Die Radiowoche vom 07.02.22–13.02.2022

Im Radio. Foto: Hufner
Im Radio. Foto: Hufner

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 06. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr.

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Inhalt


mo – 07.02.2022


19:30:00 | Ö1
On stage: Austria String Trio beim Carinthischen Sommer 2021 in Villach

Drei Ausnahmemusiker schließen sich zusammen und vereinen ihre Leidenschaften in einer neuen Formation: der international gefeierte Violinist Benjamin Schmid, der Cellist Florian Eggner, der im Eggner Trio weltweit feinste Kammermusik zum Besten gibt, und Wolfgang Muthspiel, der Ausnahme-Jazzgitarrist und Komponist, der vor einigen Jahren auch mit einem Singer/Songwriter-Projekt hervorgetreten ist.

Am 15. August 2021 gastiert das so besetzte Austria String Trio im Rahmen des Carinthischen Sommers im Congress Center Villach und begeistert das Publikum vor allem mit Eigenkompositionen, aber auch mit einer Johann-Sebastian-Bach-Bearbeitung und Variationen über Popsongs. Hier werden die Qualitäten von Kammermusik und Improvisation verbunden, hier wird der Beat, der Puls, der Rhythmus gefeiert. Zusammen gehen die drei Virtuosen selbstbewusst neue Wege. Daniela Knaller präsentiert den gelungenen Konzertabend in Villach.

21:30 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Einstand: Der Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb 2022 in den Fächern Klavier und Komposition

Von Elisabeth Hahn. Der Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb ist für Studierende ein wichtiger Termin. Der Wettbewerb wird jedes Jahr in wechselnden Kategorien ausgetragen, 2022 in den Fächern Klavier und Komposition. Eine Besonderheit ist dabei, dass die teilnehmenden Komponistinnen und Komponisten ihre Werke mit Ensembles der eigenen Hochschule präsentieren.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
Musik der Gegenwart: Das Thema Natur in der neuen Musik

Die derzeitige Klimathematik geht auch an Komponistinnen und Komponisten nicht spurlos vorbei und spiegelt sich in zahlreichen Werken wider. Ein Überblick über wesentliche Beispiele.

23:03 – 24:00 | Ö1
Zwei Komponistinnen in der Wahlheimat Wien – Spurensuche. Mayako Kubo und Nancy Van de Vate

Mayako Kubo wurde in Japan geboren, sie ist als Komponistin jedoch dem europäischen Erbe und der musikalischen Moderne eng verbunden. 1972 geht sie nach Wien, um Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati, Erich Urbanner und Friedrich Cerha zu studieren, dazu Musikgeschichte und Philosophie. Danach setzt sie ihre Studien bei Helmut Lachenmann in Hannover und Stuttgart fort.

Kubos Kompositionsstil verdankt viel ihrer klassischen Klavierausbildung, den Studien am Institut für Elektroakustische und Experimentelle Musik Wien sowie der Auseinandersetzung mit szenischen Künsten wie Tanz, Theater und Performance. In den 1990er-Jahren wendet sie sich verstärkt dem Musiktheater zu und entwickelt dafür eine ganz spezifische, freie und expressive Tonwelt: „Terzen und Straßenbahngeräusche – beides ist immer da“, lässt sie uns augenzwinkernd dazu wissen.

Ihre Kollegin Nancy van de Vate ist ebenfalls aus der Fremde nach Wien gekommen, allerdings erst nach dem Abschluss ihrer Ausbildung in Klavier, Komposition und Elektronische Musik, die sie an mehreren bedeutenden Colleges in den USA absolviert hat. Als Vortragende, Gründerin eines CD-Labels, Funktionärin, aber auch durch ihre Unterrichtstätigkeit setzt sie sich beständig für Komponistinnen ein, ihr eigenes umfangreiches Œuvre ist im Musikleben immer wieder präsent: „Nancy van de Vates Musik ist die Verkörperung angstvoller Zeiten geworden – eine Musik von unerschrockener Unmittelbarkeit, ohne dabei auf befriedigende kompositorische Konzepte zu verzichten.“ (Stephen Ellis) Gestaltung: Hannes Heher

23.30 – 24.00 Uhr | NDR Kultur
ROUND MIDNIGHT  Black Lives Matter – Politische Jazzklassiker 

Am Mikrofon: Hans-Jürgen Schaal


di – 08.02.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Eine Sprache finden, die der Zukunft entspricht – Wie das künstlerische Verhalten zur Natur die Musik neu justiert

Von Gisela Nauck. Das Thema Natur wird in der Musik immer wichtiger. Entscheidet das Verhältnis zur Natur auch über die Zukunftsfähigkeit von Musik? Als John Cage apostrophierte, dass alles, was wir hören, Musik sei, revolutionierte er unser Hören. Als Murray R. Schafer Mitte der 70er-Jahre das Phänomen der Soundscape entdeckte und theoretisch entwickelte, erschloss er ein neues musikalisches Terrain. Immer mehr Komponistinnen und Komponisten, Klangkünstlerinnen und Klangkünstler entdeckten die Natur als wichtiges Bezugssystem für eine innovative Musik und das Hören als kompositionsrelevantes Thema. Heute verweisen Begriffe wie Sonifikation, forschende Klangkunst oder Ökoakustik darauf, dass die Beziehung zur Natur wiederum neue Gebiete erschlossen hat. Vor allem um Letztere soll es in dieser Sendung gehen.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Eva Sindichakis: „Kassia Kassiopeia“ (MGNM Festivalensemble: Peter Hirsch); Moritz Eggert: „Ohrwurm“ (Irene Kurka, Sopran; Martin Tchiba, Klavier); Tobias PM Schneid: „Pentagramme“ (Ursula Maier, Harfe; Anno Kesting, Oliver Urtel, Perkussion; Kammerensemble der Hochschule für Musik Würzburg: Peter Stangel); Minas Borboudakis: „Tautochronie“ (Andreas Skouras, Prodromos Symeonidis, Klavier; Mathias Lachenmayr, Carlos Vera Larrucea, Schlagzeug; Paolo Mariangeli, Live-Elektronik/Klangregie); Jörg Widmann: Lied (Bamberger Symphoniker: Jonathan Nott); Hans Huyssen: „Ugubu“ (Tanja Tetzlaff, Violoncello); Rudi Spring: Kammersymphonie Nr. 2 (Münchener Kammerorchester: Jobst Liebrecht)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Rebellion oder Reflexion? Luigi Nono in den Erinnerungen von Helmut Lachenmann

Er nannte ihn seinen „Leerer“ und hat sich gründlich an ihm gerieben und abgearbeitet. Helmut Lachenmann und sein Lehrer Luigi Nono sind zwei der profiliertesten Komponisten des 20. Jahrhunderts und sie führten eine ganz besondere Künstlerfreundschaft – getragen von Sympathie und Bewunderung, durchzogen von heftigen Diskussionen, Kontroversen und persönlichen Verletzungen. Helmut Lachenmann erinnert sich an den streitbaren Luigi Nono und erzählt, wie er durch alle Höhen und Tiefen hindurch einen Weg gefunden hat, der um vieles radikaler war als der von Luigi Nono. Eine Sendung von Florian Hauser

20:05 bis 21:00 | SWR 2
SWR2 Jazz Session: Uneasy – Das Vijay Iyer Trio beim Jazzfest Berlin 2021

Von Gerd Filtgen. Piano Piano Piano – am Eröffnungsabend des Jazzfest Berlin 2021 standen mit Bobo Stenson, Kaja Draksler und Vijay Iyer drei sehr unterschiedliche Pianist*innen auf der Bühne des Pierre-Boulez-Saals. Der wohl am meisten in der afroamerikanischen Jazztradition verwurzelte von ihnen war sicher der Amerikaner – ein Musiker, der in seiner Musik aber nicht nur Bezüge zur Jazzgeschichte sucht, sondern immer auch zu den gesellschaftlichen Themen der Gegenwart. In Berlin stellte Vijay Iyer nun sein neues Trio vor – mit der Bassistin Linda May Han Oh und dem Schlagzeuger Tyshawn Sorey.

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
Jazz Live: Innere Gezeiten

Das Anette von Eichel Quartett: Anette von Eichel, Gesang; Sebastian Sternal, Klavier; Henning Sieverts, Bass; Jonas Burgwinkel, Schlagzeug. Aufnahme vom 6.10.2021 aus dem Stadtgarten, Köln. Am Mikrofon: Anja Buchmann

„Inner tide“ heißt Anette von Eichels erstes Programm mit ausschließlich eigenen Kompositionen und Texten. Zusammen mit ihrer hochkarätigen Band erkundet die Kölner Sängerin darin ihre Innenwelten, mit viel Freiraum für Improvisation. Das Timbre ihres Mezzosoprans: unverwechselbar hell und transparent. Ihre Diktion: beweglich, intonationssicher und natürlich. Anette von Eichels Songs thematisieren auf unplakative Weise Lebenserfahrungen und Märchenhaftes. Aber die Professorin für Jazzgesang ist nicht nur eine differenzierte Interpretin eigener Kompositionen, sondern auch eine Meisterin im Scat-Gesang. In der Zeit nach Wiederbeginn der Live-Saison ist ihr All-Star-Quartett zu einer lebendigen Einheit zusammengewachsen – zu hören beim Konzert im Kölner Stadtgarten.

22:03 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Feature: Keyboarder Karl – Geschichten vom Alleinunterhalter

Von Marc Bädorf. Regie: Philine Velhagen. Ton und Technik: Oliver Dannert und Thomas Widdig. Produktion: Deutschlandfunk 2022. Länge: 54’30

50. Geburtstag, silberne Hochzeit, Schützenfest: Das ist die Welt, das ist das Leben des Alleinunterhalters Keyboarder Karl. Doch oft ist dieses Leben ganz schön hart.

Eine Goldene Hochzeit in einem Hotelrestaurant in Düren. Gäste schieben sich in Anzug und Kleid um das Buffet. In einer Ecke steht ein Mann in blauem Anzug und mit schwarzer Tolle hinter einem Keyboard. Das ist er: Keyboarder Karl. Seit fast 20 Jahren verdingt er sich mehrmals in der Woche als Alleinunterhalter, in ganz Nordrhein-Westfalen. Auf erste Auftritte in Seniorenheimen als Jugendlicher folgten tausend weitere. Die großen Bühnen, sagt Karl, sind nicht seins. Dafür liebt er die kleinen Bühnen, die Hochzeiten und Geburtstage. Es ist ein Fenster in die deutsche Wirklichkeit. Doch das Leben als Alleinunterhalter ist nicht leicht. Da sind die Ansprüche der Kunden. Die Verachtung der Gastwirte. Das Außenseitertum. Die Corona-Pandemie, die Karl zu einem Mann ohne Identität und Einkommen machte. Und: Die Einsamkeit, die auch Keyboarder Karl hart trifft – und über die hinweg vielleicht nur die Sängerin Linda, mit der Karl häufig arbeitet, helfen kann. Auf der Goldenen Hochzeit geht von Anfang an einiges schief. Kann es Karl dennoch gelingen, das zu tun, was er für seine Lebensaufgabe hält: unterhalten?

Marc Bädorf, geboren 1994 in Euskirchen, freier Autor, arbeitet an gesellschaftlichen und literarischen Themen − für Print und Radio. Er lebt in Aachen.

22.33 – 23.30 Uhr | NDR Kultur
PLAY JAZZ! Konzert 74. NDR Jazzworkshop mit dem Orchester Kurt Edelhagen 

Am Mikrofon: Claudia Hartmann

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
Musik der Gegenwart: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik 2022

Seit seiner Gründung vor fünfzehn Jahren widmet sich das Boulanger Trio einem breitem Repertoire, bei dem die zeitgenössische Musik einen wichtigen Schwerpunkt bildet. Bei Ultraschall Berlin haben die drei Musikerinnen in diesem Jahr einen Bogen von Isang Yuns Klaviertrio aus den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart geschlagen. Konzertaufnahme vom 21. Januar 2022 im Heimathafen Neukölln

23:03 – 24:00 | Ö1
Perotin, Franziskus und ihre Echos heute – Vokalwerke von Sofia Gubaidulina und Judith Weir mit dem RIAS Kammerchor Berlin

Ein zeitgenössischer Blick auf die frühe Mehrstimmigkeit der Notre-Dame-Schule bei Judith Weir und der „Sonnengesang“ des heiligen Franz von Assisi für Cello, Schlagzeug und Gesang in der musikalischen Gestaltung durch Sofia Gubaidulina, die im Oktober 2021 ihren 90. Geburtstag feiern konnte: Das waren die Eckpunkte eines Konzerts des RIAS Kammerchors unter Justin Doyle vom November 2021 im Motorwerk Berlin.

Manchmal holt sich das Neue seine Anregungen in ferner Vergangenheit. Perotinus Magnus, der große Perotin, habe als „optimus discantor“ den „Magnus Liber organi de gradali et antiphonario“ gekürzt, umgearbeitet und noch besser ausgestaltet – also die Repertoiresammlung von Sakralgesängen zu den wichtigen Festen des Kirchenjahres, der an Notre Dame oder auch anderen Pariser Kirchen seit dem späten 12. Jahrhundert in Gebrauch war: So berichtet es der berühmte Musiktraktat eines unbekannten, Anonymus IV getauften Autors ein Jahrhundert später. Bis in die Zeit der frühen Mehrstimmigkeit während der Notre-Dame-Schule geht die 1954 in Cambridge geborene Komponistin Judith Weir für ihr Chorstück „All Ends oft he Earth“ zurück – und lässt sich von „Viderunt omnes“ inspirieren, einem der beiden spektakulären vierstimmigen Organa, die Perotin geschaffen haben soll.

Der so genannte „Sonnengesang“ des Franziskus von Assisi, entstanden im 13. Jahrhundert, ist ein Gotteslob aus der Schönheit und dem Sinn der Schöpfung heraus, ein Hymnus auf die Harmonie der Welt zwischen Leben und Tod. Zum 70. Geburtstag von Mstislav Rostropovich hat die im vergangenen Herbst selbst 90 Jahre alt gewordene Sofia Gubaidulina den populären, oft komponierten Gebetstext zur Grundlage eines eigenen, auratischen Werks für Solo-Cello, Schlagzeug und Chor gemacht.

„Zeit-Ton“ bringt Ausschnitte aus einem Konzert des RIAS Kammerchor Berlin mit Leonard Elschenbroich am Violoncello sowie den Schlagzeugern Michael Weilacher, Daniel Eichholz und Jürgen Grözinger unter der Leitung von Justin Doyle, aufgenommen am 26. November 2021 im Motorwerk Berlin. Gestaltung: Walter Weidringer

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: News & Roots – Hören wir Gutes und reden darüber!

Aktuelle Jazzalben vorgestellt und diskutiert von Beate Sampson, Ulrich Habersetzer und Roland Spiegel


mi – 09.02.2022


00:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Chormusik: Mit den Händen singen? – Inklusion in der Chormusik

Moderation: Haino Rindler. Menschen mit Behinderungen gelten noch immer als Randgruppe in unserer Gesellschaft, dabei ist Inklusion seit 2008 ein verbrieftes Menschenrecht. Menschen, die etwa an Down-Syndrom, Gehörlosigkeit, Sehschwäche leiden oder anderweitig eingeschränkt sind, sollen an Freizeitbeschäftigungen wie etwa Chorsingen teilhaben können. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Was heißt barrierefreies Singen? Welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden? Besteht gar ein rechtlicher Anspruch? Und welche gesundheitlichen Vorteile hat das gemeinsame Singen für Menschen, die nichts hören können? Solche Aspekte sollen mit Expertinnen und Experten besprochen werden, darunter Rebecca Voss. Sie hat über das Thema „integratives Singen“ promoviert und arbeitet an einer Förderschule mit den Schwerpunkten „Lernen” und „geistige Entwicklung”, außerdem ist sie Kirchenmusikerin, Pädagogin und Chorleiterin. Mit anderen Kollegen hat sie ein System entwickelt, das mittels Gebärdensprache gehörlosen Menschen ermöglicht, gemeinsam mit hörenden Menschen in einem Chor zu singen und damit am gesellschaftlichen Leben vollumfänglich teilzunehmen.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Siegfried Fink: „Percussion Movie“ (Eckhard Kopetzki, Markus Hauke, Achim von Bassen, Matthias Schmitt, Perkussion); Hans-Joachim Tiedemann: „Hasch“; „Distanzen“ (Holger Berndsen, Klavier); „My Way – Choral – Tears – Smiles“ (Mark Lutz, Schlagzeug); Uwe Strübing: Aus „The Love Songs of Ennod Toile“, op. 35 (Ensemble Dirrekt: Hans Dirr); Stefan Hippe: Streichquartett Nr. 2 (Minguet Quartett); Bernhard Weidner: Drei Nocturnes (Martin Oberhofer, Klavier)

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 NOWJazz: freejazzblog on air – Newcomer on the scene

Von Martin Schray. Free Jazz und frei improvisierte Musik ist wie wenige andere Kunstrichtungen ein generationenübergreifendes Spielfeld. Es gibt die Pionier*innen, die seit den 1960ern produktiv sind und heute oft schon Legendenstatus genießen. Es gibt die Routiniers, Musiker*innen, die sich innerhalb einer schon existierenden Szene etablieren konnten. Und es gibt immer wieder auch Newcomer; neue Stimmen, die sich in bestehende Netzwerke hineinspielen oder neue aufbauen. Einige von ihnen, wie die Schlagzeugerin Camille Emaille oder die Bassistin Farida Amadou, wollen wir in dieser Sendung vorstellen.

23:03 – 24:00 | Ö1
Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen – Zeit-Ton Magazin

Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen ausgesuchte Veranstaltungstipps für die kommenden sieben Tage und die spannendsten Neuveröffentlichungen. Gestaltung: Marlene Schnedl

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Jazz aus Nürnberg: Live-Mitschnitte – Wolfgang Haffner’s Dreamband – Teil 2

Mit Bill Evans (Saxofon), Randy Brecker (Trompete), Nils Landgren (Posaune), Simon Oslender (Piano & Keyboards), Thomas Stieger (Bass) und Wolfgang Haffner (Schlagzeug)

Aufnahme vom 7. November 2021 in der Meistersingerhalle in Nürnberg. Moderation und Auswahl: Beate Sampson


do – 10.02.2022


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Klangwerkstatt Berlin

Kunstquartier Bethanien. Aufzeichnungen vom 05. – 14.11.2021. Ricardo Eizirik: „junkyard piece IIIb – pocket version“ (2019/20) für Oboe, Klarinette, Sampler, Objekte, Violoncello und Akkordeon | Jagyeong Ryu: „SOßOBOßUOƧ“ (2014 / rev. 2019) für Flöte, Oboe, Klarinette, Violoncello, Akkordeon und Live-Elektronik. Ensemble S201 | Ana Maria Rodriguez: „D&S“ (2021) Uraufführung. Version für Flöte, Kontrabassklarinette, Schlagzeug, Pappkartons, Elektronik und Amateure. Ensemble KNM Berlin & KNM campus ensemble

Seit 1990 treffen beim Festival „Klangwerkstatt“ Altmeister auf Newcomer, Profis auf Amateure, Erwachsene auf Kinder. Sie alle verbindet die Faszination für Neue Musik.

Experimentelle musikalische Versuchsanordnungen, partizipative Ansätze und das Zusammentreffen von Musikerinnen und Musikern, die an ganz unterschiedlichen Stellen in ihrer Laufbahn stehen – dafür steht seit über drei Jahrzehnten die Berliner Klangwerkstatt. Nicht die fließbandartige Produktion von Hochglanz-Uraufführungen steht im Mittelpunkt, sondern es geht um den Werkstattcharakter des Musikmachens, um das Entdecken vielleicht unbekannter Ansätze, um das Erkunden neuer musikalischer Ausdrucksformen und um das Experimentieren mit Konzertformaten oder Ensemblekonstellationen. Jede Zusammenarbeit, jede Begegnung soll sich auf Augenhöhe abspielen, sowohl zwischen Musikern verschiedener Generationen als auch gegenüber dem Publikum. 2021 war erstmalig das „Ensemble S201“ beim Festival zu Gast – eine junge Formation aus Essen. Außerdem gestaltete das „Ensemble KNM Berlin“ mit der Amateurgruppe „KNM campus ensemble“ einen gemeinsamen Abend.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Alfred Goodman: Streichquartett in C (Sonnleitner Quartett); Friedrich Högner: Fantasie super H.C. (Friedrich Högner, Orgel); Robert M. Helmschrott: „Bucolica“ (Franz Hauk, Orgel); Anton Kinz: Blechbläserquartett (Ludwig Heibl, Horn; Paul Lachenmeir, Manfred Klette, Trompete; Lother Zirkelbach, Posaune); Ernst Kutzer: Sonate, op. 7 (Willy Horváth, Violine; Otto A. Graef, Klavier); Josef Anton Riedl: Condition Nr. 4, 2 (Ein Ensemble; Josef Anton Riedl, Tonband, Realisierung)

20:05 bis 21:00 | SWR 2
SWR2 MusikGlobal: Südindische und nordindische Ragatradition

Nirujan Schasothy (Geige); Herbert Lang (Mridangam); Hindol Deb (Sitar); Arup Sen Gupta (Tabla). (Konzert vom 4. November 2021 in der Spitalkirche Baden-Baden)

Am Mikrofon: Anette Sidhu-Ingenhoff. Im sogenannten Jugalbhandhi wird klassische südindische und nordindische Musik gleichzeitig präsentiert. Nirujan Schasothy kommt aus einer tamilischen Musikerfamilie, die sich in Deutschland und der Schweiz etabliert hat. Herbert Lang studierte in Chennai die Doppeltrommel Mridangam. Hindol Deb unterrichtet in Köln und Mannheim, er begeistert sich für Crossover-Projekte zwischen indischer Klassik, Jazz, Flamenco. Der in Deutschland lebende Arup Sen Gupta hat die Tabla bei Subhen Chatterjee aus Kalkutta erlernt.

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Fabrice Bollon – Kammermusik mit Elektronik

„on the wings behind your door“, Trio für E-Geige, E-Cello, E-Drumset. Friederike Hess-Gagnon (E-Geige); Dina Fortuna- Bollon (E-Cello); Tilman Collmer (E-Drumset). (Aufnahme 19. Mai 2021 im SWR Schlossbergsaal Freiburg) / Die ungebornen Enkel, Lieder auf Gedichten von Georg Trakl für Sopran und E-Cello. Carina Schmieger (Sopran); Johannes Moser (E-Cello) / The secret garden of the Cordania for E-Cello solo. Johannes Moser (E-Cello solo) – (Aufnahme 14. Mai 2021 im SWR Schlossbergsaal Freiburg)

Elektronische Instrumente stellen für Fabrice Bollon ein noch unerschöpftes Potential für die zeitgenössische Musik dar. In seinen neuen kammermusikalischen Werken erforscht der Komponist und Freiburger Generalmusikdirektor die Klangmöglichkeiten von E-Cello, E-Geige und E-Schlagzeug in verschiedenen Beisetzungen sowie in Kombination mit der menschlichen Stimme in einem Liederzyklus nach Gedichten von Georg Trakl.

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
JazzFacts: Das Komeda-Kontinuum – Vom Fortwirken der Tradition im polnischen Jazz

Von Bert Noglik. Mit dem Schaffen von Krzysztof Komeda fand der polnische Jazz zu einem eigenen Klang. Von dem 1969 tragisch früh verstorbenen Pianisten und Komponisten ging der Impuls aus, Freiräume zu suchen, mit Formen zu experimentieren, prägnante Kompositionen zu schaffen und sich dabei auch auf die slawische Musiktradition zu beziehen. Komedas Geisteshaltung durchzieht den Jazz in Polen bis in die Gegenwart. Unmittelbar von ihm geprägt wurden die wichtigsten Musiker, die aus seinen Gruppen hervorgingen – neben dem Altsaxofonisten Zbigniew Namyslowksi vor allem der Trompeter Tomasz Stanko. Auch jüngere Musiker wie die Pianisten Marcin Wasilewski, Leszek Mozdzer und Dominik Wania oder der Saxofonist Maciej Obara fühlen sich dem Werk Komedas stark verbunden. In der Sendung erklären sie, was dieses Erbe für sie bedeutet.

22:03 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Freispiel: Schwerpunkt: Im Studio – Das Radio ist nicht Sibirien

Von Rafael Jové. Regie: Ulrich Gerhardt. Mit: Rafael Jové, Saskia Rienth, Mareike Maage, Stefanie Rösner, Jeanne Devos, Xenia Noetzelmann, Maria Antonia Schmidt, Andreas Feddersen. Produktion: Bauhaus-Universität Weimar 2011. Länge: 47’35

Das Kulturradio FDR 2 hat sein Programm einer Reform unterzogen: Alle komplexen Sendungen wurden verbannt. Nun treiben austauschbare Inhalte auf einer Woge harmonischer Musik dahin. Doch Hagen Pollaschek ist live on air, und er ist dagegen.

Als an diesem Tag beim Radiosender FDR 2 das Mikrofon aufgeht, ist es für Hagen Pollaschek − Moderator der Sendung „FDR 2 Mittagstisch: Das Magazin um eins“ − das eine Mal zu viel. Der idealistische Eifer, mit dem er einst das erträumte Redaktionsvolontariat bei FDR 2 antrat, ist tiefster Frustration gewichen. Die Arbeit im strikt formatierten Kulturfunk unter der Knute der statistisch ermittelten Hörerzahlen hat Pollaschek jeden Glauben an die Radioarbeit genommen. An diesem Tag bricht all der angestaute Kummer und Zorn aus ihm heraus. Mit deutlichen Worten versucht er, das gestörte Verhältnis zwischen Hörerinnen und Radiomacherinnen wieder ins Reine zu bringen. Auch auf die Gefahr hin, dass dieser „Mittagstisch“ sein letzter gewesen sein könnte. Humorvolles Hörspiel über die Abgründe der publikumsorientierten Formatentwicklung.

Rafael Jové, geboren 1977 in Hamburg, lernte erst Mediengestalter Bild/Ton und studierte dann Medienkunst in Weimar. Er schreibt, fotografiert, legt Schallplatten auf, produziert Radiofeatures und freie Medienkunst, macht Aufführungen und Ausstellungen. Zuletzt: „Die heile Welt des Verbrechens − Stephan Derrick und die BRD“ (RBB 2018) und „Tonspur Bauhaus − Die Verschiebung der Schräge“ (Klassik Stiftung Weimar/Bauhaus-Museum Weimar/Deutschlandfunk Kultur 2019).

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Glänzende Solistin und passionierte Pädagogin – Die Geigerin Michèle Auclair (1924-2005)

Am Mikrofon: Norbert Hornig. Michèle Auclair zählte neben Ginette Neveu zu den bedeutendsten französischen Geigerinnen des 20. Jahrhunderts. Ausgebildet am Pariser Konservatorium, stand sie 1943 als Gewinnerin des Marguerite Long-Jacques Thibaud Wettbewerbs erstmals international im Rampenlicht. Ihre vielversprechende Solokarriere endete jedoch tragisch durch eine Verletzung bei einem Autounfall. Michèle Auclair wandte sich ganz der Violinpädagogik zu und unterrichtete lange am Pariser Konservatorium. Als Lehrerin genoss sie einen weltweiten Ruf, zu ihren Studentinnen gehörten u.a. Isabelle Faust und Carolin Widmann. Unter den wenigen kommerziellen Schallplattenaufnahmen der Geigerin befindet sich auch eine herausragende Aufnahme von Tschaikowskys Violinkonzert.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
The Voice: Tom Waits – Ein Musiker mit Underdog-Image

Tom Waits trinkt zwar längst keinen Schluck Alkohol mehr, tritt aber weiter als versoffene Kunstfigur auf: Mit Hut, Flachmann und Zigarette am Barpiano singt er mit seiner rau-lallenden Stimme seit den 70ern melancholische Geschichten über Huren, Penner und Beerdigungen. Aber auch laut pöbelnd kann er klingen. Das ist mal Blues, mal Jazz, Folk, Rock oder Theatermusik. Als Schauspieler unterstreicht er sein Underdog-Image – in berühmten Filmen von Jim Jarmusch oder Terry Gilliam.

23.03 | WDR 3
open: Multitrack: Mit Stefanie Schrank

Soundtracks und mehr – Moving Image

23:03 – 24:00 | Ö1
Die Noche de los Muertos des institut5haus bei Wien Modern 2021 (Teil 2)

Seit bereits mehreren Jahren feiern die Veranstalter/innen des institut5haus den Dia de los Muertos mit einer Noche de los Muertos. Der Dia de los Muertos, der Tag der Toten, ist einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage. Vom 31. Oktober bis zum 2. November, so der Glaube, statten die Verstorbenen den Lebenden einen Besuch ab. Im Wiener echoraum wurden sie auch heuer wieder mit einem kunstvollen audiovisuellen Totenaltar empfangen. Sechs Auftragskompositionen hat das institut5haus weiters vergeben, an Gudinni Cortina, Christoph Herndler, Christina Kubisch, JD Zazie, Joanna John und Ilpo Väisänen. Sie waren eingeladen sich in ihren elektroakustischen Stücken mit den Themen „physische Absenz, geistige Absenz, Nicht-Sein, Nicht-hier-Sein, Fehlen (und) Tod“ auseinanderzusetzen. Entstanden sind sechs höchst unterschiedliche und in viele verschiedene Richtungen weisende musikalische Reflexionen.   Gestaltung: Susanna Niedermayr

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Jazztime: All that Jazz – Die Trompete, die Luft und der weite Horizont

Der norwegische Jazzmusiker Mathias Eick in Gesprächsauszügen und Musik, u.a. aus seinem neuen Album „When We Leave“. Moderation und Auswahl: Roland Spiegel


fr – 11.02.2022


00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Joachim Ludwig: Klavierkonzert Nr. 2 (Joachim Ludwig, Klavier; Bamberger Symphoniker: Alexander Sander); Christoph Peter: „Streichquartett 1968“ (Keller Quartett); Carl Manker: Pélude (Suzanne Bradbury, Klavier); Carl Mansker: „Der Fächer im Herbst“ (trio songuina); Bernd Redmann: „Five Little Obsessions“ (Bruno Jouard, Flöte; Jule Risbet, Viola; Helebn Radice, Harfe); Werner Rottler: Sonate (Jakob Gillmann, Violine; Werner Rottler, Klavier); Adrian Sieber: „Augenblicke – eine Sammlung“ (Alexander Schimpf, Klavier)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
BR-KLASSIK – Das Musik-Feature: Eddie Rosner & Oskar Böhme – Vom Schicksal zweier deutscher Trompeter in Stalins Haft

Von Julia Smilga. Sie hatten beide Russland als ihre zweite Heimat gewählt. Der Trompeter Oskar Böhme zog 1898 nach Sankt Petersburg und wurde dort Solotrompeter an der Kaiserlichen Oper, dem Mariinsky Theater. Er war Mitbegründer der Bläserschule am Sankt Petersburger Konservatorium und wurde 1914 zum Ehrenbürger von Sankt Petersburg ernannt. Doch nach der Oktoberrevolution verlor er seine Stelle. 1935 wurde Oskar Böhme während Stalins Verfolgungskampagne als Deutscher festgenommen. Wegen der Anklage, in der man ihn der Bildung einer Spionageorganisation beschuldigte, wurde Oskar Böhme 1938 zum Tode verurteilt und hingerichtet …

Eddie Rosner flüchtete 30 Jahre später vor dem Nationalsozialismus in die Sowjetunion. Der Berliner Trompeter war als Jude und Jazzmusiker doppelt verfolgt. In der Sowjetunion war Eddie Rosner zunächst willkommen, mit seinem neugegründeten Jazzorchester trat er sogar bei Regierungskonzerten auf. 1946 ist seine glänzende Karriere jedoch zu Ende – es herrscht Kalter Krieg und Jazz ist in der Sowjetunion unerwünscht. Nach einer vernichtenden Kritik in der „Prawda“ versucht Rosner nach Polen zu fliehen, wird aber an der Grenze verhaftet und als „Heimatverräter“ für zehn Jahre in einen Gulag gesperrt …

Julia Smilga begibt sich auf die Spuren der beiden Trompeter in Berlin und Sankt Petersburg und zeichnet den Lebensweg der zwei bedeutenden Musiker unter Stalins Herrschaft nach.

20:04 bis 22:30 | WDR 3
WDR 3 Konzert live: WDR Funkhausorchester – Yiddish Rhapsody

„Bei mir bist du scheyn!“ Klezmer geteilt durch Jazz, Latin Music, Musicals und Rock – mit dem Sirba Octet als Gastensemble.

In der Welt des Klezmer liegen Lachen und Weinen, Abschied und Zärtlichkeit, Liebe und Schmerz ganz dicht beieinander. Das Sirba Octet aus Paris bewegt sich gemeinsam mit dem WDR Funkhausorchester entlang dieser emotionalen Grenzen und bringt eine packende Mischung aus Klezmer und Jazz auf die Bühne. Als der Geiger Richard Schmoucler 2003 das Sirba Octet gegründet hat, hat er einen völlig neuen Sound geschaffen. Mit den Arrangeuren Cyrille Lehn und Yann Ollivo, mit fünf befreundeten Musikern aus dem Orchestre de Paris, einem Pianisten und einem Zimbalisten formte Schmoucler ein einzigartiges Ensemble mit einer völlig neuen Sichtweise auf den Klezmer, die traditionelle jiddische Musik und den Gypsy Jazz. Für die „Yiddish Rhapsody“ kombinierten das Sirba Octet und die Sängerin Isabelle Georges die traditionelle jiddische Musik mit Elementen des Jazz, der lateinamerikanischen Stile, aus Musicals und Rock.

„Bei mir bist du scheyn!“ – Klezmer geteilt durch Jazz, Latin Music, Musicals und Rock. Sirba Octet; WDR Funkhausorchester, Leitung: Enrico Delamboye. Übertragung aus dem Kölner Funkhaus

20:05 Uhr | Deutschlandfunk
Das Feature: Der Vater der Propaganda – Wie Edward Bernays Massen manipulierte

Von Manuel Gogos. Regie: Philippe Brühl. Produktion: WDR/Deutschlandfunk 2020. Edward L. Bernays gilt als Vater der Propaganda. Der Neffe Sigmund Freuds versuchte mithilfe der Tiefenpsychologie seines Onkels, die US-Gesellschaft zu manipulieren. Der erste Spin-Doktor der Politik wollte die Massen kontrollieren.

Edward L. Bernays hat die Kunst der Beeinflussung der öffentlichen Meinung fast im Alleingang kreiert. Sein Klassiker „Propaganda“ von 1923 gehörte zur bevorzugten Lektüre von Joseph Goebbels. Nachdem die Deutschen den Begriff Propaganda in Verruf brachten, taufte Bernays sie in „Public Relations“ um. Er entwarf Werbekampagnen für Amerikas Wirtschaft, und er beriet die Politik. Heute, da allerorten ein erbitterter Kampf um die Meinungshoheit tobt und autoritäre Regime und Rechtspopulisten die Propaganda nutzen, um die Demokratie auszuhöhlen: Braucht es da vielleicht eine neue, wirkungsvollere Propaganda für die Demokratie? Wer die bessere Geschichte erzählt, gewinnt, erzählt Bernays’ Tochter Anne. Was kann uns Edward Bernays über die Kunst des Storytellings lehren?

22:03 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: Mit den Ohren sehen – Der Musikerfotograf Marco Borggreve

Von Michael Arntz. (Wdh. v. 15.01.2017). Er porträtiert die Großen der Musikwelt: Dirigenten, Solisten, Komponisten. Sol Gabetta steht vor seiner Kamera, ebenso wie Andris Nelsons, Vilde Frang und Jörg Widmann. Der Niederländer Marco Borggreve ist einer der renommiertesten Musiker-Fotografen. Seine Bilder sind Momentaufnahmen, komponiert aus Licht und Schatten. Doch über den 1965 geborenen Fotografen ist kaum etwas bekannt. Das Feature bringt Licht ins Dunkel: Musiker berichten von außergewöhnlichen Fotoshootings und Borggreve gewährt Einblicke in sein Atelier.

23:03 – 24:00 | Ö1
Astral Spirits. Helle Sterne am Improvisationshimmel. – Das texanische Label „Astral Spirits“ im Portrait

Was im Jahr 2014 als kleines, reines Kassetten-Label begonnen hat, zählt mittlerweile zu den produktivsten und vielseitigsten Labels der US-amerikanischen Jazz-Avantgarde und darüber hinaus. Das Motto: „The New Wave of Heavy Free Jazz“. Ein Motto, das einen guten Eindruck über die klanglichen Eigenschaften der weit über hundert Veröffentlichungen von Astral Spirits gibt. „Heavy“ meint hier aber nicht nur laut und brachial, sondern bedrückend leise ebenso wie rasend schnell oder auch einnehmend atmosphärisch. Mit Mats Gustafsson und Roscoe Mitchell finden bekannte Granden der Szene hier ein Zuhause, neben etwa der jungen Gitarristin Ava Mendoza und ihrem Saitenkollegen Brandon Seabrook. Der Zeit-Ton rückt das von Nate Cross in Austin, Texas betriebene Label ins Rampenlicht und präsentiert eine Auswahl an Musik aus dessen breit gefächertem Katalog. Gestaltung: Xavier Plus

23.03 | WDR 3
open: Diskurs: Krautrockmuseum [03] Bands – Wahlverwandtschaften

Dies wird kein Lexikon, hier wird es keine abgeschlossenen Sammelgebiete geben. Hier geht es um Herzensangelegenheiten. Um Musik und Musiker, die innerhalb kürzester Zeit die Musikgeschichte umgekrempelt haben.

„Krautrock“ ist nur ein Platzhalter für all die vielen anderen Bezeichnungen – Progressiv Rock; Avant-Rock, Art-Rock etc – kein Begriff trifft es wirklich. Es geht auch nicht um einen Stil – es geht um ein Phänomen. Und dem wollen wir uns auf verschiedenste Wegen nähern.

Dazu gehören Betrachtungen über die Beziehungskisten der Bands, ihre Hooochzeiten, ihre dramatischen Streitereien oder tragischen Verluste…

Episode Drei: Die Band als Wohngemeinschaft; als Familienangelegenheit, als Schulkameradenband, als gecastete „Super-Group“ – Es gibt viele Modelle, wie so eine Band funktioniert. Doch der Werdegang, die Höhen und Tiefen, die Dramen im Blitzlichtgewitter, die kleinen Sticheleien und großen Gemeinheiten – Darüber ließen sich Romane schreiben (was ja auch schon geschehen ist). Wir bescheiden uns mit einigen ausgewählten, aber typischen Beispielen. Lebenssaftig allemal.

Im Gespräch: Florian Zwißler. King Crimson: Happy Family / Book of Saturday | Gentle Giant: Edge of Twilight / Free Hand | Jethro Tull: A New Day Yesterday / Thick as a Brick | Yes: Heart of the Sunrise / Owner of a Lonely Heart


sa – 12.02.2022


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Eddie Rosner & Oskar Böhme – Vom Schicksal zweier deutscher Trompeter in Stalins Haft

Sie hatten beide Russland als ihre zweite Heimat gewählt. Der Trompeter Oskar Böhme zog 1898 nach Sankt Petersburg und wurde dort Solotrompeter an der Kaiserlichen Oper, dem Mariinsky Theater. Er war Mitbegründer der Bläserschule am Sankt Petersburger Konservatorium und wurde 1914 zum Ehrenbürger von Sankt Petersburg ernannt. Doch nach der Oktoberrevolution verlor er seine Stelle. 1935 wurde Oskar Böhme während Stalins Verfolgungskampagne als Deutscher festgenommen. Wegen der Anklage, in der man ihn der Bildung einer Spionageorganisation beschuldigte, wurde Oskar Böhme 1938 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Eddie Rosner flüchtete 30 Jahre später vor dem Nationalsozialismus in die Sowjetunion. Der Berliner Trompeter war als Jude und Jazzmusiker doppelt verfolgt. In der Sowjetunion war Eddie Rosner zunächst willkommen, mit seinem neugegründeten Jazzorchester trat er sogar bei Regierungskonzerten auf. 1946 ist seine glänzende Karriere jedoch zu Ende – es herrscht Kalter Krieg und Jazz ist in der Sowjetunion unerwünscht. Nach einer vernichtenden Kritik in der „Prawda“ versucht Rosner nach Polen zu fliehen, wird aber an der Grenze verhaftet und als „Heimatverräter“ für zehn Jahre in einen Gulag gesperrt. BR-KLASSIK begibt sich auf die Spuren der beiden Trompeter in Berlin und Sankt Petersburg und zeichnet den Lebensweg der zwei bedeutenden Musiker unter Stalins Herrschaft nach. Eine Sendung von Julia Smilga

20:04 bis 23:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert: Bundesjazzorchester – „Bavaria & Beyond“

Unter der Leitung des Jazztrompeters Matthias Schriefl präsentierte das Bundesjazzorchester im Sommer 2021 das Programm „Alpenjazz“.

Die Musiker:innen des Bundesjazzorchesters (BuJazzO) erforschen bei diesem Projekt die Schnittmengen zwischen alpiner Volksmusik, Jazz und zeitgenössischen Grooves. Die jungen Solist:innen der Big Band bereichern darüber hinaus den Alpen-Jazz-Stil mit eigenen Impulsen. Dabei liegt dem Bandleader und Musiker Matthias Schriefl die Improvisationsfreiheit der Rhythmusgruppe besonders am Herzen. Neben den Instrumentalist:innen sind ist auch das bandeigene Vokalensemble beteiligt, es unternimmt Ausflüge in die Schlagerwelt der 1920er und 1930er Jahre und probiert neue Jodeltechniken aus. Dieses Projekt wird von Matthias Schriefl geleitet, der mit 15 Jahren jüngstes Mitglied im Bundesjazzorchester wurde. Von 2000 bis 2005 studierte er Jazztrompete in Köln und Amsterdam, seitdem tourt er in den unterschiedlichsten Kontexten durch Clubs und große Konzerthäuser in ganz Europa.

Das BuJazzO ist das offizielle Jugendjazzorchester der Bundesrepublik Deutschland. Seit mehr als 30 Jahren beweisen hier herausragende Nachwuchsmusiker:innen Spielfreude, Virtuosität und Improvisationskunst. Darüber hinaus ist das BuJazzO Kulturpartner von WDR 3 und pflegt seit 2010 eine Orchesterpatenschaft mit der WDR Big Band.

Bundesjazzorchester; Trompete, Alphorn, Arrangement und Leitung: Matthias Schriefl. Aufnahme aus der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf

20:05 Uhr | Deutschlandfunk
Hörspiel: r_crusoe™ – Von wittmann/zeitblom

Realisation: wittmann/zeitblom. Mit Christian Wittmann (Stimmen und Gesang) und zeitblom (Elektronik und Programmierung). Ton: Boris Wilsdorf. Dramaturgie: Sabine Küchler. Produktion: Deutschlandfunk/SWR 2021. Länge: 56’17

Posthumane Robinsonade von wittmann/zeitblom. Die Erde nach dem Aussterben der Menschheit. Der Hochleistungsrechner G.A.I.A. aktiviert das für diese Situation vorgesehene Programm r_crusoe™ und modelliert ein neues, humanes Wesen. Seine selbst auferlegte Mission: Wiederbesiedlung des Planeten

Wie Robinson, der berühmte Schiffbrüchige 350 Jahre, vor ihm streift es ziellos durch verlassene Landschaften und stellt sich dank großzügiger Zugriffsmöglichkeiten auf Know-how, Ressourcen und Human Enhancement den Herausforderungen einer menschenleeren Welt. Erst als G.A.I.A. (aus ökologischen Gründen?) keine Begegnung mit Freitag vorsieht, gerät das Projekt ins Wanken. Zu stark sind die Muster des Humanen, zu groß r_crusoes Einsamkeit. Doch das selbstlernende System findet einen überraschenden Ausweg.

Eine Stunde Science-Fiction, in der die Autoren unter Zuhilfenahme klangsynthetischer Mittel über die existenzielle Frage nach der Beschaffenheit von Realität meditieren: Ist die Welt eine leere Projektionsfläche, auf die der Mensch malt, oder existiert sie als Korallenriff, als Sukkulentenkolonie, als Monarchfalter, als terrestrischer Komposthaufen?

Mit „r_crusoe™“ präsentieren wittmann/zeitblom nach „@Wonderworld – The Story of Alice & Bob“ (Deutschlandfunk 2018), sowie „Tell Me Something Good, Stockhausen!“ 2019), den finalen Teil ihrer Trilogie über künstlich-intelligente Welten.

Christian Wittmann, geboren 1967 in München, Schauspieler, Regisseur, Hörspielmacher. Zeitblom (Georg Falk-Huber), 1962 in Rosenheim geboren, Komponist, Musiker, Autor, Produzent. Als wittmann/zeitblom realisieren sie seit 2010 zusammen Radioprojekte zwischen experimenteller Musikcollage, Radio-Oper und performativem Konzert. Außerdem erarbeiten sie audiovisuelle Installationen und Live-Performanceprojekte, auch im öffentlichen Raum. 2020 Hörspielpreis der Kriegsblinden für „Audio.Space.Machine“ (Deutschlandfunk/NDR/SWR in Zusammenarbeit mit IMF 2019).

22:03 bis 23:00 | SWR 2
SWR2 Jazztime: Klassiker des Hard Bop – Das Clifford Brown/Max Roach Quintet

Von Hans-Jürgen Schaal. Da hatten sich zwei gefunden: Clifford Brown, der sensationelle Jungstar an der Trompete, und Max Roach, der Dompteur der Rhythmen. Ihr gemeinsames Quintett vereinte das Beste aus Bebop und Cool Jazz und galt als wichtige Keimzelle des Hard Bop. Brown, der auf der Trompete diese perfekten, melodisch gerundeten Achtelnotenphrasen spielte, und Roach, der die Rhythmen am Schlagzeug geradezu orchestrierte: Sie waren hier gleichberechtigte Solisten. Doch das Ende der Dream-Band kam plötzlich und tragisch – durch einen tödlichen Verkehrsunfall im Sommer 1956.

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Hören und Forschen – Reihe Ensemblekulturen (2): Die Salzburger Formation Names

Von Egbert Hiller. Das Ensemble Names bezeichnet sich als New Art and Music Ensemble Salzburg. Interdisziplinäre Forschungsarbeit an den Schnittstellen zwischen den Künsten zu betreiben, ist ein zentraler Impuls. Zu den Mitgliedern der Formation zählen Komponisten, die selbst mitspielen. Überhaupt nehmen alle Musikerinnen und Musiker mehrere Funktionen ein. Das Ensemble managt sich selbst und ist demokratisch organisiert. Gegründet wurde Names 2014 am Salzburger Mozarteum. Inzwischen hat es eigene Konzertreihen. In besonderen Projekten horcht es auf den Pulsschlag der Jetztzeit – und spürt seinen Klangvisionen nach. Auch überregional macht sich Names einen Namen. Im September 2021 wirkte es erstmals beim Salzburger Taschenopernfestival mit und studierte unter Leitung von Peter Rundel vier neue Kurzopern ein.

23:00 | hr2-kultur
The Artist’s Corner | Hessen hören 10 Tilman Küntzel – Einmal Jugenheim, bitte

Moderation: Stefan Fricke. Tilman Küntzel erblickte im Juli 1959 in Jugenheim an der Bergstraße das Licht der Welt.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
Late Night Jazz: Jazz im Film

Improvisierte Musik passt eigentlich gar nicht zu den starren Abläufen der Filmindustrie. Und doch gibt es legendäre Soundtracks, grandiose Filmbiographien und nicht zuletzt jede Menge kleiner und großer Auftritte von Jazzern im Film. Jens Lehmann hat sich mal in seine DVD-Sammlung gewühlt.

23:03:00 | Ö1
Die Ö1 Jazznacht: Julia Schreitl im Studio und mit „FrauenGestalten“ im Wiener RKH

„FrauenGestalten“ hat Julia Schreitl ihr neues Projekt genannt. Die niederösterreichische Saxofonistin, bis dato u. a. im Duo JuJu mit Bratschistin Judith Reiter hervorgetreten, setzt sich hier mit ihrer aktuellen Doppelrolle als Musikerin und Mutter zweier Kleinkinder auseinander: Hat sie doch die Erfahrung gemacht, seither auf neue Weise mit gesellschaftlichen Erwartungshaltungen und tradierten Rollenbildern konfrontiert zu werden.

„FrauenGestalten“ begreift sich als Zyklus, in dessen Kompositionen Schreitl weibliche Rollenklischees ausgenzwinkernd reflektiert: Muse, Amazone, Diva, Glucke, Hexe, Schlampe und andere Stereotypen werden klanglich in Szene gesetzt und hinterfragt. Ausgeführt wird dies von einem mit Musikerinnen der Wiener Jazzszene besetzten Quintett: Neben Julia Schreitl sind die Saxofon-Kolleginnen Viola Falb und Sophie Hassfurther zu vernehmen, Emily Smejkal (Kontrabass) und Judith Schwarz (Schlagzeug) sorgen für das harmonisch-rhythmische Fundament.

Verena Göltl bitte Julia Schreitl zum Gespräch und präsentiert die Aufnahme des „FrauenGestalten“ Programms, die am 28. Jänner 2022 im Studio 3 des Wiener RadioKulturhauses entstanden ist, im Rahmen der Konzertreihe „5 Millionen Pesos“.

23.03 | WDR 3
Studio Akustische Kunst: Blaues Rauschen 2021 #6

Schon am Eröffnungsabend brachte das Festival Blaues Rauschen drei Verschmelzungsexperimente mit analoger und digitaler Technik auf die Bühne unter der futuristisch anmutenden Kuppel des ehemaligen Bahngebäudes in Bochum: BBB_ fragen sich zwischen Techno und Theater, ob Künstliche Intelligenz eine neue, vereinende Sicht auf unser Leben ermöglicht? Electric Indigo nutzt im Zyklus „Ferrum“ die digitale Entmaterialisierung und verschmilzt in ihrer Performance virtuelle Metallmoleküle. Ressourcenschonender „Industrial“ mit einem Minimum an Energieverbrauch. Rikkert Broks „optical machines“ bringt Licht und Klang in einen interaktiv gesteuerten Kunstprozess. Aufnahme vom 25. September 2021 aus der Rotunde, Bochum


so – 13.02.2022


00:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Stunde 1 Labor: Revolte und Freiheit – Leben und Kunst der Surrealistin Toyen in Prag und Paris

Von Olga Hochweis. Sie gilt als die bedeutendste tschechische Künstlerin des 20. Jahrhunderts und ist doch selbst in Fachkreisen immer noch eine große Unbekannte. Vergessen starb Toyen 1980 in Paris. Dabei ist ihr Werk hochaktuell und radikal modern. Furchtlos hat sie in ihrem umfangreichen Werk (Malerei, Zeichnung, Illustration, Druckgraphik und Collagen) sexuelle, politische und künstlerische Identitäten in Frage gestellt. Geboren 1902 in Prag als Marie Äerminová, wählte die kurzhaarige Frau im Overall früh das Pseudonym Toyen (von „citoyen“ – Bürger“ ), um binären Zuschreibungen zu entgehen. Erotik, Leben, Traum und Revolte sind wiederkehrende Themen. Verstörende Motive lückenhafter (oft weiblicher) Körper, Tiere, Fell, Federn, Blut öffnen den Weg ins Unterbewusste. Viele Werke spiegeln zugleich die konkrete Auseinandersetzung mit Tod und Zerstörung – etwa während der Nazi-Okkupation der Tschechoslowakei und des Zweiten Weltkriegs.

Früh wurdeToyen Teil der tschechischen Avantgarde, deren Blütezeit in die ersten Jahre der unabhängigen Tschechoslawakei fiel und den intensiven Austausch zwischen Literaten, Musikern und Künstlern markierte (anfänglich in Strömungen wie Devetsil und Poetismus). Mit ihrem Kollegen und Lebensgefährten Štyrský proklamierte Toyen 1927 den Artifizialismus, 1934 war sie Gründungsmitglied der Prager Surrealisten. Nach der kommunistischen Machtübernahme 1948 ging sie nach Paris, wo sie sich im Surrealisten-Kreis um André Breton bewegte. Sie blieb schöpferisch bis ins hohe Alter, geriet aber in den letzten zwei Jahrzehnten ihres Lebens in Vergessenheit. 78-jährig starb sie 1980 in Paris. Ihre Neu- und Wiederentdeckung passt in unsere so surrealen Zeiten.

Die Hamburger Kunsthalle hat Toyens Werk in Zusammenarbeit mit der Prager Nationalgalerie gerade eine erste internationale Retrospektive gewidmet. Ab März 2022 wird die Ausstellung im Musée d´Art Moderne in Paris zu sehen sein.

00:05:00 | Ö1
Die Ö1 Jazznacht: (Fortsetzung) Julia Schreitl im Studio und mit „FrauenGestalten“ im Wiener RKH

„FrauenGestalten“ hat Julia Schreitl ihr neues Projekt genannt. Die niederösterreichische Saxofonistin, bis dato u. a. im Duo JuJu mit Bratschistin Judith Reiter hervorgetreten, setzt sich hier mit ihrer aktuellen Doppelrolle als Musikerin und Mutter zweier Kleinkinder auseinander: Hat sie doch die Erfahrung gemacht, seither auf neue Weise mit gesellschaftlichen Erwartungshaltungen und tradierten Rollenbildern konfrontiert zu werden.

„FrauenGestalten“ begreift sich als Zyklus, in dessen Kompositionen Schreitl weibliche Rollenklischees ausgenzwinkernd reflektiert: Muse, Amazone, Diva, Glucke, Hexe, Schlampe und andere Stereotypen werden klanglich in Szene gesetzt und hinterfragt. Ausgeführt wird dies von einem mit Musikerinnen der Wiener Jazzszene besetzten Quintett: Neben Julia Schreitl sind die Saxofon-Kolleginnen Viola Falb und Sophie Hassfurther zu vernehmen, Emily Smejkal (Kontrabass) und Judith Schwarz (Schlagzeug) sorgen für das harmonisch-rhythmische Fundament.

Verena Göltl bitte Julia Schreitl zum Gespräch und präsentiert die Aufnahme des „FrauenGestalten“ Programms, die am 28. Jänner 2022 im Studio 3 des Wiener RadioKulturhauses entstanden ist, im Rahmen der Konzertreihe „5 Millionen Pesos“.

17:10:00 | Ö1
Spielräume Spezial: Irene Kitchings und Irene Higginbotham im Porträt

Das Black History Monat Februar, eine Idee des US-amerikanischen Historikers Carter Woodson, gibt seit 1926 „die Chance, die viel zu oft vernachlässigten Beiträge der schwarzen Amerikaner/innen in allen Gebieten in der Geschichte zu ehren“. Für die Spielräume eine gute Gelegenheit, die beiden Irenes in den Mittelpunkt zu stellen, die die Story der Billie Holiday mitgeschrieben haben.

Mehr als 140 Songs schrieb Irene Kitchings, motiviert durch ihre Freundin Billie Holiday. Einige davon wurden zu sogenannten Jazzstandards. Ihr Partner, der Autor Arthur Herzog schwärmte von ihrer Musik, zu der ihm immer Worte einfielen. Die Komponistin und Pianistin trat auch bei der Weltausstellung 1933 auf. Ihre Namensvetterin Irene Higginbotham war eine der Black Females, die sich im weiß dominierten Genre Singer-Songwriting durchsetzen konnten und doch im Hintergrund der Geschichte blieben; ihre Musik wurde u.a. von Diana Krall, Natalie Cole oder Benny Goodman interpretiert.

20:05 Uhr | Deutschlandfunk
Freistil: Body Sounds – Was man hört, wenn man Körper hört

Von Julian Kämper. Regie: Philippe Brühl. Produktion: Deutschlandfunk 2022. „Du solltest mehr auf deinen Körper hören!” – lautet ein Rat, der zum gesundheitlichen Wohlbefinden beitragen soll. Was aber bewirkt es in uns, wenn wir buchstäblich darauf achten, welche Geräusche der menschliche Körper macht? Wie klingt der menschliche Körper? Das interessiert Mediziner sowie Komponistinnen und Klangforscher gleichermaßen. Hier werden Körperklänge – Atem, Pulsschlag, knackende Gelenke – zu akustischen Indikatoren für den gesundheitlichen Zustand; dort wird der Körper mit seinem vielfältigen Geräuschspektrum als Instrument behandelt. Sind die Klänge, die unsere Mitmenschen produzieren, besonders intim, kann das bei uns Hörenden Gefühle von Begehren, Scham oder Ekel auslösen. So entsteht der Eindruck von physischer Nähe und räumlicher Präsenz einer anderen Person, der für Telefonsex genauso essenziell ist wie für das Internet-Phänomen ASMR, wenn mit Geräuschen Wohlgefühle ausgelöst werden sollen. Kann das Körperhören fehlende Zweisamkeit kompensieren und dazu beitragen, sich nie mehr einsam fühlen zu müssen? Wie weit reicht der akustische Einfluss des Körpers?

21:00:00 | Ö1
Ö1 Kunstsonntag: Milestones: Mulatu Astatke: „Yèkatit -Ethio Jazz“ (1974)

Eigentlich hätte der junge Mulatu Astatke eine technische Ausbildung absolvieren sollen, als er von seiner Familie 1956 zum Studium ins Vereinigte Königreich geschickt wurde. Doch bald erkannte er die Musik als seine Berufung, lernte in London Klarinette und begeisterte sich für den Jazz. Als er dann in den 60ern in die USA übersiedelte, um am Berklee College of Music in Boston Schlagwerk zu studieren, war es vor allem lateinamerikanische und karibische Musik, die ihn faszinierte.

Mit seinem Ethiopian Quintett tauchte er -vornehmlich als Vibrafonist -in die damals sehr populäre Verschmelzung von Soul-Jazz und afrokubanischer Rhythmik ein. Doch erst die Verbindung mit Elementen traditioneller äthiopischer Musik ließ jenen Stil entstehen, mit dem Astatke unter dem Begriff „Ethio Jazz“ nichts weniger als ein neues Genre begründete, das er zunächst auf dem kurzen Album „Mulatu of Ethiopia“ von 1972 mit Aufnahmen aus New York präsentierte.

„Yèkatit -Ethio Jazz“ („Februar -Ethio Jazz“) betitelte er das 1974 beim äthiopischen Label Amha Records erschienene nächste Album, das als weiteres zentrales Meisterwerk des „Father of Ethio Jazz“ gelten darf. Hier spielte Mulatu Astatke E-Piano statt Vibrafon und entwickelte u.a. gemeinsam mit dem eritreischen Saxofonisten und Flötisten Fekade Amde Maskal und den wabernden E-Gitarrenklängen von Andrew Wilson aus Zimbabwe faszinierende Soundkaskaden. Diese weisen zwar etwas weniger musikalische Vielfalt auf als das Vorgängeralbum, wirken dafür aber umso hypnotischer und ziehen von Anfang bis Ende in einen tranceartigen Bann.

22:08 – 23:00 | Ö1
Die musikalischen Entdeckungen des Wolfram Schurig – Ein Wanderer zwischen musikalischen Welten. Lieblingsmusik von Wolfram Schurig

Der Vorarlberger Blockflötist und Komponist Wolfram Schurig ist in der sogenannten Alten wie auch Neuen Musik gleichermaßen zu Hause. Er veröffentlicht CDs mit Ersteinspielungen Barocker Meister und seine Kompositionen werden bei den Donaueschinger Musiktagen, den Bregenzer und Salzburger Festspielen und bei Wien Modern uraufgeführt. Schurig liebt es, in Archiven zu kramen und er entdeckt gern Neues. Er ist ein Musikarchäologe und ein Musikforscher gleichermaßen und wird einiger seiner Entdeckungen in dieser Sendung präsentieren.  Gestaltung: Stefan Höfel

23:03 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: Stream, mit und ohne Video

Mit dem Entfallen von Präsenz-Konzerten während der Corona-Pandemie wurden gestreamte Konzerte fast zur Selbstverständlichkeit. Im zweiten Teil unserer Sendefolge „Lo-Fi und Hi-Res“ geht es um die Frage, wie Streaming und die damit verbundenen klanglichen und rezeptiven Bedingungen die neue Musik ästhetisch verändern.

Für die Neue Musik stellte sich diese Frage bereits vorher. Seit Jahren entstanden unterschiedliche künstlerische Ansätze, in denen Streaming zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung wird: Der Stream wird thematisch als Material oder Metapher, Formdynamik oder Distributionsmedium in Werken von Timothy McCormack, Jennifer Walshe, Anda Kryeziu, Johannes Winkler, Johannes Kreidler, Matthias Kranebitter und Rolf Riehm.

Timothy McCormack: your body is a volume für Streichquartett; JACK Quartet | Jennifer Walshe: Everything is Important für Streichquartett, Stimme und Film; Jennifer Walshe, Stimme; Arditti Quartet | Anda Kryeziu: Infuse: Playtime für verstärktes Ensemble; ensemble recherche | Johannes Winkler: slide compositions, Instagram | Johannes Kreidler: Requiem für Video, Stimme und Zuspiel / Der „Weg der Verzweiflung“ (Hegel) ist der chromatische. für 9 Instrumente, Audio- und Videoplayback; Nadar Ensemble, Leitung: Daan Janssens | Matthias Kranebitter: 3 nihilistische Etüden über eine Liebe der Musikindustrie für Klavier und Elektronik | Rolf Riehm: Archipel Remix für großes Orchester mit Samplingkeyboard; WDR Sinfonieorchester, Leitung: Peter Rundel | Rolf Riehm: O Daddy für Orchester und Zuspielungen; SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Leitung: Kazimierz Kord

 

radiofreak der alten schule. transistor, diode, spule, kondensator. ehemals manipulator:in mehrerer rundfunksendungen.

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