Na sauber, Neue Musik im Herzen des katholischen Bayern, da wo Bayern noch konservativer sein soll als anderswo – in der Erzdiözese Passau. Das stellt an sounding D natürlich komplett neue Anforderungen. Hier soll euch nun erzählt werden, was sich zutrug, als der Zug nach Passau kam…

Im Land der Bajuwaren gab es eine Stadt, die Gott besonders gefiel. Die Menschen dort ehrten seine Gebote, bauten ihm ein schönes Gotteshaus und hielten sehr viel von einem seiner liebsten Propheten, dem heiligen Franz-Josef. Aber sie waren skeptische Menschen und fürchteten das Böse in allem, was sie nicht kannten. Als nun ein wunderlicher Zug in ihre Stadt kam und mit ihm Menschen, die wunderliche Laute ausstießen, bekamen sie es mit der Angst zu tun. Jene Fremden, die mit ihren Stimmen offensichtlich heidnische Riten vollführten (die Solisten des Richard Spaeth Vocal Ensembles) wurden in der Ausübung ihrer Teufelsgesänge bereits am Bahnsteig gestellt und in ein abgelegenes Bahnwärterhäuschen gebracht, wo sie freilich ohne Reue ihr schändliches Treiben fortsetzten…

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Stimmen aus dem Off: Das Richard Spaeth Vokal Ensemble war, obwohl verborgen,...

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...mittels Kabeln und PA auf dem gesamten HBF zu hören.

Die Passauer indes, weiterhin den Einflüsterungen körperloser Stimmen ausgesetzt, wankten nicht im Glauben, sondern suchten Erlösung im Hause Gottes, dem Hohen Dom St. Stephan, wo sie endlich durch den Klang der mächtigen Orgel (Domorganist Ludwig Ruckdeschel) Linderung erfuhren.

Heilende Klänge. Die Passauer Domorgel.
Die größte – katholische – Kirchenorgel der Welt.

Und der Herr hatte Mitleid mit den Seinen. Er sandte ihnen auch die Posaune(n) von Jericho (Paul Zauner), um ihnen die Scheu vor dem Andersartigen zu nehmen und die Mauern des Zweifels zum Einsturz zu bringen, die sie um sich gebaut hatten. „Lasset ab“, riefen sie da. „Lasset ab von den schnöden Klängen, an die wir uns so lange geklammert haben, weil sie wohltuend waren! Lasset Neue Musik um uns sein, denn auch sie kündet von Gottes Werk!“

Und die Menschen von Passau waren froh und sie gingen hin, um eine Schiffsreise zu tun, auf die sie alle Musiker einluden, die ihnen unterwegs begegneten.

eine innilzdonaureiberei...
eine "innilzdonaureiberei"...

mit Streichquartett und Jazztrio
...mit Streichquartett und Jazztrio

So waren am Ende alle glücklich und der Herr blickte mit Wohlwollen auf seine Stadt. Eine Stadt, die seinen göttlichen Ratschluss befolgt und der Neuen Musik ihre Tore geöffnet hat, so wie auch er es mit den Toren seines Hauses getan hat.

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