Markiert: Shutter Island

„Das schrille Schreien von 44 Violinen“

„Das schrille Schreien von 44 Violinen“

Natürlich ist die zweite Wiener Schule ästhetisch nicht unschuldig an der Assoziation Horror/Dissonanz, waren doch gerade die erfolgreichsten ihrer Werke (man nehme nur Stücke wie Schönbergs „Erwartung“ oder „Lulu“ und „Wozzeck“ von Berg) immer nahe am grand guignol und dem Schauerlichen. Wie auch immer – gäbe es diese Verbindung nicht, stünde es um die kommerzielle Verwertbarkeit von zeitgenössischer Musik noch viel schlimmer als es ohnehin schon steht.
Das hat sich auch die Marketingabteilung der Universal Edition gedacht, die gerade eben eine Werbe-CD mit dem Titel „shocking sounds“ unter die Leute bringt, die sich vor allem an angehende Schocker-Regisseure wendet.

Harbour Symphony von Delf Hohmann: „Beethoven was here“

Harbour Symphony von Delf Hohmann: „Beethoven was here“

Eine Symphonie für Schiffshörner (Hörbeispiel)

Schade, Shutter Island…

Schade, Shutter Island…

Wie schon in der neuen NMZ richtig bemerkt wurde: Bei der Filmmusik zu Scorceses neuem Film „Shutter Island“ handelt es sich wirklich um eine äußerst erfreuliche Sache.
Von Robbie Robertson erstaunlich gut und stilsicher ausgewählt, ist hier viel neue Musik versammelt, nicht nur große Namen, sondern tatsächlich auch Qualität. „Rothko Chapel“ von Feldman, das gute alte „Lontano“ von Ligeti, aber auch Cage und der hierzulande wenig bekannte Ingram Marshall sind nur einige der Highlights des Soundtracks. Und man mag sogar ausnahmsweise mal Penderecki, denn die bohrenden Takte aus seiner „Symphonie 3: Passacaglia“ passen tatsächlich sehr gut zum kotzenden Leonardo di Caprio.