Die Radiowoche vom 27.12.21–02.01.2022

Im Radio. Foto: Hufner
Im Radio. Foto: Hufner

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 52.
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Inhalt


mo – 27.12.2021


19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
„Doppeltes Spiel“: Dmitrij Schostakowitsch – Eine Hörbiografie in zehn Kapiteln

Erstes Kapitel: Roter Oktober (1917-1925). Er ließ sich nicht gern die Karten schauen. Und er hatte Grund dafür. Über sein eigenes Leben behauptete Schostakowitsch: „Es war ziemlich grau und farblos“. In Wirklichkeit war es das spannendste Komponistenleben des 20. Jahrhunderts. Revolution und Bürgerkrieg, Stalins Terror und der zweite Weltkrieg, die Hoffnungen der „Tauwetter“-Periode und die Erstarrung unter Breschnew: Die ganze tragische Geschichte der Sowjetunion zieht eine Spur durch sein Schaffen. Als scheinbar linientreuer Musikfunktionär spielte er selbst mit – aber seine Musik spricht gegen das Regime, für dessen Opfer und für die Freiheit der Kunst. „Das ist ein Spiel, das übel enden kann“, drohte Stalin dem berühmtesten Komponisten des Landes in der „Prawda“. Kann ein sensibler, zerbrechlicher Mensch all das unbeschadet überstehen? Unter dem Titel „Doppeltes Spiel“ erzählt die neue Hörbiografie das Epos einer Zeit und kommt dem überraschend schillernden Helden auch privat sehr nahe. Die Hauptfigur verkörpert Ulrich Matthes, als Erzähler spricht Udo Wachtveitl. Eine Sendung von Jörg Handstein. Weitere Kapitel bis 07.01. immer um 19.05 Uhr auf BR-KLASSIK

19:30:00 | Ö1
Das Duo Jakob Zimmermann/Daniel Ismaili bei den INNtönen 2021

Jakob Zimmermann gilt aktuell als einer der vielversprechendsten Newcomer der österreichischen Jazzszene. Der 21-jährige Pianist aus Bludenz, der nach Jahren in Tirol seit einigen Monaten in Wien lebt, hat im Sommer dieses Jahres in Klavier-Trio-Besetzung seine vielbeachtete Debüt-CD „Resistance“ veröffentlicht. Das Duo mit dem in Düsseldorf lebenden Tiroler Schlagzeuger Daniel Ismaili ist die andere „Working group“ Zimmermanns, sie war am 1. August 2021 -kurzfristig für das schottische Fergus McCreadie Trio eingesprungen -beim INNtöne-Festival auf Paul Zauner Buchmannhof im oberösterreichischen Innviertel zu hören.

Und Zimmermann und Ismaili überzeugten nicht nur dank der plastischen, rhythmisch-melodisch komplexen und doch eingängigen Kompositionen des Pianisten, ihre Musik erzeugte auch immer wieder unwiderstehliche Sogwirkung und bedeutete damit einen würdigen Abschluss der diesjährigen INNtöne.

19:30 bis 20:00 | Deutschlandfunk Kultur
Nichts zu verbergen? Chancen und Risiken digitaler Identität

Von Thomas Kruchem. (Wdh. v. 19.10.2020). Eine Koalition aus Konzernen und Regierungen arbeitet an einer biometrisch definierten, digitalen Identität für jeden Menschen. Hier sollen zahllose persönliche Daten bis hin zu Zahlungsverkehr, Aufenthaltsorten und privaten Begegnungen zusammenlaufen. Über seine mit manipulationssicherer Blockchain-Technologie angelegte Identität solle, so die Befürworter, jeder selbst verfügen. Er müsse nur für behördliche oder kommerzielle Transaktionen erforderliche Daten freigeben. Auch Flüchtlinge und Kinder ohne Geburtsurkunde hätten so eine dokumentierte Existenz; Internet und Alltag würden sicherer. Kritiker sehen im Konzept digitaler Identität ein erschreckend effizientes Instrument weltweiter totaler Kontrolle des Einzelnen.

20:03 bis 21:30 | Deutschlandfunk Kultur
In Concert: Jazzfest Berlin

silent green Kulturquartier, Berlin. Aufzeichnung vom 07.11.2021. Sylvie Courvoisier Trio:; Sylvie Courvoisier, Piano und Komposition; Drew Gress, Bass; Devin Gray, Schlagzeug. Moderation: Matthias Wegner

21:05 Uhr | Deutschlandfunk
Klangraum Europa: Böhmen liegt in uns (3/4 und 4/4) – Eine Hörgeschichte der Bamberger Symphoniker

Von Eva Gesine Baur. 2021 konnten die Bamberger Symphoniker ihr 75-jähriges Bestehen feiern. Die Klangtradition, auf die sich die Musikerinnen und Musiker des Orchesters berufen, reicht jedoch viel weiter zurück, bis ins Prag der Mozartzeit. Der böhmische Klang, quasi die DNA des Traditionsensembles, sei daher heute noch hörbar, behaupten sie. Ein Narrativ, das immer wieder Gegenstand heftiger Diskussionen war. Und so reist auch bei Eva Gesine Baurs Spurensuche der Zweifel als ständiger Begleiter mit. Baurs vierteiliges Hörbuch, gelesen von Schauspieler und Iffland-Ring-Träger Jens Harzer sowie Nora Gomringer und Meike Rötzer entstand in Kooperation mit dem Deutschlandfunk. Es fördert eine Geschichte zu Tage, die leuchtender und schrecklicher nicht sein könnte, wie die Sachbuch- und Romanautorin betont, die auch unter ihrem Pseudonym Lea Singer bekannt ist. Denn neben dem künstlerischen Auf und Ab spiegelt ihre Geschichte des Klangs der Bamberger Symphoniker wie ein Seismograf auch die politischen Verwerfungen wieder, das Mit-, Neben- und Gegeneinander von Deutschen und Tschechen während der vergangenen gut 200 Jahre.

23:03 – 24:00 | Ö1
Verabschiedung vom Eurozentrismus: Geschichte und Zukunft der zeitgenössischen Musik im selbstkritischen Diskurs

Zentrale Institutionen zeitgenössischer Musik beschäftigen sich in jüngster Zeit vermehrt mit dem Thema der Dekolonisation. Das spiegelt sich einerseits in der diverser werdenden Einladungspolitik der Festivals wider, aber auch im begleitenden Diskursprogramm: Das Berliner Festival maerzmusik brachte heuer u.a. Workshops und eine Diskussionsrunde zur „Identität und Zukunft der zeitgenössischen Musik“ sowie ein von George E. Lewis kuratiertes Konzert des Ensemble Modern unter dem Motto „Afro-Modernism in Contemporary Music“. Auch beim ORF musikprotokoll im steirischen herbst wird seit geraumer Zeit das Primat des westzentrierten Blicks in Frage gestellt – etwa mit Festivalprogrammen zum Schwerpunkt „Nebenan – Erkundungen in Europas Nachbarschaft“ und dem Programmaustausch über das Festival-netzwerk ICAS der International Cities of Advanced Sound. Zum 100. Geburtstag der Donaueschinger Musiktage gab es im Oktober 2021 beim ältesten Neue-Musik-Festival einen Schwerpunkt unter dem Titel „Donaueschingen Global“. Dazu wurden seit 2019 Musik-Scouts durch alle Kontinente geschickte, die ihre Entdeckungen in Donaueschingen bei Konzerten, Installationen, Performances sowie Panels vorstellen und diskutieren werden. Organisationen wie das Berliner Kunst-Laboratorium Savvy und das EU-Finanzierte Projekt „Sounds Now“ stellen das Thema der Inklusion bei kuratorischen Entscheidungsprozessen in den Fokus. (Wiederholung vom 27. September 2021) Gestaltung: Rainer Elstner

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Jazztime: Jazztoday – Zum 70.Geburtstag von John Scofield (26.12.1951)

Henning Sieverts feiert den stilprägenden amerikanischen Gitarristen in Aufnahmen aus allen Phasen seiner Karriere, u.a. mit Miles Davis, Herbie Hancock, Steve Swallow, Eddie Harris, Larry Goldings und Bill Stewart.


di – 28.12.2021


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Heroines of Sound – Pionierinnen der elektronischen Musik

Von Hubert Steins. In der vermeintlichen Männerdomäne der elektronischen Musik waren früh schon immer auch Komponistinnen elektroakustischer Werke aktiv.

Durch die „Me-Too-Debatte” verändert sich derzeit der Blick auch auf die jüngere Musikgeschichte. So kann auch die Frühgeschichte der elektronischen Musik einer Revision unterzogen werden, denn obwohl als Männerdomäne betrachtet, sind Komponistinnen elektronischer Werke bereits in der Frühgeschichte der elektroakustischen Musik zahlreich vertreten. So listet etwa die zum Berliner Festival erschienene Publikation „Heroines of Sound” rund 90 Pionierinnen der elektroakustischen Musik auf, von denen in der Sendung einige vorgestellt werden.

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Winter-Bilder

Enjott Schneider: Orgelsymphonie Nr. 11, Licht – Mitten im kalten Winter (Hans Leitner, Orgel); Theo Rossmann: „Eine Ballade für den Hausgebrauch im Winter“ (Marcel Cordes, Bariton; Münchner Philharmoniker: Theo Rossmann); Dietrich Ammende: „Weißer Schnee, weiße Gräber“ (Hans Hotter, Bariton; Dietrich Ammende, Klavier); Hans Werner Henze: „Royal Winter Music I“ (Stephan Stiens, Gitarre); Wilhelm Killmayer: „Hölderlin-Lieder“, 3. Zyklus (Markus Schäfer, Tenor; Siegfried Mauser, Klavier); Markus Zahnhausen: „Winterbilder“ (Markus Bartholomé, Blockflöte); Anton Würz: Aus „Acht Gesänge nach Versen chinesischer Dichter“ (Edith Urbanczyk, Sopran; Hortense Wieser, Klavier); Markus Schmitt: „Echoi“ (Sebastian Hess, Violoncello; Moritz Eggert, Klavier); Rudolf Heinz Bartl: „Es ist ein Schnee gefallen“ (Anneliese Seitz, Sopran; Paul Sanders, Klavier); Hans Werner Henze: „Royal Winter Music II“, Bottom’s Dream (Stephan Stiens, Gitarre)

11:05 bis 12:00 | Bayern 2
Bayern 2-Radio Revue: Die Lautlosen – Wie sich die vietnamesische Community in Ost und West integriert hat

Von Susanne Betz. Wiederholung um 18.05 Uhr. Sie kamen als Vertragsarbeiter aus dem kommunistischen Norden Vietnams in die DDR und als Flüchtlinge vor dem Kommunismus aus dem Süden nach Westdeutschland. Lautlos und fast unsichtbar hat sich die 180.000 umfassende Community integriert. Viele sind zu Wohlstand gekommen. Ein Phänomen ist, dass der Aufstieg durch Bildung rasant verläuft: Vietnamesische Kinder sind in der Schule Überflieger, sie toppen in allen Studien Kinder aus anderen Migrationsgruppen und vor allem auch deutsche Schüler. Das Feature von Susanne Betz erklärt, wie und warum dieser Integrationsmechanismus erfolgt. Es wird aber auch gezeigt, wie sehr die zweite Generation unter dem Druck leidet und versucht, gegen die Werte der ersten Generation zu rebellieren. Vor allem sind die jungen Deutsch-Vietnamesen nicht mehr lautlos.

19:05 bis 20:00 | Bayern 2
Zündfunk extra: 50 Years After – The Mahavishnu Orchestra

Mit Roderich Fabian. 1971 war ein gutes Jahr für Popmusik. Drei Jahre nach Woodstock und ein Jahr nach Auflösung der Beatles ging es längst nicht mehr nur ums Tanzen und Mitsingen. Nein, die fortschrittliche Musik einer neuen Generation etablierte sich als gleichberechtigte Kunstform und als Ausdruck neuer Ideen. In dieser Reihe feiern wir sechs Alben des Jahres 1971, die die Evolution des Pop weiterbrachten. Wiederholung vom 18. Juli 2021

19:30 bis 20:00 | Deutschlandfunk Kultur
Ein Gespenst geht um in der Welt (1/2) – Entstehung, Ideen und Wirkungen des Neoliberalismus

Die Entstehung und die Frühgeschichte des Neoliberalismus (1938-1979). Von Kristin Langen. (Teil 2 am 29.12.2021 19:30 Uhr). Ob konservativ, Mitte oder links – alle scheinen sich einig: Neoliberalismus, das ist nichts Gutes. Selten wird der Begriff befürwortend verwendet, zumeist werden Missstände damit beschrieben und oft ist Neoliberalismus oder neoliberal ein Kampfbegriff. Das war nicht immer so. Als der Begriff kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, 1938, auf dem Walter-Lippmann-Kolloquium in Paris zum ersten Mal aufkommt, bezeichnen sich die anwesenden Intellektuellen als Neoliberale – in einem positiven Sinn. In einer Zeit, in der totalitäre Systeme – Faschismus, Kommunismus – in der Welt den Ton angeben, bemühen sie sich um eine Wiederbelebung liberaler Ideen. Noch ist die neo-liberale Bewegung ein Randphänomen, auch in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Doch ihre Vertreter bilden Netzwerke und schaffen so die Voraussetzung, um später in Wissenschaft, Publizistik und Politik Einfluss zu gewinnen. Zugleich bilden sich unterschiedliche Strömungen heraus. Bald wird die Frage, was überhaupt Neoliberalismus ist, gar nicht mehr so einfach zu beantworten sein.

Zur welthistorischen Zäsur werden die 70er-Jahre. Mit steigender Arbeitslosigkeit und Inflation in den westlich-kapitalistischen Ländern wachsen die Zweifel an den wirtschaftspolitischen Konzepten des sozialstaatsfreundlichen Keynesianismus. Nach dem Putsch in Chile 1973 bekommen neoliberale Ökonomen die Chance, ihre Ideen einer radikal liberalisierten Marktwirtschaft in politische Praxis umzusetzen. 1979 gewinnt Margret Thatcher die Wahlen in Großbritannien und Ronald Reagan wird Präsident der USA. Es ist ein Durchbruch: Besonders die angelsächsische Spielart des Neoliberalismus gewinnt jetzt politisch an Bedeutung. Im Kampf gegen Inflation und Staatsverschuldung versprechen die neuen Liberalen Wohlstand und Wachstum durch Privatisierung von Staatseigentum, Liberalisierung von Märkten und einer Eindämmung von Gewerkschaftsmacht. Bald wird diese wirtschaftspolitische Philosophie global zur dominanten Strömung an Universitäten, in Wirtschaftsforschungsinstituten, Medien und Politik. Bis zur Weltfinanzkrise 2008. Sie markiert eine Zäsur. Der Neoliberalismus wird von einer breiten Öffentlichkeit in Frage gestellt. Und in Deutschland taucht mit der Bundestagswahl 2021 plötzlich die Frage auf: Gibt es eine Renaissance des Sozialliberalismus?

20:05 bis 21:00 | SWR 2
SWR2 Jazz Session: #zusammenspielen – Das Russudan Meipariani Ensemble

Von Julia Neupert. Gesang in der georgischen Vokaltradition, instrumentale Minimal Music-Strukturen und freie Improvisation: Das sind die musikalischen Eckdaten des Stuttgarter Russudan Meipariani Ensembles. Ausgezeichnet unter anderem beim Creole-Wettbewerb und nominiert für den Preis der deutschen Schallplattenkritik, waren die Pianistin, Komponistin und Sängerin Russudan Meipariani, die Geigerin Natalie Meipariani und der Cellist Giga Khelaia jetzt mit ihrem aktuellen Programm in unserer Reihe #zusammenspielen zu Gast.

20:10 Uhr | Deutschlandfunk
Vom Sendespiel zum Podcast – Die kurze Geschichte des westdeutschen Hörspiels

Von Ulrich Bassenge; Regie: der Autor; Mit Ulrich Bassenge, N.N.; Produktion: Deutschlandfunk 2021. Länge: 49’. Die Geburt des Hörspiels fiel mit der des Radios zusammen. Heute, in der digitalen Gegenwart muss sich das Hörspiel erneut als eigenständige Kunstform beweisen. Ulrich Bassenge erzählt knapp hundert Jahre Radiogeschichte am roten Faden der Dramaturgie.

Auf die Geburt des Hörspiels in den 20er-Jahren folgte eine rasante Phase des Aufbruchs und der Avantgarde, jäh erstickt vom Nationalsozialismus. Nach dem Krieg hatte sich das Hörspiel neu zu definieren. Was war es denn nun: Literatur? Theater? Klangkunst? Oder ganz einfach eine offene Form, wie das Helmut Heißenbüttel 1968 postulierte? Heute, herausgefordert durch das Podcast-Format und immer abrufbar, muss sich das Hörspiel erneut als eigenständige Kunstform beweisen. Der Hörspielmacher Ulrich Bassenge erzählt knapp 100 Jahre Radiogeschichte am roten Faden der Dramaturgie.

Ulrich Bassenge ist seit über 30 Jahren als Hörspielautor, -komponist und -regisseur tätig. Seine Arbeiten sind sowohl genre- als auch gattungsübergreifend, ob in der Auseinandersetzung mit anderen Medien oder im Brückenschlag zur Popkultur. Zeit seines Schaffens hat er sich kämpferisch für das Originalhörspiel – fernab von Bestseller- und Klassikeradaptionen – eingesetzt und damit die Gattung der Radiokunst nachdrücklich gestärkt.

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Jahresrückblick 2021

Mit Lydia Jeschke, Michael Rebhahn, Leonie Reineke und Martina Seeber. Zum Jahresende schaut die Redaktion Neue Musik auf die musikalischen Ereignisse des Jahres 2021. Was waren die aufregendsten Uraufführungen? Was die größten Überraschungen? Was ist hängen geblieben von einem „hybriden“ Musikjahr?

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Aqua sonora – Wasser, Quelle für Neue Musik

Von Katalin Fischer. „Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser, denn Wasser ist alles, und ins Wasser gehrt alles zurück“, sagte Thales von Milet. Homer beschrieb den Flussgott Okeanos als „Ursprung der Götter“ und Anfang allen Seins. Und nun das zentrale Statement: Wasser ist gleich Leben – Wasser ist gleich Musik – ergo: Wasser ist gleich Leben ist gleich Musik. Beide bewegen sich in Wellen fort, und Wellen transportieren Energie, aber keine Materie. Beide werden der rationalen Wissenschaft zugerechnet, denn sie lassen sich durch Zahlen ausdrücken – zugleich sind sie aber auch Gefühlstransporter, deren Art und Wirkung nicht berechenbar ist. Eine abenteuerliche Reise nimmt ihren Lauf, vom seligen Embryonalzustand absoluter Aufgehobenheit weiter zur versunkenen Insel Atlantis, von der Ursuppe zu den Bakterien, von Ursprungsmythen zur sinkenden Titanic und schließlich zum musikalischen Gesamtkunstwerk des John Cage, der seine Irrationalsymphonie mit roten Rosen und einer Gummiente gestaltet und als krönenden Höhepunkt fünf Radios vom Tisch fegt.

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Musikszene: Body Turn – Körper und Körperlichkeit in der Musik

Von Hanno Ehrler. Seit den 90er-Jahren gibt es in den Disziplinen Soziologie und Kulturwissenschaft eine zunehmende Hinwendung zum Körper. Dieser „body turn“ scheint sich auch in der europäischen Kunstmusik niederzuschlagen. Vinko Globokars „Corporel“ ist eines der ersten Stücke, die sich mit der Körperlichkeit von Musik beschäftigten: Ein Schlagzeuger sitzt dabei auf der Bühne, schlägt und trommelt auf seinem Körper. Heute thematisieren verschiedene Komponistinnen und Komponisten „das Körperliche“ des Musikmachens weniger plakativ. Robin Hoffmann fordert z.B. völlig ungewohnte Spieltechniken, bei denen die Interpretinnen und Interpreten ihre Bewegungen ganz neu mit der Musik zusammenbringen müssen. Alexander Schubert filmt sich selbst bei Alltagstätigkeiten und macht diese Aufnahmen zum Bestandteil seiner Werke. Jennifer Walshe spricht von einer neuen Disziplin, denn zu Musik gehöre körperliche Aktion unabdingbar dazu.

23:03 – 24:00 | Ö1
Der Bariton Wolfgang Holzmair singt „Minnelieder“ zu Cerhas 95. Geburtstag

Im Sommer 2020 wurden im ORF RadioKulturhaus einige Kompositionen von Friedrich Cerha anlässlich seines 95. Geburtstags, den er am 17. Februar 2021 begangen hat, erstmals aufgenommen. Darunter waren auch das frühe Werk „Ein Buch von der Minne“ (1946-1964) und der späte Liederzyklus nach Texten von Ilija JovanoviÄ (2014).

Seine 14 Minnelieder auf Texte der drei Minnesänger Mechthild von Magdeburg, Der von Kürenberg und Hesso von Reinach sowie weiteren ohne eindeutige Zuordnung, beschreibt Friedrich Cerha selbst als „ein Dokument, das Wesentliches am zugrundeliegenden stilistischen Wollen belegt“. Er schloss „bewusst an ältere Liedformen an“, „Parallelen zu von Satie berührten mittelalterlichen Techniken“ finden sich daran lange vor seiner Auseinandersetzung mit dessen Musik. Cerha widmete diese Lied-Sammlung seiner Frau Gertrud, die er 1951, kurz nach der Uraufführung eines ersten Teils, geheiratet hat. Darin finden sich Lieder wie „Nur eine kann mir Freude geben“, „Frau, du Schöne, nun fahre mit mir“ oder das bekannte Liebeslied „Du bist mein, ich bin dein“.

Friedrich Cerha entdeckte die Gedichte des aus Serbien stammenden, ab 1970 Österreich lebenden Dichters Ilija JovanoviÄ (1947-2010) in der Zeitschrift „Zwischenwelt“, die sich dem Thema Widerstand und Exil widmet. Die Lebensgeschichte des Rom ging ihm sehr nahe und er wählte zwölf seiner Gedichte aus, die eine tiefe Sehnsucht nach Heimat prägen, um diese zu vertonen: „Was hinter seinen Versen steht, ist das Sich-fremd-Fühlen in der Welt, in der er lebt — isoliert und allein. Ich fand darin für mich sehr Vertrautes, war ich doch einen wesentlichen Teil meines Lebens von anderen Prinzipien getragen, als die des größten Teils der Gesellschaft, die mich umgab.“

Cerha beschreibt die musikalische Sprache, die er für diesen Zyklus gefunden hat, als „lapidar, plastisch, fast wie in Stein gehauen … Sie ist extrem textbezogen und nimmt kaum mehr Raum ein als die Gedichte selbst“.

Der Bariton Wolfgang Holzmair gilt als ausgewiesener Kenner von Cerhas Liedern und als textdeutlicher und -deutender Interpret. Gemeinsam mit Florian Müller, dem langjährigen Pianisten im Klangforum Wien, hat er diese beiden Zyklen aufgenommen. Der Sänger gibt Auskunft über seinen Zugang zu Cerhas Musik und wie er sich dieser angenähert hat. (Wiederholung vom 15. Februar 2021). Gestaltung: Marie-Therese Rudolph


mi – 29.12.2021


00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Christoph Wünsch: „Zwischen Tag und Traum“ (Novalis Quartett); Rainer Pezolt: „Elegia metallica“ (Antje Gerlof, Flöte; Anne-Kathrein Jordan, Klavier); Elke Tober-Vogt: Orchestersuite Nr. 2 (Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt: Oliver Weder); Rolf Rudin: „Der Spinnerin Nachtlied“ (musica-viva-chor bamberg: Fritz Braun); Wilfried Jentzsch: „Paysages FLV“ (Karl Schicker, Flöte; Wilfried Jentzsch, Tonband); Heinrich Hartl: „Ein weites Feld“, op. 150 (Nürnberger Symphoniker: Bernhard Gueller); Herbert Hechtel: „A New Morning“, op. 48 (Peter Sauermann, Klavier)

19:30 bis 20:00 | Deutschlandfunk Kultur
Ein Gespenst geht um in der Welt (2/2) – Entstehung, Ideen und Wirkungen des Neoliberalismus

Durchbruch und Desaster des Neoliberalismus (1979-2008) Von Kristin Langen. Ob konservativ, Mitte oder links – alle scheinen sich einig: Neoliberalismus, das ist nichts Gutes. Selten wird der Begriff befürwortend verwendet, zumeist werden Missstände damit beschrieben und oft ist Neoliberalismus oder neoliberal ein Kampfbegriff. Das war nicht immer so. Als der Begriff kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, 1938, auf dem Walter-Lippmann-Kolloquium in Paris zum ersten Mal aufkommt, bezeichnen sich die anwesenden Intellektuellen als Neoliberale – in einem positiven Sinn. In einer Zeit, in der totalitäre Systeme – Faschismus, Kommunismus – in der Welt den Ton angeben, bemühen sie sich um eine Wiederbelebung liberaler Ideen. Noch ist die neo-liberale Bewegung ein Randphänomen, auch in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Doch ihre Vertreter bilden Netzwerke und schaffen so die Voraussetzung, um später in Wissenschaft, Publizistik und Politik Einfluss zu gewinnen. Zugleich bilden sich unterschiedliche Strömungen heraus. Bald wird die Frage, was überhaupt Neoliberalismus ist, gar nicht mehr so einfach zu beantworten sein.

Zur welthistorischen Zäsur werden die 70er-Jahre. Mit steigender Arbeitslosigkeit und Inflation in den westlich-kapitalistischen Ländern wachsen die Zweifel an den wirtschaftspolitischen Konzepten des sozialstaatsfreundlichen Keynesianismus. Nach dem Putsch in Chile 1973 bekommen neoliberale Ökonomen die Chance, ihre Ideen einer radikal liberalisierten Marktwirtschaft in politische Praxis umzusetzen. 1979 gewinnt Margret Thatcher die Wahlen in Großbritannien und Ronald Reagan wird Präsident der USA. Es ist ein Durchbruch: Besonders die angelsächsische Spielart des Neoliberalismus gewinnt jetzt politisch an Bedeutung. Im Kampf gegen Inflation und Staatsverschuldung versprechen die neuen Liberalen Wohlstand und Wachstum durch Privatisierung von Staatseigentum, Liberalisierung von Märkten und einer Eindämmung von Gewerkschaftsmacht. Bald wird diese wirtschaftspolitische Philosophie global zur dominanten Strömung an Universitäten, in Wirtschaftsforschungsinstituten, Medien und Politik. Bis zur Weltfinanzkrise 2008. Sie markiert eine Zäsur. Der Neoliberalismus wird von einer breiten Öffentlichkeit in Frage gestellt. Und in Deutschland taucht mit der Bundestagswahl 2021 plötzlich die Frage auf: Gibt es eine Renaissance des Sozialliberalismus?

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 NOWJazz: Familienbande – Verwandtschaftliche Kooperationen im Jazz

Von Franziska Buhre. Ein musikalisches Elternhaus kann den Nachwuchs darin bestärken, selbst eine Laufbahn im Jazz anzustreben. Andererseits ist der Beruf Jazzmusiker*in nicht besonders familienfreundlich. Zudem müssen sich Kinder berühmter Jazzmusiker notorisch den Vergleich mit ihren Eltern gefallen lassen – ist das eine Bürde oder Ehre? Haben professionelle Musiker*innen die Karrieren ihrer Kinder im Jazz gefördert oder eher skeptisch betrachtet? Sind jazzende Geschwister ein seltenes Phänomen oder häufig anzutreffen? Die Sendung erkundet Familienbande quer durch Genres und die Jazzgeschichte.

21:30 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Alte Musik: Ein Flame in Florenz – Der Komponist Heinrich Isaac

Von Helga Heyder-Späth (Wdh. v. 12.12.2017). „Quis dabit capiti meo aquam …?“, „Wer wird meinem Haupt Wasser geben? Wer wird meinen Augen einen Tränenquell geben, so dass ich Tag und Nacht weine?” Heinrich Isaac hatte allen Grund, 1492 dieses Trauergedicht auf den Tod des großen Lorenzo de Medici zu vertonen. Dieser berühmte Medici-Spross, den alle Welt Il Magnifico nannte, war ein großer Förderer des Flamen. Er hatte den jungen Isaac als einen der Cantori di S. Giovanni nach Florenz geholt. Auch wenn Isaac später als „Componist und diener“ am Hof der Habsburger und damit vor allem nördlich der Alpen Karriere machte, blieb Florenz seine Wahlheimat. Dort starb er 1517. Heute ist dieser Ausnahmemusiker der Renaissance vielen nur noch dank seines Liedes „Innsbruck, ich muss dich lassen“ bekannt. Zu Lebzeiten war er eine Berühmtheit, hochgelobt wie Josquin des Prez, aber, so berichten Zeitgenossen, der liebenswürdigere Mensch.

22:00 bis 23:00 | MDR Kultur
Das Geheimnis der menschlichen Stimme

von Susann Krieger. Sie vermag zu beeindrucken, Langeweile zu verbreiten. Sie kann andere für sich einnehmen, abschrecken, sie kann manipulieren. Die menschliche Stimme ist vielfältig. Sie erlaubt uns einen unmittelbaren Zugang zu unserem Gegenüber. Die Stimme ist damit in der Alltagskommunikation eine entscheidende Quelle, aus der wir unsere Kenntnisse über unsere Kommunikationspartner erhalten, sagt Walter Sendlmeier.

Er ist Spezialist auf dem Fachgebiet mündliche Kommunikation und untersucht an der TU Berlin die gesprochene Sprache in allen ihren Facetten. Hunderte von Stimmen – Alltagsstimmen – hat er erforscht und analysiert, in Studios aufgenommen, aus ihnen „gelesen“, sie vermessen und ausgewertet. Was eine Stimme alles kann und sagt, wenn sie nach oben geht, die Worte schneller werden, die Sprache unverständlich wird, oder die Stimme plötzlich ganz versagt.

Mittlerweile gibt es Messgeräte und Systeme, die anhand einer Stimme Persönlichkeiten, Emotionen und sogar Krankheiten herauslesen und erkennen. Die Polizei ermittelt unter anderem mit einer forensischen Spracherkennung und erstellt damit Täterprofile.

Das Feature nähert sich dem Geheimnis der menschlichen Stimme. Im Gespräch mit Expert*innen, im Zuhören von Stimmen, Stimmphänomenen, Stimmgeräuschen hinterfragt es Wirkung und Wechselwirkung unserer einzigartigen Stimme. (59 Min.). Regie: Ulf Köhler. Produktion: MDR 2021

22:05 Uhr | Deutschlandfunk
Historische Aufnahmen: Nicht nur für Kinder – Engelbert Humperdinck und sein Märchen-Spiel „Hänsel und Gretel“

Am Mikrofon: Klaus Gehrke. Ausgerechnet eine Märchenoper hatte Engelbert Humperdinck, der vor 100 Jahren verstarb, zu Weltruhm verholfen; dabei liebte er insbesondere die Musikdramen von Richard Wagner. Die haben auf „Hänsel und Gretel” ebenso abgefärbt wie bekannte volksliedhafte Melodien, die der Komponist auf anspruchsvolle und raffinierte Art und Weise verarbeitete. Vor allem ab der Adventszeit ist das explizit für Kinder gedachte Stück an vielen Bühnen zu sehen und es bleibt ein idealer Einstieg in die wundersame Welt der Oper. Humperdinck selbst bezeichnete sein spätromantisches Werk einmal augenzwinkernd als „Kinderstubenweihfestspiel“. Das an den Gebrüdern Grimm orientierte Libretto verfasste seine Schwester Adelheid Wette. Richard Strauss leitete die Weimarer Uraufführung am 23. Dezember 1893.

23:00 | hr2-kultur
Doppelkopf Am Tisch mit Julia Hamari, „Mezzo-Meisterin“

Mehr als zwei Millionen wollten auf YouTube sehen und hören, wie Julia Hamari die Arie „Erbarme Dich, mein Gott“ aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach singt. Mit dieser Arie beginnt die Mezzosopranistin 1966 eine steile Karriere, die sie schnell als Oratorien-, Lied- und Opernsängerin in alle Welt führt.

23:03 – 24:00 | Ö1
William Basinski: Der hypnotische Klang des Zerfalls – 2021 revisited.

Inspiriert von Brian Eno, Terry Riley und John Cage, fing der US-amerikanische Musiker William Basinski Ende der 1970er Jahre an, mit Bandmaschinen-Schleifen zu experimentieren. In seinen Loops verband er Klangfetzen aus dem Radio mit Klarinetten-, Saxophon- und Synthesizer-Klängen. Erst mehr als 20 Jahre später sollte diese hypnotische Musik in Form der „Disintegration Loops“ erstmals an die Weltöffentlichkeit dringen. Während er sein Bandarchiv digitalisierte, bemerkte der Musiker nämlich den zunehmenden Zerfall der alten Schleifen, – und machte diesen zum zentralen Konzept. Obwohl er in seinen Werken seitdem unterschiedliche Ansätze verfolgt: Das Loop, die endlose Wiederholung von Melodie-Miniaturen, bleibt bis heute ein roter Faden durch das Werk von William Basinski. Im Interview mit Stefan Trischler spricht er über prägende Inspirationen, den auch sein Leben maßgeblich verändernden 11. September 2001 und seine relativ neue Liebe für serbische Folklore-Musik. Gestaltung: Stefan Trischler


do – 30.12.2021


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Festival TIME:SPANS

Mary Flagler Cary Hall, New York. Aufzeichnung vom 20.08.2021. Alex Mincek: „So Many Ways“ (2021) (Uraufführung) | Sam Pluta: „Systems of Interaction I“ (2021) (Uraufführung) | Ben Lamar Gay: „Known Better. Still Lit“ (2021) (Uraufführung).

Wet Ink Ensemble: Erin Lesser, Flöte; Alex Mincek, Saxofon; Jan Antonio, Schlagzeug; Eric Wubbels, Klavier; Mariel Roberts, Violoncello; Kate Soper, Stomme; Sam Pluta, Elektronik

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Herbert Baumann: „Ein Weihnachtskonzert“ (Württembergisches Kammerorchester Heilbronn: Paulus Christmann); Hans Mielenz: „Weihnachtsmusik“, op. 91 (Max Hecker, Flöte; Kurt Kalmus, Oboe; Gerd Starke, Klarinette; Karl Kolbinger, Fagott; Kurt Richter, Horn); Hermann Zilcher: Vier Lieder, op. 14 (Christa Mayer, Mezzosopran; Konrad Jarnot, Bariton; Carl-Heinz März, Klavier); Rolf Wilhelm: „Die Jugendstreiche des Knaben Karl“ (Filmorchester: Rolf Wilhelm); Hans Melchior Brugk: Klavierkonzert Es-Dur, op. 50 (Hildegard Stenda, Klavier; Münchner Rundfunkorchester: Dieter Roßberg); Fritz Büchtger: Stück für Klavierquartett (Münchner Klavierquartett); Günter Bialas: „Sechs Bagatellen“ (Raschèr Saxophone Quartet)

19:30 bis 20:00 | Deutschlandfunk Kultur
Zeitfragen: Psychische Gesundheit – Außer Betrieb: über die gesellschaftlichen Ursachen von Depressionen

Von Carina Schroeder. Wer an einer Depression leidet, geht zunehmend offen damit um. Dabei geraten auch die gesellschaftlichen Gründe für Depressionen in den Fokus.

20:00 bis 21:30 | hr2-kultur
Graffiti in der Neuen Musik (3). Werke von Luigi Nono und Salvatore Sciarrino

Für die einen sind sie Vandalismus, für die anderen Kunst: Graffitis. Die bild- und zeichenhaften Interventionen im öffentlichen Raum haben auch Spuren in der zeitgenössischen Musik hinterlassen.

Luigi Nono (1924-1990): Musica-Manifesto N. 1 (1968/69) / „Un Volto, del Mare“ für Sopran, Stimme und Tonband – Liliana Poli, Sopran; Kadigia Bove, Stimme. / „Non consumiamo Marx“ für Tonband (Stimme: Edmonda Aldini). (Realisation der Tonbänder: Studio de Phonologie de la RAI de Milano, Marino Zuccheri, 1969)

Salvatore Sciarrino (*1947): „Quaderno di Strada“ (2003). Zwölf Gesänge und ein Sprichwort für Bariton und Ensemble – Miljenko Turk, Bariton; Ensemble Modern; Dirigent: Bas Wiegers. (Aufnahme vom 28. April 2021, Frankfurt LAB, Frankfurt am Main)

Werktitel und Werkkommentare… Wir brauchen sie. Die Komponist*innen hingegen vielleicht nicht einmal. Aber ohne Namen lässt sich vieles kaum ansprechen. Über Graffiti in der Musik ließe sich kaum reden, gäbe es nicht Autor*innen, die ihre Stücke so betitelt hätten. Die Motivation, eine Komposition als Graffiti auszuweisen, dürfte für jede und jeden eine andere gewesen sein. Wahrscheinlich, weil er oder sie die anonym auf Wände, Züge oder andere Stellen im öffentlichen Raum gesprühten, mit fetten Markern geschriebenen Wörter, Tags, Symbole oder Sprüche interessant oder verstörend oder aussagekräftig fand und sie ideell, mithin strukturell in die musikalische Konzeption hat einfließen lassen.

21:05 bis 22:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Moritz Eggert: Neue Dichter Lieben, Liederzyklus für Singstimme und Klavier

Esther Valentin (Mezzosopran); Konstantin Pagenetti (Bariton); Anastasia Grishutina (Klavier). In Anspielung an Robert Schumanns Liederzyklus „Eine Dichterliebe“ hat Moritz Eggert eine Sammlung von Klavierliedern geschrieben, die das Sujet des verliebten Dichters ins 21. Jahrhundert überführt. Gefühlvoll, ironisch, mit vielen Anspielungen an das Kunstlied der Romantik hat Eggert einen großen Bogen über die Möglichkeit, seiner Gefühle in Musik habhaft zu werden, komponiert.

21:05 bis 22:00 | Deutschlandfunk
JazzFacts: Auslese: Die Platten des Jahres 2021

Am Mikrofon: Odilo Clausnitzer, Michael Engelbrecht und Karsten Mützelfeldt. Was waren die Jazzalben des Jahres? Welche Neuveröffentlichungen ragten heraus – und warum? Im Gespräch stellen die drei „JazzFacts”-Autoren Karsten Mützelfeldt, Michael Engelbrecht und Odilo Clausnitzer ihre Favoriten von 2021 vor und diskutieren darüber.

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Neue Musik | „Wer klopfet an?“ – Von der musikalischen Karriere eines Alltagsgeräuschs

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffnet sich das Tor für kompositorische Erkundungen akustischer Alltagsphänomene, wozu auch das Klopfen gehört. Eine Sendung von Michael Zwenzner. Das Klopfen – anzutreffen in Biologie, Brauchtum, Handwerk oder Maschinenwelt, als Vitalzeichen, Signalgeber, Morsecode oder Nebengeräusch – findet seinen Weg in die Musik von Komponisten wie Cage, Scelsi, Johnston, Lucier, Eötvös, Battistelli, Pesson oder Dienz. Im Gespräch mit dem Perkussionsperformer Zoro Babel und anhand ausgewählter Klangbeispiele aus acht Jahrzehnten Musikgeschichte spürt Michael Zwenzner den Motivationen und Manifestationen musikalischen Klopfens – und der Lust daran – nach.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: „Axis Mundi“: Die neue CD der Pianistin Hélène Pereira

Iván Solano: „Triptych of an Echo“, Mayu Hirano: „Sillage“; John Cage: „Mysterious Adventure“; Jean-Claude Risset: „Duett für einen Pianisten“; François Rossé: „Higashi Yama“ (Hélène Pereira , Klavier)

23:03 – 24:00 | Ö1
In Erinnerung an Peter „Pita“ Rehberg – 2021 revisited. In memoriam Peter „Pita“ Rehberg

Am 22. Juli ist Peter „Pita“ Rehberg völlig überraschend im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Im Rahmen unserer heurigen revisited-Serie möchten wir noch einmal an das so bedeutende Schaffen dieses konsequenten Querdenkers erinnern. Er mag die „Physikalität“ – die Körperlichkeit – von Klang, starke Bilder und Gefühle und eine gute Dynamik, schilderte Rehberg einmal in einem „Zeit-Ton“-Interview. Mit seiner stets intensiven Musik, die in ihrer Tiefenschärfe in allen Farben zu funkeln vermag, und mit seiner engagierten Label-Arbeit hat er Generationen an Elektronikmusiker/innen inspiriert und geprägt. Seit 26 Jahren bereits ist eine Veröffentlichung auf Mego bzw. auf Editions Mego ein Gütesiegel, das viele Musikschaffende erstmals ins internationale Rampenlicht rückte und dabei den Grundstein für so manche Karriere legte. Der Schock saß dementsprechend tief. Der plötzliche Tod des Editions Mego-Gründers sei ein derartiger Einschnitt, schrieb etwa Philip Sherburne in einem Artikel auf Pitchfork, dass er die Geschichte der elektronischen Musik in ein Vorher und Nachher teilen wird. Es wird wie mit den Spuren eines vernichtenden Waldbrandes sein, der sich in die Jahresringe der Bäume eingeschrieben hat.  Gestaltung: Susanna Niedermayr


fr – 31.12.2021


00:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: Simultaneous – Von Pamela Z

Mit: Azza Abo Rebieh, Zeno Baldi, Fiori Berhane, Alessandro Bosetti, Courtney Bryan, Bruna Cammarano, James Casebere, Sonya Clark, Brian Davis, Dan Diffendale, Carol Flake Chapman, Ashley Hahn, Elizabeth Heintges, John Jesurun, Alana Mailes, Nelsy Massoud, Brian McPhee, Eugenia Morpurgo, Federica Nicolardi, Joel Pattison, Antoine Picon, William Schutt, Nicole Sealy, Jeremy Simmons, Gabriel Soare, Kate Thomas, Christopher van den Berg, Alexis Wang, Adam Weinberg, Parrish Wright, Michael Young, Paul David Young, Pamela Z. Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2020. Länge: 44’34

Wenn zwei Menschen an zwei Orten gleichzeitig dasselbe tun, entsteht ein Fünkchen Magie. Die Vokalperformerin Pamela Z erforscht das Phänomen der Gleichzeitigkeit vom Unisono bis zur Multitasking-Kultur.

Das Hörstück „Simultaneous“ entstand aus einer Faszination: Die Komponistin und Vokalperformerin Pamela Z konnte nicht aufhören, über das Phänomen „Simultanübersetzung“ nachzudenken. Einerseits interessierte sie die mentale Fähigkeit zur Gleichzeitigkeit: das In-einer-Sprache-Sprechen, während man einer anderen zuhört. Andererseits war sie begeistert vom Klang sich überlagernder Stimmen.

Für „Simultaneous“ führte Pamela Z Interviews über verschiedene Formen von Synchronizität: von jenen magisch-zufälligen Momenten, die entfernte Orte oder Zeiten miteinander verbinden, bis hin zur zweifelhaften Kulturtechnik des Multitasking.

Pamela Z ist Performerin, Komponistin und Medienkünstlerin. Sie arbeitet mit Stimme, Sampling, durch Gesten gesteuerte Midi-Controller und Video. Wenn sie auf der Bühne steht, wirkt es, als würde sie tanzen. Mithilfe dieser Geräte schichtet sie Interviewsamples und verwebt sie mit ihrer eigenen Stimme zu einem Rausch der Gleichzeitigkeit.

Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter die United States Artists Fellowship (2020), den Rome Prize (2019), das Stipendium der Robert Rauschenberg Foundation (2017), den Herb Alpert Award (2016), den Doris Duke Artist Impact Award (2015) und das Guggenheim-Stipendium (2004).

00:10 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Peter Michael Hamel: „Oh Erde …“ (via-nova-chor München: Karl Suttner); Helmut Bieler: „Miserere Domini“ (Uwe Hoppe, Sprecher; Ute Döring, Alt; Chor der Universität Bayreuth: Helmut Bieler); Erna Woll: „Sieben Rosen später“ (Wolfgang Holzmair, Bariton; Thomas Palm, Klavier)

13:05 Uhr | Deutschlandfunk Kultur
Die Kräfte des Marktes und die Verantwortung des Staates – Über die Zukunft des Liberalismus

Moderation: Gerhard Schröder. Ob konservativ, Mitte oder links – alle scheinen sich einig: Neoliberalismus, das ist nichts Gutes. Selten wird der Begriff befürwortend verwendet, zumeist werden Missstände damit beschrieben und oft ist Neoliberalismus oder neoliberal ein Kampfbegriff. Das war nicht immer so. Als der Begriff kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, 1938, auf dem Walter-Lippmann-Kolloquium in Paris zum ersten Mal aufkommt, bezeichnen sich die anwesenden Intellektuellen als Neoliberale – in einem positiven Sinn. In einer Zeit, in der totalitäre Systeme – Faschismus, Kommunismus – in der Welt den Ton angeben, bemühen sie sich um eine Wiederbelebung liberaler Ideen. Noch ist die neo-liberale Bewegung ein Randphänomen, auch in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Doch ihre Vertreter bilden Netzwerke und schaffen so die Voraussetzung, um später in Wissenschaft, Publizistik und Politik Einfluss zu gewinnen. Zugleich bilden sich unterschiedliche Strömungen heraus. Bald wird die Frage, was überhaupt Neoliberalismus ist, gar nicht mehr so einfach zu beantworten sein.

Zur welthistorischen Zäsur werden die 70er-Jahre. Mit steigender Arbeitslosigkeit und Inflation in den westlich-kapitalistischen Ländern wachsen die Zweifel an den wirtschaftspolitischen Konzepten des sozialstaatsfreundlichen Keynesianismus. Nach dem Putsch in Chile 1973 bekommen neoliberale Ökonomen die Chance, ihre Ideen einer radikal liberalisierten Marktwirtschaft in politische Praxis umzusetzen. 1979 gewinnt Margret Thatcher die Wahlen in Großbritannien und Ronald Reagan wird Präsident der USA. Es ist ein Durchbruch: Besonders die angelsächsische Spielart des Neoliberalismus gewinnt jetzt politisch an Bedeutung. Im Kampf gegen Inflation und Staatsverschuldung versprechen die neuen Liberalen Wohlstand und Wachstum durch Privatisierung von Staatseigentum, Liberalisierung von Märkten und einer Eindämmung von Gewerkschaftsmacht. Bald wird diese wirtschaftspolitische Philosophie global zur dominanten Strömung an Universitäten, in Wirtschaftsforschungsinstituten, Medien und Politik. Bis zur Weltfinanzkrise 2008. Sie markiert eine Zäsur. Der Neoliberalismus wird von einer breiten Öffentlichkeit in Frage gestellt. Und in Deutschland taucht mit der Bundestagswahl 2021 plötzlich die Frage auf: Gibt es eine Renaissance des Sozialliberalismus?

20:05 bis 21:00 | Deutschlandfunk
Das Feature: Ziemlich unkontrollierbar – Die Liedermacherin Bettina Wegner

Von Daniel Guthmann und Christian Buckard. Regie: Thomas Wolfertz. Produktion: Deutschlandfunk 2016. Im Westen ist die deutsche Liedermacherin Bettina Wegner vor allem für ihre Liedzeile „Sind so kleine Hände“ berühmt. Für die Menschen im Osten Deutschlands ist die Sängerin eine Ikone des Widerstands gegen die SED-Diktatur.

Die beiden Autoren nähern sich dem Menschen jenseits der Legende an: einer Frau, die bis heute singt, sagt und tut, wozu sie Lust hat. Traurig ist sie sowieso. Aber auch rebellisch und humorvoll. Und neugierig. Auch auf ihre eigene Geschichte: So machte sich Bettina Wegner nach der Wiedervereinigung auf, um jenen Stasi-Offizier kennenzulernen, der den „Operativen Vorgang“ gegen sie und ihre Familie geleitet hatte. Auf dieser Reise bleibt Bettina Wegner, was sie stets war: unkontrollierbar.

20:10 bis 21:30 | Deutschlandfunk Kultur
Paul Abraham – „Die Blume von Hawaii“

Operette in drei Akten. Libretto: Emmerich Földes, Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda; Bühnenpraktische Rekonstruktion von Matthias Grimminger und Henning Hagedorn

Kanako Hilo – Andreja Schneider; Prinzessin Laya / Suzanne Provence – Alma Sadé, Sopran; Prinz Lilo-Taro – Tansel Akzeybek, Tenor; Kapitän Reginald Harald Stone – Johannes Dunz, Tenor; Joker Jim – Jörn-Felix Alt, Gesang; John Buffy – Julian Habermann, Tenor; Bessi Worthington – Mirka Wagner, Sopran; Raka – Josefine Mindus, Sopran. Lindenquintett Berlin; Orchester der Komischen Oper Berlin; Leitung: Koen Schoots

Südsee, Jazz und Liebesschwüre! In seinem größten Erfolg fügt Paul Abraham alles zusammen, was das Operetten-Herz begehrt: einen aberwitzigen Plot rund um die amerikanische Besetzung von Hawaii, exotisch-funkelnde Song-Juwelen und gleich drei Liebespaare, die sich am Ende glücklich in den Armen liegen.

23:03:00 | Ö1
Harald Krassnitzer über seine Faszination für den Jazz

Gast in der Ö1-Silvester-Jazznacht ist der bekennende Jazzfan Harald Krassnitzer. Der 1960 in Grödig bei Salzburg geborene Schauspieler ist seit Jahren als Tatort-Kommissar Moritz Eisner TV-bekannt. Im Gespräch mit Christian Bakonyi spricht Krassnitzer über seine erfolgreiche Fernsehkarriere, auch in den Rollen als „Bergdoktor“ und „Winzerkönig“, aber auch über seine Theater-Engagements in Stücken von Ibsen, Dürrenmatt, Schiller, Goethe und Grillparzer.

In erster Linie gehen Harald Krassnitzer und Christian Bakonyi jedoch auf musikalische Spurensuche und versuchen in detektivischer Kleinarbeit die Faszination des Jazz zu ergründen. Die gemeinsam getätigte Musikauswahl wird sie dabei auf die richtige Fährte bringen, und nebenbei ein paar interessante Fragen zu Jazz, Blues und World Music beantworten. Für musikalische Spannung ist auch im Weiteren gesorgt, denn in der Silvester-Jazznacht steht zudem mysteriöser Krimi-Jazz auf dem Programm, von „Anatomy of a Murder“ bis zu „The Untouchables“.


sa – 01.01.2022


00:08:00 | Ö1
(Fortsetzung) Harald Krassnitzer über seine Faszination für den Jazz

Gast in der Ö1-Silvester-Jazznacht ist der bekennende Jazzfan Harald Krassnitzer. Der 1960 in Grödig bei Salzburg geborene Schauspieler ist seit Jahren als Tatort-Kommissar Moritz Eisner TV-bekannt. Im Gespräch mit Christian Bakonyi spricht Krassnitzer über seine erfolgreiche Fernsehkarriere, auch in den Rollen als „Bergdoktor“ und „Winzerkönig“, aber auch über seine Theater-Engagements in Stücken von Ibsen, Dürrenmatt, Schiller, Goethe und Grillparzer.

In erster Linie gehen Harald Krassnitzer und Christian Bakonyi jedoch auf musikalische Spurensuche und versuchen in detektivischer Kleinarbeit die Faszination des Jazz zu ergründen. Die gemeinsam getätigte Musikauswahl wird sie dabei auf die richtige Fährte bringen, und nebenbei ein paar interessante Fragen zu Jazz, Blues und World Music beantworten. Für musikalische Spannung ist auch im Weiteren gesorgt, denn in der Silvester-Jazznacht steht zudem mysteriöser Krimi-Jazz auf dem Programm, von „Anatomy of a Murder“ bis zu „The Untouchables“.

03:05 Uhr | Deutschlandfunk
Jazz: Sounds für Sinne und Seele – Jazz und Rock zwischen Temperament und Innerlichkeit

Am Mikrofon: Harald Rehmann. Die Stille nach dem letzten Böller eröffnet einen Raum für eine besondere Stimmung – zwischen Party-Nachklang und Reflexion. Dazu gibt es in der Extra-Ausgabe der Radionacht Jazz die passende Klangkulisse: für alle, die das Jahr mit ausgesuchten Klängen aus Jazz, Rock und Fusion beginnen wollen. Groove-Süchtige kommen dabei ebenso auf ihre Kosten wie Hörerinnen und Hörer, die Gespräche über Vergangenes und Zukünftiges führen oder sich tiefgründiger Reflexion hingeben möchten. Dafür sorgt ein stilistisch breites Angebot aus sechs Jahrzehnten Musikgeschichte, darunter Titel von Blood, Sweat & Tears, Joni Mitchell, Frank Zappa, Gentle Giant, Lyle Mays, Jeff Beck, Lina Nyberg, John McLaughlin, Volker Kriegel, Florian Ross, Stanley Clarke, Jon Hassell, Bill Evans, Snowpoet und Terje Rypdal.

14:00 bis 15:00 | hr2-kultur
Feature: „Eine nur ist sie für alle, doch siehet sie jeder verschieden“ | Von Wahrheit und Wahrhaftigkeit | Hans Joachim Simm

„Was ist Wahrheit?“ hat Pilatus gefragt, eine Antwort hat er nicht gegeben. Im engeren Sinn kann die Realität als wahr bezeichnet werden. Im Weiteren aber greift Wahrheit darüber hinaus und umfasst auch die Deutung der Wirklichkeit.

Von der Idee des ethisch-moralischen Guten über die nur Gott verfügbare ewige Wahrheit bis zum idealistischen oder zum eher skeptischen Fürwahrhalten reichen die Auffassungen. Eine einfache Entgegensetzung von Lüge und Wahrheit reicht nicht aus, um diese zu erkennen. Denn gelegentlich führt erst eine Täuschung zu dem, was sich in der Folge als wahr erweisen soll, wie es biblische Erzählungen, Mythen, Sagen und Märchen berichten.

Die beständige Suche nach Wahrheit aber formt Kultur und Zivilisation. „Wenn Gott“, so Gotthold Ephraim Lessing, „in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle!

Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater vergib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!“ Vor allem der Literatur ist es vorbehalten, das Ringen um Wahrheit und Wahrhaftigkeit darzustellen, gerade wenn sie verschiedene Perspektiven zur Sprache bringt und Unterschiede rechtfertigt, wie Friedrich Schiller in einem Distichon schreibt: „Eine nur ist sie für alle, doch siehet sie jeder verschieden; / Dass es eines doch bleibt, macht das Verschiedene wahr.“ „Wer Gedanken hat, denkt auch zwischen den Widersprüchen“, hat Karl Kraus gesagt.

14:00 bis 15:00 | rbbKultur
Feature: Dominique, Du gehst nicht rückwärts – Die vergessenen Talente

Von Dominique Wollniok; Mit KomponistIn: Mario Weise; O-TongeberIn: Anula Wollniok, Frank Wollniok, Waltraud Wollniok, Mariell Wollniok, Martin Schneider, Markus Westphal, Tobias Adam, Ludwig Völker, Peter Krug, Christian Lukaschik

Regie: Dominique Wollniok. Produktion: Koproduktion des Experimentellen Radios der Bauhaus-Universität Weimar mit dem rbb

Die Begeisterung für ein Hobby kann dazu führen, dass wir unseren Job kündigen oder die ‎Schule schwänzen. Und doch treffen wir öfter unter dem Druck des Alltags pragmatische Entscheidungen: ‎Wir fangen an zu studieren, ziehen in eine andere Stadt und plötzlich ist keine Zeit mehr für den Fußballverein. ‎Unsere Leidenschaft gerät in Vergessenheit. Für ihr Feature nähert sich Dominique Wollniok Menschen, die in ihrer Vergangenheit Modell-Flugzeuge gebaut, mit Elektrobauteilen hantiert oder ununterbrochen auf dem Fahrrad Tricks geübt haben. Sie wühlt mit ihnen in Kisten und Kellerräumen nach Dingen,‎ die ihre Erinnerungen anregen, und fragt: „Warum hast Du damit aufgehört?“

15:05 Uhr | Deutschlandfunk
Corso: Spezial PopCamp – Meisterkurs für Popularmusik – Jahrgang 2021

Von Helene Nikita Schreiner. Der Ort Wolfenbüttel in Niedersachen ist nicht unbedingt als Schmiede für junge Popmusikerinnen und Popmusiker bekannt. Aber selbst Kanye West produziert Songs am liebsten zurückgezogen auf seiner Farm. Denn Abgeschiedenheit gibt einem auch immer die Möglichkeit sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Das war im diesjährigen PopCamp, eine Nachwuchsförderung des Deutschen Musikrats, ganz gewiss ein Nutzen des Exils: Den eigenen Songs den letzten Feinschliff zu geben. Fünf Bands und Projekte wurden 2021 ausgewählt, um ihr Talent auf das nächste Level zu bringen. Anoki, ein Hip-Hop-Künstler aus Berlin, die Band Engin, die deutsche und türkische Sounds fusioniert, WEZN, emotionaler Elektro-Pop aus Hannover, Folk-Pop von Karo Lynn aus Leipzig und Alternative Pop von Tilman aus Bad Neustadt. Wie wird man Popstar? Nützliche Tricks und Hinweise verraten die Bands und Coaches im „Corso-Spezial“.

16:05 bis 17:00 | SWR 2
SWR2 Jazztime: Porgy And Bess – Ein legendäres Album von Miles Davis

von Hans-Jürgen Schaal. „Er ist der beste Arrangeur, den ich kenne“, sagte der Trompeter Miles Davis über Gil Evans. Ihre Freundschaft begann 1947 – damals war Miles noch im Bebop-Quintett von Charlie Parker, und Gil Evans arrangierte für das Swing-Orchester von Claude Thornhill. Aus der Kooperation der beiden entstanden von 1957 bis 1963 vier bedeutende Alben für Columbia. Eines davon war „Porgy And Bess“, eine innovative Umdeutung der Melodien der Gershwin-Oper. Die individuelle Trompetenstimme von Miles Davis trifft auf die brillanten Orchestervisionen von Gil Evans.

20.04 | WDR 3
Cologne Jazzweek

Wir präsentieren Highlights des neuen Festivals Cologne Jazzweek, darunter Konzerte von Nils Wogram, Angelika Niescier und Abel Selaocoe.

Die Cologne Jazzweek feierte die nach Coronapause lang erwartete Premiere im Sommer 2021. Das Festival lieferte und präsentierte hochkarätigen Gäste aus NRW, Deutschland und internationalen Szenen. Darunter die Altsaxofonistin Angelika Niescier, die in ihrem Quintett den britischen Saxofonisten Soweto Kinch dabei hatte, derzeit einer der angesagtesten Musiker der Szene. Posaunist Nils Wogram stellte seine Band Roots 70 mit Streicherbegleitung vor. Eine weitere spannende Begegnung fand zwischen dem südafrikanischen Cellisten Abel Salaocoe und dem Manchester Collective statt. Eine Hommage kam vom Pianisten Pablo Held und Sängerin Norma Winstone. Sie erinnerten an John Taylor. Der britischer Pianist war bis zum Sommer 2007 Professor für Jazz-Piano an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, wo diese Verneigung aber auch weitere Konzerte der Cologne Jazzweek stattfanden.

Nils Wogram Root 70 & Strings / Peter Evans „Being and Becoming“ / Pablo Held / Norma Winstone: John Taylor Rememberance / Abel Selaocoe + Manchester Collective / Angelika Niescier Quintett. Aufnahmen aus dem Stadtgarten und der Hochschule für Musik und Tanz Köln

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Was ist neue Musik für mich? Junge Perspektiven auf neue Musik

Von Thilo Braun, Maria Gnann, Marie König, Jonas Zerweck. Seit mehr als einem halben Jahrhundert reflektiert der Kölner Deutschlandfunk zeitgenössische Musik. Politisch und kulturell hat sich die Welt in diesen Jahrzehnten kräftig gewandelt – ebenso hat sich das gegenwärtige Komponieren weltweit weiterentwickelt. Die Fachredaktion Neue Musik hat dies dokumentiert, gefördert und produziert – sie hat ihrerseits Themen gesetzt und zahlreiche neue Arbeiten initiiert. 60 Jahre nach dem Deutschlandfunk-Sendestart fragen sich vier junge Musikjournalistinnen und -journalisten: Was ist für mich neue Musik? Was kann und will Kunstmusik heute? Es geht den Autorinnen und Autoren um ihre persönlichen Blickwinkel als Medienschaffende, um für sie zentrale Figuren und Ensembles, um Potenziale für die kommenden Jahre. Um sich über all das auszutauschen, wählen sie die Form eines Gedankenspiels.

23.03 | WDR 3
Studio Akustische Kunst

Kaum sind die Silvesterkracher verhallt, hören wir wieder das leisere Ticken der Uhren und ahnen, dass auch das Jahr 2022 vergänglich ist. Ilka Geyer präsentiert Variationen über den Sound der Zeit vom Berliner Komponisten Andreas Bick.

Unbemerkt geht in den letzten Dekaden eine Ära der Zeitmessung zu Ende, die von der Erfindung der ersten Sonnen- und Wasseruhren hin zur Atomuhr führte. Durch das Messen der Zeit anhand der Oszillation eines Cäsium-Atoms ist die Zeitmessung in gewisser Weise zu ihrem Ursprung zurückgekehrt, dem Ablesen der Zeit anhand natürlicher Prozesse. In „Chronostasis“ hinterfragt Andreas Bick unser Zeitempfinden. Der Begriff meint die Eigenschaft des Gehirns, Augenblicke subjektiv verlängern zu können. Wenn man etwa auf eine Uhr sieht, erscheint die erste Sekunde ausgedehnter als die folgenden. Bick spürt der Auflösung der Zeit nach. „Chronostasis“ setzt der Klangwelt der inzwischen aus unserem Alltag verschwundenen Uhrwerke ein Denkmal und führt Uromas Pendeluhr in unsere technologische und synchronisierte Jetztzeit, in der Zeitmanagement alles und das Gefühl des Zeitmangels allgegenwärtig ist. Das Hörstück „Chronostasis“ stemmt sich gegen das unerbittliche Fortschreiten der Zeit, indem es ihren Klang entmaterialisiert.

Andreas Bick, geboren 1964, Komponist von Filmmusik und Audio-Art-Hörstücken. Toningenieur und Musikproduzent. Lebt in Berlin. WDR Prix Ars Acustica 2001 für „Dripping“. „Chronostasis“ wurde bei den New York Festivals 2009 mit einer Silver World Medal ausgezeichnet.

Chronostasis – Von Andreas Bick – Realisation: der Autor – Produktion: WDR 2009

23:05 bis 02:00 | Deutschlandfunk
Lange Nacht: Irdische Transzendenz – Eine Lange Nacht zum 75. Geburtstag von Patti Smith

Von Michael Frank. Regie: Jan Tengeler. Patti Smith wuchs in einer kleinen Stadt im ländlichen Süden New Jerseys auf. Als Kind schon mit viel Fantasie begabt, erfand sie für ihre jüngeren Geschwister Geschichten. In der Pubertät entdeckte sie die Welt der bildenden Kunst für sich, zeichnete und schrieb Gedichte. Außerdem tanzte sie leidenschaftlich gern zur Musik von James Brown, den Shirelles oder Hank Ballard and the Midnighters. Mit 19 Jahren kam sie fast mittellos nach New York. Inspiriert von so unterschiedlichen Autoren wie Arthur Rimbaud, William Burroughs und Jim Morrison entwickelte Patti Smith dort Anfang der 70er-Jahre eine ganz eigene, charismatische Art, ihre mitunter provokanten Gedichte zusammen mit musikalischer Begleitung zu rezitieren. Als Ende des Jahres 1975 ihr erstes Album „Horses“ erschien, waren daraus Songs und oft improvisierte Textdeklamationen geworden, die von einer lautstarken und furchtlosen Rockband um den Musikjournalisten und Gitarristen Lenny Kaye getragen wurden. Vier Jahre später endete diese Phase ihrer Karriere. Sie heiratete, zog sich mit ihrem Ehemann Fred „Sonic“ Smith in einen Vorort von Detroit zurück und kümmerte sich mit ihm bis zu dessen frühen Tod 1994 vor allem um die Erziehung ihrer beiden Kinder. Seit ihrer Rückkehr als Musikerin 1995 erschienen neben Gedichtbänden und neuen Platten mehrere autobiografisch geprägte Bücher, in denen sie u.a. ihre gemeinsame Zeit mit dem Künstler und Fotografen Robert Mapplethorpe Anfang der 70er-Jahre beschreibt. Patti Smith hat 2020 den internationalen Beethoven-Preis für Menschenrechte erhalten. Sie gibt bis heute weltweit Konzerte und arbeitet immer weiter an ihrer vielfältigen Kunst.

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Musik der Welt: Basar – Aktuelles aus der Szene mit Susanne Schmerda

Dialog der Kulturen – Aktuelle Projekte des Goethe-Instituts. Julia Hülsmann & Ensemble in Taschkent/Usbekistan. Vorgestellt von Uta Sailer

Auf zu neuen Ufern im ersten „Basar“ des neuen Jahres! Drei gerade erschienene Alben versprechen aufregende Musikbegegnungen: Mit dem franko-katalanischen Kontrabassisten Renaud García-Fons und seiner Erkundung der Saiteninstrumente durch Mittelmeer und Nahen Osten – „Le Souffle des Cordes“ – „Der Atem der Saiten“ heißt seine neue CD mit ebenso ausgefallenen wie ambitionierten Arrangements von der türkischen Kemence bis zur spanischen Flamencogitarre. Und dann nimmt uns die „Grande Dame des Akkordeons“ Lydie Auvray noch mit auf einen Spaziergang durchs winterliche Paris und der griechische Gitarren-Virtuose Nikos Tsiachris feiert zusammen mit Gastmusikern den Tanz und das Leben.

Und wir blicken in unserem neuen Format „Dialog der Kulturen – Aktuelle Projekte des Goethe-Instituts“ diesmal nach Taschkent zum Theater Ilkhom. Dort hat im September vergangenen Jahres das „Omnibus-Ensemble“, das einzige Ensemble für zeitgenössische Musik in Usbekistan, auf Anregung des dortigen Goethe-Instituts zusammen mit der renommierten Jazzmusikerin Julia Hülsmann und ihrem Quartett ein Konzert gegeben. Ein inspirierendes Aufeinandertreffen von Jazz und Moderne, verbunden mit Elementen traditioneller Musik aus Usbekistan. Wegen der Covid 19-Pandemie hatten beide Ensembles schon vor ihrem gemeinsamen Auftritt in Taschkent online zusammen gearbeitet, sich gegenseitig Kompositionen geschickt und dann mit ihnen weiter gearbeitet. Ein hoch kreativer, künstlerischer Prozess, getragen von Offenheit, Neugier und Respekt.

Wie genau diese Koproduktion gelaufen ist, wie die Kulturszene in Usbekistan aufgestellt ist und was es mit dem Lazgi-Tanz auf sich hat, der letztes Jahr ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde, darüber hat BR-KLASSIK-Moderatorin Uta Sailer mit dem Pianisten und Komponisten Sanjar Nafikov, der Jazzpianistin Julia Hülsmann, mit Jan Helfer, dem Leiter des Goethe-Instituts in Usbekistan, und mit der Tänzerin Gavkhar Matyokubova gesprochen.


so – 02.01.2022


16:30 bis 17:00 | Deutschlandfunk
Kalter intelligenter Krieg – Wie Algorithmen die geostrategische Lage verändern

Von Thomas Reintjes. Die USA sehen sich im Wettbewerb mit China im Hintertreffen, wenn es um Künstliche Intelligenz in der Sicherheits- und Militärtechnik geht. Mit massiven Investitionen soll gegengesteuert werden. Weltweit nutzen Militärs schon heute KI in Waffensystemen und für die strategische Planung sowie zur Spionage. Gleichzeitig werden Cyberwars ausgetragen, bei denen Gesellschaften mit Falschinformationen angegriffen und kritische Infrastrukturen lahmgelegt werden. Die Verabschiedung und Umsetzung von Normen für den Einsatz der Technik scheint dagegen langsamer voran zu kommen.

Wie kann konkrete Innovation gegen oft abstrakte Gefahren abgewogen werden? Die Kontrolle von KI gilt als schwierig. Es ist unklar, wie sich unabhängig überprüfen ließe, ob ein Waffensystem zukünftigen Regeln für den ethischen Einsatz von KI entspricht, ohne die geheime Funktionsweise des Waffensystems offenzulegen. Das Feature zeigt auf, wie sich Abschreckungs- und Bedrohungspotenziale global durch KI verschieben können und wie es um die internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Technik sowie bei ihrer Regulierung bestellt ist.

18:00 bis 19:00 | hr2-kultur
Feature | Sternenkind | Das kurze Leben der Lilli Leon | Karla Krause

Kathrin freut sich auf ihr Baby. Doch wenig später der Schock: Die Ärzte sind sich sind sich einig: Das Kind hat das Turnersyndrom, schwerste Herz- und Nierenschäden. Kathrins und Walters Kind, sie nennen es Lilli,  wird  die nächsten Wochen der Schwangerschaft nicht überstehen. Aber Lilli stirbt nicht, wächst weiter in Kathrins Bauch heran.

Über ihr Tagebuch beginnt die junge Frau eine Zwiesprache mit ihrem Kind. Soll sie der Natur ihren Lauf lassen, das kranke Kind in ihrem Bauch beherbergen, bis es sich von selbst verabschiedet?  Soll sie Lillis Leiden – und ihr eigenes – durch eine Abtreibung  abkürzen? Und was, wenn das Kind die Schwangerschaft doch durchhält, zur Welt kommt, dahinvegetiert?

Das Feature folgt den dramatischen Monaten einer Schwangerschaft mit einem behinderten Kind und verdeutlicht das Dilemma einer pränatalen Medizin, die immer genauer diagnostizieren, aber nicht therapieren kann.

19:31 bis 20:00 | SWR 2
SWR2 Jazz: El Rey, King of the Mambo – Der Perkussionist Tito Puente

Von Gerd Filtgen. Packende Themen und brodelnde Rhythmen bestimmen den Sound des Latin-Jazz. In diesem Genre gehört der in New York geborene, aus einer puertorikanischen Familie stammende Tito Puente (1923 – 2000) zu den bekanntesten Musikern. Mit der Timbales, aber auch mit diversen anderen Trommeln und Perkussionsinstrumenten verlieh er seinen Orchestern in Mambos, Rumbas und Salsas einen unverwechselbaren Groove. Den brachte er auch als Sideman ein, u. a. in die Woody Herman Big Band, sowie in einige Bop-Combos. Auch als Komponist war Tito Puente äußerst erfolgreich. Sein „Oye Como Va“ stürmte in einer Version des Rock-Gitarristen Carlos Santana die Charts.

23.03 | WDR 3
Studio Neue Musik: Fehlstart

Der klassische „Tippfelher“ (so wie hier) stirbt aus. Meist greift sofort eine unsichtbare Hand ein, die den Schaden behebt. Dieses Wechselspiel zwischen Ausrutscher und Fangnetz drückt sich auch in vielen Werken der Neuen Musik aus. Absichtsvoll, als Teil einer kompositorischen Poetik. Oder durch andere Umstände.

In Sebastian Clarens Fehlstart (Detail) bestimmen das Loslaufen und der Abbruch die kleinteilige musikalische Struktur. Colin Matthews dagegen wollte einen Klassiker endlich ans Ziel führen: Für die Planeten von Gustav Holst hatte er den noch fehlenden Pluto komponiert. Neuere Erkenntnisse allerdings ließen das Werk, zumindest aus Sicht der Astronomie, seinerseits schnell veralten. Konsequent ist da Annesley Black: Ein auf politische Verhältnisse in Afrika bezogenes Orchesterwerk, das sie 2012 fertigstellte, bezeichnet sie selbst vorsorglich als „falsche Darstellung“. „Fehler muss man Fehler nennen“. Das könnte auch die Maxime von Tom Johnson sein: In Failing für Kontrabass darf der Interpret selbst während des Spielens erklären, dass gleich nach aller Wahrscheinlichkeit etwas daneben gehen wird.

Sebastian Claren: Fehlstart (Detail) für 6 Instrumente; ensemble mosaik, Leitung: Enno Poppe | Annesley Black: misinterpreting the 2008 south sudanese budget reform for the orchestra; hr-Sinfonieorchester, Leitung: David Robert Coleman | Colin Matthews: Pluto, The Renewer; Berliner Philharmoniker, Leitung: Simon Rattle | Tom Johnson: Failing, A Very Difficult Piece for Solo String Bass für sprechenden Kontrabassisten; Robert Black

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Musik der Welt: Aufbruch im Idyll – Volksmusikalische Traditionen aus der südnorwegischen Telemark

Von Jens-Peter Müller. Die Region Telemark ist nicht nur die Wiege des Skisports, sondern auch eine wahre musikalische Schatzkammer. Norwegen ist eines der Länder in Europa, in dem bedingt durch teilweise dramatische Berg- und Fjordlandschaften jahrhundertealte Traditionen ungebrochen bis in die Gegenwart fortgeführt worden sind. Die Telemark kann besonders stolz auf eine enorme Vielfalt an instrumentalen und vokalen Stilen und eine lebendige Musikszene sein. Einige der bekanntesten Spieler des norwegischen Nationalinstrumentes, der Hardangergeige, stammen aus der Telemark. Virtuosen wie Lars Fykerud brachten es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Tourneen in Europa und den USA zu internationalem Ruhm und einem beträchtlichen Vermögen. Dieses reiche Erbe wird seit den 1980er Jahren von den jungen Musikergenerationen mit Respekt – und Mut zu Auseinandersetzungen mit konservativen Kreisen – erfolgreich weiterentwickelt.

 

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radiofreak der alten schule. transistor, diode, spule, kondensator. ehemals manipulator:in mehrerer rundfunksendungen.

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