der selige Robert Lembke mich in der Musikshow „Was soll das?“ als Variation des Beruferatens „Was bin ich?“ gefragt welches Cembalo oder Schweinderl ich haben möchte, ich hätte beide ablehnen müssen, da ich bereits Spiesserware genau aus der gleichen Töpferwerkstatt mal von einer ebenfalls seligen Sparstrumpftante erhalten habe. Und natürlich aus ästhetischen Gründen, ganz unerklärt aus dem Bauch heraus, dem tortigen.

Fragte man sich nach Manos Tsangaris Verhältnis zu Tönen nach der Gong-Mistel im ersten Konzert als zweites Stück, war die SWR-Antifusions-Mistel in Hinblick auf Tonhöhe und Konzept quasi genial, sofern die Töne nicht einer anderen Komposition vom Band eingespielt angehören sollten. Die Textprojektion sagte, dass die Fusion scheiterte, da das Freiburger SWR-Orchester davor schlichtweg aufgelöst worden sei, was ja de facto die Fusion mit den Stuttgartern und der Wegzug bedeuten wird. Das war sehr politisch gemeint und sym-badisch. Aber doch ein wenig platt, wie eben selbst Andriessens Streikmusik war. Warum hat man die nicht zumindest als Pausenmusik mal eingespielt? Gab es die von Trossingern Musikstudierenden vielleicht am Bahnhof für die Heimreisenden? Das weiß ich nicht.

Was ich aber weiß: Simon Steen-Andersens „Piano-Concerto“ heimste zurecht den Orchesterpreis ein. Die Mischung aus Videoarbeit des auf einen Lagerhallenboden aufschlagenden Flügels, dem darauf spielenden Nicolas Hodges, der als filmisches Alter Ego dem richtigen Hodge auf einer Kartonprojektionsfläche vor dem Dirigentpult Francois-Xavier Roths gegenüber sass, das Durchwirken von deformierten Oktaven und Glissandi zwischen beiden Klavieren und dem Orchester, die daraus irgendwie simpel aber doch ganz klar resultierende Sound- und Gestenmorphologie gingen Hand in Hand wie bei keinem anderen Stück dieses Musiktagejahrganges. Als dann romantische Klaviermusik gar nicht auf dem kaputten Projektionsinstrument gelingen wollte, das Orchester aber sehr wohl diese altbekannte Emotionalität einfing, der herabfallende Flügel im Rückwärts- und Vorwärtsspulen des Videos zu tanzen begann, war ein intermedialer Kontrapunkt erster Güte erreicht. Hätte das Stück dann mit der Bodenkameraeinstellung des weder slow- noch high-motion real abgespielten Zerstörungsvorgangs des Flügels geendet, der lebensbedrohliche Stahteile schrapnellartig durch die Lagerhalle sausen ließ, wäre das Stück wirklich als genial zu bezeichnen. Die schnelle Rückwärtsfahrt der Zerstörung, des Aufbaus der Versuchsanordnung, des Hertransports des corpus delicti aus dem Klavierlager, als ratterte ein zurückgespulter Super-8-Film durch den Projektor war immerhin ein schönes Understatement als Making-Of, so dass Steen-Andersens Konzert auch so ganz und gar für sich einnahm.

19. Oktober 2014
von Moritz Eggert
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A fair composition competition…

We have often talked about strange, unfair or even downright shabby composition competitions on these pages. This cannot go on!

The fabulous young clarinetist Heather Roche thought the same and has therefore created a new competition, which puts the selection of composers before their writing of the work, and is also free to enter. This is an absolute rarity in this day and age of insulting competitions that have you enter for 200,-EUR to write 3 orchestra pieces for 1000,-EUR in 3 months (or similar).

The initiative by Heather is to be applauded, but it is also in need of sponsors. Therefore I would like to pass on this invitation by Heather:

One of the things I’ve noticed in the last couple of years of working is that composition competitions, theoretically set up to encourage and provide opportunities for young and studying composers trying to star their careers, seem to be set up in order to hinder them. I’d like to hold one that will try to correct a lot of these mistakes, and hopefully encourage others to do so. The features that are important are that they don’t have to pay to enter the competition, that there is a qualified jury of recognised professional composers, that they submit with a proposal for a new piece and a portfolio of existing work (rather than having to submit a brand new piece just for the competition, as is normal these days) and that they are rewarded for their efforts with a fair commission fee to write a brand new piece in direct collaboration with me. I’ve also lined up a great first performance for these new pieces in London!

I’m just over a week away from trying to raise the rest of the money for their commissions, and still have quite a way to go. I don’t want you to feel like you have to donate, but if you wouldn’t mind having a look at the crowdfunding page and considering a small donation, I’d be so grateful!!

I’m equally grateful of course for sharing the link with any friends you have who might consider donating

More details about the competition and how to donate can be found here

Heather Roche

19. Oktober 2014
von Moritz Eggert
Keine Kommentare

Ein fairer Kompositionswettbewerb…

Ich unterbreche Alexanders schöne Donaueschingen-Berichterstattung mit einem kurzen Hinweis auf ein Crowdfundingprojekt der besonderen Art.

Schon oft haben wir uns ja an dieser Stelle über mysteriöse, schäbige oder komplett unverschämte Kompositionswettbewerbe ereifert. So kann es nicht weitergehen!

Genau dies dachte sich auch die großartige Klarinettistin Heather Roche und machte sich daher daran, einen Wettbewerb zu kreieren, der endlich einmal die Komponistenauswahl vor das Schreiben der Stücke stellt und zudem noch in allen weiteren Details faire Bedingungen bietet (zum Beispiel keine Teilnahmegebühr).

Diese Initiative ist ausdrücklich zu loben, braucht aber noch ein paar Gönner, um sie zu ermöglichen.

Daher hier eine Weiterleitung einer ausdrücklichen Einladung von Heather:

One of the things I’ve noticed in the last couple of years of working is that composition competitions, theoretically set up to encourage and provide opportunities for young and studying composers trying to star their careers, seem to be set up in order to hinder them. I’d like to hold one that will try to correct a lot of these mistakes, and hopefully encourage others to do so. The features that are important are that they don’t have to pay to enter the competition, that there is a qualified jury of recognised professional composers, that they submit with a proposal for a new piece and a portfolio of existing work (rather than having to submit a brand new piece just for the competition, as is normal these days) and that they are rewarded for their efforts with a fair commission fee to write a brand new piece in direct collaboration with me. I’ve also lined up a great first performance for these new pieces in London!

I’m just over a week away from trying to raise the rest of the money for their commissions, and still have quite a way to go. I don’t want you to feel like you have to donate, but if you wouldn’t mind having a look at the crowdfunding page and considering a small donation, I’d be so grateful!!

I’m equally grateful of course for sharing the link with any friends you have who might consider donating

More details about the competition and how to donate can be found here

Heather Roche

badboy_gaelic

19. Oktober 2014
von Alexander Strauch
Keine Kommentare

Donaueschingen, zweiter Tag

Heute war’s ordentlicher. Es gab zum Abschluss ein fettes Cordon Bleu. Statt der gestrigen Wiener Würschtel auf dem Stromkasten. Von wegen „wunderliches“ Donaueschingen: die Kastenwiener wurden elektrolytisch ins Klangforum Wien verwandelt. In meinem Kopf. Mit den Restwürsten im Bauch und Müsli im Magen um 11 Uhr brav in den Mozart-Saal, eben zu Klangforum und drei neuen Stücken.
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Der erste Schock stellte sich noch vor den ersten Klangaktionen ein: das Programm wurde getauscht. Statt sanft mit Chiyoko Szlavnics „Inner Voicings“ aufzuwachen, durch das Trompetenconcertino „Sound as Will“ von Wolfgang Rihm aufgerissen zu werden, zuerst 40 Minuten Sciarrino anstatt damit ein wenig vom mittäglichen Hunger abgehalten zu werden und sich nicht wieder den Bauch vollzuschlagen. So wurde Salvatore Sciarrinos „Carnaval“ (Gesang: Stuttgarter Vokalsolisten) zur Geduldsprobe. Nun, „Quaderno de la strada“, die Opern-De/Rekompositionen, alles wirklich geniale Zinngießerkunst, richtig schön, im spielerischen angehaltenem Atem atemlos im Hinhören, immer neue Gesten, die manisch wiederholt durchgewalkt werden, immer anders. Im neuen Stück drehte sich vor allem der Uhrzeiger kaum weiter, wurde das redundante Material von Satz zu Satz leicht verändert, aber eigentlich nicht spürbar. Auf einen lang gehaltenen Ton ein kurzer abfallender Schleifer, Flageolett-Tremoli ohne Ende. Das war es meistens! Einzig hoch quieckende Sopranquinten, durchgeloopt, machten plötzlich Spass. Ansonsten schnell hingeworfen, ohne Inspiration.

Nach der Pause gab es nach Zenders Retro-Elektronik des Vorabends glissandierende Streicher mit Flöten und Klarinetten in Chiyoko Szlavnics „Inner Voicings“, in drei Sätzen verfolgt von Sinustondifferenztönen. Ein wenig ähnlich und gleich langsam hatte es eine wabernde Tendenz, war es trotzdem ungemein charmant. Zur dicken Sinfonietta aufgerüstet wurde das von Ilan Volkov dirigierte Klangforum Wien zuletzt in Wolfgang Rihms „Sound as Will“ zum souveränen Begleiter in diesem erstaunlich durchgearbeiteten, kurzweiligen Trompetenconcertino mit Marco Blaauw als Solisten. Es sollte wohl so sein, als suche man nach der Formel Ferneyhough geteilt durch Carl Maria von Weber, zumal der strausssche Karlsruher in Donaueschingen viel mehr Unruhe an den Tag legte als sonst in den letzten Jahren. Bedenkt man die erst kürzlich uraufgeführten Konzerte für Horn und Klavier, will man kaum glauben, dass Rihm jetzt noch ein weiteres Konzert hervorzauberte. Mir bleibt nur zu sagen, dass mir die letzte „In-Schrift“ irgendwie besser gefiel. Rihm ist nun langsamer als Mensch, da ist seine langsamere Musik irgendwie persönlicher als dieses quasi von fremder Hand komponierte Konzert.

Wie befreiend wirkte nach den beiden Konzerten des Vorabends und des Vormittags die Performance von Francois Sarhan mit seinem „Zentral Park“ in einer Tenne des Reitturniergeländes! Man musste schon ein wenig durch Matsch waten, um die Heuluft dieses Schuppens zu atmen. Richtig herrlich war es, den Jugendlichen des NRW-Landesjugendensembles „Studio Musikfabrik“ zuzusehen und zuzuhören. Besonders neugierig machte das Streichinstrument Rotissoire: ein mit verschiedenen Saiten bespanntes Holzrohr, das per Kurbel drehleierartig an einem Streicherbogen vorbeibewegt wird. Nach einem manchmal leicht zu kanonisch imitierenden Intro werden auf drei Projektionsflächen, zum Teil die nackte Schuppenwand, die schnellen Zungenbrecher US-amerikanischer Pferdeauktionatoren durch die Musik direkt nachgemalt, übernehmen die nun auch performenden wie der selbst rezitierende Komponist stumm deren Handgesten die später mit den mahnend zeigenden Händen von Grabesstatuten auf projizierten Friedhofsimpressionen assoziativ verbunden werden. Zwar wurde die Musik nun weniger quirliger, konsequenter, die Szenerie wirkte dagegen ein wenig zu nostalgisch. Man wünschte sich irgendwie sehnsüchtig zeitgenössische anonyme Urnenfelder, was ja eher unser heutiges Endstadium sein wird als staubige Familiengrüfte.

Gruftiges und nicht groovende Erwartungen hatte man in Hinblick auf die Uraufführung des alten „Josef Anton Riedls: „Schweigewatte mit Anspielung“ auf vierzig Gedicht-Collagen von Herta Müller. Dank der trockenen Interpretation der Lentz und Hirsch Michaels, einigen höchstpersönlichen Einstreuungen der unüberbietbaren Charakterstimme von Herta Müller knarzte und knurzte die Melancholie und der Zorn eines alten Mannes, wunderbar im Strawinskysaal durch den Schlagzeuger Stefan Blum bekräftigt. Ganz am Ende dann die Performance „The total mountain“ von Jennifer Walshe. Liebe Chinakuschelhunde und virtuelle Bildcollagen aus dem Kopf der selbst performenden Walshe sowie einer Art Conchita-Wurst-Schaf und einem Babylon-5-Alientiger sinnierten leicht belämmert über sinnlose 90 Prozent Fremdeinwirkungen auf die minimale Eigendenkleistung eines Tages. Zu weiteren Bildern wie zum Beispiel nun reale Filme von Menschen mit Tiermasken die sich allmählich gegenseitig mit zu Pistolen geformten Fingern gegenseitig erschiessen, hüpfte, operte und soul-röhrte Walsh als ein Mittelding von Alice im Wunderland, Birgit Nilsson (die Wagnersängerin!) und Kylie Minogue über die Bühne. Sehr körperlich, sehr virtuos, gerade am Ende mit atemlosen Rezitationen. Fremdmaterialien werden durch den personalen Selbstauftritt einfach in die Komponistin hineingeschrieben, schleudert sie die Informationsflut zwischen Historischem, Entertainment und privat Banalem des Internets in den Saal. Letztlich unglaublich rätselhaft. So schieden sich endlich auf den Musiktagen 2014 die Geister zwischen jung und alt, gab es erste zaghafte Buhrufe, schnell herausrennende Schweigsame gar mitten im Stück wie kurz und heftig Applaudierende.

Spiritueller Höhepunkt war davor aber Michael Lentz’ „Hotel zur Ewigen Lampe – operative Vorgänge, Eine Sprechplastik“. Bis auf die irgendwie selten eingestreuten Jazztütenklänge von Klarinette und Saxofon war das Zusammenspiel der klaren Liveelektronik von Gunnar Geisse und dem Sprecherchor von Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig eine glasklar starke Aktion. Es wurde nichts anderes poetisch durch Lautumstellungen verdreht als die letzte Volkskammerrede von Erich Mielke. Als der die von anderen geschriebene Rede in seiner Wendeaufwühlung immer mehr verquasselte, brüllte er irgendwann sein berühmtes „ich liebe Euch doch Alle“, was zu sarkastischen Gelächter der „Blockflöten“-Abgeordneten führte. Ultimativ die Verarbeitung des „Prost, Prösterchen“ singenden Tierjägers und Menschenfängers Mielke, bezaubernd, in der 15-Uhr-Vorstellung perfekt und nicht verhustet wie um 18 Uhr, das Frauensolo aus dem Chor mit „dem kreisendem (oder greisen) Eros im Eis“. Fantastisch wie Polit-Historie einfach und holzschnittartig doch zu einer eigenen Poesie taugt.

badboy_gaelic

18. Oktober 2014
von Alexander Strauch
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Donaueschingen 2014, erster Abend

Ob ich live von den diesjährigen Musiktagen bloggen würde? Leider nein, lieber Johannes. Mein E-Plus-Zugang versagte an der Betonschale der Baarsporthalle. Da wäre tatsächlich aufzurüsten. Auch für die Donaueschinger Musiktage selbst: freies WLAN in allen Konzerten. Das Eröffnungskonzert fuhr ialte Tonzuspielungen und Videoleinwand auf, wie man es so häufig seit drei Jahrzehnten erlebt. WLAN im Konzert wäre dagegen ein richtiger Trendsetter. Das Aufregendste war tatsächlich der Live-Einbezug der SWR-20-Uhr-Nachrichten als nicht mehr enden wollende Übertragung selbst chinesischer Fahrradnachrichten im ersten „Mistelstück“ von Manos Tsangaris. Zu den aktuellen Nachrichten fing das Orchester zu spielen an. Im Kontext des Live-Konzerts fand man zuvor bereits selbst Stuttgart-21-Nachrichten richtig lustig,. Der halbe Saal kringelte sich vor Lachen über die eigentliche Banalität des Tagesaktuellen. Das flachte zwar nach Auftritt des Dirigenten ein bisschen ab, hielt aber bis zum Ende an. Es verneigte sich sogar die Nachrichtensprecherin. Natürlich auch Tsangaris. Mit der entlarvenden Lachnummer war ihm ein echter Coup geglückt, nur an die Musik erinnert sich keiner mehr. Ähnlich erinnerungslos hinterließ „Ibant obscuri“ von Hanspeter Kyburz. Ja, es gab Kontrabasspizzikati am Anfang und am Ende, dazwischen delikate Streicher-Schlagzeug-Sahne, Düsternis a la Henzes Barcarola, Wellenbewegungen. Insgesamt war es genauso gesichtslos im Verweilen im Sub-Morphologischen wie leere Streicherfloskeln einer spannungsanregenden Filmmusiksequenz. Ist also Kyburz der Zimmer der Neuen Musik? Ehrlich gesagt scheint das Gros seiner Studierenden spannender zu sein als der Lehrende selbst, denkt man z.B. an Johannes Borowski oder Eres Holz.

Tsangaris zweite Mistelmusik war erfrischend kurz, ließ den Dirigenten kurz expressiv a la Schnebel das stumme Orchester dirigieren. Dazu ein paar Brummer, Schwirrhölzer und Gongs. Als Gag irgendwie nett, aber auch gleich wieder vergessen. Eindringlicher war Zenders „Oh Cristalina“. Schroff und spröde einerseits. Andererseits tat sich eine asketische, einstimmige Choralhaftigkeit auf, die in ihrer zurückhaltender Faszination die mikrotonalen Abschattierungen gleicher Töne vergessen ließ. Einzig die Ringmodulator-Elektronik wirkte ein wenig verstaubt. In ihrem Retro-Gewande aber irgendwie auch wieder mutig direkt und cool. Da hat jemand eine Klangsprache erreicht, die durchaus hermetisch ist, aber weit souveräner als das Gewese der beiden jüngeren Kollegen ist. Eben wohl auch eine Altersfrage.

Vor Zender drückte Emilio Pomarico seine Hoffnung aus, dass der schwer kranke Armin Köhler bitte wieder genesen möge. Seinem Zorn über die Orchesterfusion verlieh er auch seine Stimme, selbst dabei ein ungemein höflicher Cavaliere: „I am upset and very angry….!“ Was es bedeutet, der Klangkörper der ARD-Rundfunksinfonieorchester für Neue Musik seit seiner Gründung zu sein, bewies das SWR-Sinfonieorchester Freiburg/Baden-Baden mit dem gnadenlos virtuos und grandios zeitlich gestalteten Stück „Nacht“ des uralten Friedrich Cerha. Natürlich schimmerte da Alban Berg durch. Aber in einer entschlackten, konzis zwischen Ruhe und Anspannung geführten Sprache, die eine eigenständige Weiterentwicklung dieses Astes der Neuen Musik repräsentierte.

Bleibt die Frage, wie es weitergehen soll! Höchstwahrscheinlich bot das Next Generation Konzert einige Antworten, vor dessen späten Termin ich leider kapitulierte. Aber couldntfindabomb wird da hoffentlich berichten. So weitermachen wie Zender und Cerha wird man nicht mehr können, so wie Kyburz und Tsangaris an das Orchester heranzugehen lohnt sich nicht wirklich. Zwar hantieren beide mit Technik und Tsangaris mit Gehalt. Die Schärfe eines Martin Schüttlers, der Esprit eines Johannes Kreidlers oder der Spirit einer Brigitta Muntendorf oder die Coolness eines Moritz Eggerts fehlt ihnen allerdings. Es ist höchste Eisenbahn, dass diese endlich mal hier auf den Musiktagen ein Forum erhalten, Johannes ja immerhin bereits nächstes Jahr, zum Ende der Ära Köhler. Wird aber die neue Leitung, man sagt, Björn Gottstein, diese Schärfe wirklich wollen? Oder wird es noch mehr französische Fülle des Wohllauts geben wie bereits all zu oft in den Abschlusskonzerten der letzten Jahre? Rein persönlich eröffnete ich am Hallenparkplatz als Badblogger zwar nicht die noch ausstehende “Speakers Corner”, aber eine “Eaters Corner” und fügte mich so in den Reigen der seltsamen Gestalten mit Mundschutz, am Netzwerkbus, den gläsernen auftragssüchtigen Dreinblickenden und den verkrampft Philharmonie-Contenance aufrechterhaltenden ein. Beim Gratulationsparcour gegenüber meinem alten Lehrer Zender führte das zum Ausspruch: “Sie sind aber dünner geworden!” Obwohl ich doch mehr als 20 Kilo in den letzten 10 Jahren zulegte… Wunderlich, dieses 2014!

brotzeit_baarsporthalle

badboy_gaelic

17. Oktober 2014
von Alexander Strauch
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Sing-Mit – Donaueschingen-2014, ein Wettbewerb für die Daheimgebliebenen

Jahr für Jahr sind die Donaueschinger Musiktage das Gegenteil typisch leerer Neue-Musik-Konzerte. Tage vor dem Konzertwochenende sind die meisten Vorstellungen restlos ausgebucht, so dass eine spontane Teilnahme wenig erfolgversprechend erscheint, abgesehen von der unangenehmen Tatsache, keinen Strohsack mehr zum Nächtigen in 10 Kilometern Umkreis zu finden. Seitdem die Veranstaltungen allerdings nicht nur im Radio sondern auch im Internet-Livestream von zu Hause mitzuerleben sind, kann dies eine verlockende Alternative sein, mit den sozialen Abstrichen, die eine leibhaftige Präsenz im Konzert bedeutet und so auch nicht ersetzt werden kann. So hat sich der „Badblog of Musick“ nun aufgerafft, dies ein wenig spannender zu machen, eine andere Form des Jukebox-Gedankens. Apropos: zwar begleitet der Badblog immer wieder berichtend die Musiktage. Aus der Einladung zu einer Art speakers-corner wurde bisher nichts. Nun denn.

Sing-Mit, so dass Motto und Prinzip unseres kleinen Wettbewerbs. Die Teilnahme ist ganz einfach: man sehe/höre sich die Konzerte, am besten im aufgezeichneten Stream an. Wichtig ist, das akustische Signal nur über Kopfhörer mitlaufen zu lassen. Wir wollen ja nicht illegal die Werke unserer Kollegen online stellen. Den Lautsprecher des Rechners stelle man aber so ein, dass er die Stimme der mitsingenden Person aufzeichnen kann. Nun wähle man aus dem Programm von Tsangaris bis Zender oder Ablinger bis Steen-Andresen aus, was einem am besten gefällt. Um diesem Gefallen Ausdruck zu geben, singe man die schönsten Stellen einfach mit. Durch hin und her scrollen lässt sich das durchaus akzeptabel perfektionieren. Wenn man nun denkt, seinen Mit-Singsang aufnehmen zu können, starte man, wie ein am Anfang dieses Absatzes beschrieben.

Das Filmchen, der Audiomitschnitt sollte nicht länger als ein bis drei Minuten sein. Man eröffne dann schnell ein Konto bei Vimeo oder einem anderen Anbieter, setze als Tags den Titel des Stücks, „Singmit“ und „Badblog“. Bitte explizit in den Anmerkungen darauf hinweisen, dass der Badblog of Musick damit machen darf, was er will. Ende nächster Woche werden unsere Netzscouts dann beginnen, auf den üblichen Portalen nach diesen kleinen Videos zu suchen. Das Endergebnis dieser Internetstückarchäologie wird dann die grobe Rekonstruktion der Originalwerke anhand der Mitsingstreiflein sein. Der Preis ist dann die Teilnahme in einem daraus kompilierten Video, dass im Abspann die Mitsänger aufführt. Ausserdem werden wir das schlechteste wie das beste Mitsing-Video exklusiv hier ausführlich ästhetisch besprechen und konzeptuell kommentieren lassen. Mehr gibt es nicht zu gewinnen, ausser eben den berühmten wenigen Sekunden von Online-Berühmtheit.

Übrigens: Ähnlichkeiten mit „virtuellen Chören“ sind natürlich vollkommen ausgeschlossen…

badboy_gaelic

16. Oktober 2014
von Alexander Strauch
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60 Jahre Komponistenverband, diametrales Gestern und Heute in einem Raum

Ein bisschen ist es schon her: vor sieben Tagen feierte der Deutsche Komponistenverband (DKV) sein 60-jähriges Bestehen. Diese seitdem 168 verstrichenen Stunden einer Woche sind im Zeitalter des „Sharings“ und „Likens“ selbst schon eine Ewigkeit, als seien 60 Jahre verstrichen. Was in dieser Zeitspanne an Klingeltönen, aktuellen Hits und Dauerwerbejingles durch die Zähler erfasst wurde, könnte sich selbst die merkfähigste Sängerin innerhalb eines Lebens nicht auswenidig lernen. Aber als Komponiste weiß man: Zeit ist relativ. Im merkwürdigen Verhältnis standen manche Künstlerkarrieren vor einer Woche im gleichen Raum beisammen: anhand des mit der DKV Ehrenplakette für sein GEMA-, DKV- und Künstlerleben ausgezeichneten inzwischen 80 Jahre alten Christian Bruhn erlebte man einen Hauch von Erfolg, wie er in der U- und Filmmusik bis in die 90er Jahre möglich war, als die Produktionsetats noch riesige waren und die Goldenen Schallplatten echter. Das Verhältnis von harter Arbeit, dickem Erfolg und daraus möglicherweise resultierendem Einkommen stimmte noch, so wie es Heidi- und Kaptain-Future-Soundtracks Christian Bruhn mitunter einbrachten. Im gleichen Raum traf man aber auch den namenlosen Anfangvierziger der Jetztzeit an, der als Komponist wie Interpret E-Musik, U-Musik, Film- und Werbemusik ausübt, für wichtige Theater vielfach erfolgreiche Schauspielmusiken schrieb. So breit aufgestellt hat er das Zeugs, in einem seiner Metiers einen Erfolg zu landen. Vielleicht bot sich ihm nur noch nicht die Gelegenheit, vielleicht ist „das System“ heute mit auch nur mit soviel Künstlerinnen und Künstlern wie noch nie zu „verstopft“. Dazu kommen die heute erheblich verschlechterten bzw. eingefrorenen Produktionshonorare, die zu geringen Beteiligungen an Online-Erfolgen, die hart Arbeitenden zwar eine auskömmliche Existenz ermöglichen, sie aber selbst um die Früchte ihres Erfolgs bringen, egal ob der bescheiden oder riesig sein mag. Glück hat dabei heute nur der, wer sich rechtzeitig früh genug festlegt und der gewählten Nische durchstarten kann. Wer allerdings vernünftig ist, wird sich so breit aufstellen, wie eben früher ein Bruhn oder heute dieser namenlose, durchaus real lebende Kollege.

Interessant war dazu die Rede des Berliner Kulturstaatssekretärs Tim Renner, der U und E für sich mit „Underground“ und „Excellence“ übersetzt. Wie soll heute nun noch Exzellenz entstehen können, wo diese gezwungenermassen im Untergrund agieren muss? Oder verstehe ich da etwas falsch? So wichtig eine Neubewertung der alten Bezahlsparten der GEMA sein mag, muss vor allem das aktuell mehr denn je um sein am Boden Überleben kämpfende Hochkarätige wieder in die Lage versetzt werden, ordentlich für seine Anstrengung bezahlt zu werden. Es geht da nicht um „Eintagsfliegen“ oder „Hitwunder“, es geht, ähnlich den Universitäten, um den Mittelbau, der seine Kunst voll und ganz zum Broterwerb einsetzt und immer mehr in die Rolle eines perfekt ausgebildeten Prekariats gedrängt wird, dessen Erfolg schnell geteilt und geliebt wird, dessen Einnahmen aber ganz andere einfahren, wie Onlineportale, die nur ihr Regal zur Verfügung stellen und damit auf Kosten, bildlich gesprochen, der Musikdosenhersteller ihren Reibach einfahren. Wenn nun E, U und Film und noch vieles mehr neu bewertet werden sollen, nachdem sich immer mehr eine Nettoeinzelverrechnungsmentalität herauskristallisiert, die nur noch wenige, wie z.B. einzelne Werbemusiker gut verdienen lässt, sollten die Komponisten, Soundkünstler und Interpreten wieder mehr zusammenfinden, durchaus durch Eintritte in so etwas Ehrwürdiges wie einen Komponistenverband, um das Bestehende zu retten und zum Vorteil aller umzubauen. Vielleicht geht der Weg ja sogar tatsächlich darüber, E und U und Co. doch nicht gegenseitig aufzuheben, sondern jedem zuzugestehen, sich doch für eine Richtung entscheiden zu müssen, ohne den Fuss aus den anderen herauszunehmen. Denn nur wenn man weiß, wer man ist, woher man kommt, dann kann man mit voller Kraft zum Erhalt und Ausbau „des Systems“ beitragen. Vor lauter Angst in der Öffentlichkeit nicht nur als Künstlerikone dazustehen, sondern als für seine Existenz kulturpolitisch eintretender Mensch verrufen zu sein, werden Abgrenzungen und deutliche Benennungen kaum noch gewagt. Denn das mag einen ins Abseits bringen. Aber eben auch ins denkerische, spirituelle und kreative Aus. Möge jeder also wissen was er sei und kann. Dann können andere vielleicht in hoffentlich weniger als 60 Jahren wieder weniger diametrale Künstlergenerationen in einem Raum erleben!

6. Oktober 2014
von Moritz Eggert
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Konrad Boehmer is silent.

Konrad Boehmer is silent

Konrad Boehmer
was truly one of the most obnoxious persons I ever met.

And this is why I loved him.

In German we have this saying that somebody doesn’t take a “leaf in front of their mouth”, which basically means they always say what they think, regardless of the circumstances.

Konrad’s mouth couldn’t be held by a leaf, and would have conquered a forest, if need be. I remember mutual panel meetings with Konrad where everybody looked at each other in pain because he just wouldn’t stop talking about some inopportune subject. I perceived the ability to just not let go as a great quality in the late Konrad Boehmer. And I am sure he would have liked me starting his obituary with talking about this specific trait of his, his constant search for the utmost honesty in any discussion.

That he suddenly is no more is a shock to everybody who knew him. An energetic person like him could only be struck down by lightning or a stroke, this much is clear. It takes force and violence to stop a man like Konrad. That this happened much too soon is evident. I was always looking forward to his many surprising emails, ranting about this or that, pointing out funny things, observing the weird little “New Music” world in which we all live with great irony and self-deprecating humor. I miss him already in this world of yay-sayers and all-too-careful music politics.

I remember meeting him for the first time many years ago. He had set texts by Munich author Albert Ostermaier to crazy and violent music, which I found shocking and immensely appealing at the same time. His love for the source material by Ostermaier could be felt in every bar of the piece. As scathing as he could be sometimes as a person, he was always full of praise for things that he loved dearly. He could talk passionately about many subjects, not only musical, with great wit and sharp knowledge. His intelligence, his grasp of language and logic was actually quite frightening sometimes, but never less than impressive.

Every obituary should at some point talk about the music of a composer. And it is evident that his musical oeuvre is worth all the love that he so happily conveyed on his favorite subjects. Still, for me it is inseparable from the person Konrad Boehmer. I hear him in every note. He is present. He doesn’t let me, the listener, in peace, not for one single minute. He respects my individuality, but he definitely wants to enlighten me, about one thing or another. He was the Doktor Faustus of contemporary music, if only in intelligence. No wonder his most famous work is also called like that.

This is meant as a great compliment.

And therein lies the tragedy of his passing. We would have needed him so urgently in the years to come, would have needed his musical and personal courage, his unconventionality and genial eccentricity.

For this the world is poorer.

Rest in Peace, my friend.

Moritz Eggert

On Saturday 4 October, the composer and music critic Konrad Boehmer (born 24 May 1941 in Berlin) died in Amsterdam at the age of 73. He had suffered a cerebral infarction on 10 August while on holiday in the south of France, and since 24 August had been cared for at the Onze Lieve Vrouwe Gasthuis (OLVG) in Amsterdam.

Konrad Boehmer had lived in Amsterdam since 1966. His large compositional oeuvre includes both acoustic and electronic music, which was performed throughout the world. In 1983 he received the Rolf Liebermann Prize for his opera Doktor Faustus. As a music critic he wrote for the weekly Vrij Nederland magazine and also published internationally on contemporary music and authors’ rights.

From 1972 onwards Konrad Boehmer taught at the Royal Conservatoire in The Hague, where he directed the Institute of Sonology from 1994 to 2006. He held numerous chairmanships, including of the Dutch musical authors’ rights society BUMA/STEMRA and the Society of Dutch Composers GeNeCo.

Konrad Boehmer received the honour “Officier in de Orde van Oranje-Nassau” from Her Majesty Queen Beatrix of the Netherlands.

The date of the funeral will shortly be announced.