Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 15.06. bis 21.06.2020

Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 25. Kurt Schwertsik empfiehlt | Im Rhythmus der Schwellen | Hessen hören 42 | Sergej Diaghilev – Zeremonienmeister der Moderne | Lukas König. Keymaster am Schlagzeug | Monoton von Konrad Becker | Hörspiel des Jahres 2019 | 40 Jahre Ensemble Modern | Hildur Guðnadóttir, Josef Maria Horváth | Instant Composing | Johannes Maria Staud.

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nmz-Podcastpartnerin Irene Kurka ::: neue musik leben

98 – Mein Alltag als Musikerin während der Corona-Zeit – Woche 13

Irene Kurka denkt über Normalität und Gewohnheiten nach und was diese genau jetzt bedeuten können. Sie betont auch das Glück von intrinsischer Motivation und Freundschaften. Ferner spricht sie über Fokus, Aufmerksamkeit und das berühmte „Gorilla-Experiment“ von Christopher Chabris und Daniel Simons.


15.06.


21:04 bis 22:00 | rbbKultur
Die Violine in der Neuen Musik

Mit Eckhard Weber. In jedem Jahr wird hierzulande das „Instrument des Jahres“ gekürt: 2020 ist es die Violine. Für zeitgenössisches Komponieren stellt sie eine enorme Herausforderung dar – angesichts der enormen Traditionslast des Brillanten und Virtuosen, die der Violine eingeschrieben ist. Wie klingt Musik für die Violine aus unserer Zeit?

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Neue Bücher

Mit Björn Gottstein, Lydia Jeschke, Michael Rebhahn und Leonie Reineke. Wie entsteht – und was kann eigentlich Musik? Die Redaktion Neue Musik im SWR diskutiert zwei Neuerscheinungen mit grundsätzlichen Fragenstellungen. Werner Grünzweig befragt in „Wie entsteht dabei Musik?“ sieben Komponist*innen zu ihrem Werdegang. Albrecht von Massow untersucht „Die unterschätzte Kunst: Musik seit der Ersten Aufklärung“. Seine Idee: Musik ist von allen Künsten dem Selbstverständnis und Selbstbewusstsein des Menschen am nächsten, ihr Potential aber längst nicht ausgeschöpft.

23:03 – 24:00 | Ö1
Zeit-Ton Porträt: Johannes Maria Staud. Komposition und Inspiration

Mehrere Werke des Tiroler Komponisten Johannes Maria Staud wurden in Salzburg uraufgeführt, wie z.B. das Cellokonzert „Segue“ bei den Salzburger Festspielen 2006 durch Heinrich Schiff, das Werk „Fugu“ vom Kinderorchester der Internationalen Stiftung Mozarteum während der Mozartwoche 2013 oder seine Sicht von Mozarts Fantasie in c-Moll KV 475, uraufgeführt durch die Wiener Philharmoniker unter Theodor Currentzis. Oftmals schöpft Staud aus verwandten Künsten seine Inspiration, literarische von Baudelaire, Nietzsche oder von der amerikanischen Dichterin Elizabeth Bishop, vom Film oder von der Bildnerischen Kunst, waren doch auch sein Großvater Josef Staud und dessen Bruder Bildhauer. In einem Anfang März geführten Interview erzählt Johannes Maria Staud von den Einflüssen auf sein musikalisches Schaffen. Zu hören sind die Werke „black moon“, „Im Lichte“ (Mozartwoche 2008) und „Wheat, not oats, dear. I’m afraid.“ (musikprotokoll 2015). Gestaltung: Gerti Mittermeyer


16.06.


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Instant Composing – Zeitgenössische freie Improvisationen in der Galerie Wolf & Galentz in Berlin-Pankow

Von Beate Becker. Seit 2013 existiert die Konzertreihe „Soundscapes“, die der gebürtige Finne Harri Sjöström ins Leben gerufen hat. Ein finnisch-deutscher, finnisch-internationaler Künstleraustausch.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Robert Delanoff: „For Animals“ (Sebastian Wittiber, Flöte; Nicolas Cock-Vassiliou, Oboe; Zoltán Kovács, Klarinette; Anette Pulheim, Fagott; Maciej Baranowski, Horn); Konstantia Gourzi: „Kastalia“, op. 35 c (Michalis Cholevas, Saz; Apollon Musagète Quartett); Tobias PM Schneid: „Symphony of changes“ (Münchener Kammerorchester: Christoph Poppen); Dorothee Eberhardt: Sextett (Versus Vox Ensemble München); Rudi Spring: „Incontro“ (Martin Bruns, Bariton; Christoph Hammer, Hammerflügel); „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ (Renner Ensemble Regensburg); Markus Zahnhausen: „Recordare“ (Michala Petri, Blockflöte; Odense Symphony Orchestra: Christoph Poppen)

21:00 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik: Hören und Staunen! Aktuelle CDs mit Neuer Musik

Von Margarete Zander. Wer sich einmal intensiver vertiefen möchte in das, was wir Ihnen wöchentlich an neuer Musik vorstellen auf NDR Kultur, der bekommt hier die Gelegenheit. Viele werden vermutlich staunen, dass Neue Musik emotionaler sein kann, als sie gedacht haben. Und was für Welten Sie da betreten können und in sich selbst neu entdecken! Wir stellen Ihnen aktuelle CD-Veröffentlichungen vor, die Ihre vertraute wunderbare Welt der Klassik aufs Schönste erweitert, hören Sie selbst!

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Arbeiten im Team – Ein Blick in die kollaborativen Werkstätten der Münchener Biennale 2020

Von Svenja Wieser. Die Münchener Biennale für neues Musiktheater stellt nicht nur herkömmliche Aufführungsformate in Frage, sondern erprobt immer wieder aufs Neue künstlerische Prozesse. Wie ein Musiktheater von der ersten Idee bis zur Aufführung in Kollaboration entstehen kann, zeigen die künstlerischen Teams im Rahmen des Festivals. Für die Sendung „Horizonte“ öffnen die KomponistInnen ihre Türen zur Musiktheater-Werkstatt, wo aufgrund der aktuellen Verschiebungen immer noch kreativ getüftelt wird – natürlich im Team.

23:03 – 24:00 | Ö1
Pioniergeist und Klangästhet. Der Komponist und Pianist Josef Maria Horváth

„Horváths Werke verbinden auf bedingungslos ehrliche Weise kompositorische Strenge und Schlüssigkeit mit großer Klangschönheit“, beschrieb Rupert Huber einmal die Arbeit von Josef Maria Horváth. Geboren 1931 in Pécs, floh Horváth 1956 im Zuge des ungarischen Volksaufstands 1956 nach Österreich. In Salzburg fand er eine neue Heimat. Er absolvierte Studien am Mozarteum, trat international als Konzertpianist auf und gehörte ab den späten 1950ern zu den ersten Komponisten, die im Salzburger Studio für elektronische Musik experimentierten. Später komponierte er vor allem Werke für verschiedene Instrumentalbesetzungen und Chöre, die unter anderem im Auftrag der Salzburger Festspiele und des ORF entstanden. Seit 1979 unterrichtete Horváth am Mozarteum als Professor für Musiktheorie und Neue Musik. Am 21. Oktober 2019 ist Horváth 87-jährig in Salzburg gestorben. Gestaltung: Philipp Weismann


17.06.


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Siegfried Fink: „Percussion movie“ (Eckhart Kopetzki, Markus Hauke, Achim von Bassen, Matthias Schmitt, Perkussion); Hans-Günther Allers: Bläserquintett, op. 92 (Ensemble Kontraste); Uwe Strübing: „The Love Songs of Ennod Toile“, op. 35 (Ensemble Dirrekt: Hans Dirr); Stefan Hippe: Streichquartett Nr. 2 (Minguet-Quartett); Bernhard Weidner: Drei Nocturnes (Martin Oberhofer, Klavier)

20:04 bis 21:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge: Zwischen Broadway und Hollywood – Kurt Weill in Amerika

Am amerikanischen Musikleben hatte der 1943 eingebürgerte Kurt Weill regen Anteil. Er wirkte mit an der Entwicklung des Musicals und war auf der Suche nach einer amerikanischen Volksoper.

Er bearbeitete Folksongs, unterstützte die Anti-Nazi-Programme des Rundfunks und schrieb Soundtracks für Hollywood. In den USA hält man Kurt Weill noch heute für einen ur-amerikanischen Komponisten.

21:04 bis 22:00 | rbbKultur
Die Komponistin und Cellistin Hildur Guðnadóttir

Mit Andreas Göbel. Sie hat eine klassische Celloausbildung absolviert, tritt mit Experimentalbands auf, spielt Folk Music und komponiert elektronische Musik. Einem breiten Kreis bekannt wurde Hildur Guðnadóttir durch ihre oscarprämierte Filmmusik zu „Joker“. Mit ihrem collageartigen Mix aus Klassik, Film, Elektro und Konzeptkunst, einer, wie sie es nennt, „faktenbasierten Musik“, steht sie für eine immer erfolgreicher werdende Richtung der zeitgenössischen Musik, die unabhängig von der klassischen Nachkriegsavantgarde eigene Klänge zwischen allen stilistischen Stühlen sucht. Der Versuch einer Verortung.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Neue Vocalsolisten Stuttgart (2/2)

Giovanni Bertelli: Le premier jour für 6 Stimmen (2015) | Hans Werner Henze: Variationen für Streichsextett und Harfe über eine kleine Phrase aus der Sonate de Vinteuil

Zwischen Liebesgedichten und dem artistischen Spiel mit Passwörtern bewegt sich das Programm, dass die Neuen Vocalsolisten Stuttgart für den SWR eingesungen haben. Dabei kommt nicht nur der geschmeidige Ensembleklang des Ensembles, sondern auch das schauspielerische und humorvolle der Sängerpersönlichkeiten zu ihrem Recht. Le Premier Jour von Giovanni Bertelli ist eine literarisch-musikalische Entdeckungsreise in Marcel Prousts Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Ergänzt wird das Programm um Hans Werner Henzes Musik zu Volker Schlöndorffs Verfilmung des Romans.

23:03 – 24:00 | Ö1
Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen

Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen die spannendsten Neuveröffentlichungen aus allen Bereichen neuer und experimenteller Musik. Gestaltung: Astrid Schwarz


18.06.


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Vor 25 Jahren – Porträtkonzert Henry Pousseur (2/2)

Kammersaal der Hochschule der Künste, Berlin. Aufzeichnung vom 15.06.1995. „Litanie du christal des fleures“ (1984) | „Sept propositions constructives“ (1988) | „Les Litanies d’Icare“ (1994). Frédéric Rzewski, Klavier

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Richard Dünser: „Tage- und Nachtbücher“ (Martin Schelling, Klarinette; Walter Nothas, Violoncello; Alfons Kontarsky, Klavier); Helmut Bieler: Miserere Domine. Pastoralmesse (Ute Döring, Alt; Wilhelm Hofmann, Bariton; Uwe Hoppe, Sprecher; Chor der Universität Bayreuth; Streichorchester der Universität Bayreuth); Nicolas Economou: „Kinderlaunen“ (Nicolas Economou, Klavier)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
KlassikPlus: Feeling Blue – Schwarze Traurigkeit

Feeling blue: Wer den Blues singt, der leidet, an Liebeskummer, sozialem Elend, an der Ungerechtigkeit der Welt. Der Blues hat jedoch auch seine Spuren in der europäisch geprägten klassischen Moderne des  20. Jahrhunderts hinterlassen. Zum Beispiel während des synkopisch- wilden Jahre des Jazz Age, als einige weiße Komponisten den Reiz getragener Blue-Note-Klänge entdeckten, unter anderen Darius Milhaud in seiner Flötensonate. Feeling Blue bedeutet aber auch: Etwa zeitgleich gab es afroamerikanische Musiker, die sich an europäischer Kunstmusik orientierten und Orchesterwerke mit Blues-Einflüssen schrieben. William Grant Still, dessen Symphonien bereits in den 1930ern von den großen amerikanischen Orchestern aufgeführt wurden, ist einer von ihnen. Der Blues, mal schwarz, mal weiß. Die Sendung stellt beide Welten gegenüber und fragt nach Gemeinsamkeiten, aber auch nach  Missverständnissen und Gegensätzen. Von Markus Vanhoefer

20:04 bis 21:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: 40 Jahre Ensemble Modern

Kompositionen von Georges Antheil, Mark Andre, Nina Senk, Arnulf Hermann, Frank Zappa u.a.

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
Interdisziplinär in Bewegung: Die Akademie Musiktheater heute | Vorgestellt von Ursula Boehmer

Mehr als 150 Stiftungen gibt es in Deutschland, die ihren Schwerpunkt auf der Musikförderung haben. Dazu gehören auch mehrere Banken und Sparkassen – darunter die Deutsche Bank Stiftung.

2001 hat die Deutsche Bank Stiftung in Frankfurt am Main die „Akademie Musiktheater heute“ (AMH) gegründet, um Nachwuchskräfte aus den Bereichen Bühnen- und Kostümbild, Dirigieren, Dramaturgie, Komposition, Kulturmanagement, Libretto und Regie zu fördern. 15 Stipendien vergibt die Stiftung pro Jahr: In Workshops und Besuchen ausgewählter Opernproduktionen lassen sich die Nachwuchstalente inspirieren, um innerhalb von zwei Jahren schließlich eigene Musiktheaterstücke zu entwickeln – und uraufzuführen. Im November 2019 wurden die Ergebnisse des jüngsten Stipendiaten-Jahrgangs vorgestellt – zum Thema „Ménage-à-trois“. Und dies in Kooperation mit dem Ensemble Modern und Sängerinnen und Sängern der Frankfurter Musikhochschule.

22:03 bis 23:00 | SWR 2
SWR2 Hörspiel-Studio: Geh dicht dichtig! – Hörspiel des Jahres 2019

Hörspieldialog mit Elfriede Gerstl. Von Ruth Johanna Benrath. Mit: Gerti Drassl, Dörte Lyssewski und Lauren Newton. Komposition: Lauren Newton. Regie: Christine Nagel. (Produktion: ORF/BR 2019)

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste wählte diese Produktion zum Hörspiel des Monats Juli 2019. Aus der Jurybegründung: „Konzipiert als Hommage an die 2009 verstorbene Wiener Dichterin Elfriede Gerstl, gestaltet das Stück einen imaginären Dialog von Gerstl mit der Autorin. Die Lebendigkeit im fiktiven Dialog wird durch Lautimprovisationen der US-amerikanischen Klangkünstlerin Lauren Newton verstärkt – ein lautpoetisches Klangkunsthörspiel außergewöhnlicher Art.“

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Studio für Musik

Michael Harrison: „From Ancient Worlds”, Rose of Remembrance (Michael Harrison, Klavier); James Tenney: „Critical Band“ (zeitkratzer); Ben Johnston: Streichquartett Nr. 7 (Kepler String Quartet)

23:03 – 24:00 | Ö1
Datenstromanalyse. Monoton von Konrad Becker.

Vor vierzig Jahren erschien das Debüt-Album von Monoton. Mit diesem Projekt schuf der Wiener Medienkünstler Konrad Becker einen der Grundsteine österreichischer Elektronik an Schnittstellen von Klangkunst und früher Club-Musik. Zudem ist er ein Pionier künstlerischer und gesellschaftspolitischer Internetkultur. Ausgehend von Monoton, unternimmt der Zeit-Ton mit Konrad Becker sowohl eine Zeitreise wie aktuelle Bestandsaufnahmen.

Monoton bringt uns in die Zeit eines Aufbruchs in der elektronischen Musik. In den frühen 1980er Jahren entstanden zum einen avantgardistische Experimente wie etwa im Industrial, zum anderen wurden repetitive Strukturen ausgelotet, die später im Techno zueinander fanden. Das von Konrad Becker und Eugenia Rochas gegründete und von Becker fortgeführte Projekt Monoton war die Erforschung einer Musik, bei der Menschliches konsequent in Maschinellem aufging.

Die 1980 bzw. 1982 herausgebrachten Alben „Monotonprodukt 02“ und „Monotonprodukt 07“ sind auf das absolute Minimum reduzierte Elektronik aus rhythmisierten Pulsationen und Klangvibrationen. Becker ging es darum, harmonische und mathematische Prinzipien auf selbstspielende und psychoakustische Systeme zu übertragen; siehe etwa das Album „Grand Piano Classics“ (2010) für Multitrack-Pianos, das Stücke aus gut 30 Jahren kompiliert. Ebenfalls präsent bei Monoton waren synästhetische Steuerungen aus Musik und Projektionen.

Vermittlungen. Seit jener Zeit beschäftigt sich Konrad Becker auch aus künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Perspektiven mit Medien. Zu seinen Hauptgebieten zählen Multimedia, Virtual Reality und Kommunikationstechnologien. Die von ihm von 1994 bis 2006 geleitete Public Netbase t0 war eine der ersten Internet-Plattformen Österreichs, 1995 wurde sie mit dem Preis der Ars Electronica in der Kategorie „World Wide Web“ ausgezeichnet.

Den im t0 herausgearbeiteten kritischen Diskurs über Digitalkultur und Informationspolitik setzte Becker dann in dem von ihm mitbegründeten World-Information Institute fort. Diese Einrichtung ist auf Themen rund um Mediendemokratie, Netzkultur und digitale Organisationsformen spezialisiert. Becker ist auch Autor und Herausgeber zahlreicher Fachbücher.

Im Zeit-Ton spricht Konrad Becker u.a. über Monoton, Entwicklungen elektronischer Musik und mediengesellschaftliche Veränderungen. Gestaltung: Heinrich Deisl


19.06.


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: Sounds like Silence – Von Inke Arns und Dieter Daniels

Produktion: Hartware MedienKunstVerein / Deutschlandradio Kultur 2012. Länge: 51’52

Mit dem stillen Klavierstück 4’33’ schrieb John Cage Musikgeschichte und beeinflusste nachfolgende Musikgenerationen. Die Sendung präsentiert verschiedene künstlerische Reaktionen auf das „silent piece“.

John Cages Klavierstück „4’33’„ revolutionierte 1952 das Verhältnis von Musik und Stille, von Kunst und Werk, von Künstler und Publikum. Während der drei Sätze I Tacet, II Tacet, III Tacet erklingt kein einziger intendierter Ton. „There is no such thing as silence“, sagte John Cage. Beim genauen Hinhören offenbart sich der üppige Klang der Stille.

2012 kuratierten Inke Arns und Dieter Daniels eine Ausstellung mit historischen und aktuellen Positionen zu „4’33’„ und präsentierten die spannendesten Werke in einer Radiofassung.

Inke Arns, geboren 1968 in Duisdorf/Bonn, ist Kuratorin und Autorin mit den Schwerpunkten Medienkunst und -theorie, Netzkulturen, Osteuropa. Seit 2017 Direktorin des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) in Dortmund. Zahlreiche Ausstellungen im Inland und international. Die Ausstellung „Sounds Like Silence“ wurde von der deutschen Sektion der AICA (Internationaler Kunstkritikerverband) als „Besondere Ausstellung des Jahres 2012“ ausgezeichnet. 2019 erhielt Inke Arns gemeinsam mit Igor Chubarov und Sylvia Sasse den Justus Bier Preis für die Austellung „Sturm auf den Winterpalast“.

Dieter Daniels, geboren 1957 in Bonn, ist Professor für Kunstgeschichte und Medientheorie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Zudem Kurator und Autor von Monografien zu Marcel Duchamp, George Brecht und John Cage. Von 2017 bis 2019 Fellow am Gutenberg Forschungskolleg in Mainz.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Roland Appel: Petite Suite (Bernhard Walter, Flöte; Kurt Kalmus, Oboe; Albrecht Weigler, Klarinette; Karl Kolbinger, Fagott); Bernd Englbrecht: „Twinkle, twinkle“ (Chor des Bayerischen Rundfunks: Florian Helgath); Alfons Forstpointner: Streichquartett (Herchenhan-Quartett); Georg Haider: „Relief“ (Hubert Pilstl, Uli Haider, Horn); Augustin Keßler: „Ave Maria“ (Lotte Schädle, Sopran; Mitglieder der Münchner Philharmoniker: Fridolin Limbacher); Franz Lehrndorfer: Improvisationen (Franz Lehrndorfer, Orgel); Christoph von Reitzenstein: „Valse grotesque“ (Bavaria Blechbläsersolisten München)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Zeremonienmeister der Moderne – Der Impresario Sergej Diaghilew

Von Markus Vanhoefer. Er war kunstbesessen, geistreich und extravagant, äußerst elegant und offen homosexuell. „Einen unverbesserlichen Sinnesmenschen“ hat er sich einmal selbst genannt, und als ihn der spanische König nach seinem Beruf fragte, antwortet er: „Eure Majestät, ich bin wie Ihr, ich arbeite nicht, ich tue nichts, aber dennoch ich bin unentbehrlich“.

Sergei Pawlowitsch Diaghilew, Manager und Visionär, legendärer Impresario der „Baletts russes“. Wohl kaum jemand hat den Verlauf der Kunst – und damit auch der Musikgeschichte – so geprägt wie er, ohne selbst ein aktiver Künstler zu sein. Wir verdanken dem Sohn einer russischen Großbürgerfamilie epochale Werke wie Strawinskys „Feuervogel“ oder „Le sacre du printemps“, Jean Cocteau schrieb für ihn, Picasso entwarf in seinem Auftrag Bühnenbilder, und als sich ein tanzender Faun zu Debussys Musik auf offener Ballett- Bühne in einen Sexrausch hineinsteigerte, dann war dieser Tänzer Diaghilews Dauergeliebter Vaslav Nijinksy. Als Anfang des 20. Jahrhundert Europas Musikwelt aus den Fugen gerät, ist der Impresario ein Motor dieser revolutionären Bewegung. „Hätte sich diese Entwicklung ereignet ohne Diaghilev? Ich glaube nicht!“, hat Strawinsky einmal über den Einfluss seines Förderers gesagt.

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
Hörspiel: hör!spiel!art.mix: „Conversations with Birds“ von Ergo Phizmiz

Mit Juliane Meckert, Martha Moopette, Margita Zalite, Oblivian Substanshall und anderen. Komposition und Realisation: Ergo Phizmiz. BR 2012

In der Sehnsucht nach dem Fliegen ist immer schon die Unmöglichkeit spürbar. „Conversations between people and birds, bird-people, people-birds. Conversations between German, English, Polish, and Bird languages. Conversations with Birds is really a piece about language – and about learning things ‘parrot fashion’„ (Ergo Phizmiz).

Mehrsprachig und in der Verbindung von experimentellem Sound und vorgefundenen Originaltönen entwickelt diese Komposition ein Eigenleben, das die Spur aufnimmt zur Vielfalt und Buntheit einer Welt der Vögel, der Freiheit und der Fantasie. „If you want to learn to fly, first learn to whistle.“ „Eine märchenhafte Geschichte aus der Welt der gefiederten Zweibeiner. Phizmiz gelingt bei seiner artistischen Gratwanderung zwischen Soundart und Hörspiel eine enge Verknüpfung von deutscher und englischer Sprache.“ (Lobende Erwähnung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste)

Dominic Robertson alias Ergo Phizmiz, geb. 1980, englischer Komponist, Multi-Instrumentalist, Hörspielmacher, Performer, Lehrer; lebt und arbeitet in England. Weitere BR-Hörspiele u. a. „Hollywood. A Bestiary“ (2014), „Sonora Mystery“ (2015), „Die Bayerische Prinzessin“ (2017), „Animalium Kepler 22B“ (2018).

22:03 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: Theoriemüdigkeit? Tendenzen zur Hypersubjektivität in Zeitschriften für neue Musik

Von Leonie Reineke. Farbig und schrill, jung und edgy – liegt darin das neue Geheimrezept der Attraktivität von Musikzeitschriften? Sind polarisierende Statements, effektvolle Anekdoten und subjektive Schilderungen notwendig, um die Leserschaft zu halten? Und sind im Umkehrschluss knochentrockene Werkanalysen und musikwissenschaftlich geschulter Journalismus von gestern?

„Jein“ meint die Szene der Zeitschriftenmacher. Till Knipper, Chefredakteur der „Neuen Zeitschrift für Musik“, wünscht sich Anschaulichkeit und Praxisbezüge statt zur Theorie hochstilisierte Verallgemeinerungen. Die Zeitschrift „positionen“ setzt sogar bewusst auf Texte von Nicht-Journalisten und ein ansprechendes farbiges Design. Christoph Haffter, ehemaliger Redakteur der „dissonance“, glaubt hingegen nach wie vor an die Kraft akademisch fundierter, anspruchsvoller Kunstkritik.

23:03 – 24:00 | Ö1
Lukas König. Keymaster am Schlagzeug

Der 31-jährige österreichische Schlagzeuger Lukas König ist Viele: Sein musikalischer Kosmos strahlt von Jazz, Pop, Neuer Musik, Elektronik, Experimentellem bis zu Rap. Begonnen hat alles im Jahr 2004 mit der Gründung der Jazzwerkstatt Wien. Die Musiker/innen der Jazzwerkstatt pflegen einen „kreativen Zugang zur Tradition des Jazz, um diese abseits des Mainstreams weiterzuentwickeln“. Lukas König fühlte sich von diesem Umfeld inspiriert und traf so seine zukünftigen Partner/innen mit denen er Aufsehen erregende Bands formierte, wie Kompost 3 und das Performance-Duo König Leopold. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Des Weiteren begeistere König mit der Avantgarde-Pop-Formation 5K HD und Mopcut, dem Trio mit der Stimmperformerin Audrey Chen und dem experimentellen Gitarristen Julien Desprez, 2018 feierte es beim Donaufestival in Krems seine Premiere.

Aber Lukas König wäre nicht Lukas König, wenn da nicht wieder etwas Neues zu ertüfteln wäre, unlängst brachte er unter seinem Pseudonym Koenig sein zweites Solo-Album „Messing“ beim Wiener Label Ventil Records heraus. Darauf konzentriert er sich auf ein einziges Becken – es besteht aus dem Material Messing – als Klangquelle, albert damit herum (der Albumtitel verweist auch auf „messing around“) und entdeckt dabei akustisch neue Spielräume, er experimentiert etwa mit Kontaktmikrofonen am Becken. Diese Reduktion auf nur ein Becken lässt sich laut Lukas König auf den Verlust seines Proberaums und zusätzlich akuten Platzmangel zurückführen, was auch mit seinem ständigen Pendeln zwischen New York und Wien zusammenhängt. Spontan wurde also ein Lager gemietet und zum Proberaum umfunktioniert.

„Messing“ ist ein weiterer Schritt in Königs künstlerischer Entwicklung, der Drang nach Veränderung und Freiheit klingt durch das Metall, das ja bekannt ist für seine klangliche Vielseitigkeit. Gestaltung: Marlene Schnedl


20.06.


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Sergej Diaghilev – Zeremonienmeister der Moderne

22:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Open Sounds

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Revisited Forum neuer Musik 2011 – Radikal eigen: Rolf Riehm und Annesley Black

Annesley Black: Tender Pink Descender; Theo Nabicht, Kontrabassklarinette, Ernesto Molinari, Kontrabassklarinette | Rolf Riehm: Lenz in Moskau; nsemble ascolta

Aufnahmen vom 10.5.2011 aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal, Köln. Am Mikrofon: Frank Kämpfer

Sie befasst sich mit multiplen Wahrnehmungen, mit Widersprüchen, die unversöhnbar sind. Er widmet sich dem Sturm-und-Drang-Dichter Lenz, komponiert dessen Schizophrenie. Rolf Riehm und Annesley Black verbindet der strikte Gesellschaftsbezug – beide komponieren fernab von Konventionen. Black, 1979 geboren in Ottawa hat bei York Höller und Matthias Spahlinger studiert; Riehm, Jahrgang 1937, war Pfortner-Schüler und gehörte in den 70er-Jahren dem Sogenannten Linksradikalen Blasorchester an. Das Forum neuer Musik 2011 „Goes Germany“ kombinierte beide in einem Konzert des ensemble ascolta, das die Frage nach den Chancen des Subjektseins aufwarf. Die Kritik bescheinigte beiden Urhebern, den Balanceakt zwischen gesellschaftlich bestimmten Normen und Zwängen und der Fähigkeit zu individueller Entfaltung gut zu beherrschen.

23:00 bis 00:00 | hr2-kultur
The Artist’s Corner | Hessen hören 42: Richard Millig: Stimmen aus Hadamar

Die Kleinstadt Hadamar, etwas nördlich von Limburg gelegen, erlangte traurige Berühmtheit durch die von Nationalsozialisten auf dem sogenannten Mönchberg betriebene Tötungsanstalt. hr 2020 / 40 Min. / Ursendung

Im Rahmen der sogenannten Aktion T4 wurden hier etwa 15.000 psychisch Kranke ermordet. Heute erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer dieser „Euthanasie“-Verbrechen. Mit Stimmen aus Hadamar horcht der in Frankfurt lebende Komponist Richard Millig (*1992) in die Gedenkstätte und von der Gedenkstätte aus in die Stadt. Das Stück begibt sich auf die Suche nach vergangenen, verlorenen und vergessenen Stimmen. Es porträtiert auch, wie heute in Hadamar erinnert, gedacht und wieder Normalität gelebt wird.


21.06.


17:04 bis 18:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge: Im Rhythmus der Schwellen – Das Lied von der Eisenbahn

Keine Bahnfahrt ohne Begleitmusik! Wir reisen mit der A-Train durch New York und mit der Transsibirischen Eisenbahn bis Wladiwostok.

Die Adria geht es hinab, dann durch die Wüsten Mexikos, die Savanne Afrikas und die Wälder Brasiliens. Wir hören die Eisenbahner ihre Lieder singen und wir sind dabei, wenn in Amerika mit dem Einschlag des letzten Schwellennagels der Bau der transkontinentalen Eisenbahn gefeiert wird.

22:00 bis 00:00 | Bremen Zwei
Klassikwelt in concert: Musikfest Bremen 2015

2015 stellte sich das Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks beim Bremer Musikfest im Großen Saal der Bremer Glocke vor, mit einem Programm, das unseren Planeten in den Mittelpunkt stellte. Neben Gustav Mahlers berühmtem „Lied von der Erde“ gab es noch eine weniger bekannte Komposition des Engländers Harrison Birtwistle zu hören: Earth Dances für Orchester.

22:08 – 22:55 | Ö1
Kurt Schwertsik empfiehlt

Am 25. Juni feiert Kurt Schwertsik seinen 85. Geburtstag. Aus diesem Anlass haben wir ihn gebeten, für uns Musik zusammenzustellen, die ihn geprägt und inspiriert hat.

Schwertsik, am 25. Juni 1935 in Wien geboren, studierte in den 1950er-Jahren an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst Komposition und Horn. Ab 1960 nahm er wiederholt an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt teil, wo er unter anderen durch Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und John Cage wichtige Anregungen für seine kompositorische Arbeit erhielt. 1958 gründete er mit Friedrich Cerha das Ensemble „die reihe“, 1965 veranstaltete Schwertsik gemeinsam mit Otto M. Zykan in Wien die ersten „Salonkonzerte“, 1968 kreierte er für ein gemeinsam mit HK Gruber und Zykan gegründetes Ensemble den Namen „MOB art & tone ART“. Von 1989 bis zu seiner Emeritierung 2003 lehrte Schwertsik als ordentlicher Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien. Gestaltung: Marie-Therese Rudolph

23:04 bis 00:00 | hr2-kultur
Night Voyage

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik: Remote (1)

Mit Ausschnitten aus: Gérard Grisey: Mégalithes für 15 Blechbläser; WDR Sinfonieorchester, Leitung: Emilio Pomàrico | Bernd Alois Zimmermann: Dialoge für 2 Klaviere und Orchester; GrauSchumacher Pianoduo, WDR Sinfonieorchester, Leitung: Sylvain Cambreling | Thomas Kessler: Utopia II für Orchester, Stimmen und Elektronik; WDR Sinfonieorchester, Leitung: Jonathan Stockhammer | Karlheinz Stockhausen: Lichter – Wasser für Sopran, Tenor, Orchester, Synthesizer; SWR Symphonieorchester, Leitung: Karlheinz Stockhausen

 

Erstellt die Radioumschau. Freak.

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