Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 30.11. bis 06.12.2020

Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 49. Wittener Tag für neue Kammermusik 2020 | Franz Schubert – Eine Hörbiografie | Abenteuer mit Humor: György Ligeti und Mauricio Kagel | Der „unbekannte Verfolgte“ – Hans Heller im Porträt | Das Ensemble Modern Frankfurt feiert 40. Geburtstag | Die chinesische Composer-Performerin Yiran Zhao | Donaueschinger Musiktage 2020 | Huddersfield Contemporary Music Festival | IGNM-Weltmusikfest 1960 in Köln | Aufnahmen mit der Sopranistin Edith Urbanczyk | Erich Wolfgang Korngolds „tote Stadt“ lebt | Das vielfältige Schaffen der Mia Zabelka | Emotional Logic – Misha Cvijovic’s Projekt | Jugend komponiert 2020 | Französische Kolonien und ihr musikalisches Erbe | My Favorite Choice [41] Sarah Maria Sun.

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nmz-Podcastpartnerin Irene Kurka ::: neue musik leben


30.11.2020


18:05 bis 19:00 | BR-KLASSIK
Franz Schubert – Eine Hörbiografie (1/9) – Die Liebe liebt das Wandern

Erstes Kapitel: Lebenstraum (1797-1813). Von Jörg Handstein. Mit Udo Wachtveitl, Robert Stadlober, Johannes Silberschneider, Florian von Manteuffel und anderen

20:04 bis 22:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert: Wittener Tag für neue Kammermusik 2020

Carola Bauckholt: Witten Vakuum für 2 Frauenstimmen mit 2 Staubsaugern, Uraufführung | Elnaz Seyedi: Felsen – unerklärlich für 8 Trompeten, Uraufführung | Justé Janulyté: Unanime für 8 Trompeten, Uraufführung | Martyna Poznanska: Ausschnitte aus „Light Is Silent, Words Reverberate in the Darkness“, Klanginstallation, Uraufführung | Christina Kubisch: Ausschnitte aus „Kupfer Himmel“ für Instrumente, elektromagnetische Klänge und Field Recordings, Uraufführung | Benjamin Scheuer: 8 Arten zu atmen für Klarinette und Akkordeon, Uraufführung | Johannes Boris Borowski: Lied für Akkordeon solo, Uraufführung | Ramon Lazkano: Irarki für Violine, Klarinette und Akkordeon, Uraufführung

Tianwa Yang, Violine; Kilian Herold, Klarinette; Teodoro Anzellotti, Akkordeon; Neue Vocalsolisten; The Monochrome Project. Aufnahmen aus dem Märkischen Museum und der Bibliothek Witten

Eine Nachlese zu den Wittener Kammermusiktagen 2020, die eigentlich Ende April hätten stattfinden sollen, Corona-bedingt aber wie fast alle Festivals im Frühjahr abgesagt werden mussten und kurzerhand in Radio Days verwandelt wurden.

Die Kurzausgabe des Festivals konzentriert sich auf einen einzigen Tag, einen langen Samstag der neuen Kammermusik, der nicht in die Fußgängerzone, sondern in das Märkische Museum in Witten führt. Dort wird eine farbige Folge von acht Uraufführungen geboten. Neben Klanginstallationen und monochromen Stücke für acht Trompeten, die für das Museum und die Bibliothek maßgeschneidert wurden, steht vor allem Kammermusik in kleinen Besetzungen auf dem Programm, darunter das Duett für zwei Stimmen mit Staubsaugern, das Carola Bauckholt „Witten Vakuum“ nennt – als hätte die Komponistin die Ausfälle im Frühjahr bereits vorausgeahnt.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
MUSIK DER GEGENWART: Abenteuer mit Humor: György Ligeti und Mauricio Kagel

Mit Andreas Göbel. So unterschiedlich die Werke im Einzelfall ausgefallen sind – die Musik von György Ligeti und Mauricio Kagel verbindet einen Hang zum tiefgründigen Humor, zur bitteren Ironie und zu überraschenden (nicht nur klingenden) Blickwinkeln. Ein Vergleich.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Der „unbekannte Verfolgte“ – Hans Heller im Porträt

Von Friederike Kenneweg. Als Hans Heller 1969 in Berlin starb, hat er die Aufführung seines Hauptwerks, des „Requiems für einen unbekannten Verfolgten“, nicht mehr erlebt. Heller, der 1898 in Thüringen zur Welt kam, musste 1933 vor den Nationalsozialisten fliehen und konnte weder im Exil noch nach seiner nach seiner Rückkehr nach Deutschland als Komponist noch einmal Fuß fassen. Dabei, da ist sich die Musikwissenschaft heute einig, sind Hellers Werke sehr persönlich und eigenständig. Friederike Kenneweg stellt den „unbekannten Verfolgten“ vor.

23:03 – 24:00 | Ö1
Vier Jahrzehnte Ensemble Modern: Das Ensemble Modern Frankfurt feiert 40. Geburtstag

Im Jahr 1980 schloss sich eine Gruppe von Musikerinnen und Musikern aus der Jungen Deutschen Philharmonie zusammen, um eine damals ganz neuartige künstlerische Dynamik zu verwirklichen: Seither findet das Ensemble Modern, so der gewählte Name, bei sämtlichen Projekten, Koproduktionen und finanziellen Belangen auf basisdemokratischem Weg zu seinen Entscheidungen.

Als einer der weltweit führenden Klangkörper für Neue Musik ist es im Musiktheater, in Tanz- und Videoprojekten, mit Kammermusik sowie Ensemble- und sogar Orchesterkonzerten zu erleben – und hat mit seinen rund 20 Mitgliedern aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Indien, Israel, Japan, den USA und der Schweiz von der gemeinsamen Basis Frankfurt aus die großen Konzertpodien und Festivals der Welt erobert.

Das umfangreiche Programm des Jubiläumsjahrs 2020 wurde durch die Pandemie empfindlich dezimiert – desto mehr Grund, die reiche Diskographie des Ensemble Modern zu durchstöbern, die von Andre und Aperghis bis Zender und Zappa reicht, von Helmut Lachenmanns „Ausklang“ bis zu Kurt Weills „Dreigroschenoper“ mit Max Raabe, Nina Hagen und HK Gruber.

„Dabei sein, wenn über Musik nachgedacht wird, Musik entwickelt wird. Spüren, wenn eine Komponistin oder ein Komponist im Raum ist. Oder anders gesagt, jemand im Raum ist, der Musik konzipiert. Unsere Aufgabe ist es, Musik so gut wie möglich erfahrbar zu machen, das ist bei neuen Tendenzen nicht einfach, erfordert Geduld, Können und Vertrauen. Wir sind ungefähr 20 verschiedene Menschen und unterschiedliche Charaktere. Es knallt und wir widersprechen uns. Aber dann teilen wir die gleiche Bühne, das ist besonders. … Das Ensemble-Leben ist nicht lustig – über Intonation wird verhandelt und wegen Rhythmen wird gekämpft. Demokratie ist schwer. Blödsinn wird trotzdem gemacht und es wird gelacht. … Aber dann sitzen wir auf der Bühne und wissen warum, das mag ich, gibt mir den Schub zu arbeiten, herauszufinden, was zu tun ist. Dann der Dirigent. Wir vertrauen das höchste Gut, welches wir bewohnen, die Zeit, einem anderen Menschen an. Im besten Falle teilt er sie mit uns. Und dann Sie, der Zuhörer. Das Gegenüber, das dabei ist, staunt, sich manchmal langweilt und trotzdem wiederkommt, um vielleicht den einmaligen Moment zu spüren, wenn etwas gelingt, was man nicht in Worte fassen kann. Ohne das andere Ohr geht es nicht.“ (Rainer Römer, Schlagzeuger im Ensemble Modern seit 1985). Gestaltung: Walter Weidringer

23:03 – 24:00 | Ö1
Ensemble Phace bei Wien Modern – Wien Modern 2020. Ensemble Phace mit beeindruckenden Klanggewölben

Das österreichische Ensemble Phace hat am Freitag, 27. November 2020 im Rahmen des Festivals Wien Modern Linien und Spuren, Erinnerungen und Bedeutungen zu beeindruckenden Klanggewölben geflochten. Iris ter Schiphorsts „Breaking“ für verstärktes Ensemble, Sampler und Live-Elektronik bezieht sich auf den Kultfilm „Breaking the waves“ von Lars von Trier, eine Liebesgeschichte von düsterer, brutaler Schönheit. Der Ruf des Phyllobates terribilis (Schrecklicher Blattsteigerfrosch), in dessen Gift die kolumbianischen Emberá ihre Blasrohrpfeile tränkten, dient als Grundmaterial für den Oboenpart in Wolfram Schurigs neues Werk; „kokoí“ für Oboe und Ensemble zeichnet ein Bild der Ambivalenz von makelloser Schönheit und Tod. Kaija Saariahos Lichtbogen, inspiriert von den Polarlichtern des arktischen Nachthimmels, breitet traumhaft, vergänglich und nahezu bewegungslos ein spektrales Klangnetz in lebendigen Farben aus. Franck Bedrossians „Swing“ schickt einschlägig konnotierte Elemente der Jazzmusik in ein Wechselspiel der Klangidentitäten. Johannes Maria Staud blickt mit seinem neuen Ensemblestück „Am Horizont (… schon ganz woanders …)“ auf ein eigenartiges Sehnsuchtskonstrukt: Wenn ich jemals am Horizont ankommen sollte, wäre dieser schon wieder ganz woanders. Gestaltung: Nina Polaschegg


01.12.2020


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Minimalistisches Schwarzweiß – Die chinesische Composer-Performerin Yiran Zhao

Von Julian Kämper. Yiran Zhaos Kompositionen konzentrieren sich auf reduziertes (Klang-)Material, strukturell transparent und leise, also alles andere als poppig, bunt und aufdringlich.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Robert Delanoff: „Eine Fliege im Winter“ (Dorothea von Albrecht, Violoncello; Christine Olbrich, Klavier); Markus Zahnhausen: „Winterbilder“ (Markus Bartholomé, Blockflöte); Roland Leistner-Mayer: „Beziehungen“, op. 64 (Anette Joanna Niemeier, Sopran; Robert F. Schneider, Klavier); Hans Werner Henze: „Royal Winter Music I“ (Stephan Stiens, Gitarre); Theo Rossmann: „Eine Ballade für den Hausgebrauch im Winter“ (Marcel Cordes, Bariton; Münchner Philharmoniker: Theo Rossmann); Enjott Schneider: „Advent“ (Hans Leitner, Orgel)

18:05 bis 19:00 | BR-KLASSIK
Franz Schubert – Eine Hörbiografie (2/9) – Zweites Kapitel: Liederjahre (1814-1816)

Von Jörg Handstein. Mit Udo Wachtveitl, Robert Stadlober, Johannes Silberschneider, Florian von Manteuffel und anderen

21:00 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik: Aktuelle Trends in der zeitgenössischen Musik – Extrem komplex, extrem virtuos, extrem einnehmend – Mehr zu 30 Jahre Wiedervereinigung

Von Margarete Zander. Nie werde ich vergessen, wie ich als westdeutsche Journalistin dem ostdeutschen Komponisten Paul-Heinz Dittrich (geb. 4. Dezember 1930 in Gornsdorf) begegnet bin. Er hatte sich an seinem Schreibtisch hinter einer Mauer von Büchern verschanzt. Eines nach dem anderen wurde abgetragen. Mehr über diese und andere Bereicherungen durch die Wiedervereinigung, darunter Werke von Georg Katzer und H. Johannes Wallmann.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Studio für Musik – Komponieren in Zeiten von Corona. Von Julia Schölzel

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
MUSIK DER GEGENWART: Neue Musik aktuell – Mit Andreas Göbel

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 ars acustica: Das Hörspiel vom Hörspiel 2020 – Werke aus dem Wettbewerb um den Karl-Sczuka-Preis

Vorgestellt von Julia Mihály. Regie: die Autorin. (Produktion: SWR 2020). 1931 führte Friedrich Bischoff, damals Intendant in Breslau, bei der „Rundfunk- und Phonoschau Berlin“, dem Vorläufer der heutigen Funkausstellung, Ausschnitte aus neuen Hörspielproduktionen vor. Er gab seiner Beispiel-Sammlung aus der Entwicklungsarbeit der Radiokunst den Titel „Das Hörspiel vom Hörspiel“.

Unter diesem Titel stellen Mitglieder der unabhängigen Jury Werke aus dem jährlichen Wettbewerb um den Karl-Sczuka-Preis vor – Werke der autonomen Radiokunst.


02.12.2020


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Siegfried Fink: „Percussion movie“ (Eckhart Kopetzki, Markus Hauke, Achim von Bassen, Matthias Schmitt, Perkussion); Hans-Günther Allers: Quintett, op. 92 (Ensemble Kontraste); Uwe Strübing: „The Love Songs of Ennod Toile“, op. 35 (Ensemble Dirrekt: Hans Dirr); Stefan Hippe: Streichquartett Nr. 2 (Minguet-Quartett); Bernhard Weidner: Drei Nocturnes (Martin Oberhofer, Klavier)

18:05 bis 19:00 | BR-KLASSIK
Franz Schubert – Eine Hörbiografie (3/9) – Drittes Kapitel: Jetzt lebe ich einmal! (1817-1818)

Von Jörg Handstein. Mit Udo Wachtveitl, Robert Stadlober, Johannes Silberschneider, Florian von Manteuffel und anderen

20:04 bis 21:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge – Musikalische Entdeckungsreisen – Von Weill bis Zappa – 40 Jahre Ensemble Modern

Aus dem Musikleben ist es nicht wegzudenken, das Ensemble Modern. Vor 40 Jahren gründete es sich als ein Spezialisten-Ensemble für Neue Musik.

Mit seinen Interpretationen hat es Meilensteine gesetzt, nicht nur im Bereich der musikalischen Avantgarde, sondern auch in den unterhaltsameren Formen der Moderne. Der Bogen reicht von Kurt Weills „Dreigroschenoper“ über die minimalistischen Klangstrukturen von Steve Reich und John Adams bis zu den legendären „Yellow Shark“-Konzerten mit Frank Zappa.

21:00 bis 22:00 | NDR Kultur
Chormusik: Junge Chormusik – Der Lette Jekabs Jancevskis im Porträt „Aeternum“ – Geistliche Chorwerke

The Mixed Choir of Riga Cathedral Choir School. Ltg.: Jurgis Cabulis. Von Eva Schramm

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Donaueschinger Musiktage 2020

SWR Symphonieorchester. Leitung: Titus Engel. Klaus Lang: ionisches Licht für Orchester (2020, UA) | Cathy Milliken: PIECE 43 FOR NOW für Orchester (2020, UA) | Oliver Schneller: The New City. Hommage à Lebbeus Woods für Orchester und Elektronik (2020, UA) | Lula Romero: displaced für Kammerorchester (2020, UA) | Mica Levi: BOUND. 9 Minuets für 2 kleine Trommeln und Ensemble (UA) | Michael Wertmüller: The Blade Dancer (UA)

Das SWR Symphonieorchester spielt unter der Leitung von Titus Engel sechs Orchesterminiaturen von Klaus Lang, Mica Levi, Cathy Milliken, Lula Romero, Oliver Schneller und Michael Wertmüller – alles Kompositionen für kleines Orchester, die noch im Hinblick auf ein Festival unter besonderen Hygienebedingungen entstanden.

23:03 – 24:00 | Ö1
Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen – Zeit-Ton Magazin

Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen ausgesuchte Veranstaltungstipps für die kommenden sieben Tage und die spannendsten Neuveröffentlichungen. Gestaltung: Heinrich Deisl


03.12.2020


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Huddersfield Contemporary Music Festival

Bates Mill Blending Shed. Aufzeichnung vom 21.11.2019. John Leafcutter: „Line Crossing“. John Leafcutter, Elektronik | Hanna Hartman: „Termite Territory“ für Ensemble. We Spoke | Zeena Parkins: „Charette“ für Ondes Martenot. Nadia Ratsimandresy, Ondes Martenot | Charmaine Lee: „Smoke, Airs“ für Ensemble. Wet Ink Ensemble

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Cornelius Hirsch: Variationen (Cornelius-Hirsch-Ensemble); Dorothea Hofmann: „Schritte im Grasland“ (Carmen Amrein, Johanna Höbel, Tobias Vogel, Komale Akakpo, Hackbrett); Elke Tober-Vogt: Orchestersuite Nr. 2 (Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt: Oliver Weder); Gloria Coates: Symphonie Nr. 10 – „Drones of druids on celtic ruins“ (CalArts Orchestra: Susan Allen); Nikolaus Brass: „Von wachsender Gegenwart“ (Münchener Kammerorchester: Alexander Liebreich)

18:05 bis 19:00 | BR-KLASSIK
Franz Schubert – Eine Hörbiografie (4/9) – Viertes Kapitel: Störrisches Benehmen (1818-1820)

Von Jörg Handstein. Mit Udo Wachtveitl, Robert Stadlober, Johannes Silberschneider, Florian von Manteuffel und anderen

20:04 bis 21:30 | hr2-kultur
Hörbar in concert – Gianmaria Testa und Gabriele Mirabassi

Bittersüße Wehmut kommt auf bei diesem Konzert. Wehmut in zweifacher Hinsicht. Denn zum einen ist Gianmaria Testa, der große italienische Liedermacher (oder, wie die Italiener sagen: Cantautore) seit ein paar Jahren nicht mehr unter uns, 2016 viel zu früh verstorben. Zum anderen atmet diese Aufnahme die unvergleichliche Stimmung des alljährlichen Rudolstadt Festivals.

Gianmaria Testa – Gesang, Gitarre. Gabriele Mirabassi – Klarinette. (Aufnahme vom 5. Juli 2013 aus der Heidecksburg in Rudolstadt)

Und das musste in diesem Jahr zum ersten Mal komplett abgesagt werden, der Pandemie geschuldet, wie so vieles.

Gelegenheit, einmal innezuhalten und sich an die Highlights der letzten Jahre zu erinnern. Eines davon war sicherlich dieser Auftritt von Gianmaria Testa 2013 im Innenhof der Rudolstädter Heidecksburg, gemeinsam mit dem kongenialen Klarinettisten Gabriele Mirabassi – ein in jeder Hinsicht eingespieltes Team.

20:04 bis 21:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: HörBar – SprachKlangFantasie „Flötentöne“

Wolfgang Korb, Sprecher; Dietmar Wiesner, Flöte. Direktübertragung aus dem KuBa Kulturzentrum am Eurobahnhof

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Neue Musik als Institution. Das IGNM-Weltmusikfest 1960 in Köln

Eine Sendung von Stefan Fricke. Das 34. Weltmusikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, das 1960 in Köln stattfand, gehört – vor allem im Rückblick – zu den spannendsten Veranstaltungen zeitgenössischer Musik in der kulturellen Institutionsgeschichte der noch jungen Bundesrepublik.

Im Juni 1960 in Köln, beim 34. Weltmusikfest der 1922 in Salzburg gegründeten Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM), einem Völkerbund der arrivierten Neutöner, gibt es 16 Uraufführungen, sechs Europäische und neun Deutsche Erstaufführungen, zudem zehn weitere Kompositionen, die allesamt zwischen 1909 – Schönbergs Opus 16 – und 1960 entstanden sind und aus über zwanzig nationalen IGNM-Sektionen stammen. (Heute sind es über 40.) Unter den aufgeführten Komponisten – mit der 1939 aus Hamburg nach Chile emigrierten Leni Alexander allerdings nur eine Frau – finden sich viele prominente Namen, die fleißig das damals aktuelle und künftige Geschehen der avancierten Neuen Musik mitschreiben: Bengt Hambraeus, Henri Pousseur, Luciano Berio, Pierre Boulez, Luigi Nono, Klaus Huber und Isang Yun. Überdies György Ligeti, Karlheinz Stockhausen und Mauricio Kagel. Deren Uraufführungen von „Apparitions“, „Kontakte“ und „Anagrama“ – State-of-the-Art der Kunstklangproduktion um 1960 – wirken weit hinein in die Musikgeschichte, sind längst Klassiker der Avantgarde – dank der IGNM, die nicht immer die fortschrittlichste Programmatik verfolgt.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Aufnahmen mit der Sopranistin Edith Urbanczyk

Robert Maximilian Helmschrott: „Atmosfera ovattata III“ (Barbara Polasek, Gitarre); Fritz Büchtger: „Der Vogel Unheil“; „Dein Schweigen“; „Abgesang“; „Orpheus“; „Ein Gleichnis“ (Else Stock, Klavier); Gloria Coates: „Kriegstimmen der Frauen“ (Reinhold Johannes Buhl, Violoncello; Karl-Hermann Mrongovius, Klavier; Hermann Gschwendtner, Schlagzeug); Peter Jona Korn: „Boten des Herbstes“, op. 47 (Else Stock, Klavier)

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 Hörspiel-Studio: Die Enden der Parabel / Gravity’s Rainbow (12/12) (bis 2 Uhr)

Nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Pynchon. Aus dem Amerikanischen von Elfriede Jelinek und Thomas Piltz. Teil 12: Die Gegenmacht, Episode 7 bis 13. Unter Drogen erkennt der russische Oberst Tschitscherin: alles war arrangiert, um die Geheimdienste zum Schwarzkommando der Hereros zu führen. Denn im September 1945 wollen die Hereros in Lüneburg die Rakete 00001 abfeuern, um ihren Stamm auszulöschen. Aber es ist der Nazi Blicero alias Weißmann, der den Countdown auslöst, seinen Liebhaber Gottfried auf der Rakete fesselt und opfert. Der Raketenflug durch Raum und Zeit endet auf dem Dach des Orheus Movie Theatre in Los Angeles Anfang 1970. Ist alles nur ein Traum, eine Verschwörung, ein Film?

23:03 – 24:00 | Ö1
„Oozing Earth“, Bernhard Ganders klangliches Endzeitpanorama

Anfang März dieses Jahres feierte ein neues Werk von Bernhard Gander bei der cresc… Biennale in Frankfurt seine Uraufführung: „Ozzing Earth“ ist nicht weniger als der Entwurf eines klanglichen Endzeitpanoramas, eines „ultimativen Abgesangs auf die Menschheit“. „In einem letzten, gewaltigen Akt des Widerstandes bäumt sich die aus allen Wunden blutende, zu Tode geschundene Erde gegen ihr entfremdetes Kind auf“, so der begleitende Text. „Vernunftbegabt und theoretisch weitblickend, praktisch jedoch unfähig, entsprechend zu handeln, strebt die Menschheit ohnmächtig ihrem Untergang zu. Was wir beschützen sollten, vernichten wir. Was wir geschaffen haben, knechtet uns. Falsche Propheten anbetend, entfernen wir uns mehr und mehr von dem, was lebt.“

Gander verschmolz für „Oozing Earth“ klangliche und sprachliche Codes des Black – und des Death Metal mit zeitgenössischer Kunstmusik und erfüllte sich damit nicht zuletzt auch einen lang ersehnten Wunsch. Als glühender Fan eben des Black – und Death Metal arbeitete er zum ersten Mal mit Musikern aus diesen Szenen zusammen, konkret mit dem Sänger Attila Csihar (u.a. Mayhem, Sunn O)))) und dem Schlagzeuger Flo Mounier (Cryptopsy), neben weiters dem Ensemble Modern, das mit dieser Produktion einmal mehr eindrücklich seine stilistische Aufgeschlossenheit und Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte.

Dieser Zeit-Ton ist auch Teil unseres kleinen Jubiläumsschwerpunktes, mit dem wir dem Ensemble Modern zu seinem vierzigjährigen Bestehen gratulieren. In seiner Sendung am vergangenen Dienstag ließ Walter Weidringer bereits dessen bewegte Geschichte Revue passieren. Und heute hören Sie eine Radiopremiere, nämlich die von dem Metal-Produzenten Kristian Kohle Kohlmannslehner im Kohlekeller Studio gemasterte Studioaufnahme von „Oozing Earth“, die demnächst auf CD und Vinyl erscheinen wird. Gestaltung: Susanna Niedermayr


04.12.2020


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: Simultaneous – Von Pamela Z

Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2020. Länge: 54’30. (Ursendung). Wenn zwei Menschen an zwei Orten gleichzeitig dasselbe tun, entsteht ein Fünkchen Magie. Die Vokalperformerin Pamela Z erforscht das Phänomen der Gleichzeitigkeit vom Unisono bis zur Multitasking-Kultur.

Das Hörstück „Simultaneous“ entstand aus einer Faszination: Die Komponistin und Vokalperformerin Pamela Z konnte nicht aufhören, über das Phänomen Simultanübersetzung nachzudenken. Einerseits interessierte sie sich für die mentale Fähigkeit zur Gleichzeitigkeit: das In-einer-Sprache-Sprechen, während man einer anderen zuhört. Andererseits war sie begeistert vom Klang sich überlagernder Stimmen.

Für „Simultaneous“ sprach Pamela Z mit Menschen über verschiedene Formen von Synchronizität: von jenen magisch-zufälligen Momenten, die entfernte Orte oder Zeiten miteinander verbinden, bis hin zur zweifelhaften Kulturtechnik des Multitasking.

Pamela Z steuert ihre Musik-Controller mit feinen Gesten. Wenn sie auf der Bühne steht, wirkt es, als würde sie tanzen. Mithilfe dieser Geräte schichtet sie Interviewsamples und verwebt sie mit ihrer eigenen Stimme zu einem Rausch der Gleichzeitigkeit.

Pamela Z ist Performerin, Komponistin und Medienkünstlerin. Sie arbeitet mit Stimme, Sampling, durch Gesten gesteuerte Midi-Controller und Video. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter die United States Artists Fellowship (2020), den Rome Prize (2019), das Stipendium der Robert Rauschenberg Foundation (2017), den Herb Alpert Award (2016), den Doris Duke Artist Impact Award (2015) und das Guggenheim-Stipendium (2004).

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Dorothee Eberhardt: „Xenon Phi“ (Münchner Flötentrio); Walter Zimmermann: „Ländler Topographien“ (Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt: Cristóbal Halffter); Eva Sindichakis: „Tohuwabohu“ (via-nova-Chor München; Münchner Rundfunkorchester: Anu Tali); Dorothea Hofmann: Magnificat (Alice Oskera-Burghardt, Mezzosopran; Münchner Rundfunkorchester: Sian Edwards); Konstantia Gourzi: „Sappho-Zyklus“, op. 12 (Rebecca Martin, Mezzosopran; Wolfgang Manz, Klavier)

18:05 bis 19:00 | BR-KLASSIK
Franz Schubert – Eine Hörbiografie (5/9) – Fünftes Kapitel: Die Straße zum Erfolg (1820-1822)

Von Jörg Handstein. Mit Udo Wachtveitl, Robert Stadlober, Johannes Silberschneider, Florian von Manteuffel und anderen

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: „Glück, das mir verblieb“ – Erich Wolfgang Korngolds „tote Stadt“ lebt

Von Frank Halbach. Es war die Zeit der Avantgarde, in der sich Komponisten wie Arnold Schönberg, Anton Webern oder Alban Berg für die Atonalität und später die Zwölftontechnik stark machten. Ein dreiundzwanzigjähriges Wunderkind jedoch setzte damals auf Spätromantik, Wagnersche Leitmotiv-Technik, raffinierte Instrumentierung und verschmähte auch die Einflüsse des Verismo à la Puccini nicht: Erich Wolfgang Korngold. Heraus kam eine der erfolgreichsten Opern der 1920er Jahre: „Die tote Stadt“, frei nach dem Roman „Das tote Brügge“ von Georges Rodenbach. Doch Korngolds Ruhm als Opernkomponist drohte – völlig ungerechtfertigt – bald zu verblassen. Seine jüdische Herkunft zwang ihn, in die USA zu fliehen, wo er bahnbrechende Filmmusik komponierte, u.a. zu „Robin Hood“ und „Captain Blood“ mit Errol Flynn. Ende der 1960er wurde die „Die tote Stadt“ endlich wiederentdeckt: Ihre Musik bedachte man mit vielen Attributen: „verführerisch“, „morbide“, „psychologisch“, „unzerstörbar, mächtig, lustvoll“. „Die tote Stadt lebt“! Am 4. Dezember 2020 feiert sie ihren 100. Geburtstag.

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
Hörspiel: hör!spiel!art.mix: „Alles kann passieren.“ von Rabinovici/Klenk

Alles kann passieren. Ein Polittheater. Von Doron Rabinovici/Florian Klenk. Mit Edda Fischer, Susanne Schäfer, Anke Sevenich, Patrycia Ziólkowska und Matthias Leja. Regie: Leonhard Koppelmann. HR 2020

„Das Unsagbare ist wieder ausgesprochen beredt.“ Was die hier versammelten Politiker rechtsnationaler bis rechtsradikaler Gesinnung in ihren Originalzitaten von sich geben, wurde genauso zu Protokoll gegeben. Von Matteo Salvini, Viktor Orbán, JarosIaw Kaczynski, Heinz-Christian Strache: „Das, was gesagt wird, kann doch nicht wahr sein, denken wir, doch wen kümmert’s schon, denn es wird wahr, indem es gesagt wird. Was nicht stimmt, stimmt ein, um die anderen niederzustimmen.“ Ernüchtert machen vier Schauspielerinnen das Unsägliche hinter den Worten in seiner ganzen hässlichen Gewalt begreifbar.

Doron Rabinovici, geb. 1961, österreichischer Schriftsteller und Historiker. Theaterprojekt Die letzten Zeugen (2013, mit Matthias Hartmann) am Wiener Burgtheater. Weiteres Hörspiel Abrahams Stunde (HR/ORF 2014). Florian Klenk, geb. 1973, Jurist und investigativer Journalist. Seit 2012 Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung „Falter“.

22:03 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: Von der Lanze zur Laute – Walther von der Vogelweide und der Minnesang

Von Egbert Hiller. Die zarten Töne des Minnesangs und die rüden Verhaltensformen der Ritter – wie ging das zusammen? Von der rauen Lebenswirklichkeit war der Minnesang weit entfernt. Das Besingen der Geliebten geriet vielmehr zur Projektionsfläche für die Sehnsüchte fahrender Ritter, die ohne eigene Hofhaltung kaum Hoffnung auf eine standesgemäße Ehefrau haben durften. Unter dem Druck sich wandelnder gesellschaftlicher Verhältnisse tauschten sie – im übertragenen Sinne – die Lanze mit der Laute. Oder sie ließen, statt der Angebeteten selbst zu huldigen, Minnesänger diese Rolle für sich übernehmen. Andere tauchten von vornherein in die Welt von Lyrik und Gesang ein, so wie Walther von der Vogelweide, der um 1170, vor 850 Jahren, geboren wurde.

23:03 – 24:00 | Ö1
Das vielfältige Schaffen der Mia Zabelka

Die 1963 in Wien geborene experimentelle Violinistin, Vokalistin, und Komponistin Mia Zabelka zählt seit Jahren zu den wichtigsten Stimmen in den Bereichen elektroakustische Performancekunst und Freie Improvisation.

Sie entwickelte das Konzept des „automatic playing“; dabei filtert sie unterschiedliche Musikgenres durch ihren Körper und lässt das Konzentrat aus ihrer physischen Bewegung herauswachsen, ausgedrückt mit und durch ihre E- und / oder akustische Geige, in Verwendung elektronischer Geräte, fremder Objekte und Gesang.

Es ist eine „künstlerische Technik des aus-dem-Körper-heraus-Arbeitens“, so Zabelka und weiter „Musikmachen ist für mich Sprachfindung“. Mia Zabelka hat ihre Sprache / ihre Sprachen gefunden; sie arbeitet international, um offen zu bleiben in alle Richtungen, davon zeugen großartige Projekte und Alben mit der E- und akustischen Violine der vergangenen Jahre mit Musiker/innen wie u.a. Benjamin Finger, James Plotkin, John Hegre, Maggie Nichols und Zahra Mani, die auch im heutigen Zeit-Ton Portrait im Mittelpunkt stehen. Das jüngste, „MYASMO“ (Setola di Maiale) erschienen im Mai dieses Jahres, ist ein einzigartiges Zeugnis von frei improvisierten Live-Solo-Auftritten Zabelkas in vier europäischen Städten: London, Le Havre, Vienna und Tønsberg zwischen November 2018 und August 2019. Für sie selbst ist es die Entwicklung ihres Soloalbums „Monday Sessions“ (Creative Sources, 2015), aufgenommen an vier Montagen im Jänner und Februar 2015 im Klanghaus Untergreith (in der südlichen Steiermark in der Nähe der slowenischen Grenze liegend), dem internationalen Zentrum für Klangkunst, das 2008 von Zabelka und Zahra Mani gegründet wurde.

Die internationale Vernetzung treibt sie auch als Kuratorin an, wie sie als Leiterin des internationalen Festivals für improvisierte und experimentelle Musik phonoFEMME in Wien immer wieder beweist.

Da stellt sich natürlich die Frage: Wie hart trifft es Mia Zabelka, dass sie, bedingt durch die Covid-19-Pandemie ihre für dieses Jahr geplanten USA und Japan-Tourneen absagen musste?

Viele Gesprächsthemen also über Zabelkas Musik und ein Ausblick auf ihr zukünftiges Musikschaffen. Gestaltung: Marlene Schnedl


05.12.2020


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: „Glück, das mir verblieb“ – Erich Wolfgang Korngolds „tote Stadt“ lebt

Von Frank Halbach. Es war die Zeit der Avantgarde, in der sich Komponisten wie Arnold Schönberg, Anton Webern oder Alban Berg für die Atonalität und später die Zwölftontechnik stark machten. Ein dreiundzwanzigjähriges Wunderkind jedoch setzte damals auf Spätromantik, Wagnersche Leitmotiv-Technik, raffinierte Instrumentierung und verschmähte auch die Einflüsse des Verismo à la Puccini nicht: Erich Wolfgang Korngold. Heraus kam eine der erfolgreichsten Opern der 1920er Jahre: „Die tote Stadt“, frei nach dem Roman „Das tote Brügge“ von Georges Rodenbach. Doch Korngolds Ruhm als Opernkomponist drohte – völlig ungerechtfertigt – bald zu verblassen. Seine jüdische Herkunft zwang ihn, in die USA zu fliehen, wo er bahnbrechende Filmmusik komponierte, u.a. zu „Robin Hood“ und „Captain Blood“ mit Errol Flynn. Ende der 1960er wurde die „Die tote Stadt“ endlich wiederentdeckt: Ihre Musik bedachte man mit vielen Attributen: „verführerisch“, „morbide“, „psychologisch“, „unzerstörbar, mächtig, lustvoll“. „Die tote Stadt lebt“! Am 4. Dezember 2020 feiert sie ihren 100. Geburtstag.

22:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Open Sounds – Ex & Pop

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Emotional Logic – Misha Cvijovic’s Projekt mit dem Berliner Zafraan Ensemble

Von Martina Brandorff. Impulsartig Emotionen zeigen – das war die Hauptintention. Für ein Projekt mit dem Zafraan Ensemble komponierte die junge serbische Komponistin Misha Cvijovic die sechs menschlichen Grundemotionen. Im Zuge der Erarbeitung wurde „Emotional Logic“ zu einem Blick auf Corona und Quarantäne. Cvijovic, Jahrgang 1984, ist als Komponistin, Regisseurin und musikalische Leiterin ein künstlerisches Multitalent. In ihrer aktuellen Arbeit „Emotional Logic“ geht es darum, Grundgefühlen wie Angst, Ekel, Trauer, Wut, Freude und Überraschung Ausdruck zu verleihen. Cvijovic, Kompositionsschülerin von Eun Hwa Cho, spannt dafür einen Bogen von eigens entwickelten, exakt notierten Spieltechniken hin zu Sequenzen freier Improvisation. Im Zuge der Covid-19-Krise nahm das Projekt eine überraschende Wende. Quarantäne und Corona-Schutz seitens der Mitwirkenden wurden ungeplant zu einem konstituierenden Faktor der Komposition. Klangforschung und Selbstreflektion ereigneten sich auf doppeltem Boden – in der Wirklichkeit wie in virtueller Tealität.

23:00 bis 00:00 | hr2-kultur
The Artist’s Corner | Jugend komponiert 2020

Seit 1985 führt die Jeunesses Musicales Deutschland jährlich den Bundeswettwerb Jugend komponiert durch. Es ist die höchste Auszeichnung für Komponierende in Deutschland, mit der eine intensive Förderung talentierter Jugendlicher zwischen zwölf und 22 Jahren einhergeht.

Werke von Ghifar Aldebs (*1998), Said Azh (*1999), Julian Becker (*2005), Christian Branderburger (*2004), Manuel Lipstein (*2001), Annabelle Désirée Vinçon (*1997), Julius von Lorentz (*2003) und Erik Ziegler (*1998)

Interpreten: Romain Caillet, Tenor; Jesse Flowers, Gitarre; Malte Schäfer, Klavier; Maximillian Sutter, Trompete/Flügelhorn; Friedrich Thiele, Violoncello – Stipendiaten des Deutschen Musikwettbewerbs 2019 – Tontechnik: Piotr Furmanczyk

So mancher Bundespreisträger hat anschließend Karriere gemacht: etwa Enno Poppe, Harald Muenz oder Charlotte Seither. Im Corona-Jahr 2020 konnte das Abschlusskonzert mit Uraufführungen der Wettbewerbsgewinner nur im Rahmen eines internen Workshops in Weikersheim realisiert werden. So erklingen die prämierten Kompositionen heute in hr2-kultur erstmals in der Öffentlichkeit.


06.12.2020


13:04 bis 14:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge – Musikalische Entdeckungsreisen – John Lennon – Sanfter Rebell

Er galt stets als der rebellischste unter den vier Beatles. Dafür stehen Songs wie „Revolution“ oder „Come Together“. John Lennon war aber auch Feminist, Friedensaktivist, Hausmann und liebender Familienvater.

Lennon schrieb Balladen wie „Imagine“ oder „Give Peace A Chance“, und verfasste anrührende Liebeslieder für seine Frau Yoko Ono, die diese mit nicht weniger schönen Lovesongs beantwortete. Zum 40. Todestag lauschen „Kaisers Klänge“ den zarten Tönen des sanften Rebellen.

22:00 bis 00:00 | Bremen Zwei
Klassikwelt in concert: Süchtig nach Musik

Der Titel des Konzerts, das die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen am 23. September im Großen Saal der Bremer Glocke gab, verdeutlicht bestens die Gefühle, die viele Menschen nach den vorausgegangenen Monaten hatten.

22:08 – 22:55 | Ö1
Mia Zabelka. Königin der „Noise Violin“

Seit ihrer ersten Veröffentlichung „Somateme“ (1987)  bei der Berliner Edition RZ beschäftigt sich die österreichische Violinistin, Vokalistin und Komponistin Mia Zabelka mit der Entwicklung experimenteller Improvisationstechniken mit akustischer Violine, E-Violine und Stimme, die sie als „automatic playing“ bezeichnet. Es geht Zabelka um die Auslotung des Verhältnisses von Körper, Gestik, Klang und Raum. Dabei dienen auch immer wieder elektronische Geräte und Computer zur Erzeugung erweiterter Klangspektren, um Klang und Musik als physikalische Phänomene einer künstlerischen Sprache zu untersuchen, die auf der De- und Rekonstruktion der Klangmöglichkeiten der Violine basiert. Mit dem Einsatz eines speziellen Setups aus electronic devices und „alien objects“ wird die Violine selbst zu einem Interface, einem elektronischen Klangerzeuger bzw. einer Klangmaschine. Mit Experimentierfreude und physischer Unmittelbarkeit arbeitet Zabelka an musikalischen Bildern, deren Vielschichtigkeit und gleichzeitige Transparenz ihr explizites Anliegen sind. Die Interdisziplinarität zwischen Musik und Wissenschaft ist Zabelka dabei ein großes Bedürfnis. Der Begriff „wissenschaftliche Musik“ trifft ihren Ansatz am besten, es geht darum automatische Prozesse hörbar zu machen. Vokabeln wie Noise, Bewegung, Automatisierung, Teilung, Symbiose, Dissonanz und Resonanz sind bezeichnend.

Im heutigen Zeit-Ton extended präsentiert Mia Zabelka Stücke, die Elemente ihres eigenen Kompositionsansatzes widerspiegeln. Sie spannt ihren Bogen von Cecil Taylor über Pauline Oliveros bis Merzbow und stellt weitere persönliche Highlights aus der Freien Improvisation, experimentellen Elektronik und Klangkunst vor. Gestaltung: Marlene Schnedl

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: My Favorite Choice [41] Sarah Maria Sun

Mit Ausschnitten aus: Sara Glojnaric: Sugar Coating für Ensemble; Musikfabrik, Leitung: Christoph Löser | Georgia Koumará: Magna Ipsum Heimat Ut Enim Minem Vacuum für Orchester; Orchester der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Leitung: Kenneth Duryea | Anthony Braxton: Composition No. 103 für 7 Trompeten; Marco Blaauw; The Monochrome Project | Alejandra Hernandez: Cimento 2, 4, 5, 6, 7 und 8, Klanginterventionen, elektroakustische Musik | Milica Djordjevic: Do You Know How to Bark? für Kontrabass; Florentin Ginot | Leonard Bernstein: There’s a Law about Men; Sarah Maria Sun & The Gurks | Rebecca Saunders: Blaauw für Doppeltrichtertrompete; Marco Blaauw

Zeitgenössische Musik, sagt die Vokalvirtuosin Sarah Maria Sun, „gibt mir einen Kick, den ich bei Mozart zum Beispiel nie gespürt habe“. Und überhaupt: „Wann erfährt man schon etwas Neues?“ Uraufführungen sind genau das Gegenteil von Routine und der Austausch mit lebenden Komponist*innen ein Geschenk.

Vor ihrem Konzert im WDR-Funkhaus am kommenden Samstag macht die Sängerin und ehemalige Gitarristin, die gerade ihr erstes Kinderbuch gezeichnet und geschrieben hat, einen Abstecher ins Radiostudio. Und sie bringt (fast nur) Neues mit.

23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK
Musik der Welt: Französische Kolonien und ihr musikalisches Erbe

Zwischen der nördlichsten und der südlichsten Stadt Frankreichs, Dunkerque und Saint-Joseph, liegen knapp 10.000 Kilometer. Réunion im Indischen Ozean gehört zur EU – und seine Musik setzt sich aus afrikanischen Rhythmen der Sklaven und französischen Klängen der Kolonialherren zusammen. Letztere haben ihre musikalischen Spuren auf allen fünf Kontinenten hinterlassen: Ob Tahiti, Vietnam, Trinidad, Kanada oder Westafrika: Das französische Erbe zieht sich rund um die Weltkugel. Die Bewohner der ehemaligen Kolonien prägen inzwischen aber auch die Musikszene Frankreichs: Die Zentren der afrikanischen Musik heißen heute nicht nur Dakar/Mali oder Essaouira/Marokko, sondern auch Paris und Marseille. Eine Sendung von Ulrike Zöller

 

 

radiofreak der alten schule. transistor, diode, spule, kondensator. ehemals manipulator:in mehrerer rundfunksendungen.

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