Klavier Naidu und das (Un-)Heimliche – eine alternative Badblog-CV

Bisher kannte ihn keiner, fast keiner. Klavier Naidu versteckte sich auf Hiddentracks, wo er es in einer Textzeile vermochte, Homophobie und Führersehnsucht zu vereinen. Wo ist, wo sind sie? Wo sind heisst dieser tiefernste Song, hier der Ausschnitt: „Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann fick ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“ Klavier Naidu, oder doch sein Double Naidoo, meinte: „Eine wichtige Sache!“

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http://www.dailymotion.com/video/x13wfde_xavas-wir-sind_music

Ganz so wichtig nahm ihn nicht. Er hatte so wenig Erfolg, dass er nur ganz selten auf zur Bühne umfunktionierten Kleintransportern auftreten durfte, wie im folgendem Video. Besonderen Erfolg hatte er nach Friedensgrüßen mit Sentenzen wie dieser: „Informiert Euch: Hat Deutschland eine Verfassung? Ist Deutschland noch besetzt? Tut der NSA gar nichts Verbotenes, weil die Deutschen ihn das per Gesetz erlauben, weil wir noch kein richtiges Land sind, sondern noch besetzt sind? Informiert Euch, macht Euch schlau, vielleicht ist das, was wir erzählt haben alles bullshit.“

Diese Sätze waren so erfolgreich, dass ihn die Reichsbürger erhörten und am 3.10.14 im Berliner Regierungsviertel zu einer ihrer Mahnwachen einluden. Zuerst stellte man den erstaunten Berlinern den aus Südafrika stammenden Klavier als Deutschen vor. Dann sprach er dann nur noch von Liebe, Ordnung schaffen im Lande, Information und amerikanischer Besatzung, worauf es aus den Zuhörerkreisen hieß „weg mit der US-Fahne“. Und er habe keine Ahnung, wer die Reichsbürger seien. Und Sarrazin spreche auch nur in Liebe. Und sang seinen „Wir schaffen das“ Song, wie bei seinen Graswurzelauftritten im Video zuvor.

Böse Zungen behaupten, dass das Merkelsche „Wir schaffen das“ hier seinen Ursprung habe. Immerhin nur ein paar Wochen nach diesen Kanzlerinnenrufen auf allen Kanälen, wissen wir nun, dass dies Schleichwerbung für den neuesten Song von Klavier Naidu war, der sich nun Xavier Naidoo nannte und endlich durch den tapferen Jürgen Todenhöfer seinen viralen, sezessionistischen-kubitschekschen, compakten-elsässischen Durchbruch erlangte, als der einen weiteren „hidden song“ auf seiner Facebook-Seite postete. Was für eine Karriere, von vermeintlicher Homophobie, Führersehnsucht und Reichsbürgerunkenntnis: alles versteckt, verborgen, wie ein Überraschungsei. Die wichtigste Erkenntnis dieses Nie wieder Krieg Songs: „Muslime tragen den neuen Judenstern“. Eines war da allerdings ganz und gar ohne Überraschung: bevor Todenhöfer ihn förderte, war er dem NDR wohl noch zu unbekannt, um ihn zum ESC zuzulassen. Oder hatte es doch etwas mit seinen Führer, Warum-liebst-Du-keine-Möse und Wir sind besetzt Aussagen zu tun, die er damals schon unter dem Pseudonym X. Naidoo tätigte? Nun, lassen wir ihn weitersülzen, von Mannheim bis hinter Uelzen! Pax vobiscum! Und ja, auch ich wünsche mir keinen Krieg, besonders keinen von Verschwörungsfreunden.

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