Bad Blog Of Musick

badboy_gaelic

26. Juli 2014
von Alexander Strauch
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Orchester-Kon-Fusionen, diffus entfuselt

Nicht jede Mücke taugt zum Elefanten, ausgenommen es gähnt das Sommerloch bevor die fetten Sommer-Festspiele oder dieses Jahr die schlanken Darmstädter Sommerkurse so richtig in Fahrt kommen. Es bleibt Zeit für Dinge, wie gerade einem aus den Augen und Sinn geratene Dirigentennamen bei unerwartetem Auffinden im CD-Schrank in Suchmaschinen einzugeben. Manchmal sind die Suchergebnisse aufgeblasen oder auf dürre CV-Fakten eingedampft, selten aber leisten sie einen so wertvollen Beitrag, schnell und konfus durch ihren Autor hingeschrieben, zu aktuellen Zeiterscheinungen wie zum Beispiel der im Juli 2014 nun vollkommen unausweichlich wirkenden SWR-Orchesterfusion: „Er produziert regelmäßig CD’s mit Orchestern wie z.B. den Bamberger Symphonikern, der Bayerischen Staatsphilharmonie, den Rundfunkorchestern des SWR und WDR, der Radio Philharmonie Hannover des NDR.“ Den Stolperstein entdeckt? Nochmals, übrigens aus der CV des Dirigenten Florian Merz, dessen Gesamteinspielung der Schumann Sinfonien Inhalt der hervorgekramten CD ist, die ich seinerzeit nur wegen der darin auch enthaltenen unbekannten „Festouvertüre mit dem Rheinweinlied“ erstand.

Vom Thema abgekommen. NOCHMALS: „Er produziert regelmäßig CD’s mit Orchestern wie z.B. den Bamberger Symphonikern, der Bayerischen Staatsphilharmonie…“ Dem Textautor unterlief „aus eins mach’ zwei“, die Diffusion! Seit 2003 sind die Bamberger Symphoniker durch grosszügige finanzielle Unterstützung des Freistaates Bayern dessen „Bayerische Staatsphilharmonie“. Der Namenszusatz führte nicht zu einem neuen Namen wie z.B. „Bayerische Staatsphilharmonie Bamberg“. Weil die Symphoniker erfolgreich unter ihrem bisherigen Namen in aller Mund und Köpfe kursierten, entschloss man sich zur Namenserweiterung anstatt einer Wörterfusion. Was nun wieder Raum für kleine Flüchtigkeitsfehler ließ und wie in unserem Falle aus einer Mücke zu einer Sommerloch-Biene werden lassen könnte.

Immerhin unterlief dem CV-Schreiber durch seine Diffusion das edelste, was öffentlich-rechtliche Radioanstalten unternehmen sollten und wir, um zu den Sommer-Festspielen zurückzukehren, von den mehrsprachig anmoderierten Übertragungen aus Salzburg und Bayreuth kennen, wenn die sprechende Person plötzlich französisch von einer „diffusion mondiale“ des musikalischen Ereignisses näselt. Also eine Ermahnung aus dem Visier der Zeit, um an Derridas Gruselmomente aus „Marx’ Gespenster“ zu erinnern: wenn Fusirgendwas, lieber SWR, bitte nur konfus und diffus! Zwar wird durch das beschwörende Diffusionslesen die hiesige Theater- und Orchesterlandschaft nicht grundlegend größer, da die meisten Fusionsorchester doch neue Namen tragen, aber es führt zu nettem „Nimm2“-Bonbonpapierrascheln – keine Sorge, diese Marke sponsert nicht diese Glosse.

Wäre dieses Rascheln doch für die wenigen verbleibenden Saisons der beiden SWR-Orchester die geräuschhafte Bezeugung von Bürgerunmut und Musikersolidarität, eine Art publikumsinteraktiver Lachenmann-Mouvement! Denn mag man nun Doppeltitulaturen z.B. in Münchener Nationaltheater, Bayerische Staatsoper oder Philharmonie Coburg, Landestheaterorchester Coburg oder Neue Philharmonie Westfalen, Landesorchester NRW entkoppeln oder im Falle Niederrheinische Sinfoniker, Orchester des Theaters Krefeld, Orchester des Theaters Mönchengladbach enttrippeln, so trappelt der badische Anteil der noch nicht fusionierten SWR-Orchesters in ein SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und ein SWR Sinfonieorchester Freiburg.

Ach wäre das schön, wenn Textautoren so den Guano für erneut breit blühende Orchesterlandschaften mit Rheinwein und Weissbier herbeifuseln könnten, für die Fusionierer reinstes Faseln, Ihr Fassnachts-Ernstmacher! Aber Weiterlesen hilft, statt sich im Unwesentlichen zu verhaspeln. Im weiteren Verlauf von Merz’ Dirigenten-CV heisst es dann doch richtig: „Für die CD-Produktion »Ernst Krenek-Violinkonzerte« erhielt Florian Merz gemeinsam mit Peter Rosenberg (Violine) und den Bamberger Symphonikern/Bayerische Staatsphilharmonie 2001 den begehrten Preis der Deutschen Schallplattenkritik.“ Übrigens sind beide Aufnahmen, die Schumanngesamteinspielung mit der Klassischen Philharmonie Düsseldorf, ein Neugründung eines Orchesters durch Merz und die durch ihn leider doch nicht verdoppelten Bamberger mit dem Krenek-Violinkonzert durchaus zu empfehlen, besonders die Schumann-CD in ihrer historischen Aufführungspraxis kann für schöne hitzige Diskussionen im Biergarten oder bei Festspielbratwürsten herhalten.

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25. Juli 2014
von Alexander Strauch
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Berliner Briefe – Senatskanzlei-Antworten zur Mittelstreichung für „Unerhörte Musik“ ab 2015

Erinnert sich noch jemand der Briefe an die Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten, an den neuen Staatssekretär Tim Renner wegen der Einstellung der jahrzehntelangen Senatsförderung für die einzige, zwischen jährlich 30 und 40 Konzerten umfassende Neue-Musik-Konzertreihe „Unerhörte Musik“ von Rainer Rubbert und Martin Daske im Berliner BKA-Theater? Auch ich hatte ein Schreiben nach einigen Hin und Her verfasst, da ich gerne aus dem fernen München mehr über die Umstände gewusst hätte, ausser der Wichtigkeit und Langlebigkeit der verdienten Konzertreihe und dass viele Kolleginnen und Kollegen bereits Brief schreibend aktiv geworden waren. Denn finanziell und konzeptuell wirft ein solch intensives Projekt schon einige Fragen auf, wie mit den um die 100.000 Euro betragenden jährlichen Fördersummen so viele Konzerte gestemmt werden können, ohne dass es für alle zur reinen Selbstausbeutung wird.

Wenn man die veröffentlichten Förderbeschlüsse durchackert und mit einigen Kennern der Berliner Szene spricht, wurde dies durch Mittelerhöhungen verbessert, so dass es für die Macher und die Gastierenden auf alle Fälle akzeptabel blieb und der Charme und Reiz dieser Konzertreihe, Berlin-fremden Neue-Musik-Künstlerinnen und Künstlern in der Bundeshauptstadt eine erste Plattform zu bieten und bekannteren wie unbekannteren Namen der Berliner Musiklandschaft selbst jeden Dienstagabend auf die Bühne des BKA zu bitten. Natürlich stösst man dabei auf Stammgäste, die aber immer wieder neben ihren Werken für Berlin überraschendes und neuartiges von Externen zum ersten Mal aufspielten, bevor Jahre später die grossen Festivals Ultraschall oder Märzmusik zur Kenntnis nahmen.

In meinem Schreiben hatte ich mich mokiert, dass man nur Fragmentarisches zur E-Musik-Jurybesetzung für das Jahr 2015 erfuhr und im Gegensatz zu den Vorjahren wohle kein Namen aus der Szene selbst mit an Bord war. Man könnte mir unterstellen, dass ich zwischen den Zeilen darin so etwas wie eine gute Gelegenheit für die Kulturadministration sah, mit anderen Jurymitgliedern die Bewerbung von „Unerhörter Musik“ um die erstmals ausgeschriebenen Mittel der bisher fix an die Konzertreihe vergebenen Summe ohne Widerstände bewerten zu lassen und im Falle anderer, für diese Jury interessant klingender Anträge, denen die Gelder zukommen zu lassen. Horcht man in die Berliner Szene hinein, hat wohl für 2015 eine neu installierte Reihe Neuer Musik mit angeblich nur noch monatlich einem Konzert im Heimathafen Neukölln den Zuschlag bekommen.

Warum man die Mittel überhaupt nach all den Jahrzehnten ausschrieb, bleibt allerdings in den Hintergründen nach wie vor schleierhaft: vor vielen Jahren hat die Kulturverwaltung wohl entschieden jenseits von üblichen Projektförderungen der GbR von Rainer Rubbert und Martin Daske als Träger und Organisatoren von „Unerhörte Musik“ jedes Jahr fest eine im Vergleich zu den anderen Einzelprojekten sehr hohe Förderung zu gewähren. Bedenkt man, dass dies bei staatlichen Theatern und Orchestern die Lebensgrundlage ist und Rubbert und Daske eine ähnlich regelmäßig mit festen, wöchentlichen Konzert stattfindende Institution gründeten, wirkt es alles andere als befremdlich da genauso zu verfahren. Nur liegt hier eben das Problem im Detail: der Staat ist hier nicht der Veranstalter, sondern „Private“.

So ergeht es allerdings vielen Reihen, Festivals und Ensembles der freien Szene. Sobald diese sich institutionelle Relevanz erarbeitet haben, beginnen die Probleme mit der Förderung, ist man plötzlich zu erfolgreich und gross, um noch in den vorgesehenen Förderrahmen zu passen. Diese Schicksal ereilte im freien Theaterbereich ab nächstes Jahr die Zeitgenössische Oper und das Solistenensemble Kaleidoskop: statt dem Erfolg Rechnung zu tragen, sie mit anderen Mitteln zu fördern, stehen diese plötzlich auch die „Unerhörte Musik“ vor vielen Fragezeichen. Interessanterweise führt Berlin ab dem Förderzyklus 2015 auch mehrjährige Projektmittelvergaben ein, wovon die drei aber nicht profitieren konnten: bei den beiden Theatergeförderten wohl aufgrund durch das Vertrauen in den Senat auf die gewohnten Wege an verpassten Fristen, die gleichzeitig mit ihren anderen Anträgen abliefen, bei der Konzertreihe sollte generell ein Wettbewerb um das Geld installiert werden.

Die Kulturabteilung der Senatskanzlei beruft sich dabei auch in anderen Antwortbriefen auf eine interne „AG Antikorruption- und Innenrevision“. Bei diesem Titel fragt man sich automatisch, was die Selbstausbeutung von „Unerhörte Musik“ mit Korruption zu tun haben soll? Die Verwaltung beruft sich auf das Transparenzgebot der Landeshaushaltsordnung, die im Gegensatz zu der bisherigen mehr als fünfundzwanzigjährigen Förderung der Reihe maximal nur noch fünf Jahre zulässt. Das heisst, dass nun erst Recht keine Institutionskonkurrenz aus der freien Szene den saturierten Staatsbetrieben der Kultur erwachsen kann. Zwar werden mit Intendanten auch gerne nur fünfjährige Verträge geschlossen, die aber bei beidseitiger Zufriedenheit schneller verlängert werden, als überhaupt externe Kritik fruchten könnte. Ausserdem hätten Ausschreibungsverfahren in der freien Szene eine wesentlich höhere Akzeptanz in der Künstlerschaft als die bisherigen Fördermodalitäten für die „Unerhörte Musik“. Aber weisen nicht all die Protestbriefe darauf hin, dass genau im konkreten Falle die Akzeptanz genau andersherum liegt? Das wird allerdings weiter nicht mehr interessieren, weil die aktuelle Entscheidung der von der Verwaltung eingesetzten Jury auf jeden Fall von der Senatskanzlei berücksichtigt wird.

Aber wie sah diese Jury nun aus? Laut der Abteilung für kulturelle Angelegenheiten hatte von den bisher üblich Berliner angefragten Künstlerinnen und Künstlern der Szene keine Zeit oder sei inzwischen aus Berlin weggezogen. So konnte man bisher nur die Namen von Julia Gerlach und Stefan Fricke veröffentlichen. Tatsächlich gab es noch zwei weitere Mitglieder, nämlich Margarete Zander und Andreas Göbel, das fünfte Mitglied sei bei der Abstimmung erkrankt gewesen. Nun sind dies grundsätzlich respektable Persönlichkeiten, die als Publizisten, Hörfunkmitarbeiter und Mitarbeiter bei öffentlich-rechtlichen Veranstaltern Neuer Musik Festivals wirken. Aber eben nicht originär als Künstlerinnen und Künstler. Natürlich sind absolut Berliner-Szene neutrale Mitglieder erst einmal auf der einen Seite eine gute Besetzung.

Aber wie einseitig und nicht neutral eine Bestallung von überproportional vielen in der Szene Wirkenden wäre, ist dies genauso einseitig und nicht unvoreingenommen. Denn wenn der Heimathafen Neukölln selbst die Konzertreihe in seinem Hause beantragt haben sollte, dann haben wiederum auf keinen Fall Kunstschaffende selbst die Initiative allein ergriffen, wie es eben vor vielen Jahren Rubbert und Daske als Komponisten machten. Überspitzt ausgedrückt schanzten zum Teil als Mitarbeiter von Hörfunk und von deren oder von anderweitigen halbstaatlichen, institutionalisierten Festivals anderen hauptamtlichen Mitarbeitern einer kleineren festen Institution zu, die verantwortungsbereiten, selbstorganisierten Künstler wurden gegen diese ausgespielt.

Zwar sagt die Verwaltung, dass sie hoffe, dass „Unerhörte Musik“ andere Finanzierungswege fände, zwar gratulierte der regierende Bürgermeister Rubbert und Daske vor ein paar Jahren zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen der Reihe. In der akuten Notlage ist dies aber eben nicht mehr als ein feuchter Händedruck. Natürlich wurden beide bereits 2012 über die Ausschreibungsabsicht des Senats informiert. Aktiv scheint man aber seitens der Verwaltung nicht wirklich auf die beiden zugegangen zu sein, um eine neue Finanzierung zu finden. Die Art und Weise der Jury trug dann das Ihrige zum Streichdebakel bei. Nun muss man sehen, was die mutmasslich neue Reihe in Neukölln bringen wird. Eines ist aber jetzt schon deutlich: während die Szene nun weiß, wie wertvoll die Arbeit von Rubbert und Daske bisher gewesen ist, man bereits online nach öffentlichen Ehrungen ruft, ist manches Jurymitglied ohne Zutun und Erkenntnis einer ganzen freien Szene Medaillenträger.

22. Juli 2014
von Arno
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Sommer ohne Musik

(Für Albert O.)

Solange die Musik noch klingt
Sie in meinen Ohren ist Klang
Etwas, was ich nicht entbehren
Kann ich Dich mal was fragen?

Leidest Du auch so unter dem
Sommer habe ich mir immer
Etwas anderes vorgestellt
Hast Du Dir doch bestimmt?

In der Hitze brauche ich
Bruckner noch mehr als
Dich und die Philharmonie
Ist im Sommer doch zu.

Aber irgendwo gibt es immer
Musik auf meinem iPhone
Ist genug Platz für Dich.

badboy_gaelic

19. Juli 2014
von Alexander Strauch
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BR und SWR-Rundfunkrat – Ständevertretungen jenseits bürgerschaftlichen Engagements

Es wird Zeit, einmal generell einen Blick auf die Strukturen der Rundfunkräte zu werfen: „Donnerstags- und Freitagsmaler“, das sind die Rundfunkräte des Südwestdeutschen (SWR) und Bayerischen Rundfunks (BR)! Nicht wie die längst abgeschalteten „Montagsmaler“ mit Frank Elstner als Moderator, nein, modern ko-geleitet von beiden Intendanten Peter Boudgoust und Ulrich Wilhelm, die Teilen ihrer öffentlich-rechtlich Sendeanstalten gerade wieder K.O.-Schläge verpassten, mit ganz langsamen zu-Boden-gehen: 2016 nun endgültig die SWR-Orchesterfusion, weil nach Meinung des SWR nur ungenügend Stiftungsmittel des Freiburger/Baden-Badener Sinfonieorchesters aufgetischt werden konnten. Verstehe ich Boudgoust richtig, dass die Freiburger Orchesterretter dann eine Mitschuld hätten, wenn ihr Orchester durch eine Stiftung gesichert sei, aber das dann nicht mit ihnen fusionierte Stuttgarter Radiosinfonieorchester ohne ein ähnliches bürgerschaftlich erarbeitetes Finanzierungsmodell dastünde? Und 2018 statt bereits 2016 die Verbannung von BR Klassik weg vom massenmöglichen UKW-Empfang ins sondergerätspflichtige DAB-Plus-Nirwana, auch wenn bis zu 60.000 Klassikhörer protestierten, erheblich mehr als vor Jahren zu ähnlichen Plänen?

Basta! Von den Rundfunkkönigen sind beide Entscheidungen ohne Wenn und Aber durchgefochten worden, wurde die Boudgoust unangenehme Öffnungsklausel für andere Lösungen als die allein seligmachende Fusion letzten Freitag huldvoll vom Rundfunkrat hinfort beschlossen. Was bei BR Klassik wie ein Zeitgewinn erscheint, die Verlegung des Wellentauschs um zwei Jahre nach hinten, ist letztlich ein Kompromiss ins Leere. Der Präsident des Bayerischen Musikrats (BMR), Dr. Thomas Goppel, den man bisher als Mit-Initiator der „BR Klassik muss bleiben“ Petition kannte, stimmte im Gegensatz zu seinem nach wie vor prinzipientreuen Rundfunkratskollegen Prof. Helmschrott vom Deutschen Komponistenverband (DKV), für den Wellentausch. In Goppels Erklärungsversuchen, ein Statement des BMR und ein Briefwechsel zwischen ihm und einer Rücktrittsforderung Helmschrotts an ihn als BMR-Präsident und einer Klarstellung Enjott Schneiders, ebenfalls DKV, schwadroniert er von potentiellen DAB-Plus-freundlichen Autoindustrieentwicklungen und verhinderten Generationsabriss, der ein Problem der riesigen U-Musik-Sender des BR sein mag, wohingegen die Klassikhörer generationsübergreifend sind. Und macht sich so die Argumente der Gegenseite zu eigen bzw. vielleicht sogar die Ansichten des ehemals unter dem Minister Goppel als Ministerialdirigenten dienenden, jetzigen Intendanten Wilhelm.

Sind die Rundfunkräte von SWR, vor allem des BR nichts anderes als genehme Abnickvereine ihrer Senderintendanten? Im Falle des ZDF entschied das Bundesverfassungsgericht, dass zu viel Parteipolitik im dortigen Rundfunkrat vertreten sei. Im Falle der möglichen und wohl faktischen Nähe von BR-Rundfunkrat Dr. Goppel und seinem ehemaligen Untergebenem, jetzigen BR-Intendanten Wilhelm, beide Mitglieder der in Bayern seit Jahrzehnten unangefochten bis auf ganz wenige, kurze Intermezzi alleinregierenden CSU, kann man das getrost bejahen. Grundsätzlich soll ein Rundfunk ein konstituierendes Organ seines Senders sein, muss er den Intendanten und sein Team wählen, den Haushalt beschliessen, die Wahrung der Interessen Allgemeinheit kontrollieren und bei der Programmgestaltung beraten. Wie man an den unveränderlichen Positionen Boudgousts und Wilhelms sieht, sind sie beide beratungsresistent, wenn auch nur eine kleine Minderheit, aber mit all ihrer Kompetenz auf die gravierenden Probleme von Fusion und Tausch hinwiesen. Aber mit Goppels Wende ist dies zumindest im Falle des BR sowieso hinfällig. Trotz ihrer Organmacht stimmten beide Rundfunkräte in blinder, sich selbst verkennender Ohnmacht, bedingungslos ihren Duodezfunkfürsten zu, wie eine willfährige Standeskammer im Absolutismus.

Denn wie ein Ständevertretung und nicht wie eine breit gewähltes Parlament sind diese Rundfunkräte organisiert. Wer in Geschichtsbüchern blättert, findet so etwas ähnliches in der Maiverfassung des österreichischen Ständestaates kurz vor der Einverleibung durch Deutschland Ende 1930er Jahre. Oder man liest vom „Bayerischen Senat“, der Dank eines Volksentscheids 1999 zum letzten Male tagte: in ihm waren aus Kirchen, Wirtschaft, Sozial- und Sportverbänden, Gewerkschaften und Kulturdachvereinen berufene Mitglieder, die von ihren Entsendern mal gewählt, mal einfach benannt worden waren. Im Gegensatz zum entscheidungsbefugten Rundfunkrat, hatte er nur gutachterliche, legislative aufschiebende und protokollarische Aufgaben. Dennoch ist der Rundfunkrat genauso mit seinen Mitgliedern beschickt: all die Verbände wählen ihre Vertreter oder ernennen sie nur. Zu diesen 35 kommen dann noch 12 Mitglieder des bayerischen Landtags, die zwar formal dazu gewählt sein mögen, doch vor allem nach der Sitzverteilung des Parlaments bestimmt werden. Das erinnert an die immer mal wieder bürgerfernen Gremien der Europäischen Union und wirkt darin demokratisch ziemlich verstaubt. Auf alle Fälle hat bürgerschaftliches Engagement kaum eine Chance, da wirkungsvoll Einzug zu halten, besonders wenn es als Minderheit auftritt.

Die Entscheidungsträger kennen sich letztlich aus anderen Kammern und Gremien. Man mag einwenden, dass bei einem z.B. tatsächlich nur durch das Wahlvolk bestimmten Rundfunkrat Mindermeinungen erst Recht untergehen. Was es also vor allem bräuchte: Möglichkeiten, dass bürgerschaftliche Vernunft nicht nur als Lippenbekenntnis durchdringt und durch rein finanzielle Erwägungen oder kompromissfreie Programmentscheidungen beiseite geschoben wird. Gerade weil der neue Rundfunkbeitrag nun von jedem zu leisten ist, sollten die von Programm- und Finanzentscheidungen Betroffenen ein Anhörungsrecht oder eine Art Hörerbegehren initiieren können. Oder die Sendeanstalten besinnen sich wieder mehr auf ihren gesetzlichen Kulturauftrag, der sie verpflichtet, auch Minderheiteninteressen in ihren allgemein zugänglichen Kanälen bereitzustellen.

Ich schrieb schon einmal, dass besonders im Falle des BR eine Umstellung von BR Klassik auf nur digitale Wellen eigentlich nur im Rahmen einer Gesamtumstellung des Programms denkbar ist. Denn für die kleine Welle allein werden so sehr hohe Kosten anfallen, die die verbliebenen Spielräume des BR z.B. für Aufzeichnungen von hausfremden Produktionen endgültig zunichte machen und neuen Entscheidern neue Argumente für einen weiteren Kulturrückbau an die Hand liefern werden. Wer den o.g. Briefwechsel liest, wird lesen, dass diese Kulturvernichtung trotz aller Bekenntnissen zum Kulturauftrag anscheinend sowieso kommen wird. Nachdem sogar immer noch strittig ist, ob entgegen dem Rundfunkstaatsvertrag ein Wellentausch aus dem Digitalen ins Analoge überhaupt erlaubt ist, sollten die vom Rundfunkrat und dem BMR-Präsidenten gelackmeierten Musikdachverbände überlegen, Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgericht einzulegen.

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17. Juli 2014
von Alexander Strauch
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Die einzige erlaubte Orchesterfusion…

Die einzige erlaubte Orchesterfusion findet als Gedenkkonzert anlässlich der Trauerfeier für den verstorbenen Maestro Lorin Maazel statt, der beide an dieser Fusion teilnehmenden Münchener Orchester leitete: die Münchener Philharmoniker (2012-2014), im hohen Alter als Interims-GMD, und 1993-2002 das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Es singen im aufs Programm gesetzten Stück (Brahms’ Deutsches Requiem) Christiane Karg und Georg Zeppenfeld, der Philharmonische Chor München
und der Chor des Bayerischen Rundfunks (Einstudierung: Andreas Herrmann). Dirigent soll Valery Gergiev sein. Nachdem der Eintritt am Mo., 21.7.14, 20 Uhr, Einlass 19:30 Uhr,St. Michael, Neuhauser Str. 6, München, frei sein wird, hat an dem Tage auch jede Kritik an Gergiev zu schweigen! Und was fehlt uns nun: Ein Hauch von Smartness und unglaubliche Coolness. Möge dies die einzige Orchesterfusion bleiben! BR-Klassik wird dies noch analog per UKW am gleichen Abend live um 20:03 Uhr übertragen, digital per Videostream auf den Seiten des Internetauftritts des Bayerischen Rundfunks.

goodbye_maazel

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15. Juli 2014
von Alexander Strauch
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GEMA: Wirklich Ungemach mit exotischen Werktiteln?

Morgen wird der „CLUBleu“, das Duo Julia Mihály und Felix Leuschner, die mit Elektro-Noise-Klängen, analogen Synthesizern, Samples und live-Effekten für Stimme und Schlagzeug arbeiten und seit längerem den Underground der Neuen Musik in Deutschland aufmischen, sein neustes Werk „DARK ENERGY – frankfurt album“ im Historischen Museum Frankfurt/M. Komplett uraufführen. Dabei handelt es sich um eine Arbeit mit verschiedensten „field-samplings“ der Bankenmetropole. Das ergibt auch 15 Tracktitel einer eigenen CD- Produktion dieses Stückes. Wie es sich gehört, wollten Leuschner und Mihály das Kompendium und seine Einzeltitel korrekt bei der GEMA anmelden. Wie sie auf ihrem Facebook-Auftritt verlautbaren, kam es da zu auf den ersten Blick amüsanten, bei näherer Betrachtung doch recht umständlichen Verwicklungen mit der GEMA-Sachbearbeitung und der GEMA-Datenverarbeitung. Denn die Stücktitel sind keine Worte, sondern eine jeweils eigene Kombination von Buchstaben, Ziffern und Zeichen, was bisher kein Problem ist, und Sonderzeichen, die mit der jetzigen EDV der Verwertungsgesellschaft nicht verwendbar sind. Im Endergebnis wurden seitens der GEMA nun sämtliche Satztitel mit „-“ statt z.B. als „N 5∆° $’ h3,s“ registriert. CLUBleu fühlt sich nun ziemlich vorgeführt und will morgen bei seinem Konzert näher darauf eingehen. Näheres schrieb dazu auch schon Ole Hübner auf seinem Blog.

Nun stellt sich die Frage: was will man eigentlich von der GEMA? In den letzten Jahren verfolgte ich vor allem in Gesprächen mit etlichen Künstlern die Klage um korrekte Abrechnungen von Werkaufführungen. Meistens wurde eine stattgefunden habende Aufführung nicht oder nicht richtig abgerechnet. Als Grund kam dabei mehrheitlich heraus, dass entweder das Werk zu spät als solches angemeldet worden war, wobei da die GEMA grundsätzlich sofort eine Nachfrage an den mutmasslichen Autor durchführt. Oder der Veranstalter meldete es gar nicht oder nur so an, dass die EDV der GEMA damit wohl ihre Schwierigkeiten hatte, oder es war eben doch ein Problem mit der Sachbearbeitung der entsprechenden Bezirksdirektion, wie es mir als in der Doppelrolle als Veranstalter und Komponist z.B. letztes Jahr erging – und bis heute noch auf eine Antwort aus Nürnberg warte… So simpel es nun klingt: das sind allerdings Probleme, die man selbst mit der GEMA lösen muss, mit wichtigen lokalen Veranstaltern, etc. Daraus kann man nicht grundsätzlich auf die GEMA generalisieren!

Dennoch bleibt dies mit den Werktiteln ein Problem. Allein wenn man sein Stück mit „Heute/Morgen/Gestern“ titelt, das sogar noch manuell einreicht, kommt vielleicht bei der GEMA „Heute Morgen Gestern“ oder „Heute-Morgen-Gestern“ heraus, was das Stück dann in der Werktiteldatenbank unauffindbar macht bzw. es eben nur mit der fehlerhaften Titelangabe zu suchen ist. Seitdem die GEMA nun die Online-Werkanmeldung ermöglicht, kann man diesen beschriebenen Fehler ausschliessen bzw. die alte Version abändern, sofern das keine weiteren Verwirrungen anstellt. Wenn nun der Veranstalter seinerseits aber solch einen doch noch einfachen Titel falsch angibt, dann bleibt nur wieder der Reklamationsweg. So kann man sich auch vorstellen, dass Anthony Braxton z.B. mit seinen wundersamen Titelangaben so zu seinen Tantiemen kam. Oder er hat statt Grafiken und Elementketten doch noch eine Verwaltungslösung gefunden.

So etwas schwebt mir auch im Falle des CLUBleu vor. Denn immerhin gibt die GEMA unter „Hilfe“ ihrer Online-Werkanmeldung zu, dass sie nur die Sonderzeichen „!”$%&(‘,-#~\}][{32@€“ in ihrer Datenverarbeitung einsetzen kann, wobei man sich fragt, warum die ersten zehn davon überhaupt Sonderzeichen sein sollen, denn erst ab der „Tilde“ wird der Einsatz von Sonderzeichen-Funktionen auf einer Standardcomputertastatur notwendig. Die GEMA muss ja selbst deutsche Umlaute in ae, oe und ue umwandeln, natürlich nur in Grossbuchstaben, also AE, OE und UE. Also weiß man einigermassen, was einen bei ungewöhnlichen Stücktiteln erwartet. Wie wäre es nun, wenn man den oben angeführten Titel statt mit „N 5∆° $’ h3,s“ mit „N 5DELTAGRAD DOLLARZEICHEN HOCHGESTELLTESKOMMA H3,S“ angibt? Das ist natürlich eine Anpassung an die EDV. In der Partitur oder anderen Abspielanweisungen kann man dazu anmerken, dass, der offizielle Titel „N 5∆° $’ h3,s“ wäre, die Langversion aber bei GEMA-relevanten Aufführungen in der Stückliste anzugeben ist.

Dies befreit die GEMA nicht, auf Dauer ihre EDV flexibler zu machen oder zumindest im Feld Sonstige Titel dies zu ermöglichen. Aber Hoffnung dürfte bestehen, denn es soll demnächst ja selbst eine Art eigenes GEMA-Social-Network geben. Und dass sie wandlungsfähig ist, zeigte sie damit, dass sie z.B. die längst überfälligen Online-Dienstleistungen einrichtete. Allerdings wird es gerade im E-Musik Live-Bereich immer wieder Verschreiber oder Vertipper geben. So wäre es wirklich eine Erleichterung, wenn sie in diesem Bereich von vornherein den Komponisten ohne deren Aufforderungen automatisch postalisch Nutzungsaufstellungen zukommen lässt. Zwar ist jedes Mitglied verpflichtet, seine eigenen Werke zu verwalten. Dies wäre aber ein Service, der bisher dies vernachlässigende Kollegen und Kolleginnen genauer nehmen lassen würde. Aber dies ist ja was anderes!

Um bei der Werktiteldatenbank zu bleiben: es ist auf alle Fälle wichtig, dies zu thematisieren, zu kritisieren. Auf der anderen Seite ist die GEMA aber nicht der Moloch, dem man sich so gerne als kleines E-Musik-Licht ausgeliefert fühlt. Jeder kennt in seinen professionellen Kontakten jemanden, der Tipps dazu geben kann oder gar aktuell oder vor einiger Zeit in Gremien der GEMA mitarbeitete. Am besten wendet man sich mal an diese und versucht das Problem über diesen Weg auch zu klären. Ausserdem wäre ein weiterer offizieller Weg, sich entsprechend in Verbänden mit oder neu zu organisieren, diese auf die Thematik hinzuweisen. Natürlich ist es auch gut, dies künstlerisch zu verarbeiten. Allerdings dürfte Johannes Kreidlers GEMA-Aktion “product placements” 2008 heute kaum zu toppen sein. Und zu guter Letzt sollte man sehr genau überlegen, was man unternimmt, denn allzu schnell wird aus GEMA-Kritik GEMA-Bashing. Und daran sollte uns E-Komponisten am allerwenigsten gelegen sein.

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14. Juli 2014
von Alexander Strauch
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BR-Klassik-Frequenztausch: Zeitgewinn, ärgerliche Selbstkommentare des BR, sinnloses Entweder-Oder

Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks beschloss am Donnerstag letzter Woche mit 75% Zustimmung die Verschiebung des Sendemediumtausches von BR Klassik und Puls. Die Klassikwelle soll nun statt 2016 erst 2018 nur noch digital über DAB+ und Internet empfangbar sein. Gegen diesen Mediumwechsel, denn er ist nicht ein simpler Frequenztausch, wie manche Berichterstattung sagt, organisierte der Bayerische Musikrat, der Deutsche Kulturrat und die Deutsche Orchestervereinigung sowie etliche diesen nachgeordnete Verbände der Profimusiker und des Laienmusizierens die Petition „BR-Klassik muss bleiben“, die bayernweit immerhin knapp 50.000 Menschen mobilisierte, deutschlandweit wohl an die 60.000. Es ist zwar nicht die Mehrheit der BR-Nutzer, die BR-Klassik hören.

Aber doch sind es genügend durch alle Alters- und Gehaltsklassen, die trotz bereits heute existierender paralleler Digitalangebote den Klassikfunk vorzugsweise über die klassische UWK-Welle empfangen. Mit der Umstellung auf rein digitale Empfangsmöglichkeiten wird diesen eine Verbesserung der Klangqualität versprochen. Angesichts der heute üblichen Signalkomprimierung auf DAB+ verliert der Sound allerdings eher an Brillanz als dass dies einen Gewinn darstellt. Nun versuchen die deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten seit einigen Jahrzehnten und die Hersteller von digitalen Empfangsgeräten die Hörerschaft insgesamt ins Feld des Digitalen zu locken. Doch bisher blieb die Nutzung wohl weit hinter den Möglichkeiten zurück, wird ausserhalb des BR-Sendegebiets dessen Angebot eher über Internet, Kabel und Satellit genutzt. Wobei die Vergrösserung des Sendegebiets durch DAB+ aktuell eine Augenwischerei ist: ausser in Bayern wird BR-Klassik über diesen Verbreitungsweg nur noch in Berlin zur Verfügung gestellt.

Am Sonntag kommentierte nun der BR selbst im B5-Medienmagazin den beschlossenen Mediumwechsel und seine gleichzeitig beschlossene Verschiebung um zwei Jahre. Eine der grössten Befürchtungen der dort an der Verschiebung geäusserten Kritik ist, dass 2018 das jetzt 2014 junge Hörerpublikum 2018 viel älter als zum ursprünglich anvisierten Tausch im Jahre 2016 sein wird. Denn, um es zu überspitzen, dieses finanziell arme Puls-Publikum wird dann genauso per Alterung wegbrechen wie das besser situierte, aber sehr alte BR-Klassik-Publikum: die einen lernen den BR nicht kennen und die ihn schätzen, sterben über kurz oder lang.

Aber kann man das mit einem Mediumwechsel wirklich aufhalten? Einerseits soll laut Kommentatorin Sissi Pitzer die Klassik digital fit gemacht werden, andererseits ist besonders die Jugend digital affin. Und wird diese eben nicht bisher bestens im digitalen Bereich des BR mit Puls-Internetempfang, Puls-App und Puls-Gastslots am Wochenenden auf der UKW-Welle von B3 bestens versorgt? Im Prinzip ist es die Umkehrung der Argumente der Klassik-Petition: was vom Angebot eines deutschen öffentlich-rechtlichen Senders nur digital verfügbar ist, hat es schwer, darüber hinaus eine Hörerschaft zu finden, die in etwa der von B2 Kultur oder BR-Klassik entspräche. Nur ein klassisch auf UKW verfügbares Programm und digital vernetztes Angebot haben heute überhaupt eine Chance, die Hörerschaft zu erreichen.

So sind in Augen des Kommentars vor allem die privaten bayerischen Verleger, die sich von Puls auf UKW bedroht sehen sollen – aber vor allem an der Rechtmäßigkeit eines Tausches einer Welle aus dem Digitalen ins Analoge zweifeln, wie es der bundesdeutsche Rundfunkstaatsvertrag als höheres Recht im Gegensatz zur bayerischen Landesgesetzgebung verbietet –, die von diesen wie der Musiklobby beeinflussten CSU-Politiker und die nach dieser Meinung von allen Seiten manipulierten Unterzeichnenden der Petition daran schuldig, dass erst 2018 getauscht werden soll. Vielmehr sollte man froh sein, nochmals vier Jahre gewonnen zu haben! Denn die grundlegenden Rezeptionsprobleme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Bild und Ton werden damit nicht gelöst, nicht einmal die Symptome werden verarztet.

Ein wichtiger Baustein der reinen BR-Klassik-Digitalisierung soll eine „digital concerthall“ sein, wie man sie von den Berliner Philharmonikern kennt. Dieses Orchester kann diese sich heutzutage nur Danke eines mächtigen Sponsors leisten. Und wo soll dafür beim BR das Geld herkommen? Die Rundfunkgebühren werden schon stark für den sündteuren Ausbau von DAB+ strapaziert werden. Da wird nicht viel für ein digitales Archiv und dessen Anreicherung mit alten und vor allem neuen Aufnahmen bleiben. Denn jedes Konzert wird im Extremfall eine Aufzeichnung in Bild und Ton darstellen. Bedenkt man den spürbaren Rückzug des BR aus Klassikkonzerten, die nicht seine Orchester und sein Chor produzierten, wird sich der BR dann noch mehr auf seine eigenen Klangkörper konzentrieren und Aufzeichnungen von externen Konzertveranstaltern in Bayern schier unmöglich sein.

In Komponistenkreisen munkelt man an Stammtischen, dass durch den Mediumwechsel letztlich die heute noch passablen GEMA-Einnahmen aus dem noch analogen Funkbereich wegfallen könnten. Irgendwer im Anstaltscontrolling wird schon die Meinung lancieren, dass es sich dann bei der nur noch digitalen Ausstrahlung von Musik lebender und noch nicht 70 Jahre verstorbener Kunstschaffender nur noch um ein einfaches Streaming handelt, wo eine Vergütung im Promillbereich stattfindet. Oder hat sich da schon jemand seitens des BR getraut, Zusicherungen des Erhalts des heutigen Status von sich zu geben? Zuletzt versuchte der BR seine Spacenight auf GEMA-freie Musik umzustellen, interveniert er immer wieder, wenn vom BR aufgenommene und klassisch verlegte Orchesterstücke ausgestrahlt werden sollen, wo neben der GEMA ja noch ordentliche Lizenzgebühren fällig werden. Aber dies ist Kleinklein!

Vielmehr ist und bleibt das Ausspielen der Generationen der Hörer von Klassik und Puls das Machtgeplänkel der Intendanz des BR gegen jegliche Vernunft, hat man sich die Kollegen aus den SWR-Leitungsetagen eben mit seiner Entscheidung so verrannt, dass jetzt nur eine Verschiebung das BR-interne Porzellan vor weiterem Zerschlagen bewahren kann. Vergleicht man die Entstehungsgeschichte z.B. von B3, welcher als Sender mit einem alternativen Jugendprogramm an den Start ging und heute ein „Adult Contemporary Format“-Sender ist, also ein Dudelfunk, wenn man dazu die Definition auf Wikipedia liest, der Hörer zwischen 25 und 49 Jahren mit Rock- und Pop-Oldies und ganz wenigen Neuheiten versorgt. Statt das Wochenendfenster von Puls dort auszubauen, um diese Welle kräftig zu verjüngen, scheint man sich vor dessen mächtiger Redaktion zu fürchten.

Seit Pensionierung des Hörfunkdirektors Johannes Grotzky, der wohl eine starke Stütze von BR-Klassik gewesen sein soll, scheint diese Säule nun um so mehr zu fehlen. Natürlich wird der BR in Zukunft, wie die Anstalt stets beteuert, seine Klassik-Klangkörper mehr promoten müssen als bisher. Daran wird aber ausschliesslich das Fehlen der naturgemäßen Promotion UKW-Welle schuldig sein, welche aktuell noch den Bestand der Orchester und des Chores ohne große Umschweife automatisch bewirbt: Die Mehrheit der Bundesbürger stimmt einem traditionellen Kulturprogramm in Theatern und anderen Institutionen wie dem Rundfunk zu, auch wenn diese jene Angebote niemals nutzen. Wenn, wie oben beschrieben, der rein digitale Erhalt des Klassikprogramms später enorme Mehrkosten verursachen wird, können wir uns auf die nächsten Orchesterfusionspläne einer neuen, profilierungssüchtigen oberen Etage des BR heute schon freuen. Der einzige Weg wird sein, auch die anderen Wellen auf DAB+ umzustellen und die Hörerschaft bei diesem teuren Unterfangen in ihrer Gesamtheit mitzunehmen. Oder schlichtweg besonders Bayern 3 zu erneuern und die alten analogen Verbreitungswege zu fördern und das Internetangebot anstelle des Abenteuers DAB+ auszubauen. Eine Welle aber nur digital oder analog anzubieten, wird weder die eine noch die andere befördern.

11. Juli 2014
von Arno
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Samstag, 14. Juni 2014, 03.00 Uhr: Elfenbeinküste gegen Japan

In Erinnerung an das einzige Fußball-WM-Spiel,
das um 3 Uhr morgens (MEZ) stattfand.

Frei nach August von Platen-Hallermünde (Rückennummer 10)

Wie rafft’ ich mich auf in der Nacht / in der Nacht /
Und fühlte mich fürder gezwungen /
Die Kissen verließ ich vom Teddy bewacht /
Durchwandelte sacht
In der Nacht / in der Nacht /
Die große Wohnung des Jungen.

Kalou rauschte / die gefährliche Acht /
Ich lehnte mich über die Kante
meines Stuhls und hielt ermüdet noch Wacht /
doch das Spiel der Nacht /
War so schwach / war so schwach /
Weil niemand wirklich mal rannte.

Das Spiel drehte sich / im schwülen Manaus /
Indes funkelten hier schon die Sterne /
Japan kam derweil kaum noch raus* /
Wie einst der Klaus
Augenthaler aus
Bayern in entlegener Ferne.

Ich blickte hinauf in die Nacht / in die Nacht /
Und blickte auf den Bildschirm aufs Neue:
Wie hast du hier 90 Minuten verbracht?
Nun stille du sacht /
In der Nacht / in der Nacht /
Im pochenden Herzen die Reue!

*Original-Liveticker-Meldung aus der 69. Minute: „Japan sucht nach einer Antwort, kommt aber noch kaum hinten raus.“

11. Juli 2014
von Arno
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Pariser Kleben

Ja, es ist heiß draußen. Wir alle kleben. Weil wir damit kleben müssen. Daher diese Liste.
Ich bedanke mich für die Mitwirkung bei allen meinen Facebook-Freundinnen und Freunden. Danke. Ohne euch wäre das Kleben nicht so schön.

Gefunden im Juli 2014 in Weimar

“Wohnst du noch – oder klebst du schon?”

Das Kleben der Anderen

Das Kleben des Brian

Das Kleben ist schön

Überkleben in freier Wildbahn

Wolfgang Amadeus Mozart: Kleben und Werk

Kleben und kleben lassen

“Hoch soll er kleben, hoch soll er kleben, drei Mal hoch!”

“Man klebt schließlich nur einmal!”

“Als hätte ich nur noch einen Tag zu kleben…”

Freunde für’s Kleben

Kleben mit Behinderung

Klebe glücklich, klebe froh…

Hunde, wollt ihr ewig kleben?

Abenteuer Kleben

Mitten im Kleben

“Ich möchte mein Kleben ändern.”

“Ohne Dich ergibt mein Kleben keinen Sinn mehr!”

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Kleben.

“Mit Dir könnte ich den Rest meines Klebens verbringen!”

Überklebenswille

Erste Hilfe kann Kleben retten!

Das Kleben ist kein Ponyhof!

“Das Kleben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man bekommt.”
(Forrest Gump)

Gibt Dir das Kleben eine Zitrone, frag nach Salz und Tequila!”

“Ich will ja noch ganz lange kleben!”

Jeder ist für sein Kleben selbst verantwortlich!

Wie das Kleben so spielt…

Überklebenstraining

“Das Kleben ist einfach zu kurz!”

Johann Sebastian Bach: Herz und Mund und Tat und Kleben, BWV 147

In den Tag hinein kleben

Wolfgang Amadeus Mozart: Reich mir die Hand, mein Kleben (Don Giovanni)

Das Kleben ist eine Baustelle

“Misao Okawa ist mit 116 Jahren und 99 Tagen der aktuell älteste klebende Mensch.”

“Irgendwann würde ich gerne in den Alpen kleben.”

Jacques Offenbach: Pariser Kleben

“Ohne Musik wäre das Kleben ein Irrtum.” (Friedrich Nietzsche)

Johann Sebastian Bach: Ich will nur dir zu Ehren kleben (Weihnachtsoratorium, BWV 248)

Udo Jürgens: Mit 66 Jahren, da fängt das Kleben an (JWV 1012)

“Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Kleben.”

Klebensmittelvergiftung

Klebensabschnittsgefährte

“Hallooo??!!?? Bist du klebensmüde, oder was?”

Eingetragene Klebensgemeinschaft

Marius Müller-Westernhagen: Lass uns kleben

“Ein Zusammenkleben mit dir kann ich mir leider nicht vorstellen.”

Nicht für die Schule, sondern für das Kleben lernen wir!

Richard Strauss: Ein Heldenkleben

Robert Schumann: Frauenliebe und -kleben, op. 42

Dietrich Buxtehude: Jesu, meines Klebens Kleben, BuxWV 62

Arnold Schönberg: Ein Überklebender aus Warschau

“Mein Großvater hat den Holocaust überklebt.”

Jan Pieterszoon Sweelinck: Mein junges Kleben hat ein End’, SwWV 324

Bedřich Smetana: Streichquartett Nr. 1 e-Moll (“Aus meinem Kleben”)

Wiederbeklebung

“Das war der Kampf meines Klebens!”

Klebensversicherung

Person des öffentlichen Klebens

Stellenausschreibung: “Der Klebensmittelpunkt sollte in Berlin sein.”

Das gaaaaanze Kleben ist ein Quiz…

“Du siehst ja echt total verklebt aus…”

Johann Strauss: Künstlerkleben. Walzer, op. 316

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kleben sie noch heute.

“Kleb wohl!”