Hörstudie
Hörstudie

Ein ganz merkwürdiges Phänomen. Seit über zwei Wochen hat sich sounding D auf die Klangsuche (StadtRundKlang) begeben. In Eisenach war die Klangträger omnipräsent. Soundwalks durchmaßen Städte  und Umgebungen. Sonntag nachmittag gab es eine Art musikalische Schnitzeljagd. Die ganze Tour führte zu einer Sensibilisierung fürs Hören. Man ging vielleicht durch die Stadt Eisenach, die voll mit Klangstationen sein sollte und hörte dort auch Klänge, die nicht zum „Stück“ gehörten. Aber wie sicher darf man da sein?

Selbst auf der Zugfahrt gen Heimat blieben die Ohren offen. Man konnte sich nicht mehr loseisen. Jedes Telefonat in der S-Bahn wurde plötzlich belauscht.  Kein Abschalten möglich. Das gelang erst wieder mit der Übertragung des Schlußstücks von B. Mason, das Deutschlandradio Kultur zeitversetzt übertrug. Endlich konnte man wieder abschalten und Nicht-Hinhören. Ein musikalisches Gefasel von unglaublicher Undichte (siehe auch den Kommentar von Theo Geißler).

Nach wie vor ist der Übergang vom Hörleben in den KonzertKlang eigentümlich einer von der graubunten Welt in eine komplett monochrome.  Vorgestern mit Gérard Griseys „Le Noir de l’Ètoile“ im Festsaal der Wartburg, vorgetragen vom Ensemble S aus Hannover,  war es durchaus anders. Ein mitreißendes Stück, ein musikalischer Sog. Vielleicht etwas zu lang geraten. Aber man war näher dran an der Musik.

So wie die Umgebung immer mehr gerade bei Werken der aktuellen Musik die Künste und die Natur (auch die städtische) nicht nur beiläufig hinzuzieht, fallen die Werke, die nur noch auf die Kraft ihrer eigenen Tönigkeit setzen, hinten unter.

Ensemble modernst
Ensemble modernst

Doch auch die andauernde Präsenz der Klangträger kann auf die Dauer nicht tragen. Mit der Zeit kennt man den komponierten Klang einfach zu sehr. Und hört dann: „Ach die schon wieder.“ Auch Zoro Babels Steinklänge sind auf die Dauer hin gesehen nur schwer zu ertragen. In der durch improvisierte Module sich ergebenden Musik gibt es irgendwann eine ästhetische Abschließung. Mag  sein, dass die Musik auch gar nicht auf andauernd begleitende Hörerschaft angelegt ist, da sie ja im Leben stehen und nicht das musikalische Tagesbegleitprogramm sein will.

Irgendwann wird jede Musik gleichen Zuschnitts öde. Das betrifft klassisch komponierte Werke nicht minder. Die Klangkunst von Robin Minard im sounding D-Zug ist da nicht anders. Ich hörte sie zu Beginn (in Dresden) und ich hörte sie am Ende (Eisenach). Sie klingt wie je, genauso frisch und genauso alt. Die Permanenz des Klanges, hier wie dort, macht müde. Wo alles tönt, fehlt dann die Leere, in der sich Gehörtes ausbreiten kann.

Aber vielleicht geht es auch nur mir so.

Wahrscheinlich.

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