Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 29. Mai bis 04. Juni 2017

Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 22. Der MDR bleibt ein Totalausfall. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Armenien, Mikrotonalen Klavierwerken von Edu Haubensak, Neuer Musik in Cottbus, Tom Sora, Elektro Guzzi, Edgar Krapp, Johannes S. Sistermanns, STATION ROSE, Felix Kubin, der vernetzten Musikschule, Rolf Riehm, Musik als Waffe der Reformation und zum Rostrum of Composers – der Songcontest der Neuen Musik.

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29.05.2017


23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik. Komponieren als Erinnern.
Neue Musik aus Armenien im Zeichen von Glaube und Genozid

Von Matthias Nöther. Von 2015 bis 2017 jährt sich der Völkermord an den Armeniern zum hundersten Mal. In der armenischen Bevölkerung lebt die Erinnerung an das Grauen weiter, und auch die Künstler des Landes setzen sich schon lange mit dem Genozid auseinander. In der Szene der zeitgenössischen armenischen Musik ist der Komponist Tigran Mansurian eine unbestrittene künstlerische Autorität, vor allem sein Requiem aus dem Jahr 2011 hat große Bedeutung erlangt. Es fasst das Erinnern in eine originäre und doch liturgisch ritualisierte Musiksprache ein. Auch Narine Khachatryan, eine armenische Komponistin der jüngeren Generation, sieht die künstlerische Verarbeitung des Genozids als Herausforderung an – und auch sie schöpft dabei aus den liturgischen Formeln der Armenischen Apostolischen Kirche, der ältesten Staatskirche der Welt.

23:03 | Ö1
Neue Kammermusik aus Armenien:
Spiritualität und Patriotismus (I) – Armenische Kammermusik.

Die Hauptstadt und ihre Konzertsäle bieten der armenischen Musik gute Bühnen: Die armenische Komponistenvereinigung ist gut organisiert und vernetzt mit Interpreten und Interpretinnen in aller Welt; das Hugo Wolf Quartett, das Altenberg Trio, das Trio Klavis trägt Werke zeitgenössischer armenischer Komponisten nach Europa. Gestaltung: Irene Suchy


30.05.2017


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik. Hören mit 3 D-Effekten.
Mikrotonale Klavierwerke von Edu Haubensak

Von Reinhard Kager. Mit der Erweiterung des Tonsystems versucht der Schweizer Komponist, Zusammenhang jenseits der Konvention neu zu konstituieren. Edu Haubensak zählt zu jener immer größer werdenden Anzahl von Komponisten, die mit mikrotonalen Stimmungen experimentieren. Zwar beruhen seine Werke auf exakt fixierten Tonsystemen, doch entwickelt er für jedes seiner Klavierstücke je eigene Stimmungen, sodass diese atmosphärisch sehr unterschiedlich tönen. In der Kompositionsreihe ‚Collection I-II‘ (2005- 2014) verwendet Haubensak ein nicht-äquidistantes System; ‚Spazio‘ (1993/94) basiert zwar auf einem gleichstufigen System, doch nutzt der Schweizer dabei den Umstand, dass im Diskantbereich des Klaviers drei Saiten Verwendung finden, die für sein Stück sechsteltönig um je 33 Cent voneinander abweichen. Durch diese eigenwilligen Skordaturen erhalten seine strengen, abstrakten Stücke frappierende, dem Sehen mit 3D-Brillen vergleichbare Tiefendimensionen.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Wilfried Hiller: „Bavariationen“ (Münchner Rundfunkorchester: Folko Jungnitsch); Günter Bialas: Romanza e Danza (Martin Frutiger, Ivan Danko, Oboe; Ulf Rodenhäuser, Susanne Strelow, Klarinette; Thomas Eberhardt, Yasuko Matsuzaki, Fagott; Philipp Römer, Fabian Borchers, Horn); Werner Thomas-Mifune: „Tänze der Nationen“ (Münchner Celloquartett); Minas Borboudakis: „Chorochronos I“ (Alice Sara und Mona Asuka Ott, Klavier; Peter Sadlo, Klaus Schwärzler, Schlagzeug); Jörg Widmann: Drei Schattentänze (Jörg Widmann, Klarinette); Carl Orff: „Der Mond“, Drei Tänze und Schlussszene (Bläserensemble Mainz: Klaus Schöll); Karl Amadeus Hartmann: „Chaplin-Ford-Trott“ (Claudia Barainsky, Sopran; Michelle Breedt, Mezzosopran; Christian Müller-Berg, Ingo Jander, Reinhart Ginzel, Thomas Harper, Tenor; Egbert Junghanns, Bariton; Reinhart Gröschel, Frank Schwemmer, Bass; Christian Gaul, Michael Kraus, Sprecher; Jonathan Adler, Kevin McCutcheon, Frank Maus, Klavier; Leitung: Roger Epple)

23:03 | Ö1
Symphonisches aus Armenien:
Spiritualität und Patriotismus (II) – Armenische symphonische Musik

Gestaltung: Irene Suchy. Wie alle Musik aus Armenien ist auch die symphonische Musik in den patriotischen Legenden und Mythen des Landes, in den Melodien der als Heilige verehrten Komponisten, verhaftet. Die symphonische Musik auch der Zeitgenossen hat etwa Rückschauendes und Bewahrendes, sie ist zeitlos und brillant, prunkvoll in der Instrumentation und frei in der Form: Rapsodien, Balladen und Tänze.


31.05.2017


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Tobias PM Schneid: „Madrigali Astralis“ (Raschèr Saxophone Quartet); Volker Blumenthaler: „Parc del Laberint“ (Jeremias Schwarzer, Flöte); Peter Gahn: „standing in front of the fiction shelves“ (Ensemble Reflexion K: Gerald Eckert); Gerald Eckert: „in die Nebelleere“ (Teodoro Anzellotti, Akkordeon); Horst Lohse: „Palingenesis“ (oenm . österreichisches ensemble für neue musik); Klaus Ospald: „Entlegene Felder II“ (Ensemble Phorminx; Klaus Ospald)

20:00 Uhr | SRF2 Kulturradio
Peter Eötvös: Speaking Drums

Determination und Freiheit, Virtuosität und Poesie, Sprache und Musik, Aktion und Reaktion, der direkte Dialog zwischen Solist und den Orchestermusikern, und nicht zuletzt Humor, selbstvergessenes Spiel und die Lust am Theater – das alles ist das Schlagzeugkonzert «Speaking Drums» von Peter Eötvös.

21:00 Uhr | SRF2 Kulturradio
Quartetto Prometeo am Festival musica aperta

Vom Amsterdamer Concertgebouw bis zum Prager Frühling, von der Accademia di Santa Cecilia in Rom bis zum Grand Théatre Bordeaux, von der Mozartnacht Würzburg bis zum Colmar Festival – das Quartetto Prometeo kennt sie alle, die Festivals.

21:03 bis 22:00 | NDR Kultur
neue musik. Tom Sora: Der Mann mit der Kurbelspieluhr

Von Helmut Peters. Der 1956 in Bukarest geborene Komponist, Musiktheoretiker und bildende Künstler Tom Sora nimmt eine Sonderstellung in der Neuen Musik ein. Seit langem schon experimentiert er mit mechanischen Musikinstrumenten wie zum Beispiel der in der Gegenwartsmusik äußerst selten eingesetzten Kurbelspieluhr. Wir porträtieren den interessanten Musiker, der 2004 an der Universität Paris-1/Sorbonne im Fach Ästhetik promovierte. Zu hören ist unter anderem sein Stück „Wechselspiele“ für Sopran, Bariton und Kurbelspieluhr.

21:04 bis 22:00 | rbb-kulturradio
Neue Musik in Cottbus

Mit Margarete Zander. Seitdem Evan Christ Generalmusikdirektor am Staatstheater Cottbus ist, gibt es dort in jedem Sinfoniekonzert eine Uraufführung. Der Dirigent schärft auf diese Weise das Bewusstsein dafür, dass die klassische Musik lebt. Und er schafft Vertrauen zur Neuen Musik. Evan Christ ist jedoch auch Komponist und bringt am 9. und 11. Juni in Cottbus ein eigenes Werk zur Uraufführung, in dem zum Orchester noch eine Sopranistin und ein Oud-Spieler hinzukommen.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik. SWR JetztMusik Rottweil. Vivre Vivier (2/2)
(Konzert vom 28. April in der Kunststiftung Erich Hauser, Rottweil)

Johannes Fritsch: „Testament Vivier“ (1983) für Bläserquintett, Klavier und Zuspielband / Claude Vivier: Shiraz (1977) für Klavier. / Marko Nikodijevic: chambre de ténèbres / tombeau de Claude Vivier für Ensemble von 15 Spielern (2005 / rev.2007 – 2009 / 2012). Ensemble Aventure. Leitung: Bas Wiegers

Claude Vivier galt und gilt vielleicht immer noch als Außenseiter der Neuen Musik. Skandalumwittert ist die tragische Ermordung 1983 des gerade einmal 34-Jährigen in Paris. Das Interesse an den Werken des Franko-Kanadiers ist in den letzten Jahren gewachsen. Das Freiburger Ensemble Aventure setzt sich mit Viviers Erkundungen der Klangwelten der Fremde auseinander, in dem Kompositionen zu Klang kommen, die sich – neben den Originalwerken – direkt oder indirekt auf den Komponisten beziehen.

23:03 | Ö1
Zeit-Ton Magazin.

Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen. Mit einem Beitrag über die Elektronik-Szene in Armenien. Gestaltung: Susanna Niedermayr


01.06.2017


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik. Stadtcasino Basel. Aufzeichnung vom 24.04.2016

Ivan Zelenka: „Raumdeutung zwei – eine Einladung“ / Ianni Christou: „Praxis for 12“ (Version 2) / Antoine Beuger: „On Continuity 3“ / Ianni Christou: „Anaparastasis III: The Pianist“. Basel Sinfonietta. Leitung: Stefan Wirth

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Dieter Acker: Symphonie Nr. 1 – „Lebensläufe“ (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Dieter Cichewiecz); Helmut Bieler: Drei Stücke (Uta Walther, Klavier); Hans Joachim Friedl: Adagio und Scherzo (Max Hecker, Flöte; Kurt Kalmus, Oboe; Gerd Starke, Klarinette; Karl Kolbinger, Fagott; Gottfried Langenstein, Horn); Gerhard Dorda: „Pax“ (Polnischer Kammerchor Gdansk: Jan Lukaszewski); Gloria Coates: Streichquartett Nr. 5 (Kreutzer Quartet)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
KlassikPlus: „Die Maschine Orgel überwinden“
Zum 70. Geburtstag des Organisten Edgar Krapp

Mit Matthias Keller

20:04 bis 22:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: 6. Studiokonzert im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mouvements“

Abschlusskonzert der 10. Saarbrücker Komponistenwerkstatt. Deutsche Radio Philharmonie. Leitung: Manuel Nawri. Neue Werke von Martin Sadowski, Florian Wessel, Samuel Walther und Benedikt ter Braak. (Konzert vom 5. Mai im Funkhaus Halberg, Großer Sendesaal)

21.30-22.30, hr2-kultur
Werkzeuge der Neuen Musik.
Saxophon, Teil 1

Von Adele Jakumeit

22:03 bis 23:00 | SWR 2
SWR2 Hörspiel-Studio: Taxi.
Hörstück von Johannes S. Sistermanns

Komposition und Realisation: Johannes S. Sistermanns. (Produktion: SWR 2014). Der Kölner Komponist und Hörspielmacher Johannes S. Sistermanns notiert zu seinem auf Originaltönen beruhenden Hörstück: „In einem Taxi vermuten wir immer den Ortskundigen. Aber ich frage dann: Wo kommst du her? So geschehen in Hong Kong, New York, Perth, Rom, Fremantle, Shang-hai, Adelaide, Istanbul, Berlin, Köln. Denn nicht selten sind Taxifahrer selbst die Ortsunkundigen, Fliehenden, Flüchtigen und nicht Sesshaften. Und, wohin ist der Taxi-fahrer unterwegs? Die temporäre Transitsituation von Auto, Fahrgast und Fahrer ergibt eine kurze, aber äußerst komplexe Klangsituation: Radiostationen, Funkverbindung mit der Zentrale, die Fahrgeräusche bei geschlossenem wie geöffnetem Fenster. In meiner Klangmontage werden Gespräche nicht beendet, nur unterbrochen, später wieder fortgeführt. Klangbänder rauschen vorüber, bevor sie im Echo der Städte versickern. Sie sind akustische Durchgangsstationen, die zur auditiven Sozialfotografie gerinnen.“

23:03 | Ö1
Zeit-Ton: Neues von Elektro Guzzi.

Mit ihrem vergangenes Jahr erschienenen aktuellen Album „Clones“ schreiten Elektro Guzzi den auf „Observatory“ vorgezeichneten Weg fort. Bereits seit einiger Zeit arbeiten Jakob Schneidewind, Bernhard Hammer und Bernhard Breuer beharrlich an der sukzessiven Dekonstruktion ihres über die Jahre so perfektionierten Minimal Techno Sounds. Auf „Clones“ klingen sie nun so divers wie noch nie. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die drei Musiker sich diesmal gegenseitig bereits weitgehend ausformulierte Kompositionen vorgelegt haben, die dann gemeinsam ausgearbeitet wurden. Für die vier Stücke, die auf der unlängst veröffentlichten EP „Parade“ zu hören sind, hat sich das Trio die drei Posaunisten Hilary Jeffery, Daniel Riegler und Martin Ptak als Gastmusiker eingeladen. Die Initialzündung lieferte ein Kompositionsauftrag des Festivals artacts in St. Johann in Tirol. Gestaltung: Susanna Niedermayr


02.06.2017


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: documenta 14: Every Time A Ear di Soun.
From Audiences. Von Yan Jun

Produktion: documenta 14/Deutschlandfunk Kultur 2017. Länge: 44’12. (Ursendung). Das Publikum macht die Musik. Stets ist das Publikum bei der Arbeit des Musikers gegenwärtig: beim Konzert ebenso wie beim täglichen Playback-Ritual im Studio. „From Audiences“ beruht auf einem aktuellen Forschungsprojekt des Dichters und Musikers Yan Jun, in dem es um das Publikum und verschiedene Gemeinschaften des Hörens geht. Was wird aus dem Individuum, wenn es sich mit anderen in ein Publikum verwandelt? Wer sind diese Menschen, bevor sie sich selbst eine bestimmte Identität geben? Und wer sind sie nach dem Konsumieren? Yan Jun, geboren 1973 in Lanzhou, China, lebt als Musiker und Poet in Beijing. Er arbeitet mit Fieldrecordings, Elektronik, Körperbewegungen, Stimme und Ortsspezifika. All diese Materialien und Situationen führen ihn an die Grenzen der Musik, sowohl physikalisch als auch konzeptionell und in vielen verschiedenen Formen.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Siegfried Fink: Konzert für Perkussion und Streichorchester (Dmitriy Nedelev, Perkussion; Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt: Oliver Weder); Vivienne Olive: „The dream gardens“ (Uta Walther, Klavier); Dieter Buwen: „Nachtgedanken“ (Akademie Quartett); Uwe Strübing: „The Love Songs of Ennod Toile“, op. 35 (Ensemble Dirrekt: Hans Dirr); Werner Heider: „Galerie“ (Percussionsensemble Hermann Schwander: Werner Heider); Claus Kühnl: „Valse miniature“ (Michinori Bunya, Kontrabass; Thomas Hiltner, Klavier)

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
hör!spiel!art.mix:
Felix Kubin: Phantomspeisung (Ursendung)
BR 2017. Ursendung
Art of Noise – das Mikrofon als Versuchsobjekt. Felix Kubin im Gespäch mit Katarina Agathos. BR 2017

„Hier spricht die Stimme ohne Lunge, die Stimme aus dem leeren Raum. Dieser Raum ist zeitlos. Vom Schall verlassen. Hier pflanzt sich nichts fort, hier herrscht kein Leben. Der Gehörgang bleibt heute geschlossen. Die Luft steht still. Kein Streicheln der Flimmerhärchen, kein Vibrieren des Trommelfells. Ich bin im Vakuum der Welt. Alles ist elektrisch. Hier spricht: das Mikrofon.“ (Felix Kubin, Notiz vom 20.04.2014) Es markiert die Grenze zwischen bewegter Luft und elektromagnetischen Wellen, zwischen Gegenwart und Erinnerung, Leben und Tod; es ist der Beichtstuhl des Schriftstellers, die Lanze der Reporterin, das Phallussymbol des Rocksängers, das Lauschorgan des Geheimdienstes, das Sprachrohr des Redners und das Notizwerkzeug der Feldforscherin. An ihm scheidet sich die reale von der künstlichen Welt, immer soll es unsichtbar bleiben und bitte nicht ins Bild ragen: das Mikrofon. 1929 schrieb der britische Comedian Will Hay im BBC Handbuch darüber: „Ich kenne Mike schon lange. Erstmals bin ich ihm 1922 begegnet. Er hatte damals noch keinen Thron, sondern hing so herum. Ich glaube, er ist sehr empfindlich, denn man wickelt ihn in Baumwolltücher. Ich mag Mike, weil er immer so gut von mir spricht und nie krank ist und mich Menschen vorstellt, die ich ohne ihn nie kennengelernt hätte.“ In Anspielung an die strenge Zensur des BBC fügt er hinzu: „Du musst Dich immer anständig benehmen vor Mike. Du darfst keine frechen Bemerkungen machen oder auch nur im Entferntesten etwas Reißerisches von Dir geben.“ Genau das Gegenteil machte der Kölner Autor Rolf Dieter Brinkmann 1973, als er mit Tonbandgerät und Mikrofon in der Hand loszog, um Aufnahmen für die vom Westdeutschen Rundfunk produzierte Radiosendung Autorenalltag zu machen. Das Aufzeichnungsgerät wurde zur Schreibmaschine, das Mikrofon zur Waffe. So entstanden neben improvisierten Sprechakten, Gedichten und Interviews, auch spontane Weltbeschimpfungen und Noise-Collagen. Felix Kubin stellt das Mikrofon – fasziniert von Brinkmanns ungebremstem und ungehobeltem Umgang damit – in den Mittelpunkt seines Hörspiels und versucht in diversen Experimenten seinem Wesen näher zu kommen. Er begegnet seinem Versuchsobjekt mal zärtlich, mal respektlos – als Musikinstrument, Wandler und Rückkoppler. Es wird besungen, beschworen, beschimpft, übersteuert, durch den Dreck geschleift, vom Dach geworfen oder auch einfach nur sich selbst überlassen. Jenseits der Membran speist er ein Phantom, das die Welt in sich aufsaugt und verwandelt. Gottgleich wacht es an der Grenze zur anderen Seite, nimmt alles auf und gibt keine Antwort. Was bleibt, ist das Echo der Welt. The microphone is the message. Felix Kubin, geb. 1969 in Hamburg, Musiker, Komponist, Autor. 1998 Gründung des Plattenlabels Gagarin Records. Hörspiele u.a. „Syndikat für Gegenlärm“ (DKultur 2001), „Nachtspeicher“ (WDR 2003), „Paralektronoia“ (WDR 2004), „Orpheus‘ Psykotron“ (BR 2006), „Wiederhole 1-8“ (WDR 2008), „Die andere Seite“ (WDR 2011), „Orphée Mécanique“ (BR 2006/2012, Hörspiel des Jahres 2012).

22:00 bis 22:30 | Deutschlandfunk Kultur
Einstand: Vernetzte Musikschule.
Unterrichten mit App und per Skype

Von Helga Spannhake. Musik machen – das heißt, ein Leben lang zu lernen. Eine Anforderung, der sich auch die Musikschulen stellen. Unter dem Motto ‚Mensch.Netz.Musik – Musikschule mittendrin!‘ fand in Stuttgart der diesjährige bundesweite Musikschulkongress statt. Konzepte und zeitgemäße Modelle für die vielfältigen Bereiche lebendiger Musikschularbeit standen ebenso im Focus wie der Aufbruch ins digitale Unterrichtszeitalter mit Syke und Apps. Moderne Medien in der Musikschule: Der ‚Einstand‘ geht auf Spurensuche.

23:03 | Ö1
Zeit-Ton: artacts 2017 (Teil 1).

Zum bereits 17. Mal fand vom 10. bis zum 12. März das Festival artacts statt. In St. Johann in Tirol, einem der hochtouristischen Ferienorte, in denen zu dieser Zeit vor allem Skiurlauber/innen anzutreffen sind. Prall gefüllt war abends die Alte Gerberei mit Musikliebenden, die sich an stilistisch unterschiedlichsten Varianten freien Spiels erfreuten – von ruhig, reduziertem Spiel über dicht gewobene Klangnetze bis hin zu hoch energetischen Bands. In drei Zeit-Ton-Sendungen sind Aufzeichnungen des musikalisch ausgewogenen wie vielfältig gelungenen Festivals zu hören, unter anderem vom inoffiziellen Pianistinnen-Schwerpunkt mit Formationen von Elisabeth Harnik, Katharina Klement, Sophie Agnel und Kaja Draksler. Gestaltung: Nina Polaschegg


03.06.2017


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature. Beschleunigung auf Schienen
Wie der Dampfwagen das Musikleben veränderte

Von Markus Vanhoefer. „Eisenbahn, o Eisenbahn! Für Eisenbahnen habe ich eine wahre Monomanie“, jubelt Fanny Mendelssohn-Bartholdy, die Schwester des großen Komponisten, stellvertretend für eine Epoche, die nach 1830 dem „Eisenbahn-Fieber“ verfiel. Mit dem Titel „Beschleunigung auf Schienen. Wie der Dampfwagen das Musikleben veränderte“, begibt sich ein Feature von Markus Vanhoefer auf die Spurensuche nach den musikhistorischen Relikten der „Eisenbahn-Revolution“. Wir begleiten Franz Liszt auf seiner Reise nach Rom, erfahren von Robert Schumanns „Eisenbahnängsten“ und hören, wie der Walzerkönig Johann Strauss in Russland ein beachtliches Vermögen verdient hat. Dank einer Dampfwagengesellschaft.

22.04 – 00.00 Uhr | WDR 3
Open Sounds: Zeitreisen und Wasserwege.
Aktuelle Hörkunstproduktionen

Drei aktuelle Hörstücke von Iain Chambers, Karen Power und Hanna Hartman setzen sich mit der Klanggeschichte Londons, einer historischen Radiosendung aus Irland und kalifornischen Wasserleitungen auseinander.

„The House Of Fame“ ist der Titel eines Gedichts aus dem Jahr 1379. Darin hört Fama – die Göttin des Gerüchts – alles, was in der Welt so geschieht. Für „The House of Sound“ wiederum hat der britische Komponist Iain Chambers sich angehört, was seitdem auf den ruhelosen Straßen seiner Heimatstadt London passiert ist. Historische Stadtklänge aus dem Archiv der London Sound Survey – vom Gesang der Straßenverkäufer bis zu zeremonieller Musik, von den Sounds der jeweiligen Transportmittel wie Pferdewagen und Trambahnen bis zum Läuten der Kirchenglocken – zeigen im Wechselspiel mit aktuellen Feldaufnahmen die Entwicklung der alltäglichen Stadtklangwelt über die Zeit hinweg.

Ein ehemals typischer Stadtsound ist auch der Ausgangspunkt für Karen Powers neue Klangcollage: 1927 fand im Gebäude des früheren Gefängnisses Cork City Gaol eine der frühesten Radioausstrahlungen Irlands statt – gesendet wurde der Sound von Wagenrädern auf Kopfsteinpflaster. In „Is this on?” nimmt die irische Soundkünstlerin auf diese frühe Geräusch-Sendung und ihren geschichtsträchtigen Ort Bezug.

Die schwedische Komponistin Hanna Hartman widmet sich in „Törst“ (=Durst) den Wegen des Wassers durch kalifornische Landschaften und Leitungssysteme. Der mal leichtfüssig plätschernde, mal dynamisch rauschende Klangfluss wurde mit dem Prix Phonurgia Nova 2016 ausgezeichnet.


04.06.2017


22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Studio für Musik

Francesco Fournier Facio: „Um café com os poetas“ (Heike Steinbrecher, Oboe; Rodin Quartett); György Kurtág: „Requiem für den Geliebten“, op. 26; Wolfgang Rihm: „Ophelia Sings“ (Sarah Maria Sun, Sopran; Jan Philip Schulze, Klavier); Narine Kchatryan: „Bitterer Mond“ (Mitglieder des ensemble octopus: Markus Sterk)

22:00 bis 23:00 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: „Singet dem Herrn ein neues Lied!“ – Musik als Waffe der Reformation

Von Hildburg Heider. Seit Martin Luther steht Musik im Zentrum der Verkündigung – mit dem frischen Wind der Reformation weht auch auch ein neuer Geist im Gottesdienst. Neue Lieder in verständlicher Sprache entstehen, mit zu Herzen gehenden Melodien. Organisten und Kantoren vermitteln Musik als Ausdruck der göttlichen Kreativität und zur Freude der Kirchengemeinde – das verlangt professionelle Kunst! So schaffen auf der Grundlage der Reformation Komponisten wie Johann Walter, Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach eine neue Epoche der Musikgeschichte.

22:05 | Ö1
Siegerstücke des Rostrum of Composers (1):
Rostrum of Composers – der Songcontest der Neuen Musik (Teil 1).

Gestaltung: Rainer Elstner. Erfolg für Österreich beim „Song Contest“ der Neuen Musik in Palermo: Gerhard E. Winklers „Anamorph IX“ wurde in die Top Ten des International Rostrum of Composers gewählt. 58 Stücke aus 29 Ländern wurden eingereicht, abgestimmt haben alle teilnehmenden Radiostationen. Das erfreuliche Resultat bedeutet massives Airplay für den Kompositionsauftrag des ORF-Festivals musikprotokoll: Die beteiligten Sender verpflichten sich, die prämierten Aufnahmen zu senden. Gewonnen hat Artur Zagajewski aus Polen mit seinem Cellokonzert „brut“. Die U30-Kategorie entschied der finnische Komponist Sebastian Hilli für sich. Einmal im Jahr kommen Musikredakteur/innen aus aller Welt zusammen, um die besten Radioaufnahmen zeitgenössischer Musik zu hören und zu bewerten. Das jährlich stattfindende Rostrum of Composers hat eine möglichst umfangreiche Verbreitung von Aufnahmen zeitgenössischer Musik zum Ziel. Die zuletzt eingereichten Aufnahmen wurden weltweit 800-mal auf das Programm eines Radiosenders gesetzt. Ö1 sendet in den vier Juni-“Zeit-Ton extended“-Sendungen die interessantesten Werke des 64. Rostrums, das Mitte Mai in Palermo stattgefunden hat. Das Rostrum ist ein Programm des „International Music Council“ der UNESCO unter Mitwirkung der European Broadcasting Union (EBU).

23:00 | Ö1
Ö1 Kunstsonntag: Radiokunst – Kunstradio.
„STATION ROSE Jingle 2017 – Die Verzahnung“

Die Künstlergruppe Station Rose, Pioniere des Cyberspace seit ihres Entstehens, berichten im jährlichen Station Rose Jingle über neueste Ereignisse aus ihrem digitalen und analogen Leben. Seit 1988 wird der Jingle – der Titel ist irreführend, handelt es sich doch um ein sendungsfüllendes Kunst-Hörstück – im Kunstradio ausgestrahlt. In dem neunen STATION ROSE Jingle 2017 geht es um den Begriff der Verzahnung; es geht um die Verzahnungen von analoger und digitaler Welt, von Kunst und Natur, von Social, Virtual & Real Life. Nicht das Vergleichen oder Ausgrenzen von diesen Welten ist Gegenstand der STR-Beobachtung, sondern die Vermorphungsmöglichkeiten von scheinbaren Gegensätzen. Es wird nie wieder zwei verschiedene, getrennt agierende Welten, wie die der alten analogen und der neuen digitalen Welt geben. Diese müssen sich verzahnen, und im Idealfall, einem Wasserrad gleich, gemeinsam mehr Energie generieren als verbrauchen. Eine englische Übersetzung des Begriffes der Verzahnung ist neben „Interdigitation“ auch „Interweaving“, welches die Stofflichkeit eines Gewebes einerseits, als auch die Präsenz des neuen Gewebes des Webs exakt beschreibt.

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik. Mit Rolf Riehm.
His Master’s Choice [23] Rolf Riehm

Azealia Banks: 212 / Annesley Black: Tolerance Stacks für 5 Musiker; Julia Mihály, Stimme und Bandmaschinen; Mark Lorenz Kysela, Saxofone/No-Input-Mixer; Nikola Lutz, Saxofone/Ideogrammophon; Martin Lorenz, Perkussion/Turntables; Sebastian Berweck, Klavier/Bandmaschinen, Leitung: Ajtony Csaba / Amy Winehouse: Back to Black / Iris ter Schiphorst: Gravitational Waves für Orchester und Elektronik; National Youth. Orchestra of Great Britain, Leitung: Edward Gardner / Hannes Kerschbaumer: Kritzung für präparierte Viola und 3 Musiker mit Holzobjekten; IEMA Internationale Ensemble Modern Akademie. Georg Kröll: Tagebuch für Klavier; Udo Falkner

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seit 1997 chefökonom der kritischen masse und netzbabysitter der nmz.

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