Bad Blog Of Musick

31. Oktober 2014
von Arno
Keine Kommentare

Über Hörer-Typen – Folge 1

Nein, die “Einleitung in die Musiksoziologie” muss nicht neu geschrieben werden.

Es ist eine private Beobachtung. Es gibt doch diese Zeitgenossen, die keine andere Musik zulassen, als die, die sie entweder selbst machen und/oder selbst hören. Diese ganz dogmatischen, apodiktischen Zeitgenossen, die, wenn sie beispielsweise ganz versteifte Klassikmenschen sind, jegliche Unterhaltungsmusik – ja selbst Operette – brüsk ablehnen. Als sei alles andere niemals wert, darüber – selbst bei einem guten Bier in einer gemütlichen Kneipe mit netter Bedienung – zu diskutieren. Und ich muss gestehen: Ich mag diese Hörer-Typen nicht so gerne.

Mit diesen apodiktischen brüsk-Ablehner-Hörer-Typen (ABAHT) sitze ich nicht unbedingt gerne in der Kneipe. Ständig muss man aufpassen, was man sagt, wen man lobend erwähnt – beispielsweise den Intendanten der Komischen Oper Berlin – Barrie Kosky – und seine Liebe zur Operette; häufig sind diese ABAHTs übrigens auch homophob und – “Nein, ich bin nicht intolerant, aber in meinem Haus wohnt ja kaum noch ein Deutscher!” – politisch irgendwo rechts angesiedelt. Okay, wenn man das jetzt so überzeichnet: Mit solchen Leuten sitze ich natürlich nicht nur ungerne, sondern nie am Tisch. Und schon gar nicht in der Kneipe.

Ich habe übertrieben. Nicht alle ABAHTs sind Homophobiker und Rassisten. Aber ich bin selbst eben von der Sorte, dass ich – fast – jedwede Musik schätzen kann. Ich muss sie ja nicht Zuhause oder unterwegs – wie meist – hören. Aber, wenn beispielsweise der Text eines neuen Songs von Samy Deluxe richtig gut gelungen, der Beat und alle Soundeffekte drumherum dazu richtig schön fett und auf den Punkt produziert sind: Mich kann das sogar begeistern – und dann höre ich das auch mal gerne auf Zugfahrten.

Wichtig ist mir auch die Performance. Wenn eine Singersongwriterin mit schöner – am liebsten etwas mädchenhaft-zerbrechlicher – Stimme irgendwo in Kreuzberg mit ganzem Herzen bei der Sache ist und wir – die Zuhörer – den Eindruck gewinnen, sie singt jetzt wirklich nur für uns und schüttet uns ihr Herz aus: Ich mag das. Auch, wenn ich gar nicht der Singersongwritermusikhörertyp bin.

Was ich sagen will: Ich habe gern Respekt vor etwas. Vor Udo Jürgens zum Beispiel. Udo Jürgens ist Klassik. Geschichte. Groß. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Und ich mag beispielsweise in der gesellschaftlich völlig randständigen zeitgenössischen ernsten Musik – die wir “Neue Musik” nennen – all jene Kollegen am liebsten, mit denen ich neben Fußball auch über jedwede Musik sprechen kann, Leute also, mit denen ich mich noch in Donaueschingen über die besten Udo-Jürgens-Song austauschen kann. Auch, wenn ich noch niemals auf einem Udo-Jürgens-Konzert war – und das auch nicht unbedingt brauche.

Ich mag also alles, was meines Erachtens gut gemacht und authentisch ist. Ist wahrscheinlich gar nichts besonderes. Aber ich beobachte an mir selbst, dass ich für einen Klassikmenschen – der darüber hinaus beruflich höchstens mal mit Jazz zu tun hatte – doch sehr offen bin. Und vielleicht wollte ich bloß sagen, dass ich diese Eigenschaft an mir mag. Weil sie das Leben so schön macht und man so viele Freunde mehr hat.

Es gibt aber auch Musik, die ich nicht gut vertrage. Dazu gehört Mittelalter-Rock mit so Schicksalstexten und Klassik-Pop, insbesondere die ekelhafte Scheiße die dieser Ludovico Einaudi macht. Das ist so widerlich und wer das gut findet, ist für immer doof.

So. Urlaub. Tschüss.

29. Oktober 2014
von Arno
Keine Kommentare

Die 20 lustigsten Komponistennamen (Outtakes)

Die grandios erfolgreiche Serie der 20 lustigsten Komponistennamen von der ganzen Welt, des gesamten Universums und allem darüber hinaus überhaupt mal Denkbaren gleichzeitig auch noch fand so viel Anklang, dass nach vier Folgen – mit den Plätzen 16-20, 11-15, 6-10 und 5-1 – unmöglich Schluss sein kann. Daher hier ein paar Outtakes – zu eurer seelischen Erbauung!

Doch, halt, nein – hier zunächst noch einmal die Gewinner in feinst ausgewählter Reihenfolge:

1. Antonio “Das gute A!” Rosetti (1750-1792)

2. Benjamin Ludwig “The Haufen” Ramhaufski (ca. 1631-1694)

3. Peter Joachim “Fucking” Fick (1708-1743)

4. Heinrich “Bakermen” Backofen (1768-1830)

5. Christian “I believe I can fly” Cannabich (1731-1798)

6. Johann Nicolaus “20 Gramm” Hanff (1665-1711)

7. Hannibal “Was mus, das mus” Orgas (um 1575-1629)

8. Richard “The Shaver” Bartmuß (1859-1910)

9. Theodor Albin “Found Iron” Findeisen (1881-1936)

10. Johann Adam “Die Sandale” Birkenstock (1687-1733)

11. Johann “Thank you, thank you, thank you, thank you” Vierdanck (ca. 1605-1646)

12. Sophie “Horny” Gail (1775-1819)

13. Jacques “Widerkehr” Widerkehr (1759-1823)

14. Abel “Echt ma!” Ehrlich (1915-2003)

15. Carl Joseph “One Dream – One Wood” Einwald (ca. 1679-1753)

16. Georg Wilhelm “Smoking Room” Rauchenecker (1844-1906)

17. Friedrich Wilhelm “The Chicken” Kücken (1810-1882)

18. Henri-Joseph “Schoko” Rigel (1741-1799)

19. Jacobus Clemens “Vaterschaftstest” non Papa (ca. 1512-ca. 1555)

20. Johann “Das Auto” Jeep (1582-1644)

Nicht in die Top 20 geschafft haben es folgende Komponisten, denen dennoch unser Dank gebührt!

Francesco “The Cock” Pennisi (1934-2000)
Heimo “Die Prinzessin” Erbse (1924-2005)
Peter “The Spalt” Ritzen (* 1956)
Joachim “Tal” Neander (1650-1680)
Georges-Henri “Less” Wenick (ca. 1718-ca. 1760)
Michail “Zweiteiler” Bukinik (1872-1947)
Ernst-Lothar “Glutamat” von Knorr (1896-1973)
Jean-Baptiste “Doch doch!” Anet (1676-1755)
Thüring “En” Bräm (* 1944)
Hieronymus Florentinus “The Ghost” Quehl (1694-1739)
Johann Rudolf “Was geht?” Zumsteeg (1760-1802)
Max “Rama” Butting (1888-1976)
Benedictus “Cheesy” Appenzeller (ca. 1480-1558)
Felipe “Maurice” Boero (1884-1958)
Unico Wilhelm “Huch, du bist ja ganz nass!” van Wassenaer (1692-1766)
Giovanni Andrea “Das Metronom” Bontempi (ca. 1624-1705)
Pierre “The Beach Inside” Sandrin (1490-1561)
Fred “Ehe” Malige (1895-1985)
Hans “Ferienkurse” Darmstadt (* 1943)
Johann Abraham “The Car” Sixt (1757-1797)
Alexander “Einmal reicht wohl nicht!” Dreyschock (1818-1869)
Johann Christian Gottlob “Mercedes” Eidenbenz (1761-1799)
Benedikt Anton “The Poser” Aufschnaiter (1665-1742)
Peter “Westernhagen” Freiheit (1940-2001)
Karl Michael “Punkt” Komma (1913-2012)
Ignaz “Cycle” Umlauf (1746-1796)
Adam “Sepp” Gumpelzhaimer (1559-1625)
Gerhard “The Anwesenheit” Präsent (* 1957)
Roman “Die Haube” Haubenstock-Ramati (1919-1994)
Sophie-Carmen “Rechtschreibung” Eckhardt-Gramatté (1901-1974)

29. Oktober 2014
von Moritz Eggert
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NMZ(S) – ruhe in Frieden?

Da anscheinend einige Kommentatoren momentan auf unseren Seiten landen, weil sie sich über den viel zu frühen Tod des Düsseldorfer Rappers NMZS von der “Antilopengang” informieren wollen, hier eine Nachricht von seiner Fast-Namensbase NMZ (Neue Musikzeitung) und den dazugehörigen Bloggern (mir):

Wir sind auch traurig über den Tod von NMZS! Die Verwechslung eines sympathischen und hochtalentierten Rappers aus Düsseldorf mit uns (der sympathischen und freiheitlichen Neuen Musikzeitung, die als letztes die großen Werte….aber ich schweife ab) ehrt uns. Ich selber kannte seine Musik bisher nicht sehr gut, habe mir aber inzwischen einiges angehört und finde es prima (ebenso wie die “Antilopengang”). Unschlagbar die Refrainzeile dieses Liedes…

da hätte auch Teddy Adorno seine Freude dran gehabt!

Und ja, Depression ist eine Scheißkrankheit.

Und beschreibt das folgende Lied nicht genau das Dilemma eines typischen jungen Neue-Musik-Komponisten auf der Suche nach ein bisschen Liebe (und Geld)? :

Wie auch immer, auch hier wollen wir diesen Künstler würdigen und verweisen ausdrücklich auf diese Meldung.

Der Deutsche Rap hat einen großen Künstler verloren.

Moritz Eggert

28. Oktober 2014
von Arno
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Die 20 lustigsten Komponistennamen (Folge 4)

Oh ja! Die Musikwelt hält den Atem an! Denn – nach den Plätzen 16-20, 11-15 und 6-10 – kommt hier: Das Finale! Die fünf lustigsten Komponistennamen des ganzen Universums aller Zeiten und darüber hinaus auch!

PLATZ 5
Christian “I believe I can fly” Cannabich (1731-1798)

Cannabich

Kaum ein Name ist so eng mit der Geschichte der Drogenszene Mannheims verbunden wie der von Christian Cannabich. Als drittes Kind des Öko-Anbauers Matthias Franz Cannabich wurde der kleine “Chris” am 28. Dezembertage des Jahres 1731 in der Kirche zum Heiligen Lammbock in Mannheim getauft. Sein Vater präludierte für einen im halblegalen Bereich angesiedelten Landwirt passabel auf der Flaute und gab seine Liebe zur Musik an die Kinder weiter. So erlernte Christian Cannabich früh das Geigenspiel und wurde bereits im Alter von zwölf Jahren zusammen mit seinem Adoptivbruder aus Jamaika – Ja, ein Schwarzer! Na und?!? – Mitglied der Mannheimer Hofkapelle, dem obersten Kifferverein von ganze Welt. Aufgrund zahlreicher Delikte im Bereich “Kauf & Verkauf” ging Cannabich 1752 für sechs Jahre nach Rom, um dort bei dem Komponisten Niccolò Jommelli zu “studieren”. Von 1758 bis zu seinem Tod 1798 war Cannabich als Geiger und später als Musikdirektor bei der Mannheimer Hofkapelle psychoaktiv. Unvergessen bleiben seine “Variationen über die Töne THC” – und seine zahlreichen geistlichen Werke, wie “Denn alles Gras, es ist wie Fleisch”, “Was Pot tut, das ist wohlgetan”, “Wer Pot vertraut, hat wohl angebaut”, “Eine feste Burg ist unser Pot”, “Wär Pot nicht mit uns diese Zeit” und vor allem “Allein Pot in der Höh’ sei Ehr'”.
Maßstäbe setzte Cannabich jedoch in erster Linie als Orchesterleiter, der seine Untergebenen auf Probenwochenenden in der Pampa stets mit ausreichend “Genussmitteln” auf Trab hielt. Auf Cannabich geht angeblich die Einführung des einheitlichen Drogenstriches Bogenstriches zurück. Zumindest perfektionierte er seine Methode der Orchestererziehung derart, dass – dem Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart zufolge – ein “kurzes, verpeiltes Grinsen” des Instrumentalmusikdirektors genügte, um – in Erinnerung an den jeweils vorangegangenen “bunten Abend” des Orchesters – eine mega-entspannte Wiedergabe des jeweiligen Werkes durch alle Beteiligte zu ermöglichen.

PLATZ 4
Heinrich “Bakermen” Backofen (1768-1830)

Backofen
Um 3 Uhr morgens am 6. Juli im warmen Schaltjahr 1768 wurde Johann Georg Heinrich Backofen in Durlach – heute ein Stadtteilchen von Karlsruhe – geboren. Sein Vater war der Lieblingskonditor des Markgrafen von Baden und zugleich Mitglied der markgräflichen Hofkapelle. Mit zwölf Jahren kehrte die aus Nürnberg stammende Familie nach Nürnberg zurück, wo die Familie ursprünglich herstammte (nämlich aus dem Christkindlmarktsstädtchen Nürnberg). Hier, in Nürnberg, studierte Backofen bald diverse Fächer, so Musik, Malerei, Ernährungswissenschaften und Ägyptologie (der Ausruf “Ägypten das hier auch was zu essen?” geht vermutlich auf Backofen zurück). Besonders gut beherrschte Backofen die Zubereitung von Hefezöpfen und das Spiel auf der Klarinette, die mit ihm auf kulinarische Rundreisen durch mehrere Länder ging. Neben unzähligen Klarinettenkonzerten entstanden so das große Oratorium “Ich hab’ mein Sachertorte Gott heimgestellt”, das Konzert für Mandelhörnchen und Streichbutterorchester in Ess-Dur, sowie die himbeergeistlichen Kantaten “O Brot, wie bitter bist du” “Was bist du doch, oh Mehle, so betrübet”, “Die Torte sie sollen lassen stahn” und “O ewig Teig, du Donnerwort”. Irgendwann ging Backofen – warum auch immer – nach Darmstadt, weil er nämlich Mitglied der dortigen Hofkapelle wurde. Dort starb er 1830 an einer mittelstufigen Hitzewallung.

PLATZ 3
Peter Joachim “Fucking” Fick (1708-1743)

Wegen seines ungewöhnlichen Namens wurde er zu Lebzeiten häufig ausgelacht, denn “Peter Joachim” klingt schon ziemlich doof (to be honest). Fick wurde in einem kahlen Landstrich irgendwo in Germany im Wechseljahr 1708 geboren. Viel ist uns über sein ausschweifendes Leben nicht bekannt, nur, dass er vermutlich aus einer hamburgischen Familie von Stadtpfeiffern stammt und 1730 am Schweriner Hof angestellt war. Dort, in Schwerin, starb Fick am 26. Dezember 1743. Danach geriet sein Werk gänzlich in… äh… Dings… Egal! :-)
Zeitlebens begeisterte sich Fick für die Musik seines Kollegen Antonio Vivaldis – viele seiner Werke sind durch Abschriften Ficks überliefert. Fick ist heute fast nur noch unter Hornysten bekannt. Gesellt man sich unter diese, so kann man Sätze wie “Ich übe gerade Strauss 2 und Gliere – und du?” oder “Fack, ich muss mir gerade so’n modernes Solostück reintun!” aufschnappen. Ab und zu heißt es aber auch: “Ich spiele nächsten Sonntag Fick!” – “Ah, Fick! Cool! Natur oder Ventil?”
Große Konzerthäuser des deutschsprachigen Bereichs widmen sich dem musikalischen Nachlass des Komponisten in der kommenden Spielzeit jedoch ausführlicher, so veranstaltet das Konzerthaus Dortmund unter dem Motto “Fick in allen Sälen” einen “Fick-Marathon”, mit Fick-Musik aus allen Schaffensperioden und einer Fick-Ausstellung im historischen Christian-Gottlieb-Arsch-Saal. Für die kleinen Klassikliebhaber gibt es ein spezielles Angebot mit dem jugendlich-modernen Titel “Let’s Fick!”: Musiker aus dem Orchester zeigen ihre “Instrumente” und wer will, darf auch einmal blasen oder streiche(l)n!

PLATZ 2
Benjamin Ludwig “The Haufen” Ramhaufski (ca. 1631-1694)

Zeitreise: Prag, 1631: Bämm, bämm, bämm – und schon wieder ein neues Balg: als 101stes Kind wird Benjamin Ludwig Ramhaufski so ganz nebenbei geboren! Schon früh wurde der ganze Haufen der Raumhaufski-Kinder zum Chor des Fürsten Martenitz zu Passau geschickt. Dabei verstarben alle 100 Geschwister des kleinen “Bennis” (oh nein, voll traurig hey… Stimmt auch gar nicht!). Nur der kleine Benjamin Ludwig Ramhaufski blieb übrig. Ab 1648 studierte Ramhaufski im oberösterreichischen Lambach eine ganze Palette von Orgelwerken. 1655 heiratete Ramhaufski die Organistin Anna Schwertleite Dummbummski und die beiden zusammen bekamen 181 Kinder, von denen alle (kleiner Trost jetzt zu siehe oben) sehr alt wurden und glücklich starben. Ramhaufski Senior selbst verendete am 19. Januar 1694 in Lambach an einer unheilbaren Avocadovergiftung und wurde unter einem von indischen Kinderhänden selbstgeharkten Laubhaufen liebevoll verscharrt.

PLATZ 1
Antonio “Das gute A!” Rosetti (1750-1792)

Rosetti
[Trommelwirbel, wie quasi dal niente und aus dem Nichts... Langsam, wie Watte einsetzende Blechbläser... Ein plötzlich hochfahrendes Gesamt-Orchester im Tutti: "Schrummps-badedallam, pa-Schrumms-dadedallam, tratatataaaaaaaaaaaaaaaaa-Busch-Bitsch!"] Hier ist er, unser Sieger, unser Gewinner, unser Erstplatzierter: Antonio Rosetti – der lustigste Komponistenname von alle Zeiten für ganz immer!
Sein Name ist eigentlich für’n Arsch, denn Rosetti – der Erfinder von Harald Schmidts Puppenserie “Bimmel und Bommel” und zugleich Schöpfer der glamourösen Hämorrhoiden-Ouvertüre – stammt aus dem nordböhmischen Leitmeritz (heute “Litomerice” – “oder so ähnlich”, wie Christian Thielemann sagen würde…) und hieß eigentlich (auch) Anton Rös(s)ler oder – völlig abgefahren – Franz Anton Rösler.
1750 geboren erhielt Rosetti seine musikalische Ausbildung bei Jesuiten (no comment). Danach, so heißt es, führte Rosetti, trotz heftigen Juckschmerzes, ein Wanderleben. Auf seinen Reisen durch Polen und Frankreich entstanden zahlreiche auch heute noch popoläre Werke, so die Popolonaise As-Dur (“Grande popolonaise érotïque”) für zwei Klaviere zu drei Händen (die eine Hand… ach, egal!), zahlreiche Militärmusiken – so der “Türkische Arsch”, “Siegberts Trauer-Arsch”, der “Kleine Wiener Arsch” – sowie die legendären Smash-Hits “Finger in Po: Mexiko!” und “Hintern-Horizont geht weiter”.

1785 wurde Rosetti schließlich Kapellmeister am Hofe zu Wallerstein im schwäbischen Landkreis Donau-Riss. After a while fand er eine Frau und machte mir ihr flugs drei Babies. Geplagt von Geldsorgen zog es ihn 1789 an den Hof des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin an den “Arsch der Welt” (Goethe über Ludwigs’ Lust). Dort starb er am 30. Juni 1792.

Vor einigen Jahren nahm das großartige Kurpfälzische Kammerorchester unter Johannes Mösus – mit Anton Steck als Solisten – die herrlichen Violinkonzerte Rosettis auf CD auf. Eine schönere, versautere Würdigung kann es nicht geben. Und die CD existiert wirklich. Ich schwöre voll!

Ich verabschiede mich! Wir sehen uns am nächsten Donnerstag beim SCHEISS-KACK-Tourette-StammtischDU ARSCH!!!Steck

Anna Netrebko

27. Oktober 2014
von Moritz Eggert
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Die Welt hält den Atem an: Die ECHO-Klassikpreise wurden wieder verliehen! Bericht aus München!

…und schon seit mehreren Wochen ist meine Mailbox voll mit den tollen Pressemeldungen dieses monumentalen Ereignisses (“ECHO-Klassik! ECHO-Klassikpreise! Wahnsinn! Supie!”). Was wäre die Klassikwelt ohne den ECHO? Vielleicht ein wenig glaubwürdiger, weniger sich anbiedernd, weniger hohl….aber ich schweife ab! Die Klassik befindet sich ja auch nicht im Ausverkauf sondern ist so lebendig wie noch nie, wie auch der Visagistenverband Baden-Württemberg neulich noch einmal ausdrücklich bestätigt hat!

Nun ist es also meine ehrenvolle Aufgabe, die letzte und abschließende PR-Meldung über die wie jedes Jahr unglaublich spitzenmäßig erfolgreiche Gala auch euch, den lieben Lesern unseres Blogs, zu verkünden. Damit ihr wisst, was ihr (und ich) alles tolles verpasst habt (habe), als ihr gestern den Fernseher wie immer nicht eingeschaltet habt – schämt euch, ihr Kulturbanausen!

Anna Netrebko

Anna Netrebko auf dem Balkon ihres New Yorker Appartments. Ok, das ist jetzt nicht Anna Netrebko selber, die hier zu sehen ist (duh!) – das richtige Bild von ihr auf dem Balkon könnt ihr aber auf ihrer Facebookseite finden. Dieses Bild ist aber – ob ihr’s glaubt oder nicht – AUCH von Anna Netrebko. Und zwar von ihr ganz persönlich fotografiert. Und auch von ihrer Facebookseite. Ich finde es irgendwie süß, dass sie so einen kleinen Schneemann von sich gebaut hat und diesen dann auch fotografiert. Ich glaube, dass Anna Netrebko eigentlich ziemlich nett ist, nicht so zickig, wie es manche behaupten. Wahrscheinlich liest sie auch diesen Blog. Also ich mag sie echt gerne! Und singen kann sie auch….

ECHO Klassik-Verleihung 2014: Stars der Klassik und Newcomer bei glamouröser Gala in der Münchner Philharmonie im Gasteig geehrt.

München, 26. Oktober 2014 – Nach fünf Jahren kehrte der ECHO Klassik, eine der wichtigsten Preisverleihungen der klassischen Musik, nach München zurück und feierte die Stars der Klassik mit einem rauschenden Fest in der Philharmonie im Gasteig in München. Auch danach waren viele noch berauscht, vor allem von sich selber. Nina Eichinger und Rolando Villazón führten ohne jeglichen Witz und Charme…ach Quatsch, mit GANZ VIEL WITZ UND CHARME, haha, charmanter Witz von mir, hihi durch die Gala, die noch am selben Abend um 5 Minuten zeitversezt vom ZDF übertragen wurde (um die peinlichen Momente schnell noch rausschneiden zu können) und die ab sofort schon nicht mehr in der ZDF-Mediathek zu sehen ist. Nach der Übergabe der begehrten ECHO Klassik-Trophäen trafen sich Künstler, Laudatoren, Moderatoren, geifernde Agenten, geldgierige Luden, Kokaindealer, diverse kommende Pornostars und prominente Gäste aus Kunst, Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, darunter Patricia Riekel, Heinrich Schafmeister, Simone Kermes, Claus Kleber, Susanne Porsche, Wolfgang Heubisch, Ellen Kessler, Hans Sigl und Alexander Mazza, um gemeinsam bei der ECHO Klassik-Night (oder ist es “Classic Nacht”?) über die diesjährigen Preisträger bis spät in die Nacht abzulästern.

Höhepunkte der TV-Sendung
Den Reigen der auftretenden Künstler eröffnete die „Sängerin des Jahres“ Anna Netrebko mit ihrem inzwischen schon legendären halbnackten Selfie auf dem Balkon ihres New Yorker Appartments, ihr folgten Anne-Sophie Mutter, die für die „konventionellste Konzerteinspielung des Jahres“ geehrt wurde, und Igor Levit in der Kategorie „Solistische Klavier-Solo Einzeleinspielung des Jahres“. Diana Damrau, ausgezeichnet in der Kategorie „Klassik-ohne-Grenzen-Preis“, nahm mit „I could have danced all night“ aus „My Fair Lady“ die mikrotonale Stimmung der ECHO Klassik-Night bereits vorweg. David Garrett bekam einen ECHO Klassik als „Lustknabe des Jahres“ überreicht, Piotr Beczala erhielt die Trophäe in der Kategorie „Anna Netrebko-Bühnenpartner des Jahres“. Der Hornist Felix Klieser war als „Nachwuchskünstler des Jahres“ auf der Bühne, aber nur ganz kurz, denn den kennen noch zu wenige. Ein besonderes Highlight war die Verleihung des ECHO Klassik an Nikolaus Harnoncourt, mit dem ein besonders skurriles Zitat dieses herausragenden Künstlers gewürdigt wurde. Darin bricht er eine Lanze für einen immer wieder neuen und grammatikalisch falschen Blick auf die Musik: „Ich will, dass die Musik, genauso wie alle anderen Künste übrigens auch, uns immer noch etwas zu sagen haben.“
Noch spät am Abend wurden die Fans von Harnoncourt mit dem speziell für die Gala kreierten Fan-Button “Ich will, dass die Musik uns immer noch etwas zu sagen haben!” in manischer Ekstase gesichtet.

Fast alle Preisträger persönlich vor Ort
Bei der ECHO Klassik-Verleihung war die ganze Bandbreite der Welt der klassischen Musik vertreten: Fast alle der insgesamt 48 Preisträger konnten die Einladung nach München wahrnehmen und verfolgten mit Gesichtslähmung und wachsendem Fremdschämen die Geschehnisse auf der Bühne. Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer der Drückerbande Musikindustrie, freute sich ganz besonders über das zunehmende Vergreisen der Zuschauer und fasste den Abend so zusammen: „Wieder einmal durften wir gemeinsam einen herausragenden ECHO Klassik erleben – an dieser Stelle ganz herzlichen Dank an alle, die zu dieser eindrucksvollen Preisverleihung beigetragen haben. Dies gilt vor allem den Künstlern, aber natürlich auch dem ZDF, dank dessen großartiger Unterstützung auch die vielen Klassikfans zu Hause in den Genuss dieses feierlichen musikalischen Abends gekommen sind.“
Ganz besonders herzlich dankte Drücke auch dem Ehepaar Johann und Jutta Wimmer aus Wuppertal, die als einzige Menschen in ganz Deutschland die gesamte Liveübertragung fast bis zum Schluss verfolgt hatten (bis Schwester Luise im Seniorenheim den Strom abdrehte).

Einige der Preisträger, wie das Alliage Quintett mit József Lendvay (Kategorie „Beste Saxofonquartett mit Klavier-Bearbeitungen von bekannten und ohnehin schon tausend Mal gespielten klassischen Werken, die die Welt dringend braucht“) oder das Freiburger Barockorchester mit Pablo Heras-Casado (Kategorie „Qualitativ hochwertigste ECHO-Preis-Annahme des Jahres“) freuten sich über ihre wiederholte ECHO Klassik-Auszeichnung, die von manchen als Geringschätzung ihrer Arbeit gesehen wird. Andere Künstler, wie das Trio Imàge („Welt-Ersteinspielung eines schon vormals eingespielten Werkes des Jahres“), waren zum ersten Mal dabei und vollkommen megabegeistert über den geilen Empfang in München, das Blitzlichtgewitter am Roten Teppich, die vielen sich-die-Kleider-vom-Leib-reißenden Groupies und die bedrückende und neidgeschwängerte Atmosphäre im Saal während der Verleihung und die angespannte Stimmung auf der ECHO Klassik-Night (oder Classic-Nacht?) , wo ihnen deswegen so viele Bekannte aus der Musik- und Unterhaltungsbranche nicht mehr gratulieren konnten, weil sie noch ganz dringend in’s P1 mussten.

Moritz Eggert

26. Oktober 2014
von Arno
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Die 20 lustigsten Komponistennamen (Folge 3)

Nach dem legendären Erfolg der Teile I (Plätze 16-20) und II (11-15) der 20 lustigsten Komponistennamen aller Zeiten weltweit: Endlich! Folge III! Juchhu!

PLATZ 10
Johann Adam “Die Sandale” Birkenstock (1687-1733)

Die Familie Birkenstock stampft aus dem beliebten Wandergebiet des hessischen Vogelsbergkreises. Von dort aus ging die Familie bald in modisch diskussionsunwürdigen Schuhen nach Kassel, um sich hier erschöpft und mit Blasen an den Füßen niederzulassen. In der bequemen Metropole Nordhessens bekam der kleine Johann Adam musikalische Unterweisungen von Ruggiero “Zalando” Fedeli, doch vor allem durch die Förderung des Herzogs Karl wurde Birkenstocks Laufbahn positiv beeinflusst. Denn dieser ermöglichte ihm 1709, in die mächtigen Fußstapfen seines hier nicht näher genannten Vorgängers zu treten, um Sologeiger an der Dresdner Hofkapelle zu werden. Nach Jahren der Wanderschaft ging Birkenstock als Kapellmeister an den Hof des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach in Eisenach, wo er am 26. Februar 1733 an einem unbehandelten Fußpilz verendete.

PLATZ 9
Theodor Albin “Found Iron” Findeisen (1881-1936)

Jeder Kontrabass-Spieler kennt ihn, keiner schätzt ihn: Theodor Albin Findeisen – Erschaffer zahlreicher Kontrabass-Lehrbücher, eisenharter Folterknecht für verloren dreinschauende Stahlsaiten-Hengste. Am 1. Oktober 1881 in Zeitz (Sachsen-Anhalt) geboren, konnte er sich – im Gegensatz zu den sonstigen Einwohnern seines Heimatdorfes – schon früh geradezu geschliffen ausdrücken. Trotz glänzender Aussichten im Hinblick auf eine Musikerkarriere entschied sich Findeisen für eine schlecht bezahlte Ausbildung zum Grobmotoriker und studierte Kontrabass. Nach dem Wehrdienst wurde Findeisen Kontrabassist im Leipziger Gewandhausorchester, wo er den bis heute nicht verwendeten Rosthaarbogen einführte. Weil man bekanntlich als Kontrabassist mit orchestraler Festanstellung nie wieder Zuhause üben muss, blieb Findeisen extremst viel Zeit, um Werke wie die populäre Nixenreigen-Fantasie op. 9 für Kontrabass und Klavier zu komponieren. Vermutlich angeödet von Leipzig und Umgebung und zudem gezeichnet von einer misslungenen Tetanusimpfung starb Findeisen absichtlich am 3. März 1936 in der Nähe seines Geburtsortes. Voller Freude hinterließ er eine Frau und zwei Kinder.

PLATZ 8
Richard “The Shaver” Bartmuß (1859-1910)

Bartmuß
Richard Bartmuß wurde am 23. Dezember 1859 in Schleesen (Landkreis Wittenberg) in eine Familie von Hipstern hinein geboren. In Berlin, wo er kurze Zeit mit der Haare-Krishna-Sekte sympathisierte, studierte Bartmuß Kirchenmusik und machte mit Kantaten wie “Warum sollt’ ich mich denn cremen?”, “Wie fön leuchtet der Morgenstern” und “Heut’ rasieret Gottes Sohn” erstmals auch als Komponist auf sich aufmerksam. 1885 wurde er Organist der herzoglichen Friseursinnung zu Dessau. Der Urgroßvater von Cecilia Bart-Oli gelangte vor allem als Reformer des musikalischen Ablaufs evangelischer Gottesdienste zu Ruhm, bevor er sich unglücklicherweise immer mehr in seine inzwischen undurchdringliche Bartpracht verstrickte. Bartmuß starb am 25. Dezember 1910 über dem Manuskript seiner Komposition “Wer bis an das Ende behaart. Variationen über ein Thema von Felix Mendelssohn Bart-Oldie”.

PLATZ 7
Hannibal “Was mus, das mus” Orgas (um 1575-1629)

Nur wenig ist uns über das Leben des Frauenschwarms Hannibal Orgas geläufig. Um 1575 wahrscheinlich in der bezaubernden Adriametropole Ancona geboren, verschlug es den jungen Hannibal wohl früh nach Rom, wo er als Kapellmeister die Zwölfton-Stellung erfand, auf die sich später Arnold Stöhnberg beziehen sollte. 1622 kam Orgas in nach Krakau. Dort ent- bekleidete er den Posten des Domkapellmeisters – fraglos der Höhepunkt seiner steilen Karriere. Aus seinem umfangreichen Schaffenskatalog – nur wenige Werke sind überliefert – stechen die Kantaten “Aus geiler Lust schrei ich zu dir” und “Ich will den Massagestab gerne tragen” heraus. Orgas starb zutiefst entspannt und zufrieden an einem herrlichen Juli-Morgen 1629 in Krakau.

PLATZ 6
Johann Nicolaus “20 Gramm” Hanff (1665-1711)

Auch hinsichtlich der Informationen über das Leben von Johann Nicolaus Hanff offenbart die historische Musikwissenschaft große, ja lachhafte Gedächtnislücken. Im thüringischen Wechmar aufgewachsen, erhielt Hanff – ein Urahne von Carl-Marihuana von Weber – früh Unterweisungen im richtigen Gebrauch von Orgelpfeifen. Das sicherte ihm bald einige bedeutende Stellen als Kirchenmusiker in sonnenbeschienenen Landstrichen. In Hamburg-Süd lebend wurde der junge Johann Mattheson sein Schüler. Mit Mattheson verband Hanff – bald sprach man von den beiden nur noch als “Gras-Paar de la Nuit” – eine enge Freundschaft, aus der heraus das berühmte Lehrwerk “Grasus ad Parnassum” entstand. Nach den Stationen Lübeck und abermals Hamburg übernahm Hanff 1711 die etwas weniger stressige Organistenstelle am Dom im liberalen Schleswig. Noch imselben Jahr verstarb Hanff dort – mit einem zufrieden-gechillten Grinsen im Gesicht. In den letzten Jahren geriet das Leben des Komponisten und Organisten medial noch einmal besonders in den Fokus, als der – freilich völlig zu Unrecht als Literatur-Nobelpreisträger ausgezeichnete – Pfeiferaucher Günter Gras eine fiktive Biographie mit dem Titel “Mein Hanff” veröffentlichte.

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24. Oktober 2014
von Alexander Strauch
2 Kommentare

Eine gruselige Kleinigkeit II

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Es geht nochmals um Werner Egk, s. die ersten Buchstaben des Titels. Hier eine Auflistung einiger Stellen aus dem HJ-Film “Jungens” aus dem Jahre 1941, heute ein Vorbehaltsfilm, wozu Werner Egk die Musik komponierte. Zur Erinnerung: nach dem 2. Weltkrieg galt er als unbelastet, mit dem Skandal um das 1948 von CSU-Kunstminister Hundhammer verhängte bayerische Verbot seines Balletts “Abraxas” wurde aus dem für NS-Propagandafilme komponierenden Mann ein Revoltierender der frühen Nachkriegszeit, bald mit etlichen Ehrungen und Würden, wovon posthum gar Strassenbenennungen, s. Werner-Egk-Bogen in München, oder Schulen wie die Werner-Egk-Grundschule in Augsburg zeugen oder die Werner-Egk-Musikschule in Donauwörth. Wie im letzten Beitrag geschildert, geht es in “Jungens” darum, wie in einem öden Fischerdorf durch das wirken eines HJ-Anführers und Lehrers aus den Kindern des Ortes dem NS-Staat genehme junge “Volksgenossen” werden, ja, das ganze Dorf davon infiltriert wird. Dazu reichlich Bilder von marschierenden, feiernden und Sport treibenden HJ- und BDM-Kindern mit viel Musik, Jubel, Wehrsport, Hakenkreuzfahnen und NS-Uniformen, bevorzugt mit Varianten von Werner Egks Vertonung des “Marsches der deutschen Jugend”. Genau diese Stellen sollten das Adrenalin der Zuschauer anreizen, ihre Kinder dem Staate zur Verfügung zu stellen, mitten im Kriege wohl als Kanonenfutter. Beim letzten Punkt der Liste stellt sich die Frage, ob man Egk gar selbst dirigieren sieht, hat er doch lt. Credits einer anderen Aufstellung neben der Komposition die musikalische Leitung inne. Ganz unten ist der Film verlinkt, um dies selbst zu überprüfen. Kann man da die posthumen Ehrungen noch aufrecht erhalten, liebe Städte München, Augsburg und Donauwörth? Die Sache wird noch komplizierter, da Teile der Filmmusik von einer musikantischen Qualität sind wie Egks wichtigere Werke, also nicht einmal musikalische Unlust ist zu vernehmen, nein höchstes Vergnügen beim Komponieren, s. die BDM-Gymnastik und deren Fortsetzung im nachfolgendem Moment, wenn der Dorfwirt expressionistisch einen HJ-Jungen bedroht, alles ab 00:42:05. Hier die Liste mit markanten Stellen von Musik Egks mit Verherrlichung der HJ:

1.) Vorspann mit Ouvertürenvariante Marsches der deutschen Jugend von Werner Egk, bei 00:00:13 wird sein Name eingeblendet, schlechte Bild- und Tonqualität: 00:00:00-00:02:05
2.) Aus der Grossstadt wird der HJ-Anführer mit Dschingderassabum, Marsch der HJ, Uniformen- und Flaggenmeer mit marschierenden Minderjährigen zur HJ-Missionierung ins Dorf verabschiedet, dazu Egks Marsch, besseres Bild- und Tonmaterial: 00:11:05-00:11:48
3.) Die Dorfbuben bekommen Uniformspenden, das berühmte braune Hemd mit Hakenkreuzarmbinde, die Musik mal im Vordergrund, mal im Hintergrund, aber immer Egk präsent: 00:34:32-00:36:30
4.) Sportfest mit HJ-Wettkämpfen, dazu stimulierende Egk-Musik: 00:37:13-00:38:42
5.) BDM-Gymnastik, im weiteren Verlauf Verdüsterung der Musik und Szene, als der Dorfwirt einen “wahrheitsliebenden HJ-Jungen” mit den Schmuggeleien seines Vaters unter Druck setzt, nichts davon zu verraten, denn die HJ ermittelt auch, dazu die propagandistischen Intentionen unterstreichende Egk-Musik: 00:42:05-00:44:09
6.) Direkt anschliessend singen HJ und das ganze Fischerdorf mit verklärten Augen “Es fährt ein Schiff auf dem Strom der Zeit” auf einen Text von Hans Fritz Beckmann, einen der wichtigsten Liedtextautoren für Filme des 3. Reichs wie der Nachkriegszeit, der sich damit genau wie Egk in den Dienst der Kanonenfutter-HJ-Propaganda stellte, Musik des Marschs der deutschen Jugend: 00:44:10-00:45:28
7.) Die “mutige” HJ-Jugend Räuber und Gendarm spielend auf Profi-Schmugglerjagd mit stimulierender Egk-Musik: 01:10:56-01:12:40
8.) Die Dorf-HJ fährt zum Gau-Wttkampf um einen der ihren dort anzufeuern, dazu Marschvariationen, glücklich guckende HJ und BDM-Angehörige, eine grosse Kamerafahrt in den Vordergrund zu einem die Szenenmusik spielenden Orchester, das von jemand dirigiert wird, der Egk höchstpersönlich sein könnte, wobei er anscheinend zumindest die Gesamteinspielung der Filmmusik dirigierte, s.o., und sich so doppelt in den Dienst des NS-Staates und der HJ-Kanonenfutterpropaganda stellte, nach dem heute noch Strassen und Schulen zur Bildung unserer heutigen Kinder benannt sind, der damals mit seiner Filmmusik zur regimetreuen Jugendbildung beitrug – wer da noch Ehrungen auch in Institutionen des Musiklebens aufrechterhält und Egk verteidigt, Prost, Mahlzeit, denn dieses NS-Engagement relativiert alles spätere im Leben Egks, der, s. sein Vorgehen gegen die Aufklärungsversuche Konrad Boehmers, mit allen Finten dieses NS-Engagement zu kaschieren versuchte und obendrein genau den Nachfolgern der 2. Wiener Schule im BR-Rundfunkrat das Wirken in der musica viva eindampfen ließ, deren Vorbilder im NS-Staat als entartet galten und für den Egk komponierte, da das Feld ja um diese Konkurrenz bereinigt war: 01:15:30-01:18:22

Hier der widerliche Film:

https://archive.org/embed/1941-Jungens

Hier zusammengefasst die Filmausschnitte mit Musik Egks zu NS-Symbolen aus “Jungens” (1941), Regie: Robert A. Stemmle, Musik: Werner Egk:

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Möge den Ehrungen Egks bald ein Ende bereitet werden, v.a. was Strassen und Schulen betrifft!

badboy_gaelic

22. Oktober 2014
von Alexander Strauch
4 Kommentare

Eine gruselige Kleinigkeit – Marsch & Musica Viva

Wer die Anfangsbuchstaben der drei ersten Worte des Titels liest, weiß worum es gleich in aller Kürze gehen wird: um Konrad Boehmer. Und um Werner Egk. Was nicht vergessen werden sollte, wie sich der vor kurzem verstorbene Konrad Boehmer mutig mit Werner Egk selbst vor Gericht stritt, wenn es um das Verhalten des letzteren im 3. Reich ging. Dazu einfach mal auf Wikipedia nachschlagen.

Die meisten dürften nur vom Hörensagen wissen, dass Werner Egk 1941 einen “Marsch der deutschen Jugend” für einen HJ-Film namens “Jungens” komponierte, heute noch ein sogenannter Vorbehaltsfilm, wie Leni Riefenstahls Olympiafilm. Zusammengefasst geht es darum, wie toll die HJ doch im abenteuerlichen Aufklären von Verbrechen von “Volksschädlingen” sei und wie toll es sei, dabei zu sein, um als künftiges Kanonenfutter auf richtige Linie gebracht zu werden. Die Musik wird kaum bekannt sein. Nun fand ich im Netz den folgenden Film, der diese Trompeten übersättigte Musik zum Erklingen bringt. Nichts besonderes, könnte man sagen. Aber doch strahlend genug, um im Kontext dieses Filmes wohl dessen verführerischen propagandistischen Charakter treffend zu unterstreichen, Affirmation des NS-Staates im schlimmeren Sinne:

Wenn man dann einer alten Spiegel-Ausgabe noch eine Stelle entnimmt, dass Egk durch Vorspielen eines Ligeti-Stückes den damaligen BR-Rundfunkrat über Inhalt und Zwecke der musica-viva-Reihe “aufklärte” und zu Mittelstreichungen zu Lasten dieser Reihe beitrug, fällt nun der letzte Respekt gegenüber Egk. Wann geht die Stadt München als Vorbild voran und benennt den Werner-Egk-Bogen in Konrad-Boehmer- oder gar György-Ligeti-Bogen um?

badboy_gaelic

20. Oktober 2014
von Alexander Strauch
2 Kommentare

Donaueschingen 2014, endlich in Fahrt und wieder vorbei

Sie sind vorbei, wo sie doch heute so richtig zu schmecken begannen: die Torten im Cafe Hengstler. Da es diätisch nicht korrekt wäre und eine Kuchensuchtpandemie auslösen würde, verzichte ich auf Fotos. Ausserdem wird es mal wieder Zeit für ein Musik-mit-Bildern-Verbot nach all den Stücken mit Filmprojektionen. Immerhin meinte gar eine angesehene Flötistin der zeitgenössischen Musik, dass ich dünner geworden sei – wie mein Ex-Lehrer, siehe „erster Abend“-Text – erspare ich Ihnen/Euch auch Donaueschingen-Selfies. Denn die grösste Erkenntnis dieser Musiktage: alle „ICE-nach-Donaueschingen-Selfies“ sind gefakt. Nicht nur wegen dem GDL-Streik, nein, aus performativen und ästhetischen Gründen, gell, lieber M.!? Aber dies ist jetzt wieder zu viel Komponisten-Insider-Getöse, wie sich meine beiden heute kennengelernten SWR-Blogkollegen in Hinsicht auf den Badblog äusserten. Rückblickend… sind das schon genügend Sätze, um sich wieder mit Mitmenschen zu überwerfen. Soll ich nun über den dritten Tag weiterreden?

Aber es war gar nicht so krass, um wie am Vorabend und ersten Teil des zweiten Tages herumzukritteln! Statt an den Rheinfall zu fahren, erwies sich das heutige Vormittags-Ensemblekonzert als alles andere als einen Reinfall wie der umgestellte Beginn des gestrigen. Das bestens aufgelegte Ensemble Modern mit Jonathan Stockhammer als Dirigenten gönnte sich zwar marginale Zählschnitzer in heikel-ruhigen niederwertigen Obertonaufzählern in Peter Ablinger „points & views“. Was aber insgesamt aus den instrumentierten Formantanalysen von alten, verrauschten Sprachkurs-do-it-yourself-Kassetten herauskam, war 15 von 20 Minuten durchaus unterhaltsam. Beides erklang parallel. Zum Verdeutlichen konzeptuell unbedingt notwendig. Exemplarisch warf dieses reizende Stück aber die Frage auf, ob aus Sprache abgeleitete Musik nicht mal selbst zu sprechen anfangen dürfte, mit ihren eigenen Mitteln, losgelöst von Audio- und Textvorlagen, wie es eben das Kunstlied auch ab und an vollzog. Wenn aus den Obertonaufzählerintermezzi z.B. eigene Obertonmelodien gekreuzt mit streng enttextualisierten, nur z.B. alphabetisch angeordnete Restformanten wären, hätte Ablinger garantiert das Thema „Melodie“ prickelnder beantwortet, als das Klavierkonzertlein „Melodictionnaire“ von Krystof Maratka. Das suchte seinen Pfad zwischen Rachmaninow und Messiaen, wollte eine lockerere, fröhlichere Herangehensweise an Handwerk als die gestrengen Werke von Rihm oder Poppe, letzterer z.B. letztes Jahr. Die Doppelbegabung viriler Pianistenkomponist wurde Maratka aber zum Verhängnis, so dass man mal wieder den Eindruck hatte, ein wichtiger Verlag lässt einen seiner Verlegten verlegen die wichtigsten Festivals abgrasen um dann irgendwann einmal damit die zeitgenössische Relevanz ihres Komponierenden gegenüber Opernhäusern oder Philharmonien nachzuweisen. Hätten die Musiktage zum Beispiel spontan ein open-air für die Normalverbraucher des verkaufsoffenen Musiktage-Sonntags an der Donauquelle durchgeführt, wäre es ein reizvolles Stück für die Einkaufsbummler gewesen. Brian Ferneyhoughs grandioses Concerto grosso „Inconjunctions“ rettete die gute Stimmung nach Ablingers Anfang, auch wenn ein Drittel des Saales, das Ferneyhough zujubelte zuvor den Kottan-ermittelt-ähnlichen Österreicher im Trenchcoat ausbuhte.

Ähnlich volkskonsumerabel wie Maratka waren die Gummihandschuh-Bauernhof-Gebläse-Installationen von Ondrej Adamek: wirklich unterhaltsame Klangkunst, die sich von ganz allein vermittelt. Sie klaute all den Bildern, Texten und Objekten von Tsangaris, Sciarrino, Kreidler, etc. von dies- und nächstjährigen Musiktage-Komponisten in der musealen Anordnung der Alten Bibliothek die Show. Als diese „Air-Machine“ dann im Abschlusskonzert als Abschlussstück Bestandteil des um das Publikum verteilten Orchesters und Chores wurde, trafen sich zwar Pan-Tau, Carl Orff und Blasmusik aus Kusturica-Filmen mit in meinem Hirn frei mitgesungenen Endlosketten aus dem Kinderlied „Was braucht man auf dem Bauernhof“. Klar, das quieckende Gummiferkel ist herzzerreissend und lustig zugleich, die vertonten isländischen und indischen Texte feiern den zermalmten Körper wie den des lieben Viehs, das wir schlachten und essen. Eine vegetarische Prodana nevesta ist aber noch lange kein Musikfleisch!

Ebenfalls verteilte Brice Pauset das Orchester um das Publikum, was dräuende Wagnerisme-Klänge uns um die Ohren schickte. Dazu spielte akkurat der Komponist auf seinem von daheim mitgebrachten Cembalo, dazu rezitierte eine Frau Zotter gewichtige Texte. Als sie dann anfing überdehnt und tragödisch Arabisch lautmalerisch zu dekonstruieren, traf sich die unfreiwillige Komik von „Un-Ruhe (Heft 1)“ mit der freiwilligen des Gummischweinderls. Hätte der selige Robert Lembke mich in der Musikshow „Was soll das?“ als Variation des Beruferatens „Was bin ich?“ gefragt welches Cembalo oder Schweinderl ich haben möchte, ich hätte beide ablehnen müssen, da ich bereits Spiesserware genau aus der gleichen Töpferwerkstatt mal von einer ebenfalls seligen Sparstrumpftante erhalten habe. Und natürlich aus ästhetischen Gründen, ganz unerklärt aus dem Bauch heraus, dem tortigen.

Fragte man sich nach Manos Tsangaris Verhältnis zu Tönen nach der Gong-Mistel im ersten Konzert als zweites Stück, war die SWR-Antifusions-Mistel in Hinblick auf Tonhöhe und Konzept quasi genial, sofern die Töne nicht einer anderen Komposition vom Band eingespielt angehören sollten. Die Textprojektion sagte, dass die Fusion scheiterte, da das Freiburger SWR-Orchester davor schlichtweg aufgelöst worden sei, was ja de facto die Fusion mit den Stuttgartern und der Wegzug bedeuten wird. Das war sehr politisch gemeint und sym-badisch. Aber doch ein wenig platt, wie eben selbst Andriessens Streikmusik war. Warum hat man die nicht zumindest als Pausenmusik mal eingespielt? Gab es die von Trossingern Musikstudierenden vielleicht am Bahnhof für die Heimreisenden? Das weiß ich nicht.

Was ich aber weiß: Simon Steen-Andersens „Piano-Concerto“ heimste zurecht den Orchesterpreis ein. Die Mischung aus Videoarbeit des auf einen Lagerhallenboden aufschlagenden Flügels, dem darauf spielenden Nicolas Hodges, der als filmisches Alter Ego dem richtigen Hodge auf einer Kartonprojektionsfläche vor dem Dirigentpult Francois-Xavier Roths gegenüber sass, das Durchwirken von deformierten Oktaven und Glissandi zwischen beiden Klavieren und dem Orchester, die daraus irgendwie simpel aber doch ganz klar resultierende Sound- und Gestenmorphologie gingen Hand in Hand wie bei keinem anderen Stück dieses Musiktagejahrganges. Als dann romantische Klaviermusik gar nicht auf dem kaputten Projektionsinstrument gelingen wollte, das Orchester aber sehr wohl diese altbekannte Emotionalität einfing, der herabfallende Flügel im Rückwärts- und Vorwärtsspulen des Videos zu tanzen begann, war ein intermedialer Kontrapunkt erster Güte erreicht. Hätte das Stück dann mit der Bodenkameraeinstellung des weder slow- noch high-motion real abgespielten Zerstörungsvorgangs des Flügels geendet, der lebensbedrohliche Stahteile schrapnellartig durch die Lagerhalle sausen ließ, wäre das Stück wirklich als genial zu bezeichnen. Die schnelle Rückwärtsfahrt der Zerstörung, des Aufbaus der Versuchsanordnung, des Hertransports des corpus delicti aus dem Klavierlager, als ratterte ein zurückgespulter Super-8-Film durch den Projektor war immerhin ein schönes Understatement als Making-Of, so dass Steen-Andersens Konzert auch so ganz und gar für sich einnahm.

19. Oktober 2014
von Moritz Eggert
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A fair composition competition…

We have often talked about strange, unfair or even downright shabby composition competitions on these pages. This cannot go on!

The fabulous young clarinetist Heather Roche thought the same and has therefore created a new competition, which puts the selection of composers before their writing of the work, and is also free to enter. This is an absolute rarity in this day and age of insulting competitions that have you enter for 200,-EUR to write 3 orchestra pieces for 1000,-EUR in 3 months (or similar).

The initiative by Heather is to be applauded, but it is also in need of sponsors. Therefore I would like to pass on this invitation by Heather:

One of the things I’ve noticed in the last couple of years of working is that composition competitions, theoretically set up to encourage and provide opportunities for young and studying composers trying to star their careers, seem to be set up in order to hinder them. I’d like to hold one that will try to correct a lot of these mistakes, and hopefully encourage others to do so. The features that are important are that they don’t have to pay to enter the competition, that there is a qualified jury of recognised professional composers, that they submit with a proposal for a new piece and a portfolio of existing work (rather than having to submit a brand new piece just for the competition, as is normal these days) and that they are rewarded for their efforts with a fair commission fee to write a brand new piece in direct collaboration with me. I’ve also lined up a great first performance for these new pieces in London!

I’m just over a week away from trying to raise the rest of the money for their commissions, and still have quite a way to go. I don’t want you to feel like you have to donate, but if you wouldn’t mind having a look at the crowdfunding page and considering a small donation, I’d be so grateful!!

I’m equally grateful of course for sharing the link with any friends you have who might consider donating

More details about the competition and how to donate can be found here

Heather Roche