Über die Wahl Kirill Petrenkos auf den Posten des Chefdirigenten bei den Berliner Philharmonikern ist ja schon viel geschrieben worden. Aber auch einiges, sagen wir mal höflich, Eigenartiges. Manuel Brug in der WELT nachdem er eigentlich ganz akkurat die Sache anleuchtete:

„Kirill Petrenko, interessanterweise neben Daniel Barenboim und Ivan Fischer der dritte Jude auf einem Berliner Chefsessel, bringt, wie das auch Thielemann getan hätte, eine dominante Mutter mit in die Beziehung. Aber sonst ist ihm, was viele erleichtert hat, nichts Zwischenmenschliches mehr fremd. Wovon mindestens eine der diesjährigen Bayreuth-Sängerinnen berichten könnte.“

screenshot-webcache googleusercontent com 2015-06-24 13-15-48

screenshot-webcache googleusercontent com 2015-06-24 13-15-48

Dass die Tatsache, dass jemand Jude sei neben anderen, ein besonders erwähnenswertes Faktum sei, ist schlechterdings nicht nachvollziehbar, es sei denn, damit soll ein Subtext geschrieben werden. Den auszumalen, überlasse ich den geneigten Lesern und Leserinnen. Denn Petrenko ist interessanterweise auch der vierte, fünfte Mann auf einem Berliner Chefsessel, der erste mit Bart oder manchmal dann der sechste ohne Bart. Also: Was will uns Brug damit wohl mitteilen? Ein Faktum! Aber warum eben? Nichts genaues hat man gesagt, nur ein „interessantes“ (inwiefern denn interessant?) Faktum angezeigt.

Ebenso mit dem absolut interessanten Hinweis, dass Petrenko eine dominante Mutter habe. Vielleicht hat er sogar ein Schwester, die mal GAME-Boy gespielt hat, oder bei Ebay Staubsaugerbeutel ersteigert hat?

Und dass ihm „nichts Zwischenmenschliches mehr fremd“ sei, soll worauf anspielen? Dass er mehrfach ungesättigtes Fettsäuren vorzieht? Dass er heimlich in der Nase bohrt und einmal auf einer öffentlichen Toilette gepupst hat? Oder das Streuen eines Gerüchts, ohne nur klar zu werden dabei.

Man kann dann schon nur zu gut verstehen, wenn Leute wie Petrenko den Kontakt mit der Presse scheuen.

Es passt sehr gut in den Zusammenhang, wenn da bei der Pressekonferenz der Berliner Philharmoniker gefragt wurde, warum man keinen Deutschen als Nachfolger von Bülows gewählt habe.

Ja, wo sind wir denn? Im Ressentiment-Keller der Verrückten?

      Deutscher Klang. Kienzle Uhren 1933 - Deutscher Klang. Kienzle Uhren 1933

„Der dem deutschen Wesen fremde Bim-Bam-Gong.“ 1933.

PS: Nachtrag 13:37

Brug hat seinen Text modifiziert oder modifizieren lassen. Jetzt ist zu lesen:

„Kirill Petrenko, interessanter- wie erfreulicherweise siebzig Jahre nach dem brauen [sic!] Rassenspuk neben Daniel Barenboim und Ivan Fischer der dritte Jude auf einem Berliner Chefsessel, …“ [Hervorhebung von mir, MH]

Das entschärft das Problem wenigstens etwas, obwohl weiterhin der Umstand, dass hier jemand Jude ist, nach wie vor keine hilfreiche Information ist. Dadurch wird so wenig die Vergangenheit geheilt noch ist, aller Wahrscheinlichkeit und Lebenserfahrung nach, diese Eigenschaft für die Wahl zum Chef der Berliner Philharmoniker ausschlaggebend gewesen. Erfreulich wäre, wenn man über so etwas nicht eigens reden müsste.