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Hervorgehoben

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Igor und die Kugelgestalt der Zeit

Überhaupt hat man bei detailliertem Hören bei „Pulcinella“ zunehmend das Gefühl, dass hier – quasi fast ein halbes Jahrhundert zu früh – die radikale Idee von einem umfassenden und vor allem unverkrampft spielerischen „Zusammenklingen“ extrem heterogener musikalischer Stile und Sprachen realisiert wurde, wie sie eigentlich erst später wieder vom großen Bernd Alois Zimmermann als Idee von der „Kugelgestalt der Zeit“ gedacht wurde.

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Alt vs. Neu Teil 2: Das Restaurantgleichnis

Wie wir sehen: es geht also nicht um gut gegen schlecht, auch nicht um alt gegen neu, sondern allein um gesunde Vielfalt, wider den Inzest des Klassikeinheitsbreis, in den Küchen wie in den Konzertsälen. Wer die Vielfalt der Musik aber dauerhaft einschränkt, das andere oder neue beharrlich ausblendet, handelt genauso wie jemand der behauptet, dass es nicht sinnvoll wäre, ein anderes als ein gutbürgerliches Restaurant aufzusuchen, da ja dort einmal 99% der Menschen gegessen haben (weil sie nichts anderes kannten).

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Mphil @ Odyssee – vorgezogene Aprilscherze, Wiesnphilharmonie, Paketposthalle, Riemarkaden

Gestern hieß es Rihm im Herkulessaal, 2 Tage zuvor, am 28. März, hieß es Riem oder Paketposthalle. Es geht um den Ausweichstandort, wenn die Münchner Philharmoniker 2020 aus der Philharmonie am Gasteig müssen. Highlight der Vorschläge: die Stadtratsfraktion um den ehemaligen FDP-Kunstminister Dr. Heubisch schlug ernsthaft vor, nach dem Oktoberfest...

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Old vs. new – oder der Friedhof der Kuschelklassik

Ich stelle mir das so vor: die Anhänger der „großen Alten“ stehen auf verlassenen Friedhöfen herum (zum Beispiel unsere klassischen Konzertsäle) und halten Zwiesprache mit den Grüften der Genies. Die Genies aber sind schon lange tot, und können nie antworten, da sie ihre Antworten schon gegeben haben. Zwischen den Grabsteinen huschen grell geschminkte, widerliche Leichenfresser herum, die die schon abgenagten Knochen der Genies immer wieder neu einkleiden, so dass sie fast lebendig scheinen. Aber nur fast. Diese fiesen Ghouls heißen zum Beispiel David Garrett oder André Rieu, und ihr debiles ewiges Grinsen verschwindet nie, wie das der Cheshire-Katze.

Crime Scene Bad Blog. Foto: Hufner 1

Klassische Musik und Rechtsextremismus – und die „Jüdischen Freunde“

In letzter Zeit gab es zunehmend heftig geführte Diskussionen über Rechtspopulismus, AfD-Politik und den Umgang damit im Bereich der klassischen Musik. Einer der Streitpunkte entzündete sich dabei an der Frage, inwieweit es legitim oder angemessen ist, wenn ein Konzertveranstalter nicht oder nicht mehr mit einem Musiker zusammenarbeiten möchte, der durch...

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Rechtspopulismus und klassische Musik III – Matthias Moosdorf (Musiker im Leipziger Streichquartett)

Wie vor einer Woche schon erwähnt: Bereits 2016 hatte ich über die rechtspopulistischen Facebook-Postings von Matthias Moosdorf, Cellist im Leipziger Streichquartett, geschrieben. Damals noch, ohne den Betreffenden beim Namen zu nennen. Angesichts der Beharrlichkeit selektiv flüchtlingsfeindlicher Stimmungsmache auf seinem (bis neulich öffentlich einsehbaren) Facebook-Profil und trotz der Drohungen, die Moosdorf...

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Der Herr Publikumsgeschmack (ein Interview)

Ich will wieder lachen, wieder weinen, verzweifelt sein, mir die Haare raufen. Ich will Gras unter meinen Füßen spüren. Ich will in schrillen Klängen baden. Ich will mein eigenes Ding. Ich will nichts Vorgefertigtes mehr bekommen. Ich will hinauslaufen, in die Wildnis, Erfahrungen machen. Wenn man genauer darüber nachdenkt, dann gibt es doch jemanden wie mich überhaupt nicht.

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Opernhäuser – die schwarze Liste der ewig Gestrigen (Teil II)

Noch ernüchternder aber ist nicht der Blick auf allein die Premieren, sondern auf den tatsächlichen Spielplan des ganzen Jahres, nicht nur die Premieren sondern auch die Wiederholungen schon aufgeführter Inszenierungen. Da stellt man schnell fest, dass die 45673te Aufführung von „Carmen“ in der alten Inszenierung von 1951 im Jahr 70 Mal gespielt wird, die neue Oper von X.Y. Pendegratzki-Mrnza aber eben nur 6 Mal. Aber über die liest man wenigstens im Feuilleton, über die zahlreichen Kinderstücke dagegen gar nichts.

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Opernhäuser – die schwarze Liste der ewig Gestrigen (Teil I)

Der Spielbetrieb des heutigen Opernbetriebes ist also extrem besorgniserregend in seinem immer stärker werdenden Anachronismus. Jede Inszenierung muss entweder eine „radikale Neudeutung“ eines schon tausend Mal durchgekauten Stoffes sein, oder es geht bei der neuen Uraufführung von XY gleich um die Neuerfindung des gesamten Genres

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op. 111 – Eine Analyse in 335 Teilen – Takt 84

Am 15. Dezember 2015 begann Arno Lücker eine Bad-Blog-Serie. Die vermutlich längste Bad-Blog-Serie aller Zeiten. Denn das Vorhaben ist, jedem einzelnen Takt von Beethovens letzter Klaviersonate c-Moll op. 111 (1822) eine eigene Analyse zuteil werden zu lassen. Die Sonate hat genau 335 Takte. Also müssen es auch 335 einzelne Analysen...