Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 26.10. bis 01.11.2020

Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 44. Roland Moser: Sprachmusik | Klangwelten des Peter Jakober | Tanz ums Weiße Haus – Musik für amerikanische Präsidenten | Die Wiederentdeckung der Händel-Opern vor hundert Jahren | Opus Mors von Jakob Kirkegaard | musikprotokoll 2020 | Robin Hoffmann | #Zusammenspielen | Neue Musik für Cembalo | Komponist Bernfried E. G. Pröve und die edition zeitklang | Die Klarinette in der Neuen Musik | Das Contre-Festival 1960 in Köln | Inszenierte Authentizitäten | Dirigent François-Xavier Roth.

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nmz-Podcastpartnerin Irene Kurka ::: neue musik leben


26.10.2020


23:00 bis 00:00 | rbbKultur
MUSIK DER GEGENWART: Der Dirigent François-Xavier Roth

Mit Andreas Göbel. Der französische Dirigent François-Xavier Roth pflegt ein denkbar breit aufgestelltes Repertoire, das vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik reicht. Die Musik der Gegenwart nimmt dabei einen großen Raum ein. Mehrere Jahre hat er bei den Donaueschinger Musiktagen Uraufführungen geleitet, aber auch mit seinem eigenen Orchester „Les Siècles“ widmet er sich immer wieder der Moderne.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Inszenierte Authentizitäten – Wenn der Künstler zum Material wird

Von Julia Mihály. Echtheit, Ursprünglichkeit, Unmittelbarkeit: Der Begriff der „Authentizität“ hat ein weites Bedeutungsfeld. Er kann sich auf das Agieren im täglichen Leben ebenso beziehen wie auf virtuelle Realitäten oder performative Situationen. Als zentrale Frage erscheint dabei, ob Authentizität letztlich nicht immer ein Konstrukt ist? In der überschaubaren Szene der Neuen Musik kommt diese Überlegung besonders dann zum Tragen, wenn Komponist*in und Performer*in eine Personalunion eingehen. Sobald das eigene Selbst künstlerisch verhandelt wird, werden die Grenzen zwischen Realperson und Kunstfigur verwischt.


27.10.2020


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Vor 60 Jahren – Neue Musik als Wildwuchs – Das Contre-Festival 1960 in Köln

Von Stefan Fricke. Zeitgleich zum IGNM-Weltmusikfest trifft sich die Avantgarde im Atelier der Kölner Künstlerin Mary Bauermeister, kreiert neue Sounds. Zu verstaubt ist die „offizielle“ Neue Musik.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Wastl Fanderl: „Heimweh“; Bernhard Lang: „Landler“ und „Hoch is da Kiachturm (Ruth Geiersberger, Martina Koppelstetter, Gesang; Georg Glasl, Zither); Peter Kiesewetter: „Niggun gimel“; Georg Glasl: „Schlaflos“; Peter Kiesewetter: „Spur“ (Monika Drasch, Gesang, Violine, Dudelsack; Georg Glasl, Zither); Peter Stangel: „Dribbling“ (Henry Raudales, Violine; Die Taschenphilharmonie: Peter Stangel); Anonymus: „Hansei sog!“; „Maid“; „Mazurken“; „Wolke“ (Jodelfisch); Rudi Spring: Tango I, op. 60, Nr. 1; Tango II, op. 60, Nr. 2; Aria, op. 59 c; Tango III, op. 60, Nr. 3 (Maria Reiter, Akkordeon; Marianne Kirch, Hackbrett; Rudi Spring, Klavier); Beyle Schaechter-Gottesman: „Heabstlied“; Anonymus: „Da Lindnbaam“; „Bocha“; „Wia’s kumt“ (Andrea Pancur, Gesang; Alpen Klezmer); Anonymus: „Menuett aus alter Zeit“; Rudi Zapf: „Wieda Hoam“; Anonymus: „Perchtentanz“ (Rudi Zapf und Münchner Saitentratzer); Celso Machado: „Quebra queixo“ (Rudi Zapf’s Zapfenstreich); Monika Drasch: „Liebeslied“; „Hublied“; „Der Säumer“ (Monika Drasch und Ensemble); Anonymus: „Zweistimmiger Versuch über einen Allerseelenjodler“ (Ruth Geiersberger, Gesang)

21:00 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik: Solokonzerte des 21. Jahrhunderts

Von Helmut Peters. Unter der Leitung des Komponisten hat der Klarinettist Sebastian Manz gerade das 2001 für seinen finnischen Kollegen Kari Kriikkuu entstandene Klarinettenkonzert von Magnus Lindberg neu eingespielt. Grund genug, nicht nur diese Neuaufnahme in der „neuen musik“ vorzustellen, sondern über Solokonzerte der Avantgarde generell einmal zu sprechen.

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Geblasen, geklappert, gehaucht – Die Klarinette in der Neuen Musik

Eine Radioreportage von Tilman Urbach. Sie kann in den höchsten Tönen jubilieren, kann sprunghaft sein, wendig, ist ungeheuer leichtfüßig unterwegs. Und doch kann die Klarinette auch ganz anders klingen: schrill, aufbrausend oder wild klappernd. Im BR-Studio erklärt der komponierende Klarinettist Jörg Widmann im Gespräch mit Tilman Urbach die verschiedenen Temperamente des Instruments in der zeitgenössischen Musik und führt mit seiner Klarinette Klangbeispiele vor. Immerhin hat Widmann mit seiner Komposition „3 Schattentänze“ sein eigenes kleines Klarinetten-Exerzitium geschaffen, das den Wohlklang dekonstruiert und das Blasinstrument ganz neu erfahrbar macht.

23:00 bis 00:00 | rbbKultur
MUSIK DER GEGENWART: Der Komponist Bernfried E. G. Pröve und die edition zeitklang

Mit Margarete Zander. Eine schillernde Persönlichkeit im Bereich der neuen Musik ist Bernfried E. G. Pröve: Komponist, Publizist, Dozent, Konzertveranstalter und Inhaber eines eigenen CD-Labels. Ein Porträt.

23:03 – 24:00 | Ö1
Neue Musik für Cembalo in Graz: musikprotokoll 2020. Maja MijatoviÄ nutzt das Cembalo als Instrument für neue Klänge

Der charakteristische Klang des Cembalos wird zuallererst mit Musik aus vergangenen Jahrhunderten assoziiert. Doch er eignet sich auch für aktuelle Kompositionen, wie das Uraufführungs-Projekt der in Wien lebenden Cembalistin Maja MijatoviÄ zeigt: Sie lud mehrere Komponierende, deren Arbeit sie besonders schätzt, vor einiger Zeit dazu ein, für ihr Instrument zu schreiben. 2019 veröffentlichte sie dann ein überraschendes und abwechslungsreiches Album mit einer Reihe von Ersteinspielungen für Cembalo solo, das auf der Bestenliste beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik landete.

Beim musikprotokoll 2020 zeigt MijatoviÄ, wie aufregend und unterschiedlich Komponierende heutzutage mit dem Klangkosmos Cembalo umgehen, wie sie damit experimentieren und feinste, bisher verborgene Nuancen des Instruments zutage fördern, aber auch wie sie die mechanische Vitalität des Instrumentenklangs auskosten. Eine „Versuchsanordnung für Zeitsprünge“ nennt einer der beteiligten Komponisten, Hannes Dufek, diese Praxis, bei der ein altes Instrument mit zeitgenössischer Musik gepaart wird. Weitere Kompositionen stammen von Peter Jakober, Petra Stump Linshalm, Margareta Ferek Petric, Rafael Nassif und von der Musikerin selbst.

Eine Teil-Wiedergabe des musikprotokoll-Konzerts vom 10. Oktober 2020 in der Helmut List Halle. Gestaltung: Marie-Therese Rudolph


28.10.2020


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Toni Völker: Schlagzeugkonzert -“Integral“ (Jürgen Heinrich, Schlagzeug; Mitglieder der Staatskapelle Karlsruhe: Frithjof Haas); Walter Zimmermann: „Voces abandonadas“ (Nicolas Hodges, Klavier); Gerald Eckert: „Inschriften“ (Olaf Tzschoppe, Schlagzeug; Zsigmond Szathmáry, Orgel); Rainer Rubbert: „obstacle 1078“ (Ensemble United Berlin)

21:00 bis 22:00 | NDR Kultur
Chormusik: Landmarks – kreative Arrangements mit dem Calmus Ensemble

Von Eva Schramm. Werke von Leonard Cohen, Francis Poulenc, Federico Ruiz, Georg Kreisler, Paul Moravec, Sting u.a

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: #Zusammenspielen. Freie Musiker*innen bei SWR2

Izumi Maekawa: From Spring to Ocean für Violoncello solo – Ǻsa Ackerberg (Violoncello) | Johannes Schöllhorn: a self-same-song, Fassung für Kontrabassklarinette solo, Shizuyo Oka (Kontrabassklarinette) | Rolf Riehm: Aus der Sage vom König Milesint für Klavier (1960) Ursendung; gestern aber heute hybrid für Klavier (2019) Ursendung. Florian Hölscher (Klavier)

In diesen Produktionen aus unserer Reihe #zusammenspielen sind es drei Solist*innen, die die ausgewählten Werke jeweils erstmals gespielt, also zum Leben erweckt haben: Shizuyo Oka war die Uraufführungsinterpretin von Johannes Schöllhorns Kontrabassklarinettensolo. Die japanische Komponistin Izumi Maekawa hat ihr Cellosolo 2020 für und zusammen mit Ǻsa Ackerberg entwickelt. Und die beiden Klavierstücke von Rolf Riehm wurden von Florian Hölscher entdeckt und erstmals eingespielt.

23:03 – 24:00 | Ö1
Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen – Zeit-Ton Magazin

Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen ausgesuchte Veranstaltungstipps für die kommenden sieben Tage und die spannendsten Neuveröffentlichungen. Gestaltung: Nina Polaschegg


29.10.2020


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Robin Hoffmann

„Schlundharfe“ (2013/14) / Musik aus Klängen von 25 chromatisch gestimmten Maultrommeln, ergänzt durch Atem-, Mund- und Rachenlaute / „anstatt dass“ (2009), Ensemble der Internationalen Ensemble Modern Akademie, Leitung: Susanne Blumenthal | „Maschinensingen“ (2009/10) – Musik mit akustischen Mitbringseln aus Fulda. Feldaufnahmen: Robin Hoffmann / Annesley Black

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Bernd Scholz: „Silesiana“, Ouvertüre (SWR-Rundfunkorchester Kaiserslautern: Emmerich Smola); Jan Koetsier: Introduktion und Variationen über ein Thema von Friedrich Smetana, op. 71 (Charlotte Cassedanne, Harfe; Budapester Blechbläser-Quintett); Herbert Blendinger: Klarinettenkonzert, op. 72 (Hans Schöneberger, Klarinette; Münchener Kammerorchester: Peter Gülke); Hans Melchior Brugk: Klavierkonzert Es-Dur, op. 50 (Hildegard Stenda, Klavier; Münchner Rundfunkorchester: Dieter Roßberg); Hans Stadlmair: „Concerto lirico“ (Uwe Komischke, Jagdhorn; Münchener Kammerorchester: Hans Stadlmair)

20:04 bis 21:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: Offen und unabhängig – Der Künstler Chris Newman im Gespräch

Chris Newman: Sinfonie Nr. 2 / Piano concerto Nr. 2 / „Ghosts“ für Ensemble

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 Hörspiel-Studio: Die Enden der Parabel / Gravity’s Rainbow (7/12)

Nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Pynchon. Aus dem Amerikanischen von Elfriede Jelinek und Thomas Piltz. Teil 7: In der Zone, Episode 5 bis 7

Juni 1945: Im 7. Teil prallen zwei Erzählstränge aufeinander. Im ersten ist auch der russische Geheimdienst unter Oberst Tschitscherin auf der Suche nach dem Geheimnis der V2. Der zweite folgt Slothorps Weg bis zum 2.8.45. Im zerstörten Berlin mit seinen anarchischen Zuständen muss er in der Nähe der Potsdamer Konferenz der Alliierten ein Drogen-Versteck ausheben, um an Geld zu kommen. Er landet in den UFA-Filmstudios bei der Ex-Nazi-Schauspielerin Gerta Erdmann, mit der er ein SM-Verhältnis beginnt.

23:03 – 24:00 | Ö1
Opus Mors von Jakob Kirkegaard. musikprotokoll 2020. Intime Klangmeditation über den Tod

In „Opus Mors“ nähert sich der dänische Klangkünstler behutsam dem Schlusspunkt des Lebens – dem Tod. Kirkegaard porträtiert vier Klangumgebungen, von denen der menschliche Körper üblicherweise post mortem umgeben ist: ein Leichenschauhaus, eine Autopsie, eine Feuerbestattung und der Verwesungsprozess. Die damit verbundenen Klangereignisse, die man am eigenen Körper nie spüren können wird, sind im doppelten Sinne verborgen. Einerseits sind die Orte nicht öffentlich zugänglich. Anderseits ist explizites Wissen um das, was nach dem Tod mit dem Körper geschieht, ein oft gemiedenes beziehungsweise tabuisiertes Thema. Das Werk ist eine eindringliche und intime Klangmeditation, die uns in diese vier Todesräume versetzt. Gestaltung: Susanna Niedermayr


30.10.2020


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: What we know is secret – The Burma Shave Electrics Vol. 2

Von Raymond Pettibon und Oliver Augst. Konzept, Komposition und Realisation: Oliver Augst. Mit: Raymond Pettibon, Stella Schnabel, Bo Ginn Pettibon und Brezel Göring; Eli Smith, Banjo; Alexandre Bellenger, Gitarre. Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2019. Länge: 50’06

Eine kultige Werbekampagne für Rasierseife inspirierte den Künstler Raymond Pettibon zu einer langen Reihe von Twittertexten: Klingende Kurzgedichte voll provokativer Anspielungen.

Die Burma-Shave-Werbekampagne hat bis heute Kultstatus. Zwischen 1927 und 1963 warb ein Rasierseifenhersteller neben amerikanischen Highways auf hintereinander gereihten Werbetafeln, die im Vorbeifahren raffinierte Reime und witzige Wortspiele offenbarten. Rhythmus und Kürze der Kampagne macht sich der zeitgenössische Künstler Raymond Pettibon zu eigen: Seit Jahren twittert er seine Version der Burma-Shave-Poems.

Die Gedichte dienen als Ausgangspunkt für ein Hörstück voll beißendem Spott und provokativer Anspielungen auf die Zustände im heutigen Amerika, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Klangkünstler Oliver Augst.

Raymond Pettibon, geboren 1957 in Tucson, USA, ist Autodidakt und zeitgenössischer Künstler. Bekannt wurde er mit stilisierten Tuschezeichnungen, die Bild und Text kombinieren. Seit den 1970er-Jahren entwirft er Plattencover und Gelegenheitsgrafik, unter anderem für die kalifornische Punkband Black Flag und die Noise-Rockband Sonic Youth.

Seine Arbeiten sind Teil der Sammlungen des Centre Georges Pompidou (Paris), des Museum of Modern Art (New York) und der Tate Gallery (London). Raymond Pettibon lebt und arbeitet in New York. Zusammenarbeit mit Oliver Augst seit 2003.

Oliver Augst, geboren 1962 in Andernach am Rhein, ist Komponist und Radiomacher. Er studierte Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Bühne an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und Popularmusik/Performance an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg. Mitbegründer des Künstlerkollektivs „textXTND“. Zuletzt gemeinsam mit Sven-Åke Johansson für Deutschlandfunk Kultur: „In St. Wendel am Schlossplatz“ (2017).

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Eberhard Klemmstein: Streichtrio (Marteau-Trio); Lorenz Schmidt: „Zungri und Gedichte zu Raum und Zeit“ (Ingo Pfeiffer, Sprechstimme; Lorenz Schmidt, Gitarre); Hermann Dechant: „Melodramma stromentale“ (Wölfl-Trio Salzburg); Hans-Günter Brodmann: „SiO 2“ (Cabaza Percussion Quartet); Uwe Strübing: „Floret silva undique …“, op. 79 (Irene Kurka, Sopran; Jörg Krämer, Flöte; Lilo Kraus, Harfe; Jinsang Lee, Klavier); Heinrich J. Hartl: „Ein weites Feld“, op. 150 (Nürnberger Symphoniker: Bernhard Güller)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Balsam für die deutsche Seele – Die Wiederentdeckung der Händel-Opern vor hundert Jahren

Von Tobias Barth. 1920: Der erste Weltkrieg war gerade vorbei, der deutsche Kaiser geflohen, die junge Republik sofort in Kämpfe verstrickt – da begann auch eine Zeit des kulturellen Aufbruchs. Und so wie das Bauhaus in Weimar für Avantgarde, neue Sachlichkeit und Moderne steht, kann man in der damals beginnenden Händel-Renaissance einen Ausdruck konservativer und deutsch-nationaler Sehnsucht sehen. Der Kunstwissenschaftler Oskar Hagen war es, der nach Inspirationen aus Händels Geburtsstadt Halle das Wagnis einging, in Göttingen eine szenische Aufführung der „Rodelinde“ erstmals nach mehr als 170 Jahren wieder auf eine Bühne zu bringen. Der riesige Erfolg seiner Opernbearbeitungen begründet sich auch in der völkischen Aufladung Händels, die ein Identifikationsangebot lieferte für alle, die erschüttert waren über den verlorenen Krieg und wütend auf die neue Zeit. Die Interpretation der Werke des „Royal Composer“ als eigentlich urdeutsche Musik, die das deutsche Wesen sehr gut ausdrückt – das war Teil von Hagens geschicktem Marketing. Das blieb nicht folgenlos für die Göttinger Händelfestspiele und für die Händelrezeption bis heute.

20:04 bis 22:00 | WDR 3
WDR 3 Konzert live: Musik der Zeit [4] Yet

Christophe Bertrand: Yet für 20 Musiker | Claude Vivier: Zipangu für 13 Streichinstrumente | Younghi Pagh-Paan: Lebensbaum III für 16 Streichinstrumente | Mithatcan Öcal: Belt of Sympathies, Mini Opera Without Words for 15 Musicians, WDR Sinfonieorchester, Leitung: Emilio Pomàrico. Übertragung aus der Kölner Philharmonie. Parallele Ausstrahlung in Dolby Digital 5.1 Surround-Sound

Von fremden Ländern und Menschen handelt dieses Programm, das den Blick Richtung Fernost, nach Asien, aber auch gen Afrika und Amerika schweifen lässt. In Werken von Younghi Pagh-Paan, Claude Vivier, Christophe Bertrand und Mithatcan Öcal.

Die Koreanerin Younghi Pagh-Paan führt in Lebensbaum ein spätes Selbstgespräch über Stil und Wurzeln, die auch in der Fremde wachsen. Mithatcan Öcal, Komponist und Mitgründer des Istanbul Composers Collective, konzentriert sich in seiner wortlosen Minioper „Belt of Sympathies“ auf die Frage, wie in der Türkei Volksmusik rezipiert wird. Von US-amerikanischer Minimal Music, afrikanischen Patterns und japanischer Dichtung lässt sich Christophe Bertrand anregen. Der Kanadier Claude Vivier hingegen von einem fast vergessenen Japan. Komplexe Beziehungsgeflechte finden ihren Ausdruck in vier grundverschiedenen Kompositionen.

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
Hörspiel: hör!spiel!art.mix: „Dry Haze – Das Jahr ohne Sommer“ von Werner Cee

Mit Rachel Unthanks, Becky Unthanks und Adrian McNally. Komposition und Regie: Werner Cee. DLR 2013. Alle reden über das Wetter. Im Jahre 1816, nach dem Ausbruch eines indonesischen Vulkans, verdunkelten Staub und Asche in der Atmosphäre weite Teile Europas. Auch literarisch hatte der verschleierte Himmel Folgen und inspirierte Lord Byron zu seinem berühmten Gedicht Darkness. Heute dienen die Erfahrungen aus diesem Jahr ohne Sommer Vertretern des Geoengineering als Vorbild, wenn sie daran denken, die Erde mithilfe eines künstlichen Vulkanausbruchs abzukühlen. Dry Haze ist der Soundtrack zu dieser abgeschatteten Welt. „I had a dream, which was not all a dream./The bright sun was extinguish’d, and the stars/Did wander darkling in the eternal space,/Rayless, and pathless, and the icy earth/Swung blind and blackening in the moonless air.“ (Lord Byron)

Werner Cee, geb. 1953, bildender Künstler, Musiker, Komponist. Hörspiele u.a. Klagen (hr 2000), Am Anfang der See (DKultur 2009), WINTERREISE featuring Schuberts Winterreise (hr 2010, Prix Italia), When weather was wildlife (SWR 2020).

22:03 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: Songs of Love and Protest

Die Wiederkehr des politischen Liedes in den USA. Von Michael Groth

23:03 – 24:00 | Ö1
Wolfgang Mitterer. Großes Spiel. Klangspuren 2020. Wolfgang Mitterer in der Hofkirche.

Wolfgang Mitterer, der österreichische Komponist und Organist, wird die aus dem Jahr 1561 stammende Ebert Orgel in der prachtvollen Innsbrucker Hofkirche mit seinem 2018 uraufgeführten „Grand jeu 2“ in die Gegenwart führen. Dafür wird er nicht nur die mitteltönigen Klänge der alten Orgel einsetzen, sondern auch eine elektronische Tonspur, – und das altehrwürdige Instrument aus der Renaissance mit zeitgenössischen Tönen konfrontieren. Gestaltung: Patrizia Jilg – Tirol


31.10.2020


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Balsam für die deutsche Seele – Die Wiederentdeckung der Händel-Opern vor hundert Jahren

Von Tobias Barth. 1920: Der erste Weltkrieg war gerade vorbei, der deutsche Kaiser geflohen, die junge Republik sofort in Kämpfe verstrickt – da begann auch eine Zeit des kulturellen Aufbruchs. Und so wie das Bauhaus in Weimar für Avantgarde, neue Sachlichkeit und Moderne steht, kann man in der damals beginnenden Händel-Renaissance einen Ausdruck konservativer und deutsch-nationaler Sehnsucht sehen. Der Kunstwissenschaftler Oskar Hagen war es, der nach Inspirationen aus Händels Geburtsstadt Halle das Wagnis einging, in Göttingen eine szenische Aufführung der „Rodelinde“ erstmals nach mehr als 170 Jahren wieder auf eine Bühne zu bringen. Der riesige Erfolg seiner Opernbearbeitungen begründet sich auch in der völkischen Aufladung Händels, die ein Identifikationsangebot lieferte für alle, die erschüttert waren über den verlorenen Krieg und wütend auf die neue Zeit. Die Interpretation der Werke des „Royal Composer“ als eigentlich urdeutsche Musik, die das deutsche Wesen sehr gut ausdrückt – das war Teil von Hagens geschicktem Marketing. Das blieb nicht folgenlos für die Göttinger Händelfestspiele und für die Händelrezeption bis heute.

20:00 bis 22:00 | Bremen Zwei
Klassikwelt in concert: Quatuor Ebène

Ein Konzertabend mit der Symphony Nr. 2 in B-Dur und dem Streichquartett Nr. 6 f-Moll von Felix Mendelsohn Bartholdy.

22:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Open Sounds: The Ballad of Jan and Andi: Mouse on Mars

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Revisited Forum neuer Musik 2012 – Für eine Gedankenfreiheit im Glauben

Zu Brice Pauset’s „Autopsie de la foi“. Am Mikrofon: Frank Kämpfer. Das Soldatenlied vom „l’homme armé“ stammt womöglich aus dem Hundertjährigen Krieg oder es ist gar ein Echo vom Fall Konstantinopels an die Osmanen. Im 15. Jahrhundert findet es sich im Titel und Cantus firmus zahlreicher Messen der franko-flämischen Schule, und in der Vertonung von Pierre de la Rue dient es dazu, ein neues, selbstbewussteres Menschenbild auszudrücken. Letzteres Werk, eine vierstimmige Messe, hat Brice Pauset seiner im Auftrag des Deutschlandfunks notierten vokal-instrumentalen Arbeit „Autopsie de la foi“ zugrunde gelegt. Der französische Komponist wollte darin das Verhältnis von Göttlichkeit, Institution und Affekten untersuchen. Pauset bezog auch Spinozas „Tractatus theologico-politicus“ von 1670 mit ein und komponierte eine Art Verstehens-prozess, im Zuge dessen sich der Begriff des Glaubens statt aus blindem Gehorsam vielmehr aus zu erarbeitender Überzeugung herleitet. Für das Freiburger ensemble recherche fügte sich die Uraufführung in eine Reihe von Experimenten auf dem Feld der Alten Musik – Capella de la Torre hingegen betrat völliges Neuland. Die Berliner Renaissance-Formation verknüpfte das Projekt ihrerseits mit einem großräumigen Vermittlungsprojekt mit Lehramtsstudierenden der Musikhochschule Hannover. Alles zusammen floss ein in einen hochintensiven Eröffnungsabend des Forums neuer Musik 2012 unter dem Motto „Komponieren als Dialog mit Gott“.


01.11.2020


13:04 bis 14:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge – Musikalische Entdeckungsreisen – Tanz ums Weiße Haus – Musik für amerikanische Präsidenten

Kaisers Klänge wollen sich nicht in den US-Wahlkampf einmischen, das ist viel zu heikel. Aber eines steht fest: Die Präsidenten der USA haben nicht nur Geschichte geschrieben, sondern auch Musikgeschichte.

Es gibt Sinfonien für Abraham Lincoln und Franklin D. Roosevelt. Richard Nixon und Lyndon B. Johnson wurden zu Opernhelden. Und George Washington schlägt seine Schlachten auch noch einmal im Konzertsaal. Die Musikgalerie im Weißen Haus reicht vom Thomas-Jefferson-Marsch bis zur Elegie für John F. Kennedy.

19:00 bis 22:00 | NDR Kultur
NDR Elbphilharmonie Orchester: 75 Jahre NDR Elbphilharmonie Orchester: Festkonzert – Jubiläumskonzert –

Marc-Anthony Turnage: Time Files | Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinkonzert e-Moll op. 64 | Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64. Frank Peter Zimmermann, Violine. NDR Elbphilharmonie Orchester / Ltg.: Alan Gilbert. Live aus der Elbphilharmonie Hamburg

22:00 bis 00:00 | NDR Kultur
Soirée: Gezeitenkonzerte 2020 – Beethoven goes Tango

Ludwig van Beethoven: Streichquartett op. 18 Nr. 2, einzelne Sätze im Wechsel mit: Enrique Delfino: Recuerdos de Bohemia | Gustavo Beytelmann: Triste | Alberto Ginastera: 1. Satz aus dem Streichquartett Nr. 1 op. 20 | Alejandro Schwarz: La despareja / Tango habanera | Gustavo Beytelmann: Fantasía | Astor Piazzolla: Five Tango Sensations; Víctor Villena, Bandoneón / Minguet Quartett. Aufzeichnung vom 14. Oktober 2020 im Theater an der Blinke in Leer

22:00 bis 00:00 | Bremen Zwei
Klassikwelt in concert: Veljo Tormis – Estnische Balladen

Im August 2020 wäre Veljo Tormis 90 Jahre alt geworden. Er gilt in seiner estnischen Heimat als einer der ganz großen Komponisten für Chormusik. Das Konzert mit dem Nationalen Sinfonieorchester Estland und dem Estnischen Konzertchor aus dem Jahre 2010 ehrte ihn an seinem 80. Geburtstag im August 2010.

22:08 – 22:55 | Ö1
Die Klangwelten des Peter Jakober

Das Werk des österreichischen Komponisten Peter Jakober zeichnet eine unerhörte Virtuosität im Kombinieren von Strukturen und Klangschichten aus. Jakober ist aber auch ein aufmerksamer Hörer mit breitem stilistischem Interesse – was sich wiederum in den reich schattierten Klangdetails seiner eigenen Musik spiegelt. In „Zeit-Ton extended“ entführt uns Jakober in seine Klangwelt und spielt uns seine Lieblingsplatten vor. Beim ORF musikprotokoll im steirischen herbst feierte Jakobers Oper „Populus“ seine Uraufführung. Ein Mitschnitt des Preisträgerwerks des 7. Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerbs des Landes Steiermark ist am Montag, 2. November 2020 in „Zeit-Ton“ zu hören. Gestaltung: Rainer Elstner

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: Roland Moser: Sprachmusik

Roland Moser: Inbilder, Musik für Orchestersegmente; WDR Sinfonieorchester; Leitung: Heinz Holliger | Roland Moser: Brentanophantasien, nach den Zeiten von Philipp Otto Runge für Sopran, Bariton und Klavier; Sylvia Nopper, Sopran; Kurt Widmer, Bariton; Gertrud Schneider, Klavier | Roland Moser: … wie ein Walzer auf Glas … für Violoncello solo; Katharina Gohl Moser | Roland Moser: An Anecdote, a Poem and a Scene für einen Solisten; Garth Knox, Bratsche | Roland Moser: Pierrot Soldat, Extended Moments für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Klavier, Violine und Violoncello; Moscow Contemporary Music Ensemble

Sprache wird zu Musik, Musik beginnt zu sprechen. Im Lied ist das eine alte Sache, aber der Schweizer Roland Moser hat das Verhältnis noch vielfältiger und tiefer ausgelotet, in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Texten.

Der 1943 geborene Berner, Mitglied des Ensembles Neue Horizonte Bern und langjähriger Kompositionslehrer an der Musik-Akademie Basel, hat sich über Jahrzehnte zum Beispiel mit der deutschen Romantik beschäftigt, von Heinrich Heine bis Clemens Brentano. Aus dessen Wortspielereien erwuchsen neuartige Klangphantasien. Zuweilen lösten sich die Worte ganz in Instrumentalklänge auf. Und in einem Konzeptstück bekommt der Musiker nur eine bloße Folge von Satzzeichen – Punkt, Komma, Fragezeichen – aus einem literarischen Werk zum Interpretieren. Vertraute Genres wie der Walzer werden neu beleuchtet. Und schließlich treffen Strawinskys Soldat und Schönbergs Pierrot in einem motivisch-gewitzten Dialog aufeinander.

 

radiofreak der alten schule. transistor, diode, spule, kondensator. ehemals manipulator:in mehrerer rundfunksendungen.

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